Lydia Schwarz: Die Kreuzträgerin

die kreuzträgerin

Europa im 22. Jahrhundert: Anna Tanner lebt in einer Welt in der es weder Krieg, Krankheit noch Hunger gibt. Durch ein lückenloses Vorsorgesystem muss kein Mensch hungern, Arbeitslosigkeit gibt es nicht, alle sind registriert und werden bei jedem Schritt überwacht. Doch das ist Alltag. Auch das tägliche lernen um bis zur siebten Selbstverwirklichungsstufe zu gelangen und dann selbst Humanitus Perfectus werden zu können – um die nächsten Schüler auszubilden. Die Tage gleiten ereignislos vor sich hin, bis Anna einem Mann ohne Beine begegnet, der ihr einen Zettel zusteckt mit einem Kreuz und der Botschaft „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien“. Anna ist erschreckt und fasziniert zugleich – was hat es mit der Botschaft auf sich und wie kann es sein, dass es doch behinderte Menschen in dieser Gesellschaft gibt? Bisher war sie keinem begegnet. Sie macht sich auf die Suche nach dieser Wahrheit und entdeckt Christen im Untergrund. Christen? Was sind das für Menschen? Noch nie hatte sie von ihnen gehört. Warum müssen sie sich verstecken? Als sie entdeckt, dass ihre Familie tiefer mit drin steckt als erwartet, ist die Regierung bereits auf sie aufmerksam geworden und Anna muss sich entscheiden. Lebt sie ihr Leben weiter wie bisher oder will sie sich dem System widersetzen?

Eine christliche Dystopie? Die sind sehr selten, daher war ich ganz besonders auf diese Geschichte gespannt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Lydia Schwarz entwirft ein Zukunftsszenario, das gar nicht so weit weg erscheint angesichts der Entwicklung in der Welt. Länder in denen Christ sein verboten ist, gibt es bereits. In China treffen sich Christen nur noch im Untergrund um nicht entdeckt zu werden. Trotzdem wachsen diese Gemeinden, obwohl sie wissen, dass sie jederzeit in Lebensgefahr stecken. Dieses Wissen macht den Roman noch realistischer und man bekommt an manchen Stellen beim Lesen eine richtige Gänsehaut. Dass die Handlung in Europa spielt, holt den Leser nochmal mehr auf den Boden der Tatsachen. Denn eigentlich leben die meisten Europäer bisher in Frieden. Auch die totale Überwachung im Roman ist doch sehr real. Immer mehr werden die Schritte im Internet aufgezeichnet und können so einiges privates verraten.

Von der ersten bis zur letzten Seite ist man gefesselt von dieser so krassen Welt. Bis zum Schluss weiß man nicht, wo die Autorin den Leser hinführt. Das Ende an sich ist zwar abgeschlossen, dennoch ist es auch offen genug für eine Fortsetzung, das fand ich sehr spannend. Anfangs muss man sich erst mal einlesen in dieses Lebenssystem. Da gibt es Begriffe, die dem Leser fremd sind. So führt Anna immer ihre Goggles mit, eine Brille mit der man telefoniert, Sprachaufzeichnungen machen kann und Zugriff auf ein weltweites Netzwerk hat. Die Türen werden mit dem Daumenabdruck geöffnet und jeder Schüler hat einen geistigen Führer, dem er jeden Tag Rechenschaft ablegen muss. Jenseits dieser scheinbar perfekten Welt gibt es die Christen, die sich verstecken müssen. Ihre klare Botschaft von Jesus Christus sind der Lichtblick in der Geschichte. Hier wird nichts verharmlost oder weichgespült, ganz klar wird die Botschaft der Bibel vermittelt und hebt diese Dystopie von den vielen anderen ab. Und man wird sich klar, wie kostbar es ist, eine eigene Bibel zu besitzen und nicht nur von auswendig gelernten Bibelversen zu zerren.

