Monatsarchiv: April 2012

Wolfgang Seehaber: Maria von Wedemeyer – Bonhoeffers Verlobte

Bei aller Vatersehnsucht hat sie doch ihren Prinz gefunden.

„Keine Biographie im herkömmlichen Sinne soll hier entstehen, kein Stück wissenschaftlicher Geschichtsschreibung. Eine persönliche Annäherung an diese beeindruckende Frau in verschiedenen Lebensphasen möchte es sein …“ diesen Anspruch erhebt Wolfgang Seehaber an sein Buch, geworden ist es weit mehr als dies.

Zum einen ist es für mich die Bekanntschaft mit einer Frau, die den berühmten Bonhoeffer auf Augenhöhe trifft und dies bei einem Altersunterschied von 18 Jahren. Leider müssen die 384 Buchseiten so ganz ohne ein Foto auskommen. Der Autor muss eine riesige Fleißarbeit bewältigt haben und Briefe von Maria von Wedemeyer und Dietrich Bonhoeffer gelesen und gesichtet haben. Oft lässt Seehaber die Briefe für sich allein sprechen und gibt damit seinem Werk noch mehr Authentizität.

Zum zweiten ist für mich in diesem Buch ein neuer mir unbekannter Bonhoeffer aufgetreten. Von seinem Frauenbild war ich äußerst überrascht, auch davon welch komische Züge dieses Frauenbild in seinem Predigerseminar annehmen konnte.

Zum dritten fügt Wolfgang Seehaber sein erzähltes Lebensbild der Maria von Wedemeyer in die  historisch politisch wie auch kirchlich spannende Zeit sehr gut ein. Viele bekannte Namen tauchen auf, von der Berneuchener Bewegung hatte ich bislang noch nichts gehört.

Dieses Buch wird schon in wenigen Jahren nach einer zweiten und dritten Auflage schreien. Dann sollten wenige Dopplungen, wie der des öfteren auftauchende Hinweis, dass Maria von Wedemeyer später zwei mal verheiratet war, verschwunden sein. Ebenso die zahlreichen in Klammern stehenden nervenden Bemerkungen (siehe oben) oder (ich komme darauf zurück).

Maria von Wedemeyer wird oft nachgesagt, dass sie zu Dietrich Bonhoeffer ungefragt „JA“ gesagt habe, weil gerade ihr innig geliebter Vater im Krieg gefallen war und sie Dietrich mehr als Vaterersatz ansah. Seehaber geht diesem Vorwurf mit sehr viel Akribie nach und findet dann die Quelle in der Maria davon spricht wie sie ihren Prinz gefunden hat. Aus dem Kontext geht hervor, dass doch mehr als nur Vatersehnsucht in der Beziehung eine Rolle spielte.

Wolfgang Seehaber ist dafür zu danken, dass er Maria von Wedemeyer ein längst fälliges Denkmal gesetzt hat!

Brunnen, ISBN 978-3-765-51195-0, Preis 16,99 Euro

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Spincke, Kanwischer (Hrsg.): Große Gemeinden

Elf Pastoren beschreiben in diesem Buch ihre Erfahrungen die sie mit ihren Gemeinden gemacht haben. Endlich einmal den manchmal starren Blick von Amerika abgewandt, schauen sie auf deutsche schon bestehende Gemeinden und erwähnen Gegebenheiten und Erwartungen.
Jeder Autor berichtet unter einem bestimmten Schwerpunkt: Da geht es um die Mitarbeiterbegleitung in großen Gemeinden, um die Rolle des Pastors und sehr interessant auch um die Macht – und Leitungsfragen.
Wolfgang Kraska stellt fest: „Unser Land braucht große Gemeinden“ und er zeichnet ein äußerst mutmachendes Bild von der Christenheit in Deutschland. Allgemeinhin scheint dies ja vom Zerfall geprägt zu sein. Kraska sieht dies anders. Er richtet seinen Blick auf viele neu entstandene Gemeinden.
Dieses Buch liest sich spannend wie ein Krimi und zeigt sehr viel von den bereits neu entstandenen Gemeinden die trotz des allgemeinen Schwunds dennoch wachsen.

SCM R. Brockhaus, ISBn 978-3-417-26500-2, Preis 12,95 Euro

Die beiden Herausgeber des Buches Reinhard Spincke und Bernd Kanwischer stellten sich nun den Fragen von buecheraendernleben:

Lieber Reinhard Spincke, Lieber Bernd Kanwischer, Sie sind sowohl Herausgeber als auch Mitautoren des soeben erschienen Buches „Große Gemeinden – Das Geheimnis ihres Wachstums“. Worin besteht dieses Geheimnis?

Bisher gibt es wenig deutsche Literatur, die sich mit dem Bau größerer Gemeinden beschäftigt. Wir selber waren Pastoren größerer Gemeinden und haben gemeinsam mit erfahrenen Kollegen, die wichtigsten Impulse und Erfahrungen zusammengestellt, die wir für die Entwicklung zu einer größeren Gemeinde ausgemacht haben. Wir sind davon überzeugt, dass wir zu wenig große Gemeinden haben und es wirklich möglich ist, solche Gemeinden zu bauen.

