Monatsarchiv: Juli 2012

Andreas Nachama,Marion Gardei: Du bist mein Gott, den ich suche

Psalmen sind nichts anderes als Lieder. Man hat sie gesungen, um seinen Bitten und Klagen und seinem Lob freien Lauf zu lassen. Soweit so gut, aber sind wir Christen uns auch im Klaren darüber, dass die Psalmen ein wichtiges jüdisches Gebetbuch sind und dort manchmal ganz anders interpretiert werden?
Eine evangelische Theologin und ein Rabbi schreiben in diesem vorliegenden Buch ihre Gedanken zu den Psalmen auf. Welche Rolle spielen sie beispielsweise im jüdischen Gottesdienst und welche im christlichen? Spannend wird es für den Leser besonders an den Stellen, an denen beide Autoren einen ausgesuchten Psalm aus ihrer jeweiligen Tradition her interpretieren. Dabei werden unterschiedliche Wahrnehmungen deutlich, die sich bis hinein in den Glaubensalltag auswirken. So spielt der mir liebste Psalm, der 23., in der jüdischen Tradition heute beinah gar keine Rolle mehr. Wir Christen haben Jesus als den Hirten im Blick, die jüdische Tradition weist da verstärkt auf Mose und König David hin. So enthält dieses Buch noch mehr Aha-Erkenntnisse!
Das Buch ist anregend, weil beide Autoren auf der Höhe der Zeit argumentieren und nicht mit verstaubten Floskeln daherkommen. Sie verwischen keine Unterschiede fördern dafür aber den notwendigen Dialog!
Gütersloher Verlagshaus, ISBn 978-3-579-08138-0, Preis 16,99 Euro
Beide Autoren haben buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Wie kam es zur diesem Buch und was glauben Sie kann es dem Leser geben?

Andreas Nachama: Es kam zu diesem Buch im Anschluss an dieVeranstaltungsreihe „Bibel und Bach“ der Kirchengemeinde Dahlem. Dorthabe ich im Programmheft etwas über jüdische Psalmenrezeption geschrieben. Anschließend haben Pfarrerin Gardei und ich in dem gemeinsamen theologischen Arbeitskreis unserer beiden Gemeinden mit den Teilnehmern die Psalmen in Auswahl intensiv gelesen, erläutert und diskutiert. Im Gespräch mit dem Verleger entstand schließlich der Plan, dieses Dialogbuch zu schreiben. Es soll dem Leser ein Gefühl dafür geben, dass es neben der eigenen Tradition und Sicht der Psalmen auch jeweils eineandere gibt.

Marion Gardei: Die Evangelische Kirchengemeinde Dahlem, an der ich Pfarrerin bin, pflegt eine Freundschaft und Kooperation mit der jüdischen Gemeinde am Hüttenweg, an der Hr. Nachama Rabbiner ist, und die auf unsererm Gemeindegebiet liegt: Es gibt öfter mal gemeinsame Veranstaltungen und theologische Seminare. Eine Produkt dieser Zusammenarbeit ist, dass ich mit Rab.Nachama jedes Jahr das Programmheft zu „Bibel und Bach“ mit theologischem Hintergrundwissen vefasse. Bei Bibel und Bach wird ein ganzes biblisches Buch über 6 Sonntage verteilt ohne Kommentar gelesen nur mit der Musik Bachs als Begleitung. Im letzten Jahr waren es der Psalter.. Fragen über die Entstehung des Psalmen, ihre Bedeutung damals und heute haben Nachama und ich in dem Begleitheft erklärt. Da waren wir schon im Thema und haben gemerkt, wieviel Freude es macht, sich mit den Psalmen ausführlich zu beschäftigen. Und wir haben aus den Reaktionen zu unserem Heft gemerkt, wie hilfreich den Lesern unsere jüdisch-christlichen Kommentare waren. Da haben wir uns gesagt: Machen wir doch ein Buch daraus. Für Menschen, die die Psalmen beten und verstehen wollen. Die wissen wollen, aus welcher Tradition diese wunderbaren Gebete stammen, wo ihr „Sitz im Leben“ ist. Mensche, die manche Themen der Psalmen vertiefen wollen.Und die damit über die Texte der Psalmen hinaus tiefer in ihre verschiedenen Dimensionen eindringen möchten. Eine Verstehenshilfe, einfach geschrieben und verständlich, hoffentlich.

Es ist spannend zu lesen wie Juden und Christen sehr unterschiedlich mit Psalmen umgehen, bringt ein Austausch dennoch etwas für den Glauben des Einzelnen?

Rabbi Andreas Nachama

Foto: privat

Andreas Nachama: Wir hatten in unserem theologischen Arbeitskreis sehr stark das Gefühl, dass Psalmen ein verbindendes Element im christlich-jüdischen Dialog sind, weil jeder Gläubige, sei er jüdisch, sei er christlich, mit ihnen eine enge Verbindung hat. Dabei wurde die Sicht des jeweils Anderen als oft überraschende zusätzliche Einsicht angenommen – oder bei Gleichklang, als Bestätigung der eigenen Position empfunden. Alle mit denen wir im direkten Kontakt sind, waren sehr berührt von diesem Dialog. Das hoffen wir auch bei den Lesern zu erreichen.

