Rene Gutteridge: Mr Walsh und die vergessene Kunst der Liebe

mr Walsh

Rezension von Christian Döring:
Da treffen sich zwei schräge Gestalten und jede trägt auf völlig unterschiedliche Art ihr Schicksal.

Amber lebt locker und scheinbar ohne Wurzeln mit ihrem Kater so vor sich hin. All ihr Hab und Gut passt in ihr Auto hinein und wo es sie hintreibt, da lebt sie ein paar Wochen. So lebt sie und läuft vor ihrem Leben davon.

Und dann ist da Mr. Clay Walsh. Er ist Besitzer eines Antiquitätenladens, arbeitet alte Möbelstücke liebevoll auf und freut sich, wenn deren Eigentümer ihm die Geschichte ihres alten Möbelstücks erzählen. Clay ist ein Verfechter von Regeln und Bewahren gehört für ihn zur täglichen Devise. Ausgerechnet an ihn gerät Amber. Aber ihr Auto hat sich nun mal in den Wohnort von Clay verirrt und der hat auch eine freie Wohnung für die junge Frau.

Es macht mir als Leser Spaß, förmlich zu beobachten, wie diese beiden Gestalten lernen, miteinander umzugehen. Beide sind vom Leben gezeichnet, beiden fehlt Liebe …

Eine Story, in die sich immer wieder Gott einmischt. Da geht es um Themen wie Gottvertrauen, Vergebung und letztlich immer wieder um das Thema Liebe lernen und sie zulassen.

Diese Story beweist: Wenn Liebe beginnt zu heilen, dann werden Wunder möglich!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15636-3, Preis 14,95 Euro

Der Hänssler Verlag hat uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung gestellt. Wer seinen Kommentar bis zum 2. August 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Barbara Keifenheim: Im Entschwinden so nah

im entschwinden

Rezension von Christian Döring:
Die Tochter schildert hier ihre jahrelangen Beobachtungen an ihrer an Demenz erkrankten Mutter. Zusammen mit ihrer Schwester löst sie den Haushalt der Eltern auf, plant und organisiert den Umzug in eine eigene Wohnung in einer Seniorenresidenz. Der Vater ist bereits 90 Jahre alt, geistig aber noch in top Form.

Die Mutter hingegen beginnt vieles zu vergessen. Relativ schnell kommt die Diagnose Demenz. Was mich an diesem Buch von Barbara Keifenheim besonders beeindruckt, ist die Sachlichkeit in ihren Beobachtungen, obwohl es um ihre Mutter geht. Da ist Sachlichkeit und da kommen die komischen Szenen, wenn die Mutter zum Beispiel das bereits benutzte Klopapier an den nächsten weiterreichen will oder wenn sie in einer Gaststätte den Happen Fleisch unter den Tisch spuckt.

Die Töchter sind gefragt täglich oft viele Stunden über Jahre. Sie müssen sich fragen, ab wann ist unsere Mutter in der Öffentlichkeit nicht mehr vorzeigbar. Langsam entschwindet sie ihrer Familie, was bleibt sind die mit Kot verschmierten Fingernägel und ihre Aggressivität, die immer mehr zunimmt. Manchmal kommen noch lichte Momente, aber immer mehr erkennt die Mutter ihre Töchter und selbst ihren Ehemann nicht mehr.

Dieses Buch geht über einfache Beobachtungen hinaus. Die Autorin geht in die Tiefe. Sie fragt nach dem selbstbestimmten Alterstod. Irgendwann beginnen Alzheimerpatienten zu vergessen, dass Nahrung hinuntergeschluckt werden muss. Dann beginnt die Zwangsernährung, aber ist dies dann noch menschenwürdig?

Ein Buch das tiefe Einblicke in eine Familie ermöglicht und das sehr deutlich macht, nur einer erkrankt an Demenz, betroffen allerdings sind alle Familienmitglieder!

Herder, ISBN 978-3-451-34750-4, Preis 17,99 Euro

Der Herder Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 3. August 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Christel & Hans-Jürgen Scholz: “Der Glaube steckt in der Leber.”

der glaube steckt in der leber

Rezension von Christian Döring:
Zurück in die 70er Jahre führt uns das Ehepaar Christel und Hans – Jürgen Scholz. Vom Siegerland aus beginnen sie ihre lange Reise in den Norden von Nigeria. Ausgerechnet mit einem Schiff des Klassenfeindes DDR begeben sie sich zum Volk der Ebira, um ihnen die Bibel zu übersetzen. Und da Hans-Jürgen Scholz manchmal seinen Mund nicht halten kann, beginnt er mit seinem Missionsauftrag bereits bei einem Matrosen aus der DDR.