Schon das Cover macht Lust, diesen Roman zu verschlingen. Das besondere Schriftbild und die Seitenzählung am seitlichen Rand und nicht unten runden dieses besondere Buch ab.
Der Verlag hat das Buch als Jugendbuch deklariert, aber es ist viel mehr als eine Zukunftsvision. Ich mit meinen 33 Jahren war, auch jenseits des Jugendalters, sehr gefesselt und kann es auch Erwachsenen vorbehaltlos empfehlen. Ein Buch was herausragt, herausfordert aber dennoch Hoffnung macht! (Rezension von Simone Janoschke)

fontis Verlag, ISBN 978-3-03848-051-8, 13,99 Euro

Lydia Schwarz hat Simone Janoschke nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Lydia Schwarz, soeben ist Ihr Roman “Die Kreuzträgerin” erschienen. Dystopien gibt es viele auf dem Markt, aber von christlichen Verlagen werden sie nur ganz selten verlegt. Was hat sie bewogen, diesen Roman zu schreiben? Was war ihre Inspiration dazu?

Bis vor wenigen Jahren wusste ich noch gar nicht, was Dystopien sind, für Zukunftsszenarien interessiere ich mich jedoch schon lange. Es ist diese Mischung zwischen Faszination und Furcht, die mich seit meiner Kindheit dazu bringt, zu fragen: Was kommt noch auf uns zu? Was geschieht mit uns Christen? Als eine Kollegin mir „The Hunger Games“ empfahl, (das war noch bevor die Filme den ganzen Hype auslösten), habe ich die Bücher regelrecht verschlungen. Ich war vollkommen in den Bann gezogen und liebe die Atmosphäre dieser Trilogie. Meine Gedanken, die in mir schon lange wie Schwarzpulver in einem Pulverfass schwärten, erhielten durch diese Lektüre schließlich den zündenden Funken. Ich wusste, ich möchte eine Gesellschaft in der Zukunft darstellen, mit Christen im Mittelpunkt.

Wie würden Sie damit umgehen, wenn Sie in so einer Welt leben müssten und sich als Christ vielleicht sogar verstecken müssten?

Ich weiß es – ehrlich gesagt – nicht. Oft gehe ich in meinem Kopf solche Szenarien durch und frage mich: Wäre ich mutig genug zu meinem Glauben zu stehen im Angesicht des Todes? Natürlich wünsche ich mir, dass ich im entscheidenden Augenblick tapfer genug wäre, aber ich hoffe trotzdem, dass ich es nie herausfinden muss.

Warum spielt die Geschichte ausgerechnet in Europa, das ja eigentlich als „christliches Abendland“ bezeichnet wird?

Lydia schwarz

Foto: Lydia Schwarz
(Quelle: fontis)

Immer wieder liest man in Berichten davon, wie Christen z.B. in Nordkorea und ganz aktuell auch im Irak und Syrien um ihres Glaubens willen verfolgt, gehetzt, zusammengetrieben, gefangen gehalten und getötet werden. Es ist Realität. Uns im Westen tangiert das jedoch eher nur peripher. Die Geschichte spielt in Europa, weil ich auch mir selbst vor Augen halten wollte: Hey, es kann auch in unserer heilen Welt geschehen! Vor allem auch, weil man auch heutzutage schon mit Widerstand rechnen muss, wenn man sich zu Jesus bekennt. Vermutlich habe ich auch in diesem Sinne meine Erlebnisse und Ängste verarbeitet. Wenn ich mir sage, es geschieht in Europa vor meiner Haustür, dann wühlt mich das eher auf und ich kann mich dann mit den Christen, die wirklich aufs Blut verfolgt werden, besser identifizieren.

Beim Lesen hatte ich sofort Kopfkino. Könnten Sie sich vorstellen, dass Ihr Buch auch verfilmt wird?

Ja, das wäre natürlich das Nonplusultra! Allerdings habe ich mir noch nicht überlegt, wen man für die Hauptrollen casten könnte!

Das Ende an sich ist zwar abgeschlossen, dennoch bietet es Raum für eine Fortsetzung. Kann der Leser eventuell mit einem zweiten Teil rechnen?

So viel darf schon verraten werden: Teil Zwei ist in Planung.

Vielen Dank für das Interview. Ich hoffe, dass Sie noch mehr solche inspirierenden Romane schreiben!

Der Fontis Verlag stellt uns drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 14. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Peter Strauch: Meine Zeit steht in deinen Händen

peter strauch

Schon seit Jahren wollte der Verlag eine Biografie von Peter Strauch veröffentlichen. Er winkte ab, es sei noch zu früh, meinte er. Der Verlag schob nach: Wenn Sie bereit sind, ihre Lebensgeschichte jemandem anzuvertrauen, dann könnte auch jemand anderes … Aber nein, dies wollte Peter Strauch, dann doch schon allein tun. Und die Arbeit hat sich gelohnt!

