David Kadel (Hg.): Wenn du für Sonne betest, lass den Schirm zu Hause

Wenn du für sonne

Rezension von Christian Döring:
Gebet und Wunder –
in der evangelischen Christenheit noch heute ein heikles Thema!
Wie ist das eigentlich wenn wir die Hände dann mal doch zum Gebet falten?
Wir bitten Gott um etwas, aber trauen wir ihm tatsächlich noch zu, dass Gebete heute zu Beginn des dritten Jahrtausends von ihm erhört werden?
Berauben wir uns mit unserem oftmals nicht-zutrauen nicht von Anfang unserer Chance die Erhörung eines Gebetes überhaupt noch sehen zu können?
Sie meinen –
dies sind verrückte Fragen?
Das neue Buch von David Kadel beschäftigt sich genau mit diesen Fragen. Er gibt Privates von sich preis, hat Freunde eingeladen von ihren Gebetserfahrungen zu erzählen und so manch eine Entdeckung ist dabei herausgekommen.
Die wichtigste ist vielleicht: Da wo jemand mit Gott rechnet, ihm etwas zutraut, da wird plötzlich die Beziehung zu ihm viel intensiver!
Manchmal lesen sich die Geschichten wie Wundergeschichten, manchmal auch so, dass ich mich frage, hätte ich dieses Beispiel wohl auch als Wunder bezeichnet?
Aber in allen Beispielen machen Menschen die Erfahrung, mit diesem Gott ist zu rechnen! Er verkommt dadurch nicht zum Weihnachtsmann, denn nicht immer habe ich eine Fußballzeitung dabei, wenn ich mal eine bestimmte Bibelstelle suche und nicht immer wird die Sonne scheinen wenn ich um Sonne bete.
David Kadel macht das Gebet zum Thema und er beweist mit seinen modernen Wundergeschichten: Mit Gott ist zu rechnen, mehr denn je!

Gerth Medien, ISBN 978-3-957-34017-7, Preis 12,99 Euro

Hier ein interessantes Interview mit dem Autor.

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Julie Klassen: Das Herrenhaus von Pembrooke Park

das herrenhaus von

Rezension von Simone Janoschke:

Wie Jane Austen – nur spannender!

London, 1817: Durch eine Spekulation verliert die Familie von Abigail Foster fast ihr gesamtes Vermögen und muss ihr kostspieliges Leben in London verlassen. So sucht sie mit ihrem Vater nach einer neuen Bleibe im Umland um Geld zu sparen. Über einen Anwalt bietet ihnen anonym jemand das Anwesen Pembrooke Park an. Es steht seit vielen Jahren leer und wäre sofort bezugsfertig. Als Abigail beginnt, das Haus herzurichten, lernt sie nicht nur William Champan – Vikar und Sohn des Gutsverwalters – kennen, sie verstrickt sich auch mehr und mehr in die Geheimnisse der Familie Pembrooke. Gerüchten zufolge hat Robert Pembrooke einen Schatz im Haus versteckt, welcher noch nicht gefunden wurde. Nicht nur Abigail wird davon angelockt. Als sie dem Geheimnis immer näher kommt, begibt sie sich immer mehr in Gefahr.

Julie Klassen liebt Jane Austen – das merkt man ihren Romanen auf Anhieb an. Auch in “Das Herrenhaus von Pembrooke Park” denkt man am Anfang, man ist mitten in den Roman “Überredung” geraten. Je weiter man liest, desto mehr erinnert es mich an “Northanger Abby”, weil es immer spannender wird. Dabei ist keine Seite vorhersehbar, man grübelt mit und kann das Buch gar nicht aus der Hand legen, weil immer wieder neue Dinge geschehen, die die Handlung wieder umwerfen. Dennoch hat es den Charme der damaligen Zeit, die Unterhaltungen und aufwendigen Tanzveranstaltungen sind wunderbar beschrieben. Die Liebesgeschichte ist sehr zart und nicht aufdringlich oder schnulzig – so soll es sein.

Im Schlusswort schreibt die Autorin, dass sie für die Predigten des Vikars einen Pastor hinzugezogen hat, das hat man den Texten angemerkt. Der christliche Aspekt im Roman steht nicht im Vordergrund, dennoch ist die Aussage sehr klar. Wir müssen nicht die Schuld der Vergangenheit auf uns nehmen, wenn wir mit Gott gehen. Er hat unsere Schuld bereits vergeben, wenn ihm nur treu nachfolgen.

