Ulrich Wendel (Hrsg.): Du hörst mein Gebet

 

Derzeit bringen unsere frommen Verlage wieder ihre Andachtsbücher heraus. Beim vorliegenden Buch allerdings handelt es sich nicht um ein Andachtsbuch, sondern um ein Gebetsbuch. Vorrangig mit Worten aus den Psalmen soll der Leser sich Tag für Tag im Gebet an Gott wenden. Es sind Texte die mit Leichtigkeit in ein bis drei Minuten zu bewältigen sind.

In seiner Einleitung erzählt der Herausgeber ein wenig davon, wie er sich den Gebrauch seines Buches vorstellt und er fordert auf: „Rezitiert Psalmen!“ Eigentlich bin ich kein Freund langer Einleitungen und Vorworte. Diese zehn Seiten haben sich gelohnt. Sie haben mich neugierig auf das Experiment Psalmen lesen gemacht!

Das Buch mit dem grünen Lesebändchen hat gute Chancen zum Jahresbegleiter aufzusteigen!

SCM R. Brockhaus, ISBN 978-3-417-26491-3, Preis 16,95 Euro

UlrichWendel hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Ulrich Wendel, soeben ist Ihr Buch „Du hörst mein Gebet“ erschienen. Es ist als Buch für den täglichen Gebrauch gedacht. Davon gibt es viele auf dem großen Büchermarkt. Warum sollte ich ausgerechnet zu Ihrem Buch greifen?

Weil dieses Buch kein Andachtsbuch ist, in dem ich etwas lese und dann über den Inhalt nachdenke. Sondern es ist ein Buch mit Gebeten, die ich mitbeten kann. Das Buch bringt mich also unmittelbar mit Gott ins Gespräch. Dabei „leiht“ mir die Bibel ihre Worte – ich werde also über die Begrenzungen meiner eigenen Gebetsworte hinausgeführt.

Gern überlese ich Vorworte und Hinweise. In Ihrem Buch besteht die Einleitung gleich aus zehn Seiten. Ein Satz davon ist bei mir ganz besonders hängen geblieben: „… beim Psalmenbeten kommt es auch gar nicht darauf an, alles mit dem Verstand zu erfassen.“ Womit sonst?

Das verstandesmäßige Erfassen ist durchsaus wichtig. Ich soll schon die Gebete der Bibel mit großer Aufmerksamkeit wahrnehmen. Aber der Verstand ist hier nicht alles. Indem ich die Psalmen und die anderen Gebete in meinem Herzen mitspreche, nachspreche, und indem ich das immer wieder, jeden Tag, mache, fällt Gottes Wort tief in meine Seele. Und es kann dann im Alltag wieder unverhofft auftauchen.

Außerdem werde ich mit der biblischen Sprache vertraut, das heißt mit ihren Formulierungen, ihren bildhaften Vergleichen usw. Je tiefer ich in der Sprachgestalt der Bibel „drin“’bin, desto tiefer werde ich sie auch verstehen.

Vorrangig stehen Psalmen auf der bei Ihnen vorgesehenen täglichen Agenda. Und es geht auch nicht „nur“ um die tägliche Bibellese, Sie schreiben ganz bewußt vom Gebet. Was meinen Sie, warum haben wir im Alltag oft Schwierigkeiten mit dem Gebet?

Ich persönlich habe Schwierigkeiten mit dem Gebet, weil ich mich oft nicht gut konzentrieren kann. Mir schießt zu vieles gleichzeitig durch den Kopf. Die Psalmen helfen mir, mich zu bündeln. Eine andere Schwierigkeit liegt darin, dass man das Gebet oft unterschätzt. Wenn es hart auf hart kommt, arbeitet man lieber an den Problemen, als dafür zu beten. Ich finde diesen Spruch sehr zutreffend: „Das Gebet ersetzt keine Tat, aber das Gebet ist eine Tat, die durch nichts zu ersetzen ist.“ Wenn ich mein Beten als Tat begreife, habe ich bereits einige Schwierigkeiten überwunden.

Dr. Ulrich Wendel

Was, wenn ich am 1. Januar mit all meinen guten Vorsätzen mit Ihrem Andachtsbuch in das neue Jahr starte und schon am 5. Januar keinen Bock mehr drauf habe, mich die Texte einfach nicht ansprechen? Wozu würden Sie mir raten, das Buch einfach meiner Oma schenken oder einfach weiter lesen?

Jeder hat seine eigene „Wellenlänge“im Umgang mit Gott. Nicht jedem wird eine Form wie das tägliche Psalmenbeten helfen, Es ist ja schon ein wenig liturgisch. Aber andererseits wird das Beten mit biblischen Gebeten seine Wirkung erst auf lange Sicht entfalten. Klavierspielen sollte ich auch nicht aufgeben, wenn ich nach vier Wochen noch keine Mozartsonate spielen kann. Ich würde also schon raten, einfach weiter zu lesen. Und für die Oma das Buch extra zu kaufen und ihr zu schenken.

Manchmal geht einem der Sinn oder die Bedeutung eines vor Wochen gehörten Satzes erst viel später auf oder auch neu auf, vielleicht geschieht dies ja auch mit einem Satz aus einem einmal getankten Psalm. Sehen Sie Ihr Buch als eine Art Tankstelle und warum ist es gerade in diesem Jahr erschienen?

Tankstelle ist mir zu technisch. Da zapfe ich ja exakt das ab, was ich bestellt habe. Ich sehe das Buch vielmehr als Möglichkeit zur Einübung in geistliches Leben. Warum es gerade in diesem Jahr erschienen ist? Weil in diesem Jahr die Idee dazu aufkam – und weil ich aus meiner eigenen Gebetspraxis schon viele Vorarbeiten dazu auf Lager hatte. Da kam also eins zum anderen. Ich habe mich über das Buch auch deshalb gefreut, weil ich endlich selbst so mit der Bibel beten kann, wie ich es gern tue, und das jetzt ohne in meiner Bibel hin- und herblättern zu müssen. Mit diesem Buch habe mich mir auch selbst einen Gefallen getan.

Vielen Dank für das Gespräch!

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