Herausgekommen ist ein fast 600-Seiten Wälzer. Der Autor hat seine Rückschau in sieben Teilen geschrieben. Fein chronologisch sortiert hakt er Station für Station sein Leben ab und was mich daran am meisten beeindruckt, ist der predigende Originalton von Peter Strauch. Wer ihn kennt, der weiß genau, er nimmt sich selbst nicht so wichtig, aber er ließ sich in all seinen Lebenslagen von Gott als Werkzeug benutzen.

Dabei ist der Autor keinesfalls nur stummer, bescheidener Diener vor dem Herrn. Strauch beweist in seiner Autobiografie Humor und er erlaubt sich dringend notwendige Kritik.

Er ist eines jener Kriegskinder, seine Autobiografie ist auch ein spannender Blick auf die Kirchengeschichte in Deutschland des letzten halben Jahrhunderts. Müsste ich diese Biografie in einem Satz zusammenfassen, würde ich behaupten: Peter Strauch hat sich von Gott entfachen lassen und hat ein Leben lang für ihn an uns Menschen gedient, so gesehen ist seine Autobiografie Staffelübergabe und Auftrag zugleich!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5608-0, Preis 24,95 Euro

Hier sind Ulrich Parzany und Peter Strauch im Gespräch über diese Autobiografie.

SCM Hänssler stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 13. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Johannes Stephens: In der Fremde willkommen

in der fremde willkommen

adm Verlag, ISBN 978-3-941-51165-1, Preis 9, 99 Euro

Johannes Stephens ist der Autor von “In der Fremde willkommen”. Das Thema des Autors ist top-aktuell. Hauptfrage ist: Wie gehen wir heute mit Flüchtlingen um die zu uns nach Deutschland kommen? Stephens schaut in die Bibel und doch bleibt er sehr dicht an der Praxis.

Wir geben dem Autor an dieser Stelle gern die Möglichkeit über sein Thema hier zu schreiben:

Mit Flüchtlingen über den Glauben reden

Flüchtlinge sind Menschen, welche ihre Heimat verlassen müssen, um Schutz vor Krieg, Gewalt, Verfolgung, Terror und Tod zu suchen. Weltweit sind es mehr als 51,2 Millionen Menschen. Der Großteil der Flüchtlinge sucht Zuflucht in einem Entwicklungsland und muss dann dort zumeist in schwierigen und z.T. unmenschlichen Verhältnissen (über)leben. Die Industrieländer, insbesondere die europäischen Staaten, setzen hingegen alles daran, die Außengrenzen zu festigen und Flüchtlinge idealerweise schon im Mittelmeer abzufangen und ins Elend zurückzusenden. Jeden Tag sterben wieder aufs Neue Menschen im Mittelmeer, welches mittlerweile zu einem der größten Massengräber weltweit geworden ist.

Durch ihre Flucht und die Verfolgung im Heimatland bringen die Flüchtlinge eine oftmals tragische Geschichte mit sich und es bedarf eines gesonderten Umgangs mit diesen traumatischen Erlebnissen. Asyl ist und bleibt ein Menschenrecht und ist kein Verbrechen. Dabei müssen wir uns vor Augen halten, dass „Nationalität“, „Staatsgrenzen“ oder auch andere Grenzziehungen nur künstliche Konstrukte sind, welche geschaffen wurden um zu definieren, wer dazu gehört und wer nicht. Gott hat den Menschen nicht als „Deutschen“ oder „Europäer“ geschaffen, sondern als Menschen und somit als sein Geschöpf und Ebenbild.

