Kristen Heitzmann: Im frühen Morgenlicht

im frühen morgenlicht

Morgan ist Bestsellerautor, findet für Firmen, die in Schwierigkeiten geraten sind, immer eine Lösung. Nur bei ihm selber hört scheinbar seine Lebenserfahrung auf.

Seine Frau ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sein erstes Kind ist gestorben und mit der kleinen Tochter Livie ist er zur Familie seines Bruders geflüchtet. Er will vielleicht der Einsamkeit entfliehen, vielleicht aber auch nur seiner Tochter etwas Gutes tun…

Es ist nicht der erste 500-Seiten-Wälzer, den ich von der amerikanischen Autorin Kristen Heitzmann lese, aber ich bin immer noch begeistert von ihr. Zweifellos könnte sie den Kern der Story auch wesentlich kürzer erzählen, aber dann würde sie uns Leser einiger schöner Schmöckerstunden berauben und wir könnten nicht so intensiv in die Story eintauchen.

Keine Phase des Lesens wird langweilig. Die Autorin baut Spannung auf, indem sie plötzlich Absätze über einen völlig Unbekannten, namens Markham einstreut. Er beobachtet Quinn aus der Ferne. Die war zuvor in Morgans Nähe aufgetaucht und sehr langsam beginnt sich zwischen beiden etwas anzubahnen.

Markham sorgt für Spannung und macht deutlich, dass Quinn eine Last zu tragen hat, wie jeder andere auch, wenn auch ihre Last bedrohlich wird. Kristen Heitzmann findet die Lösung für Morgan und Quinn.

Wer einen Roman mit Grusel- und zahlreichen Spannungsmomenten sucht, der sollte sich dieser Autorin anvertrauen. LSD und der elektrische Stuhl sind nur zwei Stichpunkte die für Spannung sorgen.

So ganz nebenbei und genau dies zeichnet die Romane von Kristen Heitzmann aus, vermittelt sie christliche Werte und Inhalte. So ist Gottvertrauen eine schwere Lektion, vor allem wenn man Enttäuschungen bereits hinter sich hat.

Bei Kristen Heitzmann erfahre ich, mein Leben mit Gott hört nie auf!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27488-2, Preis 15,95 Euro

Der Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 17. Mai 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Steven K. Scott: Der Nazarener

der nazarener

An der Person Jesus scheiden sich bis heute die Geister. Unstrittig ist aber wohl auf allen Seiten, er ist bis heute jemand der Menschen bewegt. Aber was hat er zu seinen Lebzeiten gesagt? Warum ist er auch noch nach 2000 Jahren so top-aktuell?

Steven K. Scott hat sich an die Arbeit gemacht, alle Jesus-Worte aufzuschreiben und speziellen Themen zuzuordnen. In neun Kapiteln hat der Amerikaner die Worte Jesu geordnet:

– Jesus über sich selbst
– Jesus über Gott den Vater
– Jesus über den Heiligen Geist
– Jesus über die Ewigkeit
– Jesus über seine Jünger
– Jesus über die Menschheit
– Jesus über den Gott, der zu uns kommt
– Jesus über, wie man Gott kennen lernen kann
– Jesus über zwischenmenschliche Beziehungen

Damit hat Scott eine vollständige Sammlung aller vorhandenen Jesu – Worte angelegt. Übersetzt wurden sie ins Deutsche nach der “Hoffnung für alle”. Wie man nun mit diesem Werk umgeht, liegt in erster Linie wohl am Leser selbst.

Es am Stück durchzulesen empfiehlt sich sicher nicht. Aber je nach Alltag und Tagesaufgabe sich am Kapitel zu orientieren und direkt dort nachzuschlagen, kann nicht schaden, weil man dann sicher sein kann, direkt an der Quelle fündig und sehend zu werden.

