Hannah Brencher: Wenn du diesen Brief findest …

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Allegria, ISBN 978-3-793-42300-3, Preis

Liebe Leser*in,
wann hast du eigentlich den letzten handgeschriebenen Brief bekommen? Vor allem einen, in dem du beim Lesen das Gefühl hattest, der Absender kennt dich und lässt dich wissen, dass es gut ist, das es dich gibt und du nicht allein bist.
Hannah Brencher kommt mit Anfang 20 in die Weltstadt New York. Sie sieht die Menschen, die täglich gefühlte 24 Stunden lang auf ihre Handys starren. Die Autorin fasst es in einem Satz so zusammen: „Es war, als trüge einfach jeder Geschichten über Einsamkeit in sich.“
Die junge Autorin steht am Anfang ihres Lebens und was sie sieht, gefällt ihr gar nicht. Sie will dem allen entgegenwirken. Bei anderen bemängelt sie: Oft nehmen andere Menschen Dinge hin, ohne den Versuch zu unternehmen, etwas daran zu ändern. Und Hannah kommt auf eine Idee die Blicke vom Handy wegzubekommen. Es ist nicht so, wie scheinbar alle widerspruchslos hinnehmen, dass man minütlich erreichbar sein muss. Es scheint uns nicht zu stören oder bemerken wir wirklich nicht, dass die sozialen Medien unser Miteinander zerstören, ja sogar unmöglich machen?
Hannah beginnt Liebesbriefe zu schreiben. Es geht ihr nicht darum, dass sich Leute persönlich kennenlernen, es geht viel mehr darum sich den Seelenschmerz wegzuschreiben und wenn der Schreiber seinen Absender hinterlässt, in einen Dialog zu treten.
Sehr geschickt baut die Autorin auch ihr unkonventionelles Gottesbild mit in ihr Buch ein. Sie beschreibt ihre Beziehung und ihre Erfahrungen mit ihm, jedenfalls mit dem Gott den die Menschen ihr präsentieren. Erst durch Erfahrungen wird ihr klar, Gott kommt man am besten durch das Leben näher und immer mehr kommt Hannah auch dem magischen Zauberwort „Liebe“ auf die Spur. Der Gott der Menschen ist nämlich nicht in erster Linie einer der durch Regeln und Gesetze seine Stärke beweisen muss, er wirkt viel mehr durch die Liebe von uns Menschen.
Und es gibt viele Menschen, die dieser Liebe bedürfen. Die von Gott Enttäuschten, die Misshandelten und Einsamen, die die mit Depressionen und Burnout in ihren vier Wänden festsitzen, sie alle warten scheinbar nur darauf, Liebesbriefe zu bekommen. Hannah Brencher hat dies mit ihrer Briefaktion zu spüren bekommen.
Diesem Buch wünsche ich sehr viele Leser. Mit einem Aufruf ermutigt die Autorin ihre Leser, es ihr nach zu tun: „Wenn es da draußen Menschen gibt, die das hier brauchen, dann bitte, finde sie.“

PS:
Übrigens, wenn du mir einen Brief, ich meine einen so richtigen auf Papier schreiben möchtest, dann schreib!
Ich freue mich auf Post von dir (Adresse im Impressum). Du allein bestimmst das Thema. Völlig egal ob es darin um den lieben Gott, deine Krankheit, deine kaputte Ehe oder deine Einsamkeit geht, schreib dagegen an! Du wirst sehen was geschieht.
Wenn du deinen Absender leserlich auf den Briefumschlag schreibst und eine Briefmarke in den Brief legst, dann bekommst du auch eine Antwort. Fehlt beides, lese ich deinen Brief ebenso gern.

liebe Grüße
der Blogbetreiber.

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Chris Fabry: Der unsichtbare Kampf

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Rezension von Christian Döring:
Chris Fabry ist seinen deutschen Lesern seit Jahren bekannt,
er hat sich inzwischen einen echten Fankreis aufgebaut.
Dieser Roman fällt für mich ein wenig aus dem Rahmen:

Tony und Elizabeth haben sich in ihrer Ehe auseinandergelebt.
Er ist als Vertreter im Außendienst oft von zu Hause weg und
ist er mal da, gibt es fast nur noch Streit. Seine Tochter bekommt
so gut wie gar keine Beachtung mehr von ihm.

