Fabian Vogt: 2017 – Die neue Reformation

Da traut sich doch tasächlich am 500. Jahrestag der Reformation ein kleiner Vikar seine 95 Thesen ins Internet zu stellen. Noch am gleichen Tag, am 31. Oktober 2017, werden diese Thesen viele tausend Male angeklickt. Es entsteht eine riesige Bewegung. Dem jungen Christian van Haewen ist es mit seinen Thesen gelungen, die Stimmung vieler Kirchenmitglieder und Außenstehender zu treffen.
Er spricht „die verkrusteten, institutionalisieren, geistlich verkrümmten Alt-Kirchen“ an, er fordert sie heraus. Der junge Vikar wird über Nacht landesweit bekannt. Wie Luther einst den Buchdruck nutzte, so kommt nun Christian van Haewen das Internet zuhilfe. Über Nacht wird der junge Reformator bekannt, trifft Günter Jauch im Fernsehstudio und wird natürlich schon bald zu seinen Kirchenoberen zitiert.
Dies ist aber nur der eine Erzählstrang. Eigentlich spielt der Roman von Fabian Vogt im Herbst des Jahres 2042. Van Haewen soll ein Grußwort auf dem großen Festakt zum 25. Jahrestag seiner „Lebendigen Kirche“ halten. Doch dies fällt ihm nicht leicht. Keinesfalls will er heucheln, denn seine „Lebendige Kirche“ ist längst nicht mehr das, was er sich einst erträumte.
Überstürzt fliegt Christian van Haewen in die längst zur EU gehörende Türkei, um dort seinen ehemaligen Professor zu treffen. Beide beginnen auf den Spuren von Paulus zu wandeln und Fabian Vogt erzählt parallel. Beide Geschichten werden von Seite zu Seite spannender, man fühlt förmlich als Leser, wie der Autor dem Höhepunkt entgegensteuert. Unterhaltsam auch, wie der Autor die sich technisch veränderte Welt in Randsätzen mit einbaut. Aber immer bleibt die Suche nach dem rechten Glauben und einer zukunftsfähigen Kirche Mittelpunkt des Geschehens.
Für mein Empfinden hat Fabian Vogt mit diesem Roman, sein bislang bestes und wichtigstes Buch vorgelegt. Er gibt jedem Leser, egal wo der steht, die Chance sich in seinem Roman wiederzufinden und geistlich weiterzuentwickeln. Bleibt abzuwarten ob der kirchenviolette Einband dem Buch hilft, auf alle Fälle macht der Autor die Zukunft unserer Kirche zum Thema und dies ist dringend notwendig!
Adeo, ISBN 978-3-942-20874-1, Preis 16,99 Euro
Fabian Vogt hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:
Hallo Fabian, Dein neues Buch „2017 – Die neue Reformation“ ist  soeben erschienen. Ich habe es grad durchgelesen und würde mal behaupten: Es ist  Dein bislang bestes und wichtigstes Buch. Wie siehst Du das selber?

Na, in diesem Buch steckt auf jeden Fall viel Herzblut. Viel  Leidenschaft. Und viel Freude am Erzählen einer ungewöhnlichen Geschichte. Ich  glaube, dasmerkt man.
Es geht ja um die verrückte Idee, dass jemand  im 21. Jahrhundert noch einmal eine Reformation wagt. Einen echten Neuanfang in  der Kirche, weil er sich in vielen tradierten Strukturen nicht wiederfindet. Und  das Erstaunliche ist: Es gelingt. Auf einmal entstehen überall neue Gemeinden – Gemeinden, die innovative Wege wagen und die Gesellschaft verändern.
    Nur: Mein Roman spielt 25 Jahre später, als  beim Jubiläum der neuen Kirche klar wird, dass hier auch nicht alles Gold ist,  was glänzt. Und so versucht mein Protagonist im Rückblick noch einmal  nachzuerleben, was da genau falsch gelaufen ist. Das  heißt: „2017“ ist ein Roman, der Lust zum Träumen machen möchte – und zugleich kritisch nachhakt.
Der große traurige Held Deines Romans heißt Christian van  Haewen. Wie kommst Du grad auf diesen Namen für den zweiten Luther?
Ich mag Namen, die Assoziationen wecken. Und in Christian von Haewen steckt  natürlich auch der „Christus vom Himmel“. Und genau das ist ja die Kernfrage  meines Helden: „War diese neue Reformation von Gott gewollt – oder nicht?“ Um  das herauszufinden, macht Christian sich auf eine Art Pilgerreise.  Genauer gesagt: Er folgt den Spuren von Paulus auf dessen zweiter  Missionsreise.
    So verbinden sich drei Erzählebenen nach und nach  zu einer: Mein Held entdeckt nämlich, dass es bestimmte menschliche  Verhaltensweisen gibt, die zeitlos sind, ja, dass Paulus, Martin Luther und er  selbst eigentlich mit fast den gleichen Herausforderungen und Fragen zu kämpfen  hatten. Für mich war das selbst sehr anregend.
    Und weil mein neuer „Reformator“ die ganze Zeit von  jemanden verfolgt und bedroht wird, hat der Roman auch einen inneren  Spannungsbogen, der es bis zum Schluss aufregend sein lässt.
 
