Birgit Hämmerle: Farid der Träumer

farid der träumer

Ich habe keinen blassen Schimmer, warum der Verlag dieses Buch einer Leserschaft empfiehlt, die zwischen 15 und 20 Jahre alt ist. Selbst habe ich diese Altersgrenze mehr als drei Mal überschritten, aber dennoch bin ich begeistert von diesem Buch.

Farid wächst im Ägypten des Präsidenten Mubarak auf. Der Präsident und sein Sohn, der bereits als Kronprinz gehandelt wird, sind nicht sonderlich beliebt, aber weit mehr sind die Muslimbrüder gefürchtet. Sie scheinen überall zu sein und wissen auch alles. Sie bemerken sofort, dass Farid ein wenig auf Abstand zu ihnen geht. Da kommen sie und bieten ihm einen Platz im Koranchor und auch sonstige Hilfe an, die Farid dringend nötig hätte. Sein Vater ist verschollen und somit ist Farid verantwortlich für den Rest seiner Familie.

Die Autorin, die lange Zeit in Alexandria, Farids Heimatort, gelebt hat, schildert mit den Augen Farids die innenpolitische Lage des beginnenden Arabischen Frühlings. Besonders interessant sind für mich auch die Beobachtungen, die Farid im Vergleich von Allah und Gott anstellt. Zum ersten Mal bekomme ich in einem Roman einen so fundierten Einblick in den Lebensalltag der muslimischen Welt. Sympathisch werden mir Autorin und Story besonders als ich erkenne, Brigitte Hämmerle beschreibt, wertet jedoch nicht.

Farid entschließt sich, weil er um sein Leben fürchtet, seine Heimat zu verlassen. Unter abenteuerlichen Umständen erreicht er den vermeintlich so reichen Kontinent seiner Träume.

Die Welt ist in Bewegung geraten, Religionen und Ideologien prallen aufeinander und Menschen geraten ins Abseits. Birgit Hämmerle gibt einen realistischen Einblick in das Geschehen und schickt uns gemeinsam mit Farid in die Schule des Lernens, in der ideologische Scheuklappen über Bord geworfen werden!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15564-9, Preis 13,95 Euro

Birgit Hämmerle hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Birgit Hämmerle, soeben ist Ihr “Farid der Träumer” erschienen. Ihr Roman spielt in einer für uns völlig fremden Welt. Warum kennen Sie sich so gut in dieser fremden Welt aus oder ist doch alles nur Ihrer Fantasie entsprungen?

Ich denke, weil ich so neugierig und vielleicht ein bisschen ein Querkopf bin! Wenn man 8 Jahre in einer Stadt lebt, in der die islamistischen Gruppen stark mitreden, kann man als Europäer entweder sein Leben isoliert in den Clubs der oberen Schichten zubringen (das wird einem nahegelegt), oder aktiv in ärmere Stadtviertel gehen. Wir haben als Familie neben der Arbeit an Seeleuten im Hafen eine Freundschaft zu einer Familie im Fischerviertel gepflegt. Das Arabisch aus der Sprachschule haben wir dann bei Herrn Hamo und Co. angewandt. So konnte ich viel über das Leben und die Kämpfe der Leute herausfinden und erfahren, wer dort den Ton angibt. Farid als Figur habe ich ausgedacht. Was er und seine Freunde erleben, kommt aber direkt aus dem realen Leben von Anfuschi, dem Fischer- und Werftviertel Alexandrias.

Entschuldigen Sie, aber ich bin von Geburt an sehr neugierig. Was haben Sie acht Jahre lang in Alexandria gearbeitet?

Mein Mann und ich führten eine Auslandsstation der “Deutschen Seemannsmission”, das Deutsche Seemannsheim in Alexandria. Das ist ein traditionsreicher, christlicher Sozialdienst, der Seeleute auf Containerschiffen im Hafen betreut und ihnen an Land einen Club anbietet, der auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Farid ist mir schnell ans Herz gewachsen. Er kommt in Ihrem Roman sehr sympathisch rüber, obwohl er doch so völlig anders ist. Hat es einen Grund, dass Sie ausgerechnet einen männlichen Helden geschaffen haben?