“Der Nazarener” ist ein gewichtiges Buch. Welch eine lebensverändernde Kraft von ihm ausgehen kann, werden die Leser entscheiden. Jetzt steht sozusagen mit diesem Buch das Leben und Wirken Jesu in kompakter Form vor uns: Packen wir zu, lassen wir Andere über seine Wirkung staunen!

fontis, ISBN 978-3-038-48035-8, Preis 19,99 Euro

Der fontis – Verlag hält drei Verlosungsexemplare bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 4. Mai 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Rainer Ehritt: Durch Gott, mit Gott, zu Gott

Rainer ehritt

Manchmal lässt sich das Leben nicht planen,
manchmal haut es einem die Beine weg
und alles scheint anders,
als noch vor Stunden…

Vielleicht hat Rainer Ehritt sich genauso gefühlt, als er langsam begann, sich über seinen weiteren Weg Gedanken zu machen. Ich spüre beim Lesen dieses Buches, wie wichtig dem Autor sein Buch zunächst selbst ist.

Da wird eine Art Bestandsaufnahme deutlich und diese gleich auf mehreren Etappen. Der Autor nimmt mich mit hinein in jede Phase seines Weges nach Santiago de Compostela. Es beginnt bereits vor der Buchung des Fluges und ich fiebere mit Rainer Ehritt dem 22. Juni 2009 entgegen. Dies ist der Tag, an dem er von Frankreich aus seinen Pilgerweg zu Gott beginnt. Er stellt sich sicher vieles vor, wie es sein wird, wie es werden könnte, aber von der tatsächlichen Intensität seines Pilgerweges hat er an diesem Tag sicher keinen blassen Schimmer.

Nun sitze ich in meinem gemütlichen Lesesessel und folge den täglichen Tagebucheintragungen Ehritts. Passend zum Gedankenpilgern sind die Gedichte des Autors:

“Ich will nicht zurück!
Du musst zurückkehren!
Was soll ich dort, wo mich keiner vermisst?
Denk nach über Deine Worte, dann wirst Du erkennen,
dass das nicht die Wahrheit ist.”

Diese Zwiegespräche zwischen Wanderschritten, verraten einen Lyriker, aber auch einen Autor, der zwar gut zu Fuß scheint, aber der dennoch seinen Weg sucht und nicht stehen bleibt. Mit Löffeln hat Rainer Ehritt die Wahrheit nicht zu sich genommen und genau das ist es, was den Charme dieses sehr persönlichen Buches ausmacht.

Rainer Ehritt hat sich auf den Jakobsweg begeben. Er hat nach Gott Ausschau gehalten und ist ihm tatsächlich begegnet. Der Autor hat wundervolle Erfahrungen gemacht und lässt uns daran teilhaben. Die Quintessenz des Buches jedoch ist wohl: Erst wenn du still stehen bleibst, bist du verloren!

Persimplex Verlag, ISBN 978-3-86440-175-6, Preis 19,95 Euro

Der Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 4. Mai 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Bruder Andrew: Für Gott sind alle Dinge möglich

für gott sind alle dinge möglich

Ob der Titel dieses Buches gut gewählt ist? Wenn für Gott alle Dinge möglich sind, warum gibt es dann immer noch Kriege, Ebola und meinen Nachbarn, der noch immer auf Krawall gebürstet ist? Ich weiß, der Titel findet seinen Ursprung in der Bibel, aber hier platziert, kommt er mir ein wenig Verwirrung stiftend vor.

Bruder Andrew kenne ich bereits aus anderen Büchern, ein Mann der seit vielen Jahren für Gott unterwegs ist. Mit diesem neuen Buch allerdings musste ich erst einmal warm werden.

Auf den rund 140 Textseiten haben 50 kurze Kapitel Platz gefunden. Der Autor entwirft anhand der Person des biblischen Mose, einen Menschen der Gegenwart und stellt mir äußerst unbequeme Fragen:

“Was haben Sie unternommen, um Gott kennenzulernen?
Können Sie ehrlich sagen, dass Sie bereit wären, die ewige Verlorenheit auf sich zu nehmen, damit andere gerettet werden können?
Haben Sie schon einmal eine bestimmte Gruppe von Menschen für so böse gehalten, dass Sie meinten, Gott sollte sie vernichten?”

