Lars Quittkat: 8 Verse für ein Halleluja

Der Verlag bewirbt dieses Buch mit dem Untertitel „Ein schräger Kirchenroman“. Während ich die Gemeinde von Pastor Theo Braun kennenlerne und beim Lesen von den Marotten der einzelnen Gemeindeglieder erfahre, denke ich so bei mir: So schräg ist dieser Roman gar nicht.
Pastor Lars Quittkat hat die Realität ganz gut getroffen. Sein Kollege im Roman ist Hirte eines bunten Häufchens von Schafen die das Leben in einem kleinen Ort zusammengeführt hat. Da ist der schwule Organist, der gestrenge Kirchenvorsteher, die Küsterin die Zeit ihres Lebens an ihren Minderwertigkeitskomplexen leidet und da sind die vielen anderen die Lars Quittkat so detailreich beschreibt, dass die Story sofort gefangennimmt.
Plötzlich tauchen in der Gemeinde Briefe von einem unbekannten Absender auf. Nur ein einzelner, jeweils für den Empfänger sehr speziell ausgesuchter Bibeltext steht in diesem Brief. So wird beispielsweise der gestrenge Kirchenvorsteher Herr Brammer mit einem Pharisäer verglichen.
Klar, dass mit dem Auftauchen dieser Briefe Unruhe und vieles mehr in die Gemeinde kommen. Pastor Braun will unbedingt herausbekommen von wem diese Briefe stammen . . .
Dieser Kirchenroman ist schräg, aber er hat auch sehr viele realistische Anteile. Letztlich schafft es der Autor der Briefe mit Gottes Worten Veränderungen im Gemeindeleben einzuleiten. Dieser schräge Kirchenroman sollte von möglichst vielen Gemeindegliedern gelesen werden, vielleicht bewirkt er ja auch etwas!
Aussat, ISBN 978-3-761-55934-5, Preis 12,99 Euro

Lars Quittkat hat uns folgende Fragen beantwortet:

Lieber Lars Quittkat, ihr eben erschienenes Buch wird zwar „schräger Kirchenroman“ genannt, drückt aber sehr viel aus was in unseren Kirchengemeinden in der Realität läuft. Hat der Autor, der ja auch Pastor ist, ein wenig von seiner eigenen Gemeinde geschrieben?

Nein, ich habe nicht die Gemeinde abgebildet, in der ich Pastor bin. Ich sammle keine Kotztüten, meine Frau schreibt keine Horror- oder Liebesromane und unser Organist ist nicht Heavy-Metal- Fan. Die Personen und ihre Geschichten sind komplett erfunden. Aber natürlich kommt vieles beim Lesen bekannt vor, weil die Figuren im Grunde personifizierte Verhaltensweisen sind, die man überall findet, wo Menschen miteinander zu tun haben, nur nicht so überzeichnet. Insofern ist dieser Roman gar nicht so schräg, da haben Sie Recht.

In humorvoller Form beschreiben Sie die verschiedenen Typen, die alle an Gott glauben. Warum fällt es uns Menschen so schwer, aufeinander zuzugehen?

Gute Frage. Einfach gesagt: Mit unseren Freunden verstehen wir uns prima, aber unter Geschwistern gibt es öfter Auseinandersetzungen und Streit, und so ist es unter Brüdern und Schwestern in der Gemeinde auch.

In unserem Alltag knüpfen wir Kontakte nach Sympathie, gemeinsamen Interessen und Ansichten und sozialen Gemeinsamkeiten. In einer christlichen Gemeinde entsteht nun eine Gemeinschaft über diese Grenzen hinweg. Da kommen Menschen zusammen, die einander vielleicht nie suchen würden, und die „nur“ geeint sind durch den Glauben oder die Suche danach. Da muss man sich erstmal aufeinander einlassen.

In so einer Dorfgemeinde wie bei Pastor Braun hat dieses Problem der Gemeinschaft noch eine ganz besondere Note. Denn hier sind die Menschen auch durch Nachbarschaft verbunden, und die ist nicht nur durch gegenseitige Hilfsbereitschaft, sondern auch durch soziale Kontrolle geprägt. Das bildet sich im Roman in dem Getratsche und dem Verhalten von Frieda Matzke ab. Innerhalb dieser festen geprägten Strukturen auf neue Weise liebevoll aufeinander zuzugehen, kann sehr schwer sein.

Was trauen Sie Ihrem Buch zu, was kann, was soll es bewirken?

Zunächst einmal soll es Spaß machen. Ich hab es nicht geschrieben, um zu belehren. Ich wollte selbst Spaß beim Schreiben haben und ausprobieren, ob es möglich ist, so etwas wie einen christlichen Krimi ohne Verbrechen zu schreiben. Aber natürlich spiegelt sich darin auch ein Traum von Gemeinde: Hier haben alle mit ihrer Lebensgeschichte, ihren Stärken, Schwächen, Leiden, Prägungen, menschlichen Macken und Verrücktheiten ihren Platz, werden von Gott persönlich angesprochen und können sich in seiner Gemeinschaft, unter seinem Wort verändern.

Lars Quittkat

Wie sehen die Leserreaktionen aus, die Sie auf Ihr Buch bekommen?

Da muss ich noch ein wenig warten. Es ist ja grad erschienen, deshalb bin ich selbst noch ganz gespannt, welche Reaktionen kommen werden. Die ersten Leserreaktionen kamen vom Verlag. Nachdem mein Manuskript angenommen wurde, gab es zunächst geschäftlichen e-mail-Kontakt, und der war sachlich-nüchtern. Bei einem ersten Treffen war ich dann überrascht, mit welcher Begeisterung die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Verlag das Buch aufgenommen haben.

Wenn man so ein Ding schreibt – und das hat Jahre gedauert – , ist das eine einsame Sache, Für mich als Autor gibt es keine Überraschungen, und ich wusste am Ende nicht, wie jemand beim ersten Lesen die Geschichte erlebt oder ob sich überhaupt jemand dafür interessiert.

Wenn man theologisch an Ihr Buch herangeht, könnte man ja frecherweise behaupten: Predigten bringen es nicht so sehr, viel mehr wird Glaube im persönlichen Gespräch spürbar. Was meinen Sie dazu?

Zugegeben, Pastor Braun ist ein wenig frustriert, was die Wirkung seiner Predigten betrifft. Das hat in der Handlung seinen Sinn, weil es wiederum den geheimnisvollen Schreiber motiviert, Bibelverse persönlich zu adressieren.

Ich bin überzeugt, dass Christen drei Zugänge zur Bibel brauchen, um im Glauben zu wachsen und voran zu kommen: Impulse aus Gottesdiensten oder anderen christlichen Veranstaltungen, die persönliche Begegnung mit dem Wort der Bibel und den Austausch mit anderen darüber in kleinen Gruppen. Predigten können starke Impulse setzen, aber ersetzen nicht vertiefenden persönlichen Austausch oder die persönliche Bibellese. Die Mischung macht’s!

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Ihrem „schrägen Kirchenroman“ in dem wir uns alle irgendwie wiedererkennen können!

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