Marion Gardei: Rab.Nachama und ich haben einen gemeinsamen christlich-jüdischen Bibelkreis, in dem wir Bibeltexte miteinander lesen und diskutieren, aus unseren jeweiligen unteschiedlichen Traditionen heraus aber in gegenseitiger Achtung. Mit diesen Menschen haben wir auch die Psalmen gelesen und darüber nachgedacht, was sie für unser Leben bedeuten. Dabei ist es sehr oft eine große Bereicherung für den Einzelnen, aus der jeweils anderen Religion heraus die Texte zu lesen, von seinen Erfahrungen mit Gott zu lernen, sich selbst in Frage stellen zu lassen. Aber auch das: zu erkennen, dass die Positionen nicht immer weit voneinander entfernt sind, sich im anderen wiederzufinden.

Der jüdisch – christliche Dialog ist in Deutschland, unten an der Basis, längst nicht der Normalzustand. Wie haben Sie es geschafft Menschen zu diesem Dialog zu motivieren und welche Auswirkungen kann so ein Dialog in die eigene Gemeinde mit hineinbringen?

Andreas Nachama: Wie wir den Dialog geschafft haben? Durch Begegnungen – das war in Fall dieser beiden Gemeindeneinfach, weil wir so benachbart sind und eben gelegentlich auch gemeinsam Gedenkgottesdienste gestalten oder Feste feiern. Aber es ist ja umgekehrt auch nicht so, dass da immer die ganzen Gemeinden zusammenkommen – aber richtig ist, es vertieftsich das Gefühl, zwei verschiedene Glaubensweisen zu haben, die den gleichen Ursprung und das gleiche Ziel haben, so unterschiedlich der Weg auch sein mag.

Marion Gardei: Aus der Tradition der Gemeinde Dahlem, die früher ein Zentrum christlichen Widerstands gegen Hitler und die Nazis war, wissen wir, was antijüdische Vorurteile anrichten können. Das sehen wir auch jetzt in der Verurteilung der Beschneidung, die jüdischen Menschen in unserem Land das religiöse Existenzrecht maßgeblich beschränkt. Im Gespräch miteinander lernt man, Vorurteile abzubauen, den anderen zu verstehen und zu achten. Der christlich-jüdische Dialog ist deshalb ein Schwerpunkt unserer Gemeindearbeit. Das wirkt sich auf die Predigt und auf das normale Gemeindleben aus. Wir lernen, dass wir kein schwarz.-weiss Denken brauchen, um unseren Glauben zu leben. Und wir lernen als Christen, dass wir z.B.Jesus nur als einen Juden recht verstehen können. Und dass wir das Geschenk der hebräischen Bibel mit dem Judentum teilen, verpflichtet uns als Christen zum Miteienander mit den Glaubensgeschwistern.

Das Buch war viel zu schnell zu Ende gelesen. Ist ein weiterer Bandmit einem Dialog über weitere Psalmen geplant?

Andreas Nachama: Wir sind noch ganz im Bann des ersten Buches, wiewohl wir im Augenblick in der Veranstaltungsreihe „Bibel und Bach“und in den nächsten Monaten im theologischen Arbeitskreis das Königsbuch mit seinen Elija und Elisageschichten lesen (werden). Es hat Spaß gemacht, das Buch zu schreiben und es könnte Spaß machen, ein zweites zu versuchen.

Pfarrerin Marion Gardei

Foto: Gütersloher Verlagshaus

Marion Gardei: Geplant noch nicht. Aber es wäre spannend, einmal die anderen biblischen Psalmen und Lieder zu betrachten, die nicht im Psalter stehen, sondern in anderen Teilen der Bibel zu finden sind. Das Moselied z.B. oder das Mirjam-Lied beim Auszug aus Ägypten: Befreiungslieder der Bibel.

Ich würde mich sehr auf einen Fortsetzungsband freuen. Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

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Kein Sprachrohr für rassistische Organisation

Vor wenigen Tagen haben wir an dieser Stelle das neue Buch von Damaris Kofmehl „Ritter des Ku Klux Klan“ vorgestellt. Im Autorengespräch kam auch Damaris Kofmehl zu Wort und hat über ihre Arbeit an diesem Buch berichtet:

https://buecheraendernleben.wordpress.com/2012/07/02/damaris-kofmehl-ritter-des-ku-klux-klan/

Nun hat auch der Präsident des europäischen KKK dieses Buch gelesen und äußert große Zweifel am Wahrheitsgehalt des Buches. In einem Kommentar zu unserer Rezension lässt er uns wissen: „Ihr Informant war sicher kein Kluxer und hat nie einem KKK-Treffen beigewohnt.“ buecheraendernleben wird Kommentare des KKK nicht freischalten, um dieser verbotenen Organisation keine Plattform zu bieten, hält es jedoch für seine Pflicht seine Leser über diese Vorgänge zu informieren.

