Christian K. Stead: Mein Name war Judas

Was ist eigentlich mit dem biblischen Judas geschehen als Jesus gekreuzigt wurde? Ging er einfach nur fort? Nahm er sich wirklich das Leben? Christian
Stead nimmt sich die dichterische Freiheit und schreibt die Geschichte der Freundschaft zwischen Jesus und Judas aus dem Neuen Testament einfach
weiter.

Dabei beweist sich Stead als solider Bibelkenner und mutiger Geschichtenschreiber. Ich höre sie schon vor Entsetzen aufschreien, die konservativen christlichen Kreise. Dabei versucht der Autor lediglich das Unfassbare der Kreuzigung Jesu und allem was danach geschah aus dem Abstand heraus in Worte zu fassen.

Judas hat inzwischen das Land verlassen. Nachdem seine erste Frau gestorben war, hat er sich einen neuen Namen zugelegt, eine Griechin geheiratet und lebt in Wohlstand mit ihr und seinen Kindern in einem kleinen Dorf am Meer, südlich von Sidon.

Er betet nicht mehr, vieles am Glaubensleben ist ihm fremd geworden, er ist inzwischen 70 Jahre alt geworden und immer öfter träumt er von der Zeit mit Jesus. Als Kinder haben sie miteinander gespielt, Jesus aus der armen Familie und Judas aus einer reichen Familie.

Interessant und spannend wird es als ein inzwischen ebenfalls alt gewordener Mann predigend durchs Land zieht, Judas ihn für ein paar Nächte beherbergt und dabei klar wird, der Fremde war ein Jünger Jesu. Er erzählt aus der Bibel bekannte Geschichten und der Leser stellt schnell fest wie solche Geschichten immer weiter ausgeschmückt werden. Bei der Speisung der 5000, waren es nun tatsächlich 5000 oder nur zwei mal ein Dutzend Menschen, die zusammen gegessen haben? Geht es um die Zahl der Menschen oder um das Wunder des Teilens?

Dieser Roman nimmt aktuelle Glaubensthemen auf, die Verarbeitung durch Christian Stead ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch den geistlichen
Horizont erweiternd!

Eichborn, ISBN 978-3-847-90509-7, Preis 19,99 Euro
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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Christian K. Stead: Mein Name war Judas

  1. Asaph

    Ganz neutrale Frage: Welchen Stellenwert hat der biblische Bericht hier? Bzw. was sagt er über die Stelle mit der Erhängen?

    • buecheraendernleben

      Diese Stelle wird einmal im Buch erwähnt, spielt aber keine Rolle in der Handlung. Wie gesagt, Stead erzählt hier nichts biblisches, er überrascht viel mehr dadurch, dass er durch sein Weitererzählen der fiktiven Lebensgeschichte des Judas durchaus ganz aktuelle Bezüge zum Glaubensleben in der Gegenwart herstellt.

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