Monatsarchiv: September 2012

Fabian Vogt: 2017 – Die neue Reformation

Da traut sich doch tasächlich am 500. Jahrestag der Reformation ein kleiner Vikar seine 95 Thesen ins Internet zu stellen. Noch am gleichen Tag, am 31. Oktober 2017, werden diese Thesen viele tausend Male angeklickt. Es entsteht eine riesige Bewegung. Dem jungen Christian van Haewen ist es mit seinen Thesen gelungen, die Stimmung vieler Kirchenmitglieder und Außenstehender zu treffen.
Er spricht „die verkrusteten, institutionalisieren, geistlich verkrümmten Alt-Kirchen“ an, er fordert sie heraus. Der junge Vikar wird über Nacht landesweit bekannt. Wie Luther einst den Buchdruck nutzte, so kommt nun Christian van Haewen das Internet zuhilfe. Über Nacht wird der junge Reformator bekannt, trifft Günter Jauch im Fernsehstudio und wird natürlich schon bald zu seinen Kirchenoberen zitiert.
Dies ist aber nur der eine Erzählstrang. Eigentlich spielt der Roman von Fabian Vogt im Herbst des Jahres 2042. Van Haewen soll ein Grußwort auf dem großen Festakt zum 25. Jahrestag seiner „Lebendigen Kirche“ halten. Doch dies fällt ihm nicht leicht. Keinesfalls will er heucheln, denn seine „Lebendige Kirche“ ist längst nicht mehr das, was er sich einst erträumte.
Überstürzt fliegt Christian van Haewen in die längst zur EU gehörende Türkei, um dort seinen ehemaligen Professor zu treffen. Beide beginnen auf den Spuren von Paulus zu wandeln und Fabian Vogt erzählt parallel. Beide Geschichten werden von Seite zu Seite spannender, man fühlt förmlich als Leser, wie der Autor dem Höhepunkt entgegensteuert. Unterhaltsam auch, wie der Autor die sich technisch veränderte Welt in Randsätzen mit einbaut. Aber immer bleibt die Suche nach dem rechten Glauben und einer zukunftsfähigen Kirche Mittelpunkt des Geschehens.
Für mein Empfinden hat Fabian Vogt mit diesem Roman, sein bislang bestes und wichtigstes Buch vorgelegt. Er gibt jedem Leser, egal wo der steht, die Chance sich in seinem Roman wiederzufinden und geistlich weiterzuentwickeln. Bleibt abzuwarten ob der kirchenviolette Einband dem Buch hilft, auf alle Fälle macht der Autor die Zukunft unserer Kirche zum Thema und dies ist dringend notwendig!
Adeo, ISBN 978-3-942-20874-1, Preis 16,99 Euro
Fabian Vogt hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:
Hallo Fabian, Dein neues Buch „2017 – Die neue Reformation“ ist  soeben erschienen. Ich habe es grad durchgelesen und würde mal behaupten: Es ist  Dein bislang bestes und wichtigstes Buch. Wie siehst Du das selber?

Na, in diesem Buch steckt auf jeden Fall viel Herzblut. Viel  Leidenschaft. Und viel Freude am Erzählen einer ungewöhnlichen Geschichte. Ich  glaube, dasmerkt man.
Es geht ja um die verrückte Idee, dass jemand  im 21. Jahrhundert noch einmal eine Reformation wagt. Einen echten Neuanfang in  der Kirche, weil er sich in vielen tradierten Strukturen nicht wiederfindet. Und  das Erstaunliche ist: Es gelingt. Auf einmal entstehen überall neue Gemeinden – Gemeinden, die innovative Wege wagen und die Gesellschaft verändern.
    Nur: Mein Roman spielt 25 Jahre später, als  beim Jubiläum der neuen Kirche klar wird, dass hier auch nicht alles Gold ist,  was glänzt. Und so versucht mein Protagonist im Rückblick noch einmal  nachzuerleben, was da genau falsch gelaufen ist. Das  heißt: „2017“ ist ein Roman, der Lust zum Träumen machen möchte – und zugleich kritisch nachhakt.
Der große traurige Held Deines Romans heißt Christian van  Haewen. Wie kommst Du grad auf diesen Namen für den zweiten Luther?
Ich mag Namen, die Assoziationen wecken. Und in Christian von Haewen steckt  natürlich auch der „Christus vom Himmel“. Und genau das ist ja die Kernfrage  meines Helden: „War diese neue Reformation von Gott gewollt – oder nicht?“ Um  das herauszufinden, macht Christian sich auf eine Art Pilgerreise.  Genauer gesagt: Er folgt den Spuren von Paulus auf dessen zweiter  Missionsreise.
    So verbinden sich drei Erzählebenen nach und nach  zu einer: Mein Held entdeckt nämlich, dass es bestimmte menschliche  Verhaltensweisen gibt, die zeitlos sind, ja, dass Paulus, Martin Luther und er  selbst eigentlich mit fast den gleichen Herausforderungen und Fragen zu kämpfen  hatten. Für mich war das selbst sehr anregend.
    Und weil mein neuer „Reformator“ die ganze Zeit von  jemanden verfolgt und bedroht wird, hat der Roman auch einen inneren  Spannungsbogen, der es bis zum Schluss aufregend sein lässt.
 
