Jörg Zittlau: Langweiler leben länger

 

Ziemlich provokant ist der Buchtitel schon, bleibt zu fragen, was meint Jörg Zittlau mit Langweiler? Auf alle Fälle meint er nicht die gehetzt und gestresst
durchs Leben laufenden Manger und Banker. Viel eher meint er damit den ruhigen, zielgerichtet arbeitenden, der nicht wöchentlich drei Mal ins Fittnessstudio
rennt.

Das ganze Buch ist voller Statistiken die der Autor dem Leser nicht in Tabellenform zumutet, sondern sie bereits ausgewertet in Textform präsentiert. Man kann bekanntlich viel mit Statistiken machen, aber eins wird bei Zittlau klar: wer ruhig und selbstdiszipliniert lebt, der lebt länger!

Gut übersichtlich und im lockeren Plauderton schreibt der Wissenschaftsjournalist über viele Bereiche des Lebens, die uns alle angehen. Zum Abschluss kann man sich einem Test stellen. Dieser spuckt nicht eine Jahreszahl aus und verrät auch nicht wie alt Sie werden, aber vielleicht beginnt so manch einer über seinen Lebensstil nachzudenken, dann hätte der Autor sicher etwas erreicht.

Gut zu lesen, gut fürs Leben!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06647-9, Preis 17,99 Euro

Dr. Jörg Zittlau hat buecheraendernleben nun diese Fragen beantwortet:

Lieber Jörg Zittlau in Ihrem neuen Buch „Langweiler leben länger“ geht es um das erreichbare Alter eines Menschen. Wir alle wissen ja: Nichtraucher und Jogger leben länger! Ist dem wirklich so?

Nichtraucher und Sportler leben länger, und auch Vegetarier tun dies. Doch es ist fraglich, woran das eigentlich liegt. Denn allen Menschen mit gesundem Lebensstil ist gemeinsam, dass sie disziplinierter, zielstrebiger und gewissenhafter sind als andere. Ohne diese so genannten Sekundärtugenden ist Langlebigkeit offenbar nicht denkbar, sie stecken als Motoren hinter allen gesunden Lebensvarianten.

Was tun Sie eigentlich ganz bewußt jeden Tag, um möglichst alt zu werden?

Ich rauche und saufe nicht, außerdem fahre ich jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit. Noch wichtiger aber ist: Mein Arbeitstag fängt morgens um sieben an, um 12.30 gibt es Mittag, und danach ein kurzes Schläfchen. Zwischen 17 und 18 ist Feierabend. Und das jeden Tag – ganz schön langweilig, nicht wahr? Aber ich tue es nicht wegen der potentiellen Langlebigkeit, sondern weil ich ohne feste Arbeitsrhythmen als freier Autor kein Bein auf den Boden bekäme.

Ihr Buchtitel klingt ziemlich provokant, aber Sie erklären gleich auf den ersten Seiten, was Sie mit einem „Langweiler“ meinen. Das sind ruhige, zielgerichtet arbeitende Leute, die mit einer reichen Portion Selbstdisziplin ausgestattet sind, sind die wirklich auf der sicheren Seite? Warum werden gerade die viel älter?

Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Zielstrebige Leute verzetteln sich nicht, und wer sich nicht verzettelt, hat weniger krankmachenden Stress. Zweitens: Zielstrebige Leute bringen ihre Sachen eher zu Ende, haben mehr Erfolg. Und Erfolg macht nicht nur sexy, er setzt auch hormonelle Prozesse in Gang, die unser Leben verlängern. Man denke nur an weithin bekannte „Glückshormone“ wie das Serotonin. Außerdem achten erfolgreiche Menschen mehr auf ihre Gesundheit, weil sie ja gerne weiter erfolgreich sein wollen. Wobei ich betonen will, dass Erfolg keineswegs identisch sein muss mit materiellen Gütern.

Dr. Jörg Zittlau
Wie kamen Sie eigentlich auf das Buchthema und warum war es Ihnen so wichtig gleich ein Buch draus zu machen? Glauben Sie, dass Leser wirklich nach diesem Buch ihren Lebenswandel verändern werden?

Den Anstoß gab mir ein alter Mann, der gegenüber von meinem Büro wohnt. Er steht jeden Morgen um die gleiche Zeit auf, um -stets die gleichen Lieder pfeifend – an Haus und Garten zu werkeln, die dann am Abend für den unbeteiligten Betrachter genauso aussehen wie am Morgen. Der Mann wird demnächst 90 – und sieht aus wie 60. Trotzdem werden die meisten Menschen wohl kaum so leben wollen wie er, das ist ihnen zu langweilig. Und doch glaube ich, dass viele neidisch auf ihn sind. Nicht nur wegen seines Alters. Der Alte hat auch etwas von einem Zen-Mönch, der täglich sein Kiesbett mit dem Rechen bearbeitet, ohne dass der Betrachter irgendeine Änderung sieht. Solch eine Selbstgenügsamkeit fasziniert uns doch – gerade in stressigen Zeiten -mehr denn je.

Ist nicht unsere Gesellschaft immer mehr darauf angelegt, dass Langweiler, so wie Sie sie beschreiben, out sind? Wenn ja, warum ist dies so?

Ja, wir leben in einer Gesellschaft, in der die Entfaltung der Inidivualität und auch der individuellen Lüste und Kreativitätspotentiale ganz oben auf der Agenda stehen. Für den gewissenhaften Arbeiter ist da kein Platz.

Ist Jörg Zittlau selbst ein Langweiler und wie alt möchten Sie werden?

Das mit dem Langweiler müssen andere beurteilen, es gibt da die unterschiedlichsten Meinungen über mich. Ich selbst langweile mich jedenfalls nicht. Und ich habe kein Altersziel. Aber ich bin jetzt 52 und habe noch genug Buchideen für die nächsten 30 Jahre. Wäre nett, wenn ich den Großteil davon umsetzen könnte.

Mal ganz ehrlich, sollte ich Ihre Ratschläge wirklich befolgen oder habe ich nicht schon durch mein angeborenes Startkapital vom lieben Gott genug Lebensgeister für ein langes Leben mitbekommen?

Ja, die Genetik legt sehr viel fest. Aber es gibt eine Menge Spielraum. Der älteste Mensch aller Zeit, die Französin Jeanne Calment, hatte einen Bruder, der 97 Jahre alt wurde. Das ist beachtlich, doch gegenüber den 122 Jahren der Schwester sind es immerhin 20 Prozent weniger. Als wenn eine 80jährige Frau einen Bruder hat, der mit 65 stirbt – und hier würde wohl jeder sagen, dass sie ein gesegnetes Alter hat, er aber eigentlich vor seiner Zeit gestorben ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

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