Wer in die Welt von Jane Austen abtauchen will, der wird diesen Roman lieben und verschlingen! Ich behaupte sogar, dass dies Julie Klassens bester Roman ist.

SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15643-1, Preis 16,95 Euro

Der Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 19. Juli 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Joanne Bischof: Weil du mir versprochen bist

weil du mir versprochen bist

Rezension von Christian Döring:
Wenn fehlende Liebe und eine Lüge der Beginn einer Ehe sind, dann ist es um diesen heiligen Bund schlecht bestellt. Aber die Eltern von Leonie und Gideon haben die Ehe bereits beschlossen. Für das Mädchen, das nie einen liebenden Vater hatte, und für den egoistischen Weiberheld Gideon gibt es kein Entrinnen mehr.

Es ist der Debütroman von Joanne Bischof. Die, in Kalifornien lebende, Autorin verbindet mit ihrer Liebesgeschichte wichtige biblische Themen und zeigt wie Gott an uns Menschen wirkt.

Gideon beschließt mit Leonie das heimatliche Dorf zu verlassen. Viele Tage marschieren sie bei Wind und Wetter bis zur völligen Entkräftung der jungen Ehefrau. Gideon der manchmal gewalttätig und auch abweisend auftritt, offenbart jedoch auch andere Seiten. Mithilfe kursiver Schrift, erfährt der Leser, was er und Leonie denken.

Als Leonie nicht mehr weiterlaufen kann, kommt ihr ein alter Mann zu Hilfe. Die jungen Eheleute dürfen, für ein paar Tage zunächst, bei dem alten Farmerehepaar wohnen. Das dies besonders für Gideon eine harte Schule wird, ahnt dieser noch nicht. Auch ist der Ausgang der Story lange ungewiss …

Joanne Bischof hat mir eine gelungene Story beschert, aber wer kam wohl auf die Idee hinten ins Buch “Fragen zum Text” hineinzuschreiben? Man sollte den Leser nicht unterschätzen, er kann selber, das für ihn Wichtige, aus einem Roman aufnehmen und weiter bedenken. Ich hoffe nicht in Zukunft nach dem Lesen eines Romans, wie in einer Literaturstunde, mit Fragen bombardiert zu werden.

Ein herrlicher Lesestoff, der intensiv Themen wie Gnade und Vergebung behandelt und dabei Gottes Wirken an uns Menschen sichtbar werden lässt!

Brunnen, ISBN 978-3-765-52033-4, Preis 16,99 Euro

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Wigger/Kaul: Wunder inbegriffen

wunder inbegriffen

Rezension von Christian Döring:
Was Dr. Werner Wigger hier, zusammen mit Albrecht Kaul, aufgeschrieben hat, ist ein sehr realistischer Einblick in die DDR der 50er bis 70er Jahre. Werner wird in Mecklenburg geboren, christlich erzogen und stößt mehr als einmal an die ziemlich engen Grenzen der inzwischen untergegangenen sozialistischen Diktatur im Osten.

Da ich selbst Mecklenburger bin und diese Zeit miterlebt habe, kann ich seitenweise zum Inhalt des Buches immer wieder sagen: “Ja, genau so habe ich das auch erlebt.” Auch Werner erlebt seine Schulzeit im Konflikt mit SED-Lehrern, wird zum Einzelgänger und verliert Freunde, wenn diese mitbekommen, dass er Christ ist.

Mithilfe wunderbarer Zufälle gelingt ihm der EOS-Besuch und der Albert-Schweitzer-Fan Werner Wigger bekommt an der Uni Rostock sogar einen Studienplatz. Als Pionier- und FDJ-Verweigerer grenzt dies tatsächlich an ein Wunder. Aber so war die DDR, nichts war in diesem Unrechtsstaat planbar . . .

Man merkt diesem Buch sofort an, dass Autor Albrecht Kaul und Werner Wigger die DDR tatsächlich aus eigenem Erleben beschreiben. Mit Gottes Hilfe, einem westdeutschen Freund und einer Schweizer Fluchthilfebrigade, gelingt dem jungen Arzt die abenteuerliche Flucht in einem Transporter über die Grenze nach Westberlin. Werners erster Gang in Westberlin führt ihn in eine Kirche, dort dankt er Gott für das soeben erlebte Wunder.