Dein gewähltes Thema brennt ja vielen Kirchenmitgliedern auf den  Nägeln. Es geht um die wie Du Deinen Helden selbst sagen lässt: „verkrustete,  institutionalisierte, geistlich verkrümmte Alt – Kirchen“. In Deinem Roman ist  die „Lebendige Kirche“ (LK) als Ergebnis der Reformation des Jahres 2017  entstanden. Ist das auch Deine Vision? Hat der Autor Fabian Vogt sich gar im  Christian van Haewen versteckt?
Ich hatte 10 Jahre lang eine Sonderpfarrstelle für „Kreative  Gemeindeentwicklung“ inne. Eine tolle Zeit, in der ich viel ausprobieren durfte.  Insofern war es natürlich sehr reizvoll, einfach mal diese Möglichkeiten  literarisch weiterzudenken. Mal ein bisschen in die Zukunft zu schnuppern. Und  natürlich steckt ein Autor immer auch ein wenig in seinen Helden. Trotzdem ist  es ja gerade so schön, dass meine Helden in meinem Roman Dinge tun und lassen  können, bei denen ich in meiner Kirche gewiss anecken würde. Insofern: Ja, in  vielen steckt meine Vision – ich weiß aber sehr wohl, welche Gefährdungen darin  stecken. Deshalb ist „2017“ ja ein Buch, dass zum Weiterdenken einlädt.
Da  Dein Roman weit in der Zukunft spielt, sieht auch der Alltag etwas anders aus.  Du erwähnst dies in einigen Nebensätzen. Besonders gefallen haben mir eine  weitere Bundeskanzlerin und der Hybridbus. Hast Du unentdeckte Jules Verne  Fähigkeiten?
Fabian Vogt
Das wird sich ja leider erst in 30 Jahren herausstellen. Aber ich habe extra verschiedene Schriften von Zukunftsforschern gelesen – und dann das, was mir  darin einleuchtend und wahrscheinlich erschien, in meinen Roman eingebaut. Dazu  kommt, dass ich ja bisweilen im Jahr 2042 auch technische Entwicklungen  anklingen lasse, ohne sie genauer zu erklären. Im Roman werden zum  Beispiel mehrfach „Flashcalls“ erwähnt, eine neue Form der Kommunikation, vor. Klingt gut. Was das ist, bleibt aber ein Geheimnis. Oder besser: Es regt die Phantasie an.
Ganz ehrlich, theologisch bin ich nicht mit allen Deinen Thesen einverstanden.  Als Theologe magst Du recht haben, dass früher auch Nichtordinierte taufen  durften. Für mich hört sich dies fremd an. Glaubst Du, dass die Kirche in  einigen Jahrzehnten so etwas tolerieren wird oder besteht nicht eher die Gefahr  der weiteren Aufsplitterung der Kirchen?
Nun, da bist da mit meinem Helden einer Meinung. Der weiß ja auch nicht  mehr so genau, ob das eine gute Entwicklung war. Persönlich würde ich sagen:  Philippus und die ganze Jüngerschar haben einfach angefangen zu taufen – ohne  jedes Theologiestudium. So ganz ungeistlich kann das also nicht gewesen  sein. Etwas salopp gesagt: Die Idee, dass Taufen nur durch Theologen  durchgeführt werden dürfen, ist zumindest nicht biblisch. Trotzdem kann sie  ja richtig sein.
    Letztlich geht es genau darum in meinem Roman: Dass  wir ein Gespür dafür entwickeln, welche geistlichen Facetten der Kirche das  Wesentliche ausmachen und welche einfach historische Ausformungen sind. Ich sag  mal so: Wenn wir beide jetzt anfangen, angeregt über eine einladende Taufpraxis  der Zukunft zu disskutieren, dann hat mein Roman doch schon einiges in Bewegung  gebracht. Oder?
Was  glaubst Du wird von Deinem Buch ausgehen? Eine weltweite Reformbewegung? Ein  schönes literarisches Stündchen oder … ?
 Erst einmal bin ich Schriftsteller und erzähle gerne Geschichten.  Darum habe ich auch „2017. Die neue Reformation“ geschrieben. Aber vielleicht  kann ja ein Roman manchmal auf andere Weise inspirieren als eine  „kirchliche Programmschrift“. Und wenn du fragst, was ich im Bezug auf mein  Buch glaube, dann kann ich nur sagen: „Ich glaube, dass Gott mit seiner Kirche  noch einiges vorhat …“
Vielen Dank für das Gespräch und möge Dein Buch ein guter Impuls für eine fruchtbare Diskussion sein!
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Karl-Wilhelm Weeber: Hellas sei Dank!

