Bücherverbrennung: Das hatten wir doch schon mal …

Was ich seit dem Erscheinen meines Interviews mit Martin Dreyer
erlebt habe, hätte ich mir vorher nie so vorgestellt. Mir war klar, dass der Autor mit seiner Volxbibel
umstritten ist und ich bin auch für harte, aber faire Kritik zu haben. Leider waren viele private Mails und Kommentare jedoch in so einem beleidigenden Ton gegen mich oder auch Martin Dreyer, dass ich nichts davon freigeschaltet habe.
In mehreren Wortmeldungen wurde ich auf die Unterschriftensammlung eines anderen christlichen Blogs hingewiesen:
Dies ist eine legitime Reaktion auf ein Buch der Gegner der Volxbibel. Sehr erschrocken allerdings bin ich über die dort freigeschalteten Kommentare. Leser dürfen sich dort scheinbar genau der Gossensprache bedienen, die sie bei Martin Dreyer so leidenschaftlich kritisieren. So lese ich in einem Kommentar vom 24. 8. 2010, dass die Volxbibel in die Kloake gespült gehört. Von „Sinnentartung“ sprach jemand am 19. 3. 2012.
Sollten christliche Blogbetreiber solche Kommentare auf ihren Seiten dulden?
Wie kann es sein, dass Christen in solche Niederungen der deutschen Sprache abgleiten? Mit sachlicher und fairer Diskussion hat all dies für mich nichts mehr zu tun. Am liebsten hätte ich mit dem betreffenden Blogbetreiber einen gemeinsamen Beitrag zeitgleich veröffentlicht, in dem wir unseren Lesern sagen, dass wir solchen Kommentaren auf unseren Seiten keinen Platz geben werden. Leider kommt es dazu nicht. Der Blogbetreiber hat mir mitgeteilt: „Einen gemeinsamen Beitrag zur „Netiquette“ halte ich nach meiner Erfahrung nicht für zielführend.“
Versprochen hat er mir allerdings am 17.10.2012: „Den einen Fall, in dem tatsächlich zur Verbrennung der Volxbibel aufgerufen wurde, möchte ich Sie bitten zu entschuldigen. Ich kann den Kommentar auch heute noch rausnehmen.“
Mir geht es nicht um Entschuldigungen. Mir geht es um die Wahrhaftigkeit in unseren christlichen Blogs. Sind wir wirklich nicht in der Lage uns in einen sachlichen und zugleich fairen Streit zu begeben?
Übrigens, heute am 18.10. 2012 (10.00 Uhr) lese ich auf dem Blog der zeltmacher-nachrichten noch immer in mehreren Aufrufen Forderungen wie diese: „Vernichtet dieses Buch Geschwister!“ oder: „Dieses verfluchte Buch muss man verbrennen! Wie die Zauberbücher früher.“ oder: „Volxbibel gehört verbrannt!“
Christian Döring
Nachtrag:
Weniger als eine Stunde nach Erscheinen meines Beitrages reagiert Zeltmacher mit diesem Beitrag:
Bitte lieber Blog – Kollege etwas genauer lesen. Ich bin keinesfalls über die Kommentare auf meiner HP geschockt, sondern über die Ausdrucksweise in den Kommentaren die ich nicht freigeschaltet habe, weil sich deren Autoren unsachlich und beleidigend geäußert haben.
Außerdem habe ich nicht um Respekt und Zurückhaltung der Volxbibel gegenüber gebeten. Gegen sachliche und faire Kritik hat wohl niemand etwas einzuwenden. Wer allerdings auf seinem Blog gleich mehrere Kommentare duldet die zu Bücherverbrennungen aufrufen, der begibt sich in meinen Augen in ein äußerst gefährliches Fahrwasser und disqualifiziert sich selbst.
Christian Döring
Nachtrag zum Nachtrag (19.10.2012)
Lieber Blog – Kollege, sehr gern gehe ich auf Ihr Angebot von gestern ein: „Auch darauf, dass wir heute noch – um des Friedens willen – Kommentare wieder
zurücknehmen können, falls gewollt.“ hatten Sie geschrieben. Wir bitten Sie recht herzlich um die Löschung der  Wortmeldungen vom 22.3.2012, 19.3.2012, 9.10.2012, 24.8.2010.
Christian Döring
Leider, leider …
bei Zeltmacher am 20.10.2012 gelesen:“Das Angebot, Kommentare zu entfernen, wurde wieder zurückgezogen. Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Blog. Es gilt Hausrecht sowohl für Sie als auch für uns. Sagen Sie uns nicht, was der Admin zu tun oder zu lassen hat. Und wenn Sie denken wir würden hier rassistisches Gedankengut pflegen dann informieren Sie doch bitte den Verfassungsschutz, der wird Ihnen das Gegenteil offiziell bestätigen. Schönen Tag auch Ihnen!“