Dein gewähltes Thema brennt ja vielen Kirchenmitgliedern auf den  Nägeln. Es geht um die wie Du Deinen Helden selbst sagen lässt: „verkrustete,  institutionalisierte, geistlich verkrümmte Alt – Kirchen“. In Deinem Roman ist  die „Lebendige Kirche“ (LK) als Ergebnis der Reformation des Jahres 2017  entstanden. Ist das auch Deine Vision? Hat der Autor Fabian Vogt sich gar im  Christian van Haewen versteckt?
Ich hatte 10 Jahre lang eine Sonderpfarrstelle für „Kreative  Gemeindeentwicklung“ inne. Eine tolle Zeit, in der ich viel ausprobieren durfte.  Insofern war es natürlich sehr reizvoll, einfach mal diese Möglichkeiten  literarisch weiterzudenken. Mal ein bisschen in die Zukunft zu schnuppern. Und  natürlich steckt ein Autor immer auch ein wenig in seinen Helden. Trotzdem ist  es ja gerade so schön, dass meine Helden in meinem Roman Dinge tun und lassen  können, bei denen ich in meiner Kirche gewiss anecken würde. Insofern: Ja, in  vielen steckt meine Vision – ich weiß aber sehr wohl, welche Gefährdungen darin  stecken. Deshalb ist „2017“ ja ein Buch, dass zum Weiterdenken einlädt.
Da  Dein Roman weit in der Zukunft spielt, sieht auch der Alltag etwas anders aus.  Du erwähnst dies in einigen Nebensätzen. Besonders gefallen haben mir eine  weitere Bundeskanzlerin und der Hybridbus. Hast Du unentdeckte Jules Verne  Fähigkeiten?
Fabian Vogt
Das wird sich ja leider erst in 30 Jahren herausstellen. Aber ich habe extra verschiedene Schriften von Zukunftsforschern gelesen – und dann das, was mir  darin einleuchtend und wahrscheinlich erschien, in meinen Roman eingebaut. Dazu  kommt, dass ich ja bisweilen im Jahr 2042 auch technische Entwicklungen  anklingen lasse, ohne sie genauer zu erklären. Im Roman werden zum  Beispiel mehrfach „Flashcalls“ erwähnt, eine neue Form der Kommunikation, vor. Klingt gut. Was das ist, bleibt aber ein Geheimnis. Oder besser: Es regt die Phantasie an.
Ganz ehrlich, theologisch bin ich nicht mit allen Deinen Thesen einverstanden.  Als Theologe magst Du recht haben, dass früher auch Nichtordinierte taufen  durften. Für mich hört sich dies fremd an. Glaubst Du, dass die Kirche in  einigen Jahrzehnten so etwas tolerieren wird oder besteht nicht eher die Gefahr  der weiteren Aufsplitterung der Kirchen?
Nun, da bist da mit meinem Helden einer Meinung. Der weiß ja auch nicht  mehr so genau, ob das eine gute Entwicklung war. Persönlich würde ich sagen:  Philippus und die ganze Jüngerschar haben einfach angefangen zu taufen – ohne  jedes Theologiestudium. So ganz ungeistlich kann das also nicht gewesen  sein. Etwas salopp gesagt: Die Idee, dass Taufen nur durch Theologen  durchgeführt werden dürfen, ist zumindest nicht biblisch. Trotzdem kann sie  ja richtig sein.
    Letztlich geht es genau darum in meinem Roman: Dass  wir ein Gespür dafür entwickeln, welche geistlichen Facetten der Kirche das  Wesentliche ausmachen und welche einfach historische Ausformungen sind. Ich sag  mal so: Wenn wir beide jetzt anfangen, angeregt über eine einladende Taufpraxis  der Zukunft zu disskutieren, dann hat mein Roman doch schon einiges in Bewegung  gebracht. Oder?
Was  glaubst Du wird von Deinem Buch ausgehen? Eine weltweite Reformbewegung? Ein  schönes literarisches Stündchen oder … ?
 Erst einmal bin ich Schriftsteller und erzähle gerne Geschichten.  Darum habe ich auch „2017. Die neue Reformation“ geschrieben. Aber vielleicht  kann ja ein Roman manchmal auf andere Weise inspirieren als eine  „kirchliche Programmschrift“. Und wenn du fragst, was ich im Bezug auf mein  Buch glaube, dann kann ich nur sagen: „Ich glaube, dass Gott mit seiner Kirche  noch einiges vorhat …“
Vielen Dank für das Gespräch und möge Dein Buch ein guter Impuls für eine fruchtbare Diskussion sein!
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