Ungefähr 80 kurze Episoden hat das Ehepaar aufgeschrieben, sodass der Leser jetzt mit auf die beschwerliche Reise gehen kann. Keine Angst, zum Schmunzeln bleibt Gelegenheit und abwechslungsreich ist diese Reise auf jeden Fall.

Das Volk der Ebira im Norden von Nigeria ist eins der zehn größten. Bis in die 70er Jahre hinein hatte dieses Volk keine Schriftsprache und es ist spannend mitzuerleben, wie es dann 1972 die ersten gedruckten Bücher in Besitz nahm und zum ersten Mal selbst etwas von der Geburt Jesus Christus lesen konnte. Auf Ebira trägt diese Geschichte übrigens die Überschrift “Wie der größte Häuptling in die Welt kam”. Spannend auch, wo die beiden anderen Versuche einer Übersetzung, einige Jahrzehnte vorher, geblieben sind.

Das Ehepaar Scholz kam nicht einfach nach Nigeria um die Bibel zu übersetzen. Die Eheleute wohnten mitten im Dorf und waren in den Alltag mit einbezogen, jedenfalls so gut dies ging. Deshalb können sie heute so genau vom Leben dieses Volkes berichten, auch von den Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, wenn ein Volk plötzlich lesen lernt.

So macht dieses Buch nicht nur mit der Übersetzungsarbeit der Bibel in eine afrikanische Sprache bekannt, es bringt mir ein bis dahin völlig unbekanntes Volk näher und so ganz nebenbei lerne ich ein deutsches Ehepaar kennen, dass mir die Bedeutung der Leber für den Glauben im Volk der Ebira näher bringt!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27528-5, Preis 9,95 Euro

Christel & Hans-Jürgen Scholz haben bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Christel & Hans-Jürgen Schulz, soeben ist ihr Buch “Der Glaube steckt in der Leber.” erschienen. Sie beschreiben darin wie sie 1970 in Nigeria beim Volk der Ebira angekommen sind. Mit welchen Erwartungen waren Sie gekommen?

* der lebendige Gott wird uns versorgen, wenn wir allein in einer fremden Kultur und Sprache leben

* wir können in einer einheimischen Hütte mitten in einem Dorf wohnen, um die ungeschriebene Sprache dieser Leute zu erlernen, zu erforschen und zu verschriften und um zusammen mit einem Team von Einheimischen zumindest das Neue Testament in ihre Muttersprache zu übersetzen

* der lebendige Gott braucht die übersetzte Bibel, um unter diesem Volk sein Reich zu bauen

Und wie sah dann die Realität aus? Wie wurden Sie von ihren Nachbarn aufgenommen?

* wir erlebten Gottes wunderbare Führung und konnten vier Räume in einer Lehmhütte mitten in einem Dorf des Volkes der Ebira mieten

* unsere Nachbarn waren begeistert, dass zwei Weiße unter ihnen wohnten; so etwas hatte es dort noch nie gegeben. Als wir erste Sätze in Ebira sagen konnten, waren sie ganz aus dem Häuschen.

An einer Stelle im Buch schreiben Sie davon, dass es bereits viele Jahre vor Ihnen erste Übersetzungen biblischer Bücher auf Ebira gegeben hat, diese allerdings spurlos verschwunden sind, was wissen Sie über deren Verbleib?

* Bis auf ein Traktat haben wir nirgends auch nur eine dieser ersten Übersetzungen gesehen. Eins der früher übersetzten Bibelteile soll von Muslimen verbrannt worden sein.

Wie haben sich die biblische Schriften auf Ebira im Volk der Ebira ausgewirkt, welche Entwicklungen haben Sie beobachtet?

* der jahrelange Prozess des Übersetzens führte u.a. dazu, dass die verschiedenen christlichen Gemeinden echt zusammenarbeiteten und sich gegenseitig schätzen lernten. Beim Lesen der Bibel in anderen Sprachen (z.B. Englisch, Yoruba ) waren in der Vergangenheit viele Missverständnisse aufgetreten; diese wurden eine nach der anderen ausgemerzt. Allmählich wurde die Bibel zu einem “scharfen” Schwert”, d.h. die Leute verstanden die biblischen Texte immer besser, und der Heilige Geist konnte in ihrem Leben Veränderungen bewirken.
Das wiederum bewirkte, dass die Christen mutiger und wirkungsvoller ihren animistischen Nachbarn das Evangelium weitersagen konnten. Gott sprach jetzt Ebira, er war also doch nicht nur der Gott der Weißen.

scholz zwei

Foto: Hans-Jürgen Scholz mit David Moomo beim Übersetzen in Nigeria
(Quelle: Autor)

All das ist jetzt schon wieder Jahrzehnte her. Was ist heute von ihrem Werk in Ebira geblieben?

