Probst / Kusch (Hrsg.): Wege zum Heiligen

Sehr bunt gemischt ist die Autorenriege die sich in diesem Buch zusammengefunden hat um ihre ganz persönlichen Gedanken mit den Pilgerpsalmen aufzuschreiben. Christliche und jüdische Autoren zeigen sehr deutlich wie lebensnah und aktuell gerade diese Psalmen auch heute noch sind. In ihnen stecken so viele menschliche Erfahrungen, dass der Beter heute nicht einfach nur zum Nachbeter wird, sondern er wird sich selbst in diesen Psalmen finden und Gott näher kommen.

Brendow Verlag, ISBN 978-3-86506-377-9, Preis 14,99 Euro

Zu diesem Buch gibt es auch eine CD, denn Psalmen wurden schon immer auch gesungen, warum also nicht auch heute: http://www.ways-music.de/songs.html

Christoph Zehendner als Mitautor und Christian Probst als Herausgeber gaben buecheraendernleben nun dieses Interview:

„Wege zum Heiligen“ ist eine Sammlung von 15 Pilgerpsalmen. Die Autoren kommentieren mit sehr persönlichen Worten und Ansichten jeweils einen Psalm. Warum sind Psalmen heute wieder in Mode gekommen?

Christoph Zehendner: Psalmen sind seit 3000 Jahren „modern“, ungewöhnlich, innovativ, herausfordernd. Ich habe das vor ein paar Jahrzehnten entdeckt, als mich ein Satz aus einem Psalm umgehauen hat: „Ich denke an Gott und bin betrübt!“ (Psalm 77,4). So was hatte ich in all den frommen Gebetsrunden und vorgestanzten Formulierungen nicht gehört. Ich habe dann angefangen, mich mit den Psalmen zu beschäftigen, insgesamt sind dabei schon drei Alben entstanden (z.B. Beziehungen – Fenster in die Welt der Psalmen, gemeinsam mit meinem Freund Manfred Staiger). Als ich jetzt eingeladen wurde, mich für dieses Projekt mit einem Pilgerspsalm zu beschäftigen, war ich sofort gerne dabei, denn gerade bei meinen Aufenthalten in Israel ist mir diese Gruppe von Psalmen immer näher gekommen.

Christian Probst: Psalmen und Mode? Das passt für mich gar nicht zusammen. Gut, ich muss gestehen das knallige Grün vom Buchumschlag könnte auch zu den knalligen Farben dieses Sommers passen. Aber die Texte der Psalmen sind einfach so zeitlos, dass sie es gar nicht nötig haben, beliebt zu sein oder in Mode zu kommen. Gerade die fünfzehn Pilgerpsalmen sprechen in einfachen und deutlichen Worten Themen an, die so vielschichtig sind, wie das Leben selbst. Darum fällt es auch den Autoren nicht schwer, diese Texte in ihrem Leben sprechen zu lassen.

Christian Probst

Mit Gott auf Wanderschaft gehen ist ein sehr schönes Bild. Aber wenn die Pilgerreise zu Ende ist und uns die Hektik des Alltags wieder hat, dann sind meist die Psalmen und auch der liebe Gott wieder außen vor, wieso ist das so oder täuscht mein Blick mich?

Christian Probst: Das Bild einer Pilgerreise, bzw. Wanderschaft verbindet man oft mit einer Auszeit. Also mit etwas angenehmen bzw. mit einer Nähe zu Gott. Ich weiß nicht, wer Leuten diesen Flo ins Ohr gesetzt hat, aber in „Wege zum Heiligen“ versuchen wir das Bild der Pilgerschaft zu dem zu erweitern, wie man es genauso verstehen kann. Unser ganzes Leben ist eine Pilgerreise. Ein Wechselspiel von Ruhe und Hektik, von Freundschaft und Feindschaft, von Momenten, in denen man sich Gott näher oder ferner fühlt. In den Psalmen begegnen uns ebenso ganz unterschiedliche Erfahrungen. Ein Wechselspiel zwischen Klage und Dank. Gott wird sowohl beim Gottesdienst im Heiligtum, als auch im Alltagsstress zu einem persönlichen Gegenüber. Wir brauchen uns nicht unbedingt auf eine einsame Pilgerreise zu machen, um ihm zu begegnen.

