Jens Böttcher: Anklagend Schweigend Rosenrot

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Diese CD dürfte man eigentlich erst hören, wenn man mit einem Glas Rotwein in der Hand gemütlich in der Sofaecke sitzt. Ohne Vorankündigung und ohne mich darauf hinzuweisen, beginnt Jens Böttcher mit seiner Gitarre und seiner beruhigenden Stimme mich mit Themen zu konfrontieren, die ich eigentlich nur im stillen mit mir selbst abmache. „Eigentlich“ geht niemanden etwas an, was ich mit dem lieben Gott anstellen würde, säße er plötzlich neben mir.
Der Poet auf der CD entpuppt sich als moderner Theologe. Ohne auf sichtbare oder unsichtbare Grenzen zu achten erfüllt er meinen Raum und meine Gedanken. Er beginnt mit mir einen Dialog, aber überfährt mich nicht mit seinen Ansichten. Er lässt mir Zeit zum atmen und schafft es, mich aus der Reserve zu locken. „Eigentlich“ geht es niemanden etwas an, wie ich über Gott und die Engel denke, aber Jens Böttcher löst mit ein paar Gitarrenklängen diesen Riesenberg von „eigentlich“ im Hand umdrehen auf. Und schon sitze ich da mit meinem Gläschen Rotwein in der Hand und lausche nachdenklich seinen weisen Worten. Er sieht es so – und ich?
Klar und deutlich kommen die Worte des Beobachters Jens Böttcher bei mir an. Sie lassen viel von dem Erkennen, was der Autor denkt und fühlt und ich beneide ihn darum, dass er scheinbar keine Hemmungen hat sich so vor mir zu entblättern. „Eigentlich“ war das Reden über Gott und meine Gefühle, auch die nicht so harmonischen, bislang ein Tabu, mit Böttcher scheint diese Zeit längst Vergangenheit. Will er mich verführen? Zum Dialog? Zur Liebe zum Schöpfer?
Auf seiner neuen CD entführt mich Jens Böttcher in ein Land, dass in der Realität so noch nicht existiert. Lassen wir uns vom Hamburger Poeten verführen damit wir einander näher kommen.
Als Limited-Edition im transparenten Umschlag mit handsigniertem Brief des Autors direkt bestellen via info@gentleart.de oder über Jens Böttchers Facebookseite.  Preis 15€ zzgl. Versand.

Jens Böttcher hat buecheraendernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Hallo Jens, Deine neue CD finde ich Spitze, kein Wort dagegen, aber eins verstehe ich nicht. Du sitzt mit Gott vor dem Kamin und stellst ihm keine Fragen? Ich würd den Typen mit Fragen nur so löchern und Du sitzt gemütlich mit ihm da und trinkst mit ihm Champagner. Das musst Du mir erklären.

Hallo Christian, allein die Frage impliziert ja schon, dass du die Antwort bereits ahnst. (lacht) Genau um die Auflösung dieser Spannung geht’s ja in diesem Text. Soll heißen: Der Mensch nähert sich Gott mit seinen Fragen, seinen Krisen, seinen vielen Gedanken, seinem Zustand der Ungewissheit, des Unwissens, seiner natürlichen, oder vielleicht besser noch, seiner „erlernten“ Distanz. Beim Schreiben des Textes hab ich mir vorgestellt, wie es wäre, wenn Gott plötzlich als Person vor einem sitzt und sich als vollkommen entspannt, humorvoll und auf ganz selbstverständliche, menschennahe Weise als bedingungslos liebend und tröstend erweist. Der Protagonist der kleinen Geschichte wird innerhalb von ein paar Sekunden von Gottes Liebe entwaffnet – so effektiv, dass seine vielen Fragen ihm plötzlich überhaupt nicht mehr als das Wesentliche erscheinen.

Sehr viel erzählst Du von Deiner Beziehung zwischen Gott und Dir. Viele meiden dieses Thema gern. Warum redest Du in aller Öffentlichkeit über so intime Angelegenheiten?

Weil es mir so unerhört wichtig vorkommt. Für mich selbst, für alle Menschen die ich kenne oder auf meinen Reisen treffe. Die Erkenntnis von Gottes Liebe und der oft umkämpfte Glaube daran, ist ein so gewaltiges und im besten Falle lebensveränderndes Thema. All das ist sehr schwer in drei Sätzen zu beantworten, aber, ja, ich glaube, wir alle sollten viel mehr darüber reden und schreiben und uns austauschen. Und zwar möglichst ehrlich und offen, jenseits von religiösen Fesseln. Der Gott, an den ich glaube, hat nichts Ausgrenzendes, nichts Abschreckendes, nichts Elitäres, nichts Angsteinflößendes. Ich schreibe darüber, weil es für uns alle wichtig ist, die Angst zu verlieren und weil ich hoffe, mir selbst und anderen damit ein bisschen Mut zu machen.