 

Seit gefühlten endlosen Zeiten halten uns die Griechen auf Trab. Runde für Runde halten sie erneut die Hand auf und wollen immer höhere Geldsummen vom restlichen Euro-Europa. Klar bekommt es da so manch einer mit der Angst zu tun und fragt sich, wie lang hält der ganze Laden noch.

Der Althistoriker und klassische Philologe Karl-Wilhelm Weeber versucht mit seinem Buch gegen die derzeitige Anti-Griechenland-Stimmung anzugehen. Auf kurzweilige manchmal sogar humorvolle Art beschreibt er, was wir den Griechen alles zu verdanken haben. Dazu muss er viele Jahrhunderte in die Geschichte zurückgehen, aber seine Bilanz ist schon ziemlich eindrucksvoll.

Er frischt unseren Geschichtsunterricht gehörig auf und erinnert uns daran, wo das Experiment Demokratie einst begann. In genau 14 erfrischenden Kapiteln erzählt Weeber im leicht verständlichen Plauderton von verschiedensten Gebieten, zum Beispiel Medizin, Sport, Dichtkunst, Rhetorik und Philosophie. Deutlich wird dabei, dass vieles in Griechenland erst begann und von dort aus seinen Siegeszug durch Europa begann.

So fällt die Abrechnung mit Griechenland ziemlich unzeitgemäß aus. Aber sie zeigt eindrucksvoll wie eng wir selbst mit Griechenland seit Jahrtausenden verbunden sind und wie nah Griechenland uns eigentlich sein sollte.

Dieses Buch kann uns dazu verhelfen, Griechenland nicht allzu schnell aufzugeben, denn Weeber zeigt nur allzu deutlich was wir von ihm bekamen!

Siedler, ISBN 978-3-827-50009-0, Preis 22,99 Euro

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Beruf: Lektor

Wie versprochen wollen wir in loser Folge an dieser Stelle Berufe vorstellen, die alle notwendig sind, um ein Buch herzustellen. Übersetzerinnen

https://buecheraendernleben.wordpress.com/2012/06/28/ubersetzerinnen-vorgestellt/

und Übersetzer

https://buecheraendernleben.wordpress.com/2012/06/25/ubersetzer-vorgestellt/

sind bereits zu Wort gekommen. Jetzt haben wir die Cheflektorin des Verlages der Francke-Buchhandlung

http://www.francke-buch.de/

Kathrin Schultheis eingeladen, um aus ihrem Berufsalltag zu berichten.

Liebe Frau Schultheis, vor ein paar Wochen war ich mit Ihrer Verlagschefin in Ihrem Büro und da hat sie mir Ihr Sofa gezeigt und dazu erzählt: „Und hier sitzt unsere Cheflektorin dann, wenn alle Arbeit mit dem Manuskript erledigt ist und liest alles noch einmal.“ Eigentlich ist Ihr Beruf doch wohl sehr entspannend, oder? Wie sind Sie Lektorin geworden?

Ich bin tatsächlich häufig auf meinem Sofa anzutreffen – allerdings so gut wie nie mit einem fertigen Manuskript – dazu fehlt mir leider die Zeit. Aber Manuskripte zu prüfen, die neuesten Entwürfe der Autoren durchzuarbeiten, die auf Feedback warten, oder ganz klassisch mit dem Rotstift zu lektorieren, ist tatsächlich auch in bequemer Sitzposition möglich J .

Dass ich Lektorin werden wollte, wusste ich, sobald ich das erste Mal von diesem Beruf hörte. Das war mit 13 oder 14. Und so habe ich mein erstes Verlagspraktikum bereits vor dem Studium absolviert und zielgerichtet das studiert, was mir am sinnvollsten erschien: Germanistik, Buchwissenschaft und BWL. Parallel habe ich weitere Praktika gemacht, unter anderem in einer Literaturagentur und beim Wilhelm-Heyne-Verlag in München, für den ich anschließend noch eine Zeitlang als freie Gutachterin arbeitete. Der Kontakt zu Francke kam auf der Leipziger Buchmesse zustande. Eigentlich wollte ich mich nur erkundigen, wann der nächste Band der Sturmzeiten-Saga erscheinen würde – aber Gott hatte weitreichendere Pläne. Und so wurde ich nicht nur die erste Francke-Volontärin, sondern bekam anschließend auch eine Stelle als Lektorin angeboten. Nach zwei Jahren wurde mir dann die Leitung des Lektorats übertragen.

Stellen wir uns mal vor, ich habe gerade eine Bombenstory geschrieben. Das Manuskript ist wirklich außergewöhnlich gut. Ich schicke es Ihnen und warte bereits sehnsüchtig nach dem vierten Tag auf Ihren Anruf, in dem Sie mir mitteilen, dass Sie ebenso begeistert sind. Wie lange muss ich wirklich auf Ihre Antwort warten und nach welchen Gesichtspunkten entscheiden Sie, ob das Manuskript genommen wird und entscheiden Sie dies ganz allein?

