Monatsarchiv: Mai 2012

Hartmut Renz (Hrsg.) Juden finden ihren Messias

 

Der Herausgeber dieses Buches Hartmut Renz war 21 Jahre lang Geschäftsführer des Evangeliumsdienstes für Israel. Inzwischen kann dieser Dienst auf eine Geschichte von über 41 Jahre zurückblicken. Seine größte Aufgabe sah dieser Dienst von Anfang an darin, dem jüdischen Volk das Evangelium zu verkündigen.
Wie es zur Gründung des Evangeliumsdienstes kam und von seinem ersten und langjährigem Chef Alfred Burchartz schreibt Renz ausführlich und sehr anschaulich.
Alfred Buchartz hat selbst Texte hinterlassen. Diese sind hier ebenfalls zu lesen. Er hat unter anderem in den frühen 70er Jahren Besuche im sozialistischen Rumänien gemacht, später auch in der Tschechoslowakei. In berührenden Zeilen berichtet er davon, wie jüdische Überlebende des Holocaust beim Fragen und verarbeiten des Erlebten auf den Juden Jesus von Nazareth trafen.
Noch von vielen anderen Einzelschicksalen wird hier berichtet. Oft kommen die Juden selbst zu Wort. Es ist wunderbar mitzuerleben, wie sie von der Freude berichten, Jesus kennengelernt zu haben. Oft war es für sie ein langer, schwerer Weg.
Dieses Buch berührt!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5381-2, Preis 10,95 Euro

Hartmut Renz hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Hartmut Renz, Sie sind Herausgeber des soeben erschienen Buches „Juden finden ihren Messias“. Wie kommt es gerade zu diesem Zeitpunkt zu diesem Buch.

Der Anlass ist das 40jährige Jubiläum des Evangeliumsdienstes für Israel (edi). In dieser Zeit sind in unserem Informationsblatt „Gesandt zu Israel“ viele eindrückliche und bewegende Berichte aus unserer Arbeit erschienen. Damit diese nicht in Vergessenheit geraten und um ein Bild unserer Arbeit zu vermitteln, habe ich eine Auswahl davon in diesem Buch an Stelle einer Festschrift anlässlich unserer Jubiläumskonferenz veröffentlicht.

Ein klein wenig werden Sie in diesem Buch ja auch zum Chronisten des Evangeliumsdienstes für Israel. Sie selbst haben diesem Dienst 21 Jahre lang vorgestanden, worin sehen Sie das Hauptanliegen des Evangeliumsdienstes für Israel?

Wir möchten jüdischen Menschen in der Liebe Jesu begegnen. Dazu gehört, dass ihnen das Zeugnis von Jesus, dem Messias Israels, in Liebe und mit Respekt bekannt gemacht wird. Wir fördern eine positive Haltung zu Israel und dem jüdischen Volk und setzen uns aktiv für die Versöhnung der Völker im Nahen Osten ein.

Im Buch begegne ich auch dem ersten Chef des Evangeliumsdienstes Alfred Burchartz. Es ist für mich sehr bewegend gewesen zu lesen wie Burchartz überlebende des Holocaust besucht und deren Fragen bei Jesus Christus endet und damit ein geistlicher Neuanfang geschieht. Wie sieht heute die Arbeit des Evangeliumsdienstes aus?

Wir unterstützen den Aufbau jüdisch-messianischer Gemeinden in Israel, Deutschland und Europa. Wir begleiten Juden, die an Jesus glauben, in ihrem Bemühen, das Evangelium zu ihrem eigenen Volk und zu allen Nationen zu bringen. Dazu gehört auch die Herstellung und Verbreitung  von Bibeln und geistlicher Literatur in Hebräisch, Russisch und Deutsch. Außerdem unterstützen wir als Ausdruck praktischer Nächstenliebe jüdisch-messianische Gemeinden in Israel und Deutschland und finanzieren deren unterschiedliche sozial-diakonische Projekte.

Hartmut Renz

Warum ist es überhaupt wichtig, dass Juden Jesus Christus kennenlernen?

 Weil auch Juden wie alle Menschen Sünder sind und einen Erlöser brauchen. Und weil ihnen, genau wie uns, nichts Besseres passieren kann, als dass sie Jesus als ihren Herrn und Messias kennenlernen.

Wie sind sie selbst zu dieser Arbeit gekommen?

