Christoph Fromm: Stalingrad

 

 

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Rezension von Christian Döring:

Hat jemand die Meter an Kriegsliteratur gezählt? Gerade zum Thema Stalingrad wurde viel geschrieben. Christoph Fromm hat dieses Thema erneut aufgegriffen und wie die Gegenwart zeigt, ist dies nötig.

Mich hat der Held des Buches Hans von Wetzland sofort in seinen Bann gezogen. Der junge Mann und seine Kriegskameraden kämpfen für „Volk und Vaterland“ um Stalingrad. Langsam aber beständig dreht sich die Spirale von Tod, Grausamkeit, Unmenschlichkeit und Auslöschung menschlichen Lebens in unvorstellbare Höhen.

Bei all den Einsichten zu denen von Wetzland gelangt, hat mich die Szene mit dem russischen Kind sehr berührt. Von Wetzland zweifelt bereits an seinen militärischen Taten und deren Sinn, da trifft er auf dieses russische Kind. Er hört es sagen: Ihr habt hier nichts zu suchen. Das ist meine Stadt . . .

Für schwache Nerven ist dieses Buch nicht geschrieben. Christoph Fromm beschreibt Krieg in aller szenischer Grausamkeit. Da verliert mal eben jemand das abgefrorene Ohr und da wird einem anderen Kameraden der Leib auseinandergerissen und alle anderen werden Zeugen seines grausamen Todes.

Der Tod hinterlässt Spuren und dies auf allen Seiten. Fromm bringt Sätze die selbst alleinstehend das Hirn des Lesers zum Nachdenken bringen sollte. Hier nur zwei Beispiele:

“ … als hätte ein sadistischer Gott zu seinem Vergnügen den Lauf der Zeit angehalten.“

„Wer überleben wollte, musste Spaß am Töten haben.“

Das Thema Krieg ist längst nicht mehr so weit von uns entfernt wie noch vor wenigen Jahren. Junge Deutsche ziehen bereits wieder freiwillig in den Krieg, unter anderem zum IS oder in die Ukraine. Bevor sie sich auf den Weg machen, sollten sie dieses Buch lesen, ich bin mir sicher es wird Folgen haben!

Primero, ISBN 978-3-981-09438-1, Preis 24,90 Euro

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Martin Dreyer: Der vergessene Jesus

 

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Rezension von Christian Döring:

Martin Dreyer hat wieder mal zugeschlagen. Der Mann der klaren Worte
tritt allen auf den Schlips, egal ob Protestanten, Katholiken oder Freikirchen.

Es sollte sich jedoch niemand beschweren über dieses Buch, denn
Martin Dreyer ist bekannt für Sichtweisen, die vielleicht ein wenig aus dem
Rahmen fallen, von der Wahrheit aber nicht weiter entfernt sind, als das
was wir gelehrt bekamen oder glauben. In einigen Fällen zeigt der Autor
in seinem Buch sogar auf, an genau welcher Stelle Menschen Jahrhunderte
nach Jesus die Glaubensschrauben ansetzten und Sichtweisen mit
Bedacht und Vorsatz aus Eigennutz änderten.

Wer ist denn nun der vergessene Jesus? Wie war er wirklich? Ein Schönling
dem die Frauen nachliefen? Ein Partyheld?

Beim Lesen denke ich mir hin und wieder: Auweia Martin, jetzt gehst du
aber einen Schritt zu weit. In einigen Fällen schafft Dreyer es jedoch dann
mich zum Überlegen zu bringen. In anderen Fällen würde ich gern herzhaft
noch lange mit ihm diskutieren. So gut wie alle Themen nimmt sich der
Autor vor: Sex, Frieden, Geld . . .

Für seriöse Christen, die nicht so schnell in Ohnmacht fallen ist dieses
Buch genauso geeignet, wie auch für Leser, die einfach nur von der
Person des Jesus fasziniert sind!

