Janine di Giovanni: Der Morgen, als sie uns holten

der morgen als sie uns holten

Rezension von Christian Döring:
Die Kriegsreporterin Janine di Giovanni bereist seit 20 Jahren die Krisenherde dieser Erde, um mit eigenen Augen Leid und Elend der Menschen zu sehen und gibt ihren Lesern einen ganz persönlichen Einblick in das Geschehen vor und hinter den Kriegsfronten.

2012 hat sie Syrien bereist. Damals hatte die friedliche Revolution, die nie eine wirkliche Chance hatte, längst verloren und der Bürgerkrieg begann, sich über das ganze Land auszubreiten. In Damaskus, Latakia, Homs und Aleppo war Janine di Giovanni unter anderem unterwegs. Sie sprach mit Soldaten, die für oder gegen Assad kämpften und sie traf sich immer wieder mit Zivilisten. Frauen und Männern die nie eine Waffe in der Hand hielten, nun aber all ihr Hab und Gut verloren, zusehen mussten, wie Kinder verhungern, wie Frauen und Männer vergewaltigt werden.

Vergewaltigungen werden nicht nur von einer Kriegsseite als Mittel der Kriegsführung eingesetzt. Die Autorin gibt den namenlosen Opfern eine Stimme. Sie erklärt, welche Folgen eine Vergewaltigung in Syrien hat. Ein Mann wird keine vergewaltigte Frau mehr heiraten, sie ist und bleibt ein Leben lang unrein. Viele vergewaltigte Frauen nehmen sich das Leben.

Auch die Christenverfolgung macht die amerikanische Autorin zum Thema ihres Buches. Sie lässt sich schildern, wie friedlich Menschen unterschiedlichster Religionen bis 2012 in einer Stadt, ja in einem Stadtteil, zusammengelebt haben und wieso dies plötzlich nicht mehr möglich ist. Grausame Folterszenen beschreibt sie detailreich. Es geht unter die Haut und ist starker Tobak!

Der Krieg, so Janine de Giovanni, war absehbar. Die UNO und auch sonst niemand hat den Bürgerkrieg verhindern können. Die Autorin stellt Vergleiche mit dem Bosnienkrieg her. Auch dort war sie unterwegs.

Die Kriegsreporterin Janine di Giovanni beschreibt, was sie gesehen hat und dies ist oft aufschlussreicher als es jede Nachrichtensendung sein kann!

Fischer, ISBN 978-3-10-397230-6, Preis 20,00 Euro

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Tim Townsend: Letzte Begegnungen unter dem Galgen

letzte begegnungen unter dem galgen

Rezension von Christian Döring:
Über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse gibt es wahrlich einige Meter an bereits vorhandener Literatur. Aber dieses Buch ist eine besonders schwere Kost. Townsend beschreibt den Verlauf, die historischen Fakten, wie der geschichtsinteressierte Leser sie bereits kennt, aber in den Fokus seines Werkes setzt er das Tun des Militärseelsorgers Pastor Henry Gerecke. Der Amerikaner hat die evangelischen Nazigrößen in ihren letzten Lebensmonaten begleitet.

Und so hebt sich dieses Buch sehr von der bisherigen Literatur zu diesem Thema ab. Gerecke stellt sich Leuten wie Keitel, Heß, Göring und Kaltenbrunner vor und interessant sind die Reaktionen. Er stößt auf Ablehnung, aber auch auf Männer, die kurz vor ihrem Tod aufs tiefste bereuen, weinend und betend in ihrer Zelle knien.

Bei allen interessanten Beschreibungen um die Äußerlichkeiten um diesen Prozess herum, steht das Thema Vergebung im Mittelpunkt. Können, ja dürfen Nazikriegsverbrecher, die Millionen Tote auf dem Gewissen haben, Vergebung erfahren? Eine schwere Frage auf die es auch unter Theologen bis zum heutigen Tag unterschiedlichste Antworten gibt.