Ein paar meiner Autoren würden Ihnen bestätigen, dass es tatsächlich genau so läuft. Manchmal passiert es, dass ein Manuskript hier eintrifft, ich die ersten Sätze lese und sofort so begeistert bin, dass ich es mit nach Hause nehme, noch am selben Abend lese und am darauffolgenden Tag zum Telefonhörer greife. So war es zum Beispiel bei Melissa C. Feurers „Regentropfentage“.

http://www.francke-buch.de/main.php?hk=0&uk=0&aid=1775&suche=regentropfentage&start=0

Aber das sind Ausnahmefälle. Tatsächlich erreichen uns so viele Manuskripte, dass es manchmal mehrere Monate dauert, bis ein potenzieller Autor von uns hört. Es ist uns wichtig, jedes Manuskript gründlich zu prüfen, und das braucht einfach Zeit.

Ob ein Manuskript angenommen wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der genauen Kenntnis der Zielgruppe und der Einschätzung der Marktchancen spielt insbesondere die Übereinstimmung mit dem eigenen Verlagsprofil eine wichtige Rolle. Im Fall Francke bedeutet dies konkret, dass wir nur Bücher verlegen, die den christlichen Glauben dezidiert thematisieren und die darüber hinaus bestimmten sprachlich-stilistischen sowie inhaltlichen Ansprüchen genügen. Im Belletristik und Biografiebereich ist uns zum Beispiel wichtig, dass der Glaube natürlich in die Handlung des Buches eingewoben ist, also nicht wie ein Fremdkörper wirkt, und der Leser durch das Buch die Gelegenheit hat, geistlich zu wachsen. Letztlich verlegen wir die Bücher, die inhaltlich zu überzeugen vermögen und den Titeln, die auf dem säkularen Markt erscheinen, qualitativ in nichts nachstehen, die dem Leser aber darüber hinaus – quasi als Sahnehäubchen – vor Augen führen, wie Gott ist und wie gelebter Glaube aussieht. In vielen Fällen entscheide ich tatsächlich allein – manchmal bitte ich aber auch noch eine unserer anderen Lektorinnen oder unsere Verlagsleiterin um ihre Einschätzung.

Eine Lektorin ist, wenn sie sich erst einmal für ein Manuskript entschieden hat, doch sicher immer mit einem Rotstift bewaffnet, um Rechtschreibfehler zu eliminieren. Wie ist es, wenn Sie erst einmal zu einem Manuskript Ja gesagt haben, aber eine einzige Szene im Manuskript gefällt Ihnen überhaupt nicht, sind Sie dann so mächtig und können die ändern?

Cheflektorin Kathrin Schultheis

Um Rechtschreibfehler geht es in meinem Job nur sekundär, dafür gibt es die Korrekturleser. Aufgabe des Lektors ist es vielmehr, dem Autor zur bestmöglichen Form seines Manuskripts zu verhelfen. Und das beinhaltet, ihn darauf hinzuweisen, wenn eine Szene aus irgendeinem Grund nicht funktioniert, ein Charakter nicht rund genug ist, der Spannungsbogen nicht stimmt oder bei einem Sachbuch an einer bestimmten Stelle eine weitere Tiefenbohrung nötig ist. Im Normalfall schreibt ein Lektor eine Szene, die ihm nicht gefällt, also nicht eigenhändig um, sondern bittet den Autor um eine Überarbeitung.

Wie finden eigentlich die Manuskripte deutschsprachiger Autoren den Weg auf Ihren Schreibtisch? Werden die von ihren Autoren gebracht und machen Sie selbst sich auch auf die Suche?

Die meisten Manuskripte werden uns von den Autoren zugeschickt. Es ist immer sehr spannend, sich durch die vielen „unverlangt eingesandten Manuskripte“, wie sie im Fachjargon so schön heißen, zu arbeiten. Denn kein Manuskript ist wie das andere – jedes Buchprojekt hat seinen ganz eigenen Charakter.

Es kommt aber auch vor, dass wir als Verlag die Idee zu einem bestimmten Buch haben und dann nach einem geeigneten Autor dafür suchen (vor allem im Sachbuchbereich) oder aber uns eine bestimmte Person ins Auge sticht, von der wir denken: „Dieser Mensch hat eine so spannende Lebensgeschichte / arbeitet an einem so spannenden Projekt, dass wir ihn dafür gewinnen sollten, ein Buch zu schreiben.“ So war es zum Beispiel bei Daisy Gräfin von Arnim.

Eine Vielzahl der bei Ihnen erscheinenden Titel kommt aus dem amerikanischen Raum. Wer sucht die Titel? Sind Sie es da, die entscheidet, was zum Verlag der Francke-Buchhandlung passt?

