Monatsarchiv: Juni 2012

Übersetzerinnen vorgestellt

Nachdem die Übersetzer bereits zu Wort gekommen sind und über Ihre Arbeit berichtet haben, hat uns nun der Verlag der Franckebuchhandlung in Marburg von den guten Erfahrungen mit seinen Übersetzerinnen erzählt. So haben wir nun Eva Weyandt, Dorothee Dziewas und Silvia Lutz ähnliche Fragen gestellt wie ihren männlichen Berufskollegen. Es ist spannend Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu entdecken:

1. Wie findet ein Verlag seine Übersetzerin?

Eva Weyandt: Vielleicht wäre eine bessere Formulierung, „Wie findet eine Übersetzerin ihren Verlag?“. Bei einer Feier lernte ich einen Literaturagenten kennen, der händeringendeine Übersetzerin suchte. Das war mein Einstieg in die Übersetzertätigkeit. Mit anderen Verlagen kam ich bei der Buchmesse in Frankfurt in Kontakt. Schriftliche Bewerbungen sind selten von Erfolg gekrönt, der persönliche Kontakt ist entscheidend.

Dorothee Dziewas: Ich würde sagen, in den meisten Fällen braucht der Verlag gar nicht zu suchen, sondern kann auf einen Pool von Leuten zurückgreifen, vor allem, wenn es sich um eine Übersetzung aus dem Englischen handelt. Es gibt recht viele Kolleginnen und Kollegen, wobei jede und jeder so seine Schwerpunkte haben dürfte. Ich selbst übersetze häufig und gerne Romane, aber auch Bücher im Bereich Spiritualität. Aus der Erfahrung heraus wird der Verlag dann entscheiden, welches Projekt er wem anbieten will – dabei habe ich natürlich als Übersetzerin auch die Möglichkeit, einen Auftrag abzulehnen, wenn mir Buch oder Autor nicht zusagen. Schwierig wird es, wenn ein Verlag sehr kurzfristig eine Übersetzerin für ein umfangreiches Werk sucht, denn ich bin meist auf etliche Monate im Voraus ausgebucht.

Silvia Lutz: Diese Frage müssten Sie den Verlagen stellen. Bei mir war es so, dass ich   nach meinem Studium mehrere Verlage angeschrieben habe. Von einigen kam   überhaupt keine Antwort, von anderen eine Absage, weil man schon mit einem   “bewährten Stamm an Übersetzern” zusammenarbeitet, einige baten um eine   Probeübersetzung. Insgesamt entwickelte sich daraus im Laufe der Jahre eine   gute Zusammenarbeit mit einigen wenigen Verlagen.

 

2. Wie wird man eigentlich Übersetzerin und kann man davon leben?

Eva Weyandt

Eva Weyandt: Schon als Schülerin habe ich Übersetzungen gemocht, am liebsten in die Muttersprache. Da habe ich gemerkt, dass mir Formulierungen liegen und ich Spaß daran habe, mit Sprache zu spielen. Studiert habe ich Englisch und Französisch für Lehramt Sekundarstufe II. Bei meinem ersten Staatsexamen war ich bereits verheiratet und hatte 2 Kinder. Als unsere Jüngste in den Kindergarten kam, hatte ich plötzlich viele Freiräume, die ich gern für eine sinnvolle Beschäftigung nutzen wollte. Dabei bin ich auf die Übersetzungstätigkeit gestoßen. Schon während meines Studiums hatte ich zwei Bücher übersetzt; das hatte mir viel Spaß gemacht, damals noch ohne PC – mit Papier und Bleistift und einer elektrischen Schreibmaschine.

Ob man heute von Übersetzungen leben kann, hängt natürlich davon ab, wie viele Aufträge man bekommt und wie schnell und zuverlässig man sie erledigt. Ich arbeitenun seit gut 20 Jahren mit großer Freude in meinem Beruf, habe für verschiedene Verlage zusammen mehr als 200 Titel übersetzt und damit bislang ein gutes Auskommen gehabt.

Dorothee Dziewas: Ich kann da nur für mich sprechen: Ich habe keine Ausbildung zur Übersetzerin gemacht, sondern Anglistik studiert, eine Zeitlang im englischsprachigen Ausland verbracht und anschließend einige Jahre als Lektorin in einem Verlag gearbeitet. Da das Übersetzen immer ein Traum von mir war, beschloss ich irgendwann, mein Glück als Freiberuflerin zu versuchen – mit Übersetzungen, aber auch im Lektorat und anderen Verlagsbereichen. Zunächst hatte ich noch eine zusätzliche Halbtagsstelle in abhängiger Beschäftigung, um eine finanzielle Grundlage zu schaffen. Denn ob ich vom Übersetzen würde leben können, wusste ich schließlich nicht. Schon bald stellte sich jedoch heraus, dass ich genügend Aufträge bekam, um meine andere Stelle aufzugeben. Das mit dem Davon-Leben klappt inzwischen recht gut. Ein Problem ist allerdings, dass die Vergütungssätze in der Regel für alle Projekte gleich sind und auf den Umfang bezogen werden, d.h. ein schwieriger, sagen wir theologischer Text, der vielleicht noch mit viel Recherchearbeit verbunden ist, “lohnt” sich für uns Übersetzer nicht im gleichen Maße wie eine Erzählung, die mit ihren Dialogen näher an der Alltagssprache ist und leichter von der Hand geht. Da muss dann eine Mischkalkulation erfolgen, sonst kommt (finanzieller) Frust auf.

Silvia Lutz: Ich habe am Fachbereich für Angewandte Sprachenwissenschaft der   Universität Mainz in Germersheim Diplom-Übersetzer studiert, d.h. 2 Sprachen   und ein Fachgebiet, in meinem Fall technische Übersetzungen. Übersetzer oder   Dolmetscher ist ein eigenständiger Studiengang mit vielen Elementen, die auch   im Anglistik- oder Romanistik-Studium vorkommen, aber es ist praxisbezogener   und beschränkt sich eben nicht nur auf die Fremdsprache, sondern auch   auf das jeweils gewählte Fachgebiet – wenn ich technische,   medizinische, wirtschaftliche oder   juristische Übersetzungen anfertige, muss ich auch das nötige   Fachwissen mitbringen – und, was nicht zu verachten ist, auf die deutsche   Sprache, in die man ja meistens übersetzt. Dazu kommen   übersetzungswissenschaftliche Seminare und Übungen, die sehr hilfreich sind.   Denn es geht beim Übersetzen ja nicht nur darum, dass ich den   ausgangssprachlichen Text verstehe, sondern darum, einen guten Text in der   Zielsprache verfasse.

