Björn und Mirja Wagner: Wunderkinder

Mirja und Björn Wagner haben viel durchgemacht in ihrem Eheleben. Sehen sie andere Paare fragen sie Gott „Warum kriegen wir kein Kind?“. Sie schreien in Verzweiflung und Zorn zu Gott und sie lassen den Leser wissen wie es in ihnen aussieht. In jeweils voneinander getrennten Texten beschreiben Ehemann und Ehefrau sehr speziell ihre Emotionen und als Vater von inzwischen großen Kindern finde ich mich in den Aufzeichnungen von Björn sehr oft wieder.

Eines Tages wird Mirja schwanger. Alles erlebt der Leser mit, alles bis hin zur Ausschabung. Brutal und hartherzig kann das Leben sein oder ist es Gott? Mirja wird noch einmal schwanger. Ihre Ärztin diagnostiziert eine „leere, deformierte Fruchthülle“. Aus ihr heraus wird Monate später unter dramatischen Umständen die gesunde Emilia geboren.

Das Ehepaar hat sich immer eine große Familie gewünscht, nun ist klar, Mirja wird keine Kinder mehr bekommen. Sehr genau schildern beide Autoren auch ihre Beziehungen zu ihren Freunden. Da sind die, die aus Verunsicherung einfach wegbleiben, die die nicht mehr wissen mit ihnen umzugehen und da bleiben aber auch Freunde auf die sich die Wagners verlassen können.

Eine große Familie wollten sie einmal sein, deshalb entscheiden sie sich und stellen einen Adoptionsantrag. Viele Monate später werden sie von einem Anruf des Jugendamtes völlig überrumpelt. Kinder kommen aber sehr oft überraschend ohne ausführliche Anmeldung. Als sie wenig später dann ihren wenige Stunden alten Sohn Emilio in Händen halten ist das Glück perfekt.

Dieses kleine Büchlein erschlägt. Mirja und Björn Wagner schildern ihre Erlebnisse auf unterschiedlichen Ebenen. Sie beschreiben positive und negative Erfahrungen mit Ärzten und Krankenhäusern, im Mittelpunkt stehen aber immer ihre Fragen und Zweifel an Gott. So hinterlässt uns das starke Ehepaar Wagner ein Glaubensbuch das sich sehen lassen kann.

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27309-0, Preis 9, 95 Euro

 

Mirja und Björn Wagner haben buecherveraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

In einem Zuge habe ich Ihr Buch „Wunderkinder“ gelesen. Besonders in Björns Texten konnte ich mich oft wiederfinden, haben meine Frau und ich vor Jahren doch Gleiches durchmachen müssen. Warum war für Sie dieses Buch gerade jetzt wichtig?

Mirja: Wir haben gemerkt, dass es auf diesem Gebiet viel Not gibt und vieles nicht ausgesprochen wird. Irgendwie werden solche Themen gerne umgangen. Als Betroffener fühlt man sich aber einfach allein und sehnt sich nach jemandem, der Ähnliches erlebt hat, so ging es auf jeden Fall uns.

Björn: Und da haben wir uns entschlossen etwas aufzuschreiben. Das daraus dieses Buch wurde ist mehr „Zufall“ – ich habe mit Anne Meiss vom Francke Verlag telefoniert und Mattis schrie im Hintergrund. Und als ich ihr erzählte wer da so schrie sagte sie: Schreibt das mal auf und schickt es mir. Für uns war der Prozess des Schreibens selbst wichtig, Sprache und Worte zu finden und auch einander die Geschichte zu erzählen. Wir haben uns auch selbst dadurch besser verstanden.

Was ist heute, im Nachhinein betrachtet, mit ihrem Verhältnis zu Gott? Wie würden Sie die Veränderungen beschreiben?

Mirja: Auf viele Fragen haben wir bis heute keine Antworten. Das wird wohl auch so bleiben. Aber in allem sehe ich, dass Gott treu ist und es auch in Zukunft sein wird. Gott macht keine Fehler, auch wenn wir seinen Weg nicht verstehen. Es gibt immer noch Momente, in denen die Trauer überhand nimmt, aber dann vertrauen wir darauf, dass Gott einen guten Weg mit uns geht – seinen Weg.

Björn: Er ist nicht verfügbar und doch da. Aus dem ausgeliefert-sein ist ein beständiges „ich gebe ihm von mir“ geworden, das noch lange nicht am Ende ist. Es ist eine andere Gottesbeziehung, ein zweites Vertrauen nach Vertrauensverlust. Ab und an seltsam…

Wie kann Ihr Buch für Betroffene zur Hilfe werden?

Mirja: Wir hoffen, dass Betroffene den Mut finden, ihre Gefühle Gott gegenüber zuzulassen. Ohne schlechtes Gewissen. Wir hoffen, dass sie es wagen, über ihren Verlust zu reden und Hilfe in Anspruch nehmen. Und wir hoffen, dass sie merken, dass sie fühlen: Wir sind nicht allein. Andere haben ähnliches erlebt.

Björn: Vielleicht bekommen sie beim Lesen das Gefühl, dass sie verstanden werden bei ihren eigenen Kämpfen, bei ihren Verlusten, in ihren Glaubenskrisen. Man kann mit uns auch persönlich Kontakt aufnehmen – wie steht im Buch.

Haben Sie schon Reaktionen auf das Buch und wie sehen diese aus?

Mirja: Ja, bei den Reaktionen gibt es eigentlich zwei Richtungen. Die einen sagen: „Oh, das ist aber mutig, so etwas aufzuschreiben, ist das jetzt nicht irgendwie komisch für euch, dass das alle lesen können?“
Die anderen sagen. „Endlich spricht es mal jemand aus!“

Björn: Da kann ich Mirja nur zustimmen.

Wie geht es heute Emilia und Emilio? Sind die Wagners eine rund um glückliche Familie?

Mirja: Den beiden geht es prima. Sie sind „normale“ Geschwister, die sich lieben, die sich auch mal nerven und zusammen Abenteuer bestehen. Jeder der beiden bringt seine Geschichte mit, der eine versteht sie schon mehr, bei dem anderen wird es wohl noch etwas dauern. Beide müssen lernen, mit dieser Geschichte zu leben, sie als ihre Geschichte zu akzeptieren.

Björn: Ganz ehrlich – die beiden sind klasse! Was mir noch fehlt ist Erholung und Schlaf. Mattis war lange nachts „unterwegs“ und ich habe so manche Nacht kaum ein Auge zugemacht. Ich merke nach diesen 2 1/2 Jahren, dass ich erschöpft bin. Erschöpft, aber froh Teil dieser wunderbaren Familie zu sein. Ab und an mal in Ruhe frühstücken wäre eine große Hilfe… 😉

Vielen Dank für das wunderschöne Gespräch!

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