„Dass ein Kreuz, wie in dem Buch z.B. beschrieben, auf dem Altar brannte – absolut lächerlich. Es gibt keine Altare im KKK mit „brennenden Kreuzen“!!!“, behauptet der oberste Kluxer in Europa und lässt keine Zweifel aufkommen: „Wir sind eine geheime Bruderschaft und hassen Verräter.“

Aus Respekt vor der notwendigen Auseinandersetzung mit dem Thema des Buches von Damaris Kofmehl, aber auch aus Respekt vor der Autorin und dem Verlag hat buecheraendernleben Mails des Kluxer nun dem Verlag übergeben. Wir beabsichtigen nicht fremdenfeindlichen Organisationen als Sprachrohr zu dienen und werden auch in Zukunft keine Kommentare veröffentlichen, deren Autoren rechte Gesinnung verraten.

In einer aktuellen Stellungnahme dazu sagt der Verlag SCM Hänssler am 30.7.2012 – 13.40 Uhr

„Dem Buch „Ritter des Ku-Klux-Klan“ liegt eine intensive Recherche seitens Autorin und des Lektorats von SCM Hänssler zugrunde. Die Fakten und beschriebenen Rituale des Ku-Klux-Klans stammen u. a. aus Originaldokumenten und werden durch Fotografien belegt. Die Erfahrungen des Protagonisten werden von verschiedensten Quellen gestützt und sind dem Genre entsprechend literarisch aufbereitet.

Der Verlag steht für Rückfragen unter presse@scm-haenssler.degerne zur Verfügung.“

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Rita Breuer: Im Namen Allahs?

100 Millionen Christen werden weltweit verfolgt. Sehr oft leben diese Christen in kommunistischen oder muslimischen Staaten. Die Islamwissenschaftlerin Rita
Breuer schaut in ihrem Buch genauer hin auf das, was da in vielen muslimisch geprägten Ländern dieser Erde mit Christen geschieht.

Gut verständlich und vor allem im sachlichen Ton, beschreibt die Autorin, warum Christen in muslimischen Ländern verfolgt werden. Sie zieht den Koran zu Rate und erklärt aus muslimischer Sicht. Aktuell ist das Buch gerade dort, wo Dr. Rita Breuer auch den Lebensalltag von Christen in den Ländern des Arabischen Frühling beschreibt. Am Beispiel von Ägypten macht sie deutlich, dass Christen heute dort gefährlicher leben als zuvor.

Aber Rita Breuer hat auch Zeichen der Hoffnung in muslimisch geprägten Ländern gefunden. So gibt es Politiker der zweiten oder dritten Reihe dort, die sehr wohl die Leistungen von Christen, besonders im Bildungs – und Gesundheitsbereich zu schätzen wissen und sie berichtet von Solidaritätsbeweisen muslimischer Einwohner, wenn Christen verfolgt oder drangsaliert wurden.

Trotz allem auch ein Buch das Hoffnung macht!

Herder Verlag, ISBN 978-3-451-30530-6, 12,99 Euro

Rita Breuer beantwortete buecheraendernleben folgende Fragen:

Liebe Frau Dr. Breuer, Ihr Buch “Im Namen Allahs?” beschäftigt sich mit der Christenverfolgung in islamischen Ländern. Es gibt bereits eine Vielzahl solcher Bücher auf dem deutschsprachigen Büchermarkt, warum sollte der Leser zu Ihrem Buch greifen?

 Weil es diese Vielzahl aus meiner Sicht nicht gibt. Bei allem Respekt vor den Büchern anderer Autoren: was mein Buch auszeichnet ist eine aktuelle und differenzierte Bestandsaufnahme der sozialen, religiösen und rechtlichen Situation von Christen in islamischen Ländern, insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Einflusses der Religion auf Politik und Gesetzgebung. Da stellt sich dann gleich die Frage, inwieweit die Benachteiligung bis Verfolgung von Christen islamisch oder eben nur extremistisch begründbar ist und wo es Ansätze einer toleranteren Islam-Auslegung gibt. Auf all diese Fragen finden die Leser in meinem Buch Antworten und zugleich die Frage an sie selbst, wie unsere Solidarität mit den benachteiligten Christen aussehen kann.
 