Ob man davon leben kann? Verglichen mit anderen akademischen Berufen   verdient man relativ wenig. Das liegt u.a daran, dass Übersetzer eben keine   geschützte Berufsbezeichnung ist und das Studium nicht Voraussetzung dafür   ist, um als Übersetzer zu arbeiten. Als Fachübersetzer, also z. B. als   technischer Übersetzer, sind die Wort- oder Zeilensätze wesentlich höher als   bei literarischen Übersetzungen, die seitenweise bezahlt werden. Aber mir   macht es einfach Spaß und Freude, christliche Bücher zu übersetzen, und   deshalb habe ich irgendwann mit Fachübersetzungen aufgehört. Mir ist es   wichtiger, das zu tun, wo ich meine Berufung sehe, als reich zu werden. Und   wenn man hauptberuflich übersetzt, kann man auch davon leben.

3. Wenn das englische Manuskript Sie dann erst einmal erreicht, wie gehen Sie ganz speziell an Ihre Arbeit?

Eva Weyandt: Ich fange ganz einfach an zu übersetzen, ohne vorher zu lesen. Das erhält die Neugier auf den weiteren Inhalt des Buchs, was immer ein guter Ansporn für die zügige Fortsetzung der Arbeit ist. Es dauert eine Weile, bis ich mich in den Stil des Autors eingefunden habe. Aber dann „läuft“ es, und ich kann, je nach Art des Buches, zwischen 30 und 40 Seiten pro Tag in eine Rohfassung bringen, wobei es bei Sachbüchern natürlich etwas langsamer vorangeht. Mit der ausgedruckten Rohfassung und einem Bleistift mache ich es mir dann in unserem Wohnzimmer oder im Garten gemütlich und beginne mit der „richtigen“ Arbeit.

Für mich ist wichtig, dass der deutsche Leser einen gut formulierten, flüssigen Text in die Hand bekommt und ohne zu stocken lesen kann. Begleitend zu der Eingabe der Korrekturen in die digitale Fassung lese ich den kompletten Text nochmal. Die danach ausgedruckte Endfassung lese ich dann noch einmal durch, wobei letzte Rechtschreib- und Interpunktionsfehler ausgemerzt werden.

Dorothee Dziewas

Dorothee Weyandt: Als Erstes lese ich mich in den Text ein, mache mich mit der “Schreibe” des Autors oder der Autorin vertraut und mache mir ein Bild von den Charakteren. Dann fange ich an zu übersetzen. Dabei versuche ich von Anfang an möglichst genau den richtigen Ton zu treffen und die passenden Formulierungen zu wählen. Natürlich wird die erste Fassung anschließend noch einmal überarbeitet, aber größere Änderungen nehme ich dann nur noch selten vor. Sprachliche “dumme” Angewohnheiten und exzessiv benutzte Lieblingswendungen werden beim zweiten Durchgang ausgemerzt und ich überprüfe die Begrifflichkeit, gerade bei Sachbüchern, noch einmal ganz genau.

Silvia Lutz: Da ich, wie gesagt, christliche Bücher übersetze, die mich meistens   selbst interessieren, lege ich mich mit dem Buch erst mal gemütlich aufs Sofa   und lese es wie jedes andere Buch. Natürlich laufen im Hinterkopf dabei andere   Fragen und Prozesse ab, als wenn man ein Buch “einfach nur so liest.” Durch   das Lesen bekomme ich auch einen Eindruck von dem Buch. Bevor ich anfange   zu übersetzen, erstelle ich mir einen Zeitplan, um den Abgabetermin   einhalten zu können, und dann fange ich an, jeden Tag ein bestimmtes   Seitenpensum zu übersetzen. Danach lese ich meinen Text 3 mal, um Tippfehler   zu korrigieren, sprachliche Stellen, die mir nicht gefallen, zu ändern,   und um einfach zu sehen, ob es sich flüssig liest.  Wenn ich   genug Zeit habe, lese ich den Text auch noch ein viertes Mal, da man auch bei   dreimaligem Lesen immer noch das eine oder andere übersieht.

4. Übersetzen Sie mehr dem Sinn nach oder stur Wort für Wort, denn immerhindringen Sie ja in das Kunstwerk eines Dichters ein?

Eva Weyandt: Wenn ich übersetzte Bücher lese, stolpere ich machmal über Passagen hinter denen ich exakt die englische Formulierung erkennen kann. Das bremst den Lesefluss und damit auch das Lesevergnügen. Mein Ziel ist es, einen Text so zu bringen, wie ihn der Autor in der deutschen Sprache formuliert hätte. Man sollte die Übersetzungnicht bemerken. Inhaltlich ist die Übersetzung natürlich auf die Vorlage des Autors festgelegt. Künstlerische Freiheit bietet die Übersetzungsarbeit deshalb nur sehr begrenzt. Wichtig ist aber, dass man bei möglichst exakter inhaltlicher Wiedergabe die Sprache des Lesers trifft.

Dorothee Dziewas: Da meine Übersetzung ebenfalls ein Kunstwerk ist, hält sie sich natürlich nicht sklavisch an einzelnen Wörtern fest, sondern bringt vor allem die Bedeutung des Originaltextes rüber, aber auch den Geist, die Atmosphäre oder wie man das nennen will. Wenn ich eine Übersetzung lese und genau weiß, was im Original gestanden hat, dann ist die Übersetzung nicht frei genug – das ist meine Meinung. Einer guten Übersetzung sollte man (zumindest sprachlich) gar nicht anmerken, dass sie eine Übersetzung ist.

Silvia Lutz: Stur Wort für Wort kann man nur bei Ersatzteilelisten o.ä. übersetzen.   Ich habe den deutschen Leser im Auge und versuche, das Buch so zu übersetzen,   dass er es genauso gern liest, wie ich das englische Buch gelesen habe.