Warum braucht Deutschland Freie evangelische Gemeinden?

Wir fühlen uns eng verbunden mit vielen weiteren Gemeindeformen. Ich sehe uns als wichtige Ergänzung. Wir sind vielleicht ein bisschen beweglicher und schneller in der Lage, neue Wege auszuprobieren. So können wir als kleinere Freikirche deutschlandweit wichtige Impulse geben.

Manche schauen ehrfurchtsvoll über den großen Teich zu den Megakirchen Amerikas. Warum ist unsere Situation hier in Deutschland nicht vergleichbar mit Amerika und wo ganz konkret stecken unsere Vorteile und vielleicht auch typisch europäisch- deutsche Begabungen?

Die Durchschnittsgröße von Gemeinden in den USA unterscheidet sich ja nicht so sehr von den deutschen Größen. Trotzdem gibt es – schon allein statistisch gesehen – in den USA mehr und auch größere Gemeinden. Jede Gemeindeform hat Vorzüge, aber auch nachteilige Effekte. Wir sind möglicherweise treuer und konstanter in dem, was wir tun.

Bernd Kanwischer

Gott zur Ehre gibt es inzwischen in Deutschland eine ganze Reihe großer Freier evangelischer Gemeinden. Im vorliegenden Buch geben Ihre Kollegen einen lebendigen Einblick in ihre Gemeinden. Woher kommen die neuen Gemeindeglieder? Werden Sie aus anderen Gemeinden abgeworben oder erreichen Sie ganz neue Bevölkerungsschichten?

Niemand von den Buchautoren, die ja auch aus anderen kirchlichen Kontexten stammen, baut Gemeinde, um andere abzuwerben. Wir hätte ja thematisch ein entsprechendes Kapitel ausweisen müssen. Nicht zufällig steht am Anfang das Kapitel: „Mission und Evangelisation“. Eine größere Gemeinde hat mehr Möglichkeiten, Menschen neu für Jesus zu begeistern. Diesen Auftrag teilen alle Kirchen in unserem Land.

Sicher gibt es das Phänomen Transfer, dieses ist aber unabhängig von der Größe der Gemeinde zu beobachten. Gerade auch, wenn eine Gemeinde größer wird, verlassen ja auch eine ganze Reihe die Gemeinde, weil sie sich in einer kleineren wohler fühlen.

Dort wo lebendige Gemeinde neu entsteht, da ist sie umgeben von bereits bestehenden Gemeinden und kann sich auch unserer Gesellschaft nicht entziehen, wie wollen Sie von außen wahrgenommen werden?

Unser Punkt  ist ja der, dass größere Gemeinden auch mehr Möglichkeiten haben, ihrer Stadt zu dienen. Es werden nicht nur Basisfunktionen einer Gemeinde ausgeübt, sondern es gibt Freiräume für kreativen Ideen. Das gilt natürlich auch für die Zusammenarbeit von mehreren Gemeinden. Somit sind wir – und das gilt auch für die Nicht-FeG Autoren unseres Buches, immer auch allianzgesinnt und setzen uns für ein gemeinsames Zeugnis ein.

Ihr Buch ist eine Anleitung zum Bau von Gemeinde, es steckt voller Impulse und Informationen. Ich selbst gehöre zu einer traditionellen Gemeinde der Landeskirche, überall höre ich den Hilferuf nach ehrenamtlichem Engagement, scheinbar ist das bei Ihnen viel mehr vorhanden, wie kommt das?

Reinhard Spincke

Sicher kann man das so pauschal nicht sagen. Ich kenne auch landeskirchliche Gemeinden mit einem vorbildhaften ehrenamtlichen Engagement. Aber sicher ist das Ehrenamt in unseren FeG Gemeinden klarer in den theologischen Überzeugungen verfasst. Vollzeitliche Tätige (also PastorInnen) und ehrenamtliche Mitarbeiter verstehen sich als hierarchiefreie Glaubens- Lebens – und Dienstgemeinschaft.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch?

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Probst / Kusch (Hrsg.): Wege zum Heiligen

Sehr bunt gemischt ist die Autorenriege die sich in diesem Buch zusammengefunden hat um ihre ganz persönlichen Gedanken mit den Pilgerpsalmen aufzuschreiben. Christliche und jüdische Autoren zeigen sehr deutlich wie lebensnah und aktuell gerade diese Psalmen auch heute noch sind. In ihnen stecken so viele menschliche Erfahrungen, dass der Beter heute nicht einfach nur zum Nachbeter wird, sondern er wird sich selbst in diesen Psalmen finden und Gott näher kommen.

Brendow Verlag, ISBN 978-3-86506-377-9, Preis 14,99 Euro

Zu diesem Buch gibt es auch eine CD, denn Psalmen wurden schon immer auch gesungen, warum also nicht auch heute: http://www.ways-music.de/songs.html

Christoph Zehendner als Mitautor und Christian Probst als Herausgeber gaben buecheraendernleben nun dieses Interview:

„Wege zum Heiligen“ ist eine Sammlung von 15 Pilgerpsalmen. Die Autoren kommentieren mit sehr persönlichen Worten und Ansichten jeweils einen Psalm. Warum sind Psalmen heute wieder in Mode gekommen?