20.10.2012
„… informieren Sie doch bitte den Verfassungsschutz“  –  mal sehen was sich machen lässt!
Christian Döring
25.10. Zeltmacher hat nun seinen Link des Tages gelöscht? Auf alle Fälle funktioniert der oben angezeigte Link jetzt nicht mehr. Wer den Zeltmacher Text dennoch lesen möchte, kann sich an uns wenden. Wir haben diesen Text gespeichert und schicken ihn als Mail auf Wunsch weiter.
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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Bücherverbrennung: Das hatten wir doch schon mal …

  1. Daniel

    Kapieren die eigentlich gar nix?!
    Können oder wollen die das Stichwort „Bücherverbrennung“ nicht mit 1933 verbinden?

  2. Können oder wollen die das Stichwort “Bücherverbrennung” nicht mit 1933 verbinden?

    Warum sollte man denn das Stichwort »Bücherverbrennung« unbedingt mit »1933« verbinden? Könnte man das nicht in einem geistlichen Context zunächst einmal mit Apg. 19, 19 konnotieren?
    Mal abgesehen von Sinn und Unsinn einer Verbrennung der »Volxbibel«, die ja unter den gegebenen Umständen nichts anderes bewirken würde, als das Geschäft des Verlages anzukurbeln: Was ist schlecht daran, wenn Christen sich entschließen, bestimmte Inhalte nach Prüfung und Verwerfung auch physisch aus ihrem Leben zu entfernen — unabhängig davon, ob dies nun Bücher oder andere Medien betrifft? Wir sind zwar darauf trainiert, bei Bücherverbrennung sofort und nahezu ausschließlich an 1933 zu denken, solche Kuzschlüssigkeit wird aber weder der historischen noch der geistlichen Wahrheit gerecht.
    Prinzipiell würde ich den Christen viel mehr Mut wünschen, sich offen von schädlichen Einflüssen zu trennen — ob diese nun in gedruckter Form oder anderweitig vorliegen. Wer Bücherverbrennung nicht wegen des Inhaltes eines Buches, sondern allein wegen der Form »Buch« zum Verbrechen erklärt, ist Opfer einer humanistischen Erziehung, die den Schwerpunkt der Menschheitsgeschichte um 1933 herum verortet. Er macht das Buch an sich zum Heiligtum und damit zum Götzen. Das kann ich auch als Bücherfreund nicht gutfinden.

  3. Daniel

    Danke, Geier, für die offenen Worte – ich stelle fest: Du WILLST es nicht kapieren 😦

  4. Ingmar

    Hi Christian!
    Du hast eine gute und faire Art, das zu thematisieren, lass dich da nicht entmutigen!
    Aus den von dir genannten Gründen lese ich keine „christlichen“ Blogs oder Internetdiskussionen mehr. Die Haltung, die viele Schreiber in ihrem angeblichen Kampf für den Herrn und die Wahrheit offenbaren ist äußerst belastend und alles andere als ein gutes Zeugnis für das Evangelium.

  5. Clemens

    @Daniel: Was genau hat Geier deiner Meinung nach nicht kapiert? Hast du seinen Beitrag zu Ende gelesen? Ich behaupte, er hat das Problem besser verstanden als die meisten „1933!“-Schreier, indem er die Zwangsassoziation „Bücher verbrennen = 1933 = Nationalsozialismus = Holocaust“ (oder was auch immer) einmal grundsätzlich in Frage gestellt hat. Nur weil die Nazis Bücher verbrannt haben, darf kein Mensch mehr jemals ein Buch verbrennen, auch wenn es der größte Schund ist? Was soll z.B. ein Satanist, der zum Glauben kommt, mit seinen satanistischen Büchern machen? Sie bei Ebay verkaufen? Oder der örtlichen Bibliothek spenden?

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