5. Neulich las ich ein Buch, in dem der Übersetzer den Namen einer bekannten englischen Filmlegende einfach mit „Inge Meysel“ übersetzte. Was machen Sie in einem ähnlichen Fall oder wenn es sich beispielsweise um ein Sprichwort oder eine Redewendung handelt, die im Deutschen nicht bekannt ist?

Eva Weyandt: Das geht natürlich nicht. Ich würde den englischen Namen bringen. Wenn er der Leser-Zielgruppe voraussichtlich unbekannt ist, wäre ein Hinweis sinnvoll, etwa: vergleichbar im deutschen mit Inge Meysel. (Anm. d. Übers.) Für ein Sprichwort oder eine Redewendung findet man in der Regel eine deutsche Entsprechung die in den Kontext passt.

Dorothee Dziewas: Redewendungen, die im Deutschen so nicht existieren, kann ich nicht einfach übernehmen. Hier ist wieder entscheidend, was das Bild oder Sprichwort an dieser Stelle aussagen will. Dann suche ich eine vergleichbare, deutsche Redensart, die das Gemeinte mit anderen Worten ausdrückt. In dem oben genannten Beispiel kommt es auf den Kontext an: Bei einer Erzählung, die in England spielt, würde ich versuchen, eine Person zu finden, die zwar dem deutschen Leser bekannt ist, aber Engländerin ist. Bei einem Sachbuch, das zufällig von einem Engländer geschrieben wurde, kann ein deutsches Beispiel sinnvoller sein.

Silvia Lutz

Silvia Lutz: Das kommt auf den Textzusammenhang an. Wenn in dem Buch eine Anekdote   oder ein Ausspruch dieser englischen Filmlegende zitiert wird, muss man   natürlich den Namen lassen, auch wenn der Name dem deutschen Leser kaum   bekannt ist. Notfalls erklärt man es eben mit einer Fußnote. Aber wenn z. B.   etwas Allgemeines über berühmte Filmlegenden geschrieben wird, ist Inge Meisel   eine viel bessere Übersetzung als ein englischer Name, bei dem der deutsche   Leser ins Stocken kommt und sich fragt, wer das ist. Ich habe auch schon bei   einem Erziehungsbuch, in der “Aunt Beverly” Ratschläge gibt, daraus   “Tante Hildegard” gemacht. Wenn es aber ein Roman im mittleren Westen der USA   ist, passt die Tante Hildegard nicht so gut.

 

6. Nennen Sie unseren Lesern bitte das von Ihnen übersetzte Buch, das auf dem deutschen Buchmarkt ein Erfolg wurde.

Eva Weyandt: Finale von Tim LaHaye und Jerry Jenkins, die Bände 1 bis 12. Besonders der erste Band war auf dem deutschen christlichen Buchmarkt ein großer Erfolg; er wurde auch in säkularen Buchhandlungen vertrieben. Entrückung und Endzeit bilden das Szenario der Romanhandlung. Die Autoren übertragen die Dramatik der biblischen Aussagen in unsere aktuelle Lebenswelt.

Dorothee Dziewas: Im konfessionellen Buchhandel sehr erfolgreich sind die Romane der Amerikanerin Lynn Austin, die ich seit einigen Jahren übersetze. Da ich mich hauptsächlich in diesem Bereich der Buchbranche bewege, ist der Sprung in die Spiegel-Bestsellerliste vielleicht nicht vorprogrammiert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden …

Silvia Lutz: Da ich seit 25 Jahren übersetze, waren schon ein paar bekanntere dabei.   Z. B. habe ich die Amisch-Reihen von Beverly Lewis der   Francke-Buchhandlung übersetzt oder im letzten Jahr “Das Haus an der Küste”   von James Rubart oder “Ich bin bei dir”, 2 Bücher, die zurzeit   in christlichen Buchläden in den Regalen stehen.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

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Katrin Stückrath: Bibelgärten

Bibelgärten – menschliche Versuche ein Paradies auf Erden zu bauen

Was Katrin Stückrath mit ihrer vorliegenden Arbeit gewagt hat, ist eine solide Aufarbeitung des Themas Bibelgärten. Diese feiern geradezu Konjunktur in der Gegenwart. Etwa 100 Bibelgärten gibt es derzeit in Deutschland. 25 davon hat die Autorin sich genauer angeschaut und beschrieben. Wir erfahren etwas über den Aufbau des jeweiligen Bibelgartens und die Intention dazu.
Äußerst interessant waren für mich in dem Buch die Passagen, in denen die Autorin über die Beweggründe des Anlegens eines Bibelgartens nachdachte. Da wird oft versucht symbolhaft auf Sünden und Leiden und die Hoffnungsperspektive der Auferstehung einzugehen. Ist dies vielleicht im Zusammenhang mit der Tatsache, dass immer weniger Menschen in die Gottesdienste gehen, aber dafür mehr Menschen Bibelgärten besuchen? Auf alle Fälle und diese Ansicht teilt auch die Autorin, ist der Bibelgarten ein mindestens ebenso wichtiger Ort um Gott nahezukommen wie der Gottesdienstraum.
Paulus selbst redet mehr als nur einmal vom bleibenden Auftrag den wir Menschen als Gärtner und Gärtnerinnen haben. Spätestens an dieser Stelle wird sehr deutlich wie wichtig es ist interdisziplinär an dieses Thema heranzugehen. Katrin Stückrath tut dies. Sie führt religionspädagogische und rein theologische Perspektiven zusammen, dabei wird erkennbar wie wichtig die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Wissenschaftszweige in der Gegenwart ist.
Bibelgärten wurden von den Menschen der Gegenwart längst aus ihrem Dornröschenschlaf geholt, allein in Deutschland hat sich ihre Zahl von 2005 bis heute verdreifacht, dies macht deutlich wie wichtig diese erste grundlegende Arbeit von Dr. Katrin Stückrath einzuschätzen ist.

Vandenhoeck & Ruprecht, ISBn 978-3-525-62419-7, Preis 69,65 Euro

 

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Übersetzer vorgestellt

An dieser Stelle wollen wir heute die Arbeit von Übersetzern würdigen. Und wie ginge dies besser als sie selber zu Wort kommen zu lassen. Dazu habe ich Verlage gebeten mir die Kontaktdaten zu ihren Übersetzern zu übermittteln. Was geschah? Sehr schnell hatte ich diese Kontaktdaten und alle Vorschläge waren männliche Übersetzer. Die drei sagten dann auch sogleich zu.

