Bräuer/Vogler: Thomas Müntzer Neu Ordnung machen in der Welt

Thomas Muentzer von Siegfried Braeuer

Thomas Muentzer von Siegfried Braeuer

Rezension von Christian Döring:
Thomas Müntzer gehört seit Jahrhunderten zu denen, die von der Geschichte verkannt und gern in den Schatten abgeschoben werden. Aber so ist das mit der Geschichtsschreibung: Die Sieger schreiben Geschichte und Sieger war nun einmal Martin Luther.

Vor einem Jahr habe ich die sehr gute Müntzer-Biografie von Hans-Jürgen Goertz gelesen. Da war ich nun sehr gespannt auf das Müntzer-Bild, das der Theologe Siegfried Bräuer und der Historiker Günter Vogler hier entwerfen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Bereut habe ich es nicht, noch eine Müntzer-Biografie gelesen zu haben!

„Neue Ordnung machen in der Welt“, das war Müntzers Ziel. Seine Erfindung war dies keinesfalls. Er las die Bibel nur eben anders als Luther. Müntzer kommt von der mystischen Denkweise, apokalyptische Visionen geben ihm den Stoff für sein Reden und Handeln.

Sehr gut wird bei dem Autorenduo Bräuer/Vogler deutlich, dass Luther und Müntzer anfangs gar nicht so weit auseinanderlagen. Noch war es „nur“ eine Debatte um den richtigen Weg. Beinahe tragisch ist, wie aus den beiden Männern Feinde wurden und das Verhältnis dann nur noch von Hass bestimmt wird. Gerade den Beginn dieser Entwicklung habe ich so kenntnisreich und gut lesbar zu Papier gebracht bislang nicht zu lesen bekommen.

Einmal mehr muss ich im Nachhinein darüber schmunzeln, wie mir meine DDR-Lehrer vor vier Jahrzehnten erklärten: Müntzer sei ein Vorbild für die Revolution, ja geradezu ein sozialistischer Vorkämpfer. Dass er Pfarrer war, hat mir nie ein DDR-Pädagoge erzählt.

Gleichsam mit Müntzers Werdegang besuche ich beim Lesen deutsche Städte und verfolge, wie man dort zu Müntzers Zeiten lebte, arbeitete, worunter man litt und worüber man stritt. Wohltuend ist, wie offen die Autoren darüber schreiben, was man heute alles nicht mehr über Müntzer erfahren kann, weil schlichtweg die Quellenlage nicht mehr hergibt.

Belebend und aufschlussreich zu lesen sind besonders auch die Passagen, in denen die Autoren Quellen zitieren in denen Müntzer und Luther über theologische Sachfragen oder die kämpfenden Bauern sprechen. Der eine versteht sie, der andere wünscht ihnen den Tod. Ein erbitterter Krieg wird geführt!

Müntzer verliert, aber was mir an dieser Biografie am besten gefällt: Die Autoren sind sich einig, Müntzer hat zwar verloren, aber umsonst war sein Tod nicht! Wenn wir heute genau hinschauen und unsere problembeladene Gegenwart dabei nicht aus dem Auge verlieren, dann ist Müntzer plötzlich top-aktuell. Denn Müntzer war nicht nur der Mann der mit Waffen kämpfte. Müntzer warb auch für Brüderlichkeit unter Geschwistern.

S.Bräuer und G.Vogler holen Thomas Müntzer aus dem Schatten der Geschichte und plötzlich wird deutlich, wie aktuell der Mann aus Stolberg noch heute ist!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08229-5, Preis 58,00 Euro

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Güner Yasemin Balci: Das Mädchen und der Gotteskrieger

das mädchen und der gotteskrieger

Rezension von Christian Döring:
Nimet ist in Berlin geboren. Ihre Eltern sind türkischer Herkunft, aber längst mehr in Deutschland als der Türkei zu Hause. Seit die Eltern geschieden sind, hat Nimet oft Zoff mit ihrer Mutter. Die Sechzehnjährige hat keine Idee was sie mit ihrem Leben anfangen soll, einen Plan für ihre Zukunft hat sie nicht. Aber dann meldet sich eines Tages per Whatsapp Sead bei ihr.

Die Autorin wurde 1975 in Berlin geboren. Ihrer Reportage ist anzumerken, dass sie genau weiß, wovon sie schreibt.

