Monatsarchiv: November 2012

Florian Sitzmann: Bloß keine halben Sachen

 

 

Florian Sitzmann will auffallen wie ein bunter Hund, damit alle über ihn reden. Sicher werden dies auch so gut wie alle tun, die ihm draußen auf der Straße begegnen, denn er hat keine Beine. Der Autor ist ohne Beine unterwegs und hat nicht die Absicht sich in seinen vier Wänden zu verstecken. Er will, dass die Menschen mit Rollstuhlfahrern reden, denn nur so können Barrieren abgebaut werden.

In seinem Buch hakt der Autor akribisch alle Lebensbereiche ab. Er beschreibt wie es war, ein Auto zu finden und was es für einen Rollstuhlfahrer überhaupt bedeutet, ein Auto fahren zu können. Weitere Themen, die er aufgreift, sind Wohnen, Arbeit, Liebe, Mode und viele weitere.

Beeindruckt bin ich von seinem 14. Kapitel. Der Autor schwärmt von gelungener Inklusion und schreibt oben drüber: „Ein Traum, der wahr werden kann“. Im Text wird dann schnell klar, der Autor will kein Mitleid, er hat hohe Erwartungen an beide Seiten, an Nichtbehinderte und Rollstuhlfahrer.

Florian Sitzmann lässt uns in sein Leben hinein und will uns in einen Dialog ziehen. Entziehen wir uns diesem, werden wir die immer noch bestehenden Barrieren mitten in Deutschland nicht los!

 

 

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06649-3, Preis 17,99 Euro

Florian Sitzmann hat buecheraendernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Hallo Florian, Dein zweites Buch erscheint in diesen Tagen. „Bloß keine halben Sachen“ heißt es und Du beschreibst darin Dein Leben als Rollstuhlfahrer im noch lange nicht barrierefreien Deutschland. Was glaubst Du was kannst Du mit so einem Buch bewirken?

Ich bin seid einer ganzen Weile in den Medien unterwegs, habe somit neben meiner Webseite eine Plattform auf der ich publizieren kann. Das „drüber reden“ ist der erste Schritt für Veränderungen. Und eben das provozieren ich mit meinen Auftritten. Ich hoffe das die Menschen sich darüber unterhalten, dass sie einen ohne Füße gesehen haben, erfahren haben wie er das macht und das zu einem Teil mit in ihren Alltag nehmen, damit Ihnen auffallen kann wo es noch hakt. Früher oder später kommt jeder an den Punkt an dem er sein Leben an seine körperliche Konstitution anpassen muss. Der eine früher, der andere etwas später 🙂

Vor 30 Jahren bin ich mit anderen zusammen und zehn Rollstuhlfahrern für eine Woche lang durch Mecklenburg gewandert. Viele Autofahrer hielten damals an und wollten unbedingt helfen, weil sie glaubten es wäre ein Unfall geschehen. Wenn wir ihnen erklärten, dass wir eine lustige wandergruppe sind schüttelten sie verständnislos den Kopf und manche fühlten sich als Autofahrer plötzlich von uns belästigt. Erlebst du es heute auch noch, dass Nichtbehinderte Rollifahrer einfach in Schubladen stecken und diesen es sehr schwer gemacht wird da wieder rauszukommen?

Florian Sitzmann

Ich für meinen Teil bin damit im Alltag nicht konfrontiert, da ich die Menschen nicht dazu kommen lasse mich in eine Schublade zu stecken.

Was mir an Deinem Buch positiv auffällt, Du sagst Du willst nicht mit Samthandschuhen angefasst werden, Du willst gefragt werden, auch von fremden Menschen. Warum ist das wichtig und für wen ist das wichtig?