Zum Einen wollte ich für meinen Sohn (19) eine Geschichte schreiben, die ihn interessieren würde. Zum Anderen hat es mich betroffen gemacht, als ich von verschiedenen Schicksalen hörte, in denen junge Männer aus den unteren Schichten der Bevölkerung so wie Farid unter Druck stehen. Mir fiel auf, dass das in Deutschland in den Medien nicht so beleuchtet wurde.

So ganz nebenbei erzählen Sie auch vom Gottesbild und dem religiösen Alltag in dem Farid lebt. Sie erwecken in mir den Eindruck, dass Muslime so gut wie nichts hinterfragen. Da kommen beispielsweise die Muslimbrüder und sind ihm keinesfalls wohlgesonnen und fast alle freuen sich, dass sich da endlich um die vaterlose Familie von Farid kümmert. Warum hinterfragen wir Christen so vieles bei Gott und die Muslime scheinbar so wenig bei Allah?

Für die Christen kann ich nicht sprechen und “die Muslime” gibt es wohl so auch nicht. Aber die Mehrheit der Menschen in Ägypten ist grundsätzlich religiös. Die Muslimbrüder haben nun noch in den letzten Jahrzehnten die Parole “Islam ist die Lösung” ausgegeben und soziale Projekte für die Armen gemacht. So hat der einfache Mann auf der Straße mehr und mehr geglaubt, dass Allah das Land wirtschaftlich auf die Beine und wieder in eine ehrenvolle Vormachtstellung bringen würde, wenn man nur rigoroser den islamischen Geboten folgte. Der Islam hat zu der Zeit, in der das Buch spielt, in Alexandria das öffentliche Leben dominiert. Die Liberalen, die durch Internet und andere Medien Zugang zu mehr Informationen haben, haben sich zwar dem nicht unterworfen, aber niemand hätte gewagt, die Religion öffentlich zu hinterfragen. Und die Armen haben nicht viel Wahl. Wenn Farids Mutter froh ist, dass die Bruderschaft sich um sie bemüht, dann deshalb, weil das – gefühlt – ihre einzig greifbare Chance für ein besseres Leben ist.

In dem kurzen Regime der Muslimbrüder unter Präsident Mursi haben alle ganz praktisch erkennen können, dass es Ägypten durch mehr Islam nicht besser, sondern schlechter ging. Neuerdings gibt es daher auch eine Reihe von Muslimen, die sich offen zu einem Atheismus bekennen, man trifft sich in bestimmten Cafes, um viel zu diskutieren. Aber das kam nach der Handlungszeit im Buch.

birgit hämmerle

Foto: Birgit Hämmerle

Für wen haben Sie Ihr Buch ganz speziell geschrieben?

Für die junge Generation in Europa. Ich bin noch mit der Mauer und den kommunistischen Regimen aufgewachsen. Meine Kinder werden sich in ihrer Lebenszeit dagegen intensiv mit dem Islam als Weltanschauung auseinander setzen müssen, er ist ja jetzt schon das dominierende Thema der Medien geworden. Ich träume davon, dass junge Menschen sich einen schärferen Blick auf die Realität des Islam in seinen Stammländern verschaffen, um den eigenen Standpunkt klarer zu definieren. Farid soll dazu inspirieren.

Farid träumt sehr viel, warum spielen Träume in Ihrer Geschichte so eine große Rolle?

Der Ziehvater unserer Zivilisation ist der Rationalismus – wir vertrauen unserem Verstand bei der Beurteilung wichtiger Dinge. Die ärmere Bevölkerung in einem nahöstlichen Land aber lebt in einer Mischung aus Islam und Animismus – sie interpretieren das Leben mithilfe von Tradition (z.B. islamische 5 Säulen) und Intuition, z.B. heilige Orte (Schreine heiliger Leute), Dinge (z.B. Amulette) oder Kräfte (z.B. der böse Blick). Schon seit der Antike werden Träume als Interpretation des Lebens sehr wichtig genommen. Das wollte ich aufgreifen.