Sofort verliebt sich Nimet in Sead. Lange braucht es bis sie kapiert, dass er ein IS Kämpfer ist. Zuvor tauschen sie unzählige Nachrichten aus. Sead macht Nimet mit seinem Glauben bekannt. Er erklärt ihr, wie gebetet wird, er sagt ihr, was wir hier im Westen alles falsch machen und er erinnert sie zum Teil auch an unsere Doppelmoral. Eines Tages beschließt die Teenagerin, sich selbst zu verhüllen. Sie weiß, dass sie damit Konflikte auslöst, aber für Sead und für Allah tut sie es gern.

Beim Lesen dachte ich, hoffentlich lesen dieses Buch viele junge Leute, die ebenso wie die Protagonistin mit dem Gedanken spielen, sich nicht nur in Deutschland in den Dschihad zu begeben, sondern sich dafür auch auf den Weg nach Syrien machen. Immer mehr junge deutsche Konvertiten lassen sich von den Ideen des IS gefangen nehmen.

Durch das Austauschen vieler schriftlicher Nachrichten über Wochen hinweg entsteht eine sehr enge Beziehung zwischen Sead und Nimet. Sie ist verliebt und hat ihren Traumprinzen noch nicht einmal gesehen. Dann erreicht sie die Nachricht, er ist verletzt und wünscht sich sie an seiner Seite zu haben. Ihre vermeintlich so gute Freundin hat längst alles vorbereitet. Noch in dieser Nacht fliegt Nimet . . .

Auch wenn ich mich in diesem beschriebenen Milieu nicht auskenne, habe ich doch den Eindruck, dass Güner Yasemin Balci mich sehr tief hinter die Kulissen schauen lässt. Mein Fazit: Aufgeklärt sein nimmt diesem Thema viel von seiner Gefährlichkeit!

S. Fischer, ISBN 978-3-1000-2489-3, Preis 19,99 Euro

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Irma Joubert: Sehnsuchtsland

sehnsuchtsland

Rezension von Edelgard Kornelsen:
Was mir als erstes an dem Buch gefiel, war der kurze ausdrucksstarke Titel und das ansprechend gestaltete Cover.
„Sehnsuchtsland“ von Irma Joubert ist ein Buch, das in die Tiefe geht. Es beginnt ca. 1905 in Russland, wo Hildegard als kleines Mädchen mit ihren Eltern und ihrer Nanny vor den Bolschewisten fliehen muss. Ihr neues Zuhause wird Königsberg in Preußen. Hier wird Hildegard, deren Mutter aus einer adligen Familie stammt, langsam erwachsen. Mitten in diesem Prozess lernt sie den fröhlichen und unkomplizierten Studenten Gustav kennen. Er ist der erste, der sie nicht als Kind behandelt, sondern als ebenbürtige Gesprächspartnerin. Gustav stammt aus Deutsch-Südwestafrika und erzählt ihr von seiner Sehnsucht nach dem warmen Land und seiner Mutter. Hildegard, die in einer eher lieblosen Familie aufwächst und sich immer noch nach ihrer Nanny sehnt, die ihr unvermittelt entrissen wurde, kann ihn gut verstehen. Doch eines Tages verschwindet auch Gustav ganz plötzlich aus ihrem Leben und kurz darauf bricht der erste Weltkrieg aus. Mit einem Mal verändert sich Hildegards Welt. Sie beginnt in einem Lazarett mitzuarbeiten und lernt die Grausamkeit und schrecklichen Folgen des Kriegs kennen. Da ihre Familie aufgrund des Krieges kein Einkommen mehr hat, erklärt sie sich nach dem Krieg bereit den viel älteren Freund ihres Vaters zu heiraten, um ihre Familie vor dem Ruin zu retten.

Im Laufe des Buches entwickelt sich Hildegard vom aufgeweckten und manchmal vorlauten Mädchen zu einer jungen Frau, die in eine Rolle schlüpfen muss, die ihr völlig fremd ist und sie stark verunsichert. Viele Jahre lebt sie nach einer ihr vorgeschriebenen Rolle. Auch wenn sie Dinge anders sieht und handhaben möchte, sie traut sich nicht anders als vorgeschrieben zu handeln. Erst im Laufe des zweiten Weltkriegs und seinen verheerenden Folgen lernt Hildegard, dass sie stärker ist als sie denkt.

„Sehnsuchtsland“ ist ein eher nachdenklich stimmendes Buch. Es zeigt auf, dass das Leben und die Umstände nicht immer sind, wie man es sich wünscht und es trotzdem immer weiter geht. Im Laufe ihres Lebens findet Hildegard wieder Halt in dem Glauben, den ihre Nanny ihr schon als Kind vorgelebt hat. Dieser Glaube gibt ihr die Kraft mit all den Schicksalsschlägen fertig zu werden und sie darf erleben, dass auch ihre Geschichte ein happy end findet.