Die Lebenssituation von Flüchtlingen in unserem Land – ein Thema, das heutzutage deutlich verstärkt durch unsere Medien geht und ein neues Bewusstsein, aber auch viele offene Fragen mit sich bringt. Wie gehen wir in Deutschland mit Menschen um, deren Heimatland ihnen offensichtlich nicht mehr ausreichend Perspektive liefert dort zu verbleiben und die ihre Hoffnung auf das „reiche, sichere Deutschland“ ausrichten?

johannes stephens

Foto: Johannes Stephens

Gerade wir als Christen sollten jeden Tag aufs Neue begreifen, dass alles was wir haben von Gott geschenkt ist (unser Haus, Auto, Handy, Job, Urlaub etc.). Es ist pure Gnade, dass wir in
Deutschland leben dürfen und es uns gut geht. Wenn wir es uns also nicht selbst verdient haben, wie können wir es dann nicht teilen wollen? Kein Mensch hat seinen Geburtsort bewusst gewählt oder gar freiwillig ausgesucht. Dementsprechend hat auch niemand gewählt, dass er in einem reichen europäischen Land oder einem ausgebeuteten und vom Bürgerkrieg zerstörten Land der sogenannten „dritten Welt“ geboren wurde. Der Geburtsort ist Zufall, Schicksal oder Gottes Fügung – je nachdem wie man dies bezeichnen möchte.

Für uns Christen in Deutschland ist klar, dass es ein großer Segen von Gott ist, dass wir hier geboren sind und hier in Frieden leben dürfen. Niemand verfolgt uns aufgrund unserer
Religion oder aufgrund von bestimmten Merkmalen. Wir dürfen freimütig und öffentlich unseren Glauben bezeugen und uns auf den Schutz des Staates in jeder Situation des
alltäglichen Lebens verlassen. Gerade deshalb sollten uns die Flüchtlinge in unserem Land ein besonderes Anliegen sein. Die Bibel erzählt viele Geschichten von Flüchtlingen und ihren Schicksalen. Adam und Eva flüchteten aus dem Paradies, Kain flüchtete aus Angst vor Rache, Abraham und Sara flüchteten nach Ägypten und Hagar floh vor Diskriminierung in die Wüste und Gott versorgte sie dort. Jakob floh aus Angst vor seinem Bruder, Mose war ein politischer Flüchtling und verließ Ägypten, König David flüchtete vor Verfolgung durch Saul und der Prophet Elias floh vor religiöser Verfolgung. Auch Maria und Josef flohen mit dem Sohn Gottes, Jesus Christus, als kleines Kind und mussten die Erfahrung machen, was es heißt, den Schutz und die Sicherheit im Heimatland zu verlieren und in ein anderes Land fliehen zu müssen.

Doch wie kann unsere Hilfe konkret aussehen? Wir müssen den Menschen im Alltag begegnen und sie unterstützen. Flüchtlinge sind auf Hilfen angewiesen. Sie brauchen
Orientierung in der neuen Heimat und sie brauchen Hilfe beim alltäglichen Leben (Behörden, Einkaufen, Teilhabe etc.). Wir als Christen können diese Orte der Begegnung und der
Verständigung mit unseren Räumen, unseren Gottesdiensten und wir selbst als Menschen. Wir können die Bewohner und Bewohnerinnen eines Flüchtlingsheims besuchen und mit ihnen ein Fest feiern, oder die Bewohner und Bewohnerinnen zu uns in die Gemeinde einladen zum gemeinsamen Kochen, Essen, Spielen, Reden, Tanzen, Feiern …

Wir können Gesprächs- und Begegnungsräume schaffen und unsere Gottesdienste öffnen und Sprachbarrieren überwinden, um mit Neuankömmlingen zusammen Gottes Reich zu bauen. In dieser Arbeit dürfen wir uns vom Heiligen Geist leiten und führen lassen. Da wo unsere menschlichen Verständigungsmöglichkeiten enden, kann der Heilige Geist anfangen zu wirken. Dies gilt insbesondere im interkulturellen Bereich in der Arbeit mit Flüchtlingen. Zu diesem Thema habe ich auch ein Buch geschrieben.

Anhand von Interviews mit Flüchtlingen, werden in meinem Buch vielfältige Möglichkeiten aufgezeigt, wie mit Flüchtlingen über den christlichen Glauben gesprochen werden kann. Es kann bestellt werden unter http://www.social-head.de/asyl

Johannes Stephens stellt uns ein signiertes Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 13. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Peter Richter: 89/90

Luchterhand

Literarisch erzählte Zeitgeschichte auf hohem Niveau!

