Damaris Kofmehl: Ritter des Ku – Klux – Klan

Das 29. Buch der schweizer Autorin Damaris Kofmehl hat ein brisantes und zugleich auch aktuelles Thema. In ihrem Buch schlüpft sie in die Rolle des ehemaligen Großdrache des Ku-Klux-Klan Richard C.Harris. In der Ich-Form beschreibt sie wie Richard zu dieser terroristischen Vereinigung kam.

Der kleine Richard war ein stilles Büblein. Seine Freunde waren die Bücher, dazu trug er eine Brille mit superdicken Gläsern. Oft war er allein. Als seine Mutter starb, hatte er nur noch seinen Vater, der jedoch hatte keine Zeit für ihn. Da kam dann der Ku-Klux-Klan wie gerufen und Richard fühlte sich magisch angezogen vom Verbotenen und Geheimnisvollen des Klans.

Dieses Buch gehört zweifellos zu den besten die Damaris Kofmehl geschrieben hat. Dieser Roman hat für einige Minuten immer wieder auch Einschübe die an ein Sachbuch erinnern. dies stört beim Lesen keinesfalls, sie sind sogar nötig um geschichtliche Hintergründe verstehen zu können und um den Ku-Klux-Klan besser einordnen zu können.

Im Anhang des Buches werden nicht nur Begriffe dieser rassistischen Vereinigung erklärt und in einer Chronik der Opfer der schlimmsten Verbrechen gedacht, es sind auch Aktivitäten des Ku-Klux-Klans in Berlin , Köln und mehreren Städten des Ruhrgebiets erwähnt.

Für Richard gab es dann später doch noch eine Alternative zum Klan. Er schaffte den Ausstieg und entkam sogar einem Mordanschlag. Dieses Buch legt die Ideologie der Klans offen und überführt ihn als menschenverachtenden Verein.

Das bislang wichtigste Buch von Damaris Kofmehl, weil die Gefahr die sie beschreibt noch immer präsent ist, auch in Deutschland!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5416-1, Preis 14,95 Euro

Damaris Kofmehl beantwortete buecheraendernleben nun folgende Fragen:

Liebe Damaris Kofmehl seit wenigen Tagen ist Ihr Buch „Ritter des Ku-Klux-Klan“ auf dem Buchmarkt. Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Thema ein Buch zu schreiben?

Die Idee trage ich eigentlich schon mehrere Jahre mit mir herum. Ursprünglich kam die Idee von meinem Mann (Er ist ja Afroamerikaner aus den Südstaaten der USA, und für ihn ist dieses Thema viel präsenter als für uns hier in Europa). Dann hab ich im Internet gesucht und gesucht, bis ich vor ca. zwei Jahren auf Richard C. Harris stiess. Ich dachte einfach: Irgendwie hat jeder schon mal vom KKK gehört, wir wissen vielleicht, dass sie spitze weisse Hüte tragen, Schwarze hassen und Kreuze verbrennen, aber so genau wissen wir eigentlich gar nichts darüber. Mir ging es jedenfalls so. Und gerade, weil es so unheimlich daherkommt und man fast nichts darüber weiss, hat mich das Thema besonders gereizt. Tja, und dann hab ich Richard gefunden, und er war bereit, mir seine Story zu erzählen.

Sie haben im Internet Richard C. Harris gefunden, der selbst einmal Großdrache des Ku-Klux-Klan war. Er hat Ihnen seine Lebensgeschichte erzählt, aus der Sie Ihr spanendes Buch gemacht haben. Waren Sie selbst in Amerika oder lief der Informationsfluß per Mail?

Ich will meine Buchfiguren immer persönlich kennenlernen. Das ist mir sehr wichtig, damit ich nicht nur ihre Geschichte kenne, sondern auch sie selbst, wie sie sind, wie sie denken, ihren Charakter. Ich hab Richard letzten März in Florida besucht und eine Woche mit ihm verbracht. Da hat er mir auch seine Klanrobe und geheime Klanliteratur gezeigt, die er aufbewahrt hat. Es war unglaublich spannend, ihm zuzuhören.