Christoph Zehendner: Psalmen sind seit 3000 Jahren „modern“, ungewöhnlich, innovativ, herausfordernd. Ich habe das vor ein paar Jahrzehnten entdeckt, als mich ein Satz aus einem Psalm umgehauen hat: „Ich denke an Gott und bin betrübt!“ (Psalm 77,4). So was hatte ich in all den frommen Gebetsrunden und vorgestanzten Formulierungen nicht gehört. Ich habe dann angefangen, mich mit den Psalmen zu beschäftigen, insgesamt sind dabei schon drei Alben entstanden (z.B. Beziehungen – Fenster in die Welt der Psalmen, gemeinsam mit meinem Freund Manfred Staiger). Als ich jetzt eingeladen wurde, mich für dieses Projekt mit einem Pilgerspsalm zu beschäftigen, war ich sofort gerne dabei, denn gerade bei meinen Aufenthalten in Israel ist mir diese Gruppe von Psalmen immer näher gekommen.

Christian Probst: Psalmen und Mode? Das passt für mich gar nicht zusammen. Gut, ich muss gestehen das knallige Grün vom Buchumschlag könnte auch zu den knalligen Farben dieses Sommers passen. Aber die Texte der Psalmen sind einfach so zeitlos, dass sie es gar nicht nötig haben, beliebt zu sein oder in Mode zu kommen. Gerade die fünfzehn Pilgerpsalmen sprechen in einfachen und deutlichen Worten Themen an, die so vielschichtig sind, wie das Leben selbst. Darum fällt es auch den Autoren nicht schwer, diese Texte in ihrem Leben sprechen zu lassen.

Christian Probst

Mit Gott auf Wanderschaft gehen ist ein sehr schönes Bild. Aber wenn die Pilgerreise zu Ende ist und uns die Hektik des Alltags wieder hat, dann sind meist die Psalmen und auch der liebe Gott wieder außen vor, wieso ist das so oder täuscht mein Blick mich?

Christian Probst: Das Bild einer Pilgerreise, bzw. Wanderschaft verbindet man oft mit einer Auszeit. Also mit etwas angenehmen bzw. mit einer Nähe zu Gott. Ich weiß nicht, wer Leuten diesen Flo ins Ohr gesetzt hat, aber in „Wege zum Heiligen“ versuchen wir das Bild der Pilgerschaft zu dem zu erweitern, wie man es genauso verstehen kann. Unser ganzes Leben ist eine Pilgerreise. Ein Wechselspiel von Ruhe und Hektik, von Freundschaft und Feindschaft, von Momenten, in denen man sich Gott näher oder ferner fühlt. In den Psalmen begegnen uns ebenso ganz unterschiedliche Erfahrungen. Ein Wechselspiel zwischen Klage und Dank. Gott wird sowohl beim Gottesdienst im Heiligtum, als auch im Alltagsstress zu einem persönlichen Gegenüber. Wir brauchen uns nicht unbedingt auf eine einsame Pilgerreise zu machen, um ihm zu begegnen.

Christoph Zehendner:  „Pilgern“ verstehe ich als einen lebenslangen Prozess und nicht als eine Art Wanderschaft hin zu einem irgendwie „Heiligen Punkt“. Für mein persönliches „Pilgeralbum“ mit dem Titel „Wortweltenwanderer“ habe ich übrigens als Mottovers im 5. Buch Mose gefunden (2,7): „Gott hat dein Wandern durch diese große Wüste auf sein Herz genommen!“ Ich verstehe das so, dass die lange „Wanderung“ meines Lebens Gottes Herzensangelegenheit ist. Gott sei Dank! Die Psalmen sind ja gerade voll von den unterschiedlichsten Alltagserfahrungen, Alltagsgefühlen. Da wird – wie im „richtigen Leben“ – geklagt und geschimpft, gejauchzt und gefeiert, da wird Zeter und Mordio geschrieben und gewimmert, Rotz und Wasser geheult und da werden Gott die Leviten gelesen. Wenn unsere Gottesdienste doch ein wenig von solcher Vielfalt abbilden würden, dann könnten sich wieder viel mehr Menschen Zuhause und verstanden fühlen können.

Christoph Zehendner in Aktion

Was ist sozusagen die Kernaussage der Autoren der Psalmen? Warum sind sie heute noch immer aktuell?