Hier nun unser Interview mit Christian Rendel, Wolfgang Günter und Julian Müller:

Das hat aber schnell geklappt. Innerhalb von wenigen Minuten hatten Sie mir alle gemailt, dass Sie sich an unserem Gespräch beteiligen. Frecherweise traue ich mich gleich mal zu fragen: Sitzen Sie den ganzen Tag an Ihrem Computer und warten auf einen neuen Auftrag ein Buch zu übersetzen oder wie findet ein Verlag seinen Übersetzer?

Christian Rendel: Übersetzer arbeiten in der Regel so ähnlich wie „feste freie Mitarbeiter“ bei Zeitungen. Jeder Verlag hat seine Liste von Übersetzern, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitet und unter denen er dann die anstehende Arbeit verteilt. Unabhängig davon sitzt man als Übersetzer natürlich sowieso den ganzen Tag am Computer – in der Regel aber nicht, um auf Arbeit zu warten, sondern um sie zu tun.

Wolfgang Günter: Die Verlage, für die ich arbeite, kennen mich inzwischen ganz gut. Sie wissen sogar, welche Bücher mir besonders Spaß machen könnten, und fragen dann wegen einer Übersetzung an.  Auch die Beziehung zwischen Verlag und Übersetzer muss eben wachsen. Und wenn das gelingt, ist das für beide Seiten gut. Hin und wieder muss ich auch dafür sorgen, dass mich ein Verlag, der mich noch nicht kennt, kennenlernt. Das klappt manchmal, manchmal aber auch nicht. Und ja, ich sitze tatsächlich den ganzen Tag am Computer.

Julian Müller: Das kleine „Dingdong“ einer neuen E-Mail macht einfach neugierig. Auch wenn sich das meiste als Werbung entpuppt. Aber es könnte ja ein Auftrag sein! Spaß beiseite: Natürlich hockt man nicht den ganzen Tag da und wartet auf den Auftrag. Da man mit einem Buch meist mehrere Monate beschäftigt ist, kommen die Aufträge dementsprechend auch in weiteren Abständen herein. Ansonsten findet der Verlag seinen Übersetzer über den Lektor bzw. die Lektorin. Der/die kennt nämlich seinen Stamm an Übersetzern und schätzt ein, wer für welches Buch am besten geeignet ist. Oder er nimmt Kontakt  zu einem neuen Übersetzer auf, der sich irgendwann einmal bei ihm beworben hat.

Wie wird man eigentlich Übersetzer und kann man davon leben?

Christian Rendel

Christian Rendel: Es gibt natürlich Ausbildungsgänge und Studienangebote für Übersetzer, aber man muss nicht unbedingt einen solchen Weg gehen, um diesen Beruf zu ergreifen. Ich selbst habe Germanistik und Geschichte studiert und gegen Ende meines Studiums aus Interesse an einem Übersetzungsseminar bei den Anglisten teilgenommen. Da sich dabei herausstellte, dass ich das ganz gut konnte, habe ich meine Dienste einigen Verlagen angeboten. Einige davon ließen mich daraufhin Probeübersetzungen anfertigen, und zwei erteilten mir schließlich Aufträge. Anfangs war das nur ein kleiner Nebenverdienst, um meine Studienkasse aufzubessern, aber mit der Zeit wurde es immer mehr, sodass ich nun schon seit über zwanzig Jahren ganz gut davon leben kann.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man einigermaßen schnell ist bzw. ein ausreichendes Tagespensum hat. Bezahlt wird meistens nach Normseiten, sodass das Ganze etwas von Akkordarbeit hat. Je mehr man macht, desto besser verdient man. Andererseits geht es natürlich vor allem um die Qualität – irgendwo ist da dem Arbeitstempo also auch eine Grenze gesetzt. Letzten Endes hilft nur Ausprobieren, wenn man herausfinden will, ob man davon leben kann.

Wolfgang Günter:  Nach meinem Lehramtsreferendariat habe ich ein Praktikum beim R. Brockhaus Verlag gemacht. Dabei habe ich gelernt, wie so ein Verlag überhaupt funktioniert, und auch die Leute dort kennengelernt. Daraus ergab sich der erste Übersetzungsauftrag, und seitdem bin ich Freiberufler. Wer reich werden will, sollte sich allerdings für einen anderen Beruf entscheiden. Man kann gerade so davon leben, und im Grunde sind wir literarischen Übersetzer unterbezahlt. Auf der anderen Seite genieße ich aber eine andere Art von Luxus, nämlich meinem Traumberuf nachzugehen, mir den Tag selbst einteilen zu können und zu Hause zu arbeiten. Alles in allem ist mir diese Art von Luxus wichtiger.

Julian Müller: Zum Übersetzen führen unzählige Wege. Da es an sich keine geschützte Berufsbezeichnung ist, steht jedem diese Tür offen. Das macht das Ganze sehr reizvoll, aber dadurch gibt es natürlich auch alle erdenklichen Qualitätsstufen. Deswegen muss man im Bereich der Literatur in aller Regel dem Lektor durch ein Probekapitel erst  einmal beweisen, dass man in der Lage ist, den komplexen Vorgang des Literaturübersetzens zu einem guten Ergebnis zu bringen. Um das zu können, habe ich nach dem Studium noch ein Jahr drangehängt und mich in einem Aufbaustudiengang nur diesem Thema gewidmet.

Ob man davon leben kann, hat man gewissermaßen selbst in der Hand. Arbeite ich schnell oder langsam? Verhandle ich geschickt oder verkaufe ich mich unter Wert? Kann ich selbstdiszipliniert als Einzelkämpfer arbeiten oder kriege ich das nicht hin? Generell muss man leider sagen, dass Literaturübersetzen so schlecht bezahlt ist, dass uns sogar der Bundesgerichtshof zur Seite springen und angemessene Honorare verordnen muss. Viele Übersetzer machen daher nicht nur Literatur, sondern auch Fachübersetzungen, die besser bezahlt sind. Aber das haben wir eben mit vielen künstlerischen Berufen gemein: Reich wird man davon nicht, und trotzdem erfüllt es einen.

Warum haben mir die Verlage wohl nur männliche Übersetzer empfohlen?