Es ist oft der erste Satz, der das Eis schmilzen lässt und eventuelle Vorurteile abbaut. Wenn man zeigt das man jemand ist und auch etwas will, ist Behinderung zweitrangig. Auf den Auftritt kommt es an. Das es viele Menschen mit Behinderung gibt da draußen denen das nicht so geht wie mir weiss ich. Oft liegt das wohl aber auch an Berührungsängsten derer die keine Behinderung haben. Und man kann Ihnen das auch nicht wirklich vorwerfen. Woher sollen sie den wissen, wie sie mit einem Menschen umgehen sollen der eine Behinderung hat!? Aufklärungsarbeit ist hier wichtig und auch mein tägliches Brot :). Da müssen vorallem die Menschen mit Behinderung denen die keine haben was abnehmen. Zum Beispiel die Scheu! Wenn mich Menschen fragen wie sie mich ansprechen und behandeln sollen, sage ich immer…na normal oder wollen sie mit mir ein Treppenwettsteigen veranstalten, dann reden wir noch mal drüber. Die meisten vergessen das ich im Rollstuhl sitze wenn sie mal eine Weile mit mir im Gespräch sind.

Vor 30 Jahren kannte ich in der DDR jugendliche Rollstuhlfahrer die sich im Altersheim mit 90-jährigen Opas ein Zimmer teilen mussten, ist so etwas heute noch denkbar?

Ich denke das ist es. Es ist aus meiner Sicht auch eher positiv. Ich habe von meinen Großeltern viel gelernt fürs Leben. Ob man überhaupt zwei Menschen in einem Altersheim oder einer Einrichtung längerfristig zusammen in einem Zimmer unterbringen sollte ist hier wohl eher die Frage. Nicht wie alt sie sind oder woher sie kommen.

Im Buch schreibst Du über Deine persönliche Wohnsituation. Ich hab mich beim Lesen gefragt: „Oh man, wie hat er das alles bezahlt.“ Sind umgebaute Möbel nicht furchtbar teuer?

Ich habe viele Holzmöbel. Ich mag diesem Werkstoff, wollte ich doch in meinem Leben auf zwei Beinen gerne Schreiner werden. Ich schlug einen anderen Weg ein, habe aber zu dem Schneidermeister der mich als 15-jähriger ein Schulpraktikum machen lies ein sehr gutes Verhältnis. Er zählt zu meinem inneren Kreis. Er hilft mir etwas zu fertigen wenn ich einen Wunsch habe. So bleibt es finanzierbar.

Wenn Du draußen unterwegs bist, ziehst Du sicher viele neugierige Blicke auf Dich. Wie empfindest Du das? Im Buch sagst Du an einer Stelle, es sei ein Weg der Kommunikation. Aber mal ganz ehrlich, gehen Dir die neugierigen Blicke nicht wenigsten hin und wieder auf den nicht vorhandenen Senkel?

Florian Sitzmann

Ich bin immer ehrlich und kann sagen: nein 🙂 ich denke so: jeder der mich sieht, Fragen hat und diese nicht sofort an mich stellt, wird den Tag wohl unwissender beenden als ich ;-). Ich würde auch schauen, wenn der „bunte Hund“ an mir vorbei geht. Es ist nichts dabei zu schauen. Es ist letztendlich auch ein Test für den der angeschaut wird, wie gut er mit seiner Situation umgehen kann und über den Dingen steht. Es kann das Selbstbewusstsein stärken, wenn man in der Anfangszeit einer Rollikarriere nach einem „Stadt-Gaffer-Tag“ nach Hause kommt und denkt: „ich habe das heute gut gemacht und alle anderen dürfen mich mal gern haben“ Ich geh meinen Weg!

Ein bisschen Zeit und Anstrengung vergeht bis man da hinkommt, aber der Lohn ist dann ein gutes Gefühl und irgendwann eine selbstverständliche Nichtbeachtung derer die Schauen und die Fixierung aufs Wesentliche ;). Sein eigenes Leben.

Inklusion ist heute das Zauberwort. In Deinem 14. Kapitel im Buch träumst Du einen Traum. Es geht um den Idealzustand im Zusammenleben von Rollstuhlfahrern und den sogenannten Nichtbehinderten. Was glaubst Du warum ist dieser Zustand schon seit Jahrzehnten nicht zu erreichen?

