Christian Wolff: Osterweiterung

Vor über zwei Jahrzehnten machte sich ein Mannheimer Pfarrer auf den Weg nach Leipzig. Er wollte dabei sein wo die Welt sich verändert. Er ging in den Osten Deutschlands und gestaltete als Pfarrer der berühmten Thomaskirche in Leipzig das Leben in seiner Gemeinde und seiner neuen Heimatstadt mit.

Davon erzählt Pastor Christian Wolff in seinem Buch. Er hat Positives und Negatives erlebt. Er hat Erwartungen und formuliert diese sehr deutlich. Es ist eines der seltenen Bücher in denen ein heute in Ostdeutschland lebender Wessi auf seine Erfahrungen zurückblickt und frei von der Leber weg darüber berichtet.

EVA, ISBN 978-3-374-03009-5, Preis 12,80 Euro

Pastor Christian Wolff hat buecheraendernleben folgende Fragen beantwortet:

Lieber Pastor Christian Wolff, seit 20 Jahren sind Sie Pastor an der berühmten Leipziger Thomaskirche. Wie hat sich Leipzig und vor allem das kirchliche Leben in dieser Stadt in dieser Zeit verändert?

Ich bitte um Nachsicht: aber auf diese Frage kann ich nicht kurz antworten. Sie wird weitgehend in meinem Buch beantwortet. Ich kann als Ergebnis nur so viel sagen: Leipzig hat sich insgesamt gesehen wunderbar entwickelt, wird aber nur eine Chance haben, wenn sich die Stadt eindeutig als Musik- und Bachstadt positioniert. Darüber hinaus ist wichtig, dass Kultur- und Sozialpolitik als Einheit und nicht als Gegensätze angesehen werden. Als Kirche sind wir eine Minderheit. Dennoch ist städtisches Leben ohne Kirche nicht denkbar. Darum verstehen wir uns als Mitgestalter städtischen Lebens. Das kommt auch im Leitgedanken der Thomaskirche zum Ausdruck: Ort des Glaubens, des Geistes, der Musik.

Sie sind nicht nur Pastor in Leipzig, Sie sind auch seit dieser Zeit Wessi im tiefsten Ossiland, ist das heute für sie und ihre Gemeinde wichtig?
Zuerst bin ich Bürger der Stadt Leipzig– und das seit dem 04. März 1992. Wie viele Bürger dieser Stadt in Vergangenheit und Gegenwart habe ich einen anderen Geburtsort. Darum habe ich mich eigentlich nie als Wessi verstanden, obwohl ich ein lupenreiner bin, und Leipzig nie als tiefstes Ossiland. Was aber stimmt: mit der Friedlichen Revolution und der Vereinigung der beiden deutschen Staaten sind zwei Gesellschaften aufeinander gestoßen, die bis 1945 eine gemeinsame Vergangenheit, aber danach eben eine getrennte Geschichte gehabt haben. Das zusammenzuführen, ist eine Generationenaufgabe. Und darum ist vor allem wichtig, dass sich vor allem diejenigen, die aus Westdeutschland stammen, dazu bekennen, dass das Deutschland nach 1990 ein neues Deutschland ist – und nicht die Fortsetzung der alten, allerdings erweiterten BRD. So verstehe ich mein Wirken in Leipzig.
Ein Blick in die Thomaskirche
 

Was waren die Gründe die den Mannheimer Christian Wolff in den Osten getrieben haben?

Kurz gesagt: 1. stand ein Wechsel an (nach 14 Jahren Tätigkeit in Mannheim); 2. fühlte ich mich nach 1989 im Westen Westdeutschlands zunehmend unwohl: die Welt veränderte sich grundlegend, aber wir lebten am Rhein so, als wäre nichts geschehen. Ich wollte aber dort sein, wo sich die Gesellschaft verändert und erneuert und sich die Weichenstellungen für die Zukunft vollziehen.

Über Ihre Zeit in Leipzig haben Sie Ihr Buch „Osterweiterung“ geschrieben. Wie kam es zu diesem Titel und warum war es Ihnen wichtig dieses Buch zu schreiben?

Bis 1989 war mein Blick nach Westen gerichtet. Ostdeutschland war für mich weitgehend unbekannt. Darum: Osterweiterung. Interessant: mancher hat dies Wort auch so gelesen„Oster-weiterung“. Da bekommt die Sache eine theologische Dimension. Damit endet auch das Buch (siehe S. 242). Da übrigens hat der Zeilenumbruch das Wort so getrennt: Oster-weiterung.

Warum sollten wir es lesen?

Es gibt viele Bücher von Ostdeutschen über die Zeit nach 1989. Es gibt Bücher von Westdeutschen über die Entwicklung Ostdeutschlands. Aber es gibt wenige Erfahrungsberichte und Reflexionen von Menschen, die seit 1990ff in Ostdeutschland leben und arbeiten. Außerdem wollte ich ein paar Dinge einfach festhalten. Darum: Wer erfahren möchte, was in Leipzig geschehen ist und wie sich Kirche verändert hat, der sollte auch dieses Buch lesen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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