Tim Townsend schreibt: „Die Vergebung ist das zentrale Element in der Geschichte von Jesus von Nazareth. Am Kreuz betet er: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34).“

Pastor Henry Gerecke begleitet zum Teil auch nach der Hinrichtung der Nazikriegsverbrecher deren Frauen und Kinder. Ich bewundere ihn für seinen Dienst. Er hat christliche Verantwortung gezeigt. Sie gilt auch denen, die das christliche Fundament verlassen haben. Der Pastor hat Monate lang um jeden Einzelnen gerungen.

Mit seiner schweren Lektüre hält Townsend uns im Bewusstsein, dass die Gnade Jesu niemanden ausschließt und wir uns nie um seine Gnade und Vergebung sorgen müssen, wenn wir ihn nur als Herren anerkennen!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5634-9, Preis 29, 95 Euro

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Steve Volke: Der Sehendmacher

Der-Sehendmacher

Rezension von Christian Döring:
Steve Volke findet in seinem neuen Buch „Der Sehendmacher“ zum Teil sehr deutliche Worte, um uns Leser aus der Reserve zu locken. So fragt er zum Beispiel: „Wann kommen wir endlich dahin, den finanziellen Reichtum als das anzusehen, was er wirklich ist? Nicht so sehr ein Segen Gottes, sondern das Ergebnis einer systematischen Vernachlässigung der Armen dieser Welt!“ (155)

Damit ist das Thema des Buches vorgegeben. Die Armen dieser Welt stehen im Mittelpunkt. Ebenso wir Blinden, die wir es gelernt haben, oftmals diese Armen nicht zu sehen. Klare Fragen und zum Teil Antworten formuliert Volke. Er vermeidet es, als Besserwisser aufzutreten, nimmt sich selbst in das Boot mit hinein, in dem wir Sehgeschädigten sitzen. Es sind vor allem seine persönlichen Geschichten, die sehr deutlich machen, wo er selbst bislang Sehstörungen hatte und wie er nun auf 100 Prozent Sehkraft zusteuert.

Dem Autor geht es dabei nicht nur um die volle Sehkraft seines Lesers. Er schaut auch auf unsere Gemeinden und stellt einmal mehr eine dieser furchtbar unbequemen Fragen: „Was würde deiner Stadt eigentlich fehlen, wenn es deine Gemeinde nicht mehr gäbe?“ (165) Volke weist darauf hin, dass wir im Reden oft unschlagbar gut sind, aber die praktizierte Diakonie vor Ort, die fehlt oft.

Auffallend ist, wie dicht der Autor sich wörtlich an biblische Zitaten orientiert. Über weite Strecken seines Buches wechseln die Absätze zwischen eben diesen Bibelzitaten und des Autors Texten. Dies zeigt, wie weit wir manchmal in der Alltagspraxis von biblischen Inhalten entfernt sind und hat zugleich den positiven Nebeneffekt, uns die verblüffende Aktualität der Bibel einmal mehr vor Augen zu halten.

Volke ist seit 2007 der Geschäftsführer des Kinderhilfswerkes Compassion Deutschland. Aus seiner Arbeit erzählt er, wenn er beispielsweise von den Armen dieser Welt spricht. Auch wenn er den Namen des bekannten Grafen Zinzendorf (130) gleich mehrfach falsch schreibt und dies unverständlicherweise scheinbar niemandem im Vorfeld aufgefallen ist, berühren die Einzelschicksale, über die Steve Volke ausführlich berichtet. Sie zeigen, wie Hilfe grundlegend Leben verändert und vor allem stellt der Autor sehr gut dar, wie der Helfer im Gegenzug reich beschenkt wird.

Jesus – der Sehendmacher gibt die Richtung vor. Steve Volke appelliert an uns Leser, die Augen zu öffnen und im Armen einen Bruder zu sehen und Verantwortung zu übernehmen. Sätzen wie „Was kann ich Einzelner schon machen…“ stellt der Autor den klar vormulierten Auftrag des Sehendmachers entgegen.

Gerth Medien, ISBN 978-3-957-34149-5, Preis 14,99 Euro

Steve Volke hat Bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Steve Volke, soeben ist Ihr Buch „Der Sehendmacher“ erschienen. Warum ist es gerade zu diesem Zeitpunkt erschienen?