Bei einigen dieser Fragen, so empfinde ich es jedenfalls, wurde weit übers Ziel hinaus geschossen.

Dies sind ohnehin eine ganze Menge an Fragen, die ich so sicher nicht gestellt hätte. Hinzu kommt, dass nach jedem Kapitel, also auf etwa jeder dritten Seite, bereits die nächsten Fragen warten. Dies macht deutlich, welch ein intensives und persönliches Arbeitsbuch diese Lektüre werden kann. Es lädt ausdrücklich zur Auseinandersetzung in Glaubensfragen ein. Bruder Andrew empfiehlt dem Leser, ein Glaubenstagebuch zu führen.

Mose wird in diesem Buch als Vorbild gebraucht. Wir sollen uns an ihm messen, die vielen Fragen sollen jeweils auf den Fokus hinweisen, umso mehr störe ich mich an solchen Sätzen:

“Denken Sie einmal an all die erlösungsbedürftigen Menschen in unserer Welt heute. Zum Beispiel an die 1,5 Milliarden Muslime. Es kann sein, dass ihr Schicksal in unseren oder Ihren Händen liegt. Nein, ich möchte Ihnen kein schlechtes Gewissen machen, ich möchte Ihre grauen Zellen anregen. Wir müssen nachdenken, uns für Gottes Sache entscheiden und beten – und dann entschlossen bereit sein zu antworten, wenn Gottes Ruf kommt.”

Solche Absätze im Buch gefallen mir nicht. Stärken hat das Buch jedoch dort, wo Bruder Andrew meinen Alltag im Glauben hinterfragt und ihn auch im Zusammenhang mit Mose betrachtet. Ausflüge zu sogenannten “erlösungsbedürftigen Menschen” hätten lieber unterbleiben sollen.

Dennoch lesenswert und sicher empfehlenswert, um in Hauskreisen oder Bibelabenden über geistliche Inhalte zu streiten!

Brunnen, ISBN 978-3-7655-4256-5, Preis 8,99 Euro

Der Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 3. Mai 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Klaus Hamburger: Danke, Frere Roger

danke, frere roger

Über den Gründer der Gemeinschaft von Taize wurden bereits Bücher geschrieben, viel ist auch in Berichten von Taize-Besuchern zu lesen. Klaus Hamburger hat nun eine sehr persönliche Danksagung an Frere Roger vorgelegt.

Der Autor hat selbst über Jahre hinweg in Taize gelebt und somit einen sehr persönlichen Umgang mit Frere Roger gepflegt. In angemessener Offenheit gibt Hamburger jetzt bereitwillig Auskunft wie er den Sohn eines evangelischen Pfarrers erlebt hat. Er beschreibt, wie Taizegründer Roger die Stille liebte, wie er unkonventionell handelte und wie er immer wieder auch Grenzen überwand, wenn diese Gottes Liebe im Wege standen.

Manchmal denke ich beim Lesen: Welch ein schwärmerischer Ton, aber anderes ist wohl nicht bekannt über Roger. Er verließ Taize nicht oft, empfand es als seine Lebensaufgabe und strebte keine hohen Posten an. Was er glaubte lebte er, vielleicht ist es gerade dies was seine Faszination bis heute ausmacht.

Wer sich auf dieses Buch einlässt, der wird Frere Roger neu kennenlernen und erfahren auf was es wirklich im Glauben ankommt!

adeo, ISBN 978-3-863-34068-1, Preis 17,99 Euro

Klaus Hamburger hat Bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Klaus Hamburger, über Frere Roger wurde bereits viel geschrieben. Warum nun auch noch dieses Buch?

