Monatsarchiv: August 2012

Arno Backhaus: Ist das Kunst oder kann das weg?

Sprücheklopfer Arno Backhaus legt nun seiner Fangemeinde eine neue Sammlung von Sprüchen vor. Dass der Verlag sich erneut zu so einem Büchlein entschlossen hat, zeigt: Bedarf ist vorhanden!

Zu vielen Alltagssituationen weiß der Autor in Form von Sprüchen und Aphorismen etwas zu sagen. Er scheint geradezu auf Lachnummern zu warten. Die Höhepunkte sind für mich die, bei denen man das Hirn nicht ausschalten darf.

Ein Beispiel: „Ansage im Gottesdienst: „Jesus geht auf dem Wasser“, so heißt die Morgenandacht morgen früh. Um zehn Uhr dann der erste Themenblock: „Auf der Suche nach Jesus.“

Hin und wieder lässt der Autor aber auch Kollegen zu Wort kommen. Peter Ustinow, Hans – Joachim Eckstein und Kerstin Hack kommen ebenfalls zu Wort. Um die Frage des Autors auf dem Cover zu beantworten und vor allem dabei ehrlich zu sein, diese Frage muss jeder Leser für sich ganz allein beantworten. Ich weiß, dass ich dies Büchlein seit Tagen auf meinem Schreibtisch liegen habe und es den Sprung in mein seriöses Bücherregal nicht schafft, weil ich täglich mindestens einmal drin blättere um dann bei einem Spruch hängen zu bleiben.

Über diese Sprüche zu lachen ist das eine, aber ich bin mir sicher sie lösen beim Leser etwas aus und gerade deshalb wird er immer wieder zurückkehren zu Backhaus und seinen Sprüchen. Durch die Sprüche des Autors werden Sinne geschärft und vielleicht bisherige Haltungsweisen überprüft. Kann sich ein Autor mehr wünschen? Dann ist es auch egal ob man es ins seriöse Bücherregal schafft oder ob das Buch zum Gebrauchsgegenstand aufsteigt!

Brendow, ISBN 978-3-865-06402-8, Preis 9,00 Euro

Arno Backhaus hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Arno Backhaus

Lieber Arno Backhaus, wann ist Ihnen aufgefallen, dass Sie ein begnadeter Sprücheklopfer sind?

„Begnadeter“ weiß ich nicht…,eigentlich in der Schule, da habe ich nämlich wegen meiner, meistens dummenaber manchmal auch originellen, Sprüche oft Ärger bekommen.

Was glauben Sie, warum lieben die Leser Ihre Sprüche so?

Eigentlich müsste man ja nicht mich,sondern die Leute fragen, die meine Sprüche lieben.

Vielleicht weil sie manches auf den Punkt bringen, ohne groß drum rum zureden, vielleicht weil sie ein AHA-Erlebnis bewirken,vielleicht weil ich Klamauk und Tiefgang verbinde, das sind aber allesSpekulationen.

Auf dem Cover Ihres neuen Buches stellen Sie Ihren Lesern eine Frage. Wie sieht eigentlich Ihre Antwort aus?

„Ist das Kunst oder kann das weg ?“  Das Buch und die Sprüche können natürlich weg, weil es auf das Leben, nicht auf  Sprüche ankommt, das beschreibe ich aber auch in dem Buch. Wir haben schon genug Sprücheklopfer und so wenig „Täter“.

Ist Sprücheklopfer eigentlich eine Beleidigung für Sie?

Da antworte ich mit einem meiner Sprüche, die ich u.a. auch auf T-Shirts drucke „Wer mich beleidigt, das entscheide immer noch ich“. Zu mir hat noch nie jemand „Sprücheklopfer“ gesagt, vielleicht weil die Leute die mich näher kennen, wissen, dass ich versuche authentischzu sein, auf der Bühne nicht anders zu sein als hinter der Bühne.

 

Müssen wir Leser uns den Arno immer mit Stift und Zettel durch den Alltag ziehend vorstellen oder wo genau kommen die vielen Sprüche her?

