Kallnbach / Matthies (Hrsg.): Bedrängt, verfolgt, getötet

Es gibt Stimmen die behaupten, dass wir derzeit die weltweit größte Christenverfolgung erleben. Dieses Thema steht zumindest im deutschen Medienalltag nicht oft auf der Tagesordnung.
In diesem Buch nun berichten die Autoren von Christenverfolgungen in allen Herren Länder. Bischof Damian beispielsweise berichtet über die Lage der koptischen Christen in Ägypten. Was er berichtet hört sich schrecklich an, aber er gibt uns Deutschen Tipps wie wir den Kopten in seinem Land gleich in mehrfacher Weise helfen können. So gibt es zwar zwischen katholischen und evangelischen Christen in beiden Ländern Verbindungen, doch leider fallen die Kopten bei solchen partnerschaftlichen Beziehungen fast immer hinten runter. Genau an dieser Stelle fordert der Bischof mehr Engagement.
Andere Autoren berichten von den Christen in der Türkei, Pakistan, Nordkorea und Afghanistan.
Besonders aufmerksam habe ich auch die äußerst interessante Eröffnungsrede von Volker Kauder auf dem Kongress „Christenverfolgung heute – Gedenket der Märtyrer“ vom Oktober 2011 im christlichen Gästezentrum Schönblick gelesen. Kauder bekennt sich eindeutig zu diesem Thema und weist darauf hin, dass sich Politik und auch Kirchen erst sehr spät diesem Thema zugewendet haben. Und auch hier in dieser Rede wird ein ganz deutlicher Bezug zu uns Christen in Deutschland hergestellt.
So beschreibt Kauder Bestrebungen innerhalb unserer Gesellschaft die darauf hinauslaufen alles Religiöse ins private, in die eigenen vier Wände sozusagen abzudrängen. Dieser Entwicklung stellt sich Volker Kauder erfreulicherweise eindeutig in den Weg.
Dieses Buch berichtet vom gefährlichen Leben der Christen in vielen Ländern der Welt. Besonders interessant wird es, weil desöfteren auch wir in Wohlstand und Sicherheit lebenden Christen in Europa angesprochen werden.

Brunnen, ISBN 978-3-765-51498-2, Preis 12, 99 Euro

Der Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea http://www.idea.de/nachrichten.html Helmut Matthies gab uns als Mitherausgeber dieses Buches folgendes Interview:

Lieber Herr Matthies, warum werden gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt Christen in aller Welt verfolgt wie nie zuvor?

In vielen Regionen besonders Asiens und Afrikas haben sich radikale islamische, hinduistische und buddhistische (hier vor allem in Nepal) Strömungen gebildet. Im Iran beispielsweise, in dem es früher religiös relativ liberal zuging, hat erst seit der Islamischen Revolution 1979 eine starke Christenverfolgung eingesetzt. Teilweise ist die antichristliche Stimmung auch darauf zurückzuführen, dass besonders in Indien oder eben auch im Iran immer mehr Hindus bzw. Moslems Christen werden. Auch in einigen kommunistischen Staaten wie China, Laos und Vietnam werden Funktionäre nervös, wenn sie erleben, dass Christen große Sympathie entgegengebracht wird. 

Warum sind Christen heute so gefährlich?

Christen sind nur dann gefährlich, wenn sie auch nach außen hin alternativ leben. Das heißt: Sie sind ehrlich und lehnen Korruption ab; sie trinken keinen Alkohol in einer Welt, wo dessen Konsum üblich ist; sie bemühen sich gerade auch um Menschen, die keine Lobby haben (von ungeborenen Kindern über Aids-Kranke bis hin zu Behinderten). In der DDR haben beispielsweise Christen dadurch beeindruckt, dass sie sich besonders geistig Behinderter angenommen haben, mit denen man im Sozialismus nicht viel anfangen konnte.

Wie kam es eigentlich zum vorliegenden Buch und warum erscheint es gerade jetzt?

