Titus Müller: Berlin Feuerland

Berlin Feuerland von Titus Mueller

Alice, die Tochter des Kastellans des Berliner Stadtschlosses und Hannes aus dem verarmten Berliner Feuerland begegnen sich in dieser Story und was anfangs von keinem gewollt war, geschieht, sie verlieben sich ineinander. Aber kann eine Liebe zwischen zwei Menschen, die aus so unterschiedlichen Verhältnissen stammen, eine Zukunft haben? Was werden Vater und Mutter dazu sagen?

Neben dieser Liebe und den politischen Unruhen des Jahres 1848 steht auch das Berliner Stadtschloss selbst im Mittelpunkt. Titus Müller macht es zum Mittelpunkt der Kämpfe gegen den König Friedrich Wilhelm IV. Er beschreibt es und verrät so manch ein Detail, vielleicht sogar Geheimnis.

Alice traut sich ins Feuerland, sieht die bittere Armut der Menschen dort und versteht, warum sie sich gegen den König auflehnen. Als es jedoch zu Schießereien kommt und eine Kugel ihren Bruder trifft, da rücken die Auseinandersetzungen noch bedrohlich näher an sie und ihre Liebe zu Hannes heran.

Titus Müller ruft die politischen Kämpfe jener Zeit in unser Gedächtnis und beschert uns so ganz nebenbei eine herrliche Liebesgeschichte mit ungewissem Ausgang!

Karl Blessing Verlag, ISBN 978-3-896-67503-3, Preis 19,99 Euro

Titus Müller hat bücherändernleben folgende Fragen beantwortet:

Hallo Titus, heute erscheint dein jüngster Roman “Berlin Feuerland”. Dein wievielter ist es inzwischen? Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen?

TitusMueller1_kl

Foto: Titus Müller
(c: Sandra Weniger)

“Berlin Feuerland” ist mein zwölfter Roman. Wie alles angefangen hat? Ich war immer eine Leseratte und habe Bücher geliebt. Dann kam einmal mein Bruder aus dem Internat mit einer selbstgeschriebenen Geschichte nach Hause und hat mich damit derart begeistert, dass ich selbst auch mit dem Schreiben anfing.

Die Märzunruhen 1848 in Berlin stehen im Mittelpunkt deines neuen Buches. Warum kommt dieses Buch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt?

Man könnte meinen, das sei von langer Hand geplant, weil es derzeit in etlichen Ländern Aufstände und Bürgerkriege gibt. Aber als mein Lektor und ich den Romanstoff planten, war z.B. an den Maidan in Kiew noch gar nicht zu denken. Uns ging es mehr um einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte.

Der Roman hat mehrere Ebenen. Da ist die schwierige Liebe zwischen Alice der Tochter des Kastellans des Berliner Stadtschlosses und Hannes aus dem Feuerland. Feuerland habe ich in deinem Buch zum ersten Mal gehört, woher kommt diese Bezeichnung?

Die Berliner nannten das Industriegebiet in der Oranienburger Vorstadt “Feuerland”, weil dort die Schlote der Fabriken qualmten. Rings um die Fabriken lebten Verarmte im “Feuerland”, die sich eine Wohnung in Berlin nicht leisten konnten.

Immer wieder schiebst du interessante Passagen in deinen Roman, in denen du kleine Geheimnisse über das Stadtschloss verrätst, ich denke da zum Beispiel an das fließende Wasser im Schloss. Wo hast du all deine Informationen her?

stadt

Da gibt es zum Beispiel das hervorragende Werk “Geschichte des Schlosses zu Berlin” von Albert Geyer, der selbst Mitglied der Schlossbaukomission und bis zu ihrer Auflösung 1921 ihr letzter Direktor war. Er kannte jeden Raum im Stadtschloss und berichtet detailliert darüber.

Grad bei den Passagen wo du von ersten Schüssen und Tod erzählst und die größer werdende Schere von arm und reich beschreibst, musste ich im Hinblick auf das heutige Europa, manchmal an unsere Gegenwart denken. Ging es dir auch so und was hälst du von dem Satz: Geschichte wiederholt sich immer wieder?

Nach 70 Jahren Frieden in Deutschland blicken wir mit Unverständnis und Grauen auf die Länder, in denen gerade Bürgerkrieg herrscht, und schütteln den Kopf über Regierungen, die auf ihre eigene Bevölkerung schießen lassen. “Berlin Feuerland” zeigt, dass vor nur 165 Jahren bei uns ähnliches geschehen ist. In Berlin schossen Soldaten auf ihre Nachbarn und Verwandten, nicht nur mit Gewehren, sondern auch mit Kartätschen und Kanonenkugeln. Und die Stadtbevölkerung schoss zurück und warf Pflastersteine und Flaschen und sogar ganze Gehwegplatten von den Dächern. So verzweifelt war man, so zornig.

Warum muss ich mich als Leser heute überhaupt mit dem beschäftigen was 1848 war?