Jain, immerwenn mir ein Spruch einfällt, ich einen Spruch irgendwo lese oder finde oder verändere, schreibe ich ihn mir sofort ein. Als AD(H)Sler bin ich extrem vergesslich.

Gestern hat jemand im Radio das Wort „einnisten“ gesagt, das Wort kommt ja von Nest. Das habe ich mir gleich in meinen Computer geschrieben „Warum heißt einnisten eigentlich nicht einnesten?“ Oder mir fällt auf, dass der Euro männlich, die DM weiblich und das Geld sächlich ist. Warum wird das neue Geld auf einmal männlich? Das ist vielleicht auch eine typische Eigenschaft von AD(h)Slern, die manchmal quer denken (und reden).

Wenn ein Spruch gut ist was trauen Sie ihm dann alles zu?

Oh, alles, genauso wie ich schlechten Sprüchen alles zutraue. Als ich 14 Jahre alt war, hat im Zeltlager der Leiter zu mir gesagt „Du wirst sicher mal ein guter Jungscharleiter“. Das war in meinem Leben der erste positive Spruch über mich, vorher gab es nur Ärger, Stress und Zoff. Als ich mit 16 Christ wurde, bin ich sofort Jungscharleiter geworden und heute mit 61 bin ich immer noch Jungscharleiter, und ich glaube nicht der Schlechteste. Mit Sprüchen kann ich Menschen plattmachen oder aufbauen.

Wird Arno Backhaus weiter Sprüche sammeln?

Ja, aber nicht nur sammeln sondern auch selbst kreieren oder verändern.

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim weiteren kreieren!

 

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Franz – Xaver Kaufmann: Kirche in der Ambivalenten Moderne

Der Autor schreibt als Katholik seine Sicht der Dinge. Dies macht es für mich als Protestant spannend und lässt einen gewissen Aha – Effekt bei mir entstehen. Vieles von dem was er schreibt, über die Kirche in der Moderne, würde ich für die Geschwister in der evangelischen Fraktion ebenso übernehmen.

Es geht um die Kirche und gelebten Glauben in einer Zeit, in der sich scheinbar alles ändert. Kann Kirche und gelebter Glaube da einfach ausharren oder sind sie nicht geradezu gezwungen sich zu verändern?

Was der emeritierte Professor für Sozialpolitik und Soziologie hier mit seinem Werk vorlegt, ist eine kritische Bestandsaufnahme und das sind vor allem auch in die Zukunft hineinreichende Fragen wie „Ist das Christentum zukunftsfähig?“

Auch wenn der Autor Hochschullehrer war, hat er sich doch eine Sprache bewahrt, die jeder interessierte Laie verstehen kann. Ich habe dieses Buch mit Gewinn gelesen, es ist spannend und informativ zugleich!

 

Herder Verlag, ISBN 978-3-451-34134-2, Preis 22,00 Euro

Der Autor des Buches hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Franz – Xaver Kaufmann, Ihr soeben erschienenes Buch „Kirche in der Ambivalenten Moderne“ soll, wie Sie selber sagen, der Versuch eines interdisziplinären Gesprächs sein. Der katholische Theologe trifft auf den Soziologen. Warum ist dieses Gespräch heute so wichtig?

Offensichtlich erfahren wir in Europa seit einigen Jahrzehnten einen Traditionsabbruch des christlichen Glaubens in beiden großen  Konfessionen. Dieser hat aus der Sicht des Soziologen mit gesellschaftlichen Veränderungen zu tun, welche für Theologie und Kirche nicht irrelevant sein können.

Die Kirche Heute und Morgen ist Thema Ihres Buches. Für mein Gefühl überwiegen negative Nachrichten über die Kirchen in unserer Medienlandschaft. Was gibt es positives aus und über die römisch – katholische Kirche heute zu berichten?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Päpste im 20. Jahrhundert durchwegs bedeutende Persönlichkeiten gewesen sind, welche sich den Herausforderungen ihrer Zeit auf ihre Weise gestellt haben. Auch hat sich die Kirche trotz ihrer Selbstbeschreibung als im Wesen unwandelbar seit Beginn der Moderne immer wieder in meist plausibler Weise mit den Umständen der Zeit auseinandergesetzt. Trotz gelegentlicher Skandale, die in den Medien zu Recht aufgegriffen werden, scheint mir das Ethos des Klerus weitgehend intakt.