Christian Probst: Sie laden dazu ein, dass wir uns in ihnen wiederfinden, weil es um nichts anderes geht, als um das Leben: Sehnsucht, Angst, Befreiung, Bedrängnis, Ruhe . . . um alles, was uns begegnen kann. Die witzigste, aktuelle Begebenheit bei unserem „Wege-Projekt“ hat mit Psalm 132 zu tun. Günter Kusch und ich haben diesen Psalm mit dem Thema „Aufstieg“ verbunden, ohne nur ahnen zu können, dass der Fußballverein aus meiner Heimatstadt, die Spielvereinigung Greuther-Fürth, in die erste Bundeliga aufsteigen würde. Die ganzen Pilgerpsalmen 120-134 tragen im Urtext den Untertitel „a song of ascents“, ein Lied des Hinaufziehens, bzw. des Aufsteigens. Im Psalm ist natürlich der Weg zum Heiligtum in Jerusalem gemeint. Aber wenn man erlebt, wie eine ganze Stadt nach jahrzehntelanger Hoffnung plötzlich ausgelassen ihre „Aufsteiger“ feiert, dann kann man sich vielleicht auch besser vorstellen, wie ergreifend die Freude und der Jubel sein wird, wenn wir Gott einmal in seiner Herrlichkeit unmittelbar erleben dürfen. 

Christoph Zehendner: Ich kann und darf und soll Gott alles zumuten, was in mir vorgeht. Psalmen sind nicht theologische Theorie, sondern Alltagspraxis, sie spiegeln Beziehungen wieder, Gefühle, innere Prozesse (eines einzelnen oder einer Gruppe von Menschen). Und es wird in der Regel Klartext geredet (wenn auch oft auf kunstvoll verdichteter Sprachebene). Die Psalmen sind das Herz der Bibel, und zwar nicht nur die wenigen „Rosinenverse“, die die Kollegen aus der Lobpreiszunft wieder und wieder vertonen, sondern das ganze Buch.

Wann und wo waren Sie in letzter Zeit pilgern und was hat es Ihnen gebracht?

Christoph Zehendner: Ich pilgere seit dem 10. Februar 1961, war in schätzungsweise 50 Staaten der Erde unterwegs, bin gekrabbelt, gelaufen, gejoggt, mit dem Rad gefahren, mit dem Auto unterwegs gewesen, vom Schiff mitgenommen worden, mal kurz auf einem Pferd gesessen oder geflogen. Ich habe unglaublich viel erlebt, bin sehr dankbar dafür und berichte davon in vielen meiner Lieder. Und ich hoffe, dass Gott mir nach diesen 51 Jahren Pilgerschaft noch viele weitere Wege möglich macht.

Christian Probst: Ich habe bei Pilgern immer das Bild im Hinterkopf, dass alle Wege, die zum Leben dazugehören, Pilgerwege sind. Mit dem „Ways-Projekt“ pilgere ich gerade auf einem besonders spannenden Weg. Ich halte mein erstes Buch und meine erste Longplay-CD in den Händen, und habe auf dem Weg dorthin viel gelernt. Vor allem, dass Gott wirklich auf allen meinen Wegen mitgeht, nicht nur wenn ich auf einer Wanderung auf dem Jakobsweg mir Gedanken über Gott und die Welt mache. Er hat mich besonders mit Zeit beschenkt. Das habe ich vorher noch nie in diesem Maße erfahren. Er hat mir immer genau die Zeit geschenkt, die ich brauchte, um Aufnahmen für die CD zu machen oder neben meinem Beruf etwas für das Gesamtprojekt zu organisieren. Für diese Pilgererfahrung mitten in der Hektik des Alltags bin ich sehr dankbar. Alle Infos zum ways-Projekt finden sich unter www.ways-music.de .

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Thomas Weißenborn: Apostel, Lehrer und Propheten

Normalerweise werden an dieser Stelle Bücher vorgestellt, die ich mir ganz allein aussuche. Anders bei diesem Buch. Ein junger Mann aus Gießen schickte mir eine Mail in der er schrieb: „Diese Einführung in das Neue Testament gehört unbedingt auf ihre Seite. Wenn man das Buch gelesen hat, weiß man endlich etwas von dem was damals geschah.“

Erst war ich skeptisch. Einführungen in das Neue Testament gibt es unzählige. Mindestens die Hälfte davon kann ich als Nichttheologe überhaupt nicht lesen, weil ich sie nicht verstehe. Dieses Buch von Thomas Weißenborn allerdings macht da eine Ausnahme. Es scheint für Leute geschrieben, die die Bibel als Buch des Lebens und der Wahrheit ansehen und nicht zu sehr als wissenschaftlichen Stoff. Ohne die alten Sprachen zu beherrschen kann sich jedermann getrost an dieses Buch herantrauen und wird ganz sicher überrascht sein wie es dem Autor gelingt eine Welt zu beschreiben in der Politik, Religion und das Miteinander der Menschen der damaligen Zeit ineinandergreifen.

Plötzlich entdeckt der Leser bei Thomas Weißenborn, soweit liegt die biblische Zeit nun auch nicht zurück. Menschliche Verhaltensweisen, politische Intrigen und vieles andere schaffen genügend Verbindungen in die Gegenwart. Ein spannendes Buch!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-86827-323-6, Preis 24, 95 Euro

Thomas Weißenborn gab buecheraendernleben nun folgendes Interview:

Lieber Herr Weißenborn, es gibt unzählige Einführungen und Kommentare zum NT warum haben Sie eine weitere geschrieben?

