Autorenporträt: Heidrun Hurst

In loser Folge stellt buecheraendernleben Berufe vor die alle an der Herstellung eines Buches beteiligt sind. Nachdem Übersetzerinnen und Übersetzer und auch eine Lektorin bereits zu Wort kamen und sich unseren Fragen gestellt haben, hat nun die Autorin des Buches „Der weiße Rabe“ Heidrun Hurst Zeit um unsere Fragen zu beantworten.

Hallo Heidrun, wir sind heute mal so neugierig und wollen ins ganz normale Tagesgeschäft einer Autorin schauen. Wie müssen wir uns dies vorstellen? Sitzt Du den ganzen Tag an Deinem Computer und schreibst? Oder bist Du jeden Abend an einem anderen Ort und stellst Deine Bücher vor?

Diese Vorstellung ist natürlich schön, aber in meinem Alltag so nicht durchführbar. Da ich eine Familie habe, zu der – außer meinem Mann – drei Söhne und ein Hund gehören, bin ich zunächst einmal mit dem ganz normalen Tagesgeschäft einer Hausfrau beschäftigt. Sind die Männer aus dem Haus und die dringlichsten Aufgaben des Haushalts erledigt, drehe ich mit unserem Hund eine große Runde, was mir in der Regel einen freien Kopf und neue Ideen verschafft, wie ich meine Geschichten weiterspinnen könnte. Danach geht es dann an den PC.

Lesungen, bei denen ich mein Buch vorstelle, kommen hin und wieder vor. Auf diesem Gebiet würde ich aber gerne noch mehr tun. Da ich einige Jahre in der Kinder- und Jugendarbeit unserer Gemeinde tätig war, verwende ich einen Teil dessen, was ich dort gelernt habe, für meine Lesungen. Diese bestehen nicht nur aus dem Widergeben einiger Buchpassagen. Ich rücke dazu mit entsprechendem Equipment an, also im Falle der Wikinger mit Schild, Schwert, Helmen, Kettenhemd usw. die man auch ausprobieren darf. Bilder und Erklärungen zur Wikingerzeit vervollständigen das Ganze und geben hoffentlich einen guten Gesamteindruck über die Zeit, in der meine Protagonisten lebten und die Lebensumstände, mit denen sie zu kämpfen hatten. In diesem Zusammenhang kann man die Handlung wahrscheinlich besser verstehen.

 

Heidrun Hurst

Wolltest Du eigentlich schon immer Schriftstellerin werden oder wie hat sich das ergeben?

Nein, diesen Wunsch hatte ich nicht von Anfang an, aber man könnte sagen, dass Gott die Liebe zur Literatur schon als Kind in mir geweckt hat. Die Umstände, in die ich hineingeboren wurde, taten dann ihr Übriges. Meine Eltern und Großeltern bewirtschafteten einen Bauernhof und hatten wenig Zeit für den einzigen Spross der Familie. So war ich gezwungen mich immer wieder allein zu beschäftigen (sofern ich nicht selbst mitanpacken musste). Dies habe ich mithilfe von Büchern getan, was sich ja im Nachhinein als gar nicht so schlecht erwiesen hat. Viele Jahre später bin ich dann in die Kinderarbeit unserer Gemeinde eingestiegen. Da diese ziemlich klein ist, war es notwendig schon bestehende Programme umzuschreiben, um sie unserer Mitarbeiterzahl anzupassen. Diesen Part habe ich übernommen, was mir großen Spaß machte. Mit der Zeit habe ich mich an eigenen Entwürfen versucht, woraus mein erstes Buch entstanden ist: „Komm mit…wir feiern Kindergottesdienst!“ Ich selbst war ganz erstaunt, dass dieses Buch tatsächlich gedruckt worden ist. Gleichzeitig hat es aber auch einen Wunsch in mir geweckt: Ich wollte es mit einem Roman versuchen. Tja, nun sind bereits zwei daraus geworden, und ein dritter ist in Arbeit.

Ein dritter ist in Arbeit? Magst Du schon etwas verraten?