Leider habe ich mir die Seite nicht notiert, aber irgendwo in Ihrem Buch schreiben Sie sinngemäß: Glauben bedeutet Kommunikation. Was antworten Sie mir wenn ich hinzufüge: Weil wir heute wenig über unseren Glauben reden, geht es der Kirche schlecht?

Die Kirchen sind meines Erachtens kein Selbstzweck, sondern die historisch gewachsene Formen, in denen die christliche Botschaft recht und schlecht durch die Geschichte gebracht wird. Wir sollten also nicht um der Kirche, sondern um dieser Botschaft willen mehr von unserem Glauben sprechen.

Prof. Franz-Xaver Kaufmann

(Copyright: R. Hofmann)

 

Ihr Buch finde ich als evangelischer Christ so lesenswert, weil Sie an vielen Stellen bestimmte Themen bis auf die Basis herunterbrechen und den Leser somit sehr direkt ansprechen. Glauben Sie, dass sich die Kirche in ihren religiösen Ritualen in der Moderne ändern muss?

Ich glaube nicht, dass die Veränderung der Rituale ein entscheidender Punkt ist, vor allem nicht eine zentralistische Veränderung. Es geht um Inkulturation des christlichen Glaubens in den jeweiligen sozio-kulturellen Umständen. Das kann zu einer Pluralisierung der Rituale als Ausdruck lebendigen Glaubens führen.

Ich bin so frei und stelle als Protestant noch eine provokante Abschlussfrage. Ist der Tag der deutlichen Annäherung zwischen katholischer und evangelischer Kirche für Sie absehbar und kann er vielleicht durch die Krise, in der ja beide Kirchen stecken, vielleicht noch greifbarer werden?

Wenn man hundert Jahre zurück blickt, so ist das Maß an Annäherung sowohl auf Weltebene als auch besonders im deutschsprachigen Raum schon recht beachtlich. Allerdings war da der letzte Papst meines Erachtens offener als der gegenwärtige. Persönlich hoffe ich in der Tat, dass der Wunsch nach größerer Ökumene auf die Dauer auch in meiner Kirche Veränderungen im Sinne einer größeren Offenheit herbeiführt, wie sie ja schon durch das II. Vatikanische Konzil vorgedacht wurde.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

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Eklat auf großer Internetplattform für Lesefreunde

Christliche Leserunde vorzeitig abgebrochen

Auf der unter Leseratten bestens bekannten Plattform wurde zu einer Leserunde zum Buch „Auf getennten Wegen“ von Richard Kilian eingeladen. Wie üblich meldeten sich viele an und BOAS Verlagsinhaber Friedhelm von der Mark spendierte sogar die Leseexemplare.

Die Leserschaft, die aus Christen und Nichtchristen bestand, fühlte sich jedoch vom Autor Richard Kilian nicht für wirklich ernstgenommen. Der beschrieb, wie er sich das Christsein in der Gegenwart vorstellt und sprach unter anderem von „aufrichtigen“ und „nicht-aufrichtigen Christen“, dies traf natürlich auf eine breite Front von Unverständniss. Im weiteren Verlauf der Diskussion fand ein Leser heraus, dass es sich bei Verlagsleiter Friedhelm von der Mark und dem Autor Richard Kilian höchstwahrscheinlich um ein und dieselbe Person handelt.

Mir liegt eine Vielzahl von Zitaten und Mails vor, die mir deutlich zeigen, dass sich dann eine Diskussion anschloss, die wir Christen nicht führen sollten. Auf die Wiedergabe von Zitaten verzichte ich an dieser Stelle sehr gern.

