Dorothee Döring: Nie wieder Mobbingopfer!

Soeben ist im Brendow Verlag dieses Buch zum Thema Mobbing erschienen. Die Autorin hat selbst Mobbing erlebt, weiß also sehr genau wovon sie schreibt und wie ein Mobbingopfer denkt und fühlt.

In einer Sprache die so gut wie ohne Fachbegriffe auskommt beschreibt Dorothee Döring was Mobbing eigentlich ist und das es sehr viele unterschiedliche Formen von Mobbing gibt. Sie geht unter anderem Fragen nach wie zum Beispiel, wer ist besonders anfällig für Mobbing und sie überrascht mitunter mit ihren Tipps Mobbing zu entkommen.

Für den Leser sind sicher die vielen Beispiele aus dem Alltag eine gute Hilfe. An ihnen beschreibt Dorothee Döring sehr genau Zustandekommen von Mobbing und wie man sich als Betroffener wirksam zur Wehr setzen kann.

Als Rezensent dieses Buches ist es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass ich weder verwandt noch verschwägert mit der Autorin bin. Ich hätte also auf dieses Buch an dieser Stelle auch hingewiesen wenn die Autorin einen anderen Namen tragen würde.

Brendow, ISBN 978-3-86506-386-1, Preis 12,95 Euro

Dorothee Döring stellte sich nun den Fragen von buecheraendernleben:

Liebe Dorothee Döring, sie sind von Beruf Lehrerin, wie kommt man da auf das Thema Mobbing?

Ja, in meinem „früheren Leben“ war ich Kunstlehrerin an verschiedenen Gymnasien. Ich habe selbst auch Mobbingsituationen erlebt, obwohl Lehrer Beamte sind und nicht um den Verlust ihres Arbeitsplatzes fürchten müssen. Aber auch im ehrenamtlichen Bereich, in dem ich 3 Jahre lang tätig war (stat. Hospiz) habe ich Mobbing bei anderen erlebt und war auch dort einmal selbst betroffen. Ich hatte es mir an diesem besonderen Ort auch nicht vorstellen können.

Mobbing ist ein Phänomen, dass, so scheint es, immer mehr um sich greift. Gab es Mobbing auch schon vor 100 Jahren und wie ist man damals damit umgegangen?

Vor 100 Jahren gab es mich noch nicht, aber ich glaube, dass es Mobbing zu allen Zeiten gab. Man nannte es nur anders (z.B. Demütigung, Bloßstellung, Unterdrückung, Rücksichtslosigkeit, Respektlosigkeit, Ausgrenzung). Sicherlich tragen Arbeitsverdichtung und permanente Überforderung sowie die Angst vor Abreitsplatzverlust und sozialem Abstieg dazu bei, dass heutzutage mehr gemobbt wird.

Heute ist Mobbing das planmäßige terrorisieren eines anderen Menschen. Was fehlt dem Mobbingopfer, warum kann es sich oft nicht aus der Mobbingspirale befreien?

Mobbingopfer sind meist sehr sensible Menschen, deren gute Erziehung („das macht man nicht“) ihnen im Wege steht. Darüber hinaus erkennen Mobbingopfer leider oft erst sehr spät, dass sie gemobbt werden. Zuerst beschleicht sie ein diffuses Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Wenn sie realisieren, dass sie gemobbt werden, hat sich der Prozess schon verselbständigt. Da die ständigen Mobbingattacken das Opfer destabilisieren und verunsichern und damit sein Selbstbewusstseiun untergraben, glaubt am Ende das Opfer, es sei das Problem und gerät immer tiefer in die unheilvolle Mobbingspirale hinein, aus der es sich dann häufig nicht mehr aus eigener Kraft befreien kann. 

Mobbingopfer sind oftmals sehr intelligente Leute. Sie bringen in ihrem Buch das Beispiel von der Ehefrau Thilo Sarrazins. Sie arbeitete als Lehrerin und wurde nach Erscheinen des Buches ihres Mannes von Eltern und Schulleitung gemobbt, gab auf und verließ freiwillig ihre Schule. Wenn Frau Sarrazin ihren Ratgeber „Nie wieder Mobbingopfer!“ gelesen hätte, hätte sie dann eine Zukunft an ihrer Schule haben können?

Frau Sarrazin hätte nicht mein oder ein anderes Buch lesen müssen, um unbehelligt an ihrer Schule bleiben zu können. Sie wurde stellvertretend zum Mobbingopfer für ihren Mann, der in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ provokative Thesen aufgestellt hat. Da man ihren Mann selbst nicht treffen konnte, nahm man seine Frau in „Sippenhaft“. Sarrazins sind in Berlin „Promis“, die nicht nur Bewunderer, sondern auch Neider haben. Hätte Frau Sarrazin in ihrem Kollegium verlässliche „Verbündete“ gehabt, die sie in der Mobbingabwehr unterstützt hätten, wäre sie unangreifbar gewesen. 

Sehr überrascht haben sie mich mit ihrem Tipp: „Umarmen Sie Ihren Gegner!“ Da fiel mir sofort ein „Liebet eure Feinde!“. Kann man heute behaupten, weil Nächstenliebe in einer kälter werdenden Gesellschaft immer mehr zum Fremdwort wird greift Mobbing immer mehr um sich?

Dorothee Döring

Einen Gegner zu umarmen bedeutet, ihn mit Nettsein wehrlos zu machen und seine destruktive Absicht auszuhebeln, denn … „wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus!“ Ich finde schon, dass es in unserer Gesellschaft an Wertschätzung und Respekt mangelt und dass dadurch die Hemmschwelle herabgesetzt wird und Übergriffe (Mobbing) leichter möglich sind.

Auf dem deutschsprachigen Buchmarkt gibt es eine Vielzahl von Büchern zum Thema Mobbing. Warum ist es so wichtig gerade ihr Buch zu lesen?

Ich denke, es gibt für jedes Buch eine individuelle Zielgruppe. Meiner Meinung nach unterscheide ich mich mit meinem Buch von anderen dadurch, dass ich die Komplexität des Mobbinggeschehens für jedermann verständlich analysiere und praxistaugliche „Hilfe zur Selbsthilfe“ anbiete. Dieses „Alleinstellungsmerkmal“ ist auch ausschlaggebend dafür, dass ein Verlag ein Manuskript veröffentlicht. Darüber hinaus bearbeite ich nur Themen, zu denen ich selbst einen Bezug habe. Das ist bestimmt auch empathisch zu erkennen, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, worüber ich schreibe. Das erklärt übrigens auch den großen Erfolg von Selbsthilfegruppen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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