Daniel Morawek: Jungfrau (männlich), gläubig, sucht

Kein Wunder, diesen Roman wollte keiner unserer frommen Verlage drucken. Die Sprache, die Daniel Morawek anschlägt, ist deftig. Aber alles andere wäre nicht authentisch gewesen.

Protagonist Benjamin ist 22 Jahre alt und gehört zu der Fraktion Christen die fordern: Kein Sex vor der Ehe! Das dies leichter gesagt, als durchgehalten werden kann, erfährt Benjamin oft genug.

Humorvoll beschreibt der Autor den Alltag von Benjamin. Studieren ist noch nicht angesagt, also arbeitet er erst einmal in einer Firma, die Pornofilme dreht als Tonassistent. Das allein ist für Benjamin schon Herausforderung genug. Hinzu kommt aber noch sein verkrampfter Umgang mit Mädchen.

Mutig finde ich, dass der Christ Daniel Morawek sehr deutlich die oftmals herrschende Enge einiger Gemeindekreise beschreibt, die quasi als Gesetz verkünden: Kein Sex vor der Ehe!, dann aber die Jugendlichen oft mit ihren Problemen allein lassen. Gerade in solcher gemeindlichen Enge wird oftmals das Thema Sexualität nicht genügend thematisiert oder schnell in einen Zusammenhang mit Sünde gestellt.

Morawek beschreibt Benjamins Weg durch seine schwierige Zeit, zeigt wie er sich zeitweise allein durch seine Gefühlswelten kämpfen muss und führt deutlich vor Augen, dass das Nichtreden über die Sexualität keine Hilfe für Jugendliche ist.

Natürlich für Jugendliche geschrieben, gewinnbringend zu lesen, aber sicher auch für Pastoren und Mitarbeiter in der christlichen Jugendarbeit!

CreateSpace, ISBN 978-1-477-56399-1, Preis 8,89 Euro

Autor Daniel Morawek hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Daniel, seit wenigen Tagen ist Dein Buch auf dem Büchermarkt und wird hoffentlich fleißig gelesen, gibt es bereits Reaktionen und wie sehen diese aus?

Es sind wirklich erst ein paar Tage, deshalb gibt es noch nicht viele Reaktionen. Die Leser, von denen ich bisher Rückmeldungen erhalten haben, freuen sich aber alle, dass jemand einen Roman zum Thema „Christen und Sexualität“ geschrieben hat. Manche sind auch erstaunt, dass ich mich das getraut habe.

Du erzählst aus der Ich – Perspektive des 22 Jahre alten Benjamins. Der lebt als Christ unter vielen Nichtchristen und hält an der Einstellung: „Kein Sex vor der Ehe“ fest. Wie bist Du auf die Idee gekommen mit diesem Thema in Buchform an die Öffentlichkeit zu gehen?

Ich bin selbst als Christ in einem sehr engen christlichen Umfeld aufgewachsen. Wenn es bei uns in der Gemeinde oder im Jugendkreis um das Thema Sexualität ging, wurden meist sehr einfache Antworten gegeben. Eigentlich kann man fast schon von Parolen reden, die da herausposaunt wurden. Als Jugendlicher war die Welt für mich leider nicht  ganz so leicht in schwarz und weiß einzuteilen wie in mancher Predigt. Auf meine wirklichen Probleme, meine Wünsche und Herausforderungen als Heranwachsender, darauf wurde leider nicht wirklich eingegangen. Auch unter meinen Freunden im Jugendkreis, hatte ich manchmal das Gefühl, ich sei der Einzige der problembeladen war und sich mit seinem sexuellen Erwachen herumquälte. Erst viel später habe ich gemerkt, dass es den anderen genauso ging.

Und das war vielleicht der Auslöser das Buch zu schreiben: Anderen zu zeigen, dass die Probleme und Fragestellungen, die sie haben, ganz normal sind.

Wieviel steckt vom Daniel Morawek im Benjamin?

Eine ganze Menge sicherlich. Aber auch nicht alles. Benjamin muss vieles durchleben, was ich auch durchleben musste. Manche Szenen sind komplett erfunden, andere Episoden sind von Geschichten inspiriert, die ich irgendwo aufgeschnappt habe. Was genau wahr ist und was nicht, werde ich natürlich nicht verraten.

Daniel Morawek

Sympathisch ist mir Dein Buch, weil es auch so manche Unsitte unter der frommen Christenheit benennt, etwas gestört hat mich als 50 jährigen Leser die sehr deutliche Jugendsprache, warum war es Dir wichtig auf sie nicht zu verzichten?