Elizabeth ist Maklerin. Eines Tages gerät sie an Miss Clara.
Diese ältere, lebens- und glaubenserfahrene Dame sieht ihrer
Maklerin sofort an, dass sie leidet. Und auch wenn dies für Elizabeth
zunächst äußerst unbequem ist, nimmt Miss Clara kein Blatt vor
den Mund und redet mit ihrer Maklerin über den Glauben und die
Kraft des Gebetes.

Ich habe dieses Buch ganz gelesen und fand die Story viel zu
spannend um vorzeitig abzubrechen. Dennoch haben mich einige
Begrifflichkeiten gestört. Da ist vom „Bösen“ und auch vom „Satan“
die Rede. Er kommt und stiftet Unruhe und Unfrieden. Durch intensives
Gebet kann man dem entgegenwirken und alles kann sich wieder
zum Guten entwickeln.

All dies will ich nicht bestreiten, jeder Leser dieses Buches wird
seine eigenen Gebetserfahrungen haben. „Der unsichtbare Kampf“
ist auf alle Fälle ein Titel der herausfordert, das Gebet zum Thema
macht und vor allem zum eigenen Gebet im Alltag Tipps gibt,
die man übernimmt oder eben auch nicht.

Auf alle Fälle ein lohnender Titel!

Brunnen, ISBN 978-3-765-52070-9, Preis 17,00 Euro

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Schwarz/Rolfes: Frei!

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Rezension von Christian Döring:
Wer von uns hat nicht schon einmal hoch oben am Himmel Wildgänse schreien hören, hochgeschaut und dann sehnsüchtig hinterhergeblickt? Wildgänse haben tatsächlich etwas, was uns Menschen ins Schwärmen verfallen lässt. Spätestens seit Selma Lagerlöf Nils Holgerson erfand.

Andrea Schwarz nun greift das Thema neu auf und schaut sich Wildgänse sehr genau an. Woher kommen sie? Warum werden wir in freier Natur keiner einzelnen Wildgans begegnen? Hilft ihnen der Familiensinn im Alltag?

In ihren Texten, die zum Teil sehr schöne meditative Texte geworden sind, spricht sie des Lesers Sehnsüchte an und hinterfragt diese. Wie ist es mit der grenzenlosen Freiheit dort oben am Himmel? Gibt es diese grenzenlose Freiheit überhaupt für Wildgänse dort oben und uns Menschen hier unten?

Es ist zum Teil ein herrlich-schwärmerisches Buch geworden, aber Dr. Helmut Kruckenberg hat als Fachmann für Wildgänse sehr genau darüber gewacht, dass die Autorin nichts auf die Wildgänse projiziert, was wir Menschen gern hätten, es so aber gar nicht zutrifft. Aber keine Angst, das Buch gewinnt durch diese fachmännische Begleitung und wird keinesfalls zum Fachbuch.

Von vielen Seiten nähert sich Andrea Schwarz immer wieder neu den Wildgänsen. Völlig ungeniert schreibt sie in ihren Texten und Gedichten auch über ihren Glauben. Der Glaube gehört für sie nicht Sonntags für eine Stunde in die Kirche, sondern er gehört mitten ins Leben, in den Alltag.

„Frei!“ beschäftigt sich mit Wildgänsen. Willi Rolfes sind wunderbare Fotos gelungen. Andrea Schwarz greift aktuelle Themen auf und fragt nach bei den Wildgänsen. Wir Leser sollten viel öfter himmelwärts schauen, um nicht die Bodenhaftung in unserem Glauben zu verlieren.

Ein wunderschönes Buch, das darauf wartet entdeckt und verschenkt zu werden!

adeo, ISBN 978-3-863-34114-5, Preis 19, 99 Euro

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Florian Scheibe: Kollisionen

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Rezension von Christian Döring:
In „Kollisionen“ geht es um viel mehr als nur um den Kinderwunsch eines Paares, welches viel an moderner Technik in Anspruch nimmt, um doch noch zu einem Kind zu kommen. Die Architektin Carina und der Journalist Tom erleben auf ihrem gemeinsamen Weg so manch eine Kollision. Manchmal frage ich mich: Sind sie überhaupt schon reif für ein Kind?

Per Kollision knallen gleich zu Anfang Carina und Mona aufeinander. Mona ist eine drogensüchtige Jugendliche die den Tag im Park verbringt und immer auf der Suche nach Geld ist, um den nächsten Schuss zu bezahlen. Carina sieht Monas Bauch und weiß sofort, Mona ist schwanger.