Durch Liebe zu Israel und die Berufung in diesen Dienst.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

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Christian Gremmels: Theologie und Lebenswelt

Zum Teil sind die zwölf Beiträge von Christian Gremmels bereits 30 Jahre alt, aber von ihrer Aktualität haben sie bislang nichts verloren. Die Theologie gehört in die Lebenswelt der Menschen hinein, dies macht dieses Buch deutlich.  Theologie ist erst möglich aus der Lebenswelt der Menschen heraus, auch wenn man mitunter einen anderen Eindruck haben könnte.

Bei Christian Gremmels wird es jedoch eindeutig klar, die Theologie hat sich nach der Lebenswelt der Menschen auszurichten. Beim Herausgeber des Buches Florian Schmitz hört sich dies so an: „… und die (gemeint ist hier die Lebenswelt, d.R.) zudem der Ort ist, an dem christliche Religion und christlicher Glaube sich zu bewähren haben.“

Ein spannendes Buch!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08133-5, Preis 24, 99 Euro

Mit dem Herausgeber des Buches Florian Schmitz hat buecheraendernleben folgendes Gespräch geführt:

Lieber Florian Schmitz, wie kam es zu diesem Buch „Theologie und Lebenswelt“ und für welche Zielgruppe ist es vorrangig bestimmt?

Die Idee zur Herausgabe dieses Buches ist aus zweierlei heraus entstanden, aus einer Überzeugung einerseits und einer Beobachtung andererseits. Die Überzeugung besteht darin, dass dem die Begriffe Theologie und Lebenswelt verbindenen „und“ eine entscheidende Bedeutung zukommt (in welcher Weise seine Bedeutung entscheidend ist, merken Sie schnell, wenn Sie einmal versuchsweise das „und“ gegen ein „oder“ austauschen). Die Beobachtung besteht darin, dass die in dem Aufsatzband versammelten Beiträge von Christian Gremmels diesem „und“ auf je verschiedene Weise Ausdruck verleihen.

Das Buch versammelt zwölf Aufsätze von Christian Gremmels. Es sind erstaunlich aktuelle Beiträge, die Glaube und Religion in unserer Gegenwart behandeln. Wie würden Sie beide Begriffe heute definieren?

Entspringt Ihr Erstaunen über die Aktualität der Beiträge dem Umstand, dass einige der 12 Beiträge des Bandes bereits vor 30 Jahren geschrieben worden sind? Vielleicht könnte man sagen: Die Aktualität enthalten die Aufsätze vor allem dadurch, dass sie gar nicht so sehr theologische Inhalte diskutieren, sondern sich vor allem Strukturen theologischen Denkens zuwenden. Und solche Strukturen sind nicht auf bestimmte historische Situationen beschränkt (daher auch der Untertitel des Bandes: Beiträge zur Theologie der Gegenwart).

Schwerer tue ich mich mit dem letzten Teil Ihrer Frage. Denn was wäre dadurch gewonnen, wenn man das Wort „Glaube“ begrifflich definieren würde? Vielleicht könnte man im Sinne dieses Bandes antworten: Die Theologie verdankt sich immer einer bestimmten Lebenswelt. Es ist daher wichtig, dass sie an diese Lebenswelt rückgebunden wird. Denn diese Lebenswelt ist der Ort, an dem sich Glaube und Religion zu bewähren haben.

 

Das Buch beginnt mit Dietrich Bonhoeffer. Der hat aus dem Gefängnis heraus geschrieben: „Wir gehen einer völlig religionslosen Zeit entgegen; die Menschen können einfach, so wie sie nun einmal sind, nicht mehr religiös sein.“ Ich lese diese Zeilen und denke sie wären aus dem Jahr 2012, warum entstaubt Gremmels diese Zeilen, welches Ziel verfolgt er?

Ich würde nicht sagen, dass Gremmels den berühmten Satz Bonhoeffers entstaubt. Eher behandelt er dieses Statement polemisch und stellt es infrage, indem er das Gegenteil behauptet: Wir können nicht nicht religiös sein. Diese Behauptung findet sich bestätigt in gegenwärtigen Diagnosen über Religion. Was Gremmels damit allerdings verfolgt? Vor allem geht es ihm darum zu zeigen, dass es nötig ist, sich an bestimmten Punkten von Bonhoeffer zu lösen, um auf diese Weise mit Bonhoeffer Antworten auf heutige Fragen geben zu können.

 

Kann es sein, dass theologische Debatten heute sehr oft unter so starker Verwissenschaftlichung leiden, dass sie keine Chance mehr auf ansprechende Aktualität haben?

