Andreas Malessa: Altherren Sommer

Andreas Malessa schreibt über Männer in der Drittlife – Krise. Leider nimmt er sich selbst als Zielgruppe dabei zurück und weist darauf hin, nicht als Betroffener, sondern als Reporter zu agieren. Dem Buch hätte es sicher gut getan, wenn der Autor, der Jahrgang 55 ist, sich selbst als Mann mehr mit eingebracht hätte. Oder hängt dies mit dem Unvermögen der Männer zusammen, sich selbst mitzuteilen?

Humorvoll und faktenreich beschreibt Malessa Männer im allgemeinen „im Alter 50 plus“ und hat auch ein paar Einzelbeispiele parat. Dabei wird deutlich, Männer ticken halt doch anders als Frauen. Genau da setzt der Autor an und teilt seiner Leserschaft seine Beobachtungen mit. Wie schaffen Männer den Übergang vom Berufsleben ins Rentnerdasein? Wie bewusst gesatlten sie den immer länger werdenden Lebensabschnitt der da Lebensabend genannt wird? Da seine beschriebene Zielgruppe immer größer wird, gewinnt natürlich auch dieses Buch an Bedeutung.

Alltagssituationen im Familien – und Bekanntenkreis, aber auch gesellschaftliche Wahrnehmung der Männer „im Alter 50 plus“ hat Andreas Malessa gut beobachtet und beschreibt sie hier. Zum einen zur eigenen Reflexion der männlichen Leserschaft, sicher aber auch um Verständnis werbend bei Leserinnen.

Sehr direkt spricht dieses Buch Männer wie auch Frauen an, es weist auf Defizite in unserer Gesellschaft hin und es könnte vielleicht sogar der Anfang eines Gespräches sein.

Sehr zu empfehlen!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06663-9, Preis 17,99 Euro

Andreas Malessa beantwortete uns jetzt folgende Fragen:

Lieber Andreas Malessa, Sie reden in Ihrem Buch von den Männern „im Alter 50 plus“, sagen aber ausdrücklich nicht als Betroffener oder Ratgeberonkel agieren zu wollen, sondern als der Reporter: Kneift da der 1955 geborene Autor vor seinem selbst gewählten Thema?

Nein. Der Autor sagt zwar selbst auch immer „Ah !“, wenn er aus dem Sessel auf-  oder dem Auto aussteigt, wollte aber nicht Betroffenheitslyrik dichten oder wohlfeile Tipps aus dem malessianischen Nähkästchen erzählen, sondern die Ergebnisse jahrelanger Recherchen und Reportagen präsentieren. 57 Jahre alt zu sein ist wunderbar. Nichts, wofür man sich schämen müsste. Da mich als Freiberufler aber niemand pensionieren wird, ist mein eigenes Lebensgefühl wohl für die wenigsten repräsentativ.

Warum haben es Männer „im Alter 50 plus“ schwerer als Frauen über ihre eigenen Befindlichkeiten zu sprechen?

Weil Männergespräche eher sachorientiert-, themen- und berufszentriert verlaufen als gefühlsthematisierend; weil wir uns unsere psychosoziale und emotionale „Befindlichkeit“ selten bewusst machen ; weil wir es fürchten, nach ihr gefragt zu werden; weil wir keinen Nutzwert davon erwarten, sie zu thematisieren; weil wir Gespräche im Opfer-Modus hassen ; weil es über kurz oder lang um das Gefühl „Scham“ und die Sehnsucht „Ehre“ gehen würde und beide peinlich notiert sind. Deshalb leuchtet der „Altherrensommer“ ja auch in eher ruppig-salopp-selbstironischem Licht und enthält kein Wort „Psychogelaber“.

Andreas Malessa

Täglich erscheinen allein im deutschsprachigen Raum viele neue Buchtitel, warum sollte da ausgerechnet jemand Ihr Buch kaufen und vor allem wer sollte es kaufen?

Ausgerechnet den „Altherrensommer“ kaufen sollten alle, denen auffällt, dass es zentnerweise Bücher und Zeitschriften darüber gibt, was Frauen in den Wechseljahren, im „Empty-Nest-Syndrom“, in späten Zweit-Ehen oder als Witwen so fühlen, denken und machen. Aber dass es weit und breit nichts gibt über jene jährlich rund 600.000 Männer, die ( immer früher ) „in Rente gehen“. Die Wucht dieses Einschnitts wird von den Männern selbst verschwiegen oder beschönigt, von den Frauen unterschätzt und von den erwachsenen Kindern kaum registriert. Diese Reisereportage durch ein unbekanntes Land ausgerechnet von mir lesen sollten alle, die journalistische Schreibe und einen humorvollen Blickwinkel lieber mögen als Helfersyndrom-Sprech und Ratgeberprosa. Kaufen sollten es nur zwei Zielgruppen : Männer und Frauen.

In ihrem Buch meine ich auch ein wenig Gesellschaftskritik herauszulesen. Was könnte seitens der Politik geschehen um Männern „im Alter 50 plus“ etwas offener zu begegnen?

Politisch kann wenig geschehen, weil die Rentenkassen leer sind. Wirtschaftlich kann wenig geschehen, solange in der Industrie Berufs- und Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und eine gewisse altersweise soziale Kompetenz geringer geschätzt werden als fixe IT-Fertigkeiten und mal eben herbeigegoolte „Kentnisse“. Aber gesellschaftlich kann viel geschehen. In den Ehen und in den Kirchen und in der Kultur kann und wird was geschehen.

Was – das verrat` ich erst im Buch…..

Wie stellt sich eigentlich Andreas Malessa sein Leben mit 85 vor?

„So Gott will und wir leben“ – Jakobusbrief Kapitel 4, Vers 15 –  hoffentlich so ähnlich wie ein paar kluge 85jährige des Jahres 2012 leben : Josef Ratzinger, Martin Walser, Ralf Dahrendorf, Günter Grass, Robert Spaemann, Kurt Masur. Im übrigen sind Helmut Schmidt und Keith Richard der Beweis, dass Gott  manch unvernünftiges Laster mit Langlebigkeit verzeiht…..

Vielen Dank für das Gespräch!

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