Kommunistische Länder und islamische verfolgen völlig unterschiedliche Ideologien, warum sehen beide in Christen Feinde? Was haben sie von Christen zu befürchten?
Zunächst mal sieht nicht der Islam an sich die Christen als Feinde an, sondern die Ideologie des Islamismus, die mit unterschiedlichen Ausprägungen derzeit an Einfluss gewinnt. Während der Islam die Christen zwar nicht als gleichwertig, aber durchaus als Inhaber einer Offenbarungsreligion betrachtet, verweigern sie aus der Sicht extremistischer Gruppierungen seit Jahrhunderten die Annahme des ‚wahren Glaubens‘ und paktieren stattdessen mit dem Westen gegen die Interessen der Muslime. Angesichts der geringen Zahl und Einflussmöglichkeiten von Christen tragen diese Ängste sehr irrationale, teils geradezu phobische Züge. Die Angst vor Andersdenkenden ist jedem Extremismus eigen, weil sie das Deutungsmonopol in Frage stellen. Im Kommunismus/Atheismus gilt der Mensch selbst als das letzte Maß aller Dinge. Christen, aber auch die Gläubigen anderer Religionsgemeinschaften, sehen gerade das fundamental anders und werden daher als Bedrohung wahrgenommen.
Dr. Rita Breuer
Ab und zu habe ich mich schon mal an einer Unterschriftenaktion gegen die Verfolgung von Christen beteiligt. Gibt es andere Formen der Hilfe und Unterstützung für uns hier in Westeuropa?
Ja, jeder von uns kann beitragen zur Enttabuisierung des Themas, in seinem privaten Umfeld, im Beruf, im Ehrenamt, in der Politik, in der Gemeinde, je nachdem wo jeder/jede seine und ihre Einflussmöglichkeiten hat. Es gibt nach wie vor eine erstaunliche Unkenntnis was die Lage der Christen in anderen Ländern angeht und einen eklatanten Mangel an Solidarität. Natürlich gibt es auch kirchliche Hilfswerke und Solidaritätsaktionen für benachteiligte Christen, die man gezielt unterstützen kann.
 Wie gesagt, es gibt viele Bücher zu diesem Thema, viele davon habe ich gelesen, aber eins war wirklich neu in Ihrem Buch. Sie schreiben, dass in der zweite Reihe der Politikerriege der Verfolgerländer Menschen stehen die die Christenverfolgung kritisch sehen. Glauben Sie diese Politiker werden sich in naher Zukunft durchsetzen können?
Es gibt Politiker, aber vor allem viele Muslime und auch Gelehrte, die ein konstruktives und respektvolles Miteinander mit Christen suchen und teilweise über Jahrzehnte gelebt haben und die sich auch heute solidarisch zeigen. In ihnen liegt die große Hoffnung der Zukunft, für die Christen, aber auch für andere Minderheiten, für Demokratie, Menschenrechte und die Lage der Frauen, die allesamt unter einem rückwärtsgewandten Scharia-Islam zu leiden haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass mittelfristig ein moderner und zukunftsfähiger Islam die Oberhand gewinnen wird, aber im Moment sieht es nicht danach aus, dass das in naher Zukunft der Fall sein wird.
Kennen Sie ein Land in dem Christen verfolgt wurden und in dem diese wirklich eingestellt wurde?
Historisch betrachtet gibt es natürlich Veränderungsprozesse, allerdings in beide Richtungen. Zum Beispiel hat man die über Jahrhunderte erhobene Sondersteuer für Christen im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts abgeschafft. Andererseits haben die soziale und rechtliche Diskriminierung von Christen, aber auch die religiös motivierte Gewalt in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Eine wirkliche und stabile Gleichberechtigung von Christen kann es nur in einem säkularen Staatswesen geben, das sich auch viele Muslime wünschen. Davon ist die islamische Welt insgesamt weit entfernt.
Vielen Dank für das Gespräch!

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Lars Quittkat: 8 Verse für ein Halleluja

Der Verlag bewirbt dieses Buch mit dem Untertitel „Ein schräger Kirchenroman“. Während ich die Gemeinde von Pastor Theo Braun kennenlerne und beim Lesen von den Marotten der einzelnen Gemeindeglieder erfahre, denke ich so bei mir: So schräg ist dieser Roman gar nicht.
Pastor Lars Quittkat hat die Realität ganz gut getroffen. Sein Kollege im Roman ist Hirte eines bunten Häufchens von Schafen die das Leben in einem kleinen Ort zusammengeführt hat. Da ist der schwule Organist, der gestrenge Kirchenvorsteher, die Küsterin die Zeit ihres Lebens an ihren Minderwertigkeitskomplexen leidet und da sind die vielen anderen die Lars Quittkat so detailreich beschreibt, dass die Story sofort gefangennimmt.
Plötzlich tauchen in der Gemeinde Briefe von einem unbekannten Absender auf. Nur ein einzelner, jeweils für den Empfänger sehr speziell ausgesuchter Bibeltext steht in diesem Brief. So wird beispielsweise der gestrenge Kirchenvorsteher Herr Brammer mit einem Pharisäer verglichen.
Klar, dass mit dem Auftauchen dieser Briefe Unruhe und vieles mehr in die Gemeinde kommen. Pastor Braun will unbedingt herausbekommen von wem diese Briefe stammen . . .
Dieser Kirchenroman ist schräg, aber er hat auch sehr viele realistische Anteile. Letztlich schafft es der Autor der Briefe mit Gottes Worten Veränderungen im Gemeindeleben einzuleiten. Dieser schräge Kirchenroman sollte von möglichst vielen Gemeindegliedern gelesen werden, vielleicht bewirkt er ja auch etwas!
Aussat, ISBN 978-3-761-55934-5, Preis 12,99 Euro

Lars Quittkat hat uns folgende Fragen beantwortet:

Lieber Lars Quittkat, ihr eben erschienenes Buch wird zwar „schräger Kirchenroman“ genannt, drückt aber sehr viel aus was in unseren Kirchengemeinden in der Realität läuft. Hat der Autor, der ja auch Pastor ist, ein wenig von seiner eigenen Gemeinde geschrieben?