Die Leserunde wurde inzwischen für die Öffentlichkeit abgebrochen. Eine Leserin hat sogar ihr Leseexemplar an den Verlag zurückgeschickt. Nichtchristen, die auf den Buchtitel neugierig waren, haben sich kopfschüttelnd über das Diskussionsniveau von Christen untereinander abgewandt. Christen haben verletzt durch die Äußerungen des Verlagsinhabers das Leserforum verlassen und Friedhelm von der Mark sagt wenige Tage später dazu:

„Ich bin echt entsetzt und traurig darüber, was meine Aussagen in der Leserrunde ausgelöst haben. Das war nie meine Absicht.“

Einmal mehr haben Christen eine Chance in der Öffentlichkeit verpasst für ihren Glauben zu werben und auf die Vielfalt im Glaubensalltag hinzuweisen. Ich vergleiche uns Christen immer gern als eine Vielzahl von blühenden Blumen auf einer großen grünen Wiese. Jede Blume hat einen anderen Namen, ist unterschiedlich groß und hat eine andere Farbe, aber alle recken ihren Kopf in die Höhe und bedürfen Gottes Licht und Herrlichkeit. Alle sind gleich viel wert, egal ob sie nun Kapitel der Bibel auswenig aufsagen können oder eben nicht. Selbst dies spielte in der sogenannten Diskussion eine Rolle.

Beim Lesen der vielen Mails sind mir zwei Sachen immer wieder aufgefallen. Zum einen haben viele Leser der Leserunde sehr persönlich aus ihrem Glaubensleben berichtet und waren der Annahme mit dem Autor zu reden. Nun nachdem klar ist, dass Verlagsinhaber und Autor des Buches ein und dieselbe Person sind, fühlen sich diese Leser natürlich getäuscht und hintergangen. Sie hätten sich vom Autor/Verlagsinhaber mehr Ehrlichkeit in dieser Frage gewünscht, zumindest nachdem ein Leser anhand verschiedener Quellen herausgefunden hat, dass es sich bei Richard Kilian nur um den Verlagsinhaber selbst handeln kann.

Zum zweiten ist mir aufgefallen, dass der Verlagsinhaber mit sehr starken Worten aufgetreten ist und seine Sicht der Dinge stehts als die allgemeinübliche dargestellt hat. Selten hat er noch hinzugefügt, dass es seine Sicht ist. Und die Vielzahl derer, die sich verletzt abgewendet haben, scheinen meiner Analyse recht zu geben.

Das letzte Wort in diesem Beitrag will ich trotz aller Kritik BOAS – Verlagsleiter Friedhelm von der Mark einräumen. Ich wollte von ihm wissen: Lieber Friedhelm von der Mark, Sie haben jetzt selbst einige Tage Abstand von dem was da auf LovelyBooks geschehen ist und viele der Leser dort, lesen auch diese Seiten, was möchten Sie diesen Lesern heute sagen?

Friedhelm von der Mark:  „Zunächst einmal möchte ich bestätigen, dass der Autor Richard Kilian und der BOAS-Verlagsinhaber identisch sind. Das Pseudonym habe ich im Übrigen bereits rund ein Jahr vor Gründung des BOAS-Verlags genutzt und aus Gründen gewählt, die sehr persönlicher Natur sind und nicht zuletzt meine Familie betreffen. Da diese Gründe heute noch in gleicher Weise aktuell sind, wollte ich das Pseudonym weiter aufrechterhalten.
Rückblickend kann ich, wenn ich meine eigenen Statements der Leserunde lese, nachvollziehen, dass sich Leser durch diese verletzt und in ihrem Glauben herabgesetzt fühlen. Das habe ich nicht beabsichtigt, aber das entschuldigt mich nicht: Es tut mir von Herzen Leid. Soweit ich weiter Zugang zu einzelnen Leserundenteilnehmern habe, werde ich versuchen, mich mit ihnen persönlich auszusprechen.
 
Für die Zukunft habe ich gelernt, von Anfang an transparent zu agieren und vorsichtiger zu formulieren. Auch wenn das in diesem Fall leider nicht deutlich wurde: Glaubensüberzeugungen sind für mich ein hohes Gut. So, wie ich mir wünsche, dass andere meinen Glauben respektieren, achte ich in gleicher Weise ihr Bekenntnis. Künftig werde ich mich bemühen, das deutlicher zu zeigen.“

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Eckart Zur Nieden: Das Uhrwerk des Meisters

 