Weil es Zeit gebraucht hat, es zu erleben, um es schreiben zu können. Ich habe über 30 Bücher geschrieben, und manchmal ging das Schreiben schnell von der Hand. Dieses Buch hier aber ist das Ergebnis einer Entwicklung, die vor acht Jahren begonnen hat und noch lange nicht abgeschlossen ist. Es kommen mehrere Bereiche meines Lebens zusammen, die den Inhalt des Buches beeinflusst haben: Glauben – Nachfolge – Berufung – Berufliches. „Der Sehendmacher“ spricht von einer großen Veränderung in meinem Leben, die dazu geführt hat, dass ich vom „Journalisten zum Entwicklungshelfer“ geworden bin.

Blind sein ist nicht gerade angenehm, warum jedoch ist diese Krankheit so weit verbreitet?

Es geht in dem Buch, um die sogenannten „blinden Flecken“, die sehr wahrscheinlich jeder Mensch hat. Damit sind die Gebiete unseres Leben gemeint, deren Wichtigkeit wir völlig unterschätzen, weil wir „blind sind“. Viele Christen sind einfach zufrieden mit der Art und Weise, wie sie ihr Christsein leben. Sie kommen nie auf die Idee, mal bei Jesus nachzufragen, ob der auch damit zufrieden ist, wie sie ihr Christsein leben. Wenn sie es mal tun würden, dann könnten sie Überraschungen erleben. Ich habe welche erlebt und wurde auf einmal mit einem Themengebiet konfrontiert, dass ich aus meinem Leben völlig ausgeblendet hatte: das Engagement für die Armen.

autor steve volke in afrika

Autor Steve Volke für Compassion Deutschland in Afrika

Was mir Ihr Buch so sympathisch macht ist, dass Sie sich selbst als den gelegentlich Blinden beschreiben. Wie haben Sie die Momente erlebt in denen Sie sehend wurden?

Manchmal staunend, manchmal schmerzhaft, aber insgesamt äußerst heilsam. Erkenntnisse fallen ja nicht immer direkt vom Himmel oder werden einem blitzartig bewusst. Auch bei mir war das „Sehend werden“ ein Prozess, in dem ich immer noch drin stecke. Aber die Dinge, die ich in den letzten acht Jahren gelernt und erkannt habe, sind so überwältigend und haben mein Leben so stark verändert, dass ich dieses Buch schreiben konnte.

Was habe ich davon Armen zu helfen?

Erst mal haben die Armen viel davon, wenn wir ihnen helfen. Und darauf kommt es eigentlich an. Es geht nicht um uns, um unser Wohlbefinden und darum, dass wir uns gut fühlen. Es geht darum, dass viele Christen die Lebenssituation der Ärmsten der Welt einfach ignorieren und meinen, durch Wegsehen würde sich die Welt verändern. Ein Trugschluss. Daher wird es höchste Zeit, sehend zu werden. Aber: Wir selbst haben auch etwas davon. Ich habe in den letzten Jahren immer mehr festgestellt, dass Jesus mir in den Armen in einer Art und Weise begegnet, die ich so noch nie kannte und die ich mir nicht vorstellen konnte. Deshalb werden wir selbst auch gesegnet, wenn wir versuchen, für andere ein Segen zu sein.

Seitenweise wechseln in Ihrem Buch Ihre Texte mit biblischen Textstellen. Liest man dies, wird einem neu bewusst wie aktuell doch die alte Bibel ist. Warum verlieren wir dann in der Gegenwart so oft den Bezug zur Bibel, sehen sie nicht mehr als praktische Richtschnur unseres Handelns?