Zum einen sicher, weil es zu wenig flächendeckende Aufklärungsarbeit über Menschen mit Behinderung gibt. Der Wahnsinn an sich schon, denn rund 10% der Deutschen sind Menschen mit Behinderung! Zum anderen aus meiner Sicht auch, weil es viel mehr Menschen mit Behinderung geben muss die über eben diese Behinderung öffentlich sprechen sollen! Typen wie ich einer bin. Es gibt ein paar, aber eben zu wenig! Auch die Politik könnte sich hier und da mehr einsetzen. Warum Herr Schäuble da nicht seine Prominenz nutzt um großes zu bewegen, ist mir ein Rätsel. Er ist eben Politiker und kein Behinderter 😉

Vielen Dank für das Interview!

 

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christliche Verlage im Netz

Ich träumte meinen Traum …
als ich dann allerdings die letzten Schlafkrümel herausgefegt habe, dachte ich noch, warum muss es eigentlich ein Traum bleiben? Ich träumte von den Internetseiten unserer christlichen Verlage. Keine Hinweise mehr auf langweilige Blogs oder FB-Seiten die oft nur von wenigen Leuten beklickt werden. Dafür sind die Internetseiten viel besser und informativer geworden. Es gibt Mitmach-Aktionen, Gewinnspiele zu christlichen Feiertagen, auch ist mal ein kostenloses Leseexemplar zu gewinnen und es gibt jede Menge an Infos über Leseveranstaltungen und Autorennews.
Heute morgen dann so gegen neun Uhr habe ich mich einmal auf den Facebookseiten einiger christlicher Verlage umgeschaut. Entweder ist es an den jeweiligen Standorten der Verlage bereits so kalt, dass die Technik dort eingefroren ist oder aber es gibt nichts Aktuelles zu vermelden. So stellt beispielsweise der Verlag der Franckebuchhandlung fast täglich einen Buchtitel auf ihre FB-Seite, dafür allerdings wirkt ein Blick auf deren Blog eher langweilig, weil hin und wieder identisch mit dem letzten Eintrag auf der FB-Seite. Außerdem könnte ich mich als interessierter Leser ebensogut auf den Verlagsseiten informieren. Schon heute kann man dort seine Meinung zum jeweiligen Buchtitel hinterlassen. Warum also laufen FB und Blog beinah identisch?
Der letzte Eintrag beim großen Bruder Gerth Medien ist vom Freitag. Warum macht der Verlag bloß gleich in mehreren Einträgen Werbung für den Buchtitel „Der Weg“? Das Buch ist doch in einem ganz anderen Verlag erschienen. Außerdem empfinde ich es als unpassend, wenn ich in der Woche vor Totensonntag auf den Verlagsseiten von Weihnachtswundern und Weihnachtswerbung empfangen werde. Klar, auch christliche Verlage müssen gewinnorientiert arbeiten. Mir allerdings schiene es angebrachter mit zusätzlicher Weihnachtswerbung bis nach Totensonntag zu warten. Ist so eine Verlagsseite nicht auch ein Ort an dem das christliche Profil auffallen sollte?
Auffallend aktuell dagegen zeigt sich die FB-Seite des Verlages SCM Hänssler. Dort bemüht man sich um aktuelle Hinweise zu den Autoren und ihren aktuellen Veranstaltungen. Auf der Verlagsseite sind alle Neuerscheinungen auf einen Klick zu sehen. SCM Bruder R. Brockhaus hat allerdings einige Mühe mit der Aktualität seiner FB-Seite mitzuhalten.
Bei Brendow auf FB wünscht man sich heute Vormittag ein schönes Wochenende und beim Brunnen Verlag in Basel ist der letzte Eintrag ebenfalls vom Freitag. Die Kollegen in Gießen haben den Kampf mit der Aktualität auch noch nicht aufgenommen, aber hier hat man wenigstens bemerkt, dass in der letzten Woche der bundesweite Vorlesetag war. Außerdem halten sich hier Gerüchte, dass zur Leipziger Buchmesse Großes auf die Internetnutzer wartet.
Sicher könnte ich meine Beobachtungen noch ausweiten, aber eins wird für mich offenbar: Die Verlage kommen mit dem Führen von Verlagsseiten, Blogs und Facebookseiten an ihre Grenzen. Ich frage nicht die Verlage, ich frage ausdrücklich meine Leser, ist es für Euch wirklich so wichtig, dass christliche Verlage so viele Sprachrohre haben?
Nutzt bitte die Kommentarmöglichkeit unter diesem Beitrag und lasst uns wissen, ob Euch ordentlich geführte Internetseiten der Verlage ausreichen oder warum Ihr unbedingt Blogs und Facebook der Verlage braucht!
Vielleicht können wir unseren Verlagen ja auf diesem Wege unsere Erwartungen mitteilen. Unter allen Kommentaren werden pünktlich zum Nikolaustag drei ausgelost und die bekommen von uns kostenlos einen weihnachtlichen Buchtitel zugeschickt.
(Dienstag 9.00 Uhr)
NACHTRAG: In der kommenden Woche wollen wir an dieser Stelle die Verlage fragen, warum sie auf FB dennoch nicht verzichten wollen.
Und nun zu Euren Meinungen:

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Barrick/Perry: Ein himmlisches Wunder

Wunder sind auch heute möglich, gar keine Frage. Der Hänssler Verlag hat in den letzten Jahren immer mal wieder Bücher veröffentlicht, in denen Menschen durch Unfälle schwere Schicksalsschläge erleben mussten, die jedoch durch Gottes Hilfe gestärkt daraus hervorgingen und gut weiterleben konnten.
Diese Bücher habe ich immer mit besonderer Neugier gelesen, um zu erfahren wie andere Christen mit Schicksalsschlägen umgehen, von denen sich ja wohl niemand freikaufen kann.
Im vorliegenden Fall beschreibt Linda Barrick mithilfe des Coautors wie sie ihren Autounfall erlebte und wie ihre Tochter, die Anfangs null Überlebenschancen hatte, nach fünf Monaten im Koma liegend, heute wieder soweit hergestellt ist, dass sie mit ihrer Mutter zusammen vor vielen Menschen über Gottes Liebe sprechen kann.
Die sehr persönlichen Erfahrungen, die Linda Barrick mit Gott macht, habe ich nicht zu bewerten. Aber als die Autorin im Hinblick auf den schweren Autounfall von „geistlicher Kriegsführung“ spricht und hinzufügt: „Satan versuchte, meine Familie auszulöschen …“, spätestens da war für mich eine besimmte Stufe erreicht. Wenn man mir das Leben als einen Wettlauf zwischen Satan und Gott verkaufen will, dann komme ich mir vor wie im falschen Film und würde gerne aussteigen. Aber ich las weiter.
Nach dem Autounfall fallen Linda Barrick, ihr Mann und ihr Sohn und ihre Tochter in ein geistliches Loch. Sie stellen ihrem Schöpfer unbequeme Fragen. Aber ihre Beziehung zu Gott normalisiert sich wieder, wird stärker als je zuvor. Als die 15-jährige Tochter nach Monaten wieder aufwacht, lobt sie Gott.
Das Buch habe ich mit Faszination durchgelesen. Was Satan mit dieser Geschichte zu tun hat, hat sich mir jedoch nicht erschlossen!
SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15386-7, Preis 16,95 Euro

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Kleber / Paskal: Spielball Erde

Claus Kleber geht das Thema emotional an und er nimmt kein Blatt vor den Mund. Als er dreizehn war, hat er im Fernsehen der Crew von Apollo 8 zugehört, wie sie aus der Bibel vorgelesen haben. Von der Schönheit unserer Erde und ihrer Vollkommenheit war da etwas zu hören. Heute Jahrzehnte später weiß wohl jeder, dass wir mit unserer Verantwortung für unseren Planeten nicht gut umgegangen sind.
Den vielen Kontakten in alle Ecken der Welt ist es zu verdanken, dass der Autor so lebendig und so authentisch über unser Versagen beim Thema Klimawandel schreiben kann. Er berichtet von vielen Begegnungen, die er hatte, beeindruckt mit seinem Fachwissen, für dass sicher Co – Autor Cleo Paskal in großen Teilen mitverantwortlich ist und er nennt die mit Namen, die bis zum heutigen Tag nichts oder viel zu wenig tun um den Klimawandel zu stoppen.
Sehr ausführlich geht er auf die Machtspielchen der Amerikaner, Russen und Chinesen ein und berichtet von seinem Blick hinter die Kulissen und ich frage mich, warum ist vieles von dem was er hier beschreibt nicht in unseren Nachrichtensendungen zu sehen und zu hören? Weil Deutschland dann im Ausland vielleicht anecken würde bei den Großen die ihre Spielchen spielen?
Klipp und klar stellt Claus Kleber fest, wir hier in Europa bekommen noch verhältnismäßig wenig vom Klimawandel mit nur deshalb haben wir den Ernst der Lage noch immer nicht erkannt. Aber die Zeit läuft gegen uns, dies beweist er eindeutig mit seinem zutiefst berührenden Buch.
Für mich überraschend sind Klebers Zukunftsprognosen. Seiner Ansicht nach werden wir und unsere nächste Generation nicht mehr rauskommen aus dem gegenwärtigen Denken und Handeln. Aber dann sieht der Autor eine Generation, die Verantwortung für unseren Kontinent übernimmt, die nicht mehr national denkt und die vor allem über Grenzen hinweg denken kann. Zugegeben, für mich klingt dies wie Zukunftsmusik und ich traue der Prognose nicht so recht, aber eine Alternative sehe ich nicht.
Äußerst empfehlenswert!
C. Bertelsmann, ISBN 978-3-570-10134-6, Preis 19,99 Euro