Dieses Buch ist der reinste Abenteuerroman. Die Story die Eckart zur Nieden rund um die Entstehungsgeschichte der Ev. Brüdergemeinde in Korntal hier vorlegt,
lässt die Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland für den Leser sehr lebendig werden.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der elternlose Philipp. Seine Mutter starb als er ein kleiner Junge war, einige Jahre später wurde sein Vater auf seinem eigenen Bauernhof von Soldaten Napoleons umgebracht, weil er sich weigerte sein Pferd herzugeben. Philipp wird von einer befreundeten Bauernfamilie aufgenommen und verliebt sich in Magdalena, die Tochter des Bauern. Schon bald beschließt diese Familie mit einem Floß auf der Donau nach Russland auszuwandern. Dieses Unternehmen endet im Chaos.

Sehr gut arbeitet der Autor neben seiner spannend erzählten Geschichte die politischen und wirtschaftlichen Gründe heraus, die dazu führen, dass immer mehr Menschen sich zur Auswanderung entschlossen. Neben seiner dichterischen Freiheiten nimmt zur Nieden nun auch historische Persönlichkeiten zu Hilfe, um den langen Weg aufzuzeigen der zur Gründung der Evangelischen Brüdergemeinde führen konnte. Er zeigt deutlich welche theologischen Gründe vorlagen, dass immer mehr Christen sich dem Pietismus zuwandten.

Mit seinem Buch hat der Autor auf unterhaltsame und zugleich informative Weise die Entstehung der Brüdergeminde beschrieben, aber oft sind mir beim Lesen einzelne Sätze aufgefallen, die heute aktueller denn je sind:

„Wer nicht glaubt, erlebt Gottes Wunder nicht.“

oder

„Ein Glaube, der keinen Einfluss auf mein Leben hat, ist nichts wert.“

Eckart zur Nieden hat ein Geschichtsbuch vorgelegt, das bis in die Gegenwart reicht. Wer so Geschichte präsentiert, soll sich anschließend nicht wundern, wenn sein Buch ein Bestseller wird!

Brunnen, ISBN 978-3-765-51198-1, Preis 14,99 Euro

Der Autor hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet.

Lieber Eckart zur Nieden, soeben ist ihr Buch „Das Uhrwerk des Meisters“ erschienen. Mit besonderer Spannung habe ich es gelesen, weil meine Vorfahren zu denen gehört haben, die damals zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ausgewandert sind und in Bessarabien eine neue Heimat fanden. Wieso kommt es ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt zu diesem Buch?

Der unmittelbare Anlass war, dass die Brüdergemeinde Korntal einen Weg suchte, die Ereignisse von damals auch denen zugänglich zu machen, die sich nicht an wissenschaftlich historische und theologische Literatur heran trauen, aber gern einen Roman lesen. Darüber hinaus ist aber wohl auch darum dieser Zeitpunkt geeignet, weil das Interesse an Geschichte zur Zeit groß ist. Historische Romane sind in jeder Buchhandlung ein großer Prozentsatz des Angebots.

Zeitweise liest sich ihr Buch wie ein Abenteuerroman. Sie verknüpfen Fiktion mit harten politischen und auch religiösen Fakten. Warum ist es heute wichtig über jene Zeit Bescheid zu wissen?

Schon den Israeliten wurde es von Gott zur Pflicht gemacht, jeder neuen Generation von Gottes Wirken in früheren Jahren und Epochen zu erzählen. Das stärkt den Glauben und macht Mut, ihm auch in gegenwärtigen Krisen zu vertrauen. Unter Umständen auch von den „Vätern und Müttern“ im Glauben zu lernen, auch wenn unsere Zeit andere Herausforderungen stellt und andere Lösungen braucht. Ich fand, als ich mich mit den damaligen Ereignissen befasste, besonders den Mut jener Menschen bewundernswert und nachahmenswert, und die Konseuenz, die Bereitschaft, als richtig Erkanntes in die Tat umzusetzen.

Besonders gut gefallen hat mir ihr Buch, weil mir gelegentlich Sätze aufgefallen sind, in meiner Rezension zitiere ich zwei, die für mich in die Gegenwart passen. Bei einem erfahrenen Autor wie ihnen glaube ich nicht an Zufall, ist die Zeit heute und damals miteinander vergleichbar?