Da gibt es viele Gründe. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir als Christen in der Gefahr stehen, den Glauben zu delegieren. Er findet Sonntags statt, wird uns durch den Pfarrer oder Prediger vermittelt, wir lassen uns von Worship-Liedern in Stimmung versetzen, aber Montag sieht die Welt dann ja schon wieder anders aus. Wir haben die Nase voll von frommen Ratschlägen, wie z.B. der täglichen Andacht oder „Stillen Zeit“, die uns als frommes Gesetz gelebt in unserem Alltag nicht wirklich weiter hilft. Ich glaube, der größte Fehler, den Christen heute in Deutschland machen, ist, dass sie ihren Glauben nur als Religion sehen, die mit bestimmten Ritualen (wie z.B. dem sonntäglichen Gottesdienst) gelebt werden muss. Nachfolge ist aber etwas ganz anderes. Für mich bedeutet Nachfolge, jeden Tag zu sehen, wo Jesus gerade ist, und mich dann in seine Nähe zu begeben. Das hat ganz praktische Auswirkungen und bringt mich auch etwas aus meiner Komfortzone heraus.

Was glauben Sie, was kann so ein Buch wie „Der Sehendmacher“ bewirken?

Ich wünsche mir, dass durch dieses Buch den Lesern die Augen dafür geöffnet werden, was in ihrem Leben konkret passieren könnte, wenn sie Jesus tatsächlich mal das Steuer übergeben. Bei mir war es, dass er mich zum Entwicklungshelfer gemacht hat. Das kann bei anderen etwas ganz anderes sein. Daher sind mir die letzten beiden Kapitel „Sei du selbst der Reformator“ und „Vom Geben und Dienen“ besonders wichtig. Und wenn die Leser dann auf dem Weg dorthin noch ein paar Infos über die Lebenssituation armer Menschen und das Herzensanliegen Gottes mitbekommen, umso besser.

Lieber Steve Volke, vielen Dank für Ihre Antworten!

Gerth Medien Buch-Trailer:

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David Togni: Love Your Neighbour

Love your

Rezension von Christian Döring:

David will sich selbst nicht in den Vordergrund schieben, aber seine Geschichte, die er mit Gott erlebt hat, die schreit er mit seinem Buch hinaus in die Welt und sie ist es wert gehört zu werden. Damit macht David Togni sich selbst zum Zeugen dafür, dass Gott auch in unserer Gegenwart das Leben eines Menschen grundlegend umkrempeln kann!

Sehr früh in seinem Leben hat David Erfolg. Geld und ein schnelles Auto sind eine Selbstverständlichkeit für ihn. Aber er merkt bald, dass da irgendwo tief in ihm noch immer etwas auf der Suche ist.

Erfolg garantiert nicht Zufriedenheit und Gott ins Abseits schieben garantiert nicht vor ihm sicher zu sein.

Mit der großen Erfahrung, wenn man sich auf die Suche nach Gott begibt, setzt Veränderung ein, beginnt der alte David bereits ein neuer zu werden. Und an dieser wundervollen Geschichte lässt uns der junge Schweizer Modemacher teilhaben.

Mithilfe dieses Buches lerne ich den sympathischen David kennen, der nun mit Gott an der Seite sein Leben meistert und für andere zum Segen wird.

Sollen es alle lesen, die Gott heute nichts mehr zutrauen!

Brunnen, ISBN 978-3-765-50965-0, Preis 18,00 Euro

David Togni hat Bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber David, warum war es dir wichtig deine Liebesgeschichte mit Gott zu veröffentlichen?

Weil meine Geschichte nicht so wäre, wenn ich den Weg nicht mit ihm gehen würde. Ich hätte schon lange mit dem Leben aufgehört, wenn ich ihn nicht hätte. Alle Lorbeeren gehören Papa God.

Als du mit deinem flotten Porsche durchs Land gerast bist, wie hast du seinerzeit Gott gesehen?

In dieser Zeit, war es mehr ein Schlechtes Gewissen… Ich wusste nämlich genau, dass er die Wahrheit ist und das es ihn gibt. Doch ich wollte den Schmerz übertönen und suchte jede Ablenkung.

davis togni

Autor David Togni

In deinem Buch beschreibst du die Leere in dir. Wie hast du sie bemerkt, ich denke genau diese Frage stellen sich besonders viele Leser?

