Timo Braun: Die Wächter von Enruah

Junge Leser, etwa ab 12 Jahre, denen Computerspiele nicht fremd sind, gehören wohl zum Leserkreis, den Timo Braun vor sich sah, als er seinen zweiten Fantasyroman „Die Wächter von Enruah“ schrieb.

Jakob ist ein unscheinbarer Student. Er sitzt grad in seiner Studenten WG und spürt, dass er krank wird. Am Morgen hatte er noch herausgefunden, dass der Hauptmieter der Wohnung seinen beiden Freunden zu viel Miete abknöpft. Und während Jakob noch überlegt, wie er jetzt mit diesem Wissen umgeht und wie er das Fieber kommen spürt, setzt er sich vor seinen PC und beginnt einmal mehr die Flucht in sein Spiel Evertale.

Aber diesmal wird alles völlig anders als es je zuvor war. Jakob ist so fasziniert von seinem Computerspiel, dass er beinah von seinem Computer aufgesogen wird. Für ihn und auch für mich als Leser ist es ab sofort nicht mehr so einfach zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Aus Jakob wird Darian. Und anders als in seinem langweiligen Studentenleben muss er jetzt plötzlich kämpfen und Stellung beziehen, er muss zwischen Gut und Böse unterscheiden lernen.

Keine Frage, Action, Spannung, Kampf und Leichen gibt es genug in diesem Buch. Aber reicht dies aus, wenn ich bedenke, das Buch kommt aus einem christlichen Verlag? Da erwarte ich doch etwas an christlicher Botschaft. In gewohnter Weise liefert Timo Braun dies nicht.

Bedenkt man allerdings, dass diese nächste Generation christlicher Autoren auch die große Chance haben ein völlig neues und junges Lesepublikum anzusprechen, dann darf dieser Fantasyroman als mutiges Experiment angesehen werden, dem ich viele Leser wünsche!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15405-5, Preis 15,95 Euro

Timo Braun hat buecheraendernleben nun diese Fragen beantwortet:

Lieber Timo Braun, soeben ist Ihr zweiter Fantasyroman erschienen. Woher kommt Ihre Liebe zu diesem Genre?

Wie es der Name schon verrät: Es ist das Genre, das den größten Raum für Fantasie lässt. Als Autor erfinde ich nicht nur Handlungen, sondern gleich noch die ganze Welt dazu. Und das Erfinden war schon immer meine Lieblingsbeschäftigung beim Schreiben. Meiner Meinung nach können gerade in unwirklichen Umgebungen die tiefen Wahrheiten des Lebens besonders deutlich sichtbar werden. Und genau das ist ja der Grund, weshalb wir fiktive Geschichten lesen.

Gerade habe ich „Die Wächter von Enruah“ gelesen. Wenn ich Ihnen als Information sage, ich bin so um die 50 und Christ, würden Sie mich dann zu Ihrer Zielgruppe für dieses Buch zählen?

Beim Schreiben habe ich sehr an junge Erwachsene gedacht. Ob Christ oder nicht: Sehr viele junge Menschen (v.a. Männer) sind in Spiel- und Filmwelten zu Hause, die Grenzen zur Realität sind fließend. Ihre Wahrnehmung des Lebens ist stark von medialen Erfindungen geprägt. Sie zitieren nicht mehr Goethe, sondern Gandalf. Wenn sie etwas Interessantes erleben, dann sagen sie: „Das ist ja wie bei Star Wars!“ – nicht umgekehrt. Letztlich ist also das Setting meines Romans ein vollkommen natürliches, der Zeit entsprechendes.
Aber mein Wunsch ist es, dass auch die mittlere und ältere Generation einen Einblick in diese Welt bekommt, die sie so oft nicht versteht. Computerspiele werden meist pädagogisch eindimensional niedergebügelt. Welches Lebensgefühl aber dahintersteht, ist vielen gar nicht bewusst. Vielleicht kann der Roman ja helfen, die jüngere Generation etwas besser zu verstehen.