* Vorher konnten nur die Ebira das Lesen und Schreiben erlernen, die das Englische beherrschten. Jetzt kann jeder der 1 Million Ebira – mit den von uns entwickelten Lesefibeln – das Lesen erlernen, auch die Erwachsenen. Vorher hatten die Ebira Christen nur eine ziemlich verschwommene Idee vom Evangelium. Inzwischen liegt die ganze Bibel in Ebira vor. Jetzt braucht Gott dieses übersetzte Wort unter den Ebira in einer Weise, wie das vorher nicht möglich war. Man könnte sagen: Er hat eine Reformation unter diesem Volk bewirkt.

Vielen Dank für das Interview!

Der Verlag der Franckebuchhandlung hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 3. August 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Joanne Bischof: Weil du mir versprochen bist

weil du mir versprochen bist

Rezension von Edelgard Kornelsen:

Was mich zuerst motiviert hat, das Buch zu lesen, war das ansprechende Cover mit dem schönen alten Koffer und Lavendelsträußchen. Wobei ich es im Nachhinein schön gefunden hätte, wäre das Kleid auf dem Cover kariert statt gepunktet, da im Buch immer von einem karierten Kleid die Rede ist.
„Weil du mir versprochen bist“ erzählt die Geschichte von der jungen, schüchternen Leonie, die in einem Haus mit einem gewalttätigen Vater aufwächst, der sie ablehnt. Ihr größter Wunsch ist es, zu ihrer Tante Sarah zu ziehen, die Seifensiederin ist, sobald sie 18 wird. Dazu kommt es nicht, denn aufgrund unglücklicher Umstände zwingt ihr Vater Leonie und den gutaussehenden Gideon zu heiraten, obwohl die jungen Leute sich kaum kennen und schon gar nicht lieben.
Da sie noch kein eigenes Heim haben, beschließt Gideon in einer entfernten Stadt sich eine neue Existenz aufzubauen. Der Weg dahin bringt die jungen Leute an ihre körperlichen und seelischen Grenzen. Gerade als Gideon droht auszurasten und Leonie zu verletzten stößt der alte Jebediah zu ihnen und bringt die beiden zu seiner Frau Elsie nach Hause. Das alte Ehepaar wird nun zu einer Art Mentor für die jungen Leute. Während Leonie sich sofort heimisch und geborgen fühlt, fällt es Gideon schwer sich den Anforderungen und Aufgaben des alten Jebediah zu stellen und sich unterzuordnen. Sowohl für Leonie als auch für Gideon beginnt ein langer Lernprozess, der von dem älteren Ehepaar begleitet wird, während sie auf deren Farm mithelfen.
Mir hat es Gideon am meisten angetan. Die Autorin hat schön seinen Lern- und Veränderungsprozess heraus gearbeitet. Die anderen Hauptfiguren waren mir manchmal etwas zu „brav“ und gut, während Gideon sichtbar mit Charakterschwächen zu kämpfen hat und lernen muss, sich zu verändern. Das hat ihn mir sympathisch gemacht. Insgesamt war es ein schönes Buch, das sich leicht lesen ließ und einen flüssigen Schreibstil hat. Im Englischen gehört das Buch zu einer Trilogie, die allesamt Leonie und Gideon im Zentrum der Geschichte haben. Es wäre schön, wenn die beiden anderen Bücher auch noch ins Deutsche übersetzt werden würden.

Brunnen, ISBN 978-3-765-52033-4, Preis 16,99 Euro

Joanne Bischof hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Joanne Bischof, soweit ich weiß ist „Weil du mir versprochen bist“ ihr erster Roman, der veröffentlich wurde. Wie und wann haben Sie mit dem Schreiben angefangen?

