Gina Mayer: Das Maikäfermädchen

Von diesem Buch bin ich doch sehr überrascht. Die bekannte Autorin lässt dem Leser keine Chance, sie nimmt ihn durch die Intensität und Dichte ihrer Sprache mit in den Sommer des Jahres 1945. Mitten in Düsseldorf treffen wir die Hebamme Käthe.
Käthe ist eine fromme Frau. Sie liest täglich in der Bibel und wartet auf ihren Mann, den sie in Kriegsgefangenschaft vermutet. Die Frau muss diese schwere Nachkriegszeit irgendwie überleben. An allem, was man zum Leben braucht, fehlt es, egal ob Wohnraum oder Nahrungsmittel.
Kinder werden in dieser Zeit kaum geboren, und ehe Käthe es sich versieht, wird sie zur „Engelmacherin“. Sie hilft schwangeren Frauen, ihre unehelichen Kinder wieder loszuwerden. Für Käthe tun sich Abgründe auf, sie gerät in Konflikt mit Gott, aber sie will auch überleben.
Die Bibelfestigkeit der Autorin beeindruckt mich und auch der ungeheuerer Spannungsbogen, der sich zum Ende des Buches hin noch verschärft. Immer, wenn ich dachte, eine noch schlimmere Geschichte oder eine noch schlimmere Episode kann doch nicht mehr kommen, setzt Gina Mayer noch eins drauf. Die Zeit der wichtigen Aufarbeitung der Kriegserlebnisse ist noch lange nicht vorbei.
Käthe wird in dieser Geschichte zum Symbol für eine Generation von Menschen, die der Krieg verändert hat. Die Autorin zeigt, wie ihre Protagonistin mit Gottes Hilfe ihr Leben meistert.
Sehr zu empfehlen, weil das Thema nie verjährt!
Rütten & Löning, ISBN 978-3-352-00843-6, Preis 16, 99 Euro

 

Gina Mayer hat buecheraendernleben folgende Fragen beantwortet:

Liebe Gina Mayer, wenige Tage vor dem Weltfriedenstag am 1. September, dem Tag, an dem Hitler den zweiten Weltkrieg begann, legen Sie Ihren neuen Roman „Das Maikäfermädchen“ vor. Die Story spielt kurz nach dem 2. Weltkrieg in den Ruinen Düsseldorfs. Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Ich habe mich in den Vorgängerromanen („Zitronen im Mondschein“, „Das Lied meiner Schwester“) mit den zwanziger und dreißiger Jahren beschäftig. Da lag der Schritt in die Nachkriegszeit nahe. In „Das Maikäfermädchen“ habe ich mich bewusst auf die sogenannten Trümmerjahre von 1945 bis 48 konzentriert. Diese Zeit, in der nichts mehr ging und alles möglich war, fand ich besonders faszinierend.

Verwundert und positiv überrascht bin ich von der bibelfesten Autorin Gina Mayer. Ihre Heldin Käthe ist eine sehr fromme Frau und holte zu Friedenszeiten die Kinder auf die Welt, nun plötzlich sorgt sie dafür, dass die Kinder noch vor ihrer Geburt sterben. Ein großer Konflikt zwischen Käthe und Gott tut sich auf.

Na ja, in dieser fürchterlichen Zeit nach dem Krieg gab es ja auch einigen Grund, an Gottes Güte und Liebe zu zweifeln. Zwischendurch schmeißt Käthe ihre Bibel auch in die Ecke, weil sie keinen Sinn mehr darin sieht. Aber dann holt sie sie eben doch wieder her. Und letztendlich findet sie darin die Antwort, die sie gesucht hat. Ob die nun von Gott kommt oder aus Käthe selbst, das muss jeder Leser für sich entscheiden.

Gina Mayer

(Copyright: Sibylle Pietrek)

Haben Sie keine Angst Ihre Leser mit einer Geschichte, die soweit weg scheint, zu langweilen, oder hat Ihre Geschichte auch Bezüge in unsere Gegenwart?

Aber natürlich. Ich bin ja felsenfest davon überzeugt, dass man die Gegenwart nur verstehen kann, wenn man die Vergangenheit kennt. Unsere Eltern und Großeltern sind in den Kriegs- und Nachkriegsjahren aufgewachsen und geprägt worden. Das hat doch auch enormen Einfluss auf unsere Leben. Ängste und Zwänge und Schuldgefühle werden schließlich von Generation zu Generation weitergegeben.

Sie schreiben bereits ein nächstes Buch, wollen Sie uns schon verraten, um welche Thematik es geht?

Ich habe gerade den Vertrag für einen historischen Roman unterschrieben, der 2014 erscheinen wird. Eine Familiengeschichte über vier Generationen, die 1813 in Ratingen beginnt und 1900 in Paris endet. „Die Erlkönigin“ heißt mein Arbeitstitel. Gerade recherchiere ich zum Thema Kinderarbeit in einer Baumwollspinnerei – gruselig!

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit diesem wunderschönen Buch!

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