Mit dieser Frage sprechen Sie eine Kritik an, die universitärer Theologie gegenüber schon immer geäußert wurde und auch heute häufig geäußert wird. Zunächst einmal würde ich sagen: Es ist wichtig, dass Glaube und Religion von wissenschaftlicher Theologie denkerisch begleitet werden. Insofern ist Wissenschaftlichkeit unbedingt angebracht. Allerdings gibt es sicherlich auch eine Tendenz von Theologie, die die Seite der „Lebenswelt“ – bewusst oder unbewusst – ausblendet, gewissermaßen eine „reine“ Theologie, eine Theologie der Begriffe. Und eine solche Theologie hat in der Tat keine Chance mehr auf Aktualität, weil sie nicht konkret wird, sondern im Abstrakten bleibt. Wer eine solche Theologie betreibt, sollte aber nicht vergessen, dass die theologischen Begriffe selbst aus historischen Situationen wie biographischen Erfahrungen heraus geboren wurden.

DDR-kritische Bürger haben oft gesagt: „Theorie und Praxis treffen sich im Sozialismus nie.“ Heute kommt es mir oft so vor, als träfen theologische Debatten nie unseren Lebensalltag, warum ist das so? Und warum fällt gerade dies vorliegende Buch so positiv aus dem Rahmen?

Florian Schmitz

Christian Gremmels wird es freuen, dass Sie das Buch so positiv einschätzen! Wenn es so ist, wie Sie sagen, dass theologische Debatten den Lebensalltag nicht treffen, dann hat das vielleicht, freilich neben anderen Ursachen, einen ganz einfachen Grund: Es ist leichter, in dieser Weise Theologie zu betreiben. Denn Sie müssen sich dann – als Person – nicht zeigen. Stattdessen zeigen Sie, dass Sie zu den komplexesten Gedankengängen in der Lage sind. Die Gedankengänge des Bandes „Theologie und Lebenswelt“ sind ebenfalls nicht einfach, zum Teil sind sie ungeheuer komplex. Aber sie sind allesamt als der Versuch zu sehen, einerseits die Herkunft theologischer Sätze zu verdeutlichen (dass sich Theologie bestimmter Lebenswelten verdankt), um andererseits Anknüpfungsmöglichkeiten dieser theologischer Sätze für heutige Lebenswelten aufzuzeigen. Dies geschieht in der Überzeugung, dass Theologie in diesem doppelten Anspruch ihre evangelische Freiheit verwirklicht.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Florian Schmitz, geb. 1980, Studium der Kunst und Ev. Theologie in Münster und Kassel, Promotion zu „Nachfolge“. Zur Theologie Dietrich Bonhoeffers, 2010-2012 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Habilitand am Seminar für Systematische Theologie und Sozialethik der Johannes Gutenberg- Universität Mainz, seit Mai 2012 Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Gymnasien in Kassel.

 

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Brigitte Grill: Und trotzdem habe ich ja gesagt

Dieses Buch gibt es übrigens auch als e-book
Was Brigitte Grill sich hier von der Seele schreibt, dass scheint mehr zu sein als ein Mensch zu tragen vermag.
Sie hat einen jungen Mann kennengelernt und an dem Tag an dem sie sich verloben wollen, da breitet Martin sein Leben vor ihr aus. Elterliche Liebe hat er nie empfangen. In der Bibel hat er nie gelesen, hin und wieder lediglich ihre Seiten geraucht. Martin saß in Stuttgart-Stammheim, und hat als Jugendlicher erfahren, dass er das Resultat einer ehelichen Vergewaltigung ist. Sein Vater starb als er ein Junge war und seine Mutter sitzt in einer psychiatrischen Anstalt. Martin kann ihr nichts verzeihen, will sie nie wiedersehen. Mit schwersten psychischen Leiden und Depressionen startet er ins Erwachsenleben.
Brigitte wird ziemlich mulmig als sie dies alles an ihrem Verlobungstag erfährt, aber sie sagt ja zu Martin. Der Leser erfährt nun von der Autorin wie beide ihr Leben Gott anvertrauen. Damit wird nichts gleich besser. Aber es ist ein Fundament gelegt auf dem sie gemeinsam gehen und an ihrer Situation arbeiten können.
Viele Hochs und Tiefs beschreibt die Autorin. Manchmal erscheint die Beziehung vor dem Aus zu stehen, aber ein Weiter auf dem geminsamen Weg gelingt. Beide vertrauen auf Gott und stellen sich ihren Problemen. Es ist sehr berührend zu lesen wie Heilung selbst in so düsteren Lebensgeschichten möglich ist, wenn nur Vertrauen da ist.
Da wo Ehepartner heute wegen Kleinigkeiten auseinanderlaufen, da sollten sie dieses Büchlein von Brigitte Grill lesen. Es ist eine heilsame Lektüre die in aller Dunkelheit auf Gottes Beistand hofft, enttäuscht wurde hier niemand!
BOAS Verlag, ISBN 978-3-942-25831-9, Preis 9,95 Euro

