Gregor Taxacher: Apokalypse ist jetzt

Viele Verlage bringen in diesem Jahr Bücher zum bevorstehenden, zumindest angekündigten, Weltuntergang. Da hebt sich dieses von Gregor Taxacher sehr positiv ab. Er wartet nicht auf den bevorstehenden Weltuntergang im Dezember 2012, er erstaunt mich vielmehr mit seiner Aussage „Apokalypse ist jetzt“.
Für mich viel Bekanntes aber auch Unbekanntes trägt er zusammen um genau zu begründen wie sich die Menschheit immer mehr an den Abgrund bringt. Da ist es beinah ganz gleich auf welches Gebiet er schaut. Ob nun Natur und Umwelt oder unser globales Wirtschaftsgehabe nach immer mehr und immer besser, nach immer reicher . . . Beim Lesen wird schnell klar, die Apokalypse ist längst da.
Sehr interessant wird das Buch an der Stelle, an der der Theologe zu fragen beginnt, was sagt eigentlich die Theologie zu diesem Thema in der Gegenwart? Der Autor schaut genau hin, vermisst sehr oft deutliche Standpunkte der Kirche und wirft ihr vor sich nicht auf ihre Möglichkeiten zu besinnen.
Gut auch, der Autor lässt mich am Ende seines Werkes nicht ratlos zurück, er zeigt mir deutlich meine Möglichkeiten dem Strom der Zeit zu entkommen. Er zeigt, dass der Satz: Ich allein kann ja doch nichts tun! so nicht stimmt.
Dieses Buch habe ich mit großem Gewinn gelesen und vor allem auch gelernt, dass Apokalypse nichts mit Weltuntergang zu tun hat, sondern Offenbarung heißt.
Sehr empfehlenswert!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08140-3, Preis 19,99 Euro

Der Autor gab buecheraendernleben nun folgendes Interview:

Lieber Gregor Taxacher, während viele Menschen auf den für Dezember angekündigten Weltuntergang warten, sagen Sie, die „Apokalypse ist  jetzt“. Wie kommen Sie zu dieser Überzeugung?

Die Apokalypse ist permanent, seit die Menschheit sich selbst zerstören kann, in die Luft sprengen oder ihre Lebensgrundlagen zerstören. Das griechische Wort Apokalypse heißt ja eigentlich gar nicht Untergang, sondern Offenbarung. Die wahre Situation der Menschheit ist schon eine ganze Zeit lang offenbar. Deshalb ist Apokalypse kein Datum in der Zukunft, über das man spekulieren müsste, sondern unsere Situation in der Gegenwart. 

In geballter Form haben Sie in Ihrem Buch Fakten zusammengetragen die uns zeigen, dass die Erde in ihrer bislang schwersten Krise steckt. Auf  dem Cover Ihres Buches lese ich: „Von Schweigen der Theologie im Angesicht der Endzeit“.  Was kann die Theologie da heute noch helfen?

Wenn die christliche Theologie in ihren Grundlagentexten, der Bibel also, aber auch der frühchristlichen Tradition, die Rede vom drohenden Untergang der Menschheit oder modern gesprochen: von einem Zivilisationsbruch, stehen hat, seit Jahrtausenden, dann ist es doch merkwürdig, dass sie diese Quelen nicht anzapft, sobald die Welt draußen genau so etwas befürchtet. Die Theologie überlässt das rechten evangelikalen oder fundamentalistischen Gruppen, die apokalyptische Traditionen auf ihre Weise nutzen. Das ist natürlich nicht, was ich will. Aber diese Quellen waren ursprünglich eine prophetische Gesellschaftskritik durchaus auf der Höhe der Zeit. Daran gilt es anzuknüpfen.nDie Theologie ist heute weitgehend irrelevant, weil sie auf die wirklichen Ängste und Ausweglosigkeiten der Menschen kaum eingeht. Aber wer sollte den fast ausweglosen Aporien unserer Zivilisation ohne Verzweiflung ins Auge blicken können, wenn nicht diejenigen, die behaupten, an Gott zu glauben?  