Seit es idea gibt ­ seit 1970 ­ liegt ein Schwerpunkt auf Meldungen und Berichten über diskriminierte Christen. Bereits in den 80er Jahren haben wir jeweils einen „Gefangenen des Monats“ benannt und zum Gebet für ihn aufgerufen. Seit 2000 geschieht dies in Zusammenarbeit mit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main. 2009 haben wir dann erstmals in Zusammenarbeit mit dem Christlichen Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd einen Kongress über „Christenverfolgung heute: Gedenket der Märtyrer“ durchgeführt. Unser Ziel war, möglichst alle Organisationen, die sich diesem Thema widmen, zusammenzuführen, damit die Hilfe für die bedrängten Christen effektiver gestaltet werden kann. Damals hatten wir zehn Partner und 200 Teilnehmer. Beim 2. Kongress im Oktober letzten Jahres waren es dann bereits 20 und über 400 Gäste. Dabei wurde dann von vielen Mitwirkenden der Wunsch geäußert, die wichtigsten Vorträge in einem Buch zusammenzufassen. Das ist dann mit Hilfe des Brunnen-Verlages möglich geworden. Im Herbst 2013 soll ein dritter Kongress stattfinden.

In einigen Beiträgen im Buch und ganz besonders auch in der abgedruckten Rede von Volker Kauder werden auch wir Christen hier im sicheren Europa angesprochen. Während wir uns gern zurücklehnen und sagen: „Wir können ja nichts ändern“, wird im Buch sehr deutlich, dass wir Christen in Deutschland sehr wohl aktiv werden können. Erklären Sie unseren Lesern bitte, wie dies geschehen kann.

Hier sehe ich vier Möglichkeiten:

1. Das Gebet. Wir wissen, dass Gott Gebete erhört und damit das bestätigt, was in der Bibel verheißen ist. Deshalb sollte die Fürbitte für verfolgte Christen jeden Sonntag in jedem Gottesdienst erfolgen und in der täglichen Gebetszeit eines jeden Christen.

2. Es hilft, wenn man sich an die Botschaften bzw. Regierungen der Staaten wendet, die Christen bedrängen, sie mit konkreten Fällen konfrontiert und darum bittet, Christen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Das heißt, sie freizulassen. Wir haben mit dem „Gefangenen des Monats“, der alle vier Wochen in idea von der Evangelischen Nachrichtenagentur idea veröffentlicht wird, sehr positive Erfahrungen. Von den über 120 Gefangenen, die wir seit 2000 benannt haben, sind etwa 20 vorzeitig freigekommen.

3. Da, wo es ohne große Gefahr möglich ist, sollte man versuchen, gefangene Christen oder ihre Angehörigen zu besuchen. Das signalisier den Verantwortlichen: Wie wir gefangene Christen behandeln, wird beobachtet. Hier sind manche Hilfsorganisationen bereit, Kontakte zu vermitteln und Übersetzer zu stellen.

4. Jeder Christ sollte auch überlegen, ob er nicht im Rahmen seiner Spenden Werke berücksichtigen sollte, die sich aktiv und vor Ort um verfolgte Christen bemühen. Nicht die Werke sind dabei am besten, die die größte Öffentlichkeitsarbeit und Spendenwerbung betreiben, sondern die, die die meisten Spenden auch tatsächlich für gefangene Christen und ihre Angehörigen einsetzen.

Volker Kauder setzt auch unser Bekenntnis des Christseins im Alltag neu auf die Tagesordnung. Glauben Sie, dass ein starkes Christentum in Deutschland Einfluß auf die Christenverfolgung in muslimisch geprägten Ländern hat?

Nach Hermann Gröhe, der als einer der ersten Bundestagsabgeordneten überhaupt das Thema Christenverfolgung im Bundestag thematisierte, ist jetzt der prominenteste Politiker, der sich hier mit großem Erfolg engagiert, Volker Kauder. Er ist sogar in einzelne Staaten, in denen Christen diskriminiert werden, gereist und hat bei den Regierungen vorgesprochen. Wenn sich der zweitwichtigste Mann in der führenden Regierungspartei für verfolgte Christen einsetzt, hat das eine nicht zu unterschätzende Wirkung. Je stärker solche Politiker von Christen, Gemeinden und Kirchen in Deutschland unterstützt werden, umso besser. Und natürlich gilt auch: Je glaub-würdiger Christen in Deutschland wirken, um so positiver ist ihr Einfluss auf muslimische Staaten.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

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