Werner Wigger zeigt mit seinem Leben eindrucksvoll, welch ein Kraftquell vom Leben mit Gott ausgeht und wie es lohnt sich treu zu bleiben und seine Träume zu verfolgen, schließlich wandelt er heute selbst auf den Spuren von Albert Schweitzer!

Brunnen, ISBN 978-3-765-50935-3, Preis 14,99 Euro

Dr. med. Werner Wigger hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Dr. med. Werner Wigger, zusammen mit Albrecht Kaul hast Du nun deine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Du hast als junger Mann in der DDR viel Unrecht erlebt und auch viel Glück gehabt, heute bezeichnest Du vieles als Wunder. Hättest Du als Schüler auch schon von Wunder gesprochen, wenn es zum Beispiel um Deine Zulassung zur EOS oder Deinen Studienplatz an der Uni Rostock ging?

Absolut, ja. Auch wenn es für viele Menschen heute, wo es die DDR nicht mehr gibt, kaum noch vorstellbar ist, wie da damals war mit den Grenzen und all das was die Trennung einst ausgemacht hat, so war mir damals durchaus bewusst, wie viel Bewahrung und Wunder wir nicht nur gelegentlich erlebt haben. Ja, gerade daraus bezogen wir ja unsere Ermutigung, dass Gott immer stärker war und immer wieder entgegen allen Drohungen und aller offensichtlichen und spürbaren Willkür der Machthaber, dennoch souverän blieb. Manchmal haben die anderen aus meinem Umfeld schon gemutmaßt, ob ich nicht ein heimlicher Mitarbeiter der Stasi bin, weil sich für mich trotz allem unangepasst sein nach und nach alle Türen auftaten, die den anderen bekennenden Christen verschlossen blieben. Nein, ich war nicht besonders clever im Umgang mit der Staatsmacht und ich hatte Angst, viel Angst. Am Ende war ich einfach ausgebrannt und hatte das Empfinden, dass ich es nicht mehr lange durchhalten werde, wenn Gott nicht noch dieses absolut unvorstellbare Wunder tun würde, zunächst überhaupt erst einmal eine Fluchtmöglichkeit zu schaffen. Aus der DDR heraus konnte man ja so etwas überhaupt nicht organisieren. Der Versuch, die Verwandtschaft da um Hilfe zu bitten schlug ja sofort auf entrüstete Ablehnung. Aber Gott hat sich dafür dann den Manfred Müller berufen.

Gerade in diesem ohnmächtigen Ausgeliefert sein an die Willkür des Staates ist durch diese vielen Wunder mein Glaube gereift und hat das Vertrauen in Gott einen so tragenden Tiefgang gewonnen. Somit sehe ich diese Jahre in der DDR letztlich als eine Segenszeit für mich persönlich, so hart es auch gewesen war. Und ich bin überzeugt, dass es zugleich auch eine Vorbereitungszeit für die weitere Entwicklung in unserer heutigen Gesellschaft war. Ich bin überzeugt, dass schneller als mancher es wahr haben möchte, wieder sehr harte Zeiten für bekennende Christen kommen werden, wo es auf die Frage hinauslaufen wird, warum jemand Jesus nachfolgt und welchen Preis er dafür zu zahlen bereit sein wird.

Die Landeskirchliche Gemeinschaft war Dein geistliches Zuhause. Erzähl uns bitte ein wenig wie Dich dieses kleine Häuflein Menschen so stark machen konnte, dass Du im real existierenden Sozialismus kein Mitläufer wurdest!

Meine Mutter hat uns Kindern den Glauben sehr authentisch vorgelebt. Ihr geistliche Heimat war die Landeskirchliche Gemeinschaft und wurde damit auch für mich geistliche Heimat. Alle Versuche meines Lebensumfeldes, mich als Christ lächerlich zu machen und meinen Glauben kaputt zu machen, hatten anfangs einen bewahrenden Trotz bewirkt und dann im Jugendalter eine bewusste klare Entscheidung für die klare Nachfolge draus werden lassen. Die Heuchelei und die Maskerade der Menschen im Alltag führten mich zu der Entscheidung, dass ich mich nicht selbst belügen wollte, dass ich persönlich dafür verantwortlich bin, ob ich ein klares Profil habe oder ob ich mich als Gesinnungsgenosse verkaufe und damit meine Würde verliere.