Hat die Theologie die Zeit verpennt?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Es gibt ja prophetische, politische Theologie, es gibt Befreiungstheologie und Theologen, die sich mit der ökologischen Krise auseinandersetzen. Aber der Mainstream der Theologie ist – jedenfalls hierzulande – eingesponnen in seine eigenen akademischen Begründungsprobleme. Die Theologie redet viel zu sehr nur noch zu sich selbst und wird deshalb auch nur noch von Theologen verstanden. Wir machen in der Theologie viel zu wenig die Probleme der Zeit wirklich zu theologischen Themen – und nicht nur zur Illustration von theologischen Aussagen, die anscheinend zeitlos sowieso schon feststehen.  

Sie bringen uralte biblische Zitate die plötzlich so aktuell  klingen als wären es Ausschnitte aus einer Rede der Opposition im deutschen Bundestag: „Die Reichen prassen und unterdrücken die Armen – so wird der Krieg ihren Reichtum zerstören und sie demütigen.“ (Amos). Das Thema ist gut benannt, warum höre ich die Vertreter der Theologie heute in gesellschaftspolitischen Diskussionen so selten?

Dr. theol. Gregor Taxacher

Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die gesellschaftliche Diskussion nicht auf Theologen hört, weil nur noch eine Minderheit sich mit einer Kirche oder dem Christentum oder dem biblischen Glauben identifiziert. Es gibt ja durchaus einzelne Theologen, die aufrüttelndes und erhellendes zu sozialen und gesellschaftlichen Fragen zu sagen haben. Die theologisch qualifiziert unser Wirtschaftssystem kritisieren oder die Wurzeln der ökologischen Krise auch in der Religion untersuchen. Aber auch hier gilt: Gerade der universitären Theologie fällt es nach meinem Eindruck schwer, über ihre akademische Welt hinauszudenken. 

Zurecht sagen Sie über uns Christen, dass wir mitgemacht haben,  dass wir jetzt nicht weglaufen können vor der Apokalypse, aber sie rufen dazu auf „den Aufstand gegen die Verhältnisse zu proben.“ Sind Sie etwa ein Revolutionär? Wie soll dieser Aufstand ganz konkret aussehen?

Ich bin kein Revolutionär, sondern nur ein Bücherschreiber. Der Aufstand gegen die Verhältnisse ist deshalb so schwer, weil wir diese Verhältnisse ja alle mitbestimmen, in ihnen mitschwimmen. Da ist schon Verweigerung ein Beginn des Widerstands. Dieser Aufstand beginnt also überall, wo sich Einzelne, Familien, Gruppen dem Wachstumszwang verweigern, nicht immer mehr haben, verbauchen, konsumieren müssen. Wenn sie für sich Glück und Lebenssinn anders definieren als ein persönliches Bruttosozialprodukt. Wo sie sich fragen, welche Auswirkungen ihr persönliches Verhalten auf politische, ökonomische, ökologische Zusammenhänge hat. Und dann als Christen gedacht: was würde passieren, wenn sich die Kirchengemeinden und auch die Kirchen als Institutionen solche Fragen wirklich stellen würden – und Konsequenzen zögen? Beim Einkauf, bei der Geldanlage, natürlich auch durch gesellschaftliches Engagement, direkten Protest, politisches Handeln. Die Kirchen bringen immer noch Sonntag für Sonntag mehr Menschen auf die Beine als die Fußballbundesliga. Es soll also keiner sagen, dass die Glaubenden ohnmächtig seien. Es ist nur die Frage, ob wir solche Konsequenzen aus unserem Glauben ziehen. Und dazu will mein Buch einen Anstoß geben.  

Ist die Apokalxpse wirklich unumkehrbar?

Unumkehrbar ist unsere apokalyptische Situation: Die Menschheit ist für sich selbst verantwortlich, hat sich selbst in der Hand. Das lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Und das muss auf Dauer die Maximen unseres Handelns bestimmen, wie Kant sagen würde. Lernen wir das nicht, dann ist auch die tatsächliche Apokalypse unserer Zivilisation wohl kaum mehr abzuwenden. Es gibt gute, in meinem Buch zitierte Gründe, da für die kommende Zeit recht pessimistisch zu sein. Aber ich bin kein Wahrsager.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

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