Das ist wahr, es gibt tatsächlich unzählige Einleitungen ins NT, allerdings sind sie sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite gibt es viele wissenschaftliche Einleitungen, die oft nicht nur sehr kritisch an die Schriften des NT herangehen, sondern manchmal auch schlichtweg sehr schwer zu lesen sind. Auf der anderen Seite finden sich einige „fromme“ Einleitungen, die leider manchmal etwas blauäugig wirken und sich nicht mit den neuesten Erkenntnissen und Anfragen der universitären Einleitungswissenschaft beschäftigen. Mein Buch soll diese Lücke schließen: Ich möchte auf der einen Seite soweit wie möglich in die gesamte Bandbreite der Diskussion einführen, damit sich die Leser selbst ihr Bild machen können, das aber so, dass man es als interessierter Nichttheologe immer noch gut verstehen kann.

Thomas Weißenborn

Für wen haben Sie Ihr Buch geschrieben?

Wie ich schon angedeutet habe, sind meine Zielgruppe alle, die sich für die Thematik interessieren. Das sind natürlich Theologen und Theologiestudenten wie die, die ich am Bibelseminar unterrichte, darüber hinaus aber auch alle anderen, die sich mit der Thematik beschäftigen, also zum Beispiel Christen, die im Hauskreis ein Buch des NT lesen und sich über seinen Hintergrund informieren möchten. Denen möchte ich so etwas wie einen „barrierefreien Zugang“ eröffnen, also kein Fachchinesisch, keine unübersetzten griechischen Texte oder ähnliches. Wichtig war mir auch, dass man jedes Argument nachvollziehen kann, ohne ein anderes Buch zu Hilfe zu nehmen. Das gilt sowohl für die Argumente, denen ich zustimme, wie auch für die, mit denen ich mich kritisch auseinandersetze. Ich möchte den Lesern helfen, sich nicht nur selbst ein Bild zu machen, sondern sich auch bei umstrittenen Themen selbst eine Meinung zu bilden.

Was mir an Ihrem Buch sehr gefällt, Sie beschreiben Personen und Alltag zu biblischen Zeiten und dies so, dass jeder interessierte Laie Sie sehr gut verstehen kann. Wie wird Ihr Buch von Wissenschaftlern und Universitäten kommentiert?

Das wüsste ich auch gern. Leider habe ich von dieser Seite noch kein Feedback bekommen. Das liegt sicher auch daran, dass der Verlag, in dem es erschienen ist, nicht zu den „klassischen Universitätsverlagen“ gehört. Insofern wird mein Buch vermutlich an den Universitäten kaum wahrgenommen. Aus dem Bereich der    seminaristischen theologischen Ausbildung habe ich dagegen nur positives Feedback bekommen.

Meines Erachtens leidet die moderne Theologie immer mehr an ihrer Verwissenschaftlichung, die breite Basis der Gläubigen geht verloren, weil sie oftmals dem alltagsfremden Geschwätz über den lieben Gott nicht mehr folgen kann, sehen Sie dies auch so oder ist meine Sichtweise falsch?

Ich würde Ihnen da zustimmen, denke aber, dass dieses Statement ergänzungsbedürftig ist. Sicher leidet die moderne Theologie an Verwissenschaftlichung – aber da geht es ihr kaum anders als anderen Wissenschaften. Wer weiß schon über die neuesten Erkenntnisse im Bereich der Pädagogik, Psychologie, Philosophie oder Historischen Wissenschaft Bescheid, wenn er nicht vom Fach ist? Genauso geht es uns doch auch mit den Naturwissenschaften. Die Materie ist nun einmal sehr komplex, weswegen es leicht ist, sich in Details zu verlieren, die für Außenstehende kaum von Bedeutung sind. Was mir allerdings viel größere Sorgen macht, ist das theologische Desinteresse, das ich oft bei ganz normalen Christen beobachte. Selbst Pastoren fragen eher nach Methoden und anderen pragmatischen    Dingen im Bereich des Gemeindeaufbaus, während theologische Fragen als langweilig abgetan werden. Ich hatte gerade vor kurzem ein Gespräch mit einem Mann, der eine Gemeinde gründen wollte. Für alles hat er sich Fachleute gesucht – Musik, Finanzen, Organisation – aber auf meine Frage, ob er auch einen Theologen an der Hand hat, kam nur ein Achselzucken. Früher dachte man, Theologen könnten alles andere nebenbei miterledigen, heute scheint es genau umgekehrt zu sein. Diese Entwicklung tut uns jedoch als Christen nicht gut, weil damit unser Glaube schleichend verflacht.