Ich habe mit dem Schreiben begonnen, als ich noch ein Kind war und erinnere mich, dass ich meine erste offizielle Geschichte in der dritten Klasse schrieb. Von da an, habe ich es geliebt zu lesen und zu schreiben und als ich dann in die Highschool kam, fing ich an ganze Romane zu schreiben. Diese gelangen mir nicht so gut, aber gaben mit die Möglichkeit in meinen Fertigkeiten zu wachsen. Ich nahm dann an einer Kritikergruppe teil, die für mein Schreiben sehr nützlich und hilfreich war. Die Leute dort waren nicht nur sehr unterstützend und ermutigend, sondern sie inspirierten mich zu wachsen und meine Fähigkeiten auszubauen. Ich bin so dankbar dafür!

In ihrem Buch mochte ich, dass Leonie und Gideon von einem älteren Ehepaar begleitet wurden, die für sie so was wie Mentoren waren. Von einem Mentor begleitet zu werden ist eine gute Sache, aber es ist nicht leicht, solche Leute zu finden. Wie kam es dazu, dass Sie sich entschieden haben über das ältere Ehepaar zu schreiben? Haben Sie selbst Erfahrungen mit Mentoren gemacht?

Ich bin mit mehreren Mentoren in meinem Leben gesegnet worden. Wenn wir durch das Leben gehen erleben wir viele Irrungen und Wirrungen. Ich habe es oft so erlebt, dass genau dann jemand um uns herum ist, der dasselbe schon durchgemacht hat oder so viel Weisheit hat, dass er uns durch diese Zeit helfen kann. Eines der Dinge, die ich immer versuche in meinen Geschichten mit einzubauen ist die Beziehung zwischen den Generationen. Ich denke, dass junge Erwachsene, die von älteren Erwachsenen lernen, eine Lebensform ist, die in unserer modernen Generation nicht so gefördert wird, wie es sollte. Diese Lebensform wieder zurück zu bringen und junge oder verletze Paare durch ein älteres Paar zuzurüsten, um Gottes Plan in ihrem Leben zu sehen kann Wunder bewirken. Ich denke, dass Gott gerade die richtige Person in unser Leben bringen kann, wenn wir ihn darum bitten. Ich denke auch, dass sie oft in überraschender und unerwarteter Weise kommen.

joanne

Foto: Joanne Bischof

Ich mochte besonders Gideon, weil man an ihm sehen kann, wie er sich durch die Geschichte hindurch verändert. War es leicht über ihn zu schreiben? Haben Sie irgendwelche reale Personen vor Augen gehabt, als sie über ihn geschrieben haben?

Ich bin so froh, dass Sie Gideon mochten! Er war mein Lieblingscharakter in der „Cadence of Grace“ – Trilogie (Rhythmus der Gnade), aber es war auch am herausforderndsten über ihn zu schreiben. Ich holte mir Inspiration von einigen Leuten in meinem Leben, um seinen Charakter zu erschaffen und hatte oft ein Foto von dem australischen Schauspieler Liam Hemsworth auf meinem Schreibtisch, weil er so aussieht, wie ich mir Gideon vorstellte. Um verschiedene Charaktere und Persönlichkeiten zu erschaffen, beobachte ich am liebsten Menschen und versuche sie zu verstehen. Wahrscheinlich werde ich zu oft dabei erwischt, wie ich im Restaurant oder beim shoppen Menschen beobachte! Aber mir hilft es, mehr über Menschen, ihre Persönlichkeiten und soziale Schichten herauszufinden, um dann bessere Charakter zu entwickeln für meine Bücher.

„Weil du mir versprochen bist“ ist das erste Buch der Trilogie. Gibt es irgendwelche Pläne, dass die beiden anderen Bücher ebenfalls ins Deutsche übersetzt werden?

Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, es wäre wunderbar! Wenn deutschen Lesern „Weil du mir versprochen bist“ gefällt, fühlen sie sich bitte frei, dies dem Verlag mittzuteilen. Ich denke, sie werden sich darüber genauso freuen wie ich.

Herzlichen Dank für das Interview!

Der Brunnen Verlag hat uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung gestellt. Wer seinen Kommentar bis zum 2. August 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Sabine Dittrich: Im Schatten der Verschwörung

im schatten der verschwörung

Rezension von Christian Döring:
In Vorbereitung auf das große Reformationsjubiläum 2017 luthert es bereits in viele Verlagen mächtig. Da bringt Sabine Dittrich mit ihrer Romanidee die längst fällige Abwechslung. Sie stellt nicht den großen Reformator Martin Luther sondern seinen Gegenspieler Thomas Müntzer in den Mittelpunkt.