“Berlin Feuerland” ist ein Roman, kein Schulbuch. Niemand muss sich damit beschäftigen. Aber ich finde, die Geschichte lohnt sich. Nicht nur, weil man etwas über den Umgang mit der Massenarmut damals erfährt und in der Liebe zwischen Alice und Hannes zwei Welten aufeinanderprallen, sondern auch, um zu sehen, wie kostbar und wie zerbrechlich der Frieden ist, den wir hier erleben.

Hier der Trailer zum Buch.

Der Blessing Verlag hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 16. März 2014 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Titus Müller: Der den Sturm stillt

der den sturm stillt

Gott ist uns oft viel näher, als wir es glauben. Genau aus diesem Grund hat Titus Müller 2000 Jahre alte Jesus- Erzählungen neu erzählt und bei mir so manch einen Überraschungsmoment hervorgezaubert.

Zu wem kommen die Engel und verkündigen: “… Euch ist heute der Retter geboren…”? Sie kommen mit ihrer göttlichen Botschaft zu den Hirten und laden sie ein. Die standen damals ganz unten im Gefüge ihrer Gesellschaft.

Eine Vielzahl von biblischen Geschichten erzählt der Autor mit eigenen Worten nach und immer kommt Jesus in ihnen zu Wort: “Jemand, der ein Kind oder einen jungen Menschen in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.” Egal wohin ich heute in der Gesellschaft in der ich lebe, hinschaue, kann es brisanter und aktueller formuliert werden?

Mit Jesus brach ein völlig neues Zeitalter an. Die 25 Geschichten die Titus Müller hier erzählt, hat er unter genau diesem Aspekt neu formuliert. Damit macht der Autor deutlich, wenn wir unseren Blick schärfen, werden wir erkennen, dass dieser Jesus noch immer anwesend ist und wir ihn als Wegweiser dringend brauchen. Also ihm nach!

Gerth Medien, ISBN 978-3-957-34041-2, Preis 12,99 Euro

Willst du mehr über Titus Müller erfahren? Schau mal hier nach!

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Timothy Keller: Der zugewandte Jesus

der zugewandte

Jesus von Nazareth ist bis zum heutigen Tag der Schlüssel zum Christ sein. Viele wollen ihm nachfolgen, weil er so ein Guter war. Timothy Keller lässt viele zum Ritual gewordene Floskeln fallen und fragt nach dem, was uns ganz persönlich angeht. Vor allem stellt er sehr genau in den Fokus, dass Jesus nicht d e r große Superstar war, als den wir ihn heute sehen. Jesus kam eben nicht, sah und siegte. Er ist gestorben und auferstanden und wurde genau deshalb zum Star der Christenheit.

Der amerikanische Theologe erzählt biblische Geschichten, beleuchtet intensiv die Figur des Jesus dabei und dies ist sein besonderer Verdienst in diesem Buch, er fragt nach dem, was für uns heute davon aktuell ist.

Da sind mir beim Lesen mehr als einmal Aha-Momente gekommen, auch welche, in denen ich gern mit Fragen weitergebohrt hätte. Ich bemühe mich täglich nach den ethischen Anweisungen und dem Vorbild Jesu zu leben und dann kommt da Timothy Keller des Wegs und sagt mir, dass heißt aber noch nicht, dass ich jetzt ein toller Christ bin. Das allein ist längst noch kein rettender Glaube, meint Keller und ich kann seinen weiteren Ausführungen zustimmen und mich über meine tägliche Kurzsichtigkeit ärgern.

“Der entscheidende Zweck des Betens besteht nicht darin, Gott meinen Willen aufzudrängen, sondern meinen Willen von seinem formen zu lassen. Jesus ist absolut auf Gott ausgerichtet und gleichzeitig so menschlich und aufrichtig. Daran sollten wir uns beim Beten orientieren. Wir sollten unsere Gefühle weder unterdrücken noch uns von ihnen bestimmen lassen. Die meisten Menschen fallen hier auf einer von beiden Seiten vom Pferd.” (Seite 158) Solche Sätze sind es, die dieses Buch für mich zum unbequemen Arbeitsbuch werden lassen.

Wenn wir über diesen entrückten Jesus aus Nazareth so herrlich allgemein reden, seine Wundergeschichten loben, dann wird er uns heute nicht gefährlich, aber wenn wir ihn an uns heranlassen, dann hat es plötzlich Auswirkungen auf meinen Lebensalltag. Wenn ich bei Timothy Keller lese, Jesus hat sich nicht für unsere Sünden ans Kreuz nageln lassen, sondern er hat im Angesicht seines Todes zu mir persönlich “Ja” gesagt, dann lässt mich dies schon Gänsehaut spüren.

Timothy Keller macht mich mit dem Jesus von Nazareth bekannt, der “Ja” zu mir persönlich sagt und der mir die Kraft verleiht, mein Leben mit der Überzeugung zu leben, dass ich gerettet bin! Nehme ich diese Bekanntschaft an, muss es Auswirkungen haben!