Schriftstellerisch wollte ich andererseits eine Form haben, in der ich meine Liebe zur Geschichte einbauen konnte, ohne zu langweilen. Deshalb träumt Farid das, was an bestimmten Orten vor langer Zeit tatsächlich geschehen ist. Das aber ist für ihn eine sehr existentielle Herausforderung. Z.B. wird in einem Traum eine militärische Eroberung Ägyptens präsent gemacht. Das widerspricht an der Grundlinie dem Nationalstolz der Ägypter, der Farid eingebläut wurde (Ägypten ist unbesiegt) und dem Glauben an Ägypten als die unübertreffliche “Mutter der Welt”, die in der Nationalhymne beschworen wird.

Eine weitere Realität im Nahen Osten ist auch die, dass viele Muslime in ihren Träumen eine direkte Begegnung mit Jesus Christus haben. Gott selber also gebraucht diesen intuitiven Zugang, um sich vorzustellen. Ich kenne etliche Personen, denen eine Hinwendung zu dem Jesua der Christen alles das wert war, was ihnen vor dem Traum je wichtig gewesen ist.

Eines Tages besteigt Farid in Alexandria einen Fischkutter. Er lernt die Welt und unseren Gott kennen. Was wollen Sie mit Ihrem Buch erreichen?

Farid kennt die Härte des Lebens. Er sucht sehr nach einem Vorbild, das ihm den verlorenen Vater ersetzen könnte: zuerst bei den Muslimbrüdern, dann bei den Ausländern, die er in Libyen trifft. Erst spät trifft er auf Christen, die für ihn greifbar und überzeugend ihre Sicht der Dinge leben, v.a. seinen väterlichen Freund Vito. Ich denke, das Thema “Lebensvorbilder” und die Suche nach welchen, die überzeugen, ist auch für viele junge Menschen in Deutschland angesagt. Ob er unseren Gott kennenlernt, weiß ich noch nicht…

Es wäre ein guter Anfang und ich würde mich schon sehr freuen, wenn viele meiner muslimischen Freunde auf Christen träfen, die sie nicht belehren wollen, sondern ihnen durch ihr Leben den Mund wässerig danach machten, mehr über ihren Gott zu erfahren, wie Farid. Wie heißt es doch im Gleichnis? “Wer meinst du wohl, ist dem der Nächste geworden, der unter die Schlepper – pardon: Räuber! – fiel?”

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Drei Verlosungsexemplare stellt uns der SCM Hänssler Verlag zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 3. November 2014 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Fritz Orter: Ich weiss nicht, warum ich noch lebe

ich weiss nicht warum ich noch lebe

In Zeiten wie diesen, da Kriege scheinbar Konjunktur haben, kommt das Buch von Fritz Orter gerade zur rechten Zeit. Der österreichische Fernsehjournalist hat auf allen großen Kriegsschauplätzen der letzten Jahrzehnte gedreht und über die Kriege berichtet. Sein Weg führte ihn unter anderem ins frühere Jugoslawien, aber auch nach Afghanistan und in den Irak. Scheußliches berichtet er über den Bürgerkrieg in Syrien.

Dabei macht er mir mein bisheriges Bild vom hartgesottenen Kriegsreporter völlig kaputt. Kriegsreporter scheinen doch nicht Typen zu sein, die Leichen mit und ohne Köpfe sehen können und denen Orte, die nur noch aus Trümmern bestehen, nichts ausmachen. Bei Orter beginne ich zu begreifen, dass diese hartgesottenen Typen ungeeignet für diese Arbeit wären.