Die Autorin erfindet um den Sohn Müntzers eine herrliche Liebesgeschichte und vor allem lässt sie Mias Müntzer Vergangenheitsbewältigung betreiben. Elternlos wuchs Mias bei fremden Leuten auf. Als er alt genug für die Wahrheit ist, erzählen ihm die Pflegeeltern wessen Kind er wirklich ist. Der große Bauernkrieg ist zwar bereits 20 Jahre vorbei, aber die Wunden von Tod und Verrat sind längst nicht verheilt.

Mias will genau wissen, wer sein Vater war, was er dachte. War er wirklich der “Bauernschlächter” oder der “Satan von Allstedt”? Die Reise des jungen Mias in die Vergangenheit ist gefährlich für ihn, so trifft er nicht nur alte Weggefährten seines Vaters wieder, sondern er trifft auch die Liebe seines Lebens. Doch vorher muss geklärt werden, ob Dorotheas Vater wirklich der Verräter seines Vaters war …

Sabine Dittrich gelingt es sehr gut, Unterschiede zwischen Luther und Müntzer darzustellen. Für die Kenntnis der Figur von Thomas Müntzer hat das Buch einige Korrekturen gebracht.

Diese ungewohnte Sichtweise auf die Zeit nach dem großen Bauernkrieg von 1524/25 mitten in die Spannungen der Reformation, ermöglicht dem Leser aber auch das Erkennen von Parallelen hinein in unsere Gegenwart. Es geht wie so oft um das Heer derer, die immer ärmer werden und ihre Chance Freiheit zu erlangen. Behutsam zeigt die Autorin hier die materielle und theologische Schiene. Innerhalb der reformatorischen Bewegung benennt sie wichtige Strömungen, die sich zum Teil unversöhnlich gegenüberstehen.

Die Autorin Sabine Dittrich spürt in ihrem viel zu kurzen Roman Ursachen von Bauernkrieg und Reformation auf und verpackt in einer romantischen Liebesgeschichte, wie schwer die Wunden von Tod und Zerstörung verheilen!

Neufeld Verlag, ISBN 978-3-862-56062-2, Preis 9,90 Euro

Sabine Dittrich hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Sabine Dittrich, unsere frommen Verlage lassen es gerade mächtig luthern und da kommen Sie mir mit Thomas Müntzer. Wie kam es zu dieser Romanidee?

Ich sah zufällig eine Dokumentation über Müntzer im mdr und war sofort fasziniert. Daraufhin besorgte ich mir Literatur von und über den Reformator, fuhr an die Schauplätze der Bauernkriege in Thüringen. Die Geschichte entstand dann nach und nach vor meinem inneren Auge… Reformation ist viel mehr als Luther, auch Thomas Müntzers Teil daran soll nicht vergessen werden.

Thomas Müntzer scheint mir von der Literatur ziemlich stiefmütterlich behandelt worden zu sein. Erscheint mir dies nur so und wenn Sie dem zustimmen, was glauben Sie, warum ist dies so?

Ja, das ist so. Jedenfalls, wenn man die Vielzahl der Bücher betrachtet, die es über Luther gibt. Es existieren zwar etliche wissenschaftliche Werke – dank der Müntzer-Gesellschaft – aber als Romanfigur ist Thomas Müntzer noch nicht entdeckt. Schon zu Lebzeiten war er eine äußerst umstrittene Person, fast immer im negativen Sinne. Schwer, ihm gerecht zu werden. Sollte ich jetzt einen Held aus ihm machen oder ein Scheusal?

Ich habe den Roman letztlich als Rückblick aufgebaut und lasse Müntzers Zeitgenossen zu Wort kommen, die ja auch nur unterschiedliche persönliche Meinungen über ihn haben.

Warum konnten Müntzer und Luther theologisch gesehen nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen?

Ich bin keine Theologin, versuche aber mal eine Erklärung: Luther hielt am gesellschaftlichen System seiner Zeit fest. Ein gewaltsamer Umsturz im Namen Gottes war für ihn keine Option. Luther wollte die Kirche verändern und dazu benötigte er das Wohlwollen der Herrschenden. Müntzer erkannte in diesem Ständesystem eine Verfehlung gegen Gottes Willen, denn aus der Heiligen Schrift heraus sind alle Menschen vor Gott gleich. Immer wieder lud er die Herrschenden ein, ein besseres, Gott gefälliges Regime gegenüber den Armen zu führen. Die Fürsten waren über seine deutlichen Worte natürlich entrüstet.

