Hans – Harald Sedlacek: Verbaut die Kirche ihre Zukunft?

Ein katholischer Laie veröffentlicht in einem evangelischen Verlag seine Gedanken über seine katholische Kirche. Liest man die Seiten des Katholiken Sedlacek kommt mir als Protestanten vieles als nur zu bekannt aus meiner eigenen Kirche vor. Das Alte und Starre ist halt überall präsent. Natürlich gibt es auch Unterschiede. Wohl sortiert präsentiert der Autor dies alles.
Als sehr gelungen finde ich die Art und Weise wie Sedlacek seine Gedanken für den Leser aufbereitet hat. Durch das ganze Buch zieht sich ein Dialog zwischen dem Autor und dem Zweifler in ihm. Dies sorgt für Auflockerung der 363 Seiten, zeigt aber auch sehr schön das Spannungsfeld vieler Christen. Sie haben den Mut zur Kritik, aber verlassen ihre Kirche doch nicht.
Besonders interessant waren für mich natürlich die Textstellen zum Thema Ökumene. An mehreren Stellen geht der Autor präzise darauf ein.
Das Buch des Querdenkers Hans – Harald Seldacek ist bei weitem kein Nörgelbuch an der Institution Kirche geworden. Es fordert dazu auf, über den Tellerrand zu schauen und gemeinsam nach alten und neuen Wahrheiten zu suchen.
Den Autor kannte ich bislang nicht. Ab sofort ist er für mich eine solide und ernst zu nehmende Stimme der katholischen Kirche in Deutschland!
Evangelische Verlagsanstalt, ISBN 978-3-374-03084-2, Preis 19,90 Euro

 

 

Der Autor hat uns folgende Fragen beantwortet:

Lieber Hans – Harald Sedlacek, in diesen Tagen ist ihr Buch „Verbaut die Kirche ihre Zukunft ?“ erschienen. Als katholischer Laie beschreiben sie die gegenwärtige Situation. Warum ist ihr Buch ausgerechnet in einem evangelischen Verlag erschienen? War ihr Manuskript den katholischen Verlagen zu frech?

Einige namhafte „katholische“ Verlage haben mein Manuskript zwar gewürdigt, dann aber aus „marktstrategischen“ Gründen eine Vermarktung abgelehnt.  Meine Wahl fiel auf die Evangelische Verlags Anstalt (EVA) in Leipzig, weil mich deren bewusste Förderung der Ökumene und die Fachkompetenz sowohl der Verlagsleitung wie auch des Lektorats überzeugt haben.

Sie haben viel an ihrer katholischen Kirche zu kritisieren, aber sie treten nicht wie tausende andere aus. Warum nicht, glauben sie, man kann die katholische Kirche von innen her reformieren?

Zum einen bin ich durch meine lebenslange Prägung ein Bestandteil der katholischen Kirche. Aus dieser Prägung herauszutreten wäre für mich nur mit Verlusten verbunden. Zum anderen wäre durch einen Austritt keinem anderen gedient. Und zum Dritten findet die Reform der katholischen Kirche bereits von innen heraus statt. Weniger durch die Amtsträger, als mehr durch die sogenannten Laiengläubigen und Ortspriester. Diese stellen aus meiner Sicht die lebendige Kirche dar. Das Verhalten, über welches aktuell von einigen Amtsträgern aus dem Vatikan oder aus den Bistümern, wie beispielsweise aus Limburg oder auch aus einigen anderen Bistümern in den Medien berichtet wird, repräsentiert nun wirklich nicht die katholische Kirche!

Selbst bin ich Protestant. Beim Lesen dachte ich oft, eigentlich sind wir als kritische Querdenker gar nicht so weit auseinander entfernt, beklagen oft die Starre in unseren Kirchen. Meinen sie, dass die gegenwärtige katholische und evangelische Sackgasse miteinander vergleichbar ist?

Ich kann mir kein Urteil über die evangelische „Sackgasse“ erlauben. Aber wenn sie Parallelen zu derjenigen der katholischen Kirche sehen, dann mögen diese Parallelen durch menschliche Schwächen in den Leitungsebenen beider Kirchen bedingt sein. Angst vor diesen eigenen Schwächen, Vertuschung der eigenen Unfähigkeit durch Verhaltensauffälligkeiten wie Gockelhahn-Gehabe, Angst vor Veränderungen, Angst vor Machtverlust, Angst vor der eigentlichen Verantwortung, , Angst vor den Folgen, wenn der sehnlichste Wunsch Christi nach Einheit der Christen erfüllt würde, all das kann dazu führen, Gründe um Gründe heranzuziehen, die Ökumene der Kirchen nicht weiter zu entwickeln. Ähnliche Abwehrreaktionen sind auch in der Wirtschaft zu finden, beispielsweise wenn die Fusion zweier Firmen geplant wird.  

