Thomas Weißenborn: Apostel, Lehrer und Propheten

Normalerweise werden an dieser Stelle Bücher vorgestellt, die ich mir ganz allein aussuche. Anders bei diesem Buch. Ein junger Mann aus Gießen schickte mir eine Mail in der er schrieb: „Diese Einführung in das Neue Testament gehört unbedingt auf ihre Seite. Wenn man das Buch gelesen hat, weiß man endlich etwas von dem was damals geschah.“

Erst war ich skeptisch. Einführungen in das Neue Testament gibt es unzählige. Mindestens die Hälfte davon kann ich als Nichttheologe überhaupt nicht lesen, weil ich sie nicht verstehe. Dieses Buch von Thomas Weißenborn allerdings macht da eine Ausnahme. Es scheint für Leute geschrieben, die die Bibel als Buch des Lebens und der Wahrheit ansehen und nicht zu sehr als wissenschaftlichen Stoff. Ohne die alten Sprachen zu beherrschen kann sich jedermann getrost an dieses Buch herantrauen und wird ganz sicher überrascht sein wie es dem Autor gelingt eine Welt zu beschreiben in der Politik, Religion und das Miteinander der Menschen der damaligen Zeit ineinandergreifen.

Plötzlich entdeckt der Leser bei Thomas Weißenborn, soweit liegt die biblische Zeit nun auch nicht zurück. Menschliche Verhaltensweisen, politische Intrigen und vieles andere schaffen genügend Verbindungen in die Gegenwart. Ein spannendes Buch!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-86827-323-6, Preis 24, 95 Euro

Thomas Weißenborn gab buecheraendernleben nun folgendes Interview:

Lieber Herr Weißenborn, es gibt unzählige Einführungen und Kommentare zum NT warum haben Sie eine weitere geschrieben?

Das ist wahr, es gibt tatsächlich unzählige Einleitungen ins NT, allerdings sind sie sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite gibt es viele wissenschaftliche Einleitungen, die oft nicht nur sehr kritisch an die Schriften des NT herangehen, sondern manchmal auch schlichtweg sehr schwer zu lesen sind. Auf der anderen Seite finden sich einige „fromme“ Einleitungen, die leider manchmal etwas blauäugig wirken und sich nicht mit den neuesten Erkenntnissen und Anfragen der universitären Einleitungswissenschaft beschäftigen. Mein Buch soll diese Lücke schließen: Ich möchte auf der einen Seite soweit wie möglich in die gesamte Bandbreite der Diskussion einführen, damit sich die Leser selbst ihr Bild machen können, das aber so, dass man es als interessierter Nichttheologe immer noch gut verstehen kann.

Thomas Weißenborn

Für wen haben Sie Ihr Buch geschrieben?

Wie ich schon angedeutet habe, sind meine Zielgruppe alle, die sich für die Thematik interessieren. Das sind natürlich Theologen und Theologiestudenten wie die, die ich am Bibelseminar unterrichte, darüber hinaus aber auch alle anderen, die sich mit der Thematik beschäftigen, also zum Beispiel Christen, die im Hauskreis ein Buch des NT lesen und sich über seinen Hintergrund informieren möchten. Denen möchte ich so etwas wie einen „barrierefreien Zugang“ eröffnen, also kein Fachchinesisch, keine unübersetzten griechischen Texte oder ähnliches. Wichtig war mir auch, dass man jedes Argument nachvollziehen kann, ohne ein anderes Buch zu Hilfe zu nehmen. Das gilt sowohl für die Argumente, denen ich zustimme, wie auch für die, mit denen ich mich kritisch auseinandersetze. Ich möchte den Lesern helfen, sich nicht nur selbst ein Bild zu machen, sondern sich auch bei umstrittenen Themen selbst eine Meinung zu bilden.

Was mir an Ihrem Buch sehr gefällt, Sie beschreiben Personen und Alltag zu biblischen Zeiten und dies so, dass jeder interessierte Laie Sie sehr gut verstehen kann. Wie wird Ihr Buch von Wissenschaftlern und Universitäten kommentiert?

Das wüsste ich auch gern. Leider habe ich von dieser Seite noch kein Feedback bekommen. Das liegt sicher auch daran, dass der Verlag, in dem es erschienen ist, nicht zu den „klassischen Universitätsverlagen“ gehört. Insofern wird mein Buch vermutlich an den Universitäten kaum wahrgenommen. Aus dem Bereich der    seminaristischen theologischen Ausbildung habe ich dagegen nur positives Feedback bekommen.