Anfangs dachte oder befürchtete ich, dass ich mit diesem Ausgangspunkt bereits den Gesamtverlauf dieses Romans erahnen könnte, aber weit gefehlt!

Bei Florian Scheibe ist nichts sicher, immer wieder gibt es eine geschickt und vor allem glaubhaft eingebaute Wendung, die dem Leser das sofortige Weiterlesen abverlangt und keine berechtigte Vorahnung über den weiteren Verlauf der Story zulässt. Das ist für mich Literatur auf ganz hohem Niveau!

Aber wie gesagt der Kinderwunsch ist nur ein Thema dieses Berlinromans. Das Zusammenleben von Arm und Reich, die zahlreichen Lebensmodelle der Gegenwart und vieles mehr thematisiert Scheibe. Nichts kommt bei diesem Autor konstruiert oder gar pädagogisch gestelzt herüber. Scheibe glänzt durch die genaue Beschreibung seiner Protagonisten. In ihnen fängt er die gesamte Bandbreite der Gesellschaft ein und schafft ein literarisches Universum, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Eins der seltenen Bücher, dass man schnell liest, deren Protagonisten aber noch eine ganze Weile bleiben!

Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-98031-8, Preis 19, 95 Euro

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Jürgen Ebach: Das Alte Testament als Klangraum des evangelischen Gottesdienstes

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Rezension von Christian Döring:
Wer glaubt um das Alte Testament herum kommen zu können, weil uns das Neue ja viel näher ist, der wird bei Prof. Dr. Jürgen Ebach auf angenehme Weise eines besseren belehrt.

In einer Schreibe, die auch für den interessierten Laien verständlich ist, buchstabiert der Autor die Liturgie unseres Gottesdienstes und überrascht mich dabei mehr als nur einmal, weil er so sehr direkte Bezüge zum Alten Testament herstellt.

Zuvor jedoch hält er sich einen Moment bei unseren Kirchenbauten auf. Er geht auf das Kirchenschiff ein. Wussten Sie, dass es eine Nachahmung eines Zeltes sein soll, für die „Kirche unterwegs“ steht und auf die Arche Noahs zurückgeht? Es war für mich nicht das einzige Aha-Erlebnis des Buches.

Über unser Liedgut nähert sich Ebach dann der Liturgie. Er setzt beim Eingangsgruß an und fragt nach dem Gott in dessen Namen der Gottesdienst gefeiert wird. Spannend was er für Gedanken zu Tage fördert!

Er macht dabei auch die für mich leidige Debatte wieder auf, ob Gott nun männlich oder weiblich ist. Schützenhilfe holt er sich aus dem Alten Testament. Ebach geht darauf ein und denkt laut darüber nach, wie sich der Sprachgebrauch des Gottesnamens ändern müsste, wenn dies allgemein Anerkennung finden würde.

Besonders interessant finde ich auch den Abschnitt im Buch, in dem Jürgen Ebach über den Gebrauch der Psalmen in unseren Gottesdiensten schreibt. Immer mehr entfaltet sich dieses Buch für mich zu einer Fundgrube. Viele Elemente des sonntäglichen Gottesdienstes bekommen eine Erklärung aus dem Alten Testament heraus, wie ich sie bislang nicht kannte und damit rückt der Autor gleichzeitig das gesamte Alte Testament wieder stärker in den Glaubensalltag.

In Jürgen Ebachs neuem Buch wird sehr deutlich, dass wir dem Alten Testament und dem Gott Israels mehr verbunden sind, als uns vielleicht lieb ist, deutlich wird aber auch um wieviel reicher unser Glaubensalltag dadurch werden kann!

PS:
Derzeit debattieren Neutestamentler darüber ob es nicht besser sei, das Alte Testament ganz aus unseren Gottesdiensten zu verbannen. Jürgen Ebach zeigt mit seinem Buch: Dieses Ansinnen ist Unfug!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08242-4, Preis 29, 99 Euro

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Janine di Giovanni: Der Morgen, als sie uns holten

der morgen als sie uns holten

Rezension von Christian Döring:
Die Kriegsreporterin Janine di Giovanni bereist seit 20 Jahren die Krisenherde dieser Erde, um mit eigenen Augen Leid und Elend der Menschen zu sehen und gibt ihren Lesern einen ganz persönlichen Einblick in das Geschehen vor und hinter den Kriegsfronten.