Außerdem geriet Müntzer im Gegensatz zu Luther immer tiefer in eine mystische „Endzeiterwartung“. Er hielt viel auf prophetische Rede und die innere Stimme des Heiligen Geistes. Anfangs Gleichgesinnte, standen sich die beiden Reformatoren einige Jahre später kompromisslos als Feinde gegenüber.

Sabine Dittrich

Foto: Sabine Dittrich
(Quelle: Christine Kemnitzer-Pettirsch, Fotostudio R. Schwarzenbach/Hof)

In Ihrem Roman hat Thomas Müntzer auch 20 Jahre nach seinem Tod noch Anhänger und Freunde, warum war gerade er für viele Menschen so eine Lichtgestalt?

Müntzer muss ein begnadeter Redner und charismatischer Anführer gewesen sein. Seine Predigten weckten in den einfachen Menschen die Hoffnung auf eine bessere Welt. Die Fürsten konnten mit ihrer militärischen Überlegenheit zwar die Bauern leicht besiegen, aber nicht deren Hoffnung auf göttliche Gerechtigkeit. Der Same des „inneren Widerstandes“ gegen das viele Unrecht war gesät.

Vor zwei Jahren haben Sie mich mit “Erben des Schweigens” fasziniert. Muss ich jetzt wieder zwei Jahre auf einen neuen Roman von Ihnen warten?

Gute Frage. Auf einen historischen Roman möglicherweise schon, denn dafür muss mich erst wieder ein neuer Stoff „packen“, der auch meinen Verleger überzeugt. Momentan schreibe ich an einem anderen Projekt – kein Roman. Doch nachdem Ihnen „Erben des Schweigens“ gefallen hat, könnte Sie das trotzdem interessieren. Mehr verrate ich aber noch nicht, denn wie heißt es so schön? Erst legen, dann gackern….

Vielen Dank für das Interview!

Der Neufeld Verlag hält drei Verlosungsexemplare für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 30. Juli 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Heidrun Hurst: Der Beginn eines neuen Tages

der beginn eines neuen tages

Rezension von Susanne Degenhardt:
„Der Beginn eines neuen Tages“ ist der dritte Band um die Bergmannskinder Jakob und Bärbel. Ich war sehr gespannt, wie es mit ihnen an den unterschiedlichen Handlungsorten weitergehen würde. – Wer die ersten beiden Bände noch nicht kennt, sollte nun besser aufhören zu lesen, denn sonst geht einiges an Spannung verloren.

Das gesamte Reich ist von marodierenden und plündernden Soldaten ausgeblutet, jeder kämpft im Dreißigjährigen Krieg mehr oder weniger ums Überleben – sei es im Kampf oder daheim auf dem eigenen Bauernhof: Jakob befindet sich nach wie vor im Tross des Schwedischen Heeres. Er ist mit Magdalena liiert, kann sich aber nicht richtig auf ihre Liebe einlassen. Immer noch spukt ihm Elisabeth durch den Kopf und seine Träume.

Auch Elisabeth kann Jakob nicht vergessen. Ihre Ehe mit Andreas ist alles andere als rosig. Auf Nahrungssuche wird der Hof der Selzers mehrmals von plündernden Soldaten heimgesucht. Die Soldaten sind nicht zimperlich, nehmen sich, was sie in die Finger bekommen können – nicht nur Lebensmittel und Gegenstände. Sie vergreifen sich gerne auch an Frauen. Durch eine List können Elisabeth und Andreas ein wenig Geld, Samen und Vieh vor ihnen verstecken, doch sie müssen trotz allem mit dem Wenigen, das ihnen bleibt, ums Überleben kämpfen.

In Straßburg bricht das Waisenhaus aus allen Nähten. Sebastian und seine Frau Bärbel wissen kaum noch, wie sie all die Kinder unterbringen sollen. Sebastian hadert außerdem mit dem Tod einiger Schützlinge. Warum lässt Gott zu, dass manche Menschen geheilt werden und manche nicht? In dieser schweren Zeit steht auch noch plötzlich die Abendrotin vor der Tür und fordert, dass ihre Enkelin Marie zu ihr ziehen solle. Eines Tages erfährt Sebastian von seiner Nachbarin, dass diese das Nachbarhaus verkaufen möchte, am Liebsten an ihn. Das wäre die Antwort auf ihr Platzproblem. Allerdings können sie sich ein weiteres Haus einfach nicht leisten…

Ich fand es faszinierend zu lesen, welche Überlebensstrategien die Romanfiguren in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen entwickelten. Jeder einzelne Erzählstrang hat seine eigene Spannung und es fiel mir zunehmend schwerer, das Buch aus der Hand zu legen. Als Leser erfährt man viel Hintergrundwissen über das damalige Leben und die Kriegshandlungen. Dabei wird das Lesen allerdings niemals langweilig, wie man das von manchen historischen Romanen kennt.