Jakob ist der Held des Buches. Ich vermute mal im normalen Leben würde er nirgends besonders auffallen. Er wird quasi von einem Computerspiel in die virtuelle Welt entführt und ist ab sofort Darian. Immer wieder neu muss er überprüfen und für sich entscheiden ob er auf der richtigen Seite steht. Warum sollten sich Leser unbedingt für Ihr Buch entscheiden?

„Don’t be a maybe“ – dieser aktuelle Werbeslogan drückt sehr stark den Schmerz junger Menschen aus. Sie haben unendlich viele Optionen und doch Angst, das Falsche zu wählen. Sich selbst zu verpassen. Also bleiben sie unentschlossen. Genau das verkörpert Jakob, ein Student, der das Gefühl hat, die Welt würde an ihm vorbeiziehen und sich nicht für ihn interessieren. Er sehnt sich nach einem Leben, in dem sein Handeln von Bedeutung ist. Deshalb spielt er. Ich glaube, sehr viele Leser können sich mit dieser Figur identifizieren. Das Buch will einerseits Verständnis für diese Sicht auf das Leben zeigen. Andererseits zumindest einen Ausweg andeuten. Denn klar: Es ist nicht die Lösung, sich eine eigene Welt herbeizuwünschen.

 

Timo Braun

Ihr Buch ist spannend, es wird gekämpft, es fallen Leichen an, ich war gespannt wie es mit Darian weiter geht. Die christliche Botschaft allerdings kommt für mein Empfinden erst ab Seite 300 und dann auch nur sehr wenig in ungewohnten Worten rüber. Liegt meine Sichtweise an meinem Alter oder ist da wirklich etwas dran?

Ich behaupte: Die christliche Botschaft beginnt ab Seite eins. Freilich fordert der Roman christliche Lesegewohnheiten heraus, und ich wollte auch kein religiöses Traktat schreiben. Das Tolle am Evangelium ist doch, dass es in jede Kultur mit einer ganz individuellen Sprache hineinspricht. Auch in die Kultur der Gamer. Jesus nimmt jeden Menschen in seiner Situation zunächst einmal vollkommen ernst. Er beantwortet keine Fragen, die ihm noch gar nicht gestellt werden. Er begleitet den Menschen und dann hält er ihm einen Spiegel vor. Das hilft ihm, sein eigentliches Problem zu erkennen und auf eine Lösung aufmerksam zu werden. Wenn ein Roman auch nur ansatzweise das leistet, ist das doch schon eine ganze Menge. Ich hoffe mal, das trifft auch auf „Enruah“ zu.
Gibt es bereits erste Reaktionen von Lesern?

Das Buch ist noch ganz frisch auf dem Markt. Ich habe also bislang nur die Reaktionen meiner Testleser. Mein unkonventioneller Ansatz wurde von denen sehr positiv aufgenommen – zumal der Großteil des Romans ja dann doch klassische Fantasykost ist. Ich bin aber sehr gespannt, wie das Buch auf dem Markt verstanden wird; und vor allem, welche Menschen es lesen werden.

Was werden die Leser in Zukunft von Timo Braun zu lesen bekommen?

Tja, das ist wohl die schwerste Frage. Es werden sicherlich Romane sein. Und sie werden weiterhin Spannung mit tiefer liegenden Aussagen verknüpfen. Ich wage die Ankündigung: „Enruah“ war nicht mein letzter Fantasyroman – auch wenn ich für andere Genres offen bin. Mal werde ich jüngere, mal etwas ältere Leser ansprechen. Wichtig ist mir immer, dass die Geschichte nicht als bloßer Vorwand für theologische Statements dient. Glaube muss sich organisch ausdrücken. Ich behaupte sogar: Er wird ganz automatisch zum Vorschein kommen, wenn ein gläubiger Autor etwas schreibt. Schauen wir mal, welche meiner vielen Ideen als nächstes aufs Papier wandert.

Wir bleiben weiter gespannt und bedanken uns herzlich für das interessante Gespräch!

Hier gibt es weitere interessante Informationen zum Autor und seinem Buch:

http://www.timo-braun.com/

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s