Es war mir möglich, aus der Nähe über ihn zu schreiben, in der ich Jahrzehnte hindurch mit ihm zusammenlebte. Zugleich konnte ich es auf dem Hintergrund von Erfahrungen tun, die ich vor und nach meiner Zeit in Taizé vor allem in Deutschland sammelte. Darauf bin ich nicht selbst gekommen; der Programmleiter des Verlages erkannte das. Er hatte recht. So entstand keine Biographie – es sind zwei über ihn im Handel –, sondern ein persönlich gefärbter Dank für das, was Frère Roger war und in seinem Leben umsetzte. Es scheint das einzige Buch zu sein, das zu seinem 100. Geburtstag über ihn auf Deutsch veröffentlicht wird. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin so froh, dass es dieses Buch gibt. Es ist wie ein Geschenk – auch an mich.

Sie selbst haben als Frere Wolfgang viele Jahre in Taize mit Frere Roger zusammen gelebt. Wie kam es dazu?

Als einer von hunderttausenden Jugendlichen kam ich, Anfang der siebziger Jahre nach Taizé. Bald erkannte ich die Tiefe und die Weite, in der an diesem Ort der Glaube Woche für Woche lebendig wurde, ohne Umständlichkeit und auch ohne Angst vor den mehr oder weniger ausgegorenen Vorstellungen, die meine Generation damals hatte. Diese Aufgeschlossenheit kam in einer Weise aus der Stille, aus einer innigen Christus-Verbundenheit, die ich vorher nie so erlebt hatte. Die Kirche, in der ich aufgewachsen war, durchaus mit Gleichaltrigen verschiedener Konfession, stand dort erst so richtig offen. Dieser Offenheit schloss ich mich an und kann bis heute nicht hinter sie zurück.

klaus hamburger

Foto: Klaus Hamburger
(Quelle: adeo-Verlag)

Sehr schön beschreiben Sie Seiten an Roger, die ich so noch nie beschrieben fand. Für was kann dieser Mann mit seinem Leben heute als Vorbild dienen?

Frère Roger hat dafür gesorgt, dass Taizé nicht lediglich ein Ort für Gleichgesinnte wurde. Er hat, aus meiner Sicht, sich bildende Kreise immer wieder aufgebrochen, was ihm nicht nur Zustimmung einbrachte. Er wusste, dass es im Leben keinen Stillstand geben kann, Treue war für ihn, auf dem Weg zu bleiben, immer auf den anderen zu, auf unfertige Menschen mit allen Spannungen, die mit ihnen auszuhalten waren. Er wollte dieser Mühe ganz bewusst nicht dadurch entkommen, dass er andere verurteilte oder auch nur durch Kategorien beurteilte.

Man spürt beim Lesen Ihres Buches sofort etwas von der Strahlkraft des Frere Roger und dennoch stellen Sie ihn nicht auf einen Heldensokel. Welche Schwächen hatte dieser Mann?

Auch bei der neuerlichen Betrachtung seines Lebens erkannte ich an ihm keine Schwächen, die nicht zugleich Stärken waren. Er stellte sich seiner Einsamkeit, wenn auch oft unter Schmerzen. So nahm man ihm ohne weiteres ab, dass er auf lautere Weise nach Gemeinschaft suchte. Er hing an der Kirche, die er nur als die eine sehen konnte, auch dort, wo sie weit unter ihren Möglichkeiten blieb, wo selbst er sich eingeschüchtert fühlen musste. So fand man sich gerade mit ihm in der Gemeinschaft der Glaubenden geborgen. Um seine persönlichen Schwächen wusste er, wie ich es erlebt habe, besser Bescheid als jeder andere. Er verstand es aber, sie in herzliche Zuneigung umzuwandeln, ja in Liebe, statt darüber zu verbittern. Das zog die Menschen an, ohne dass er ihnen nach dem Mund redete.

Was geschieht in Taize heute ohne Frere Roger?