Besonders interessierte mich ja, wie es für Jakob und Elisabeth ausgehen würde. Ich möchte das natürlich nicht verraten, aber man sollte sich auf ein total spannendes Ende gefasst machen! Das Abschiednehmen von allen Romanfiguren fiel mir dann auch sehr schwer, da sie mir so ans Herz gewachsen waren.

Wenn mich jemand fragen würde, welcher der drei Bände der beste wäre, müsste ich sagen: Alle drei Bände sind Meisterwerke! Selten habe ich eine Trilogie gelesen, die durchweg fesselnd geschrieben ist! Heidrun Hurst hat einen sehr flüssigen und bildhaften Schreibstil; sie zeichnet die Szenen wie ein Maler ein Gemälde. Der Glaube an Gott wird unaufdringlich aber immer passend zur Lebenssituation eingewoben, was den Romanen noch mehr Tiefe verleiht.

Im Anhang befindet sich wieder ein Glossar, welches einige Begriffe erklärt. Diese sind im Text übrigens kursiv gedruckt, sodass man gleich weiß, dass man dieses Wort im Buch hinten nachschlagen kann.

Heidrun Hursts Romane sind ein Garant für spannende Lesestunden. Wer historische Romane mag und ihre Romane noch nicht gelesen hat, sollte dies schleunigst nachholen! Ich freue mich jedenfalls auf weitere Romane aus ihrer Feder, für mich sind sie mittlerweile zu einem „Must-Read“ geworden!

mediaKern, ISBN 978-3-842-92308-9, Preis 14,95 Euro

Heidrun Hurst hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Heidrun, mit diesem Band ist die Trilogie um die Bergmannskinder Jakob und Bärbel nun abgeschlossen. Wie ist es Dir ergangen, als Du von den beiden und allen anderen Romanfiguren „Abschied nehmen“ musstest?

Das ist so in etwa ein Gefühl, wie wenn man von alten Bekannten Abschied nehmen muss. Es waren doch einige Jahre, in denen ich mich mit ihnen beschäftigt, und mir immer neue Geschichten für sie ausgedacht habe. In gewisser Weise sind sie ein Teil von mir geworden. Ich denke oft an sie, wenn ich bei meinen Verwandten bin, die auf Elisabeths „Hof“ wohnen.

Sebastian hadert mit dem Tod einiger seiner Schützlinge und fragt sich, warum Gott manche Menschen heilt und manche nicht. Hast Du schon ähnliche Erfahrungen gemacht und diese im Roman verarbeitet?

Das habe ich tatsächlich. Im näheren Umfeld und auch immer wieder bei Freunden und Bekannten. Ich denke das ist eine der großen Fragen dieser Welt, auf die es keine befriedigende Antwort gibt. Letztendlich wollte ich damit zum Ausdruck bringen, dass auch Christen nicht auf alles eine Antwort wissen, und durchaus ihre Krisen haben. Dass es aber wichtig ist Gott zu vertrauen und den vorgegebenen Weg zu gehen. Oft sieht man erst hinterher, dass dies alles einen Sinn hatte. Und – ich hoffe, ich bin damit nicht allein – manches werden wir auch nie verstehen.

Ich fand es sehr spannend zu lesen, welche Überlebensstrategien sich Jakob und Elisabeth an ihren unterschiedlichen Schauplätzen ausgedacht haben. Jakob isst beispielsweise gemeinsam mit seinen Kumpanen einen Schwan – was wirklich eine luxuriöse Abwechslung im kargen Speiseplan war! Bist Du selbst schon in den Genuss eines Schwans gekommen?

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Foto: Heidrun Hurst

Nein, ich habe noch nie Schwan gegessen. Im Mittelalter allerdings waren die großen Vögel eine beliebte Speise, aber wohl auch eine ziemlich tranige Angelegenheit. Den Schwan habe ich an dieser Stelle eingebaut, weil die Rheinauen ein Paradies für diese Tiere sind. So gesehen war es keine luxuriöse Kost, sondern einfach das, was dort zur Verfügung stand.

Du wohnst ja in der Nähe des Bauernhofs, in dem Elisabeth lebte. Habt Ihr beobachten können, ob einige Leser vorbei kommen, um sich einen der Romanschauplätze, den Hof, anzuschauen?