In 89/90 erzählt der jugendliche Ich-Erzähler die Wende, das knappe Jahr, in dem die DDR nicht mehr und das vereinigte Deutschland noch nicht existierten. Nicht nur dass die Pubertät, die erste Freundin, das Leben sowieso schon auf den Kopf stellt, plötzlich wird das ganze Land aus den Fugen gehoben.

Der Ich-Erzähler beschreibt im Rückblick diese turbulente Zeit, es geht um Politik, um Jugendkulturen, um Musik – um den Aufbruch in eine völlig unbekannte und vor allem unklare Zukunft. Stilistisch hat der Roman einiges zu bieten: Die Figuren werden mit Großbuchstaben abgekürzt, was zuerst verwirren scheint, sich aber sehr schnell als nicht störend herausstellt. Der Ich-Erzähler benutzt eine Sprache, die sich eng an die gesprochene Sprache anlehnt und er reflektiert die Sprache – seine eigene, die der anderen und die des Sozialismus.

In Fußnoten, die ja für einen Roman relativ ungewöhnlich sind, werden Abkürzungen (GOL, FDJ, NVA, ABV, UaZ,…), Namen, Begriffe, … erklärt. Aber hier stehen auch immer wieder Anmerkungen des Ich-Erzählers zu bestimmten Details, Kommentare und Hintergründe. Die Figurenrede wird ohne Anführungszeichen als direkte autonome Rede wiedergegeben. Der ganze Roman ist in zwei Bücher, diese jeweils in mehrere Teile und die Teile jeweils in mehrere Abschnitte unterteilt.

Peter Richter erzählt ein Stück Zeitgeschichte modern, unkonventionell und literarisch und stilistisch auf hohem Niveau. Ein Buch, dass so vielleicht nicht nur die Dabeigewesenen, sondern auch die nachkommenden Generationen mit Gewinn lesen.

Luchterhand Literaturverlag, ISBN 978-3-630-87462-3, Preis 19,99 Euro

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Eckart zur Nieden: Der gelbe Wagen

der gelbe wagen

15 erfrischende Kurzgeschichten legt uns Eckart zur Nieden mit seinem neuen Buch vor. Allesamt könnten wohl im Alltag eines jeden Lesers spielen, aus welcher Sichtweise heraus er sie sieht, hängt vom Glauben beziehungsweise vom Standpunkt des jeweiligen Lesers ab.

Sehr unterschiedliche Blickwinkel begegnen mir als Leser dieser neuen Kurzgeschichten. Da ist der 85jährige Jubilar, der an seinem Geburtstag eine Fahrt in einer gelben Kutsche geschenkt bekommt. Ich nehme ihm ab, dass er das Leben nicht satt hat, aber dass es lebenssatt ist. Sein Herz will nicht mehr alles mitmachen, aber ausgerechnet in diesem gelben Wagen, da wird der Jubilar noch einmal dringend gebraucht. Er macht eine Beobachtung, die den Lebensweg eines Fremden wesentlich beeinflussen wird. Ungefährlich ist dies nicht, aber dass ist sich einmischen nie.

Der 1939 geborene Theologe, der wohl zu den bedeutendsten christlichen Erzählern der Gegenwart zu rechnen ist, führt biblische Geschichten nahtlos mit Alltagsgeschichten zusammen und beweist damit ihre Alltagstauglichkeit. Im Inhaltsverzeichnis steht hinter jeder Geschichte auch die Minutenzahl jeder einzelnen Geschichte. Eine gute Idee, sind diese Geschichten doch bestens zum Vorlesen geeignet.

Mit Humor, Wortwitz und eingebauten Überraschungsmomenten hält der Erzähler seinen Leser wachsam und selbst für altbekannte Weisheiten empfänglich. Wer kennt dieses Phänomen nicht: Geht erst einmal ein Gerät kaputt, sucht mich garantiert noch mehr als nur dieses eine Unglück heim. Und während Frau Haferberg im Buch beinah den Sand in den Kopf stecken will, kommt ihr Mann mit einem wohlgemeinten Ratschlag, seine Frau allerdings will zunächst nichts davon wissen …

Es ist interessant, wie des Autors Protagonisten biblische Inhalte in ihre Gegenwart transportieren. Sie treffen selbstverständlich nicht oft auf Zustimmung oder Gegenliebe, aber immer wird sichtbar, wie christliche Inhalte das Zusammenleben verändern können, wenn man nur an ihnen festhält.

