Rita Breuer: Im Namen Allahs?

100 Millionen Christen werden weltweit verfolgt. Sehr oft leben diese Christen in kommunistischen oder muslimischen Staaten. Die Islamwissenschaftlerin Rita
Breuer schaut in ihrem Buch genauer hin auf das, was da in vielen muslimisch geprägten Ländern dieser Erde mit Christen geschieht.

Gut verständlich und vor allem im sachlichen Ton, beschreibt die Autorin, warum Christen in muslimischen Ländern verfolgt werden. Sie zieht den Koran zu Rate und erklärt aus muslimischer Sicht. Aktuell ist das Buch gerade dort, wo Dr. Rita Breuer auch den Lebensalltag von Christen in den Ländern des Arabischen Frühling beschreibt. Am Beispiel von Ägypten macht sie deutlich, dass Christen heute dort gefährlicher leben als zuvor.

Aber Rita Breuer hat auch Zeichen der Hoffnung in muslimisch geprägten Ländern gefunden. So gibt es Politiker der zweiten oder dritten Reihe dort, die sehr wohl die Leistungen von Christen, besonders im Bildungs – und Gesundheitsbereich zu schätzen wissen und sie berichtet von Solidaritätsbeweisen muslimischer Einwohner, wenn Christen verfolgt oder drangsaliert wurden.

Trotz allem auch ein Buch das Hoffnung macht!

Herder Verlag, ISBN 978-3-451-30530-6, 12,99 Euro

Rita Breuer beantwortete buecheraendernleben folgende Fragen:

Liebe Frau Dr. Breuer, Ihr Buch “Im Namen Allahs?” beschäftigt sich mit der Christenverfolgung in islamischen Ländern. Es gibt bereits eine Vielzahl solcher Bücher auf dem deutschsprachigen Büchermarkt, warum sollte der Leser zu Ihrem Buch greifen?

 Weil es diese Vielzahl aus meiner Sicht nicht gibt. Bei allem Respekt vor den Büchern anderer Autoren: was mein Buch auszeichnet ist eine aktuelle und differenzierte Bestandsaufnahme der sozialen, religiösen und rechtlichen Situation von Christen in islamischen Ländern, insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Einflusses der Religion auf Politik und Gesetzgebung. Da stellt sich dann gleich die Frage, inwieweit die Benachteiligung bis Verfolgung von Christen islamisch oder eben nur extremistisch begründbar ist und wo es Ansätze einer toleranteren Islam-Auslegung gibt. Auf all diese Fragen finden die Leser in meinem Buch Antworten und zugleich die Frage an sie selbst, wie unsere Solidarität mit den benachteiligten Christen aussehen kann.
 
Kommunistische Länder und islamische verfolgen völlig unterschiedliche Ideologien, warum sehen beide in Christen Feinde? Was haben sie von Christen zu befürchten?
Zunächst mal sieht nicht der Islam an sich die Christen als Feinde an, sondern die Ideologie des Islamismus, die mit unterschiedlichen Ausprägungen derzeit an Einfluss gewinnt. Während der Islam die Christen zwar nicht als gleichwertig, aber durchaus als Inhaber einer Offenbarungsreligion betrachtet, verweigern sie aus der Sicht extremistischer Gruppierungen seit Jahrhunderten die Annahme des ‚wahren Glaubens‘ und paktieren stattdessen mit dem Westen gegen die Interessen der Muslime. Angesichts der geringen Zahl und Einflussmöglichkeiten von Christen tragen diese Ängste sehr irrationale, teils geradezu phobische Züge. Die Angst vor Andersdenkenden ist jedem Extremismus eigen, weil sie das Deutungsmonopol in Frage stellen. Im Kommunismus/Atheismus gilt der Mensch selbst als das letzte Maß aller Dinge. Christen, aber auch die Gläubigen anderer Religionsgemeinschaften, sehen gerade das fundamental anders und werden daher als Bedrohung wahrgenommen.
Dr. Rita Breuer
Ab und zu habe ich mich schon mal an einer Unterschriftenaktion gegen die Verfolgung von Christen beteiligt. Gibt es andere Formen der Hilfe und Unterstützung für uns hier in Westeuropa?
Ja, jeder von uns kann beitragen zur Enttabuisierung des Themas, in seinem privaten Umfeld, im Beruf, im Ehrenamt, in der Politik, in der Gemeinde, je nachdem wo jeder/jede seine und ihre Einflussmöglichkeiten hat. Es gibt nach wie vor eine erstaunliche Unkenntnis was die Lage der Christen in anderen Ländern angeht und einen eklatanten Mangel an Solidarität. Natürlich gibt es auch kirchliche Hilfswerke und Solidaritätsaktionen für benachteiligte Christen, die man gezielt unterstützen kann.
 Wie gesagt, es gibt viele Bücher zu diesem Thema, viele davon habe ich gelesen, aber eins war wirklich neu in Ihrem Buch. Sie schreiben, dass in der zweite Reihe der Politikerriege der Verfolgerländer Menschen stehen die die Christenverfolgung kritisch sehen. Glauben Sie diese Politiker werden sich in naher Zukunft durchsetzen können?
Es gibt Politiker, aber vor allem viele Muslime und auch Gelehrte, die ein konstruktives und respektvolles Miteinander mit Christen suchen und teilweise über Jahrzehnte gelebt haben und die sich auch heute solidarisch zeigen. In ihnen liegt die große Hoffnung der Zukunft, für die Christen, aber auch für andere Minderheiten, für Demokratie, Menschenrechte und die Lage der Frauen, die allesamt unter einem rückwärtsgewandten Scharia-Islam zu leiden haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass mittelfristig ein moderner und zukunftsfähiger Islam die Oberhand gewinnen wird, aber im Moment sieht es nicht danach aus, dass das in naher Zukunft der Fall sein wird.
Kennen Sie ein Land in dem Christen verfolgt wurden und in dem diese wirklich eingestellt wurde?
Historisch betrachtet gibt es natürlich Veränderungsprozesse, allerdings in beide Richtungen. Zum Beispiel hat man die über Jahrhunderte erhobene Sondersteuer für Christen im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts abgeschafft. Andererseits haben die soziale und rechtliche Diskriminierung von Christen, aber auch die religiös motivierte Gewalt in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Eine wirkliche und stabile Gleichberechtigung von Christen kann es nur in einem säkularen Staatswesen geben, das sich auch viele Muslime wünschen. Davon ist die islamische Welt insgesamt weit entfernt.
Vielen Dank für das Gespräch!
Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s