Und während sich der Krieg Europa immer mehr nähert und unsere Politiker auf immer mehr Fragen immer weniger Antworten wissen, holt Fritz Orter den Krieg auf die persönliche Schiene herunter. Er erzählt eingangs, wie Kriege in seiner Familie Wunden geschlagen haben, und er erlaubt es sich, eigene Meinungen zu formulieren. Doch aufgepasst, diese sind nicht immer pakttreu. Der Journalist beschreibt ekelhafte Kriegsszenen, Opfer und Soldaten hören auf Menschen zu sein, Orter wird Kriegszeuge und kommt zu Überzeugungen, die unseren Politikern sicher oft nicht schmecken.

Obwohl der Autor in den letzten Jahrzehnten so viel an Grausamkeiten gesehen hat, ist ihm doch menschliches Empfinden nicht abhanden gekommen. Wie er schreibt, ist er alt geworden. Wie mir scheint, hat er die Hoffnung auf eine friedliche Welt längst aufgegeben.

Mit seinem Buch setzt Orter den Kriegsreportern ein Denkmal und schreibt jedem seiner Leser ins Stammbuch: Schau selbst genau hin und überlass es nicht allein den Politikern!

Ecowin, ISBN 978-3-711000-569, Preis 19,95 Euro

Fritz Orter hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Fritz Orter, in diesen Tagen kommt Ihr Buch “Ich weiss nicht, warum ich noch lebe” in unsere Buchläden. Der Titel klingt pessimistisch. Sind Sie Pessimist?

nein,realist

Sie sind einer der bekanntesten Kriegsreporter der letzten Jahrzehnte. Warum haben Sie diesen Job gemacht? War das Ihr Traumberuf?

empathie, und die leider meist vergebliche hoffnung, das leid anderer mit meinen reportagen gelindert zu haben.so gesehen eher ein trauma-beruf.

Fritz_Orter_Portrait_300dpi

Fritz Orter
(Dem Verlag herzlichen Dank für das Foto.)

In Ihrem Buch berichten Sie von Ihrer Arbeit und erzählen doch auch von den Kriegswunden in der eigenen Familie. Warum vermischen Sie beides?

jedes individuum ist auch ein soziales wesen.

Fotos bekomme ich in Ihrem Buch keine zu sehen. Aber dennoch schaffen Sie es einzelne Szenen so zu beschreiben, dass dabei scheußliche und menschenunwürdige Bilder bei mir entstehen. Warum muten Sie mir das zu?

die wahrheit ist dem menschen zumutbar.

Zu Zeiten von Ulfkottes “Gekaufte Journalisten” entpuppen Sie sich in Ihrem Buch als ein Journalist, der gegen den beinah erdrückenden oft gleichgeschalteten Medienstrom anschwimmt. Sie erlauben sich sogar die USA zu kritisieren. Welche Anforderungen stellen Sie an Ihre Leser und Zuschauer? Was erwarten Sie von uns?

mündige medienkonsumenten, die nachdenken, nicht nachplappern.

Am Ende Ihres Buches lassen Sie mich mit Ihren Worten “Frieden wird es nie geben …” zurück. Woher kommt Ihre Hoffnungslosigkeit?

der mensch ist des menschen wolf, solange einzelne glauben im besitz der wahrheit für alle zu sein und dafür krieg führen.

Der Ecowin Verlag hält drei Verlosungsexemplare für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 27. Oktober 2014 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Francis Spufford: Heilige (Un)Vernunft!

heilige unvernunft

Mal ganz ehrlich, wann haben Sie das letzte Mal “Ich bin Christ und das fühlt sich gut an!” gesagt? Folgt man Spufford könnte man sich dazu hinreißen lassen.

Bei Büchern über den christlichen Glauben, von Engländern oder Amerikanern geschrieben, bin ich meist ein wenig skeptisch, weil sie mit unserem Alltag oft nur wenig Berührungspunkte haben. Francis Spufford allerdings trifft genau den Ton, der mich anspricht. Er findet genau die Ebene, in der ich mich oftmals selbst entdecken kann. Niemand von uns ist ein Christ der nie zweifelt oder Bedenken hat. All dies ist bei Spufford nicht anders und er erzählt in aller Offenheit davon.