Meine Freude war einfach weg, mein Glanz in den Augen war weg… Mein Wunsch nach MEHR, war weg… Der tiefe Friede war nicht mehr da…

Wie fühlt es sich heute an, mit Gott Seite an Seite durchs Leben zu gehen?

Es ist das beste Gefühl und eine tiefe Gewissheit, dass alles zum Besten dient. Auch wenn es einen Preis hat in der Öffentlichkeit klar und scharf zu Gott zu stehen. Aber gerne sollen Früchte benennt werden, ja die Wurzel von guten Früchten hat einen Namen…

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Zhang Rongliang: Bis zum Äußersten

bis zum äußersten

Rezension von Christian Döring:
1951 wird Zhang Rongliang in der Volksrepublik China geboren. Seine ersten starken Erinnerungen sind vom lebensbedrohlichen Hunger geprägt, der immer präsent war. Millionen Menschen hungerten damals im Land. Zhangs Vater verhungerte, eines Tages war er einfach nicht mehr da. Legte sich die abgemagerte Mutter am Abend neben den kleinen Zhang, wusste sie nicht, ob sie schon am nächsten Morgen verhungert neben ihrem Sohn lag oder überlebte.

Dann kamen die schweren Jahre der Kulturrevolution. Rongliang beschreibt diese Zeit so: „Während der Kulturrevolution wurden Kirchen zerstört, Bibeln konfisziert und verbrannt und Pastoren, Prediger und andere Christen verhaftet und brutal verfolgt. Es war eine dunkle Zeit für die Kirche in China.“

Der Autor dieses Buches beschreibt sein Leben mit Gott in China. Jahre verbrachte er im Gefängnis, weil er Jesus Christus nicht verleugnen wollte. Er verdankt sein Leben diesem Jesus Christus.

Dieses Buch ist aber zugleich auch eine interessante Beschreibung des sozialistischen Chinas. Wer nicht für die Kommunisten ist, ist gegen sie, so die Kampfansage an alle die, die auf Gott vertrauen und dafür Gefängnis, Folter und auch den Tod bereit sind in Kauf zu nehmen.

Ich lerne in diesem Buch Zhang Rongliang kennen, mutig steht er mit seinem Glauben an Jesus Christus in China für eine neue Generation von Christen. Tausende von mutigen Menschen bekennen sich heute in China zu ihrem Glauben und sie legen wert darauf, nicht als Feinde ihres Landes gesehen zu werden.

Ein beeindruckendes und mutiges Buch, welches gelesen werden muss, weil es um unsere Geschwister und unseren gemeinsamen Glauben geht!

Brunnen, ISBN 978-3-765-54298-5, Preis 13, 00 Euro

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Daniel Böcking: Ein bisschen Glauben gibt es nicht

ein bisschen glauben gibt es nicht

Rezension von Christian Döring:
Während ich in eine christliche Familie, in ein christliches Umfeld hineingeboren wurde, in der das Christ sein auch nach
außen hin gelebt wurde, hat Autor Daniel Böcking einen anderen Weg zurückgelegt. Bis er Mitte 30 war, hat er das
„lauwarme“ Leben eines Christen gelebt. Aber dann kam es zur Kehrtwende und heute „belästigt“ er den lieben Gott
mit all seinem täglichen Kleinkram und macht die Erfahrung, da ist jemand, der sich für ihn interessiert,
der ihn liebt, so wie er ist.

Eben diese Kehrtwende, die ich so nie erleben konnte, ist spannend dargestellt und Autor und Verlag haben sicher
gewusst, dass diese Darstellung Widerspruch erzeugen wird. Muss es auch, denn dort wo Gott und wo ein Leben mit
Gott so überzeugend dargestellt wird, da kommt es zur Diskussion. Und dies ist gut so. Gott zum Thema zu machen,
ist gerade in unserer Gegenwart dringend notwendig!