Im Bereich Belletristik, Kinder- und Jugendbuch, Geschenkbuch und Biografien suchen unsere Verlagsleiterin Anne-Ruth Meiß und ich die Titel gemeinsam aus. Vor allem auf den Buchmessen, aber auch über das Internet informieren wir uns darüber, welche Titel unsere internationalen Geschäftspartner planen, und fordern interessante Manuskripte zum Prüfen an. Und dann heißt es lesen. Oft liest man dreißig, vierzig Bücher, bevor man endlich auf eines stößt, bei dem klar ist: „Das passt perfekt, das kaufe ich ein.“ Da hat man zwischendurch manchmal schon Angst, inzwischen zu kritisch geworden zu sein… Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass es sich lohnt, auf den „richtigen“ Titel zu warten. Und es sind schöne Momente, wenn einer von uns einen tollen neuen Autor entdeckt hat, morgens begeistert ins Büro der anderen gestürmt kommt und sagt: „Du, ich hab da ein großartiges Buch entdeckt, das müssen wir unbedingt gleich einkaufen!“ Im theologischen Bereich läuft es ein bisschen anders, da arbeiten wir mit einem Beratergremium.

Wie oft haben Sie ein Manuskript gelesen, bevor es den Weg in die Druckerei antritt, um ein Buch zu werden?

Wenn es sich um eine Übersetzung handelt, ein bis zwei Mal. Einmal auf Englisch, um den Titel einzukaufen, und einmal auf Deutsch, wenn ich das sprachliche Lektorat selbst mache. Bei Manuskripten deutschsprachiger Autoren kann es durchaus vorkommen, dass ich das Manuskript sieben, acht Mal in den unterschiedlichsten Fassungen gelesen habe, bis es zur Veröffentlichung bereit ist …

Welche wichtigen Tätigkeiten einer Lektorin haben wir nun noch nicht angesprochen?

Bisher haben wir hauptsächlich über die Arbeit am Text bzw. mit dem Autor gesprochen, aber das ist nur ein Teil unserer Arbeit. Der Lektor ist in den letzten Jahren immer mehr zum Projektmanager geworden, der den reibungslosen Ablauf des gesamten Buchprojekts vom Manuskripteinkauf bis zur Drucklegung und darüber hinaus koordiniert. Er ist nicht nur für das Verfassen der Vorschau- und U4-Texte (das sind die Texte auf der Buchrückseite) zuständig, sondern auch für die Zusammenarbeit mit den Grafikern, die die Covergestaltung übernehmen. Die Lektoren klären mit der Herstellungsabteilung, wie der Satz des Buches aussehen sollte, stimmen mit der Presse- und Marketingabteilung ab, für welche Titel besondere Aktionen laufen sollten, präsentieren die Titel auf der Vertreterkonferenz und manchmal sogar auf Buchhändlerkonferenzen. Der Beruf des Lektors ist also deutlich vielseitiger, als manche meinen …

Wenn Sie abends nach Hause gehen, können Sie dann noch Bücher sehen oder machen Sie lieber einen großen Bogen um jedes Bücherregal?

Zum Glück bin ich ein Bücherjunkie – anders könnte ich diesen Job auch nicht machen. Natürlich gibt es manchmal Abende, an denen ich nach Hause komme und keine Lust mehr aufs Lesen habe, aber normalerweise ist mein E-Reader mit den englischsprachigen Manuskripten immer dabei und kommt zum Einsatz, sobald ich in meiner Freizeit etwas Zeit zum Lesen erübrigen kann. Da ist es natürlich schön, dass ich in einem Verlag arbeite, dessen Bücher ich selbst sehr gerne mag, denn dadurch kommt einem das kaum wie Arbeit vor, sondern fast wie Privatvergnügen… Und wer würde schließlich nicht gerne die neue Irene Hannon, die neue Kristen Heitzmann oder Sarah Sundin noch vor Erscheinen in den USA lesen! Oder eine wunderbare neue Autorin entdecken … Nur die drei Wochen Sommerurlaub, die gehören ganz mir, da lese ich „fertige“ Bücher, einfach nur, weil ich Lust dazu habe …

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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Gerhard Heil: Sehnsucht nach Sinn

Gerhard Heil begibt sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Wir Menschen beginnen oft erst konkret nach diesem Sinn zu suchen wenn wir in einer Lebenskrise stecken. Und da genau beginnt der Autor.
Dieses Büchlein mit seinen knapp 110 Textseiten sieht auf den ersten Blick wie ein Leichtgewicht aus. Bei näherer Betrachtung entpuppt es sich allerdings als ein Schwergewicht. Schulpfarrer Gerhard Heil gibt in seinen neun Kapiteln Impulse um den Leser für seine ganz persönliche Suche zu motivieren. Der Autor orientiert sich an biblischen Quellen und stellt seinen Lesern sehr direkte und unbequeme Fragen.
Eine gemütliche Lesestunde wird diese Lektüre nicht werden. Ich kann mir gut vorstellen dieses Buch in Gemeindekreisen an mehreren Abenden als Ausgangspunkt für Gespräche zu benutzen.
Mit Gerhard Heil nach dem Sinn des Lebens zu suchen, ist Schwerstarbeit. In seinem Buch allerdings kann man sich ihm gut anvertrauen. Seine Impulse bringen den Leser wichtigen Antworten näher. Die Einfachsten werden es in jedem Falle nicht sein, dafür aber die Ehrlichsten!
Brunnen, ISBN 978-3-765-51515-6, Preis 9,99 Euro

Autor Gerhard Heil hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Gerhard Heil, „Sehnsucht nach Sinn“ ist ein Buch in dem viel von Lebenskrisen und Neuausrichtung des eigenen Weges zu lesen ist. Der Mensch heute hat so viele Möglichkeiten wie nie zuvor, kann dies der Grund für seine Orientierungslosigkeit sein? – so paradox dies auch klingen mag.