Darin liegt auch die Stärke dieses Buches. Der englische Autor sendet viele Ich – Botschaften zu seinen Lesern. Zweifelslos macht er sich damit auch angreifbar und über so manch eine seiner Aussagen, würde ich gern mit ihm diskutieren, aber letztlich findet er in seinem Glauben doch wichtige Sachen für das Leben, die sonst nur schwerlich zu haben wären.

So völlig ohne Respekt nähert sich der Autor der Person Jesu und kommt ihm damit vielleicht viel näher als jedes exakt geschriebene wissenschaftliche Sachbuch zum Thema. Francis Spufford stößt Jesus hinunter vom Sockel des ewig lächelnden, jungen und schlanken Superhelden. Der Autor beschreibt ihn erschreckend anders und schreibt uns ins Stammbuch: “Glaube besteht aus Standpunkten”.

Das Buch liest sich leicht und locker und ist doch so völlig unbequem und der Autor rückt dem Leser ziemlich dicht auf die Pelle. Entziehen kann man sich diesen sehr persönlichen Aussagen nur schwer, weil man bei jeder Zeile spürt, wie ehrlich der Autor von seinen Glaubenserfahrungen berichtet. Und diese sind im Ergebnis so gut, dass Francis Spuffort von sich behaupten kann: “Ich bin Christ und das fühlt sich gut an!”

Ein wertvolles Glaubensbuch, dass selbstgemachte Erfahrungen in Worte fasst und den Leser aus dem Alltagstrott herausreist um ihm zu zeigen wie Glaube stark macht!

Brendow, ISBN 978-3-86506-674-9, Preis 17,95 Euro

Der Brendow Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Titels zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 20. Oktober unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Nachtrag:
Herzlichen Glückwunsch!
Simone hat das Verlosungsexemplar gewonnen.

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Rainer Buck: Tims Arche

tims arche

Mutig packt Rainer Buck das schwierige Thema Homosexualität und Christ sein an. Frei von theologischer Engstirnigkeit hat er eine Story erfunden, in der die üblichen Charaktere mit diesem Reizthema konfrontiert werden.

Aus Sicht der jungen Studentin Susann erzählt Buck die Story die nichts vom Ausgang vorweg nimmt oder erahnen lässt. Pastor Tim Friese hat in seiner Kirchengemeinde eine Arche geschaffen, in der Gestrandete Gemeinschaft suchen. Es kommen nicht die Massen, aber langsam kommen die, die in die Kerngemeinde nicht kommen würden. Susann und Tim kommen sich näher und werden aus gleich mehreren Gründen doch kein Paar.

Wie gehen Gemeinden unterschiedlichster Prägung mit dem Thema Homosexualität um? Ist Ausgrenzung heute noch ein Thema? Wie gehen ganz normale Christen mit diesem Thema um? All diesen Fragen geht Rainer Buck unverkrampft nach und kommt dabei nicht ins theoretische Gelaber. Er orientiert sich am Alltag. Wie alltagstauglich ist unser Glaube in der Gegenwart? Haben Homosexuelle wirklich in unseren frommen Reihen etwas zu suchen oder sollten wir ihnen nicht doch besser zu verstehen geben, dass sie lieber draußen bleiben sollten?

Sehr genau hat sich Rainer Buck das Team seiner Protagonisten zusammengestellt. Bis zum Schluss bleibt es spannend mit zu verfolgen wie sich die Geschichte entwickelt. Von Anfang an fühlte ich mich in die Arche hineingezogen und war vom Ende der Story überrascht.

Bei Rainer Buck wird deutlich: Da wo Menschen ausgegrenzt werden, kann nicht von Gottes Liebe gesprochen werden!

Turmhut Verlag, ISBN 978-3-945175-07-1, Preis 11,99 Euro

Rainer Buck hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Rainer, Dein neues Buch “Tims Arche” ist seit wenigen Wochen auf dem Markt. Welcher Teufel hat Dich eigentlich geritten Homosexualität und Kirche zusammenzubringen, bist Du grad auf Krawall gebürstet?

Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich war schon mitten in der Arbeit an diesem Buch, als bei uns in Baden-Württemberg im Zusammenhang mit einer Bildungsplandebatte und einer Petition das Thema Homosexualität hochkochte. Dabei wurde auch wieder die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften thematisiert. Christen wie z.B. der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz sehen den verfassungsgemäßen Schutz von Ehe und Familie gefährdet. Ich finde es bedauerlich, dass durch öffentliche Äußerungen von Mitchristen, die ich für ihr Engagement schätze, der Eindruck entsteht, für Schwule und Lesben gebe es bei den „Frommen“ keinerlei Akzeptanz. Dadurch werden manche homosexuelle Christen ihrer geistlichen Heimat beraubt oder leben jahrelang im Zwiespalt, jüngstes Beispiel ist die Sängerin Vicky Beeching. Außerdem finde ich es nicht in Ordnung, wenn Kirchenleitungen schlechtgemacht und des Glaubensabfalls bezichtigt werden, die tolerante Regelungen für homosexuelle Mitarbeitende beschließen.

Im Buch erzählt die junge Studentin Susann von ihrem Leben. Wie ist das, wenn man als Mann in eine Frauenrolle schlüpft, braucht es da eine besondere Vorbereitung?

Nein. Als Romanautor musst du dich in jede Figur einfühlen. Susann ist zwar die Ich-Erzählerin, aber mit Tim Friese und Carolus Sternau gibt es auch markante männliche Protagonisten. Ich denke, wichtiger als das Geschlecht ist für mich, dass mir der Menschentyp liegt. Ich habe es ja schon mal gewagt, eine Frau zur Erzählerin zu machen und freute mich da besonders, wenn sich Leserinnen mit der Figur identifizieren konnten.

Pastor Tim Friese baut in seiner Kirchengemeinde sein Projekt “Arche”. Unterschiedlichste Typen bauen da am gemeinsamen Projekt, welches sich Gemeinde nennt. Auch ihn trifft unverhofft sehr persönlich das Thema Homosexualität, was glaubst Du, warum ist ausgerechnet dieses Thema so sprengstoffbeladen?

Außerhalb der Kirche ist das Thema kaum noch ein Aufreger, weil Homosexuelle heute ganz normal und bürgerlich leben können. Die Christen tun sich schwerer, weil es in der Bibel Aussagen gegen praktizierte Homosexualität gibt. Natürlich ist die Bibel für mich relevant, auch die Aussagen zur Sexualität. Was die Bibel nach meinem Verständnis anprangert, berührt allerdings nach meinem Verständnis eher nicht die Wünsche homosexueller Menschen nach einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. In der Bibel geht es um Unzucht und widernatürliches Verhalten. Für die Vorstellung, dass Homosexualität zur Schöpfungsabsicht Gottes gehören könnte, muss die Schöpfungsgeschichte nicht umgeschrieben werden. Die Minderheit homosexuell geprägter Menschen bringt das Familienmodell nicht ins Wanken.

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Foto: Rainer Buck

Was willst Du mit Deinem Buch erreichen?

Mir ist klar, dass ich theologische Meinungen kaum beeinflussen werde; die Diskussionen fahren ja gewöhnlich immer an der Frage der Bibelauslegung an eine Wand. Als Romanautor habe ich den Vorteil, die Diskussion nicht zu Ende führen zu müssen. Ich hoffe, dass meine Erzählung Anregungen dafür gibt, wie das Zusammenleben auch bei unterschiedlichen Standpunkten funktionieren könnte. Zudem könnte sie vielleicht in einigen Punkten die Sensibilität dafür schärfen, wie auch gutgemeinte Aussagen diskriminieren und verletzen können. „Gott hasst die Sünde, liebt aber den Sünder“ ist ein schlimmes Zitat, wenn ein wesentlicher Teil der Persönlichkeit eines Menschen pauschal zu Sünde erklärt wird. Umgekehrt sollte man allerdings auch Christen wegen einer Gewissenshaltung nicht diskreditieren.