Brunnen, ISBN 978-3-7655-0913-1, Preis 16,99 Euro

Der Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Buches zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 10. März 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Detlev F. Neufert: Jesus – Das Interview

jesus das interview

Ein Buch zu schreiben, das allein aus einem Interview mit Jesus besteht, ist schon irgendwie schräg. Als ich das Buch zur Hand nahm, hätte ich nicht mit so viel Tiefgang gerechnet.

Der Autor stellt Frage um Frage, lässt keinen Themenbereich aus und ich entdecke mich dabei, dass ich nach der neu gestellten Frage immer einen Moment inne gehalten habe und kurz überlegte, eigentlich erwarte ich jetzt diese oder jene Antwort. Jesus aber hat mich oft mit völlig einfachen und ausdrucksstarken Antworten überwältigt.

Klar bin ich auf den Autor neidisch. Gern hätte ich diesem Jesus selbst gegenüber gesessen. Aber als neue Herangehensweise an Jesus und den göttlichen Plan seines Vaters, ist dieses Buch eine geniale Idee. Es ist völlig ungeeignet für das noble Bücherregal. Viele Fragen und Antworten sind es wert des Öfteren gelesen zu werden. In wenigen Wochen werden viele Jugendliche konfirmiert. Bei diesem Buch, als Geschenk überreicht, kann man sich sicher sein: Der Konfirmand wird es garantiert lesen.

Dieses Interview hat das Potenzial, selbst einem Christen noch in Glaubensdingen die Augen zu öffnen!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-07088-9, Preis 17,99 Euro

Detlef F. Neufert hat bücherändernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Lieber Detlev F. Neufert, genau heute ist der Erscheinungstag ihres Buches “Jesus – Das Interview”. War es schwierig einen Termin beim Gesprächspartner zu bekommen?

Einen Kontakt mit Jesus zu bekommen, ist das Einfachste in der Welt. Man muss nur anklopfen, schon geht die Tür auf. Da ist es weitaus schwieriger, einen Termin mit dem Pfarrer um die Ecke zu bekommen.

Wie kamen Sie auf die Idee so ein Buch zu schreiben?

Auf so eine Idee kann man eigentlich nicht kommen, wenn man einigermaßen bei Sinnen ist. Da stehen ja die Kritiker mit schärfster Klinge schon in Warteposition. Die Idee kam zu mir. Ich wollte am Anfang nicht so recht, da ich keine Lust auf theologisches Geschwurbel hab. Aber dann war die “Idee” einfach stärker als mein Widerstand. Und ich hab mich halt hingesetzt und das getan was mein Beruf als Dokumentarfilmer ist: Fragen stellen und hinhören.

Ist es vielleicht sogar anmaßend so ein Buch zu veröffentlichen?

Anmaßend wäre es, ein solches Buch nicht zu veröffentlichen. Denn dann würde ich mich über den – verzeihen Sie – Heiligen Geist stellen, der darum gebeten hat.

Beim Lesen dachte ich an vielen Stellen, na ja, Neuigkeiten hat der Neufert da nicht grad zu verkünden, aber dennoch konnte ich von Ihrem Buch nicht lassen und war oft von der Klarheit der Antworten Ihres Gesprächspartners überrascht. Hat Jesus Ihnen ganz persönlich etwas völlig neues erzählt?

Tja. Es gibt eben nichts Neues unter der Sonne, weil die – verzeihen Sie bitte diesen so oft missbrauchten Begriff – “Wahrheit Gottes” eben nichts mit der Bestsellerliste des SPIEGELS zu tun hat oder mit einem neuen Computerspiel. Jesus hat mir einiges an Informationen zukommen lassen, die ich vorher nicht kannte. Zum Beispiel über die verschiedenen Geschlechter und deren Ehemöglichkeiten, über Thomas, dessen Evangelium nicht in die Bibel aufgenommen wurde oder dass Gott auch kotzen kann. Manchmal war ich auch völlig baff, wie er die Welt sieht. Und wie schwer wir es uns machen, weil wir ihn so radikal aus unserem ganz persönlichen Alltag gelöscht haben.

Zunehmend war es für mich beim Antworten lesen so, dass ich mich selbst immer gefragt habe, was hätte ich wohl an Antwort erwartet? War dies Ihre Absicht?

Danke für das Kompliment, denn was Besseres kann einem Buch nicht passieren, als dem Leser die volle Freiheit des Denkens zu lassen. Aber Absicht? Nein, hinter diesem Buch steht keine Absicht. Weder will es missionieren noch aufklären noch bewerten. Hm… die einzige Absicht ist für einen Autoren vielleicht immer dieselbe: Berühmt und reich zu werden. Mal seh’n ob’s klappt.

detlev f. neufert

Foto: Detlev F. Neufert

Warum war es Ihnen wichtig Jesus mit einem Kuss für das Interview zu danken?