Christoph Zehendner:  „Pilgern“ verstehe ich als einen lebenslangen Prozess und nicht als eine Art Wanderschaft hin zu einem irgendwie „Heiligen Punkt“. Für mein persönliches „Pilgeralbum“ mit dem Titel „Wortweltenwanderer“ habe ich übrigens als Mottovers im 5. Buch Mose gefunden (2,7): „Gott hat dein Wandern durch diese große Wüste auf sein Herz genommen!“ Ich verstehe das so, dass die lange „Wanderung“ meines Lebens Gottes Herzensangelegenheit ist. Gott sei Dank! Die Psalmen sind ja gerade voll von den unterschiedlichsten Alltagserfahrungen, Alltagsgefühlen. Da wird – wie im „richtigen Leben“ – geklagt und geschimpft, gejauchzt und gefeiert, da wird Zeter und Mordio geschrieben und gewimmert, Rotz und Wasser geheult und da werden Gott die Leviten gelesen. Wenn unsere Gottesdienste doch ein wenig von solcher Vielfalt abbilden würden, dann könnten sich wieder viel mehr Menschen Zuhause und verstanden fühlen können.

Christoph Zehendner in Aktion

Was ist sozusagen die Kernaussage der Autoren der Psalmen? Warum sind sie heute noch immer aktuell?

Christian Probst: Sie laden dazu ein, dass wir uns in ihnen wiederfinden, weil es um nichts anderes geht, als um das Leben: Sehnsucht, Angst, Befreiung, Bedrängnis, Ruhe . . . um alles, was uns begegnen kann. Die witzigste, aktuelle Begebenheit bei unserem „Wege-Projekt“ hat mit Psalm 132 zu tun. Günter Kusch und ich haben diesen Psalm mit dem Thema „Aufstieg“ verbunden, ohne nur ahnen zu können, dass der Fußballverein aus meiner Heimatstadt, die Spielvereinigung Greuther-Fürth, in die erste Bundeliga aufsteigen würde. Die ganzen Pilgerpsalmen 120-134 tragen im Urtext den Untertitel „a song of ascents“, ein Lied des Hinaufziehens, bzw. des Aufsteigens. Im Psalm ist natürlich der Weg zum Heiligtum in Jerusalem gemeint. Aber wenn man erlebt, wie eine ganze Stadt nach jahrzehntelanger Hoffnung plötzlich ausgelassen ihre „Aufsteiger“ feiert, dann kann man sich vielleicht auch besser vorstellen, wie ergreifend die Freude und der Jubel sein wird, wenn wir Gott einmal in seiner Herrlichkeit unmittelbar erleben dürfen. 

Christoph Zehendner: Ich kann und darf und soll Gott alles zumuten, was in mir vorgeht. Psalmen sind nicht theologische Theorie, sondern Alltagspraxis, sie spiegeln Beziehungen wieder, Gefühle, innere Prozesse (eines einzelnen oder einer Gruppe von Menschen). Und es wird in der Regel Klartext geredet (wenn auch oft auf kunstvoll verdichteter Sprachebene). Die Psalmen sind das Herz der Bibel, und zwar nicht nur die wenigen „Rosinenverse“, die die Kollegen aus der Lobpreiszunft wieder und wieder vertonen, sondern das ganze Buch.

Wann und wo waren Sie in letzter Zeit pilgern und was hat es Ihnen gebracht?

Christoph Zehendner: Ich pilgere seit dem 10. Februar 1961, war in schätzungsweise 50 Staaten der Erde unterwegs, bin gekrabbelt, gelaufen, gejoggt, mit dem Rad gefahren, mit dem Auto unterwegs gewesen, vom Schiff mitgenommen worden, mal kurz auf einem Pferd gesessen oder geflogen. Ich habe unglaublich viel erlebt, bin sehr dankbar dafür und berichte davon in vielen meiner Lieder. Und ich hoffe, dass Gott mir nach diesen 51 Jahren Pilgerschaft noch viele weitere Wege möglich macht.

Christian Probst: Ich habe bei Pilgern immer das Bild im Hinterkopf, dass alle Wege, die zum Leben dazugehören, Pilgerwege sind. Mit dem „Ways-Projekt“ pilgere ich gerade auf einem besonders spannenden Weg. Ich halte mein erstes Buch und meine erste Longplay-CD in den Händen, und habe auf dem Weg dorthin viel gelernt. Vor allem, dass Gott wirklich auf allen meinen Wegen mitgeht, nicht nur wenn ich auf einer Wanderung auf dem Jakobsweg mir Gedanken über Gott und die Welt mache. Er hat mich besonders mit Zeit beschenkt. Das habe ich vorher noch nie in diesem Maße erfahren. Er hat mir immer genau die Zeit geschenkt, die ich brauchte, um Aufnahmen für die CD zu machen oder neben meinem Beruf etwas für das Gesamtprojekt zu organisieren. Für diese Pilgererfahrung mitten in der Hektik des Alltags bin ich sehr dankbar. Alle Infos zum ways-Projekt finden sich unter www.ways-music.de .

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