Bei der allgegenwärtigen Angst, dass im alltäglichen Umfeld eigentlich jedermann ein Spitzel sein könnte, der dich aushorcht und ausliefert, war es einfach wichtig und von großer Bedeutung, wenigstens bei ein paar Menschen auch mal ehrlich aussprechen zu können, was man dachte. Es war ein Bedürfnis, wenigstens zeitweise mal aus der Rolle aussteigen zu können, die man ja notgedrungen ständig nach außen hin spielen musste. Nicht, ich gezwungen gewesen wäre, andere anzulügen, aber immer schweigen und sich nicht darüber austauschen zu können, was in einem wirklich vorging und was man tatsächlich dachte und empfand, das war sehr bedrückend. Umso mehr genossen wir es, wenn wir uns in kleinen Kreisen trafen und miteinander austauschen konnten. Das eigentlich wertvolle dabei lag darin, dass wir im ehrlichen Austausch miteinander nicht einfach nur Frust an Frust reihten, sondern uns gegenseitig immer wieder damit ermutigen konnten, dass Jesus stärker ist und es so vieles gibt, womit er uns auf Seine Art Freude schenkte und das Vertrauen in Ihn stärkte. Da denke ich ganz besonders gerne an Falkenberg zurück und bin heute noch unendlich dankbar für Uwe Holmer, Klaus Richter und Pfarrer Plötner, die von Zeit zu Zeit Theologiestudenten nach Falkenberg einluden und wo ich mit dabei sein durfte. Es gab wunderbare und tiefgründige Bibelarbeiten und es gab so viel ermutigenden Austausch.

werner Wigger

Foto: Dr. med. Werner Wigger
(Quelle: Privat)

Als junger Arzt hast Du dann illegal Deine Heimat verlassen. Leute aus der Schweiz haben sich ihre Hilfe 30 000 DM kosten lassen. Du schilderst Deine Flucht ausführlich und Du gehst auf den Begriff Heimat dabei ein. Wo ist heute Deine Heimat in Mecklenburg oder im Siegerland?

Ich habe über 11 Jahre mit einem nostalgischen Begriff von Heimat gelebt und immer davon geträumt, dass ich eines Tages wenigstens mal zu Besuch in die DDR fahren und meine Heimatstadt Wismar wiedersehen könnte. Ich bekam keine Einreiseerlaubnis, noch nicht mal zur Beerdigung meines jüngeren Bruders. Damals war ich deswegen sehr bitter. Erst später als ich meine Stasiakte einsehen durfte begriff ich, dass es ein Wunder der Bewahrung war. Die Stasi hatte einen Haftbefehl auf zehn Jahre für mich ausgestellt. Die hatten eigentlich nur darauf gewartet, dass ich in deren Machtbereich auftauche. Dass ich trotzdem zur Beerdigung keine Einreiseerlaubnis bekam, damit sie mich vom Grab weg sofort hätten verhaften können, wie es viele male in der Realität tatsächlich passiert war, war Gottes barmherziges Eingreifen. Er hat den Stasileuten die Augen zugehalten.

So träumte ich all die Jahre von dem Tag, an dem das Wunder geschehen würde, dass ich nach Wismar kommen dürfte. Dann wollte ich ein ganz großes Fest veranstalten, alle früheren Freunde in ein nettes Restaurant einladen und mich mit ihnen über die vergangenen Jahre des Lebens austauschen. Alte Erinnerungen hochholen. Als es dann so weit war, dass die Grenze aufging und ich legal nach Wismar fahren konnte, musste ich eine sehr schmerzliche, sehr ernüchternde Erfahrung machen. Ich saß bei einem nach dem anderen der früheren Freunde im Wohnzimmer und nach einer viertel Stunde wussten wir uns nichts mehr zu erzählen. Wir waren uns fremd geworden. Früher waren für uns Menschen in der DDR die Besucher aus dem Westen Exoten. Mit ehrfürchtigen Blicken und Empfinden schlichen wir um deren tolle Autos und hatten Hemmungen, uns ihnen gegenüber im Gespräch ungeschickt zu verhalten und lächerlich zu machen. Jetzt auf einmal stellte ich ernüchternd fest, dass ich für meine früheren Freunde auch zu diesem Exoten aus dem Westen geworden war. Die Zeit war halt nicht stehengeblieben, sondern hatte jeden von uns auf seine Weise verändert und entfremdet. Die Stadt selbst war nach wie vor grau, verfallen und öde. Da hatte sich eigentlich nicht wirklich was verändert. Aber diese Äußerlichkeiten sind ja nicht das, was Heimat ausmacht.