Genau darin besteht die Schwierigkeit – unter vielen Optionen entscheiden zu können und dennoch nicht genau die Kriterien zu kennen. Gleichzeitig aber steigt der ökonomische Druck und zwingt zur Entscheidung: Welches ist der richtige Weg für mich. Es geht nicht darum, sein Leben nur äußerlich „abzuleben“ und dem Mainstream zu folgen, sondern bewusst sein Leben zu gestalten.

Sie Schreiben „Werte sind Sinnstifter“. Oft höre ich heute von Menschen, dass sie sich unnütz und wertlos fühlen. Wie und Wo kann ich zum Suchen von Werten ermuntern?

Werte sind für viele Zeitgenossen nur in $ oder € zu messen. Das ist eine materielle Verengung.

Lebenssinn und Lebensqualität erschließen sich auch aus ganz anderen Werten wie z. B. die Sehnsucht nach Geborgenheit, kreativer Gestaltung, Gotteserfahrung und Harmonie. Diese Werte sich bewusst zu machen, sie zu fühlen, sie zu verwirklichen – dazu fordert das Buch heraus.

Worin besteht der Sinn des Lebens für Gerhard Heil?

Dazu frage ich zurück: Auf welcher anthropologischen Ebene (Körper, Seele, Geist) sprechen Sie mich an? Zum Sinngefüge gehören die vier Sinnfelder. In das Feld „Werte“ gehört für mich die oberste Priorität des Glaubens an das Reich Gottes (Matthäus 6,33). Für mich gehört dazu das Ziel, dass Christus in mir und anderen „Gestalt gewinnt“ (Gal 4,19) und wir „wachsen in Christus“ (Eph. 4,15).

Konkret äußert sich das in der geistlichen Begleitung für Einzelne oder Gruppen.

Gerhard Heil

Ihr Buch liest sich nicht ganz einfach. Sie haben es immer wieder mit unbequemen Fragen gespickt. Wieso haben Sie dieses Buch gerade jetzt geschrieben und hatten Sie eine spezielle Zielgruppe vor Augen?

Die Sinnfrage findet häufig  Antworten  in philosophisch anspruchsvollen  oder flachen, banalen Werken (nach dem Motto –„mach das Beste daraus“).  Ich habe versucht, dieser komplexen Frage zwar differenzierende, aber auch lebenspraktische Antworten zu geben.  Das Buch ist ein Arbeitsbuch und kein Buch zum Konsumieren. Es will Anstöße geben, um neue Antworten zu finden und diese zu leben.

Heute sind Sie Schulpfarrer. Was glauben Sie, wovon haben junge Leute heute in Hülle und Fülle und was ist bei ihnen Mangelware?

Gerade junge Menschen sind sensibel für echte und existenzielle Fragen. Dass der Mensch nicht nur ein biochemisches Wesen oder ein Produzent  und Konsument, sondern auch ein Wesen, das auf Transzendenz angelegt ist, bleibt vielen verborgen. Der Mensch braucht Gott, um den Vollsinn seines Lebens zu erfassen. Diese Tatsache ist in der westlichen, liberalen, materiell orientierten  Welt völlig untergegangen. Sie kommt in der Auseinandersetzung mit dem Islam neu zu Bewusstsein.

Seit ein paar Wochen ist Ihr Buch jetzt auf dem großen Büchermarkt. Wie sind die ersten Leserreaktionen und was glauben Sie kann so ein Buch leisten?

Das Buch kann man nicht lesen, ohne sein eigenes Leben zu reflektieren. Von daher  ist Ihre Einschätzung „liest sich nicht ganz einfach“ völlig richtig. Aber wer stellt sich schon selber gerne ehrlichen Anfragen. Ich würde dieses Buch gerade Gruppen empfehlen, die einen Gesprächsleitfaden für einen ehrlichen, offenen Dialog zu dem Lebensthema  „Sinn“ suchen.
Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Ulrich Wendel (Hrsg.): Du hörst mein Gebet

 

Derzeit bringen unsere frommen Verlage wieder ihre Andachtsbücher heraus. Beim vorliegenden Buch allerdings handelt es sich nicht um ein Andachtsbuch, sondern um ein Gebetsbuch. Vorrangig mit Worten aus den Psalmen soll der Leser sich Tag für Tag im Gebet an Gott wenden. Es sind Texte die mit Leichtigkeit in ein bis drei Minuten zu bewältigen sind.