Altmeister Eckart zur Nieden gibt uns mit seinen neuen Kurzgeschichten leuchtende Glaubensimpulse an die Hand, mit denen wir hoffnungsvoll laufen lernen können!

Brunnen Verlag, ISBN 978-3-765-50912-4, Preis 12,99 Euro

Der Brunnen Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Buches zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 7. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Nicola Vollkommer: Wie Möwen im Wind

wie möwen im wind

Dieser im beginnenden 19. Jahrhundert in Cornwall spielende Roman ist eine gelungene Komposition aus stimmungsvollen Landschaftsbildern und der sehr abwechslungsreichen und spannungsvollen Lebens – und Liebesgeschichte der Charlotte Greenwold.

Charlotte wird geboren und ist in derselben Sekunde eine Enttäuschung für ihre Eltern – sie ist ein Mädchen. Doch Lord Winston, Charlottes Vater, hatte andere Pläne. Charlotte wird zu einer Amme gebracht. Diese ist nicht einfach nur Mutterersatz, sie ist auch die Person die ihr Liebe entgegenbringt. Im Teenageralter plötzlich lässt der Lord seine Tochter wieder ins Elternhaus holen. Von geheimen Plänen ahnt Charlotte nichts, sie bekommt aber täglich zu spüren, dass so gut wie niemand sie mag – wäre da nicht Jake.

Nichts gegen die Story die Nicola Vollkommer hier entworfen hat. Sie ist eine gute Mischung aus Fakten und Fiktion und lässt das Schmugglerland Cornwall vor dem Auge des Lesers lebendig werden. Dies gelingt der Autorin vor allem deshalb so gut, weil sie es ausgezeichnet versteht, die Landschaft, die Steilküste, die Möwen und Pflanzen Cornwalls zu beschreiben. Ohne Langeweile dabei zu verspüren, nehmen diese Beschreibungen einen ebenbürtigen Platz neben der spannungsreich geschilderten Liebesgeschichte der Charlotte Greenwold ein.

Nicola Vollkommer schreibt eindrucksvoll über Charlotte und die Möwen von Cornwall und beschert uns damit ein wunderbares Leseerlebnis!

SCM Hänssler, ISBN 978-3 775-15583-0, Preis 14,95 Euro

Nicola Vollkommer hat bücherändernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Hallo Nicola, dein Roman “Wie Möwen im Wind” ist seit wenigen Tagen in jedem Buchladen zu haben. Warum spielt deine Story ausgerechnet in Cornwall?

Ursprünglich hatte ich ein ähnliches Konzept für eine Geschichte im heutigen London. Der Verlag schlug Cornwall im 19.Jahrhundert vor, da “Regency”-Romane zur Zeit gerne gelesen werden. Ich selber bin ein großer Fan von Jane Austen und den Bronte-Schwestern, deshalb willigte ich sofort ein. Ich brauchte eine Umgebung, in der kriminelle Machenschaften denkbar gewesen wären, da bot sich Cornwall an. Und natürlich die Landschaft, die wilde Küste, die Felsen….

Beim Lesen dachte ich hin und wieder, eigentlich ist die Geschichte ja schon 200 Jahre alt, aber sie könnte auch heute spielen. War das deine Intention?

nicola voll

Foto: Nicola Vollkommer

Ich denke, Themen wie Macht, Unterdrückung, Feigheit und Geldgier können überall und zu allen Zeiten spielen! Und eine Herz zerreißende Romanze mitten drin – auch zeitlos….

Ich finde es sehr mutig von dir, dass du den Beschreibungen über die Natur Cornwalls so breiten Raum gegeben hast. War das von Anfang an so von dir geplant und war dein Verlag gleich damit einverstanden?

Der erste Entwurf hatte weit längere Naturbeschreibungen!! Mit vielen Stichen in meinem poetischen Herzen musste ich die Löschtaste betätigen – die Leser wollen ja Action, nicht Landschaft. Allerdings finde ich die Kulisse wichtig. Wenn ich eine Geschichte lese, läuft ein Film in meinem Kopf ab, und ich will die Farben, den Hintergrund, die Ausblicke detailliert kennen. In “wie Möwen im Wind” spielen die Wetterverhältnisse eine entscheidende Rolle – sie widerspiegeln immer wieder die inneren Gedanken und Wahrnehmungen der Charaktere, sie untermalen wichtige Entwicklungen. Und das Meer hat so was wie ein Eigenleben, verhält sich fast wie ein Protagonist in der Geschichte.