In Deinem Roman herrscht am Ende Frieden. In der Realität sind allerdings Streit und Sprachlosigkeit der Schlusspunkt, warum hast Du Dich für ein versöhnliches Ende entschieden?

In meinem Buch sind nicht alle Probleme aus der Welt geschaffen. Nur einer kleinen Gruppe von Menschen, im Übrigen alles Christen, kommt vielleicht an einen Punkt, an dem sie erkennen, dass sie sich das Leben nicht gegenseitig unnötig schwer machen müssen. Die stärksten Momente christlicher Einheit sind für mich nicht die, wenn alle einer Meinung sind. Ich kann mir ehrlich vorstellen, dass uns die Bibel neben allen wichtigen Antworten durchaus ein paar offene Fragen hinterlassen hat, damit wir uns daran üben können, unseren Drang nach Rechthaberei zu bezwingen und uns in der Liebe zu üben.

Der Turmhut Verlag stellt uns drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis spätestens 14.Oktober unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Gewinner des Verlosungsexemplares ermittelt:
Juergen, Ricky und Michl – herzlichen Glückwunsch!
(15.10.)

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Jonathan Aitken: Amazing Grace und John Newton

john newton

Wer kennt nicht “Amazing Grace”? Der berührende Text und die zu Herzen gehende Melodie gehen unter die Haut. Wer aber hat das Lied geschrieben? Wer ist dieser John Newton?

Die nun in deutsch vorliegende Biografie über John Newton lebt meiner Ansicht nach von der Vielzahl der Newton-Zitate. Sie machen sehr eindrücklich klar, wie steinig und beschwerlich der Glaubensweg Newtons war. Wenn ich mich an den fürchterlichen Sturm und die anschließende entschiedene Hinwendung zu Gott erinnere, fühle ich mich beim Lesen an Martin Luther erinnert.

Dem Autor ist es gut gelungen nicht in die Nähe der schwärmerischen Kitschschublade zu gelangen. Akribisch hakt er die einzelnen Stationen auf John Newtons Lebensweg ab. Dabei entsteht zugleich ein äußerst lebendiges Bild des 18. Jahrhunderts, auch über die Grenzen Englands hinaus. Es wird verständlich, warum Newton Sklavenhändler war und dies für seine Zeit nichts Schlimmes gewesen ist. Wieder entdecke ich eine Parallele zu Luther. Wie war doch noch gleich sein Verhältnis zu den Juden?

Der Lebensweg des John Newton wird vor meinem inneren Auge lebendig. Es ist ein ewiges Auf und Ab. Je mehr er sich Gott zuwendet, desto so mehr verändert sich sein Leben.

Wer noch immer einen Beweis für Gottes lebensverändernde Kraft sucht, der sollte diese Biografie lesen, danach weiß er was zu tun ist!

SCM Hänssler, ISBN 978-3- 7751- 5541-0, Preis 29,95 Euro

Der Hänssler Verlag hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 13. Oktober unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Nachtrag:
Chris hat das Verlosungsexemplar gewonnen.
Herzlichen Glückwunsch!
(14.10.2014)

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Marie Monville: Gottes Gnade trägt

gottes gnade trägt

Ein in jeder Hinsicht aus dem Rahmen fallendes Buch aus dem Hänssler Verlag!

Mit “Gottes Gnade trägt” hat SCM Hänssler einen Sprung in die Oberliga geschafft. Auf schneeweißem Papier und einem wunderschön gestalteten Schutzumschlag, dessen Outfit mit keiner Nuance an ein herkömmliches Hänssler-Buch erinnert, kommt die Geschichte der Marie Monville daher. Für so ein Buch bin ich gern bereit einen 20 Euro Schein auf den Tisch zu legen.