Der Kuss kam für mich selber so spontan, dass ich vor Unsicherheit und anerzogener Scham am liebsten im Boden versunken wäre. Aber ich konnte einfach nicht anders. Jemanden, der – verzeihen Sie auch hier bitte die etwas einfache Formulierung – so süß und engelsgleich ist wie Jesus … so einen Menschen nicht zu küssen, hätte ich mir nie vergeben. Seine Reaktion darauf hat mich dann endgültig davon überzeugt, dass ein Leben mit ihm ganz einfach schön ist. Die Einsamkeit ist weg. Jetzt verstehe ich auch die Fans von Bands von Beatles bis Tokyo Hotel, die ihre Idole mit in ihre Träume nehmen. Vielleicht sähe die Welt ein wenig anders aus, wenn wir Gott knuddeln und knutschen könnten.
:-)

Haben Sie weitere Interviews in Planung und hat dieses Jesus-Interview etwas an dem alten Detlev F. Neufert verändert?

Sie meinen ein weiteres Interview mit Jesus? Nein. Da ist all das beantwortet, was ich fragen wollten. Wie gesagt, ich bin kein Theologe oder Philosoph, sondern habe auch in meinen Filme immer versucht, die Fragen zu stellen, die viele Menschen stellen würden. Ob mich dieses Interview verändert hat? Und wie! In mir fühle ich ein tiefes Glück. Und dass ich mit Jesus täglich weiter rede, ist seitdem auch klar. Er fordert nichts, ist da, wenn man ihn braucht, drängt sich nicht auf und – ob Sie s glauben oder nicht – … wir haben seit diesem Interview richtig Spaß miteinander. Auch wenn’s den Einen oder die Andere stören mag: wir lieben uns. Diese Liebe würde ich gerne teilen. Wie? Das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht.

Vielen Dank für das Interview!

Das Gütersloher Verlagshaus hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 8. März 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Günter Krieger: Die neunte Stunde

die neunte stunde

Das jüdische Mädchen Sara und der hübsche junge griechische Schauspieler Stephaton, lernen sich in diesem biblischen Roman kennen und lieben. Es ist eigentlich nicht normal, dass sich ein jüdisches Mädchen mit einem Griechen einlässt …

Der Autor Günter Krieger nimmt uns ohne lange Vorrede sogleich mitten hinein in die Zeit, da Jesus sich auf das Pessachfest vorbereitet. Es ist das große Fest der Juden, die ihrer Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei gedenken. Inzwischen sind es längst nicht mehr die Ägypter, sondern die Römer, die die Juden immer mehr knechten.

Schnell wird die Zeit der Treffen zwischen Sara und Stephaton unterbrochen. Der Schauspieler hat auf der Bühne den römischen Kaiser beleidigt und muss deshalb für zwei Jahre in die Verbannung.

Sara indessen läuft von zu Hause weg, um Jesus nachzufolgen. Der Autor beschreibt sehr schön, wie Sara biblische Geschichten mit Jesus erlebt. Die Geschichten kenne ich längst, hier jedoch werden sie noch einmal aus einem völlig anderen Blickwinkel heraus beleuchtet und dies fasziniert.

Erst als es gen Golgata geht, treffen sich Sara und Stephaton wieder. Sara hat längst erfahren, dass Jesus Menschen verwandelt … Stephaton gehört zu der Seite derer, die Jesus kreuzigen werden. Hat diese Liebe eine Zukunft?

Geschickt verbindet Günter Krieger diese Liebesgeschichte mit der Geburtsstunde des beginnenden Zeitalters am blutgetränkten Kreuz auf Golgata!

Brunnen, ISBN 978-3-7655-0918-6, Preis 16,99 Euro

Günter Krieger hat bücherändernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Lieber Günter Krieger, soeben erschienen ist Ihr biblischer Roman “Die neunte Stunde”. Warum sollte ich den lesen, ich hab doch die Bibel?

Ja, aber in der Bibel steht nicht, was aus Stephaton und Sara wurde.
Im Ernst, das Buch der Bücher ist natürlich völlig konkurrenzlos. Aber der Mensch im Allgemeinen und der Dichter im Besonderen neigt dazu, auch hinter die Kulissen schauen zu wollen. In den Apokryphen und in der katholischen Legendentradition kommt das sehr schön zum Ausdruck. Nicht jeder Christ braucht solche Geschichten, aber manch einem hilft es vielleicht, seinem Glauben auf die Sprünge zu helfen oder im besten Fall zu hinterfragen.

Das Konzept Ihres Buches könnte in Kurzform heißen: Ich erfinde zwei Protagonisten, schummel diese in die Jesusgeschichte ein und erzähle dann wie es bereits in der Bibel geschrieben steht. Hab ich Sie durchschaut oder ist es doch nicht so einfach?