Christian Rendel: Da bin ich ehrlich gesagt überfragt! Ich glaube eigentlich nicht, dass erheblich mehr Männer als Frauen in diesem Beruf arbeiten – wenn man die nebenberuflichen Übersetzer mit einrechnet, dürften es sogar eher mehr Frauen sein.

Wolfgang Günter: Es wäre natürlich interessant zu wissen, wonach Sie genau gefragt haben 😉 Zum Beispiel: „Arbeiten für Ihren Verlag Übersetzer, die für öffentliche Selbstbeweihräucherung im Internet zu gewinnen sind?“ „Fragen Sie doch mal Herrn Günter.“ Nein, im Ernst, ich weiß es nicht. Und weil ich mir bei jedem übersetzten Buch, das ich lese, auch anschaue, wer es übersetzt hat, weiß ich, dass es mindestens so viele hervorragende Übersetzerinnen wie Übersetzer gibt.

Julian Müller:  Wüsste ich auch gern. Männer sind in diesem Beruf eigentlich in der Unterzahl.

Wenn das englische Manuskript Sie dann erst einmal erreicht hat, wie gehen Sie dann ganz speziell an Ihre Arbeit?

Christian Rendel: Ich fange einfach an zu übersetzen, teils per Tastatur, teils per Spracheingabe. In der Regel brauche ich 20 bis 30 Seiten, bis ich mich auf den Stil des Autors eingestellt habe. Deshalb mache ich oft nach zwei Kapiteln schon einmal einen Korrekturdurchgang. Ansonsten übersetze ich einfach weiter und erledige Recherchen und Zwischenkorrekturen immer dann, wenn sie sich ergeben. Am Schluss kommen dann noch zwei Korrekturdurchgänge – einer fürs Formale, einer fürs Stilistische. Wenn die Zeit reicht, mache ich die stilistische Korrektur gerne mit ein paar Tagen Abstand. Wenn man noch zu dicht dran ist, entgeht einem Vieles.

Wolfgang Günter: Kaffee kochen. Erst einmal ein paar Zeilen übersetzen, damit etwas dasteht. Ich neige zu einem unsystematischen Vorgehen und gleichzeitig zur Penibilität – eine ganz fruchtbare Mischung, wie ich finde. Vieles ändere ich nachträglich, wenn sich herausstellt, dass zum Beispiel die Übersetzung für einen bestimmten Begriff nicht so recht passt, oder mir beim Zähneputzen eine brillante Formulierung für einen Satz einfällt, den ich zwei Tage vorher übersetzt habe. Und manchmal recherchiere ich stundenlang für einen einzigen Begriff, wenn ich zum Beispiel wissen will, wie ein bestimmtes Metallbauerwerkzeug auf Deutsch heißt.

Julian Müller: Gründlich lesen. Mit einem Bleistift in der Hand. Manchmal kommen einem Geistesblitze, wie man das eine oder andere übersetzen würde. Das schreibe ich gleich mal an den Rand. Dann rechne ich die Seiten durch und stelle mir ein tägliches Pensum auf, damit ich rechtzeitig fertig bin und pünktlich abgeben kann. Bei aller Romantik der Schreiberzunft muss am Ende eines Arbeitstages nämlich etwas auf dem Papier stehen – wie bei Autoren auch. Die ersten Tage sind  erfahrungsgemäß etwas schwerer, weil man eine Weile braucht, um hineinzukommen. Außerdem steht oft auch einiges an Recherche an, je nach Thema des Buches. Aber so nach und nach gewinnt die Sache an Fahrt. Oft lese ich morgens erst einmal den Abschnitt, den ich an diesem Tag zu übersetzen gedenke, damit ich weiß, wohin die Reise geht. Und dann heißt es überlegen, nachschlagen, ausprobieren und dran feilen.

Übersetzen Sie mehr dem Sinn nach oder stur Wort für Wort, denn immerhin dringen Sie ja in das Kunstwerk eines Dichters ein?

Christian Rendel: Natürlich mehr dem Sinn nach – für Wort-für-Wort-Übersetzungen gibt es ja Google. Was das „Kunstwerk eines Dichters“ angeht, so geht diese Frage natürlich in einen sehr subjektiven Bereich hinein. Es gibt Autoren, die ohne viel Stilbewusstsein und Sinn für sprachliche Gestaltung an ihr Werk gehen. Für mich sind das die schwierigsten Übersetzungen – nicht zuletzt, weil eine solche Arbeit nicht sonderlich motivierend ist. Viel leichter fallen mir Autoren, die einen erkennbaren, charakteristischen Stil haben, den ich mir dann quasi wie ein Chamäleon aneignen kann. Das geht bei mir sehr stark über mein persönliches ästhetisches Empfinden – ich versuche einen deutschen Text zu erzeugen, der auf den Leser ebenso wirkt wie der Originaltext auf mich.

Wolfgang Günter

Wolfgang Günter: Meine Idealvorstellung: Ich möchte das Buch so übersetzen, wie es der  Autor auf Deutsch geschrieben hätte. Ohne irgendetwas zu verfälschen  und ohne am Wortlaut zu kleben. Bei außergewöhnlich guten Büchern stellt das natürlich eine besondere Herausforderung dar, aber sie >beflügeln mich auch, so dass vieles sich fast wie von selbst übersetzt und das Endergebnis stimmt. Schlechte Bücher finde ich schwerer zu übersetzen.

Julian Müller:  Ich dringe nicht nur in das Kunstwerk eines Dichters ein, ich muss ja selbst eins schaffen! Wenn Übersetzen reines Handwerk wäre, würde niemand übersetzte Bücher lesen. Mit der Wort-für-Wort-Methode geht man schlichtweg baden. Wenn Übersetzen andererseits nur Kunst wäre, hätte meine Übersetzung wohl nur noch wenig mit dem Original gemein. Der Autor wäre nur noch der Ideengeber. Also liegt die Wahrheit dazwischen – im Kunsthandwerk. Als Richtwert wird oft die sogenannte „Wirkungsäquivalenz“ ins Feld geführt: Das Erlebnis, das ich beim Lesen des Originalmanuskripts hatte, soll der deutsche Leser beim übersetzten Buch auch haben. Bis ins Letzte durchdeklinieren kann man das nicht, schließlich kann man verschiedene Sprachen und  Kulturen nicht zur absoluten Deckungsgleichheit bringen. Aber in diese Richtung geht die Reise.