2012 hat sie Syrien bereist. Damals hatte die friedliche Revolution, die nie eine wirkliche Chance hatte, längst verloren und der Bürgerkrieg begann, sich über das ganze Land auszubreiten. In Damaskus, Latakia, Homs und Aleppo war Janine di Giovanni unter anderem unterwegs. Sie sprach mit Soldaten, die für oder gegen Assad kämpften und sie traf sich immer wieder mit Zivilisten. Frauen und Männern die nie eine Waffe in der Hand hielten, nun aber all ihr Hab und Gut verloren, zusehen mussten, wie Kinder verhungern, wie Frauen und Männer vergewaltigt werden.

Vergewaltigungen werden nicht nur von einer Kriegsseite als Mittel der Kriegsführung eingesetzt. Die Autorin gibt den namenlosen Opfern eine Stimme. Sie erklärt, welche Folgen eine Vergewaltigung in Syrien hat. Ein Mann wird keine vergewaltigte Frau mehr heiraten, sie ist und bleibt ein Leben lang unrein. Viele vergewaltigte Frauen nehmen sich das Leben.

Auch die Christenverfolgung macht die amerikanische Autorin zum Thema ihres Buches. Sie lässt sich schildern, wie friedlich Menschen unterschiedlichster Religionen bis 2012 in einer Stadt, ja in einem Stadtteil, zusammengelebt haben und wieso dies plötzlich nicht mehr möglich ist. Grausame Folterszenen beschreibt sie detailreich. Es geht unter die Haut und ist starker Tobak!

Der Krieg, so Janine de Giovanni, war absehbar. Die UNO und auch sonst niemand hat den Bürgerkrieg verhindern können. Die Autorin stellt Vergleiche mit dem Bosnienkrieg her. Auch dort war sie unterwegs.

Die Kriegsreporterin Janine di Giovanni beschreibt, was sie gesehen hat und dies ist oft aufschlussreicher als es jede Nachrichtensendung sein kann!

Fischer, ISBN 978-3-10-397230-6, Preis 20,00 Euro

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Tim Townsend: Letzte Begegnungen unter dem Galgen

letzte begegnungen unter dem galgen

Rezension von Christian Döring:
Über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse gibt es wahrlich einige Meter an bereits vorhandener Literatur. Aber dieses Buch ist eine besonders schwere Kost. Townsend beschreibt den Verlauf, die historischen Fakten, wie der geschichtsinteressierte Leser sie bereits kennt, aber in den Fokus seines Werkes setzt er das Tun des Militärseelsorgers Pastor Henry Gerecke. Der Amerikaner hat die evangelischen Nazigrößen in ihren letzten Lebensmonaten begleitet.

Und so hebt sich dieses Buch sehr von der bisherigen Literatur zu diesem Thema ab. Gerecke stellt sich Leuten wie Keitel, Heß, Göring und Kaltenbrunner vor und interessant sind die Reaktionen. Er stößt auf Ablehnung, aber auch auf Männer, die kurz vor ihrem Tod aufs tiefste bereuen, weinend und betend in ihrer Zelle knien.

Bei allen interessanten Beschreibungen um die Äußerlichkeiten um diesen Prozess herum, steht das Thema Vergebung im Mittelpunkt. Können, ja dürfen Nazikriegsverbrecher, die Millionen Tote auf dem Gewissen haben, Vergebung erfahren? Eine schwere Frage auf die es auch unter Theologen bis zum heutigen Tag unterschiedlichste Antworten gibt.

Tim Townsend schreibt: „Die Vergebung ist das zentrale Element in der Geschichte von Jesus von Nazareth. Am Kreuz betet er: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34).“

Pastor Henry Gerecke begleitet zum Teil auch nach der Hinrichtung der Nazikriegsverbrecher deren Frauen und Kinder. Ich bewundere ihn für seinen Dienst. Er hat christliche Verantwortung gezeigt. Sie gilt auch denen, die das christliche Fundament verlassen haben. Der Pastor hat Monate lang um jeden Einzelnen gerungen.

Mit seiner schweren Lektüre hält Townsend uns im Bewusstsein, dass die Gnade Jesu niemanden ausschließt und wir uns nie um seine Gnade und Vergebung sorgen müssen, wenn wir ihn nur als Herren anerkennen!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5634-9, Preis 29, 95 Euro

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