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27591-9, Preis 18,95 Euro

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Duffey/Myers: Wie im Himmel, so auf Erden

wie im himmel so auf erden

Rezension von Christian Döring:
Dieser Roman fällt wohlwollend aus dem gewohnten literarischen Rahmen. Es wird nicht eine Story streng durcherzählt. So bunt wie das Leben ist, so vielfältig sind die hier erzählten Geschichten, die dann letztlich doch alle irgendwie zusammengehören.

Beim Lesen geht einem Geschichte für Geschichte auf, wie das „Vater unser“ unser gesamtes Leben umspannt und wie wichtig es doch eigentlich für uns ist. Das „Vater unser“ ist der Schlüssel zu einer lebendigen Beziehung zu unserem himmlischen Vater. Beide Autorinnen füllen ihre Geschichten so mit prallem Leben, dass sich wohl niemand mehr getraut, beim „Vater unser“ an ein verstaubtes Gebet zu denken.

Manchmal verkommt das „Vater unser“ in unserem Alltag zu einer lauen Floskel.

In diesem faszinierenden Roman wird sehr deutlich, dass gerade die Worte an unseren himmlischen Vater der Schlüssel zu einer lebendigen Beziehung zu ihm sind. Wem daran gelegen ist, sollte jede einzelne Story dieses Buches verschlingen.

Gerth Medien, ISBN 978-3-957-34124-2, Preis 14,99 Euro

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Ingrid Kretz: Die Erben von Snowshill Manor

die erben von snow

Rezension von Christian Döring:

Wir schreiben das Jahr 1805 und befinden uns in England. Catherine ist die Tochter des angesehenen Sir Jonathan Satchmore, da kann sie doch nicht einfach so mit dem Gärtnersohn Percy Händchen halten. Man muss schließlich auf Anstand und Ehre achten!

Seine Tochter schickt Sir Satchmore schnellstens an einen anderen Ort. Catherine wird Gesellschafterin der launischen Lady Martha. Schlecht gefällt es ihr eigentlich nicht auf Snowshill Manor, aber ohne es eigentlich zu wollen, wird Catherine sofort in tiefe Familiengeheimnisse hineingezogen. Unbedingt will sie herausfinden wo der Herr des Hauses so oft ist und warum sie so vielen Ungereimtheiten begegnet.

Wer eine seichte Liebesschnulze erwartet, wird enttäuscht sein. Die Protagonistin hat mehrere Anwärter auf den Platz in ihrem Herzen. Wer es dann tatsächlich wird, bleibt lange Zeit offen. Auch die Familienstory der Dabronts nimmt diesem Roman den Touch eines bloßen Liebesromans.

Was Ingrid Kretz hier ihren Lesern vorlegt ist Unterhaltung vom Feinsten!

Brunnen Verlag, ISBN 978-3-765-50960-5, Preis 18,00 Euro

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Francine Rivers: Leotas Garten

leotas garten

Rezension von Leopold Kleedorfer:

Leota ist 86 und des Lebens müde. Sie lebt von der Sozialhilfe in einem alten Haus mit einem verwilderten Garten. Vieles ist schief gelaufen und sie hat fast jede Hoffnung verloren, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Ihr Sohn ruft sie vielleicht einmal im Jahr kurz an, ihre Tochter meldet sich öfters, doch jedes Gespräch endet im Streit. Familientreffen hat es schon lange keines gegeben.
Gorban studiert Soziologie und hat gerade eine Diplomarbeit geschrieben. Sein Professor ist sehr zufrieden, jedoch eine persönliche Begegnung mit alten Menschen soll Gorban noch studieren. Er meldet sich zur Freiwilligenarbeit und kommt so zu Leota.
Anne-Lynn ist Leotas Enkelin, 18 Jahre jung und lebt bei ihrer Mutter und deren 3. Ehemann. Bis jetzt hat sie immer alles getan was Mutter wollte, glücklich war sie dabei nicht. Als ihre Mutter möchte, dass sie an einer Elite-Universität studiert, entscheidet sie sich für die Kunstakademie und zieht von zu Hause aus.
Irgendwie bekommt sie den Wunsch, ihre Großmutter kennenzulernen. Neben Gorban ist sie schon der 2. junge Mensch, welcher Leben in Leotas Haus bringt.
Die beiden beginnen, den überwucherten Garten zu entlüften und gleichzeitig Licht in eine verworrene Familiengeschichte zu bringen. Annie erfährt von ihren Urgroßeltern, welche aus Deutschland einwanderten und das im Krieg zu spüren bekamen. Vor allem aber erfährt sie, warum Leota arbeiten gehen mußte und ihre Freizeit im Garten verbrachte. Eine Geschichte welche sie so von ihrer Mutter nie erfuhr.
Eleanor ist Leotas Tochter und Annies Mutter. Seit über 30 Jahren hat sie ein falsches Bild von Leota, vor allem fühlte sie sich abgelehnt und unverstanden.
Annie ist diejenige, die gerne Frieden in ihre Familie bringen möchte. Vorsichtig entknotet sie eine Begebenheit nach der anderen. Als Leota ins Krankenhaus kommt, wird die Zeit knapp.
Francine Rivers gelingt mit diesem Roman eine Meisterleistung. Mit viel Gefühl nimmt sie uns mit hinein in verzwickte familiäre Beziehungen. Für Gartenfreunde beschreibt sie uns die Pflanzenvielfalt in den schönsten Farben und das Bearbeiten des Gartens wird ein Symbol für das Auslichten von Beziehungen.