Neulich las ich ein Buch in dem der Übersetzer den Namen einer bekannten englischen Filmlegende einfach mit „Inge Meisel“ übersetzte. Was machen Sie in einem ähnlichen Fall oder wenn es beispielsweise um ein Sprichwort oder eine Redewendung handelt die im deutschen nicht bekannt ist?

Christian Rendel: Das mit Inge Meysel könnte sogar ich gewesen sein. Bei solchen Persönlichkeiten ist das eine knifflige Frage. Einerseits hat es keinen Sinn, den deutschen Lesern einen ihnen völlig unbekannten englischen Namen hinzuwerfen, von dem womöglich sogar die Pointe eines Witzes abhängig ist. Da hilft dann auch eine Fußnote nicht weiter. Ersetzt man ihn dagegen durch den bekannten Namen einer passenden deutschen Persönlichkeit, besteht oft die Gefahr, dass man damit das Setting verlässt und den Leser aus der inneren Wirklichkeit der Geschichte herausreißt. Manchmal bietet sich eine in Deutschland bekanntere englische Persönlichkeit als Ersatz an. Auf jeden Fall geht es darum, den Effekt des Textes hinüberzubringen, ohne dass es auf Kosten des Gesamtkontextes und der Integrität geht.

Bei Redewendungen und Sprichwörtern ist das Problem weitaus geringer. In den meisten Fällen lassen sich gute deutsche Entsprechungen dafür finden. Wenn nicht, dann eben erfinden!

Wolfgang Günter: Ich erinnere mich an eine Szene in einem Krimi, in der die Geschworenen für eine Gerichtsverhandlung ausgewählt wurden – schon allein das muss man dem Leser erklären, weil unser Rechtssystem völlig anders ist. Eine Kandidatin jedenfalls kam demonstrativ mit einem Buch von Rush Limbaugh herein, um ihre konservative Gesinnung zu demonstrieren. Nun kennt den hier keiner, und wer ihn kennenlernt, wird sich aller Regel von seinem üblen Populismus, seiner Arroganz, seinen mitunter verdrehten Aussagen nicht begeistert lassen. Also schrieb ich etwas von einem „ultrakonservativen Autor“, um beim deutschen Leser dasselbe innere Bild entstehen zu lassen wie beim amerikanischen. Noch schwieriger sind übrigens Wortspiele.

Julian Müller

Julian Müller: Ich bin mir sicher, dass der Übersetzer nicht „einfach“ Inge Meisel hingeschrieben hat, sondern sich einige Gedanken darüber gemacht hat, wie er dem deutschen Leser vermitteln kann, was hier für eine Person gemeint ist. Ohne Kontext lässt sich natürlich schwer sagen, ob sein Vorschlag gelungen ist. Als Übersetzer steht man immer in der Spannung: Kommt das Buch auf den Leser zu oder der Leser aufs Buch? Wie viel Fremdheit verträgt der Leser, wie viel Vertrautheit verträgt der Text? An welchen Stellen kann ich das Deutsche dehnen, und ab wann stößt sich der Leser dran und sagt: Das sagt man aber nicht so? Diese Entscheidung muss man Fall für Fall treffen und zugleich das große Ganze im Blick behalten. Wenn eine Redewendung partout nicht funktioniert, dann lieber nicht auf Biegen und Brechen eine holprige Alternative hineinschweißen, sondern diese Stelle entschärfen, sich im Kopf ein Häkchen machen und bei nächster Gelegenheit nachholen.

Nennen Sie unseren Lesern bitte das von Ihnen übersetzte Buch welches auf dem deutschen Buchmarkt ein Erfolg wurde.

Christian Rendel: Am erfolgreichsten dürften wohl die Narnia-Bücher von C. S. Lewis sein, die ich vor einigen Jahren neu übersetzt habe.

Übrigens hat Christian Rendel so gut wie alle Adrian Plass Bücher ins deutsche übersetzt, auch das im August im Brendow Verlag erscheinende „Kampf der Welten“.

Wolfgang Günter: Ich glaube, das „Handbuch zur Bibel“ ist vielen ein Begriff. Und – auch wenn Sie nicht danach nicht gefragt haben – mein persönlicher Liebling ist „Bilder eines Sommers“ von Dale Cramer.

Julian Müller: Die bisher erfolgreichste Übersetzung war Nick Vujicic, Mein Leben ohne Limits. Erschienen im März 2011 im Brunnen Verlag, mittlerweile in siebter Auflage.

Wir bedanken uns ganz herzlich für die Gespräche. Wir haben uns entschlossen in einer weiteren Runde Übersetzerinnen, jawohl wir haben sie gefunden,  gleiche Fragen zu stellen.

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Georg Gremels (Hg.): Alles beginnt einmal ganz klein

Zu meiner eigenen Schande muss ich eingestehen, dass mir der Name Klaus Vollmer bisher nichts sagte. Aber nach diesem Buch habe ich eine ganze Menge von der Persönlichkeit des im letzten Jahr gestorbenen Theologen erfahren. Insgesamt 66  ehemalige Freunde und Wegbegleiter schreiben in dieser einmaligen Sammlung von Wortmeldungen zu Begegnungen und Erfahrungen und Impulsen die von Klaus Vollmer ausgingen.

Unter den Autoren sind unter anderem Ulrich Parzany, Reinhard Deichgräber und Klaus Eickhoff. Ihre Beiträge machen zum einen neugierig auf Klaus Vollmer und zum anderen ergibt dieses Buch einen bunten Reigen, eine Art Hommage an Klaus Vollmer.

Klaus Vollmer gibt noch heute Impulse, dieses Buch legt Zeugnis darüber ab!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-86827-338-0, Preis 9,95 Euro

 

buecheraendernleben stellte Dr. Georg Gremels folgende Fragen:

 

Lieber Georg Gremels, zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mit dem Namen Klaus Vollmer nichts anzufangen wusste. Warum war es Ihnen so wichtig mit diesem Buch an Klaus Vollmer zu erinneren?