Ja, so in etwa!
Spaß beiseite, irgendwer hat Jesus ja tatsächlich den Essigschwamm am Kreuz gereicht, auch wenn er im Neuen Testament nicht namentlich erwähnt wird. Der Name Stephaton taucht erst in der Ikonografie des 10. Jahrhunderts auf. Für einen Schriftsteller, der einen biblischen Roman schreiben möchte, ist das natürlich ein wunderbarer Ansatzpunkt. Doch wie schon erwähnt, ich akzeptiere es, wenn jemand sagt: “Das brauche ich alles nicht, ich habe doch die Bibel!” Ein jeder nach seiner Fasson. Ich persönlich habe schon als Jugendlicher biblisch inspirierte Romane wie “Ben Hur”, “Quo vadis” oder “Das Gewand” verschlungen. Meinem Glauben hat das nicht geschadet, sondern eher das Gegenteil bewirkt.

günter krieger

Foto: Günter Krieger

Warum war es für Ihre Story notwendig, das jüdische Mädchen Sara und den hübschen griechischen Schauspieler Stephaton zu erfinden?

Es war nötig, weil ich eben nur einen Roman geschrieben habe. Und gänzlich erfunden sind die Protagonisten ja wie schon gesagt nicht. Auch Sara hat ein biblisches Vorbild: Sie ist jene junge Frau, die Jesus in Bethanien mit kostbarem Nardenöl salbte. Selbst die Evangelisten sind sich nicht völlig einig über ihre Identität. Doch als Romanschriftsteller erhebe ich nicht den Anspruch, das Rätsel aufgelöst zu haben.

Was war für Sie der Beweggrund ausgerechnet vom Pessachfest und Kreuzestod Jesu zu schreiben?

Wenn man die Geschichte des Schwammträgers Stephaton schreiben möchte, kommt man um die Passion nicht herum. Und ich muss sagen, es war sehr bewegend und kräfteraubend, über die Passion zu schreiben. Ich wollte auf keinen Fall – wie etwa Dan Brown und Konsorten – auf den Zug derer springen, die heute alles besser wissen als die Evangelisten.

Sie ziehen mich beim Lesen mitten hinein in die Geschehnisse auf Golgata. Beim Lesen spürte ich sehr genau, da beginnt eine neue Zeitrechnung. Spätestens mit seinem Kreuzestod wird Jesus auch für die nichtjüdische Welt interessant. Was kann uns dieses Wissen heute mit auf unseren Weg geben?

Wow, das haben Sie gespürt? Dann habe ich mein Ziel erreicht. Die Frage nach dem Heute ist natürlich sehr komplex und bräuchte einige Seiten. Ich fang mal so an: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde …

Günter Krieger hält ein signiertes Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 8. März 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Tania Douglas: Jan Hus – Der Feuervogel von Konstanz

jan hus feuervogel

Pünktlich zum 600. Todestag legt Tania Douglas ihren beeindruckenden Roman um Jan Hus vor, der nicht nur das Leben des tschechischen Reformators beleuchtet, sondern auch ein farbenprächtiges Bild jener Zeit ergibt.

Der kleine Johannes aus Husinetz stammt aus ärmlichen Verhältnissen und ganz sicher ist dies auch das Fundament all dessen, was ihm später wichtig wird. Mit elf Jahren geht er auf die Lateinschule noch mit dem Ansinnen, Latein zu lernen, um endlich mit Gott reden zu können.

Aber aus dem Johannes aus Husinetz wird schnell Jan Hus. Am Karlskolleg wird ihm dieser Name von seinen Mitstudenten verpasst. Eigentlich wollten sie ihn damit verspotten, aber Jan führt ab sofort diesen Namen. Er liest die Schriften des Engländers John Wycliff und ist begeistert.

Spätestens jetzt wird dem jungen Studiosus klar, man muss nicht Latein beherrschen, um mit Gott zu reden. Er lernt 1396 durch Wycliff ein neues Gottesbild kennen. Danach ist Gott ein Gott der Güte und Gerechtigkeit.

Dieser 700-Seiten-Wälzer ist ein Epos jener düsteren Zeit. Die Priester verkauften fleißig Ablasszettel, erhoben für alles mögliche Gebühren und hatten kein Interesse an einer Bevölkerung, die all dies durchschaute. Da kam Jan Hus natürlich völlig ungelegen. Aber er konnte nicht anders. Gleich in seiner ersten Stelle predigte er: “… die Pflicht der Kirche zur Armut, die Ungültigkeit von Ablässen und die Nutzlosigkeit von Reliquien.”

Der Autorin gelingt es hervorragend um die Gestalt des Jan Hus herum eine erdachte Geschichte zu schreiben, die theologischen Fakten jedoch präzise zu präsentieren.

Vieles am Leben des Jan Hus erinnert mich an Martin Luther, aber dann wird aus dem tschechischen Reformator der Feuervogel von Konstanz …

Vorenthalten hat mir der Verlag ein feuerrotes Lesebändchen, bekommen habe ich einen historischen Roman, bei dem während des Lesens der Film dazu gleich in meinem Kopf mitlief!