(Bleibt die Bewertung mit den vermaledeiten Amazonsternen die
abgegeben werden muss. Was bewerte ich? Die inhaltlichen
Übereinstimmungen mit meinen Ansichten? Dann würde ich drei
oder vier Sterne vergeben. Wenn ich den Unterhaltungswert und
die gute Lesbarkeit beachte, bekommt dieser Titel volle Punktzahl.
Letztlich ziehe ich keinen Stern ab, weil ich mich nicht dazu
hinreißen lassen möchte, Glaubensansichten eines Anderen
zu bewerten.)

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08530-2, Preis 19,99 Euro

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Melanie Wolfers: Freunde fürs Leben

 

 

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Rezension von Christian Döring

Ich schaue in den Spiegel und frage mich etwas verunsichert: „Sind wir tatsächlich Freunde fürs Leben?“, der Typ der mir da entgegenblickt und ich, der ich mich im Normalfall nicht sehe.

Dann halte ich das Buch von Melanie Wolfers in meinen Händen und denke: typisches Frauenbuch! Zwei hübsche Blüten auf dem Cover und der Untertitel „Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein“. Aber ich schaue dann doch ins Buch hinein und der Autorin gelingt es mich herauszufordern.

Eine bequeme Autorin ist Melanie Wolfers nicht. Sie fordert heraus und stellt bisherige Lebensphasen in Frage. Bin ich gern mit mir allein? Halte ich es ganz allein mit mir aus? Oder habe ich nicht doch bei nächster Gelegenheit wieder die Ohrstöpsel drin und lasse mich berieseln? Und dann kommt mir da Melanie Wolfers in die Quere und behauptet: „Stille hat eine beruhigende und heilende Kraft.“

Beruhigende Kraft ist ja okay, aber heilende Kraft? Ich lese weiter und ein Licht nach dem anderen geht mir auf. Eigentlich sind die Lebensweisheiten die Melanie Wolfers hier von sich gibt gar nicht so neu, aber doch irgendwie in Vergessenheit geraten. Wohin dies führt lese ich bei der studierten Theologin. Ihr Buch ist eine sehr gute Mischung aus persönlichem Ratgeber und Faktenbuch.

Wen sehe ich da nun eigentlich an wenn ich in den Spiegel schaue? Ja, der Typ hat ein paar
Kilo zu viel auf den Rippen. Ein wenig mehr Schlaf könnte seiner Schönheit auch nicht schaden. Aber all dies ist der Beginn einer neuen Freundschaft zu der Melanie Wolfers anstiften will. Der Weg den sie mit ihren Lesern gehen will, der wird jedoch viel länger.

Wer sich auf dieses Buch und auf die Freundschaft mit sich selbst einlässt, der wird
bald schon reiche Ernte einfahren!

adeo, ISBN  978-3-863-34113-8, Preis 16,99 Euro

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Renate Wind: Christsein im Imperium

 

 

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Rezension von Christian Döring:

„Christsein im Imperium“ ist ein Buch, in dem der Leser die Christen kennenlernt, die im großen Römischen Reich gelebt und an den Messias geglaubt haben.
Im Plauderton wagt sich Renate Wind weit zurück in die Geschichte. Anschaulich beschreibt sie das Leben der damaligen Christen und auch einzelne biblische Bücher. Keines der großen Themen lässt sie dabei aus.
Was mich jedoch am meisten an diesem Buch fasziniert:
Dieser Titel führt eigentlich in die Geschichte, ist jedoch auch für unsere Gegenwart topaktuell, wenn nicht gar politisch brisant. Beispielsweise wird die alte und immer wieder aktuelle Frage aufgeworfen: Wie komme ich auf Dauer mit zwei Herren klar und vor allem, was wenn sich durch meinen Glauben beide Herren ins Gehege kommen?
Die derzeit besonders brisante Frage nach der immer kleiner werdenden Gruppe der unvorstellbar reichen und der Gruppe der immer ärmer werdenden Menschen spielt hier eine gewichtige Rolle. Der Leser wird spätestens hier Stellung beziehen müssen. Somit ist dieses Buch für mich ein äußerst politischer Titel, der nach Konsequenzen im Alltag schreit.
Ich liebe Bücher, die sich mit unserer Geschichte befassen und doch auch in unsere Gegenwart hinein wirken!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08538-8, Preis 19,99 Euro