In seiner Einleitung erzählt der Herausgeber ein wenig davon, wie er sich den Gebrauch seines Buches vorstellt und er fordert auf: „Rezitiert Psalmen!“ Eigentlich bin ich kein Freund langer Einleitungen und Vorworte. Diese zehn Seiten haben sich gelohnt. Sie haben mich neugierig auf das Experiment Psalmen lesen gemacht!

Das Buch mit dem grünen Lesebändchen hat gute Chancen zum Jahresbegleiter aufzusteigen!

SCM R. Brockhaus, ISBN 978-3-417-26491-3, Preis 16,95 Euro

UlrichWendel hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Ulrich Wendel, soeben ist Ihr Buch „Du hörst mein Gebet“ erschienen. Es ist als Buch für den täglichen Gebrauch gedacht. Davon gibt es viele auf dem großen Büchermarkt. Warum sollte ich ausgerechnet zu Ihrem Buch greifen?

Weil dieses Buch kein Andachtsbuch ist, in dem ich etwas lese und dann über den Inhalt nachdenke. Sondern es ist ein Buch mit Gebeten, die ich mitbeten kann. Das Buch bringt mich also unmittelbar mit Gott ins Gespräch. Dabei „leiht“ mir die Bibel ihre Worte – ich werde also über die Begrenzungen meiner eigenen Gebetsworte hinausgeführt.

Gern überlese ich Vorworte und Hinweise. In Ihrem Buch besteht die Einleitung gleich aus zehn Seiten. Ein Satz davon ist bei mir ganz besonders hängen geblieben: „… beim Psalmenbeten kommt es auch gar nicht darauf an, alles mit dem Verstand zu erfassen.“ Womit sonst?

Das verstandesmäßige Erfassen ist durchsaus wichtig. Ich soll schon die Gebete der Bibel mit großer Aufmerksamkeit wahrnehmen. Aber der Verstand ist hier nicht alles. Indem ich die Psalmen und die anderen Gebete in meinem Herzen mitspreche, nachspreche, und indem ich das immer wieder, jeden Tag, mache, fällt Gottes Wort tief in meine Seele. Und es kann dann im Alltag wieder unverhofft auftauchen.

Außerdem werde ich mit der biblischen Sprache vertraut, das heißt mit ihren Formulierungen, ihren bildhaften Vergleichen usw. Je tiefer ich in der Sprachgestalt der Bibel „drin“’bin, desto tiefer werde ich sie auch verstehen.

Vorrangig stehen Psalmen auf der bei Ihnen vorgesehenen täglichen Agenda. Und es geht auch nicht „nur“ um die tägliche Bibellese, Sie schreiben ganz bewußt vom Gebet. Was meinen Sie, warum haben wir im Alltag oft Schwierigkeiten mit dem Gebet?

Ich persönlich habe Schwierigkeiten mit dem Gebet, weil ich mich oft nicht gut konzentrieren kann. Mir schießt zu vieles gleichzeitig durch den Kopf. Die Psalmen helfen mir, mich zu bündeln. Eine andere Schwierigkeit liegt darin, dass man das Gebet oft unterschätzt. Wenn es hart auf hart kommt, arbeitet man lieber an den Problemen, als dafür zu beten. Ich finde diesen Spruch sehr zutreffend: „Das Gebet ersetzt keine Tat, aber das Gebet ist eine Tat, die durch nichts zu ersetzen ist.“ Wenn ich mein Beten als Tat begreife, habe ich bereits einige Schwierigkeiten überwunden.

Dr. Ulrich Wendel

Was, wenn ich am 1. Januar mit all meinen guten Vorsätzen mit Ihrem Andachtsbuch in das neue Jahr starte und schon am 5. Januar keinen Bock mehr drauf habe, mich die Texte einfach nicht ansprechen? Wozu würden Sie mir raten, das Buch einfach meiner Oma schenken oder einfach weiter lesen?

Jeder hat seine eigene „Wellenlänge“im Umgang mit Gott. Nicht jedem wird eine Form wie das tägliche Psalmenbeten helfen, Es ist ja schon ein wenig liturgisch. Aber andererseits wird das Beten mit biblischen Gebeten seine Wirkung erst auf lange Sicht entfalten. Klavierspielen sollte ich auch nicht aufgeben, wenn ich nach vier Wochen noch keine Mozartsonate spielen kann. Ich würde also schon raten, einfach weiter zu lesen. Und für die Oma das Buch extra zu kaufen und ihr zu schenken.

Manchmal geht einem der Sinn oder die Bedeutung eines vor Wochen gehörten Satzes erst viel später auf oder auch neu auf, vielleicht geschieht dies ja auch mit einem Satz aus einem einmal getankten Psalm. Sehen Sie Ihr Buch als eine Art Tankstelle und warum ist es gerade in diesem Jahr erschienen?