Fontis Brunnen Basel, ISBN 978-3-038-48036-5, Preis 22,99 Euro

Tania Douglas hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Tania Douglas, soeben ist ihr 700-Seiten-Wälzer “Jan Hus Der Feuervogel von Konstanz” erschienen. Wie lange haben Sie an diesem Werk geschrieben, wie viele Bücher zuvor gelesen?

Ich habe gute zwei Jahre an dem Buch gearbeitet. Wobei etliche Monate mit Recherchearbeit vergingen. Und das heißt bei mir nicht nur, die Suche nach Büchern und Quellen, sondern möglichst immer auch eine Reise an die Orte des Geschehens. Da ich in der Bodenseegegend wohne hatte ich es nicht weit bis ins schöne Konstanz. Die Reise nach Prag war schon etwas aufwändiger.
Es fällt mir schwer zu bilanzieren, wie viele Bücher ich herangezogen und gelesen habe. Über zwanzig werden es aber sicherlich sein. Wobei ich nicht alle Quellen gleich intensiv nutze. Manche lese ich nur an, andere begleiten mich während des ganzen Schreibprozesses.

Vor den großen Reformationsfeierlichkeiten 2017 luthert es bereits aus vielen Verlagen. Warum kommen Sie uns ausgerechnet jetzt mit Jan Hus?

2015 jährt sich der Todestag von Jan Hus zum sechshundertsten Mal. Am 6. Juli 1415 wurde Jan Hus in Konstanz als Ketzer verbrannt. Seine Verurteilung erfolgte im Rahmen eines Konzils, welches das Schisma beendete, und während dem die einzige Papstwahl erfolgte, die jemals auf deutschem Boden stattfand.
Aber wenn Sie auf Luther anspielen: Jan Hus war der Wegbereiter für Luther. So brachte Jan Hus bereits hundert Jahre, bevor Luther seine Thesen anschlug den Mut auf, öffentlich gegen den Ablasshandel einzutreten… Wer sich für Luther interessiert, sollte mit Jan Hus anfangen.

Beim Lesen habe ich mir eingebildet, Parallelen zum Leben von Martin Luther entdeckt zu haben. Sehen Sie dies ähnlich?

Auf jeden Fall. Beide Männer vertraten die gleichen Ideen, sie glaubten an einen Gott der Gnade und wähnten die Kirche der Ablassverkäufe und Pfründenjäger auf dem Irrweg. Sie predigten eine Rückbesinnung auf die Worte der Bibel und wollten sie dem Volk näher bringen. Auch wenn sie verschiedenen sozialen Schichten entsprangen, durchlebten sie beide einen ähnlichen Bildungsweg und setzten sich unter Lebensgefahr für das ein, was sie als die Wahrheit erkannt hatten. Beide fochten einen erbitterten und mutigen Kampf gegen die Kurie und verbrachten eine Zeit im Exil, in der sie ihre wichtigsten Werke schrieben.
Allerdings hatte Luther einen entscheidenden Vorteil: Er lebte einhundert Jahre später. Das Papsttum war geschwächt, mächtige Beschützer hielten zu ihm und nicht zuletzt die Technik des Buchdrucks erleichterte die Verbreitung von Luthers Schriften ungemein. Die Helfer von Jan Hus haben alle ihre Traktate noch mühsam per Hand kopieren müssen.

Für mein Empfinden überdeckt unser großer Luther in unserem Geschichtsbewusstsein den Tschechen Jan Hus gewaltig. Woran liegt das?

Nun, das ist sicherlich richtig, aber nur aus deutscher Sicht. Denn Jan Hus ist in Tschechien heute noch sehr präsent und wird dort verehrt.
Warum dieser Unterschied? Hus und Luther haben in ihrem jeweiligen Land ein aufkeimendes Bewusstsein der Zugehörigkeit zu einer Nation gefördert, indem sie die Bibel in ihre Muttersprache übersetzten. Schon alleine das erklärt, weshalb der böhmische Reformator den Tschechen näher steht, und uns Luther „greifbarer“ scheint. Hus hat zudem über vierzig Jahre in seiner Heimat gelebt und gewirkt und hatte Zeit, tiefe Spuren zu hinterlassen, während er in Deutschland nur ein paar Monate verbrachte.
Auf der anderen Seite war Jan Hus ein Mann mit enormem Charisma. Während seiner Reise von Prag zum Bodensee, die er unternahm, um seine Ideen vor dem Konzil von Konstanz zu verteidigen, hat er ständig den Dialog mit den Menschen gesucht, die ihm begegneten, und in der kurzen Zeit eine große Anhängerschaft gewinnen können. Die Kirche war sich der Anziehungskraft seiner Worte und seiner überwältigenden Aura sehr wohl bewusst, sonst hätte sie ihm nicht verboten, in Konstanz zu predigen, und hätte ihn während seines Prozesses nicht auf unwürdige Art und Weise mundtot gemacht.
Ich kann mir gut vorstellen, dass Jan Hus, hätte man ihn leben und wirken lassen, uns heute genauso nahe wäre wie Luther.