Beobachtet habe ich nichts, aber die Leute fragten nach, wo genau das Haus steht. Die Premierenlesung von „Im Feuer des Lebens“ fand dann auch in der Scheune des Bauernhofs statt. Die Atmosphäre des Hofes zu schnuppern und gleichzeitig in der Lesung zu hören, was sich dort abgespielt hat, fanden die Leute aus der Umgebung sehr ansprechend. Es kamen sogar so viele, dass ich zweimal lesen musste, weil wir gar nicht alle gleichzeitig in der Scheune unterbringen konnten. Anschließend war noch lange nicht Schluss. Es wurde ein richtiges kleines Dorffest, das sich spontan daraus entwickelt hatte. Das war eine sehr schöne Erfahrung, an die ich noch lange denken werde.

Kannst und darfst Du schon einen wenig von Deinem nächsten Projekt verraten?

Nur so viel sei verraten. Ich bin an einem neuen Projekt. Es wird wieder etwas Historisches sein, aber mehr kann ich noch nicht dazu sagen.

Ich freue mich schon sehr auf Dein nächstes Buch!
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg beim Schreiben!

Heidrun Hurst stellt uns ein signiertes Exemplar dieses dritten Bandes zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 29. Juli 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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S.Box: Meine Puzzle-Bibel-Geschichten

meine puzzle

Rezension von Susanne Degenhardt:
Dieses Buch ist ein ‘3-in-1′ Bilderbuch: Vorlesen, Puzzeln, Bilder anschauen. Es enthält zehn kurze biblische Geschichten und dazu passende Puzzle. Die sechsteiligen Puzzles sind leicht zu puzzeln: Durch eine kreisförmige Ausstanzung lassen sich die Teile gut entnehmen und hinterher auch wieder einsetzen. Hat man die recht großen Puzzleteile entnommen kommt eine bunte Vorlage zum Vorschein. So weiß das Kind schnell, an welchen Platz die Puzzleteile gehören (und falls mal etwas verloren geht ist das Bild nicht entstellt).

Die Geschichten werden sehr komprimiert und leicht verständlich wiedergegeben, so dass auch unsere Zweijährige keine Verständnisprobleme hatte. Der Vierjährigen dagegen war das natürlich zu wenig Text, aber da punktete dann das Puzzle.

Folgende Geschichten sind enthalten:
* Die Schöpfung
* Arche Noah
* Das Moses-Baby
* David, der Hirtenjunge
* Daniel und die Löwen
* Die Weihnachtsnacht
* Jesus stillt den Sturm
* Das Gleichnis vom guten Hirten
* Jesus und die Kinder
* Jesu Kreuzigung und Auferstehung

Was ich anfangs gar nicht so bedacht hatte und mich positiv überrascht hat: Durch die Puzzles kommt man ganz automatisch in ein Gespräch mit dem Kind über die jeweilige Geschichte, weil man über das redet, was auf dem Bild zu sehen ist. Der Zweijährigen konnte ich somit endlich die biblischen Geschichten ein wenig schmackhaft machen und die Vierjährige konnte mir stolz erzählen, um welche Geschichte es da geht.

Ein kleines Manko hat das Buch leider: So schön es auch ist, dass so viele Geschichten und Puzzles enthalten sind ‘ dadurch ist das Buch zu dick und ab der Mitte lässt es sich nicht mehr gut aufschlagen. Die Puzzleseiten klappen dann immer hoch und man muss die linke Buchhälfte ein wenig ‘hoch halten’, damit die rechten Buchseiten aufliegen.

Die Altersempfehlung ‘ab vier’ ist wahrscheinlich bedingt durch rechtliche Hintergründe (verschluckbare Kleinteile). Allerdings knabbern die wenigsten Kinder im Alter von 2 und 3 Jahren noch Bücher an, von daher halte ich die Gefahr für sehr gering. Genau das ist meiner Meinung nach das beste Alter für dieses Bilderbuch.

‘Meine Puzzle-Bibel-Geschichten’ ist alles in allem ein schönes Buch, mit dem sich Kinder selbst beschäftigen können. Wie bereits erwähnt, muss man es nicht zwangsläufig vorlesen, sondern kann auch einfach über das Bild reden. Und ich finde, eine prima Geschenkidee ist es außerdem!

SCM R. Brockhaus, ISBN 978-3-417-28557-4, Preis 12,95 Euro

Der Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 29. Juli 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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