Tankstelle ist mir zu technisch. Da zapfe ich ja exakt das ab, was ich bestellt habe. Ich sehe das Buch vielmehr als Möglichkeit zur Einübung in geistliches Leben. Warum es gerade in diesem Jahr erschienen ist? Weil in diesem Jahr die Idee dazu aufkam – und weil ich aus meiner eigenen Gebetspraxis schon viele Vorarbeiten dazu auf Lager hatte. Da kam also eins zum anderen. Ich habe mich über das Buch auch deshalb gefreut, weil ich endlich selbst so mit der Bibel beten kann, wie ich es gern tue, und das jetzt ohne in meiner Bibel hin- und herblättern zu müssen. Mit diesem Buch habe mich mir auch selbst einen Gefallen getan.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Roland Hardmeier: Burnout

Pfarrer und Dozent Roland Hardmeier: „Da bin ich also. Ein gestrandeter Pfarrer und Dozent. Einer, der anderen half bis zum Umfallen und jetzt selber dringend Hilfe braucht.“
Mit diesen ernüchternden Worten beginnt der schweizer Theologe sein Buch in dem er seine Burnout Erkrankung reflektiert.
Mit dem Ende beginnt Roland Hardmeier. Er beschreibt sein Zimmer im Krankenhaus in dem er Wochen verbringen wird. Erstaunlich offen erzählt Hardmeier. Er beneidet eine 84 jährige Grpßmutter, die sich nach ihrem Herzinfarkt schnell gut erholt hat und längst wieder gesund aussieht. Er selbst ist noch lange nicht soweit.
In der kommenden Zeit lernt der Patient Roland Hardmeier viel über sich selbst. Vieles wusste oder ahnte er selbst schon, anderes ließ er nicht an sich heran. Aber wer kennt nicht den Alltag, der den Menschen mit Haut und Haaren frißt? Hardmeier hat sich fressen lassen und muss neu lernen zu leben.
Roland Hardmeier ist Umgefallen und steht heute wieder. Indem er uns seine Geschichte erzählt, hat er seine Krankheit längst gut überstanden, aber er erzählt sie damit wir uns warnen lassen.
Ein sehr persönliches Buch, es geht nah ans Herz und rüttelt am Alltag!
Brunnen, ISBN 978-3-765-51257-5, Preis 14,99 Euro

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Michio Kaku: Die Physik der Zukunft

 

Mit Physik hab ich eigentlich nicht viel am Hut, deshalb hab ich bei diesem Buch zu Beginn ein wenig gezögert, aber dann waren die 550 Textseiten in einem Zug
durchgelesen. Der japanische Physiker Michio Kaku beschreibt den Alltag in 100 Jahren. Dazu hat er viele Wisenschaftler befragt um nicht in planlosem Gewirr
und Wunschdenken zu enden.

Zuvor erklärt er genau in wessen Tradition er sich sieht. Bereits Leonardo da Vinci und Jules Verne haben Wissenschaftler ihrer Zeit befragt und konnten dann ihrer Zeit weit vorraus Entwicklungen beschreiben. Oft genug wurden sie als Spinner abgetan oder belächelt, aber fast all ihre Vorhersagen existieren längst. „Mit frappierender Präzision beschrieb Verne das Leben … “ und so entwirft jetzt der japanische Autor ein Bild von einem Lebensalltag in 100 Jahren.

Eingehend und höchst spannend, auch für jeden verständlich, beschreibt er die Zukunft des Computers – der Künstlichen Intelligenz – der Medizin – Nanotechnologie – der Energie – der Raumfahrt – Zukunft des Wohlstandes – Zukunft der Menschheit.

Es hört sich schon ziemlich faszinierend an, wenn ich da lese, dass Computer lautlos meine Gedanken lesen können, ja sogar meine Wünsche erfüllen. Ich werde Objekte allein durch meine Gedanken bewegen können, völlig neue Lebensformen werden kreiert. Das Wort Krebstumor wird aus dem Wortschatz gestrichen sein, weil lange vor Bildung eines Tumors der Krebs bereits wirksam bekämpft werden kann. Wenn ich Nachwuchs plane überlege ich zuvor welche Gene das Kind bekommen soll . . . All das hört sich faszinierend an und ich habe eigentlich auch keine Zweifel mehr daran, dass dies alles irgendwann einmal möglich sein wird, aber ob ich dann in so einer Zeit leben möchte? Gut, dass sich diese Frage nicht wirklich stellt!

Zwei Sachen sind mir beim Lesen einmal mehr sehr deutlich geworden. Zum einen wie rasant die Wissenschaft unseren Alltag verändert und wie hoch die Verantwortung der Wissenschaftler für das Fortbestehen der Menschheit ist. Vielleicht ist es doch nicht sinnvoll alles zu entwickeln was technisch möglich ist

Michio Kaku hat seinen Jules Verne Test sehr gut bestanden!

Rowohlt, ISBN 978-3-498-03559-4, Preis 24, 95 Euro

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