Die Autorin beantwortete buecheraendernleben nun folgende Fragen:

Liebe Brigitte Grill, Sie haben soeben ihr erstes Buch veröffentlicht und haben mich mit Ihren offenen und ehrlichen Worten sehr berührt. Warum war es für Sie wichtig Ihre Ehegeschichte einem großen Leserkreis bekannt zu machen?

Es ist nicht das erste Buch, das ich veröffentlicht habe, allerdings liegt dies – größtenteils waren es erfundenen Erzählungen – schon Jahre zurück.

Ich habe Freude am Schreiben und es bot sich mir viel Stoff. Da lag es nahe, das Erlebte weiterzugeben. Gern lasse ich auch meine Fantasie spielen und erfinde Geschichten, aber wenn man sagen kann, Gott hat in Schwierigkeiten real eingegriffen, ist das doch etwas anderes. Immer wieder war ich davon beeindruckt,        wie er uns weitergeholfen hat, und allein dies ist der Grund, weshalb ich dieses Buch geschrieben habe, um auf ihn als den liebevollen Vater hinzuweisen. Egal, wie die Situation ist, man braucht niemals aufzugeben, weil Gott alles ändern und neu machen kann.

In Ihrem Buch lese ich oft, dass Gott Sie immer wieder durch schwere Zeiten getragen hat, können Sie das noch ein wenig genauer erklären wie das abgelaufen ist?

In Matthäus 11, 28 sagt Jesus: „Kommt her zu mir alle, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Frieden geben.“ Wenn ich in Schwierigkeiten war – und bin – habe ich ihm, wie einem Freund, alles erzählt und dann versucht, alles bei ihm abzugeben. Wie oft erlebte ich dann eine        Erleichterung und Freude, die mit der äußeren Situation gar nichts zu tun hatte, aber die Kraft zum Durchhalten freisetzte. Ich war zuversichtlich, dass Gott die Sache in die Hand genommen hat und früher oder später kam eine Lösung.

Beate Grill

Was hat eigentlich ihr Mann dazu gesagt, dass jetzt alle Welt ihre Ehegeschichte kennt?

Wenn alle Welt die Geschichte kennen würde, bräuchten wir  uns um die Verkaufszahlen keine Gedanken mehr zu machen (!) Er hat damit keine Probleme, wohl auch deshalb, weil die „Hämmer“ bewältigt sind. Ursprünglich habe ich nur seine Lebensgeschichte aufgeschrieben, und wir dachten an ein Buch in dem Stil von „Wie wurden Sie eigentlich Christ?“ Das Ganze blieb aber jahrelang liegen und es geschah immer mehr Erwähnenswertes, wie die Versöhnung mit der Mutter oder das „Zwillingswunder“, worüber ich dann in der Christlichen Frauenzeitschrift „Lydia“ berichtet habe. Schließlich kam mir die Idee, alles miteinander zu verknüpfen und in eine ansprechende Form zu bringen.

Wie würden Sie Ihre Familiensituation heute beschreiben, sind Sie mit allen Problemen überm Berg?

Was die Probleme aus der Vergangenheit betrifft, kann man schon sagen, dass es überstanden ist. Alles ist wesentlich entspannter geworden. Wir erleben gerade eine Umbruchsituation, denn die sehr intensive Familienzeit (mit vier Kindern) liegt hinter uns. Inzwischen stehen berufliche Fragen an, was die Großen betrifft. Mit Heranwachsenden zusammenzuleben, sich herausfordern zu lassen und mit ihnen zu diskutieren macht mir viel Spaß. Ernstliche Probleme haben wir mit ihnen nicht, wofür wir sehr dankbar sind.

Vielen Dank für das Interview!

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Im Portrait – Reinhold Ruthe

Reinhold Ruthe

Seit Jahrzehnten schreibt der Psychotherapeut und Familienberater Reinhold Ruthe Bücher und gibt immer wieder Hilfestellung in vielen Bereichen. Die Botschaft Gottes in den Lebensalltag dabei hineinzulassen ist ihm ein Bedürfnis, dies merkt man seinen Büchern an.