Privates ist verlässlich so gut wie nichts aus dem Leben des Jan Hus bekannt. Er hat also nie Aneschka kennengelernt und auch nie vor der großen Entscheidungsfrage Aneschka oder Priesteramt gestanden?

Tania Douglas

Foto: Tania Douglas

(Copyrights: Lauterwasser)

Die Figur der Aneschka habe ich erfunden mit dem Ziel, einen plastischen Jan Hus darzustellen.
Bei jedem meiner Bücher war es bisher so, dass beim Erschließen meiner Quellen die Romanfiguren nach und nach Form annehmen, Charakterzüge bekommen und Eigenarten. Als ich von dem kräftigen Fuhrmannssohn las, der seinem Vater half und in einer ärmlichen, rüden bäuerlichen Umgebung aufwuchs, sah ich nicht nur einen tiefgläubigen und hoch intelligenten Mann vor mir, sondern auch einen erdverbundenen, zupackenden, lebensbejahenden. Und ich sah ihn zumindest in seiner Jugendzeit schwanken zwischen den beiden Polen des Weltlichen und der völligen Hingabe an den Glauben. Die Figur der Aneschka hat es mir ermöglicht, diesen Konflikt nicht nur im Kopf der Hauptfigur oder durch gelehrte Reden zu verdeutlichen, sondern durch das Geschehen. Sie trägt zu einem guten Teil zur Spannung des Romans bei.

Der Feuervogel Johannes aus Husinetz ging letztlich in Flammen auf. Warum ist ihm dennoch ein Platz in unseren Geschichtsbüchern sicher?

Als Historiker kann man sagen: Weil er ein Wegbereiter der Kirchenreformation war und dadurch unsere Welt, wie wir sie heute kennen und erleben, nachhaltig prägte.
Als Christ wird man vielleicht antworten: Weil er versucht hat, den Glauben zu bereinigen von Geldsucht und Machtgier, und uns den Weg gewiesen hat zu einem gütigen Gott.
Doch es wäre schade, Jan Hus nur in die Geschichtsbücher zu verdammen. Ich finde, dass er auch auf sehr moderne Art und Weise noch als Vorbild dienen kann. Er war ein Mann, der ganz im Hier und Jetzt lebte. Der Kompromisse ablehnte und sich ganz seiner Überzeugung hingab. Der seinen Weg und seine Wahrheit gefunden hatte. Und das kann für uns heutige Menschen, die wir oftmals durch unser Leben hetzen und es versäumen, nach dem Sinn unseres Treibens zu suchen, bis das Burnout uns einholt, durchaus ein Vorbild sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Fontis-Brunnen-Basel Verlag stellt uns drei Verlosungsexemplare bereit. Wer seinen Kommentar unter diesem Beitrag bis zum 3. März 2015 postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Florian Huber: Kind, versprich mir, dass du dich erschießt

kind versprich mir

Zum einen war ich auf dieses Buch sehr gespannt, weil ich in Demmins Nachbarstadt einige Jahre verbracht habe, zum anderen, weil ich als DDR-Schüler nie etwas von diesem Sog der Selbsttötungen erzählt bekommen habe. Erst mit diesem Buch gehen mir sozusagen die Augen auf, dass selbst dies Politik war.

Was der Hamburger Autor Florian Huber in seinem Buch ausgehend vom verschlafenen Städtchen Demmin schreibt, macht nicht nur betroffen, es führt zugleich auch in eine Situation, die ich mir absolut nicht vorstellen, schon gar nicht begreifen kann und vielleicht auch nicht mag. Da bringen sich tausendfach einfache Menschen um und dies nicht als große Hitler-Fans.

In vier Teilen versucht Huber dem Thema und vor allem auch dem Umgang mit diesem lange verschwiegenen Thema näher zu kommen. In seinem Teil III. schildert er ausführlich, welch ein ungeheures Gefühlschaos selbst in den nicht so politischen Menschen, weit ab von Berlin, geherrscht haben muss. Über zehn Jahre wurden sie von der Hitler-Ideologie berieselt. Sie haben sich vielleicht selbst schon ein Stückchen weit als Weltenherrscher gesehen und mussten dann miterleben, wie all dies stückchenweise zusammenbrach. Es trat der bis dahin unvorstellbare Fakt ein, dass sie über ein Jahrzehnt lang einer menschenverachtenden Ideologie angehangen waren. Plötzlich war Hitler nicht mehr der starke Mann, der immer Recht hatte, plötzlich kam die rote Armee von ostwärts täglich bedrohlich näher. Das mussten die Leute erst einmal seelisch verarbeiten und dann kam die ungeheure Angst vor den Russen hinzu. Tausendfach war dann der Selbstmord der letzte Weg dem allen zu entfliehen.