Sie selbst sind Theologischer Leiter am Marburger Bildungs – und Studienzentrum und lehren unter anderem NT und Homiletik, wer sind ihre Schüler und warum gehen sie nicht an eine Universität? Das Marburger Bildungs- und Studienzentrum besteht aus drei Bereichen: dem mbs Bibelseminar, einer Fachschule für Gemeinde – und Sozialpädagogik, dem mbs Studienprogramm, an dem man in Zusammenarbeit mit der Universität von Südafrika (UNISA) einen Master erwerben kann, und der mbs Akademie, unseren Fort – und Weiterbildungsprogrammen. Ich arbeite vor allem am Bibelseminar, wo junge Menschen zu    ErzieherInnen und GemeindepädagogInnen ausgebildet werden. Daneben unterrichte ich in einem Modul unseres Studienprogramms. Mich reizt bei beidem die enge Verbindung von Theorie und Praxis. Weil das Bibelseminar eine Fachschule ist, müssen wir immer für die Praxis ausbilden und können uns ein akademisches Elfenbeinturmdenken gar nicht erlauben, weil wir in so einem Fall sofort von irgendeinem Studierenden gefragt werden: „Wozu braucht man das denn in der    Praxis?“ Das ist letztlich auch der Grund, warum ich nie eine Karriere an der Uni angestrebt habe. Ich möchte, dass meine Theologie immer  „geerdet“ bleibt – selbst wenn ich vom Himmel rede.

Thomas Weißenborn

 

Ihr Buch scheint mir für die breite interessierte Masse der Gläubigen geschrieben zu sein, überschauen Sie ob die Zahl der Neugierigen in letzter Zeit eher wächst oder stagniert?

Das ist eine gute Frage, die ich leider noch nicht beantworten kann. In der ersten Auflage war das Buch ja nur als dreibändiges Werk erhältlich, was es insgesamt ziemlich teuer gemacht hat. In der zweiten Auflage ist es nun nicht nur einbändig und gebunden, sondern auch rund €20 günstiger zu haben. Ich hoffe, dass das die „Apostel, Lehrer und Propheten“ für breitere Käuferschichten attraktiver macht. Ich konnte mich zwar bisher nicht beklagen, doch von einem Bestseller ist es trotzdem weit entfernt. Aber ich habe es ja auch nicht geschrieben, um mich dann mit dem Gewinn aufs Altenteil zurückzuziehen…

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

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Samuel Koch – Zwei Leben

„Gottes Wege sind unergründlich.“
Wir alle kennen das Schicksal von Samuel Koch. Nun liegt sein Buch vor und schon vor Erscheinen stürmte es auf die vorderen Plätze der Bestsellerlisten.
Zusammen mit Christoph Fasel legt Koch jetzt sein Buch vor und beschreibt wie es zu diesem Buch und auch diesem Verlag kam und er hofft von seinem tragischen Einzelschicksal ausgehend: „ein bisschen Aufmerksamkeit für die „Unwegbarkeiten“ von Rollstuhlfahrern zu wecken.“
Minutiös beschreibt Samuel Koch seinen Auftritt in der Fernsehsendung „Wetten, dass . . .?“ Nach sechs Seiten endet seine Beschreibung mit den Worten: „Ein Knall. Nacht.“
Anschließend lässt Samuel einen Blick in sein bisheriges Leben zu. Sein Name, so erklärt er, stammt aus dem Alten Testament und bedeutet so viel wie „Von Gott erbeten“. Er schildert den Zusammenhalt seiner Familie und spricht ganz offen über seine Beziehung zu Gott. Er erzählt von seinen ersten Erfahrungen mit ihm und wie er so oft mit seinem Patenonkel über den Schöpfer diskutiert hat.
Seine kurze Karriere bei der Bundeswehr und seine Anfänge als Schauspielstudent beschreibt er ebenfalls, auch Weggefährten kommen immer wieder zu Wort.
Unaufhaltsam rückt dann aber das Thema Wette ausführlich in den Vordergrund. Es begann eigentlich etwas mysteriös, aber im Sommer 2010 hatte Samuel dann selbst den ersten persönlichen Kontakt mit der Redaktion von „Wetten, dass . . .?“ Bis zu diesem Zeitpunkt schlugen in Samuels Herz ein Turner- und ein Schauspielerherz. Nach gewonnener Wette wollte Samuel das Turnen an den legendären Nagel hängen. Aber bekanntlich verlor er seine Wette. Der Leser erfährt was geschah, nachdem Thomas Gottschalk die größte und erfolgreichste TV-Show Europas vorzeitig beendete.
Der Showmaster hat in seinem Vorwort in diesem Buch geschrieben, dass er die Tage nach Samuels Unfall wie in Trance erlebt hat und er erklärt: „Sobald aber feststand, dass es für Samuel kein schnelles Happy End geben würde, wurde auch mir bewusst, dass ich nie mehr den gleichen Spaß mit der Show haben würde wie zuvor.“
Beim Lesen war ich oft erstaunt über den Charme und den Humor, den ich bei Samuel Koch trotz allem zu spüren bekomme. Weinen und Lachen liegen in diesen 202 Seiten und auch beim betrachten der zahlreichen Fotos sehr eng beieinander.
Samuel Koch legt zusammen mit seinem Co-Autor ein Buch vor, dass in aller Grausamkeit zeigt, wie sehr sich sein Leben in sekundenschnelle völlig verändert hat. Dabei hatte er noch Glück. Seine Familie, seine Freunde und der liebe Gott lassen für ihn Hoffnung und Zukunft sichtbar werden!

adeo, ISBN 978-3-942-20853-6, Preis 17,99 Euro

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Jürgen Domian: Interview mit dem Tod

