Stefan aus dem Siepen: Das Seil

Stefan aus dem Siepen ist wortknauserich, er erzählt nicht einmal in welcher Zeit seine Geschichte spielt. Braucht er auch nicht, denn sie ist zeitlos, hat sich immer wiederholt und wird sich weiter wiederholen solange es die Menschheit gibt.
In einem kleinen Dorf leben die Bauernfamilien in Frieden und Eintracht zusammen. Aber plötzlich kommt Unruhe in ihr Paradies. Einer von ihnen findet am Waldesrand ein Seil mit nur einem Ende. Die Neugierde ist geweckt. Wo mag das andere Ende des Seils sein? Obwohl die Ernte auf den Feldern wartet, machen sich alle Männer schon am nächsten Tag auf um das Ende des Seils zu finden. Ihren Frauen und Kindern versprechen sie spätestens am Abend wieder bei ihnen zu sein.
Aber der Abend vergeht, viele Tage dazu und die Männer kommen nicht zurück. Mit des Autors Hilfe vermag der Leser abwechselnd ins Dorf und zu den Männern zu schauen. In beinah märchenhafter Sprache schildert Stefan aus dem Siepen einen neuen Auszug aus dem Paradies. Deutlich bringt er menschliche Züge und Standpunkte zum Ausdruck und zeigt, dass menschliche Vernunft oftmals nicht siegt.
„Jetzt begriffen sie erschrocken, dass ihnen das Spiel entglitten war – die Vermessenheit rächte sich und schlug auf sie zurück.“
Dieser Roman hat kein Ende, weil es die Menschheit noch immer gibt!

dtv, ISBN 978-3-423-24920-1, Preis 14,90 Euro

Stefan aus dem Siepen hat buecherveraendernleben folgende Fragen beantwortet:

Lieber Stefan aus dem Siepen, soeben ist Ihr Buch „Das Seil“ erschienen. Bauern machen sich auf den Weg um ihr Dorf zu verlassen. Sie sollten dringend auf ihr Feld gehen um ihre Ernte einzubringen, statt dessen gehen sie ins Ungewisse um das Ende eines Seils zu finden. Für mich klingt das wie Auszug aus dem Paradies, war das beabsichtigt?

Ich habe ein deutsches Dorf beschrieben, das idyllische Züge trägt, in dem Geborgenheit, Ordnung und schöne Beständigkeit herrschen. Man mag dies mit dem Paradies in Verbindung bringen, doch liegt mein Augenmerk noch mehr auf der Brüchigkeit der Dorfwelt, auf der Wahnhaftigkeit der Idylle: Das Chaos hält Einzug in die Harmonie. Auslöser ist dabei etwas ganz und gar Banales: ein Seil, das auf einer Wiese liegt.

Stefan aus dem Siepen

(Foto: dtv/Schumacher)

Wie kamen Sie darauf aus dieser Thematik einen Roman zu machen?

Ich habe die Geschichte geträumt. Eines Morgens saß ich auf der Bettkante und erinnerte mich, dass ich nachts einem Seil nachgegangen war, das immer länger wurde. Ich dachte, daraus müsse sich eine Geschichte machen lassen – und mit dieser Einschätzung hatte ich wohl nicht ganz und gar unrecht.

Sie verwenden eine wunderschöne, märchenhafte Sprache, leider wird kein Märchen draus, warum sind wir Menschen oft so verrückt und tun Sachen deren Folgen wir nicht absehen können?

Die Geschichte ist realistisch geschrieben und bedient sich doch mancher Motive aus deutschen Märchen. Nicht nur der finstere Wald kommt vor, auch Wölfe treiben ihr Unwesen, und es gibt den einen oder anderen Toten – was ja in Märchen bekanntlich vorkommt und schon mancher vorlesenden Großmutter pädagogische Bedenken bereitet hat. Die Märchenhaftigkeit meines Romans kippt allerdings ins Katastrophale um – die Bauern lassen sich verführen, ihre Existenz aufs Spiel zu setzen. Die Neugier auf das ganz Andere packt sie, sie frönen der Lust am Ausbrechen und lehnen es ab, „halbe Sachen“ zu machen.

Was bezwecken Sie mit Ihrem Buch?

Ich glaube, dass ein Kunstwerk keinen Zweck besitzt. Es soll schön sein, es mag zum Nachdenken anregen, und dieser und jener mag es im Gedächtnis behalten als einen geistigen Besitz, den er schätzt – das wäre schon viel.

Würden Sie mir zustimmen wenn ich behaupte man kann „Das Seil“ als eine Warnung an die Menschheit sehen nicht alles Machbare wirklich auszuprobieren?

Wenn es eine Warnung wäre, dann jedenfalls eine vergebliche, denn die Menschen pflegen das, was machbar ist, stets auszuprobieren, und sei es nur ein einziges Mal. Dieser fatale Zug ist allerdings die Kehrseite einer positiven Eigenschaft – des Drangs nach Erkenntnis, der edlen Neugier. Auch diese Ambiguität habe ich in meinem Buch auszudrücken versucht.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Stefan aus dem Siepen: Das Seil

  1. Das ist ja stark! Er hat geträumt, wie er einem Seil nachgegangen ist. Und hat daraus einen tollen Roman geschrieben.

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