Das Buch ist in der Ich – Form geschrieben, als würde ich die Autobiografie des Richard C. Harris lesen, dabei kam mir oft der Vergleich, mit der in Deutschland aktiven Neonaziszene. Ist das ein zulässiger Vergleich oder gibt es doch grundlegende Unterschiede zwischen Ku-Klux-Klan und deutscher Neonaziszene?

Damaris Kofmehl in Florida bei Richard C. Harris

Ja, der Vergleich ist schon passend – und auch erschreckend irgendwie. Der Ausspruch „White Power“ z.B. kommt ursprünglich vom Klan. Sie machen sogar eine Art Hitlergruss, der für einen Laien wirklich genauso aussieht. Die ganze Ideologie, dass die weisse Rasse den anderen überlegen ist, ist genau wie in der Neonaziszene vorhanden – mit dem Unterschied, dass der KKK lange vor den Nazis existierte (seit 1865), und dass der KKK noch den christlichen Glauben mit drin hat. Der KKK und die Neonaziszene sind quasi wie Bruderorganisationen, sie nehmen an gemeinsamen Kundgebungen teil, einige vom KKK haben Naziuniformen, die sie tragen. Da ist schon eine enge Verbindung vorhanden.

Ich würde Ihr Buch zwar als Roman einstufen, aber hin und wieder gibt es auch notwenige Passagen die an ein Sachbuch erinnern. Eigentlich dachte ich immer das sich das Thema Ku-Klux-Klan in Amerika inzwischen so gut wie erledigt hätte, ist dies doch nicht so?

Damaris Kofmehl

Genau diese Frage stellte ich Richard auch. Er sagte mir, da es eine geheime Organisation ist, ist es relativ schwierig zu sagen, wie viele Klanmitglieder es heute gibt. Tatsache ist: Es gibt sie heute noch. Nur gibt es sehr viele Gruppierungen, und sie sind stark mit der Neonaziszene vermischt, und daher sind sie etwas schwer überschaubar. Natürlich gab es z.B. grossen Zulauf beim KKK, als Obama Präsident wurde. Da gab es auch Drohungen von KKK Führern, Obama würde nicht lange Präsident bleiben. Richard erklärte mir, die vielen kleinen Gruppen seien halt häufig untereinander zerstritten und uneinig. Aber würde ein charismatischer Führer auftreten und es schaffen, die vielen Gruppierungen zu vereinen, dann könnte der KKK durchaus wieder sehr gefährlich werden. Auch heute noch.

Inzwischen gibt es selbst in Deutschland den Ku-Klux-Klan. Um so mutiger ist es von Ihnen dieses Buch zu schreiben. Haben Sie nicht Angst sich zur öffentlichen Zielscheibe zu machen?

Nein, davor habe ich ehrlich gesagt keine Angst. Ich greife ja nicht irgendeinen Führer des KKK öffentlich an. Und das, was ich über den KKK preisgebe, von Richard gehört und auch selbst nachgeforscht habe, entspricht den Fakten, die man auch in Geschichtsbüchern nachlesen kann.

Sie selber sind mit einem farbigen Musiker verheiratet. Was macht es mit einem Ehepaar wenn die Frau an solch einem Thema arbeitet? Sehen Sie Gründe heute in Deutschland Angst zu haben?

Richard C. Harris erklärt Einzelheiten an seiner Robe

Ich glaube nicht, dass man in Deutschland heute wegen des KKK Angst haben muss. Ich denke einfach, es ist erschreckend, wieviele Leute auch heute noch glauben, die weisse Rasse würde über allen anderen stehen und wieviele bereit sind, diese Philiosophie mit Gewalt zu vertreten, bis hin zu Terrorismus. Was meinen Mann und mich angeht: Gerade weil ich mit einem farbigen Mann verheiratet bin, bin ich natürlich schon ein bisschen sensibler, was das Thema Rassismus und Rassenhass angeht. Aber ehrlich gesagt hatte das Buch jetzt nicht gross einen Einfluss auf unsere Beziehung oder etwas in der Art. Es ist einfach ein Thema, das uns beide schon länger beschäftigt.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Ihrem Buch!

Hier gibt es einen kleinen Beitrag mit Richard C. Harris zu sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=Cjb_1Dj0nb8

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