In seinem Buch klappert Böcking viele Themen ab, die für einen Christen wichtig sind, anderen, die sich vielleicht
ebenso mit der Gottesfrage beschäftigen, kann er damit sicher Hilfestellung und Gesprächspartner sein. Wichtig,
und das wird in diesem Buch sehr gut dargestellt, ist die Tatsache, dass das Glaubensleben nicht ein abgeschlossener
Lebensbereich sein sollte, der eventuell sonntags für eine Stunde ausgelebt wird, sondern mitten in unseren Alltag
gehört. An dieser Stelle hätte ich mir noch ein paar Bezüge in unsere aktuelle gesellschaftspolitische
Debatte gewünscht.

Aber so ist dieses Buch ein beeindruckendes Glaubenszeugnis geworden von einem Mann, der auszog,
um Gott kennenzulernen und der sich heute die Freiheit nimmt, auch im Alltag mit Gott zu leben!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08640-8, Preis 17,99 Euro

Der stellvertretende Chefredakteur der Bild.de Daniel Böcking hat Bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Daniel Böcking, soeben ist Ihr „Ein bisschen Glauben gibt es nicht“ erschienen. Wie kommen Sie zu dieser Feststellung? Ich sehe doch an jedem Weihnachtsfest die vielen Halbtagschristen in unseren Kirchen sitzen und höre wie sie zufrieden „Stille Nacht…“ singen. Also gibt es ja doch so „ein bisschen“.

Ja. Genauso verlief auch mein „christliches“ Leben 36 Jahre lang. Heute würde ich gutwillig sagen: So kann der Weg beginnen. Aber das Christ-Sein stellt klare Vollzeit-Anforderungen. „Folge mir nach!“ oder „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand“ klingt nicht nach „sei mal so ein bisschen nebenher gläubig. Passt schon irgendwie!“
Für mich war diese Erkenntnis aber keine Pflicht, sondern ein Grund zur Freude: Wenn ich auch nur ein bisschen an Jesus glaube, dann sind doch die Zusagen, die er mir macht, so großartig, dass ich mit Anlauf und Hechtsprung in ein neues Leben im Sinne seiner Nachfolge eintauchen möchte.
Jesus – so wie ich ihn kennengelernt habe – ist jedenfalls kein Freund von halben Sachen.

Was ganz konkret haben sie den Halbtagschristen voraus?

Ich habe niemandem etwas voraus. Höchstens, viel Mist gebaut zu haben und auch heute noch wieder und wieder auf die Nase zu fallen. Was sich geändert hat: Ich erkenne meine Fehler, bereue sie und weiß, dass es bei Gott Vergebung gibt. Ich lerne jeden Tag dazu, bemühe mich, in Gottes Wort zu bleiben und freue mich über die Veränderungen. Meine Erfahrung: Das Richtige zu tun, das eigene Ego hinten anzustellen, immer wieder auf die Suche nach Gottes Willen zu gehen – ob in der Bibel oder im Gebet – ist anfangs durchaus anstrengend. Aber es lohnt sich. Und mit der Zeit richtet sich der innere Kompass so aus, dass man sich von dem Schlechten und dem Mist gar nicht mehr so angezogen fühlt. Ich glaube, dass Gott mich innerlich umbaut. Die Ruhe, der Frieden und die Gewissheit, die ich dabei erfahre, sind absolut jeden Verzicht wert.

Wer oder was hat Sie zu Ihrer Kehrtwende bewogen und wie hat Ihre Familie und wie die lieben Kollegen darauf reagiert?