Dein Roman ist eine gute Mischung aus Fakten und Fiktion. Was willst du deinen Lesern mit dieser Geschichte mit auf den Weg geben?

Cornwall im 19.Jahrhundert bildet in diesem Roman lediglich den Rahmen für die Themen, die Menschen seit Anfang des Erzählens in ihren Bann ziehen: Der Kampf zwischen Gutem und Bösem, die Folgen von Bosheit wenn sie (wie hier in der Greenwold-Familie) Amok läuft, die immense Kraft, die entfaltet wird wenn einfache Menschen ihre eigenen Interessen beiseite legen, um ein höheres Gut zu verfolgen. Bei mir läuft die Überzeugung der Wichtigkeit von christlichen Werten immer unterschwellig mit, allerdings als integrativer Teil der Geschichte, nicht als bewusstes Ziel.

Ich glaub in deinem PC wächst bereits ein nächstes Manuskript. Stimmt das und magst du schon etwas verraten?

Noch nicht in meinem PC, aber sehr wohl in meinem Kopf. Ich kann mir vorstellen, dass wir das Ende von Sir Malcolm Forsythe-Drake noch nicht erlebt haben und dass er seinen Anspruch auf Birch Hollow nicht so leicht von der Hand gibt….Das wäre was für eine Folge-Geschichte…!!

Vielen Dank für deine Antworten!

Nicola Vollkommer stellt uns ein signiertes Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 4. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Jan Hanser: Die Jagd nach der silbernen Feder

feder

Wenn Brendow ein Buch in solch einer tollen Aufmachung noch dazu mit farblich passendem roten Lesebändchen auf den Markt bringt, dann muss es ja wohl ein besonderer Inhalt sein.

Und es war dann auch ein ganz besonderes faszinierendes Leseerlebnis und dabei bin ich längst kein kleiner Junge mehr. Aber wie der Debütant Jan Hanser hier den Helden Jisah in Szene setzt und immer wieder in neue Abenteuer schickt, das hat schon etwas von großer Erzählkunst.

Der Titel verrät es, es geht um die silberne Feder. Sie ist ein Symbol für Glück und Frieden, aber leider ist sie in den falschen Händen. So ist der Kampf des Jungen vorgezeichnet und die Ausschmückung des Autors ein herrliches Leseerlebnis und wunderbares Fantasiegebilde.

Es mag der alte Kampf um Gut und Böse sein, aber wie er hier erzählt wird, wie er gelegentlich die Gegenwart berührt, wenn man dies sehen möchte, dass hat mich fasziniert und beeindruckt.

Jan Hanser wird weiter schreiben, ich hoffe sein zweiter Band lässt nicht all zu lange auf sich warten!

Brendow, ISBN 978-3-86506-735-7, Preis 14,95 Euro

Jan Hanser hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Jan Hanser, soeben ist dein erstes Buch erschienen. “Die Jagd nach der silbernen Feder” ist ein spannendes Kinderbuch für Kinder ab 10 Jahren. Du verrätst deinen Lesern, dass du abends mit deinen Söhnen im Bett liegst und ihnen Geschichten erzählst. Warum ist gerade erzählen so wichtig?

Das Erzählen von Gute Nacht Geschichten hat in meiner Familie Tradition. Schon mein Vater hat uns allabendlich beim zu Bett gehen Geschichten erzählt. Als mein ältester Sohn geboren wurde, habe ich diese Tradition fortgeführt. Es schafft einfach eine wunderbare Zweisamkeit, wenn man unter der Decke liegt und Geschichten erzählt. Niemand sonst kennt unsere Geschichtenwelten (Und auch die Leser der Bücher bekommen nicht alles erzählt, was unter der Decke geflüstert wurde). Das Erzählen von Geschichten hat einfach eine wunderbare Bindung zwischen mir und meinen Söhnen geschaffen. Es ist ein bleibender Wert.

Dein Buch ist voller Symbolik, voller sprachlich schöner Bilder, hast du deine Geschichten einfach so aus dem Ärmel geschüttelt oder wie lange hat es gedauert bis sie dann druckreif waren?