Ein Autor so ganz ohne Mailadresse gibt es das heute noch? Ja, Reinhold Ruthe hat sich diese Freiheit bewahrt und zeigt,  ein Interview ist auch auf dem Postwege möglich. Hier seine Antworten auf die Fragen von buecheraendernleben:

Lieber Reinhold Ruthe, können Sie sich noch an Ihr erstes Buch erinnern?

Ja, ich kann mich an mein erstes Buch erinnern, es handelte sich um den Titel „Intim gefragt – offen geantwortet“. Damals habe ich es an mindestens sieben christliche Verlage geschickt. Keiner wollte es haben. Vielen war es damals viel zu offen. Schließlich brachte es ein kleiner Verlag in Hamburg heraus. Einige Jahre später übernahm der Aussaat Verlag das Buch. Es kamen mehrere Auflagen heraus. Und dann wollte es die katholische Kirche haben, um es als Brautbuch anzubieten. Das habe ich dann abgelehnt, weil ich mit vielen Passagen nicht mehr einverstanden war.

Woher nehmen Sie immer wieder aufs neue Ihre Themen?

Meine Frau, Tochter und ich haben jahrelang ein Institut geleitet für „Beratende und therapeutische Seelsorge“. Hunderte haben die Ausbildung gemacht, um als bewusste Christen in den Gemeinden Menschen beizustehen, die Probleme mit ihrem Leben haben. Es ging um Glaubensprobleme, Lebensprobleme und Ehe – und Erziehungsprobleme. Und diese Probleme gibt es reihenweise. Ich habe noch eine ganz kleine Praxis und werde dauernd mit seelischen Problemen und Störungen konfrontiert.

In Ihren Büchern steckt immer auch der liebe Gott …

Gott ist in Christus nicht nur ein Heiland, der unsere Sünden wegnimmt, wenn wir daran glauben. Ich glaube daran, und viele wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen das heute, dass der Glaube eine heilende Wirkung auf den Menschen hat. Sein Immunsystem wird gestärkt. Er wird stressresistenter. Er wird ruhiger und gelassener. Wer sich auf seine Führung verlässt, fühlt sich gehalten und getragen. Er fühlt sich beschützt.

Brendow Verlag 2012, ISBN 978-3-865-06378-6, Preis 12, 95 Euro

Können die Leser heute noch etwas mit Gott in ihrem Lebensalltag anfangen?

Man muss den Menschen den lebendigen Gott neu erklären, neu vermitteln, neu vorleben. Darum finden heute so viele Glaubenskurse in allen Schattierungen in den Gemeinden statt, weil viele durch die unzähligen Veröffentlichungen in den Medien über unterschiedliche Sichtweisen, völlig verunsichert sind. Wir erleben nicht umsonst einen Supermarkt an christlichen Angeboten, die eher verwirren als helfen.

Mit 85 Lebensjahren sind andere Leute längst im Ruhestand, Sie nicht, warum?

Weil ich fest davon überzeugt bin: Wer rastet, der rostet. Wer rastet, der baut ab, der bildet sich zurück, der erlahmt. Denn das Gehirn gibt dann keine Impulse mehr weiter, dass der Körper aktiv mitspielt. Wir haben es selbstverständlich nicht in der Hand, wann unser Ende kommt. Das bestimmt Gott. Aber unsere Lebenseinstellung, unser Glaube ist ein Motor für Lebendigkeit, für Aktivität, für Engagement. Es gibt für Christen keinen Ruhestand, allerdings machen wir uns nicht kaputt. Wer sich zu sehr stresst, der will nur gelten und sich in den Mittelpunkt rücken. Die Gefahr ist immer groß. Denn wir alle sind auch Egoisten.

Brunnen Verlag 2012, ISBN 978-3-765-54163-3, Preis 7, 99 Euro

Haben Sie noch Pläne?

Aber natürlich. Bücher schreiben, Vorträge halten und Seminare. Wenn die Gesundheit es zulässt, wenn Gott Ja dazu sagt. Auch wenn meine Frau mitspielt und sich nicht zu sehr allein fühlt. Wir werden auch noch gemeinsam Urlaube machen, allerdings keine Weltreisen, weil die Neugier befriedigt wurde, und wir beide keine Sehenswürdigkeiten mehr verinnerlichen müssen. Wir beide hoffen, immer wieder Zeit zu finden, uns auf die Ewigkeit vorzubereiten, ohne sie pausenlos vor Augen zu haben.

Wir erleben jeden Tag als ein Geschenk Gottes. Eben saßen wir im Arbeitszimmer und schauten in unseren Garten, er ist „der Saum des Paradieses.“ So sehen wir es jedenfalls beide.