Klaus Vollmer hat vor allem seit den 68iger Jahren eine ganze Generation von Studenten – vor allem in der Studentenmission in Deutschland – geprägt. Dazu gehöre auch ich, der ich damals noch Chemie studierte. Sodann hat er vielen den Weg nach Hermannsburg geöffnet, wo am dortigen Missionsseminar Glauben, Denken und Leben in bruderschaftlicher Form zusammengebracht wurden. Sein Programm war damals, Christen ganz klug, ganz fromm und ganz weltoffen zu machen. Seine Botschaft hat mich persönlich so erreicht, das ich nach dem Diplomexamen in Chemie nach Hermannsburg gegangen bin, um dort Theologie zu studieren und Missionar in Deutschland zu werden.

Sie selber schreiben in einem Beitrag im vorliegenden Buch, dass Klaus Vollmer besonders durch den CVJM und durch die Predigten von Johannes Busch geprägt wurde. Wo haben Sie Klaus Vollmer kennengelernt?

Wie schon gesagt habe ich Klaus Vollmer 1968 in den wilden Jahren an der Universität in Marburg kennen gelernt. Neben seinem geistlichen Vater Johannes Busch aus dem CVJM war es besonders Dr. Olav Hanssen, neutestamentlicher Lehrer am Johanneum in Wuppertal und später am Missionsseminar in Hermannsburg, der ihn geprägt hat und ihm eine große Weite im Denken vermitteln konnte.

Sie sind der Herausgeber des Buches. Das heißt Sie haben es nicht allein geschrieben. Insgesamt 66 Autoren erzählen in eigenen Beiträgen von Begegnungen mit Klaus Vollmer oder von Veränderungen in ihrem Leben, die Vollmer in Bewegung brachte. Warum haben Sie sich für diesen Weg der Erinnerung an diesen Mann entschieden?

Dr. Georg Gremels

Klaus Vollmer war nicht nur ein begabter Prediger, der viele Menschen durch seine Rede berühren konnte, sondern er konnte das Evangelium in der Begegnung unter vier Augen auf besondere Weise wirklich werden lassen. Deswegen habe ich viele gefunden, die bereit waren, ihr Urerlebnis, ihre entscheidenden Eindrücke und Lernerfahrungen weiterzugeben. So ist einem Mosaik gleich ein buntes Bild von ihm, seiner Persönlichkeit und seinem Wirken entstanden, das sich abwechslungsreich liest.

Klaus Vollmer wurde im letzten Jahr zu Grabe getragen. Was ist das Entscheidende das von ihm bleiben wird?

Einmal – so denke ich – wird seine unzerstörbare Positivität bleiben. Niemals, auch nicht in den schweren Zeit von Auseinandersetzung und Trennung innerhalb der von ihm gegründeten Bruderschaft und jetzigen Geschwisterschaft, aber auch nicht bei den Lasten, die mit dem Alter kommen, ist er bitter oder negativ geworden. FEst war er in jeder Lage davon überzeugt: „Unser Herr macht was draus!“ Und vielleicht wird ein Zweites bleiben: Die lebendige Spannung zwischen dem Jesus des Herzens und dem Christus des Kosmos, zwischen dem Herrn der Herzen und dem Herrn der Welt.

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Annegret Reitz-Dinse: Kommunikation mit Gott

Die Hamburger Theologin Annegret Reitz-Dinse hat sich sehr ausführlich mit der Nutzung von Gotteshäusern beschäftigt. Im vorliegenden Buch geht es zwar speziell um die Medialität und Sakralität von Kirchengebäuden und ihrer Nutzung am Beispiel der St. Marienkirche zu Lübeck, aber ausgehend davon, können die in der Hansestadt gemachten Erfahrungen anderen Verantwortlichen nun bei einer anstehenden Entscheidung an einem anderen Ort eine solide Hilfe sein.

Sehr akribisch arbeitet sich die Theologin an ihr Thema heran. Sie beschreibt den Moment des Betretens eines Kirchenraumes. Jeder wird bestätigen, dass eben dieser Moment etwas völlig besonders in ihm auslöst, anders als würde er einen Supermarkt oder ein Rathaus betreten.

Reitz – Dinse schaut sehr genau auch auf die spezifisch geschichtliche Ausstattung des Kirchengebäudes, egal ob Wandzeichnungen oder Altar betreffend. Zu beachten sind auch Themen wie: Was hat es hier an diesem Ort für geschichtlich relevante Begegnungen oder auch Feiern gegeben? All dies sind Fragen die sich Verantwortliche zu stellen haben.

Spannend dann, wie die Theologin ihre Leitlinien zur Gebäudenutzung beschreibt. Sie erinnert daran, dass sich die Nutzung von Kirchen seit Jahrhunderten ständig gewandelt hat, wir geschichtlich gesehen, also nicht völliges Neuland betreten. Die Theologin macht Vorschläge dafür wie eine weitere Nutzung heute vorstellbar wäre und wie es Beispiele in der Gegenwart bereits gibt.

Dieses Buch berührt ein Thema vor dem sich die kirchlichen Verantwortlichen lange und mancherorts bereits zu lange gedrückt haben. Die Autorin macht mit ihrem Buch Mut, das Thema nun offensiv anzugehen!

Neukirchener Verlag, ISBN 978-3-788-72570-9, Preis 49,00 Euro

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Bunn / Oke: Der Weg nach Damskus

Erneut führt uns das Autorenduo Davis Bunn und Janette Oke zurück in die biblische Zeit kurz nach dem Kreuzestod Jesu.

Genauer gesagt befinden wir uns in Judäa, im Jahr 40 n. Chr. Dort treffen wir Julia, die zusammen mit ihrer Mutter in einem wunderschönen Haus lebt. Beide haben in Judäa keine Freunde. Julia ist herangewachsen und sie bemerkt all diese Besonderheiten während der langen Zeit, in der sie gemeinsam mit ihrer Mutter immer wieder auf den Vater wartet. Er ist ein reicher Mann, besitzt eine Karawane und zieht von Handelsplatz zu Handelsplatz.

Julia wird von ihrem Vater geliebt, es geht ihr gut, aber sie spürt, dass etwas nicht stimmt. Als sich eines abends die Mutter wieder früh zurückzieht, erfährt Julia den Grund dafür, warum ihr so vieles seltsam erscheint und sie beginnt Pläne zu schmieden.