Als ich begann Geschichten zu erzählen hatte ich nie vor sie in einem Buch zu veröffentlichen. Vielmehr begann ich irgendwann damit zu kämpfen, das mir keine neuen Geschichten mehr einfielen. Dann habe ich entschieden: „Ich muss eine große Welt schaffen in der es einen weiten Spannungsbogen gibt.“ So musste ich mir nicht jeden Abend etwas Neues aus dem Ärmel schütteln und die weite Welt der Welfenreiter entstand. Als in mir der Gedanke reifte, diese Welt in einem Buch aufleben zu lassen legte ich oft mein IPhone nebens Bett, nahm die Geschichte auf und schrieb sie danach ab. Darin ist auch die Spannung des Buches begründet. Jeden Abend muss eine spannende Geschichte her, sonst sind meine Söhne gelangweilt. Darum hat jedes Kapitel im Buch seinen eigenen Spannungsbogen. Großartige Symbolik war nie intendiert. Als Erzähler knüpft man unbewusst immer an große Symbole und Geschichten der Menschheit an. So entstehen aus Geschichten, die oft auch den Alltag verarbeiten wollen, wunderschöne Bilder. Von der Entstehung der silbernen Feder auf der Bettkante bis zum fertigen Buch sind sechs Jahre ins Land gegangen.

Es geht in deinem Buch um eine silberne Feder. Für was steht dieses Symbol?

Die silberne Feder steht für den Frieden im Reich des großen Königs Lian. Die Feder hat, in der richtigen Hand, die Macht alle Fürstentümer des Brachtlandes zu vereinen. Leider gerät sie in der Geschichte in die falschen Hände und Hundrrit, der schreckliche König der Hyänen, missbraucht ihre Macht um Lians Reich zu schwächen und seine Truppen zusammen zu halten.

Warum tritt gerade ein Junge als der große Retter auf? Was wir Großen verbockt haben, müssen unsere Kinder wieder in Ordnung bringen?

Jisah, einer der Protagonisten, stiehlt Hundrrit die Feder mehr zufällig. Das es ausgerechnet er ist, passt allerdings sehr gut zu ihm. Er ist ein Draufgänger. Immer mit dem Kopf durch die Wand. Er sucht jedes Abenteuer. Die Erwachsenen, vielleicht am ehesten durch die Wolfrudel dargestellt trauen keinem und erst recht keinem Kind. Sie halten es für Blödsinn, das Lian es einem Jungen zutraut die Feder sicher ans Ziel zu bringen. Die Eselreiter hingegen unterstützen Jisah und vertrauen in seine Fähigkeiten. Es geht also weniger darum, das Jisah etwas in Ordnung bringen müsste, sondern vielmehr darum, das er das Vertrauen des Großen Königs genießt, obwohl er nur ein kleiner Junge ist.

jan hanser

Foto: Jan Hanser

Für Gott steht in deinem Fantasy-Buch König Lian. Er ist ein großer und liebender König, aber er braucht uns Menschen. Ist das der Weckruf deines Buches?

Ich hatte nie die Intension ein religiöses Buch zu schreiben. Darum ist auch Vorsicht bei theologischen Deutungen geboten. Es ging mir in erster Linie darum ein spannendes Buch zu schreiben. Und in zweiter Linie ging es auch darum. Doch ich komme als Autor natürlich nicht aus meiner Haut. Ich persönlich vertraue auf Gott als liebenden Vater. Das hat den Charakter Lians, des Königs, geprägt. Erst in den letzten Kapiteln fiel mir auf das es eine Analogie zu einer Geschichte gibt, die Jesus einmal erzählt hat. Es geht im Roman nicht darum das Gott uns braucht. Es geht darum das wir Gott vertrauen können und das Gott uns bedingungslos annimmt, auch wenn wir’s einmal dick vermasselt haben.

Am Ende deines Buches steht. “Ende des ersten Abenteuers”. Können wir uns auf ein weiteres Buch freuen?

Die Geschichte der Welfenreiter ist noch lange nicht zu Ende erzählt. Eigentlich geht sie jetzt erst richtig los! Also, ja! Wer vom ersten Buch gepackt wurde, der darf sich auf weitere freuen!

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Brendow Verlag hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 2. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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