Im Jahr 2010 begegnete ich als Reporter vor Ort mehreren Tragödien und Katastrophen. Ich war direkt nach dem großen Beben in Haiti, dann auf der Loveparade in Duisburg, viele Wochen lang in Chile, um die Rettung der 33 verschütteten Bergleute zu begleiten. Hier begegnete mir immer wieder ein starker Glaube an Gott. Ob in der Trauer, der Verzweiflung, der Hoffnung oder der Rettung. Damals kam mir in den Sinn: Wenn ich doch auch an Gott glaube, kann sich das nicht nur irgendwo am Rande meines Lebens abspielen. Also begann ich, zu beten und in der Bibel zu lesen. Ich habe es einfach ausprobiert – und Gott hat die Verbindung hergestellt und mir gezeigt, dass es die ersten Schritte auf einem guten Weg waren. Natürlich gab es viele Menschen, die mich dabei begleitet haben. Meine Familie gehört auf jeden Fall dazu. Aber auch von Kollegen hab ich kaum Spott oder Häme erfahren.
Was mich besonders gefreut hat: Auch Kollegen, die an gar nichts glauben oder einer anderen Religion angehören, haben sehr freundlich und oft sehr respektvoll reagiert. Mir ging es ja auch eben nicht darum, einen Glauben mit einem anderen zu vergleichen. Für mich ist Jesus der Erlöser – aber ich respektiere auch jeden, der etwas anderes glaubt. Umgekehrt habe ich es auch so erlebt.

Hat eigentlich der liebe Gott Sie gefunden und zur Kehrtwende angestiftet oder haben Sie ihn gesucht und gefunden?

Am Ende ist es sein Weg. Deshalb würde ich mir nie anmaßen, mir selbst für irgendetwas auf die Schulter zu klopfen. Aber ich denke schon, dass Gott nicht nur Liebe schenkt, sondern auch Liebe von uns fordert. Insofern ist es schon nötig, selbst aktiv zu werden und sich auf ihn einzulassen.

daniel böcking

Autor Daniel Böcking,
Foto von Christian Langbehn

Für viele Christen gehört das Christ sein in den Privatbereich. Wie halten Sie es mit dieser strengen Einteilung? Wohin mit dem lieben Gott?

Ich möchte ein Leben in Gott führen. Das umfasst jeden Bereich und jede Minute meines Lebens. Das führt aber nicht zu einem verklärten Blick durch eine rosarote Sonnenbrille oder zu einer Unfähigkeit, im Alltag seinen Weg gehen zu können. Im Gegenteil: Gott gibt uns in der Bibel viele, viele Hinweise, wie wir sein Wort auch im Job leben können. Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Geduld – das sind ja keine Werte, die man nur am Frühstückstisch leben könnte.

Sie leben nun mit Gott. Wie Sie schreiben belästigen Sie Gott wirklich mit all ihrem täglichen Kleinkram. Wie sieht das in Ihrem Alltag aus? Wie wird das konkret sichtbar Ihr Leben mit Gott?

Ich beginne und beende jeden Tag mit der Bibel und mit Gebeten. Das gibt mir einen schönen Rahmen. Ansonsten ist es tatsächlich so: Ich bete sehr viel – auch kleine Stoßgebete zum Beispiel in der U-Bahn, wenn ich Danke sagen will oder Beistand brauche – und versuche, Gottes Wort zu meiner Richtschnur zu machen. Das beinhaltet alles. Keine Lügen, keine Ellbogen, keinen Egoismus, Hilfsbereitschaft, Geduld. Daran kann man schon erahnen, wie oft ich daneben lange. Zumal ich von Natur aus eher einen kurzen Geduldsfaden habe. Es ist eben ein Weg, auf dem ich mich befinde. Ganz konkret: Ich habe aufgehört, Alkohol zu trinken. Nicht, weil das Bier an sich schlecht ist. Sondern weil ich den Hang dazu hatte, übers Ziel hinaus zu schießen. Das war für einen leidenschaftlichen Partygänger wie mich ein krasser Schritt. Aber ich versuche, die Dinge bleiben zu lassen, die mich im Christsein nicht weiterbringen, um mehr Energie für das Richtige zu haben.

Seit bald sechs Jahrzehnten lebe ich mit Gott und komme immer mal wieder an Lebensmomente an denen Gott schweigt, ich aber dringend eine Antwort von ihm erwarte. Sie werden diese Momente kennen. Wie gehen Sie damit um? Schwebt da nicht immer so etwas wie Enttäuschung in der Luft mit?