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William Paul Young: Der Weg: Wenn Gott Dir eine zweite Chance gibt

Der Multimillionär und gewissenlose Geschäftsmann Anthony Spencer hat einen Unfall und fällt ins Koma. Als er wieder erwacht ist er weder im Himmel noch auf Erden.
Autor William Paul Young zieht, wie bereits in seinem Toptitel „Die Hütte“, seine ganz speziellen literarischen Tricks. Anthony trifft in einer Welt zwischen Himmel und Erde auf Jesus und auf den Heiligen Geist. Von zwei Personen werden diese verkörpert. Was zu Anfang wie Fantasy klingt wird für Anthony zur Realität. Er bekommt eine zweite Chance. Wenn er sie nutzt, kehrt er zurück zur Erde.
Das eigentlich spannende dieser Story geschieht in dieser Zwischenwelt. Anthony lernt andere Menschen kennen, denen es nicht so gut geht wie ihm selbst, als er noch auf der Erde war. Langsam erkennt er aber auch seinen eigenen rücksichtslosen Charakter und er begreift, dass bisher etwas falsch gelaufen ist in seinem Leben.
Großes Thema dieses Buches ist die zunehmende Ich – Bezogenheit in unserer Gesellschaft. Beim Lesen dieses faszinierenden Buches erinnerte ich mich immer wieder an „Die Hütte“. Begonnen hatte ich meine Lektüre mit der für mich spannenden Frage welches der beiden Young Bücher nun wohl besser sei. Diese Frage vermag ich nun nach dem Lesen nicht zu beantworten. Viel lieber ist es mir, beide Bücher als gleichrangige Geschwister zu sehen. Sie sind vom gleichen Autor, tragen ähnliche literarische Züge und zeigen was heute möglich ist wenn wir bereit sind Gott an uns wirken zu lassen. „Der Weg“ hat tatsächlich viele Ähnlichkeiten zu William Paul Youngs Vorgängerroman, aber das Thema ist ein anderes, ebenso wichtig zu bedenkendes.
„Der Weg“ schreit geradezu danach, nach dem Lesen über seinen Inhalt zu diskutieren. Etwas besseres kann keinem Buch geschehen. Dieses Buch hat Anthony von Grund auf verändert. Es setzt Gott einmal mehr auf die aktuelle Tagesordnung!
Sehr zu empfehlen!
Allegria, ISBN 978-3-793-42238-9, 16,99 Euro

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Hanns – Josef Ortheil: Das Kind, das nicht fragte