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Andreas Knapp: Die letzten Christen

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Rezension von Christian Döring:

In aller Eile bereitet Autor Andreas Knapp seine Reise in die Nähe von Mossul vor. Er begleitet einen Flüchtling zur Beerdigung dessen Vaters. Andreas Knapp schreibt auf was er sieht, was er hört und was er an theologischen Fakten für wichtig hält, fügt er noch hinzu. Dabei entsteht ein erschütterndes Buch, welches keine Hoffnung aufkommen lässt. Die Christen der Region haben seit Jahrhunderten in dieser Region mit muslimischen Nachbarn in Frieden gelebt, nun scheint nichts mehr davon möglich zu sein.

Dem Autor ist es hier gelungen sachliche Informationen und viele Einzelschicksale gut aneinaderzureihen. Es entsteht ein Bild von einer Region in der Christen fluchtartig ihre Heimat verlassen um nicht vom IS als Ungläubige ermordet zu werden. Viele Junge gehen mit ihren Kindern nach Europa, nach Deutschland. Oft lassen sie Eltern und Großeltern zurück, weil das Geld für die Schleuser nicht reicht.

Knapp scheut sich nicht vor politischen Aussagen. Er kritisiert wo er meint das Kritik angebracht ist. Er traut sich sogar Saudiarabien zu kritisieren… Vielleicht wird mir gerade deshalb die Art und Weise wie der Katholik Andreas Knapp berichtet um so glaubwürdiger.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln schaut der Autor auf die letzten Christen im Nahen Osten. Ein Buch zum Heulen, aber wohl eins was sehr kenntnisreich über die derzeitige Lage informiert!

Wir satten Christen in Deutschland bekommen durch diese Lektüre einen vielleicht ganz neuen Blickwinkel auf die hier ankommenden christlichen Flüchtlinge ermöglicht. Einige werden noch hier in Deutschland schikaniert, nur weil sie eine Kette mit einem Kreuz tragen. Wir sollten beginnen zu differenzieren und wir sollten ganz besonders unseren christlichen Brüdern und Schwestern Raum und Freiheit geben um von ihren Erfahrungen als Christen im Nahen Osten zu berichten. Genau über diesen Weg wird die Schockstarre überwunden werden können und vielleicht Zukunft ermöglicht!

adeo, ISBN 978-3-863-34118-3, Preis 17,99 Euro

 

Autor Andreas Knapp hat mir folgende Fragen beantwortet:

 

Lieber Andreas Knapp, soeben ist Ihr Buch „Die letzten Christen“ – Flucht und Vertreibung aus dem Nahen Osten erschienen. Wie kamen Sie zu diesem Thema und wie kam es zu diesem Buch?
Ich lebe in einem Plattenbau in Leipzig-Grünau, einem Wohnviertel, in dem sehr viele Wohnungen leer stehen. Seit 2 Jahren sind viele Geflüchtete in unserem Viertel zugezogen; ich habe einige kennengelernt und versucht, sie zu unterstützen, etwa bei Behördengängen oder dem Ausfüllen von Papieren. Unter den Geflüchteten sind auch Christen aus dem Irak und aus Syrien. Ich habe sie gebeten, mir ihre Geschichte zu erzählen und das hat mich so bewegt, dass ich diese Geschichte aufschreiben und veröffentlichen wollte.
Völlig überstürzt begannen Sie Ihre Reisevorbereitungen in den Irak. Was ist da in Ihnen vorgegangen, woran haben Sie am meisten gedacht? Hat Ihre Neugierde oder haben Ihre Ängste überwogen?
Es war eine sehr spontane Entscheidung. Und es war sehr unwahrscheinlich, dass innerhalb so kurzer Zeit alle nötigen Papiere und Vorbereitungen realisiert werden können. Als dann alles klappte, war ich innerlich sehr ruhig, weil ich das Gefühl hatte: Diese Reise soll sein – und dann kann ich auch vertrauensvoll nach Kurdistan fahren.
Und als Sie dann die Gewehrschüsse der Soldaten des IS hörten, wie ergeht es da einem völlig kriegsunerfahrenen Christen aus Deutschland?
Es waren vor allem Geschützfeuer – da wurde mir schon etwas mulmig, weil ich auch nicht einschätzen konnte, ob jetzt in unserer Nähe Granaten einschlagen.
 