Nein, ich habe nicht die Gemeinde abgebildet, in der ich Pastor bin. Ich sammle keine Kotztüten, meine Frau schreibt keine Horror- oder Liebesromane und unser Organist ist nicht Heavy-Metal- Fan. Die Personen und ihre Geschichten sind komplett erfunden. Aber natürlich kommt vieles beim Lesen bekannt vor, weil die Figuren im Grunde personifizierte Verhaltensweisen sind, die man überall findet, wo Menschen miteinander zu tun haben, nur nicht so überzeichnet. Insofern ist dieser Roman gar nicht so schräg, da haben Sie Recht.

In humorvoller Form beschreiben Sie die verschiedenen Typen, die alle an Gott glauben. Warum fällt es uns Menschen so schwer, aufeinander zuzugehen?

Gute Frage. Einfach gesagt: Mit unseren Freunden verstehen wir uns prima, aber unter Geschwistern gibt es öfter Auseinandersetzungen und Streit, und so ist es unter Brüdern und Schwestern in der Gemeinde auch.

In unserem Alltag knüpfen wir Kontakte nach Sympathie, gemeinsamen Interessen und Ansichten und sozialen Gemeinsamkeiten. In einer christlichen Gemeinde entsteht nun eine Gemeinschaft über diese Grenzen hinweg. Da kommen Menschen zusammen, die einander vielleicht nie suchen würden, und die „nur“ geeint sind durch den Glauben oder die Suche danach. Da muss man sich erstmal aufeinander einlassen.

In so einer Dorfgemeinde wie bei Pastor Braun hat dieses Problem der Gemeinschaft noch eine ganz besondere Note. Denn hier sind die Menschen auch durch Nachbarschaft verbunden, und die ist nicht nur durch gegenseitige Hilfsbereitschaft, sondern auch durch soziale Kontrolle geprägt. Das bildet sich im Roman in dem Getratsche und dem Verhalten von Frieda Matzke ab. Innerhalb dieser festen geprägten Strukturen auf neue Weise liebevoll aufeinander zuzugehen, kann sehr schwer sein.

Was trauen Sie Ihrem Buch zu, was kann, was soll es bewirken?

Zunächst einmal soll es Spaß machen. Ich hab es nicht geschrieben, um zu belehren. Ich wollte selbst Spaß beim Schreiben haben und ausprobieren, ob es möglich ist, so etwas wie einen christlichen Krimi ohne Verbrechen zu schreiben. Aber natürlich spiegelt sich darin auch ein Traum von Gemeinde: Hier haben alle mit ihrer Lebensgeschichte, ihren Stärken, Schwächen, Leiden, Prägungen, menschlichen Macken und Verrücktheiten ihren Platz, werden von Gott persönlich angesprochen und können sich in seiner Gemeinschaft, unter seinem Wort verändern.

Lars Quittkat

Wie sehen die Leserreaktionen aus, die Sie auf Ihr Buch bekommen?

Da muss ich noch ein wenig warten. Es ist ja grad erschienen, deshalb bin ich selbst noch ganz gespannt, welche Reaktionen kommen werden. Die ersten Leserreaktionen kamen vom Verlag. Nachdem mein Manuskript angenommen wurde, gab es zunächst geschäftlichen e-mail-Kontakt, und der war sachlich-nüchtern. Bei einem ersten Treffen war ich dann überrascht, mit welcher Begeisterung die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Verlag das Buch aufgenommen haben.

Wenn man so ein Ding schreibt – und das hat Jahre gedauert – , ist das eine einsame Sache, Für mich als Autor gibt es keine Überraschungen, und ich wusste am Ende nicht, wie jemand beim ersten Lesen die Geschichte erlebt oder ob sich überhaupt jemand dafür interessiert.

Wenn man theologisch an Ihr Buch herangeht, könnte man ja frecherweise behaupten: Predigten bringen es nicht so sehr, viel mehr wird Glaube im persönlichen Gespräch spürbar. Was meinen Sie dazu?

Zugegeben, Pastor Braun ist ein wenig frustriert, was die Wirkung seiner Predigten betrifft. Das hat in der Handlung seinen Sinn, weil es wiederum den geheimnisvollen Schreiber motiviert, Bibelverse persönlich zu adressieren.

Ich bin überzeugt, dass Christen drei Zugänge zur Bibel brauchen, um im Glauben zu wachsen und voran zu kommen: Impulse aus Gottesdiensten oder anderen christlichen Veranstaltungen, die persönliche Begegnung mit dem Wort der Bibel und den Austausch mit anderen darüber in kleinen Gruppen. Predigten können starke Impulse setzen, aber ersetzen nicht vertiefenden persönlichen Austausch oder die persönliche Bibellese. Die Mischung macht’s!

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Ihrem „schrägen Kirchenroman“ in dem wir uns alle irgendwie wiedererkennen können!

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Andreas Malessa: Altherren Sommer

Andreas Malessa schreibt über Männer in der Drittlife – Krise. Leider nimmt er sich selbst als Zielgruppe dabei zurück und weist darauf hin, nicht als Betroffener, sondern als Reporter zu agieren. Dem Buch hätte es sicher gut getan, wenn der Autor, der Jahrgang 55 ist, sich selbst als Mann mehr mit eingebracht hätte. Oder hängt dies mit dem Unvermögen der Männer zusammen, sich selbst mitzuteilen?