Ich fuhr total ernüchtert und mit Tränen in den Augen wieder in den Westen zurück und musste für mich eine wichtige Entscheidung treffen. Ich musste den Begriff „Heimat“ für mich neu definieren. Ich entschied mich, von diesem Zeitpunkt an, das als Heimat zu verstehen, wo Gott mich jeweils hinstellt. Und ich muss nicht von alten nostalgischen Erinnerungen leben, nicht von künstlich erstarrten realitätsfremden Definitionen von dem was Heimat ausmacht. Und mir wurde klar, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, überall wo ich lebe, Menschen zu entdecken, denen ich vertrauen kann und mit denen ich mein Leben teilen kann, Menschen, die Gott mir als Wegbegleiter immer wieder neu anbietet. Und ich habe es gelernt, sie zu entdecken und sie wertzuschätzen, auf welchen Kontinent mein Weg mich hingeführt hat.

Wir beide haben in Mecklenburg in der gleichen Region gelebt. Du beschreibst wie Du als Schüler zum Einzelgänger geworden bist, Du sprichst von Deiner Sehnsucht nach fremden Ländern, von Deinem großen Idol Albert Schweitzer, manchmal denke ich beim Lesen, ich lese hier seitenweise meine eigene Biografie. Warum müssen die Leser heute eigentlich noch etwas vom DDR-Alltag wissen?

Weil es unsere Geschichte ist, aus der wir lernen sollten. Es ist ja auch ein Stück weit, was unsere kulturelle Entwicklung geprägt hat, die Gesellschaft mit geformt hat. Wenn wir uns bewusst machen, wozu Menschen fähig sind, wenn sie ihre Gesinnung verkaufen, dann sollten wir uns zugleich bewusst machen, dass wir dafür verantwortlich sind, was wir als dem uns anvertrauten Leben machen. Ich habe dies in meiner Rede vor der Klasse, beim Klassentreffen versucht, zum Ausdruck zu bringen. Und es geht auch darum, dass man Gott gerade auch in den harten und schmerzhaften Etappen der Lebensschule am besten erfahren kann. Er handelt sehr konkret in unser Leben hinein, wenn wir bereit werden, uns im Vertrauen auf ihn, total von ihm abhängig zu machen. Nach der Flucht, als mein Horizont durch die ersten Jahre im Westen eine enorme Erweiterung erfuhr, hatte ich manchmal in einer etwas verkürzten und oberflächlichen Denkweise dazu geneigt, mich als Opfer zu sehen, dem man durch die DDR Zeit wertvolle Jahre des Lebens gestohlen hat. Aber davon bin ich heute Gott sei es gedankt, weit entfernt. Wenn ich im Westen aufgewachsen wäre, wäre ich heute wahrscheinlich kein Christ mehr.

Aus dem kleinen mecklenburgischen Albert Schweitzer Fan ist inzwischen selbst ein Arzt geworden, der auf den Spuren Albert Schweitzers wandelt, was machst Du heute genau? Ich habe gehört Dein nächster Einsatz startet in wenigen Wochen?

Ich gehe ab Ende Juli in den offiziellen Ruhestand. Da freue ich mich schon ganz besonders drauf. Damit habe ich viel mehr Zeit für das, was ich so gerne noch für Gott tun möchte. Die Leitung des Missionswerkes, des DMÄT geht weiter. Aber nun habe ich endlich mal die Chance, nicht nur Dienstreisen, zum Organisieren und Vorbereiten der Arbeit des DMÄT in Afrika zu machen, sondern auch selbst wieder einmal ganz praktisch in meinem Beruf mitzuarbeiten.

Das Besondere an diesem Einsatz, der im September beginnt und erst einmal bis zum Jahresende geht ist, dass ich damit zwei Leute gezielt unterstützen und ermutigen werde, die nach der Grenzöffnung als die beiden ersten Bewerber aus den neuen Bundesländern zum DMÄT kamen. Sie hatten bis dahin im evangelischen Krankenhaus in Ludwigslust gearbeitet, Iris Schlagehahn als Ärztin und Christine Fritz als Krankenschwester. Die Beiden machten dann einen ersten Einsatz mit dem DMÄT in Uganda. Diese Erfahrung führte sie dann in den Langzeitdienst. Iris arbeitet schon einige Jahre mit der Wiedenester Mission in Mbesa, in Tanzania. Sie ist dort mittlerweile leitende Chefärztin, die dringend Unterstützung sucht.