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Autor Andreas Knapp
Sie haben irakische Christen aus Mossul kennengelernt. Zur Zeit wird erbittert um diese Stadt gekämpft. Glauben Sie, dass nach der Befreiung der Stadt Mossul wieder Christen dort ansässig werden?
Das wäre sehr zu hoffen. Doch ich sehe noch keinen Plan für eine politische Zukunft dieser Stadt und der Niniveh-Ebene. Die Koalition, die derzeit Mossul zurückerobern will, ist aus sehr unterschiedlichen Partnern zusammengesetzt. Diese haben zwar das gemeinsame Ziel, den IS zu vertreiben. Doch für die Zukunft dieser Gegend gibt es keinen gemeinsamen Plan: Die Kurden wollen einen eigenen Staat, die Zentralregierung in Bagdad will das natürlich nicht … Und vom irakischen Parlament wurde wenige Tage nach der Rückeroberung der christlichen Städte und Dörfer ein Gesetz verabschiedet, das die Produktion und den Verkauf von Alkohol mit strengen Strafen belegt. Dieses Gesetz ist eindeutig gegen die Christen gerichtet, denn diese kennen kein religiöses Verbot von Alkohol. Dass das Parlament von Bagdad in dieser dramatischen Situation sich ausgerechnet mit einem Alkoholverbot beschäftigt, ist ein klares Signal an die Christen: Ihr habt bei uns keinen Platz mehr!
Ihr Buch fährt dreigleisig. Es wird theologisches Fachwissen serviert, aber immer wieder auch bewegende Einzelschicksale von denen Sie berichten. Was mich neben der Not und dem Elend am meisten erschüttert hat, ist die Tatsache, dass die muslimischen Nachbarn der Christen zu all deren Verfolgung im wesentlichen schweigen. Wie erklären Sie dies?
Ich habe da nur Vermutungen. Zum einen wollen sich die muslimischen Nachbarn nicht selbst in Gefahr bringen, indem sie sich für die Christen einsetzen. Ähnliches haben wir ja auch in Deutschland erlebt, als im Dritten Reich jüdische Nachbarn verhaftet wurden – und sich niemand für sie eingesetzt hat. Auch materielle Gier kann eine Rolle spielen: Man kann sich am Gut der Christen bereichern. Wahrscheinlich spielen auch religiöse Hintergründe eine Rolle: Denn die Christen gelten vielen Muslimen als unrein oder ungläubig – und für solche Leute setzt man sich nicht ein.
Vor politischen Kommentaren schrecken Sie nicht zurück. Wenn Frau Merkel Sie heute zu ihrem Berater ernennen würde, was wären Ihre ersten Forderungen?
Ich würde vor allem raten, die demokratische Opposition und die kritischen Journalisten in der Türkei zu stärken. Die Türkei spielt in den Konflikten im Nahen Osten eine Schlüsselrolle – und Deutschland bzw, die NATO hat mit Rücksicht auf den Bündnispartner, von dessen Territorium aus man Russland bedrohen kann, zu Diskriminierungen von Minderheiten oft geschwiegen. Auch auf Bagdad müsste Druck ausgeübt werden, damit die Rechte der Minderheiten, etwa der Yesiden oder der Christen mehr geschützt werden.
Viel Grund zur Hoffnung lassen Sie mir als Leser nicht. Gibt es dennoch für mich eine Möglichkeit das Leid der Christen aus dem Nahen Osten zu lindern?
In meinem Buch schlage ich vor, sich für die Christen, zu uns geflohen sind, zu interessieren und ihnen zu helfen, ihren Glauben und ihre Kultur zu bewahren. Aber auch die geflüchteten Muslime brauchen unsere Unterstützung, damit eine andere Lesart des Islam heranreifen kann, die die Nicht-Muslime als gleichberichtigte Bürger eines demokratischen Staates zu respektieren lernt.
Herzlichen Dank für Ihre Antworten!