Die beliebte Institution Jürgen Domian hat ein sehr bewegendes Buch über Tod und Abschied vorgelegt. Was ist wenn der Tod plötzlich so nah ist, wir ihn aber nicht greifen können, weil er in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema ist?
Erstaunlich offen beschreibt der Autor seinen Weg vom fanatischen Christen zum, ja zu was, zum Christsein ohne die Institution Kirche dabei zu benötigen? Ist das vielleicht auch der Grund seiner ungeheueren Beliebtheit? Da hätte ich mir ein wenig mehr an Ausführlichkeit gewünscht.
Sein jetzt erschienenes Buch macht für mich sehr deutlich, dass es bei uns Menschen das dringende Bedürfnis gibt über Tod und andere wichtige existenzielle Fragen nachzudenken und zu reden, es aber die Institution Kirche nicht schafft solche Gesprächsangebote lebensnah zu unterbreiten. Bei der Institution Jürgen Domian kann man über all diese Themen reden, die Massen bestürmen ihn und sein Buch – welch eine Peinlichkeit für die Institution Kirche. Das Buch hat es  innerhalb weniger Tage auf allerhöchste Plätze aller Bestsellerlisten geschafft, dies allein macht deutlich wie wichtig vielen Menschen das besprochene Thema ist und wie wenig Möglichkeiten bestehen über solche Tabuthemen zu reden.
Lediglich ein Kritikpunkt sei mir gestattet. Jürgen Domian spricht sich in seinem Buch für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe aus, dies halte ich nicht für richtig. Sein Buch allerdings ist sehr zu empfehlen!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06574-8, Preis 16, 99 Euro

Jürgen Domian hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Jürgen Domian, Sie sagen selbst von sich Sie seien einmal ein fanatischer Christ gewesen. Was ist das? Und was sind Sie heute für ein Christ?

 Ich glaubte damals im Besitz der endgültigen christlichen Wahrheit zu sein. Christliche Sichtweisen, die von meiner abwichen, tolerierte ich nicht. Zudem wollte ich ständig andere bekehren. Heute bin ich kein Christ mehr. Der Zen-Buddhismus steht mir sehr nahe, allerdings auch christliche Mystiker wie Meister Eckhart, Johannes vom Kreuz oder Teresa von Avila.

Was glauben Sie, warum rufen tausende Menschen gerade Sie an und gehen nicht zum Seelsorger? Was haben Sie, was dem Seelsorger fehlt?

Im Laufe der Jahre bin ich den Zuschauern wohl so etwas wie ein medialer Freund geworden. Sie kennen mich, sie können mich einschätzen und wissen, wie sie bei uns behandelt werden. Das senkt enorm die Hemmschwelle, sich zu äußern.

In Ihrem Buch ist der Tod das große Thema. Niemand kommt an diesem Thema vorbei, warum ist der Tod in unserer aufgeklärten Welt noch immer ein Tabuthema?

Wir leben in einem durch und durch narzisstischen Zeitalter. Es geht nur um Äußerlichkeiten, um Spaß, Glanz und um Selbstentfaltung um jeden Preis. Da stört der Tod enorm. Man verdrängt ihn und tut alles, Gedanken an die Endlichkeit aus dem Bewusstsein zu verbannen.

Wenn ein Todkranker ängstlich zu Ihnen kommt, wie nehmen Sie ihm seine Angst?

Jürgen Domian (Foto: Annika Fußwinkel)

Das kann ich nicht. Aber ich höre zunächst zu und lasse ihn ausführlich sprechen. Ich glaube, damit ist schon viel getan. Viele Menschen, die in großen Ängsten sind, egal aus welchen Gründen, sind oft einsam. Zuwendung und Mitgefühl wirken oft Wunder.

In Ihrem Buch habe ich mit Schrecken gelesen, dass Sie für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe eintreten, was antworten Sie mir wenn ich mit meiner Meinung dagegen halte, dem lieben Gott sollte niemand ins Handwerk pfuschen?

Wenn Sie es für sich so sehen, dann sage ich überhaupt nichts dagegen. Ich respektiere Ihre Sichtweise. Ebenso wünsche ich mir, dass Sie meine Sichtweise und meinen Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben und einem selbstbestimmten Tod respektieren.

Wir wünschen Ihnen ein langes Leben. Aber wenn eines Tages die Stunde kommt und Sie haben noch eine Stunde bis zu Ihrem Tod, was machen sie in dieser Stunde?

 Nichts.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

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Mit Titus Müller auf Glückssuche gehen

Mit Titus Müller auf Glückssuche gehen ist in diesem Falle sehr wörtlich gemeint. Unser Gast bei buecheraendernleben ruft dazu auf Kurzgeschichten zu schreiben in denen Du von Deinem Glück erzählst, aber dazu später mehr.