Das kann ich nicht ohne weiteres sagen, nachdem ich es nicht mehr dort miterlebe. Es gibt gewiss bis heute keinen religiös geprägten Ort, an den man unbedenklicher mit jungen Leuten unterschiedlichster Prägung fahren kann. Man entdeckt dort – etwas anderes höre ich nicht – nach wie vor die Schönheit des Glaubens, nicht durch eine ängstliche Engführung, die nicht in die Tiefe führt, sondern durch eine Weite, in die man selbstständig hineinwachsen kann.

adeo hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 30. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Cord Aschenbrenner: Das evangelische Pfarrhaus

das evangelische pfarrhaus

Siedler, ISBN 978-3-8275-0013-7, Preis 24,99 Euro

Das evangelische Pfarrhaus ist seit Jahrhunderten ein besonderer Ort. Offenheit und Wertevermittlung insbesondere durch das Vorleben von geistlichen und auch kulturellen Inhalten zeichneten Pfarrhäuser aus.

Journalist Cord Aschenbrenner beschreibt zunächst, wie er das Pfarrhaus seines Großvaters erlebt hat und sofort werden in mir eigene Erinnerungen wach, wenn auch ohne Aschenbrenners Zigarrenduft. Aber all dies sind schöne Erinnerungen und auch das evangelische Pfarrhaus kann sich gegenwärtigen Wandlungen nicht entziehen.

Am Beispiel der Pfarrerdynastie Hoerschelmann beschreibt der Hamburger Autor dann ausführlich, wie das Pfarrhaus funktioniert hat, wie in ihm versucht wurde, die biblische Botschaft zu leben und vor allem weiterzugeben. Dass man dabei vor politischen Einflüssen nie sicher sein konnte, haben die aus Estland vertriebenen Hoerschelmanns zur Genüge erfahren.

“Das Evangelische Pfarrhaus” war jedoch nicht nur Ort der Wertevermittlung und offenes Haus, es war zugleich eben auch ein Familienbetrieb. Gerade diese Seite beschreibt Cord Aschenbrenner sehr schön und hat in der Familie Hoerschelmann ein sehr geeignetes Paradebeispiel gefunden. Da war natürlich der “Herr Pastor” an vorderster Front, da war aber auch die Pfarrfrau, ohne die beinah nichts ging. Sie stärkte ihrem Mann nicht nur in dessen Schatten stehend den Rücken, sondern wurde oftmals auch selbst im Gemeindeleben aktiv. Selbst die Kinder hatten im Pfarrhaus ihre Rolle. Das all dies nicht immer reibungslos lief, verheimlicht der Autor nicht.

Wenn der Verlag auch aufs Cover schreibt “Eine Familiengeschichte”, so ist es für mich als Leser doch sehr gewinnbringend, dass Aschenbrenner eben diesen familiären Rahmen hin und wieder verlässt und etwas allgemeiner über das Pfarrhaus schreibt. So weist er zum Beispiel darauf hin, dass Luther nicht der erste evangelische Pastor war und sein Pfarrhaus auch nur im Mythos als erstes evangelisches offenes Pfarrhaus bezeichnet werden kann. Er gesteht Luthers Pfarrhaus, welches ja unter dem strengen Regiment der Pfarrfrau geführt wurde, zu, “zweifellos in vielem beispielgebend” gewesen zu sein, aber das erste Pfarrhaus war es nicht.

Cord Aschenbrenner porträtiert das evangelische Pfarrhaus am Beispiel der Hoerschelmanns, trennt fein säuberlich Mythos und Wirklichkeit und macht sehr deutlich, was uns heute verloren geht!

Cord Aschenbrenner hat Bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Cord Aschenbrenner, soeben wurde Ihr Buch “Das evangelische Pfarrhaus” veröffentlicht. Es gab in den letzten Jahren eine ganze
Reihe ähnlicher, sogar gleichlautender Titel. Warum sollte nun jemand ausgerechnet Ihr Buch lesen?