Unsere Zeit ist natürlich anders, aber trotzdem vergleichbar. Aber unabhängig von den Zeitumständen sind Wahrheiten des Glaubens zeitlos und darum immer gleich. Wie könnten wir sonst unser heutiges Leben z. B. nach Anweisungen von Paulus ausrichten, die nicht nur 200 sondern 2000 Jahre alt sind? Darum denke ich, es ist legitim, Glaubenden des 19. Jahrhunderts Aussagen in den Mund zu legen, die sich sowohl mit der Bibel als auch mit meiner eignen Erfahrung decken.

Eckart zur Nieden

Eigentlich ist dieses Buch ja eine Hommage an die Gründung der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal. Warum brauchen wir Menschen heute Orte wie Korntal oder Herrnhut. Was können uns solche Orte heute noch geben?

Vordergründig liegt der Wert solcher Orte sicher darin, dass dort oft noch Spuren der geistlichen Aufbrüche von damals zu sehen sind. In Korntal sind es diakonische und missionarische Einrichtungen, die immer noch eine segensreiche Arbeit machen. Darüber hinaus können bestimmte Orte mit ihrer Geschichte so etwas wie Denkmale sein. Sie erinnern an Gottes Handeln in früheren Zeiten und  ermutigen damit zum Glauben in der Gegenwart.

Sie schreiben sehr viele und sehr gute Bücher, wie wird das nächste heißen und mit welchem Thema beschäftigen sie sich dort?

In Arbeit ist zur Zeit eine Sammlung von siebzehn einzelnen Geschichten, die auch zum Vorlesen geeignet sein sollen. Wenn das die Zustimmung des Verlages findet wird das Buch „Der gelbe Wagen“ heißen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Randy Singer: Die Staatsanwältin

Keine Frage, Randy Singer hat wieder einmal einen Thriller vorgelegt durch den man sich als Leser einfach in einem Zuge durchlesen muss. Auch wenn ich als
Schöffe in Deutschland einmal mehr dafür dankbar bin, nicht im amerikanischen Rechtssystem zu stecken.

Der amerikanische Autor, der selbst Jurist ist, hat eine packende Story geschrieben, in der er seine Leser sehr direkt und hautnah mit der Todesstrafe konfrontiert. Äußerst interessante Dialoge hat Singer in seine Handlung zum Thema Todesstrafe mit hineingeschrieben. Dies alles unter dem Thema Vergebung, Gnade und Gerechtigkeit gesehen, würde schon als Motivation zum Lesen dieses Buches ausreichen.

Staatsanwältin Jamie Brock hat vor vielen Jahren ihre Mutter verloren. Der verurteilte Mörder sitzt im Todestrakt und wartet auf seine Hinrichtung. Während Jamie ihn lieber sofort tot sehen möchte, versuchen die Anwälte von Antoine Marshell alles, um die Hinrichtung zu verschieben.

Dann steht plötzlich Caleb Tate vor Gericht. Er wird verdächtigt seine Frau vergiftet zu haben. Jamie Brock ist bereit sehr viel zu wagen, um diesen Mann verlieren zu sehen. Ausgerechnet dieser Caleb Tate hat den Mörder ihrer Mutter verteidigt und ihren schwer kranken Vater als einen Lügner beschimpft.

Randy Singer peitscht seine Lesergemeinde förmlich durch seinen neuen Thriller, um sie am Schluß völlig überrascht und verwundert zurückzulassen. Man bleibt als Leser im Lesesessel zurück und denkt plötzlich ganz neu über Schuld und Anklage nach und ist noch eine ganze Weile von der Erzählkunst des Juristen Randy Singer fasziniert.

SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15419-2, Preis 16,95 Euro

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Adrian Plass: Kampf der Welten

 

Der Brendow Verlag bewirbt seinen neuen Top Titel mit dem Spruch: „Der neue Plass!“. Der in Yorkshive lebende Autor hat sich viel Zeit gelassen mit seinem neuen Buch, aber was lange wehrt wird gut.