Ortheil verwickelt mich immer wieder in Geschichten und fasziniert mich mit Gestalten, denen ich im wahren Leben sicher aus dem Weg gehen würde. So auch diesmal. Sein Protagonist, der Ethnologe Benjamin Merz, landet gerade mit dem Flugzeug auf Sizilien. Eigentlich will Benjamin die Lebensgewohnheiten der Menschen in Mandlica erforschen.
Dafür allerdings muss er mit Menschen ins Gespräch kommen, ihnen Fragen stellen und schon ist Hanns – Josef Ortheil am eigentlichen Problem dran. Benjamin ist menschenscheu, wie er selbst rückblickend sagt von „starken Phobien“ geplagt. Er hat vier große Brüder. Sie sind wesentlich älter als er und nahmen ihm, als sie noch Kinder waren, die Luft und die Freiheit für eine gesunde Entwicklung. Nahm die Familie beispielsweise die Mahlzeiten ein, saß der kleine Benjamino eingekeilt zwischen Vater und Mutter und sagte kein Wort. Gespräche liefen nur zwischen den großen Brüdern und den Eltern. Verstand er einmal nichts, traute er sich nicht nachzufragen. Manchmal kam es vor, dass er einfach vom Mittagstisch aufstand, weglief und sich in seinem Zimmer einschloss. Seine Eltern reagierten viel zu spät auf Benjamins Fehlentwicklungen.
Benjamin Merz mietet sich in Mandlica in einer Pension ein, die von einer redseligen Deutschen geführt wird. Ihre Schwester, die schweigsame Paula, wohnt auch in der Pension. So wie Benjamin seine Forschungsarbeit beginnt, so blickt er zurück in sein Leben. Er bekommt Kontrollanrufe seiner besorgten Brüder, die alle in Köln leben und er nimmt den Leser mit hinein in die Beziehung zwischen ihm und dem lieben Gott. Ich bin dabei als der Katholik Benjamin kurz vor seiner Kommunion zum ersten Mal in seinem Leben auf dem Beichtstuhl sitzt und vom Priester erfährt, wie ein Gespräch mit Gott möglich ist. Ich spüre förmlich, wie Benjamin in dieser Sekunde aufgeatmet hat.
Den Erzählungen Ortheils kann man sich als Leser kaum entziehen. Viel zu geschickt erzählt der Autor von Benjamin und sich selbst. Ohne etwas von der Handlung hier preis zu geben, kann ich behaupten: Es war für Benjamin Merz sehr heilsam diese Forschungsreise zu beginnen, sie endet in einer Befreiung des ängstlichen Typs und für mich war es ein herrliches Leseereignis mit nachdenklich stimmenden, aber lohnenswerten Szenen über das Leben an sich und über den lieben Gott!
Luchterhand Literaturverlag, ISBN 978-3-630-87302-2, Preis 21,99 Euro

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Pierre Szalowski: Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt

Eishockeyprofi Martin Ladouce kehrt zurück nach Montreal. Hier hatte seine große Karriere begonnen. Hier war er an der Hand des Vaters zu seinen ersten Spielen gegangen und hier schoß er seine ersten legändären Tore. Schnell war er ein gefeierter Profi. Alkohol floss in Strömen, Mädchen für eine Nacht gab es viele und Martin Ladouce verlor die Bodenhaftung die man zum Leben braucht.
Damals musste er gehen. Jetzt kehrt er zurück und kommt nicht etwa bei seinem alten Freund unter, sondern ist ausgerechnet Heilig Abend einziger Gast im teuersten Hotel von Montreal. Plötzlich geschehen Dinge die sich der Profi nicht erklären kann. In seinem Zimmer taucht ein kleiner Junge auf, dabei kann er Kinder nicht ausstehen…
Er ruft nach langer Zeit seine Mutter an. Der Kontakt mit seinen Eltern ist seit langer Zeit auf dem Nullpunkt. Autor Pierre Szalowskis gelingt es eine wundersame Geschichte zu erzählen, die ein wenig geheimnisvoll bleibt, humorvolle Nuancen hat, die aber sehr deutlich macht, worin das Weihnachtsgeheimnis besteht. Der abgehobene Eishockeyprofi hat Anfangs keinen blassen Schimmer vom Weihnachtsgeheimnis, aber er wird zurückgeholt. Martin setzt sich in Bewegung und er legt damit den Grundstein für ein neues Leben.
Eine fromme Geschichte ist dies nicht, aber sie drückt in vollem Umfang das Weihnachtsgeheimnis aus. Diese Geschichte sagt mehr als so manch eine Festtagspredigt in einer ehrwürdigen Kirche!
C.Bertelsmann, ISBN 978-3-570-10156-8, Preis 16,99

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