Lieber Hans – Harald Sedlacek, in so einem Interview kann man ein so umfangreiches Werk wie sie es hier vorgelegt haben, nicht ganz bedenken. Das für mich beeindruckendste waren die Stellen, in denen sie unverkrampft, fern aller Gesetzlichkeiten, über das Miteinander von evangelischer und katholischer Kirche nachgedacht haben. Sie kennen in ihrem Umkreis katholische Priester in Deutschland, die evangelische Glaubensbrüder zum Abendmahl einladen. Ich finde dies sehr gut, aber muss man in so einem Fall nicht von Parallelwelten innerhalb der katholischen Kirche sprechen? Wie stehen sie zu solchen Entwicklungen?

Jeder Getaufte hat aus meiner Sicht ein Anrecht auf das Sakrament der Eucharistie, vorausgesetzt, er oder sie versteht unter Eucharistie die Anwesenheit und Gemeinsamkeit mit Christus.

Eine andere Frage ist, ob seitens der Amtsträger der Zugang zur Eucharistie Christen anderer Kirchen verwehrt wird, um die eigenen Vorstellungen oder Machtansprüche zu schützen. Derartige Aktionen werden sich sicherlich mit der weiteren Entwicklung der Ökumene verlieren.

Denn Amtsträger werden zunehmend vor die Wahl gestellt, entweder die Entwicklung der Ökumene inhaltlich wie auch formal zu fördern oder sie zu behindern. Je stärker die Amtsträger die Ökumene behindern, um so mehr stellen sie sich gegen einen zunehmenden Teil der Gläubigen wie auch gegen den Wunsch Christi nach Einheit der Christen. Zum anderen geben sie die Möglichkeit aus der Hand, als tragendes Element die weitere Entwicklung der Ökumene  zu steuern.  In derartigen Verweigerungen würde ich nicht die Gefahr der Entwicklung von Parallelwelten sehen sondern halt nur menschliche Schwächen.

Hans-Harald Sedlacek

Ist es möglich, dass die katholische Kirche in Deutschland Rom eines Tages, was Fragen der Ökumene betrifft, einfach vor vollendete Tatsachen stellt? So nach dem Motto: Da wurden wir einfach von der Realität überholt?

Die derzeitige Wirklichkeit der Ökumene in Deutschland dürfte für so manchen Bischof und Kardinal aus sogenannten „katholischen“ Ländern bereits recht fremd sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass bei diesen jetzt schon  das Gefühl des überrollt Seins oder Werdens besteht.

Was kann die evangelische Fraktion in der Basis heute tun um die Ökumene wieder in Fahrt zu bringen? Im Alltag schauen wir Protestanten ja oft nur abwartend auf die katholische Kirche.

Meiner Ansicht nach sind hierzu mehrere Dinge hilfreich

–    Verzeihen, was Katholiken den Protestanten in der Vergangenheit angetan haben,

–    Toleranz der Tatsache, dass die katholische Kirche eine Organisation ist, deren Entscheidungen Jahrzehnte an Zeit bedürfen,

–    die eigene Stärken zeigen, ohne mit diesen die Abgrenzung zu vertiefen,

–    den Willen aufbringen, von den Stärken der katholischen Kirche zu lernen. 

Ich bin heute 50. Werde ich mit 90 in einer geeinten Kirche leben?

„Eins sein“ muss nicht bedeuten, dass wir eine Verschmelzung der Kirchen haben. „Eins sein“ könnte auch beinhalten, dass die unterschiedlichen Kirchen als Organisationseinheiten weiter bestehen bleiben, sie jedoch ein weitgehend gemeinsames Verständnis zu den Sakramenten entwickeln, welches es jedem Christen erlaubt, in jeder der an der Ökumene teilhabenden Glaubensgemeinschaften den christlichen Glauben voll zu leben. Meine Hoffnung ist, dass zumindest die letztere Entwicklung innerhalb der nächsten 40 Jahre stattfindet. Ansonsten sehe ich die Glaubwürdigkeit der Kirchen noch weiter schwinden.

Herzlichen Dank für dieses sehr interessante Gespräch?

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Hans – Harald Sedlacek: Verbaut die Kirche ihre Zukunft?

  1. Tom

    Ein wirklich interessanter Artikel. Dieses Thema beschäftigt mich schon wirklich lange besonders, da ich selbst aus einem streng katholischen Umfeld komme und dieses Leben nie ganz nachvollziehen konnte. Ich werde das Buch auf jeden Fall lesen. Als ich noch bei http://www.frieling.de/
    hatte ich dieses Thema auch mal vorgeschlagen.

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