Frech und mit geistlichem Tiefgang beleuchtet Plass Alltagsmomente eines Christen, wobei er sich sicher ist, dass wenn man am Christen kratzt, man darunter ein „menschliches Wesen“ finden kann.

Sein Thema ist nach wie vor der Christ im Alltag in der Moderne. Sehr genau schaut er in die Kluft zwischen Anspruch und tatsächlicher Nachfolge. Plass hängt nicht an verstaubten Traditionen, was er will, dass ist Gott als Freund zu erkennen und zu akzeptieren. Genau mit diesen Themen trifft der Autor das Gefühl der Christen unserer Tage. Er legt dieses Thema auf den Tisch und klammert sich nicht als schlauer Autor aus. Er ist selbst einer, der nicht auf alles Antworten weiß, dies macht ihn sympathisch und glaubhaft.

Was vom Titel her wie ein Sience-Fiction-Roman klingt, ist der tägliche Kampf zwischen Schein und Sein. Und da stecken genügend Kämpfe drin, bei Plass aber auch lustige Momente, in denen er sich selbst mal auf die Schippe nimmt. So wie Plass diese Kämpfe schildert, habe ich mich als Leser schnell entdecken können. Doch folgt man dem Autor, ist Schluss mit dem Kampf. Adrian Plass ruft dazu auf, auf den Schein zu verzichten.

Christian Rendel hat dieses Buch ins Deutsche übersetzt. Bei dem humorvoll-satirischen Stil von Plass sicher kein leichtes Unterfangen. Meines Erachtens hat Rendel dies sehr gut gemeistert!

Fünf Jahre hat die Fangemeinde um Adrian Plass auf eine neues Werk warten müssen, der Verlag hat sogar ein Hardcover-Buch spendiert.

„Kampf der Welten“ ist das bislang Beste, was Adrian Plass geschrieben hat. Er geht mehr als je zuvor in die Tiefe und bleibt dabei respektlos witzig!

Brendow, ISBN 978-3-86506-407-3, Preis 14,95 Euro

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Gerd Theißen: Glaubenssätze

Über „Grund- und Grenzfragen des Lebens“ denkt Gerd Theißen in seinem beeindruckenden Wälzer nach. Der Autor stellt eine Vielzahl von Fragen und gibt eine ebenso große Anzahl von Antworten und doch habe ich beim Lesen nicht den Eindruck, dass Theißen hier fertig in Stein gemeißelte Antworten vorsetzt. Vielmehr begegne ich zum Teil lyrischen Texten die Gottesbegegnungen und Gotteserfahrungen ermöglichen und beschreiben.
Die großen Themen des Buches sind Gott – Jesus – und der Heilige Geist. Der Autor hat ein gut überschaubares System in sein Buch gebracht, Schwerpunkte geschaffen, sodass ich als Leser mit einem Blick ins Inhaltsverzeichnis mich sofort der Frage zuwenden kann, die mich derzeit beschäftigt.
Beeindruckend ist für mich, mit welcher Wortkraft Theißen seine Ansicht der Dinge über die entmythologisierte biblische Aussage von Christus spricht und damit den Nerv der Zeit trifft. Sicher wird er damit Widerspruch in bestimmten frommen Kreisen hervorrufen, aber fairer Dialog dient auch hier dem Glauben an Gott.
Gerd Theißen fragt nicht nach modern oder unmodern. Er greift alle wichtigen Fragen eines Christenmenschen auf. Unbequeme Fragen wie „Gott im kirchlichen Dogma“ oder „Was ist der Heilige Geist?“ geht er gut verständlich und ohne Angst auf andere Religionen zu blicken an. Scheuklappen scheinen für den Autor ein Fremdwort zu sein.
Es ist sicher nicht zu euphorisch, wenn ich behaupte, dass dieser kritische Katechismus so etwas wie das Lebenswerk des großen Liberalen unter den Christen ist. Gerd Theißen hat mit seinem Buch etwas zeitloses geschaffen, was unserer derzeitigen Sprachlosigkeit auf Augenhöhe begegnet.
Sehr zu empfehlen für Christen die nachdenken wollen über das, was wirklich wichtig ist im Leben!
Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08148-9, Preis 24, 99 Euro

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