Humorvoll und faktenreich beschreibt Malessa Männer im allgemeinen „im Alter 50 plus“ und hat auch ein paar Einzelbeispiele parat. Dabei wird deutlich, Männer ticken halt doch anders als Frauen. Genau da setzt der Autor an und teilt seiner Leserschaft seine Beobachtungen mit. Wie schaffen Männer den Übergang vom Berufsleben ins Rentnerdasein? Wie bewusst gesatlten sie den immer länger werdenden Lebensabschnitt der da Lebensabend genannt wird? Da seine beschriebene Zielgruppe immer größer wird, gewinnt natürlich auch dieses Buch an Bedeutung.

Alltagssituationen im Familien – und Bekanntenkreis, aber auch gesellschaftliche Wahrnehmung der Männer „im Alter 50 plus“ hat Andreas Malessa gut beobachtet und beschreibt sie hier. Zum einen zur eigenen Reflexion der männlichen Leserschaft, sicher aber auch um Verständnis werbend bei Leserinnen.

Sehr direkt spricht dieses Buch Männer wie auch Frauen an, es weist auf Defizite in unserer Gesellschaft hin und es könnte vielleicht sogar der Anfang eines Gespräches sein.

Sehr zu empfehlen!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06663-9, Preis 17,99 Euro

Andreas Malessa beantwortete uns jetzt folgende Fragen:

Lieber Andreas Malessa, Sie reden in Ihrem Buch von den Männern „im Alter 50 plus“, sagen aber ausdrücklich nicht als Betroffener oder Ratgeberonkel agieren zu wollen, sondern als der Reporter: Kneift da der 1955 geborene Autor vor seinem selbst gewählten Thema?

Nein. Der Autor sagt zwar selbst auch immer „Ah !“, wenn er aus dem Sessel auf-  oder dem Auto aussteigt, wollte aber nicht Betroffenheitslyrik dichten oder wohlfeile Tipps aus dem malessianischen Nähkästchen erzählen, sondern die Ergebnisse jahrelanger Recherchen und Reportagen präsentieren. 57 Jahre alt zu sein ist wunderbar. Nichts, wofür man sich schämen müsste. Da mich als Freiberufler aber niemand pensionieren wird, ist mein eigenes Lebensgefühl wohl für die wenigsten repräsentativ.

Warum haben es Männer „im Alter 50 plus“ schwerer als Frauen über ihre eigenen Befindlichkeiten zu sprechen?

Weil Männergespräche eher sachorientiert-, themen- und berufszentriert verlaufen als gefühlsthematisierend; weil wir uns unsere psychosoziale und emotionale „Befindlichkeit“ selten bewusst machen ; weil wir es fürchten, nach ihr gefragt zu werden; weil wir keinen Nutzwert davon erwarten, sie zu thematisieren; weil wir Gespräche im Opfer-Modus hassen ; weil es über kurz oder lang um das Gefühl „Scham“ und die Sehnsucht „Ehre“ gehen würde und beide peinlich notiert sind. Deshalb leuchtet der „Altherrensommer“ ja auch in eher ruppig-salopp-selbstironischem Licht und enthält kein Wort „Psychogelaber“.

Andreas Malessa

Täglich erscheinen allein im deutschsprachigen Raum viele neue Buchtitel, warum sollte da ausgerechnet jemand Ihr Buch kaufen und vor allem wer sollte es kaufen?

Ausgerechnet den „Altherrensommer“ kaufen sollten alle, denen auffällt, dass es zentnerweise Bücher und Zeitschriften darüber gibt, was Frauen in den Wechseljahren, im „Empty-Nest-Syndrom“, in späten Zweit-Ehen oder als Witwen so fühlen, denken und machen. Aber dass es weit und breit nichts gibt über jene jährlich rund 600.000 Männer, die ( immer früher ) „in Rente gehen“. Die Wucht dieses Einschnitts wird von den Männern selbst verschwiegen oder beschönigt, von den Frauen unterschätzt und von den erwachsenen Kindern kaum registriert. Diese Reisereportage durch ein unbekanntes Land ausgerechnet von mir lesen sollten alle, die journalistische Schreibe und einen humorvollen Blickwinkel lieber mögen als Helfersyndrom-Sprech und Ratgeberprosa. Kaufen sollten es nur zwei Zielgruppen : Männer und Frauen.

In ihrem Buch meine ich auch ein wenig Gesellschaftskritik herauszulesen. Was könnte seitens der Politik geschehen um Männern „im Alter 50 plus“ etwas offener zu begegnen?

Politisch kann wenig geschehen, weil die Rentenkassen leer sind. Wirtschaftlich kann wenig geschehen, solange in der Industrie Berufs- und Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und eine gewisse altersweise soziale Kompetenz geringer geschätzt werden als fixe IT-Fertigkeiten und mal eben herbeigegoolte „Kentnisse“. Aber gesellschaftlich kann viel geschehen. In den Ehen und in den Kirchen und in der Kultur kann und wird was geschehen.

Was – das verrat` ich erst im Buch…..

Wie stellt sich eigentlich Andreas Malessa sein Leben mit 85 vor?