Wenn ich mir überlege, dies war die Generation meiner Großeltern, aber ich habe bis heute von dem Ausmaß dieser Selbstmordwelle nichts gehört, finde ich es schon beängstigend, was auch von jüngster deutscher Geschichte alles so ausgeblendet wird, sei es staatlich gelenkt oder auch im Familienverband totgeschwiegen.

Ein berührendes, sehr aufschlussreiches Buch!

Berlin Verlag, ISBN 978-3-827-01247-0, Preis 22,99 Euro

Florian Huber hat bücherändernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Lieber Florian Huber, in diesen Tagen erscheint Ihr Buch “Kind, versprich mir, dass du dich erschießt”. Warum wird seit Jahrzehnten zu diesem Thema der tausendfachen Selbsttötung am Ende des II. Weltkrieges geschwiegen? Oder habe ich da etwas verpasst?

Das Thema des zehntausendfachen Selbstmords im Deutschen Reich bei Kriegsende ist so gut wie unbekannt. Es hat die ein oder andere Veröffentlichung dazu gegeben, z.B. im Spiegel oder Stern. Aber das blieb ohne nachhaltiges Echo. Das Schicksal dieser Menschen ist nie im Bewusstsein unserer Gesellschaft angekommen. Dabei haben wir uns in den letzten Jahrzehnten unablässig mit unserer jüngeren Vergangenheit beschäftigt. Doch die Geschichte vom massenhaften Selbstmord oft ganz normaler Menschen passt einfach nicht in den gängigen Vergangenheitsdiskurs, in das Schema vom Opfer oder Täter. Sie waren weder Helden noch Schurken. So sind sie vergessen worden.

Wie kamen Sie zu diesem Thema und war es schwer einen Verlag zu finden?

Mich hat immer der Augenblick interessiert, als das Dritte Reich zuende ging und seine Menschen plötzlich innerlich vor dem totalen Nichts standen. Schon mein Vater, der damals zehn Jahre alt war, hat uns Kindern von jenen unheimlichen, schier bodenlosen Stunden erzählt, als in seinem kleinen pfälzischen Dorf der letzte deutsche Soldat verschwunden und der gefürchtete Feind vor den Toren stand. Ich wollte versuchen, in die Köpfe der Menschen von damals zu blicken, welche Gedanken und Gefühle sie angesichts ihres eigenen Untergangs hatten. Der Massenselbstmord ist sicher eine extreme Antwort auf diese Frage. Aber es war eben eine extreme Situation, nach zwölf Jahren permanentem Ausnahmezustand unter diesem Regime und im Angesicht der völligen Selbstzerstörung.

An diesem Stoff und meiner Idee der Umsetzung waren gleich mehrere Verlage sehr interessiert. Zu meiner großen Überraschung, denn es ist ja keine leicht konsumierbare Bettlektüre.

Ich habe viele Jahre selbst in der Nähe von Demmin gewohnt und bin mir sicher, dass zu der Zeit, Mitte der 40er Jahre, viele Menschen dort Christen waren. Der Selbstmord sollte für Christen kein Ausweg sein, haben Sie zu diesem Thema innerhalb Ihrer Recherche etwas herausgefunden?

Viele Menschen in Vorpommern waren (überwiegend evangelische) Christen, denen die Selbsttötung von ihrer Kirche eigentlich strengstens verboten war. Tatsächlich bin ich auf Fälle von Pfarrern und Bischöfen in Deutschland gestoßen, die in jener Zeit massiv gegen den Selbstmord angepredigt haben. Allerdings häufig vergeblich – die Verzweiflung der Menschen war größer. Das Selbstmord-Tabu, das seit Jahrhunderten bestand, war in diesen Wochen außer Kraft gesetzt.

florian huber

Foto: Florian Huber

Was meinen Sie, warum ist es wichtig, dass wir uns heute mit diesem dunklen Thema beschäftigen sollten? Warum muss endlich Licht ins Dunkel?

Die Selbstmordepidemie bei Kriegsende 1945 hatte solche Ausmaße, dass man sie nicht als Fußnote der Geschichte ignorieren kann. An ihr lässt sich ablesen, dass der äußerlichen Trümmerwüste in Deutschland eine kaum geringere Verwüstung in den Köpfen der Menschen, ihren Gedanken und Emotionen entsprach. Zehntausende reagierten auf diesen Sinnverlust mit Selbstmord. Millionen dagegen mit Schweigen und Verdrängung. Diese innere Verfassung der ganz normalen Leute gilt es zu erforschen.

Ich würde mir auch wünschen, dass diejenigen, die von dieser Selbstmordwelle direkt und indirekt betroffen waren, den Mut finden, darüber zu sprechen. Die Last des Verdrängten wird mit den Jahren bestimmt nicht leichter.

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Florian Huber hält ein signiertes Verlosungsexemplar bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 25. Februar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil Viel Glück!

beastybabe hat das Verlosungsexemplar gewonnen,
herzlichen Glückwunsch!

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