Zunächst möchte ich Euch das neue Buch von Titus Müller vorstellen: „Glück hat tausend Farben“

In 22 zum Teil sehr kurzen Geschichten aus seinem Lebensalltag berichtet uns Titus Müller wie er sich auf die Suche des Glücks begibt. Da ist viel zu Lesen von unserem Leben, in dem die Zeit immer knapper wird und das Glück bereits ganz verschwunden zu sein scheint.
Aber der Autor bleibt nicht beim Wehklagen stehen. Vielmehr zeigt er, wie Veränderungen auch sein Leben beeinflussen. Er macht aber auch deutlich, dass das Glück sich nicht so ohne weiteres zu uns verirren wird. Wir Menschen müssen dem Glück eine Chance geben und genau dies ist der Kern des Buches. Was es alles braucht, damit das Glück nicht weiter einen Bogen um uns macht sollten wir dieses Buch lesen.
Bewusster den Moment leben, auch mal den Mut aufbringen Nein zu sagen sind nur erste Schritte in Richtung Glück haben.
Titus Müller übernimmt die Führung in diesem Buch. Sehr offen erzählt er wie es in seinem Leben zugeht. Mir hat dieses Buch sehr gefallen, weil aus jeder Zeile Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit des Autors am Thema sichtbar werden. Versucht man der Lebenseinstellung des Autors zu folgen,wird man sehr schnell feststellen, „Glück hat tausend Farben“, man muss nur lernen genau hinzusehen.

adeo, ISBN 978-3-942-20857-4, Preis 9,99 Euro

Glücksexperte Titus Müller hat buecheraendernleben folgende Fragen beantwortet:

Lieber Titus, „Glück hat tausend Farben“ behauptest Du. Meine spontane Frage dazu, sind wir deshalb so oft unfähig es zu sehen?

Ich glaube, es passiert leicht, dass wir uns auf eine Farbe festlegen und die anderen vergessen, weil wir so versessen auf die eine sind. Wir träumen von einer großen Reise, einem Auto oder beruflichem Erfolg, und übersehen dabei monate- oder sogar jahrelang die vielen kleinen Freuden des Alltags. Weil wir die eine Sache nicht kriegen, fühlen wir uns benachteiligt, haben den Eindruck, wir werden übergangen. Dabei gibt es jeden Tag Erlebnisse, jeden Tag kleine Wunder, die uns glücklich machen könnten.

Titus Müller

 

Was Du da in Deinem sehr persönlichen Buch alles von Dir gibst, sind da sehr viele literarische Freiheiten dabei? Warum lässt Du uns so weit in Dein Privatreich hineinschauen?

Alles, was ich im Buch erzähle, ist wirklich passiert. Warum ich so viel Privatleben preisgebe? Ich mag Gespräche, wo es auch um Persönliches geht. Selbstverständlich frage ich Lena immer, ob es ihr recht ist, wenn ich das erzähle.

Du kennst Dich aus in der weiten Welt, ist es richtig was man so über uns sagt: Haben wir Deutsche ein Problem mit dem Glück und warum ist das so?

Wir Deutschen haben das Leistungsprinzip verinnerlicht. Wir wollen uns alles verdienen, auch unser Lebensglück. So funktioniert die Welt für uns. Wenn Lena mich besonders herzlich umarmt oder küsst, dann frage ich gleich: „Wie habe ich das jetzt verdient?“ Dabei geht das am Kern der Liebe völlig vorbei. Und es verleitet dazu, sauer zu werden, wenn ich das Gefühl habe, andere, die weniger getan haben, sind gerade glücklicher als ich. Dieses Vergleichen von Leben, die ich kaum kenne, mit meinem — das tut mir nicht gut. Glücklicher bin ich, wenn ich bei mir selbst das Alltagsglück wahrnehme, und auch lerne, mich beschenken zu lassen.

Dein Buch ist so etwas wie eine Anleitung um das eigene Glück zu finden. Du lässt Deine Leser in Dein Leben schauen und zeigst Ihnen wo Du Glück erlebt hast. Wie bist Du auf dieses Thema gekommen?

Ich schreibe so ein Buch vor allem für mich selbst. Es macht mich ruhiger, aufmerksamer.

Lang und breit das Thema Glück zu zerreden bringt vielleicht nicht so viel. Du selbst schreibst: „Heute fange ich an. Ich will versuchen, den einzelnen Tag zu lieben. Den Mittwoch, den Donnerstag. Das ist mein Leben. Zu viele Tage sind mir schon im tosenden, hektischen Meer ersoffen.“

Mir kommt da eine Idee. Wollen wir unsere Leser aufrufen hier ihre Geschichte zu posten in der sie ganz unverhofft dem Glück gegenüberstanden? Und wenn uns hier schöne Glücksgeschichten erreichen, dann suchen wir die drei schönsten aus und die bekommen von Dir ein signiertes Glücksbuch?

Das können wir gerne machen! Bin gespannt auf die Geschichten. Bitte schreibt dazu, ob ich eure Geschichte eventuell in einem Buch wiedergeben darf, mit oder ohne euren Namen, das könnt ihr euch aussuchen.

Titus Müller hat das Glück gefunden

Na liebe Leser ist das ein Angebot? Bis zum 7. Mai  2012 läuft unser Wettbewerb, dann wird nachgeschaut was Ihr uns für Glücksgeschichten geschickt habt. Titus Müller und natürlich auch buecheraendernleben sind sehr gespannt, also ran an die Tastatur!

 

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