Christine Fritz, die ich noch von den Jugendrüstzeiten aus der DDR kannte, ist seit vielen Jahren mit der Neukirchener Mission in Tanzania und leitet dort zusammen mit nur einem einheimischen Arzt ein Krankenhaus mit 80 Betten. Es berührt mich tief, wie Gott über einen so weiten Bogen den Kreis schließt. Durch meine Flucht in den Westen hatte ich zunächst den Kontakt zu Christine verloren. Gott hat uns dann wieder zusammen gebracht und jetzt darf ich zu einem Einsatz ausreisen, um sie in ihrem treuen Dienst zu ermutigen. Ist das nicht eine wunderbare Führung !

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Randy Singer: Das Tribunal

das tribunal

Rezension von Christian Döring:
Die Thriller des Amerikaners Randy Singer waren in den letzten Jahren immer ein Lesehighlight für mich. Aber mit dieser Story beschreitet der Jurist erstmalig ungewohntes Terrain. Und wie er dies tut, ist wahrlich beeindruckend!

Der junge Theophilus ist ebenso wie der spätere römische Kaiser Caligula ein Schüler Senecas. Beide Schüler können sich nicht leiden und werden sich als Männer Jahre später wieder treffen, dann allerdings wird es um Leben und Tod gehen.

Dieser Theophilus ist eine beeindruckende Gestalt. Männer wie Josef von Arimathäa gehören zu seinem Freundeskreis, obwohl er der wichtigste Berater des Pontius Pilatus im Prozess gegen den Wanderprediger Jesus von Nazareth ist. Theophilus schaut Jesus wenige Minuten vor dessen Hinrichtung in die Augen und wird diese Szene Zeit seines Lebens nicht mehr vergessen können.

Dadurch das Randy Singer Theophilus selbst seine Geschichte erzählen lässt, wirkt sie noch intensiver auf den Leser. Bei einem Thriller von 500 Seiten muss man natürlich sagen, die Handlung wäre temporeicher gewesen, hätte der Autor sie auf 300 Seiten platziert. Jedoch beweist Singer seine Kenntnisse im Alten Rom und beschreibt sehr genau das Leben und die Zeit, das berühmte Kopfkino läuft bei mir problemlos und in Farbe mit!

Nachdem Theophilus das Passahfest und die Kreuzigung Jesu in Jerusalem miterlebt hat, dauert es nicht lange und er lässt sich in Rom als Anwalt nieder. Hier bestätigt sich nun, wer einmal mit dem christlichen Glauben in Berührung kam, der bleibt für alle Zeit angesteckt. Theophilus wird eingeholt vom Prozess gegen Jesus und er lernt den Apostel Paulus kennen. Theophilus steht am Scheideweg …

Randy Singer hat vortrefflich zugeschlagen. Er lässt Theophilus seine Lebensgeschichte aus dem Alten Rom erzählen, macht den christlichen Glauben zum großen Thema und landet damit mitten in unserer Gegenwart!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15642-4, Preis 18,95 Euro

Der Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 20. Juli 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Francine Rivers: Die Liebe findet dich

die liebe findet dich

Rezension von Jennie Esau:
Abra wird als Neugeborenes von Pastor Ezekiel Freeman verlassen unter einer Brücke gefunden. Sie wird in seiner Familie aufgenommen und bekommt so einen Vater, eine Mutter und einen großen Bruder, Joshua. Als sie fünf Jahre alt ist, stirbt ihre Pflegemutter plötzlich und Ezekiel Freeman sieht keinen anderen Weg, als sie einer anderen Familie zu geben. ihre beiden neuen Eltern und ihre neue Schwester lieben sie von ganzem Herzen, doch lernt sie nicht, auf diese Liebe zu vertrauen. Als Teenager fühlt sie sich allein und von allen im Stich gelassen.
Als sie die Chance bekommt, die Stadt zu verlassen und nach Hollywood zu gehen, bricht sie auf und lässt alles hinter sich. Schon nach kurzer Zeit bereut sie ihre Entscheidung, doch macht ihr Stolz eine Rückkehr unmöglich. So kämpft sie sich durch die Welt der Stars, bis irgendwann Joshua wieder vor ihr steht und sie nach Hause ruft.