Aber auch inhaltlich packt die Geschichte eines amerikanischen Amokläufers mich sofort. Marie wird völlig davon überrascht, dass ihr Ehemann sich in einer Schule der Amisch-Gemeinschaft verbarrikadiert und mehrere Schülerinnen ermordet und anschließend auch seinem Leben ein Ende setzt. Mit dem Ertönen der Polizeisirenen weiß Marie, es ist etwas furchtbares geschehen und es muss mit ihrem Mann zu tun haben.

Der war der Milchfahrer, immer freundlich und immer zu einem Späßchen aufgelegt. Alle zwei Tage holte er bei seinen Amisch-Nachbarn die Milch ab und plötzlich ermordet er in ihrer Schule ihre Kinder. Wie passt das zusammen?

In ihrem Buch stellt Marie viele Fragen, betreibt Spurensuche, beschreibt ihre Situation, erzählt von ihren drei Kindern, auch von den beiden ersten die sie verlor…

Wunder geschehen in dieser Geschichte. Die betroffenen Amisch-Eltern lassen Marie wissen, dass sie ihrem Mann vergeben und dass sie ebenso trauern wie Marie… Gnade und Heilung von mehr als nur einer Wunde werden möglich. Marie findet mit ihren Kindern zurück ins Leben und kann sogar einen neuen Weg für sich finden.

Diese an sich scheußliche Geschichte hat seinen Sinn. Sie zeigt deutlich, wo Gott ist, kann keine Dunkelheit siegen!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5578-6, Preis 19,95 Euro

Der Verlag SCM Hänssler hat uns von diesem Buch ein Verlosungsexemplar bereit gestellt. Wer seinen Kommentar bis zum 6. Oktober 2014 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch!
Maria hat das Buch gewonnen.
(7.10.2014)

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Dallas Willard: Jünger leben mittendrin

jünger leben mittendrin

Dallas Willard ist inzwischen auch in Deutschland längst kein Unbekannter mehr. Der vor einem Jahr verstorbene amerikanische Theologe besaß die Gabe theologische Inhalte so zu vermitteln, dass jeder sie im Alltag verstehen kann. Dadurch werden Inhalte und Glaubenswahrheiten nicht bequemer oder leichter Umsetzbar für den Einzelnen, aber auf alle verständlicher.

Es geht um das Leben mit Gott in seinem Reich. Wie wird es sein wenn ich mich erst einmal dazu entschieden habe? Wie ist das mit dem Glauben und der Erkenntnis über Gott? Wie grundlegend, wie sichtbar sind die Unterschiede zwischen Gottes Reich und dem in dem Gott nicht bekannt ist?

Der Leser erlebt neben Dallas Willard in diesem Buch auch den bekannten Pastor John Ortberg. Zu verschiedenen Themen lese ich Vorträge, die beide auf einem Kongress im letzten Jahr gehalten haben. Besonders spannend sin die jeweils anschließend geführten Gespräche zwischen Willard und Ortberg.

Da wo es besonders konkret wird, da wird auch deutlich wie schwierig es ist Jünger Jesu in der Gegenwart zu sein. So sieht uns Dallas Willard beispielsweise an einem sehr wichtigen Punkt in der kirchengeschichtlichen Entwicklung. Was wir konkret damit zu tun haben wird bei ihm schnell deutlich. Damit diese Entwicklung auch so verläuft, dass es Kirche auch Morgen noch gibt, fordert Willard unter anderem: “… dass die Jünger Jesu einander wahrnehmen und zwar über die Grenzen ihrer örtlichen Gemeinde oder Versammlung, oder womit auch immer sie sich identifizieren …”

Bei allem was Willard sagt, fehlt nicht die inhaltliche Legitimation zu Jesus. Wer sich durch dieses Buch im Alltag leiten lässt, ist auf einem unbequemen Weg der jedoch Freude und Erfüllung bringen wird!

Neufeld Verlag, ISBN 978-3-86256-055-4, Preis 14,90 Euro

Der Verlag hält drei Verlosungsexemplare für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 30. September unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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