Klaas Huizing: Mein Süßkind

Ein sehr mutiges Buch ist es schon, das Klaas Huizing da über das Kind und den Jugendlichen Jesus geschrieben hat. Auch wenn wohl niemand heute sagen kann, er wüsste etwas über den historischen Jesus, der Autor hat damit kein Problem. Huizings Jesus-Roman ist prall gefüllt mit Erlebnissen und Episoden aus dem Leben Jesu. Seine dichterische Freiheit verhalf dem Dichter, Jesus neu zum Thema zu machen.
Neben der interessant gestalteten Beziehung zwischen Jesus und seiner Mutter war ich beim Lesen überrascht von dem Humor der mir entgegenschlug. Beinah unrespektierlich, ja sogar ohne Hemmungen beschreibt Klaas Huizing Jesus als ein Kind, welches begabt ist, aber doch auch so seine Probleme im Alltag hat.
Huizing wirft Jesus von dem Sockel auf den wir Menschen ihn gestellt haben, vielleicht bekommt auf diese Weise auch das kitschige Cover einen Sinn.
In der Hoffnung, dass sich die Christenheit nicht am lockeren Ton und so manch eines deftigen Kraftausdrucks des Autors stört, kann ich dieses Buch nur empfehlen. Vielleicht gelingt es dem Autor sogar, ganz neue Leserkreise für Jesus zu gewinnen!
Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06579-3, Preis 19,99 Euro

buecheraendernleben stellte dem Autor nun folgende Fragen:

Lieber Klaas Huizing, Sie haben einen Jesus – Roman geschrieben. Niemand weiß heute was Jesus als Kind und Jugendlicher erlebt hat und wie er erzogen wurde, warum war es für Sie ein Bedürfnis mit Ihren dichterischen Freiheiten Licht ins Dunkel zu bringen?

Mich interessieren in der Literatur immer Menschen, die auf der Grenze leben, die in jeder Hinsicht außerordentlich sind und damit auch ganz anders als die anderen Menschen, die deshalb gemoppt werden, für die man sich schämt, die weggeschlossen werden. Initialzündung für den Roman war eine Bibelstelle, in der Maria glaubt, ihr Sohn sei wahnsinnig geworden und sie müsse ihn nach Hause holen. Niemand aus meinem Freundeskreis, auch diejenigen, die sich für religiös musikalisch halten, erinnerte diese Stelle. Sie wird offenbar gerne überlesen, weil diese Stelle gar nicht mit dem üblichen Maria-Bild in Einklang zu bringen ist.

Literatur muss sicher nicht immer einen bestimmten Zweck erfüllen, aber schildern Sie uns doch bitte aus welcher Motivation heraus Sie diesen Jesus – Roman geschrieben haben.

Ich liebe Coming-of-age-Geschichten. Darüber ist in der Bibel nichts zu lesen. Mich interessierte die ganz persönliche Leidens- und Glückgeschichte dieser Person zwischen Wunderkind und Bankert. Dadurch bekommt die Figur sehr menschliche Züge. Die Figur ist in der Anlage quasi modern. So gelingt es auch den garstig breiten Graben zwischen damals und heute zu überbrücken.

Aus genau 80 kurzen Texten/Episoden besteht Ihr Roman. Warum kein zusammenhängender Text?

In allen meinen bisherigen elf Romanen schreibe ich szenisch, um stilistisch in jeder kleinen Einheit einen Spannungsbogen zu haben. Das ist mein Novellen-Prinzip, ich will nicht den Page-turner schreiben, sondern möglichst atmosphärisch starke Szenen verketten, die bei der Lektüre nachwirken. Bei diesem Roman passt das Stilprinzip natürlich extrem gut zu den knappen biblischen Episoden der Bibel.

An einigen Stellen konnte ich herzhaft lachen, humorvolles flechten Sie an vielen Stellen ein, aber auch manchmal Worte („Pisser“ S. 33) wo ich dachte, will der Autor seine Leser jetzt verprellen? Warum diese Stilmittel?

http://www.klaas-huizing.de/

 

Humor ist mir ganz wichtig. Ich habe versucht, immer wieder den jüdischen Humor abzubilden. Dazu kommt viel Ironie, um den Mythos und die Legenden über Jesus zu humanisieren. So tauchen etwa auch Comic-Figuren und filmische Parodien versteckt im Text auf. Das nimmt dem Text nicht die Ernsthaftigkeit. Im Gegenteil. Auch Wörter wie Pisser – alle Schimpfwörter im Text – sind übrigens biblischen Ursprungs. Mutmaßlich war die damalige Kultur noch sehr viel kräftiger in der Wortwahl, als die Spuren bezeugen, die man in der Bibel findet.

Wen hatten Sie beim Schreiben Ihres Buches als Zielgruppe im Blick?

Im Blick hatte ich Leserinnen und Leser, die an der Figur dieses Menschen interessiert sind. Weil die Figur durchaus sehr ‚modern‘ angelegt ist, spricht sie auch in die Gegenwart hinein. Eine meiner erwachsenen Töchter nannte Jesus nach der Lektüre einen Werther 3.0. Nicht primär im Blick waren die wissenschaftlichen Theologen. Ich habe aus deren Büchern viel gelernt, aber auch oft anders entschieden. Um ein Beispiel zu geben: Immer wieder wird betont, in Galiläa seien keine römischen Soldaten, stationiert gewesen, das mag richtig sein, aber es ist absurd zu glauben, dort seien niemals römische Soldaten durchgezogen. Leserinnen und Leser, die ein eher dogmatisches Marien-Bild und Jesus-Bild haben, werden sicherlich milde Probleme haben. Aber vielleicht gewinnen sie auch einen neuen Zugang.

Ihr Jesus – Roman endet nicht etwa mit dem Kreuzestod, sonder leider schon viel eher. Darf ich auf einen Fortsetzungsroman hoffen?

Lust habe ich schon. Geplant ist zunächst etwas anderes. Ich möchte insgesamt drei Jesusromane schreiben, die jeweils andere Grundkonstellationen bearbeiten. In einem zweiten geht es um die Konkurrenz zwischen Johannes und Jesus. Diese Frage habe ich in diesem Roman beinahe ganz abgeschattet. Wie in den synoptischen Evangelien kann man die Geschichte auch immer deutlich anders erzählen. Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt geht es zunächst um diesen Roman. Mir zumindest ist die historische Person Jesus beim Schreiben sehr viel näher gekommen.

Wir dürfen also gespannt sein. Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit dem Buch!

Klaas Huizing über sein Buch:

http://www.youtube.com/watch?v=d5s9vlCEzjo&feature=youtu.be

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