Dieser Roman, war der erste, den ich von Francine Rivers gelesen habe und ich bin sehr froh, die Autorin nun auch für mich entdeckt zu haben. Durch den fesselnden Schreibstil und der detaillierten Personengestaltung der Charaktere war ich von der ersten Seite an völlig gebannt in das Geschehen und wollte nicht aufhören zu lesen.

Jedes Kapitel wird mit einem Bibelvers, oder einem Zitat eingeleitet, das sich auf das Geschehen im jeweiligen Kapitel bezieht. Es wird auch deutlich auf die Gefühle von Pastor Freeman und Joshua eingegangen, die sehr unter Abras Verschwinden leiden, doch auf die Treue Gottes vertrauen wollen und nicht aufgeben. Der Leser wir mehrmals daran erinnert, dass Gott einen nie verlässt, so hoffnungslos es auch manchmal aussieht.

Obwohl ich sehr begeistert von diesem Buch bin, sehe ich einen Kritikpunkt in der Darstellung von Abras Zeit in Hollywood. Es wird viel und oft auf den zwischenmenschlichen Akt eingegangen, bei dem Abra selbst meist einen passiven Teil spielt und sehr darunter leidet. Für mich persönlich hätten auch weniger Beschreibungen gereicht und manchmal habe ich mich ein wenig daran gestört. Doch denke ich auch, dass dies nicht für jeden ein bedeutender Kritikpunkt ist und kann diesen Roman deswegen guten Gewissens weiter empfehlen.

Gerth Medien, ISBN 978-3-953-4011-5, Preis 16,99 Euro

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Leo Bigger: Adlerauge

adlerauge

Rezension von Gerhard Warkentin:
Dies ist das erste Buch, das ich von Leo Bigger lese. Ich möchte diesem Buch gerne 4 anstatt 5 Sterne geben, weil es sich für mich phasenweise nach der Philosophie des „positiven Denkens“ eines Norman Vincent Peale, anfühlte.
Dennoch hat dieses Buch sehr viele gute Impulse, die nahezu jedem empfohlen seien. Vielleicht kann man die besonderen Vorzüge dieses Buches in 3 Bereiche einteilen:
a) Sprachwitz
„Vergiss nicht: Arbeit ist gesund. Also überlass sie den Kranken.“ (S. 43)
„… wir alle verbringen viel Zeit mit Warten. … wir alle lieben Warten so innig wie das Krokodil den Besuch beim Zahnarzt.“ (S. 73)
b) Ermutigung
„Wenn Gott dein Partner ist, dann mache deine Pläne groß.“ (D.L. Moody) (S. 8)
„Gott ist nicht in erster Linie da um unsere Probleme zu lösen – unsere Probleme sind vielmehr dazu da uns Gott näher zu bringen“ (S. 61)
„Du siehst vielleicht nicht, wie du über diese Umstände hinauswachsen kannst. Aber Gott sieht es. Er hat schon einen Weg vorbereitet.“ (S. 63)
„… wenn Gott in meiner Situation nicht eingreift, stärkt Gott meinen Charakter oder arbeitet an anderen Bereichen meines Lebens.“ (S. 78)
c) Herausforderung
„Was jemand von sich selbst denkt, bestimmt sein Schicksal“ (Mark Twain) (S. 38)
„Keiner wird im Glauben wachsen, wenn es keine Probleme gibt. … Jesus möchte aber genau im Sturm in dir und in mir etwas ändern.“ (S. 54-55)
„Viele sagen: „Ich möchte fliegen wie ein Adler.“ Doch nur wenige fliegen durch den Sturm. Aber nur das macht den Adler zu dem, was er ist, zum König der Lüfte.“ (S. 63)
Dieses Buch ist sehr leicht zu lesen. Es hat auch nicht zu viel Text, weil viele bunte Bilder Platz einnehmen und das Gesagte immer hervorheben. Die eigentliche Denkarbeit des Autors liegt in der gründlichen Recherche zum Tier „Adler“ und die dann sehr gelungene Anwendung auf Bezüge des christlichen Glaubens! Sehr, sehr gut!

Fontis, ISBN 978-3-038-48028-0, Preis 14,99 Euro

Der Verlag hält drei Verlosungsexemplare bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 12. Juli unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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