Die erste Fassung des Buches habe ich mit 23 Jahren geschrieben. Dann habe ich in den letzten acht Jahren immer wieder überarbeitet. Die jugendliche Sprache habe ich beim Ausbessern immer zu erhalten versucht. Da schwingt natürlich der Wunsch nach Authentizität mit – der Held ist ja mit 22 Jahren noch jung – und ich finde auch, dass Jugendsprache für einen flott zu lesenden Schreibstil sorgt. Ich wollte den Stil gerne wild und ungezähmt lassen. Trotzdem habe ich versucht, die Sprache – trotz des Themas – nicht zu sehr ins Unanständige gleiten zu lassen. Ob mir das gelungen ist, muss sicherlich jeder Leser für sich selbst beurteilen – mir ist schon klar, dass es hier sehr unterschiedliche Wahrnehmungen gibt.

Krampfhaft versucht Benjamin seinem verinnerlichten Anspruch an sich: Kein Sex vor der Ehe! durchzuhalten. Leider findet er nur einen Pastor der eigentlich gar nicht zuhört als er über seine Probleme spricht. Ist Dein Buch nicht für die Katz wenn niemand aus diesen angesprochenen Gemeinden das Buch liest?

Es ist ja nicht nur für Pastoren geschrieben. Sollte wirklich ein Pastor oder Jugendkreisleiter das Buch in die Hand bekommen, der bisher keinen richtigen Zugang zu den Jugendlichen in seiner Gemeinde gefunden hat, und durch die Lektüre Impulse mitnehmen, wäre das natürlich großartig. Mittlerweile habe ich übrigens viele christliche Leiter getroffen, die besser mit dem Thema umgehen, als die Leiter meiner Jugendzeit. Zum Beispiel Mönche, die ja nun wirklich im Zöllibat leben, aber ganz offen mit dem Thema und auch mit ihren persönlichen Herausforderungen umgehen. Damit bewahren sie sich, meiner Meinung nach, nicht nur davor selbst zu fallen – sie sind auch ein großes Vorbild für andere Christen.

Als Leser war ich natürlich von Seite zu Seite immer mehr gespannt ob Benjamin durchhält. Wie ist eigentlich Deine ganz persönliche Meinung zu diesem Thema? Immerhin bist Du ja heute glücklich verheiratet.

Benjamin durchleidet innerlich viel, aber am Ende ist er doch ein Glückspilz, weil er seine Jugend ohne allzu große Narben auf seiner Seele durchsteht. Anderen geht das anders. Ich möchte das aber als Autor nicht bewerten, sondern viel mehr die Auseinandersetzung mit einem wichtigen Thema anregen. Ich habe einige Freunde, die im selben Umfeld aufgewachsen sind wie ich, sich aber mittlerweile bewusst gegen die Lehre der Enthaltsamkeit vor der Ehe entschieden haben. Andere sind in anderen Kirchen oder auch Freikirchen groß geworden, in denen es ganz normal ist, wenn unverheiratete Paare zusammen wohnen. Dann gibt es die große Gruppe derjenigen, die zwar außerehelichen Sex hatten, ihr Verhalten aber als falsch sich selbst und Gott gegenüber empfinden und sich schuldig fühlen. Es ist also ein weites Feld. Am Ende des Tages bin ich mir aber sicher: Gott liebt uns alle.

Dein Buch wollten unsere christlichen Verlage ja nicht haben, sicher war ihnen Dein Thema zu heiß, wo kann ich es heute kaufen?

Die christlichen Verlage fanden das Buch tatsächlich etwas zu heiß. Interessant ist allerdings, dass sie mir trotzdem ausgesprochen positives Feedback zu dem Roman gegeben haben. Ich habe ”Jungfrau (männlich), gläubig, sucht“ erst einmal im Eigenverlag herausgebracht und greife auf die Veröffentlichungsmöglichkeiten von Amazon zurück. Zur Zeit ist es ausschließlich dort als gedruckte Ausgabe oder als eBook zu beziehen. Ich überlege aber bereits welche weiteren Vertriebskanäle ich nutzen kann, der Amazon-Vertrieb ist schließlich nicht exklusiv. Sollten Buchhändler Interesse haben, das Buch ins Sortiment zu nehmen, können sie mich gerne direkt kontaktieren.

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Deinem Buch!

Gleich drei Verlosungsexemplare stellt Daniel Morawek für unsere Leser zur Verfügung. Es gilt wieder, die bekommen ein Buch die sich am schnellsten darum bewerben. Daniel wird es dann signieren und an die Glücklichen abschicken.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Daniel Morawek: Jungfrau (männlich), gläubig, sucht

  1. Maria Lahnstein

    Ich würde das Buch sehr gerne lesen. Ein enorm wichtiges Thema, finde ich !

  2. Simone J.

    Mich würde das Buch auch interessieren. Das Thema kommt mir sehr bekannt vor. Zwar nicht aktuell aber in meiner Jugendzeit. Daher ist es interessant, dass jemand darüber ein Buch geschrieben hat!

  3. RaBu

    Die amazon-Leseprobe macht einen guten Eindruck. Hat Witz und verspricht Tiefgang.

  4. Pingback: Daniel Morawek: Jungfrau (männlich), gläubig, sucht | Arbeitsgemeinschaft christlicher Rezensenten

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