Nachdem Julia von den Anhängern des neues Weges erfährt, gibt es für sie kein Halten mehr und die Handlung nimmt Fahrt auf.

Davis Bunn und Janette Oke nehmen uns mit auf eine große Reise an viele biblische Orte: Neben Judäa, geht geht es auch nach Tiberias, Jerusalem, Joppe, Samarien und Megiddo. Sie füllen diese Orte mit uns bekannten Personen und schaffen es uns die biblische Botschaft neu und farbenfroh zu erzählen. Ich lese und fühle mich mittendrin im Geschehen – wie ein unsichtbarer Beobachter.

Leider ist dieses Buch bereits das Ende einer erfolgreichen Trilogie. Wer es schafft seine Leser so zu faszinieren und in die Zeit großer politischer und religiöser Veränderungen mit hineinzunehmen, der sollte sich nicht wundern, wenn sein Buch zum Bestseller avanciert.

Gerth Medien, ISBN 978-3-865-91716-4, Preis 15,99 Euro

Bereits erschienen sind:

2010 – Die Frau des Zenturio

2011 – Die Flamme der Hoffnung

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Jörg Berger: Lebensziel Berufung

Bereits in zweiter Auflage erscheint dieses Buch, dies zeigt, wie wichtig das hier angesprochene Thema nach wie vor ist. Der Autor ist Psychotherapeut und ihn beschäftigt das Thema wie der Mensch seine eigene Berufung im Leben erkennt. Hilfreiche Schritte beschreibt Jörg Berger und meint: „Einer Berufung zu folgen ist ein Lebensstil.“
In zwei Teile ist dieses Büchlein eingeteilt:
Teil 1: Lebensaufgaben erkennen
Teil 2: Lebensaufgaben gestalten
Hilfreich bei diesem Buch ist, der Autor referiert nicht einfach sein Thema, sondern er nimmt sich mit hinein als Mensch. Er beschreibt oft wie es ihm selbst in seiner Entwicklung ergangen ist. Es sind nicht die großen Weltneuheiten die Berger hier verkündet. Aber er macht aus der jeweiligen Situation noch einmal deutlich und dem Leser bewusst, dass beispielsweise nicht alle Menschen sich irgendwie anpassen müssen, sondern er sagt: „Die Menschen sind unterschiedlich.“ Berger macht seine Leser stark für diese Einsichten, er beleuchtet von unterschiedlichen Seiten wie wertvoll es auch für die Gesellschaft sein kann, wenn sie nicht nur aus angepassten Kleingeistern besteht.
Mit Humor und dem Lebensalltag in Augenhöhe verhilft Jörg Berger seinem Leser mit guten Impulsen und Fragen seine Berufung zu erkennen und dann tatsächlich auch anzunehmen, damit sinnvolles Leben möglich wird.
Mit diesem Buch kann der suchende Leser einen wichtigen Meilenstein meistern!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-861-22812-7, Preis 9,95 Euro

Jörg Berger hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Jörg Berger, als Psychotherapeut lernen Sie immer wieder Einzelschicksale kennen die in eine Lebenskrise geraten sind. Können Sie die Ursachen für solche Lebenskrisen kurz benennen?
 Krisen sind so vielfältig wie die Menschen, die in Krisen geraten. Einer wird neu mit schlimmen Erfahrungen aus der Vergangenheit konfrontiert, jemand anders opfert sich bis zur Erschöpfung für andere auf. Wieder andere geraten in immer gleiche Beziehungskonflikte und können sich keinen Reim darauf machen.
Sie reden in Ihrer Praxis mit diesen Menschen. Wie würden Sie sie beschreiben und was fehlt ihnen?
Menschen, die zu mir kommen sagen: „Hier komme ich allein nicht mehr weiter. Ich muss neue Wege finden.“ Ein schöner Moment, um Menschen zu begegnen, weil die Krise offen für Veränderung macht.
Noch vor 50 Jahren ging so gut wie niemand zum Psychotherapeuten, heute immer mehr, warum ist das so?
Jörg Berger
Seelische Probleme sind nicht mehr so schambesetzt wie vor 50 Jahren. Außerdem hat sich die Gesundheitsversorgung generell verbessert. Menschen finden heute leichter einen passenden Fachmann für ihr Leiden.
Sie schreiben in Ihrem Buch, es wäre heute so schwierig ein Leben zu leben welches genau dem Wesen eines Einzelnen entgegenkommt. Widerspricht dies nicht unserer modernen Gesellschaft die immer mehr toleriert?
Im historischen Vergleich eröffnen moderne Gesellschaften traumhafte Spielräume für die Lebensgestaltung. Trotzdem bleibt es eine Herausforderung, diesen Gestaltungsspielraum zu nutzen. An vielen Arbeitsplätzen herrscht ein starke Anpassungsdruck. Außerdem hat jede Gemeinschaft ihre Gruppennormen, sie belohnt bestimmte Verhaltensweisen und bestraft andere.
 “Lebensziel Berufung” heißt ihr Buch. Was sagen Sie Menschen die ihre Berufung selbst nicht entdecken oder die sich nicht trauen ihre Berufung zu leben?
 Schöpferisch mit der Umwelt umzugehen ist eine Lebensäußerung, die schon im Sandkasten beginnt und auf natürliche Weise immer wieder Raum sucht. Manchmal müssen Menschen diese Lebensäußerung aber unterdrücken, zum Beispiel wenn sie in einem starren Regiment von Geboten und Verboten aufwachsen. Als Erwachsene erleben sie sich dann von sich selbst entfremdet und blockiert. Die Lösung besteht dann darin, die Blockade zu erkennen und zu überwinden. Dann entfalten sich die Kräfte wieder, die eine Berufung tragen können.
Welche Rolle spielt Gott in all diesen Fragen?
Im Leben vieler Menschen entsteht irgendwann eine Sehnsucht, sich von Gott gebrauchen zu lassen. Sie fragen: „Gott, wo kann ich mich mit meinen Gaben einsetzen?“ Und sie versuchen Gottes Wegweisung zu verstehen und ihr zu folgen. Andere werden von Gott überrascht. Sie geraten in eine Situation und fühlen sich von Gott angesprochen: „Hallo, ich brauche dich. Setze dich hier für mich ein.“
Vielen Dank für das Gespräch!

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