„So Gott will und wir leben“ – Jakobusbrief Kapitel 4, Vers 15 –  hoffentlich so ähnlich wie ein paar kluge 85jährige des Jahres 2012 leben : Josef Ratzinger, Martin Walser, Ralf Dahrendorf, Günter Grass, Robert Spaemann, Kurt Masur. Im übrigen sind Helmut Schmidt und Keith Richard der Beweis, dass Gott  manch unvernünftiges Laster mit Langlebigkeit verzeiht…..

Vielen Dank für das Gespräch!

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Peter Höhn: Glauben mit Herz – Leben mit Sinn

Es gibt Christen die besuchen alle Gemeindeveranstaltungen und wenn man sie beobachtet könnte man meinen sie tun alles dafür um den besten Fensterplatz im Himmel zu bekommen. Aber die Ausstrahlung, die herzenswärme eines Christen besitzen sie nicht. Peter Höhn sagt: Lass Jesus auch in dein Herz hinein.

Der Autor konfrontiert mich mit Fragen die ziemlich direkt sind. Er will von mir wissen ob ich mit Gott eher eine Geschäftsbeziehung, eine Angstbeziehung oder doch eine Liebesbeziehung unterhalte. Ziemlich neugierig dieser Autor, aber damit verdeutlicht er sehr genau um was es ihm in seinem Buch geht. Er macht sich stark für eine Herzensbindung mit Gott, weil wir dann erst die einzigartige Liebe erfahren die er für einen jeden von uns bereit hält.

Auf einer Station von 14 Kapiteln beschreibt Peter Höhn unser Dilemma und gibt uns sehr praktische Impulse wie wir auf den Weg zu so einer Herzensbindung kommen können. Mir ist es beim Lesen so ergangen, dass ich mich von einigen Kapiteln sehr direkt angesprochen fühlte und dann das Buch für einen Tag weglegte um das soeben gelesene zu verinnerlichen. Da steht bei Peter Höhn beispielsweise geschrieben, man solle sich „für den Heiligen Geist öffnen“. Das klingt gut, aber was bedeutet dies für den Alltag? Peter Höhn lässt seinen Leser nicht im Regen stehen. Er gibt Antwortversuche die jeder Leser prüfen und annehmen oder für sich selbst vervollständigen kann.

Eine Hilfe ist es auch, dass der Autor nicht als der Herr Oberlehrer auftritt, sondern sich selbst mit einbezieht und biografisches von sich selbst preis gibt. Wer sich ernsthaft mit Peter Höhn auf den Weg macht, der wird bald schon Veränderung spüren?

SCM R. Brockhaus, ISBN 978-3-417-26493-7, Preis 12,95 Euro

Peter Höhn hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Peter Höhn, “Glauben mit Herz – Leben mit Sinn” heißt Ihr Buch, warum haben sie es geschrieben, warum sollten wir es Lesen?

Weil ich drei Dinge entdeckt habe: Gott ist ein Gott des Lebens (und nicht der Religion), sinnerfülltes Leben ist eine Frage des Glaubens, und Glauben ist eine Frage des Herzens. Mit meinem Buch möchte ich Menschen motivieren, Gott mitten im Leben und gleichzeitig im eigenen Herzen zu suchen und zu finden – in der Gewöhnlichkeit des Alltags, im «Leiden» an den Mitmenschen und in den Kämpfen mit den eigenen Ängsten und Abgründen. Der Schlüssel ist der Herzensdialog mit Jesus und das aufmerksame Hinhören auf sein Wort. Dazu gibt das Buch praxiserprobte Anstösse. Wer diesen Herzensdialog mit Gott wagt, wird immer mehr den Zugang zum eigenen Herzen finden (woraus die Quelle des Lebens fliesst – Sprüche 4,23), mit seinen Nächsten erlöste Beziehungen leben und in dieser Welt seiner Berufung folgen können. 
Sehr beeindruckt hat mich an Ihrem Buch, dass Sie in einem sehr persönlichen Plauderton über Glaubenssachen reden, warum tun wir uns heute im allgemeinen so schwer damit?

Weil wir so furchtbar religiös sind – und denken, Gott sei es auch! Ich begegne vielen Menschen – ob gläubige oder andersgläubige –, die sich ganz tief drin vor Gott fürchten. Sie möchten, dass er ihnen hilft, sie in den Himmel bringt, gleichzeitig haben sie Angst, dass er ihnen zu nahe kommt oder zuviel von ihnen erwartet. Oder sie verbringen viel Zeit mit religiösen Aktivitäten, von den sie denken, dass das einfach dazugehöre, aber insgeheim langweilen sie sich zutode. Nur eines tun sie nicht: Sie gehen nicht hin und fragen Gott selbst nach, wie er sich denn das mit meinem Leben gedacht hat – mit meiner Arbeit, Ehe und Familie, Freizeit, Finanzen usw. und wie das alles mit echtem Leben gefüllt werden kann. Gott ist uns in Jesus nahegekommen, ist Mensch geworden. Das könnte uns doch ermutigen, selber immer mehr „normal“, natürlich, offen und ehrlich zu kommunizieren – sei es im Herzensdialog mit Gott, aber auch im zwischenmenschlichen Umgang.