Du erlaubst Dir sogar Abstecher in die große Politik und unterbreitest der Welt einen Plan für den Weltfrieden. Meinst Du, dass ausgerechnet Du dazu berufen bist?

jens böttcher

Jens Böttcher

Haha, naja, nicht wirklich. Und dann wieder doch, siehe eben. Auch die Kriege dieser Welt haben ja meist eine Menge mit all dem zu tun, was ich gerade erwähnte (Angst, Abschreckung, Ausgrenzung, Erhebung der eigenen Religion – also des eigenen, „unfehlbaren“ Gottesbildes – zur einzigen Wahrheit etc.) Aber die Geschichte, auf die deine Frage abzielt, ist ja eher ein schwarzhumoriges Abbild der Ohmmacht des Menschen auch vor dieser großen Frage, wie um Gottes Willen es möglich sein könnte, Frieden auf der Welt zu stiften. Paco de Luca, um den es ja in dieser Geschichte geht, hat eine durchaus eigenwillige Idee, wie das zu erreichen wäre.

Von diesem Deinem mysteriösem Zwillingsbruder Paco de Luca erfahren wir ja so einiges. Der darf sich bei Dir so einiges erlauben, auch Sachen die Du überhaupt nicht ausstehen kannst. Warum liebst Du ihn dennoch?

Ach ja, der Paco (seufzt). Er ist ein merkwürdiger Geselle. Seit einiger Zeit begleitet er mich ständig, er betreut ja sogar meinen privaten Facebook-Account. Ich glaube, ich liebe ihn, weil er immer so echt und ungefiltert ist. Er betrachtet die Welt aus einer irgendwie besonderen Perspektive. Und er sagt oft Sachen, die ich nicht wagen würde (lacht). Ausserdem erweist er mir immer wieder seine brüderliche Zuneigung und signalisiert mir zwischendurch, dass er mich wirklich mag. Ein echter Freund, der sich auch in schwierigen Situationen nicht von mir abwendet (lacht).

Du hast Dich in Deinem Leben bereits mit dem Teufel, dem lieben Gott und sogar einem Engel getroffen, glaubst Du wirklich Du bist noch normal oder fehlt mir etwas, denn ich bin noch niemandem dieser Herrschaften begegnet.

Also zunächst mal die Gegenfrage: Bist du ganz sicher, dass du diese Begegnungen nicht auch schon hattest? 😉 Ich habe sie fast täglich. Aber nee, natürlich nicht so, wie du es mir freundlicherweise grade unterjubeln willst (lacht). Ich glaube, das alles spielt sich in unseren Seelen ab, an einem Ort, für den es dummerweise keine gute Beschreibung gibt. Ich empfinde es so: Ich begegne Gott, wenn ich Liebe spüre – in mir oder in anderen Menschen. Dem Teufel hingegen begegne ich immer wieder an den engen Grenzen meiner eigenen Fähigkeit, wirklich bedingungslos zu lieben. Auf gewisse Weise nervt das übrigens sehr. Immerhin so heftig, dass ich ja darüber auch schon mal ein Buch geschrieben habe (lacht). Aber Gott und die Engel … ja, die sind glücklicherweise immer da. Ob das „normal“ ist, weiß ich nicht. Ich bin bestimmt wenigstens schonmal so „unnormal“, dass ich nicht beurteilen kann, was „normal“ überhaupt ist. Oder ob es das überhaupt gibt.

Was glaubst Du, warum brauchen Menschen CD’s wie „Anklagend Schweigend Rosenrot“?

Inhaltlich mag ich das nicht beurteilen. Ich hoffe, dass diese Mischung aus Gedichten, Gedanken und kleinen Geschichten die Menschen im Herzen berührt, eben zu diesem inneren, eigentlich unbeschreiblichen Ort vordringen kann, von dem ich grade sprach. Es sind sehr offenherzige Texte, die irgendwie weder auf ein Musikalbum, noch in ein Buch von mir gepasst hätten. Es ist also auch für mich ein Novum, ein Experiment, irgendwie auch ein Wagnis. Allerdings sind die Reaktionen darauf bisher so wunderbar und positiv, dass es sich schon absolut gelohnt hat. Wenn alles gut geht, werden in den nächsten Jahren weitere CDs dieser Art folgen. Aber jetzt erstmal ein neues Album und die Arbeit an einem neuen Buch. Wer das alles am Ende „braucht“, kann ich aber nicht sagen. Vielleicht all die, die sich ihrer Suche und ihrer Sehnsucht nach Erfüllung, nach göttlicher Berührung, nach wachsendem inneren Frieden, stets bewusst sind – denen es also geht wie mir.

Vielen Dank für das Interview!

Jens Böttcher: Novemberbaum:

http://www.youtube.com/watch?v=JvIRx6jt8Tk

Jens Böttcher: Ich bin hier nicht zu Haus:

http://www.youtube.com/watch?v=l9TSRhmiqXA&feature=endscreen&NR=1

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Jens Böttcher: Anklagend Schweigend Rosenrot

  1. miriam

    Gott sitzt grad neben mir und lächelt mich an 🙂 Wein getrunken ham wa auch und viel diskutiert und jetzt hörn wir noch zusammen schöne Musik…Gute Nacht!

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