Herzlichen Dank für Ihre Antworten!

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Timo Plutschinski: Büro mit Aussicht

„Büro mit Aussicht“ ist die deutliche Ansage, den Glauben an Gott nicht nur auf den christlichen Feiertag oder den heiligen Sonntag einzugrenzen. Der Autor meint, uns allen würde es besser tun, wenn wir unseren Glauben auch in die Woche, in unsere Arbeitswelt mit hineinnehmen.

In seinem Buch gibt der Autor Impulse in unseren Alltag hinein, die genau darauf abzielen, Gott im Alltag sichtbar werden zu lassen.

Was der Theologe und Geschäftsmann in seinem Buch schreibt, liest sich ganz einfach, aber es ist noch immer schwer praktizierbar. An dieser Stelle wird Timo Plutschinski unbequem, er stellt Fragen, die sich jeder Leser im stillen selbst zu beantworten hat.

Sympathisch kommt das Buch rüber, weil der Autor nicht von oben herab alles schon weiß oder kann, nein, er schließt sich in den Kreis derer mit ein, die nach dem Weg der Nachfolge suchen!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15374-4, Preis 13, 95 Euro

Timo Plutschinski hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Timo Plutschinski, Ihr gerade erschienenes Buch beschäftigt sich mit dem Thema den Sonntagsglauben auch in die Woche mit hinein zunehmen, wie kommen Sie zu diesem Thema?

Aus meinen beiden Tätigkeiten als Pastor und Geschäftsmann kenne ich den weitverbreiteten Chamäleon-Effekt, am Sonntag ein christliches und unter der Woche ein säkulares Programm zu fahren. Viele meinen, berufliches Handeln sei weltanschaulich neutral und der Glaube habe seinen Raum in Kirche und Gemeinde. Mit diesem Irrglauben möchte ich Schluß machen und Hilfestellung geben, wie man auch im Berufsalltag ein authentisches Christsein leben kann.

Was glauben Sie, warum ist es häufig so schwer den Glauben in der Woche sichtbar werden zu lassen?

Christen haben sich zu lange einreden lassen, dass der Glaube Privatsache sei und wahre Professionalität nur weltanschaulich neutral funktioniere. Dieses Denken schafft eine Barriere, unbefangen über Glaubensthemen zu reden oder Glaubensgrundsätze zur Basis des beruflichen Handelns werden zu lassen. Außerdem sind viele Christen sehr veranstaltungs- und gemeindeorientiert und haben ein zu kleines Bild vom Glauben. Das Buch soll hier helfen, den Blick zu weiten.

Timo Plutschinski

Woran erkenne ich einen Christ in der Woche in seinem Büro?

Er macht zuallererst einen exzellenten Job! Darüber hinaus haben Christen einige Vorteile, die sie auch im Berufsalltag nutzen und zum Einsatz bringen sollten. Sie haben ihr Leben an Gott als höchste Autorität gebunden, so dass sie sich nicht von anderen abhängig und manipulierbar machen. Sie betrachten sich als Geschöpfe Gottes. Dadurch brauchen sie sich nicht laufend vor sich selbst und anderen zu beweisen und können Kritik annehmen, ohne sofort zurückzuschlagen. Sie fühlen sich von Gott getragen und haben keine Angst um ihre Existenz. Das gibt ihnen die nötige Kraft und Ruhe im hektischen Berufsalltag. Und letztlich haben sie christliche Werte wie Nächstenliebe, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit verinnerlicht. Diese Maßstäbe wirken in ihnen wie ein inneres Ordnungsprinzip und sind ein Kompass, auch wenn es emotional mal hoch hergeht.

Es gibt Chefs und Sie erwähnen dies ja auch in Ihrem Buch, die möchten, dass die Mitarbeiter den lieben Gott zu Hause lassen. Was befürchten diese Chefs?

Chefs sagen, dass sie die Mitarbeiter für ihre Arbeitsleistung und nicht fürs Missionieren bezahlen. Sie haben Angst um die richtige Prioritätensetzung. Aber sie haben auch Angst, dass unter dem Diktat der „Political Correctness“ Auseinandersetzungen aufkommen, wenn zu offen religiöse Symbole (Kreuze, christliche Plakate, etc.) oder Handlungen (Gebete etc.) im Unternehmen vorkommen.

Warum arbeiten Sie ganz persönlich lieber mit dem lieben Gott und was geschieht wenn er Ihnen spätestens am Donnerstag abhanden kommt?