Das tue ich natürlich gern. Nach zwei Romanen, die sich ausschließlich mit den Wikingern beschäftigten, betrete ich nun sozusagen heimatliche Gefilde. Mein derzeitiges Projekt behandelt die Geschichte eines Geschwisterpaares im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Geschichte beginnt im Jahr 1606 und beschreibt den oft leidvollen Weg der Protagonisten, die es von Freiburg nach Straßburg und, durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges, in weitere Teile des Reiches verschlägt. Eine kleine Leseprobe habe ich bei www.neobooks.com. unter dem Titel „Das Echo des Berges“ eingestellt. Natürlich bin ich gespannt auf das Feedback, was für mich eine große Hilfe ist.

Für mein Empfinden gibt es nur wenige Autoren in der deutschsprachigen christlichen Szene, siehst Du dies auch so und wenn ja, warum ist das so?

Das sehe ich auch so. Ich denke, es liegt daran, dass selbst christliche Autoren sich eine angemessene Entlohnung für ihre Arbeit wünschen. Jeder Autor investiert sehr viel Zeit und Arbeit in seine Projekte, die unter Umständen durch Recherchen gestützt werden müssen. Diese kosten ebenfalls Geld. Da ist es natürlich nicht schön, wenn so gut wie gar nichts dabei herauskommt. Ich kann Michael Meinert in diesem Punkt nur zustimmen: Ein deutschsprachiger, christlicher Roman, der nur von einer kleinen Gruppe unserer Gesellschaft gelesen wird, wirft zu wenig ab. Und ich denke, dass jeder Autor sich gerne ausschließlich dieser Arbeit widmen würde. Als Freizeitarbeit ist sie etwas zu aufwendig. Dazu müsste man aber erst einmal davon leben können.

Eine Verlagsleiterin hat mir mal gesagt: „Christliche deutsche Autoren missionieren in ihren Geschichten immer gleich, die amerikanischen Autoren können erzählen und bringen dabei oft viel mehr rüber.“ Siehst du das auch so?

Da spricht sie mir ein Stück weit aus dem Herzen. Aber es ist nicht einfach ohne viel christliche Worte auf den Punkt zu kommen, und natürlich möchten wir mit unseren Büchern auch Missionsarbeit betreiben. Ich habe dies mit dem Buch „Der weiße Rabe“ versucht, gerade weil ich, als relativ spät zum Glauben gekommener Mensch, immer noch viele Kontakte zu Nichtchristen habe, und weiß wie so etwas ankommt. Im ersten Teil des Romans wird der christliche Glaube nicht einmal erwähnt. Statt dessen habe ich mich intensiv mit der nordischen Mythologie befasst und dann die beiden Glaubensbilder in einen Kontext gestellt. Ob es mir gelungen ist dabei auch den christlichen Glauben als überdenkbares Angebot rüberzubringen? Auf jeden Fall hat es mir eine Menge bitter- böser Rezensionen von Freizeitwikingern eingebracht, die meine Dreistigkeit in dieser Hinsicht gar nicht toll fanden. (Offensichtlich haben sie aber ganz gut verstanden, was ich damit bezwecken wollte.) Im zweiten Teil des weißen Raben „Das Opfer des Wikingers“ habe ich dann versucht das Thema Glaube von einer anderen Sicht zu beleuchten. Hier muss sich der Glaube des Protagonisten anhand von Lebensumständen bewähren, die ihn in eine tiefe Krise stürzen. Auch mein nächster Roman wird sich nur unterschwellig mit Mission befassen. Nach dem Motto: Weniger ist mehr.

Wenn Du jetzt drei Wünsche frei hättest und ich ein großer Zauberer wäre, was würdest Du Dir dann wünschen?

Oha, das hat mich ja noch nie jemand gefragt. Wenn ich dies im Bezug auf meine Tätigkeit als Autorin betrachte, dann würde ich mir als ersten Wunsch einen Verlag wünschen, der sich um meine Belange kümmert. Wunsch zwei wäre: Das meine Bücher das Interesse einer breitgefächerten Leserschaft wecken, die ganz nebenbei etwas von Gott erfährt. Und als dritten Wunsch: Das ich noch viele gute Ideen zur Umsetzung weiterer Projekte habe. 

Vielen Dank für das interessante Gespräch und viel Erfolg mit Deinem dritten Buch!

 

Der Debütroman von Heidrun Hurst

hier eine Rezension dazu:

http://www.mehr-glauben-leben.com/themen/freie-artikel-einzelansicht/article/heidrun-hurst-der-weisse-rabe.html

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s