Ich spüre manchmal die Unsicherheit in solchen Momenten des Schweigens. Aber nie so lange, dass ich ernsthaft enttäuscht würde oder ins Zweifeln geriete. Dies ist aber tatsächlich ein Punkt, in dem ich absolut unerfahren bin: Mein Leben verlief bislang sehr glatt, ohne harte Schicksalsschläge. Deshalb kann ich da kein guter Ratgeber sein. Ich bewundere Christen, die trotz Not und Verzweiflung stark im Glauben bleiben und kann nur beten, dass Gott mir in einem solchen Moment ebenfalls solche Kraft schenkt.

Vielen Dank für Ihre Offenheit die in Ihren Antworten steckt!

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Bräuer/Vogler: Thomas Müntzer Neu Ordnung machen in der Welt

Thomas Muentzer von Siegfried Braeuer

Thomas Muentzer von Siegfried Braeuer

Rezension von Christian Döring:
Thomas Müntzer gehört seit Jahrhunderten zu denen, die von der Geschichte verkannt und gern in den Schatten abgeschoben werden. Aber so ist das mit der Geschichtsschreibung: Die Sieger schreiben Geschichte und Sieger war nun einmal Martin Luther.

Vor einem Jahr habe ich die sehr gute Müntzer-Biografie von Hans-Jürgen Goertz gelesen. Da war ich nun sehr gespannt auf das Müntzer-Bild, das der Theologe Siegfried Bräuer und der Historiker Günter Vogler hier entwerfen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Bereut habe ich es nicht, noch eine Müntzer-Biografie gelesen zu haben!

„Neue Ordnung machen in der Welt“, das war Müntzers Ziel. Seine Erfindung war dies keinesfalls. Er las die Bibel nur eben anders als Luther. Müntzer kommt von der mystischen Denkweise, apokalyptische Visionen geben ihm den Stoff für sein Reden und Handeln.

Sehr gut wird bei dem Autorenduo Bräuer/Vogler deutlich, dass Luther und Müntzer anfangs gar nicht so weit auseinanderlagen. Noch war es „nur“ eine Debatte um den richtigen Weg. Beinahe tragisch ist, wie aus den beiden Männern Feinde wurden und das Verhältnis dann nur noch von Hass bestimmt wird. Gerade den Beginn dieser Entwicklung habe ich so kenntnisreich und gut lesbar zu Papier gebracht bislang nicht zu lesen bekommen.

Einmal mehr muss ich im Nachhinein darüber schmunzeln, wie mir meine DDR-Lehrer vor vier Jahrzehnten erklärten: Müntzer sei ein Vorbild für die Revolution, ja geradezu ein sozialistischer Vorkämpfer. Dass er Pfarrer war, hat mir nie ein DDR-Pädagoge erzählt.

Gleichsam mit Müntzers Werdegang besuche ich beim Lesen deutsche Städte und verfolge, wie man dort zu Müntzers Zeiten lebte, arbeitete, worunter man litt und worüber man stritt. Wohltuend ist, wie offen die Autoren darüber schreiben, was man heute alles nicht mehr über Müntzer erfahren kann, weil schlichtweg die Quellenlage nicht mehr hergibt.

Belebend und aufschlussreich zu lesen sind besonders auch die Passagen, in denen die Autoren Quellen zitieren in denen Müntzer und Luther über theologische Sachfragen oder die kämpfenden Bauern sprechen. Der eine versteht sie, der andere wünscht ihnen den Tod. Ein erbitterter Krieg wird geführt!

Müntzer verliert, aber was mir an dieser Biografie am besten gefällt: Die Autoren sind sich einig, Müntzer hat zwar verloren, aber umsonst war sein Tod nicht! Wenn wir heute genau hinschauen und unsere problembeladene Gegenwart dabei nicht aus dem Auge verlieren, dann ist Müntzer plötzlich top-aktuell. Denn Müntzer war nicht nur der Mann der mit Waffen kämpfte. Müntzer warb auch für Brüderlichkeit unter Geschwistern.

S.Bräuer und G.Vogler holen Thomas Müntzer aus dem Schatten der Geschichte und plötzlich wird deutlich, wie aktuell der Mann aus Stolberg noch heute ist!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08229-5, Preis 58,00 Euro

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