Peter Höhn
Was geht uns eigentlich verloren wenn wir nicht im persönlichen Austausch miteinander sind?
Wir bleiben auf Distanz. Es findet keine wirkliche Begegnung und Beziehung statt. Es „lebt“ nicht. Deshalb ist es so wichtig, dass wir lernen mit Jesus (und miteinander) über das echte Leben zu reden: darüber, was in unserem Herzen ist, darüber, woran wir leiden, darüber, was uns echt bewegt und in uns echt lebendig ist.

Ihre Sätze lesen sich oft so einfach. Lass Jesus einfach in dein Herz hinein – das klingt toll, aber oft fragen  Menschen wie soll das geschehen? Was antworten Sie solchen Leuten?

Vielleicht reicht es, Jesus mal AN mein Herz heranzulassen, aber zugleich den Herzensdialog mit ihm aufzunehmen. Dafür ist es wichtig, dass wir alte, vielleicht auch schmerzliche und irritierende Erfahrungen mit der Kirche und dem Glauben zurücklassen (wir können uns hinter solchen Erfahrungen auch verschanzen). Es geht darum, sozusagen nochmals neu anzufangen, uns einfach und unverkrampft, aber mit Demut und Lernbereitschaft auf einen eigenständigen Weg zu machen unter dem Motto: «Herr, Jesus Christus, ich möchte dich wirklich aus erster Hand kennen lernen, ich möchte wissen, was es mit dem Glauben auf sich hat. Sprich du zu mir, was ich jetzt da, wo ich anstehe, hören soll und was für mein Leben wichtig ist.» Und dann gilt es auch still in sich hineinzuhören, vielleicht auch aufzuschreiben, was er zu unserem Herzen spricht, und es dann auch umzusetzen.
Wie redet Peter Höhn im Alltag mit Gott? Gibt es da feste Gebetszeiten oder reden Sie mit Gott zu jeder Stunde und überall?
Sowohl als auch. Ich habe meistens am Morgen eine halbe Stunde, in der ich einen Bibeltext lese, und für die Begegnungen dieses Tages bete. Dann bleibe ich den ganzen Tag über in einem lockeren inneren Herzensgespräch mit Gott. Und dann gibt es Zeiten grösserer Herausforderungen, Entscheidungen, Fragen, die ich in einer „Sondersitzung“ mit Jesus bespreche – so wie ich es auch ganz praktisch in meinem Buch beschrieben habe.
Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Wolfram Weimer: Land unter

Das „Pamphlet zur Lage der Nation“ von Wolfram Weimer hat es in sich. Der Autor spricht Tacheles und überführt die Politikerriege und uns Bürger nicht nur einmal unüberlegter ja unaufrichtiger Handlungen.
Ein Pamphlet ist laut Wikipedia eine Schmähschrift in der sich der Autor engagiert zu einem bestimmten Thema äußert. Dies tut Wolfram Weimer. Er lässt nicht viel Gutes an Deutschland und Europa. Er zeichnet beide auf dem absteigenden Ast. Dabei wird an vielen Stellen sehr deutlich, wie wir Bürger dieses Landes durch unser tägliches Handeln und unsere Lebensweise selbst tatkräftig an dem Ast sägen, auf dem wir heute noch sitzen.
Lese ich Wolfram Weimer, wird mir angst und bange. Er konfrontiert knallhart mit der Realität. Viel Platz für Schönfärberei und Hoffnungen sind da nicht. Selbst das „Untergangsmärchen“, Weimers Schlusspunkt im Buch, lässt mich betroffen zurück.
Und doch tue ich mich schwer, dieses Buch als Schwarzmalerei zu zerreißen, viel zu oft fühlte ich mich vom Autor ertappt. Manchmal muss jemand Tacheles reden, manchmal brauchen wir ein wenig Gewitter, damit anschließend etwas Neues sichtbar wird. Schaue ich nun etwas genauer auf das vorliegende Pamphlet, dann enthält es doch auch die Hoffnungsmomente, an denen man sich als Leser wieder ein wenig hochziehen kann:
„Wir brauchen nicht weniger als eine Revolution, eine Umkehr zu Bescheidenheit, Seriosität und Solidität, zu ausgeglichenem Haushalten.“
Noch deutlicher wird Wolfram Weimer an den Punkten, an denen er uns klipp und klar sagt:
„Man gibt sich hier geschmeidigen Netzwerken hin und Communities, weil sie kollektive Bande einer Welt sind, die die Wahrheit fürchtet wie der Chorknabe das Solo.“
Teilweise zeichnet Wolfram Weimer ein Szenario, in dem ich nicht leben möchte:
„Wir verdrängen noch, dass unsere Enkelinnen womöglich die Putzfrauen und unsere Enkel Söldner fremder Kulturmächte zu werden drohen.“
Es ist also zwei vor zwölf und der Autor sieht noch eine Minimalchance, um dem befürchteten Armenhaus Europa zu entkommen. Klar wird aber auch, dass es dazu gewaltigen Anstrengungen aller Bürger dieses Landes bedarf.
Mein Fazit: Wir brauchen mehr Weimers und keine Schönredner mehr!
Gütersloher Verlagshaus, ISBn 978-3-579-06655-4, Preis 10,00 Euro

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