Mein Buch ist natürlich das am besten Geschriebene… Im Ernst: Weil es gleichzeitig die Geschichte einer Familie ist, die seit Jahrhunderten in Pfarrhäusern bzw. in Pastoraten lebt, wie man in Norddeutschland sagt und auch unter Deutschbalten. Durch diese Geschichte einer Pastorenfamilie erst in Thüringen, dann in Estland, dann im nationalsozialistischen „Warthegau“ und schließlich in Norddeutschland lässt sich die Geschichte des evangelischen Pfarrhauses über neun Generationen verfolgen. Das ist natürlich Kirchen- und Kulturgeschichte, aber ebenso auch Teil der allgemeinen deutschen Geschichte. Und in diesem Fall auch die einer entlegenen und fast vergessenen historischen Region, des Baltikums, wo eine deutsche Oberschicht mit deutschen Pastoren unter der Herrschaft der Zaren lebte.

Sie beschreiben sehr schön, wie Sie das Pfarrhaus Ihres Großvaters erlebt haben. Was genau hat es Ihnen fürs Leben mitgegeben?

Toleranz gegenüber anderen, nicht nur ins Glaubensfragen. Zweitens, dass man sich selbst nicht zu wichtig nehmen sollte. Drittens, hoffentlich, einen Blick für die Mühseligen und Beladenen.

cord

Foto: Cord Aschenbrenner

Am Beispiel der Familie Hoerschelmann, zeigen Sie wie dort das Pfarrhaus über Generationen hinweg immer eine Konstante war, wenn auch
Orte und politische Umstände wechselten. Selbst kenne ich ebenfalls eine Reihe von Pastorenfamilien die über Generationen hinweg ihrer
Berufung gefolgt sind. Was vermuten Sie, warum wurden aus den Söhnen der Pastoren oftmals ebenfalls Pastoren?

Wenn der Vater ein glaubwürdiges Vorbild war und einem der Lebenszuschnitt im Pfarrhaus zusagte – warum nicht? Man wusste, worauf man sich einließ. Die Söhne heirateten auch oft Pastorentöchter, die ja aus ganz ähnlichen Verhältnissen kamen. Hinzu kam sicherlich oft auch ein zumindest so empfundener Druck, die Familientradition weiter zu tragen. Manchmal war der Druck auch ganz offen: „Mutter und ich sähen es gerne, wenn Du Theologie studiertest…“

Das offene Pfarrhaus war der Ort zu dem alle Bevölkerungsschichten Zugang hatten. Geistliche Leitung, aber auch Musik, Kunst und Kultur
wurden oftmals dort zugänglich gemacht und weiter vermittelt. Warum konnte der Pastor damals als Allein-Manager so erfolgreich wirken?

Weil er, wenigstens auf dem Land und in Kleinstädten, oft der einzige war, der ein solches Programm anbot (allerdings kamen Kunst und Kultur oft nur sehr zurückhaltend vor). Jeder kannte ihn und es gab wenig oder auch gar keine Konkurrenz. Und auch in der Großstadt war es manchmal bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts noch so.

Schaue ich mich in meinem Umkreis um, gibt es in der Gegenwart immer seltener das traditionelle Pfarrhaus wie Sie es beschreiben. Was geht uns damit verloren, innerhalb der Gemeinde, aber auch gesellschaftlich?

In den Gemeinden ein Zufluchts- und Gesprächsort, den jeder ohne Bedingungen jederzeit ansteuern konnte. Das ist das romantisch-ländliche Idyll, das sich ziemlich lange gehalten hat. Heute muss man sich meist nach den Bürozeiten richten oder jedenfalls einen Termin abmachen.

Heute wird in manchem Pfarrhaus ein Bündnis für Kirchenasyl geschmiedet oder man kümmert sich mit Gemeindemitgliedern um Flüchtlinge – das, unter anderem, würde fehlen, gäbe es keine Pfarrhäuser mehr. Dass die aber nicht mehr so sein können wie vor hundert Jahren, ist ja klar.

Herzlichen Dank für das Interview!

Cord Aschenbrenner hält ein signiertes Verlosungsexemplar bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 28. April 2015 unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück?

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Wähle dein Lieblingsbuch 2014

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