Gerth Medien, ISBN 978-3-957-34080-1, 16,99 Euro

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Autorenfestival 2016 bei Francke

Unsere Rezensentin Susanne Degenhardt war am Samstag in Marburg mit dabei. Hier ihre Eindrücke:

Am 4. Juni 2016 fand zum dritten Mal das Autorenfestival des Marburger Francke Verlags statt. Als Autoren zu Gast waren die beiden amerikanischen Autorinnen Lisa Wingate und Karen Witemeyer, die Südafrikanerin Irma Joubert, Kinderbuchautorin Martina Groß, Ratgeberautor Jörg Berger, sowie die Sachbuchautorinnen Noor van Haaften, Marie-Sophie Maasburg und Andrea Wegener.

Um 10 Uhr ging es los im Hessischen Landestheater Marburg. Zuerst wurden uns die Verlagsmitarbeiter durch Verlagsleiterin Anne-Ruth Meiß vorgestellt. Die Vorstellung der Autoren erfolgte durch Programm- und Herstellungsleiterin Kathrin Arlt. Sie las die ersten Sätze aus den Neuerscheinungen vor und leitete so zu den Autoren über.

Direkt im Anschluss besuchte ich die Lesung von Irma Joubert, die mich sehr neugierig auf ihr neuestes Buch „Sehnsuchtsland“ gemacht hat. Nach einer Verlagsführung und einem kleinen Mittagssnack auf dem Verlagsgelände machte ich mich zurück auf den Weg zum schräg gegenüber gelegenen Theater. Dort fanden die Lesungen von Lisa Wingates Christy Award prämiertem Roman „Die Hüterin der Geschichten“ und Karen Witemeyers „Entführerin wider Willen“ statt. Es war wirklich spannend und interessant sowohl über ihr Leben und Schreiben als auch ihre Romane Hintergrundwissen zu erfahren.

Die Autorinnen alle so hautnah miterleben zu können war ein wundervolles Erlebnis. Man konnte spüren, wie viel Herzblut und eigene persönliche Erfahrungen in ihre Romane einfließen. Ein besonderes Highlight war die Signierstunde, bei der ich mir natürlich die Neuerwerbungen signieren ließ.

Zur nachfolgenden Lesung von Noor van Haaften und dem „Meet the Authors“ im Garten des Verlags konnte ich leider nicht bleiben, auch alle anderen Lesungen klangen spannend – aber man musste sich entscheiden bei der großen Auswahl. „slightsmile“-Emoticon

Das Verlagsteam war ein herzlicher Gastgeber, es war alles perfekt organisiert und geplant. Sogar das Wetter hat mitgespielt – Gott sei Dank! Einen großen Applaus an das Team des Francke Verlags für diese tolle Veranstaltung! Ich komme gerne wieder!

Für alle die in Marburg nicht dabei sein konnten, hier einige Fotos, ebenfalls von S. Degenhardt:

bild 4 francke

Der Tag beginnt im Verlagsgebäude: Schnell noch pünktlich hinein!

bild 2 francke

Im Theater Marburg wird die Autorin Lisa Wingate den Besuchern vorgestellt.

bild 6 francke

Autorin Irma Joubert stellt ihr neues Buch „Sehnsuchtsland“ vor.

verlagsmitarbeiter

Ein seltenes Bild: Die Verlagsmitarbeiter des Verlags der Franckebuchhandlung stellen sich vor. Die Gäste bedanken sich mit freundlichem Beifall für die fleißige Arbeit des Francke-Teams.

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