Die Gottes-Perspektive lässt mich über die vielen kleinen Alltagsprobleme hinwegblicken und schenkt mir eine größere Sicht. Darum habe ich mein Buch auch „Büro mit Aussicht“ genannt. Sollte es mir wie Petrus auf dem Wasser passieren, dass ich in den Wellen des Alltags untergehe, dann hilft es mir, innezuhalten und die Hand rauszustrecken. Die Bibel sagt: „Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch.“

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Timo Plutschinski war zu Gast bei „Werthe Gäste“. Wer das Interview sehen und hören möchte bitte hier klicken:  http://www.youtube.com/watch?v=7Vc8k4ZAuPc

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Michael Welker: Gottes Offenbarung

„Gottes Offenbarung“ ist eigentlich ein Buch, dass vorrangig für Theologen geschrieben wurde. Wen aber dieses Thema wirklich interessiert, der wird auch als Laie diesem Buch gut folgen können. Erstaunlich klar und unverschnörkelt schreibt Michael Welker über einen Gott den wir wohl heute immer mehr eingrenzen, als uns von ihm berühren zu lassen.

Normalerweise halte ich mich gern im Hintergrund bei Büchern in denen Hochschullehrer über den lieben Gott reden. In diesem Falle war das Lesen ein Freude und aus theologischer Sicht hat mir der Autor weitere Türen geöffnet.

Neukirchener Verlag, ISBN 978-3-788-72495-5, Preis 24, 99 Euro

Prof. Dr. Dr. Michael Welker hat buecheraendernleben folgende Fragen beantwortet:

Lieber Herr Prof. Welker “Gott hat sich in Jesus Christus geoffenbart!” lese ich in ihrem Buch und sie schreiben von Gottes Sohn und auch davon, dass er noch heute aktuell ist. Was hat uns dieser Jesus heute im Jahr 2012 noch zu sagen?

Wir müssen Jesus Christus nicht mit Werbung anpreisen. Ein Drittel der Menschheit rechnet sich dem christlichen Glauben zu – manche lau, manche leidenschaftlich. Die wirtschaftlich, politisch und wissenschaftlich mächtigsten Gesellschaften sind vom Christentum geprägt. Ich möchte – auch in meinem Buch – verstehen, welchem Gott diese Menschen anhängen. Was sagen sie, wenn sie behaupten: In Jesus Christus hat Gott sich geoffenbart. In ihm gibt er sich zu erkennen.

Historisch gesichertes Faktenwissen über Jesus ist so gut wie nicht vorhanden, hört man heute immer wieder, warum aber ist Jesus noch immer Thema bei vielen Menschen?

Ihre zweite Frage spiegelt eine Meinung, die lange in der Wissenschaft und in westlichen Kirchen geherrscht hat. Mein Buch zeigt, dass es einen radikalen Umschwung gegeben hat. Wir wissen erstaunlich viel über den historischen Jesus, aber die biblischen Texte bieten verschiedene Blickwinkel auf ihn und sein Wirken. Damit muss die Forschung sorgfältig umgehen.

Michael Welker

In Ihrem Buch sind auch Sie Jesus auf der Spur, welchen Jesus tragen Sie in Ihrem Herzen?

Jesus Christus ist nicht nur eine „Herzensangelegenheit“. Ich beklage in meinem Buch einen rein „subjektivistischen Glauben“. Jesus Christus umgibt uns in der Kraft seines Geistes, er trägt uns, erhebt uns, in unseren Herzen, aber auch in vielen gemeinschaftlichen und öffentlichen Formen. Er ist ein göttlicher König, der uns alle zu Königen und Königinnen der Liebe und Barmherzigkeit machen will, er ist ein göttlicher Hoherpriester, der uns alle zur richtigen Gotteserkenntnis und zu einem guten Gottesdienst befähigen will, er ist ein göttlichger Prophet, der uns alle dazu befähigen will, die großen Gefährdungen der Welt und die Kräfte der Rettung zu erkennen und sich entsprechend zu verhalten.

Selbst bin ich kein Theologe, aber ich habe mich tapfer durch ihr Buch gelesen, auch deshalb weil es auf spannend geschriebene Art Hintergrundwissen vermittelt und mehrere Meinungen zum Thema Jesus zulässt. Sie selbst sind Prof. für Systematische Theologie an der Universität in Heidelberg, für wen haben Sie dieses Buch geschrieben?

Zuerst für Theologen und Theologinnen in Kirche und Wissenschaft, aber auch für Menschen wie sie, die an Gotteserkenntnis und Christuserkenntnis ernsthaft interessiert sind.