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Rüdiger Jope (Hrsg.): Werkstoff

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Rezension von Christian Döring:
Im allgemeinen gelten Männer im Vergleich zu Frauen als lesefaul. Deshalb hoffe ich, dass dieses Büchlein die richtige Methode ist, um Männern in ausgewogenen Häppchen biblische Texte und Lebenserfahrung nahe zu bringen.

Männer stehen vielleicht ganz besonders in der Gefahr ganz allein die Regie in ihrem Leben oder auch im Familienleben zu führen. Und dann kommt da Günter Kusch mit seinem Text und macht mir deutlich, wie schnell ich die Regie zu jeder Zeit los sein kann. Aber was oder wer fängt mich dann auf, damit ich nicht im Abgrund lande?

Normalerweise mag ich Andachtsbücher nicht, in denen am Ende jeder Einheit „pädagogische Zeigefinger oder Impulse“ auf mich warten. Hier beachte ich sie wohlwollend, weil, „Schraubstock“ und „Werkzeugkasten“, so heißen die immer wiederkehrenden Rubriken hier, nicht vor Pädagogik triefen und doch Impulse geben, die sich dicht am Lebensalltag von Männern aufhalten.

Was dieses Wochenandachtsbuch besonders reizvoll macht, hier treffen sich nicht nur 24 MOVO – Autoren, hier treffen sich vor allem Männer die sich in ihren Biografien an sehr unterschiedlichen Stellen befinden. Da ist der Theologiestudent genau so vertreten wie der langgediente Pastor. Diese bunt gemischte Autorentruppe trägt sehr dazu bei, keine Gleichförmigkeit im Fluss der Andachten aufkommen zu lassen.

Für mich ein kraftvolles Andachtsbuch für Männer von mir bekannten und unbekannten Männern!

SCM R. Brockhaus, ISBN 978-3-417-26793-8, Preis 12,95 Euro

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Titus Müller/Christa Roth: Geigen der Hoffnung

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Rezension von Christian Döring:
„Geigen der Hoffnung“ ist ein furchtbar trauriges Buch. Die Autoren haben gut recherchiert und ermöglichen ihren Lesern einen direkten Blick ins Konzentrationslager hinein. Menschen werden gedemütigt, systematisch getötet und dies alles nur weil es sich um Juden handelt. Wenigen Häftlingen war es gelungen ihre Geige bis ins KZ hinein zu bringen. Ja, es gab sogar ein Orchester im KZ und es gab Konzerte.

Es klingt makaber. Häftlinge, zum Teil berühmte Virtuosen musizieren vor SS-Größen und Mithäftlingen. Für viele Häftlinge war die Musik und besonders die Musik der Geige der einzige Moment, der eine Verbindung zu einer Zeit vor dem KZ-Leben schuf. Die Geigenmusik gehört zum festen Bestandteil jüdischen Lebens.

Viele Instrumente haben den Nazi-Wahnsinn nicht überlebt. Aber noch heute tauchen hin und wieder Geigen auf, die man zuordnen kann. Amnon Weinstein sammelt diese Geigen, versucht ihre jeweilige Geschichte zu erforschen und bringt sie wieder zum Klingen. Inzwischen gibt es Konzerte mit diesen Instrumenten. Wenn ihre einstigen jüdischen Besitzer auch seit Jahrzehnten nicht mehr leben, so künden doch die Geigen heute von einer Zeit, in der beinah jede Mitmenschlichkeit zu verschwinden drohte. Schaut man jedoch genauer hin, wird deutlich, welch eine Kraft von der Musik ausgehen kann.

Dieses Buch hat es in sich, weil seine Autoren ungeschönt und mit deutlichen Worten den Lageralltag im Konzentrationslager beschreiben. Aber die Musik der Geigen lässt Hoffnung keimen, gibt Kraft und lässt Zukunft erahnen.

Ein starkes Buch. An authentischen Beispielen wird sehr deutlich, dass die Musik eine Chance gegen menschenverachtende Hoffnungslosigkeit hat!

adeo, ISBN 978-3-863-34117-6, Preis 17,99 Euro

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