Meines Erachtens leidet die moderne Theologie immer mehr an ihrer Verwissenschaftlichung, die breite Basis der Gläubigen geht verloren, weil sie oftmals dem alltagsfremden Geschwätz über den lieben Gott nicht mehr folgen kann, sehen Sie dies auch so oder ist meine Sichtweise falsch?

Ich würde Ihnen da zustimmen, denke aber, dass dieses Statement ergänzungsbedürftig ist. Sicher leidet die moderne Theologie an Verwissenschaftlichung – aber da geht es ihr kaum anders als anderen Wissenschaften. Wer weiß schon über die neuesten Erkenntnisse im Bereich der Pädagogik, Psychologie, Philosophie oder Historischen Wissenschaft Bescheid, wenn er nicht vom Fach ist? Genauso geht es uns doch auch mit den Naturwissenschaften. Die Materie ist nun einmal sehr komplex, weswegen es leicht ist, sich in Details zu verlieren, die für Außenstehende kaum von Bedeutung sind. Was mir allerdings viel größere Sorgen macht, ist das theologische Desinteresse, das ich oft bei ganz normalen Christen beobachte. Selbst Pastoren fragen eher nach Methoden und anderen pragmatischen    Dingen im Bereich des Gemeindeaufbaus, während theologische Fragen als langweilig abgetan werden. Ich hatte gerade vor kurzem ein Gespräch mit einem Mann, der eine Gemeinde gründen wollte. Für alles hat er sich Fachleute gesucht – Musik, Finanzen, Organisation – aber auf meine Frage, ob er auch einen Theologen an der Hand hat, kam nur ein Achselzucken. Früher dachte man, Theologen könnten alles andere nebenbei miterledigen, heute scheint es genau umgekehrt zu sein. Diese Entwicklung tut uns jedoch als Christen nicht gut, weil damit unser Glaube schleichend verflacht.

Sie selbst sind Theologischer Leiter am Marburger Bildungs – und Studienzentrum und lehren unter anderem NT und Homiletik, wer sind ihre Schüler und warum gehen sie nicht an eine Universität? Das Marburger Bildungs- und Studienzentrum besteht aus drei Bereichen: dem mbs Bibelseminar, einer Fachschule für Gemeinde – und Sozialpädagogik, dem mbs Studienprogramm, an dem man in Zusammenarbeit mit der Universität von Südafrika (UNISA) einen Master erwerben kann, und der mbs Akademie, unseren Fort – und Weiterbildungsprogrammen. Ich arbeite vor allem am Bibelseminar, wo junge Menschen zu    ErzieherInnen und GemeindepädagogInnen ausgebildet werden. Daneben unterrichte ich in einem Modul unseres Studienprogramms. Mich reizt bei beidem die enge Verbindung von Theorie und Praxis. Weil das Bibelseminar eine Fachschule ist, müssen wir immer für die Praxis ausbilden und können uns ein akademisches Elfenbeinturmdenken gar nicht erlauben, weil wir in so einem Fall sofort von irgendeinem Studierenden gefragt werden: „Wozu braucht man das denn in der    Praxis?“ Das ist letztlich auch der Grund, warum ich nie eine Karriere an der Uni angestrebt habe. Ich möchte, dass meine Theologie immer  „geerdet“ bleibt – selbst wenn ich vom Himmel rede.

Thomas Weißenborn

 

Ihr Buch scheint mir für die breite interessierte Masse der Gläubigen geschrieben zu sein, überschauen Sie ob die Zahl der Neugierigen in letzter Zeit eher wächst oder stagniert?

Das ist eine gute Frage, die ich leider noch nicht beantworten kann. In der ersten Auflage war das Buch ja nur als dreibändiges Werk erhältlich, was es insgesamt ziemlich teuer gemacht hat. In der zweiten Auflage ist es nun nicht nur einbändig und gebunden, sondern auch rund €20 günstiger zu haben. Ich hoffe, dass das die „Apostel, Lehrer und Propheten“ für breitere Käuferschichten attraktiver macht. Ich konnte mich zwar bisher nicht beklagen, doch von einem Bestseller ist es trotzdem weit entfernt. Aber ich habe es ja auch nicht geschrieben, um mich dann mit dem Gewinn aufs Altenteil zurückzuziehen…

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

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