 Oft höre ich den Vorwurf der Verwissenschaftlichung der Person Jesu an unseren Universitäten, sehen auch Sie diese Gefahr?

Es gibt die Gefahr der Verwissenschaftlichung – aber auch die Gefahr der Emotionalisierung oder der Moralisierung. Ich habe mein Buch gegen alle diese Gefahren geschrieben.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Adrian Plass im Freistaat Sachsen

Es war zum Glück ziemlich kühl am Herrentag 2012. Nach mehreren Stunden Autofahrt kamen wir endlich in einem kleinen Ort in der Nähe von Crimmitschau an. „Familientreffen“ war das Zauberwort, welches in den kommenden drei Tagen etwa 30 Leute in einer kleinen gemütlichen Pension mit ebenso vielen Betten zusammenhielt.

Da ich als Büchernarr gelte, war klar, die kleine Bücherecke auf dem Flur der Pension gehörte erstmal mir. Neben „Sonjas Rapport“ einem sozialistischen Agentenbuch aus DDR Tagen stand „Die steile Himmelsleiter“ von Adrian Plass. Ich musste lächeln, hatte ich doch erst vor wenigen Tagen, ein Buch des Engländers gelesen, dass  im August 2012 im Brendow Verlag erscheinen wird.

Tagebuch eines frommen Chaoten, 1991

„Na, haben Sie was nettes gefunden?“ fragte mich der Pensionschef. Natürlich erzählte ich sogleich von meiner Entdeckung. Er bekam beinah einen roten Kopf und entschuldigte sich mit den Worten: „Ach dieses fromme Zeug hat meine Frau mal gelesen.“ Etwas sprachlos stand ich nun plötzlich da und antwortete: „Tja, ich lese ihn immer noch.“

Genau einen Tag später traf ich auf dem Flur, die Chefin des Hauses. Während ich noch überlegte, ob ich wieder mit Adrian Plass beginnen sollte, hatte sie mich längst angesprochen: „Mein Mann hat mir erzählt, sie lesen auch Plass Bücher. Schauen sie mal, hier hab ich noch eins. Ich glaub es ist das Beste was der mal geschrieben hat: „Tagebuch eines frommen Chaoten“. Ich schaute zur Sicherheit noch einmal ins Impressum. Beide Bücher waren Anfang der 90er im Brendow Verlag erschienen. Vom äußeren Bild her erinnert nichts mehr an Brendow Bücher von heute, aber die Chefin war mit ihren Gedanken längst woanders: „Wissen sie, mein Mann und ich wir kommen beide aus christlichen Elternhäusern. Und grad diese Plassbücher haben wir beide damals nach der Wende sehr gern gelesen. Zum ersten Mal hat jemand ganz anders und ganz neu vom Glauben geschrieben. Wir hatten damals sogar über die Bücher in unserem Bibelkreis gesprochen. Heute bleibt leider nicht viel Zeit für so was. Die Pension lässt uns fast kein Privatleben mehr.“

Adrian Plass

Plötzlich musste sie schon wieder weg. Ich stand da und hätte wohl auch nichts gescheites zu antworten gewusst. Aber bei der Verabschiedung kamen wir dann doch noch einmal auf Adrian Plass zu sprechen. Ich achtete darauf, dass Chef und Chefin beide dabei sind und erzählte von dem neuen Buch. „Wissen sie, der Plass schreibt immer noch. Im August erscheint sein neues Buch: „Der Krieg der Welten“, als Rezensent durfte ich es bereits lesen.“ Der Pensionschef fragte nach: „Der Krieg der Welten“? das gibts doch schon. Ist das nicht so ein durchgeknallter Thriller mit Mord und Totschlag?“

„Ja, so einen Film gibt es, aber Adrian Plass meint einen anderen Krieg. Er spricht vom täglichen Krieg in uns. Er erzählt von toten Ritualen und er fragt nach neuen Wegen. „Der Krieg der Welten“ ist das bislang Beste was Adrian Plass geschrieben hat. Er geht mehr als je zuvor theologisch in die Tiefe und bleibt dabei respektlos witzig!“ Die Chefin sah interessiert aus: „Und das Buch kommt im August?“ dann schaute sie ihren Mann an und für mich kam der schönste Satz: „Das Buch wünsch ich mir von dir!“

Adrian Plass: Der Krieg der Welten, ISBN 978-3-86506-407-5, Preis 14,95 Euro (das Buch erscheint im August 2012)

 

 

 

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