Daniel Morawek: Paul sucht eine Frau

paul sucht eine frau

Die Frau für’s Leben zu finden ist schon nicht so einfach. Paul kann ein Lied davon singen. Eigentlich kann er dies aber doch nicht. Wenn er eine junge Frau sieht, dann schlägt sie immer wieder zu, die Schüchternheit. Er bekommt dann nur ein wenig Gestammel heraus und seine Umwelt meint, der sitzt nicht nur im Rollstuhl, der muss auch anderswie geschädigt sein.
Aber zum Glück hat Paul Freunde die ebenfalls im Rollstuhl sitzen und gute Ratschläge für ihn bereithalten. Ob diese allerdings zur Frau für’s Leben führen, diese Frage zieht sich durch den ganzen Roman.
Fast so als wäre es nur Beiwerk schildert Daniel Morawek den ganz normalen Alltag eines Rollstuhlfahrers. Das Buch liest sich nicht wie ein Ratgeber, es ist äußerst humorvoll und doch mit starkem Bezug zur Realität. Da sind viele Ansätze drin, die je nach Wahrnehmung des Lesers speziell Beachtung finden werden. Ich denke da an die Beziehung zwischen Eltern und Paul, aber auch an den offenen Ton den Morawek beim Thema Rollstuhlfahrer und ihr Liebesleben anschlägt.
Ein tolles Leseerlebnis, bei dem Roller und Latscher neue Einsichten gewinnen werden!
CreateSpace Independent Publishing, ISBN 978-1-481-20679-2, Preis 8,99 Euro
Daniel Morawek hat buecheraendernleben folgende Fragen beantwortet:
Hallo Daniel, Dein neues Buch ist auf dem Markt. „Paul sucht eine Frau“ heißt es und Du hast Dich damit mitten hinein in das Rollstuhlfahrermilieu begeben. Warum dies?

Ich war im Februar 2011 auf einem Rollstuhl-Rugby-Turnier als Filmemacher dabei. Nachdem die Jungs und Mädels sich tagsüber in ihren martialischen Sportstühlen ordentlich durchgeschüttelt haben, wurde Abends viel getrunken, gelacht und getanzt. Da wurde mir klar: Wenn ich es schaffe die Stimmung einzufangen, die ein Fußgänger erlebt, wenn er ein Wochenende mit einem Haufen durchgeknallter Rollstuhlfahrer rumhängt – dann habe ich die Chance eine komplett klischee- und kitschfreie Geschichte über Menschen mit Behinderung zu schreiben.

Um über Rollstuhlfahrer zu schreiben muss man sie kennen. Deinem Buch ist anzumerken, Du warst mit ihnen im Gespräch. Kanntest Du vorher schon welche oder wie kam es zu Deinen Rollstuhlfahrerbekanntschaften?

Der erste Rollstuhlfahrer, den ich kennengelernt habe, das war vor einigen Jahren in der Kirche. Dieser Rollstuhlfahrer ist auch der Mitbegründer eines ambulanten Dienstes in Heidelberg. Fürs 25jährige Jubiläum des Dienstes habe ich einen kleinen Dokumentarfilm gedreht. Dann noch mal einen größeren Film fürs 30jährige Jubiläum 2011. Bei diesem zweiten Film war ich dann zum ersten Mal länger mit Rollstuhlfahrern unterwegs – eben bei diesem Turnier. Daraus sind dann einige Freundschaften entstanden, und auch Folgeaufträge. Letztes Jahr im Sommer war ich zum Beispiel mit der deutschen Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft in London, um sie auf einer Reise zu dokumentieren.

Also ja, ich habe intensiv mit Rollstuhlfahrern gesprochen, als ich die Story für »Paul sucht eine Frau« entwickelt habe. Anders geht es nicht.

morawek

Daniel Morawek

Was meinst Du, warum gibt es einiges an Ratgeberliteratur für und über Rollstuhlfahrer, aber nur sehr sehr wenig humorvolles romanhaftes?

Gute Frage! Rollstuhlfahrer haben keine Lust immer nur bemitleidet zu werden. Warum auch? Leider wird die Thematik Behinderung gerne von Leuten, die nicht selbst betroffen sind, für Fernsehfilm-Dramen ausgeschlachtet. Aber mit dem Rollstuhlfahrer-Alltag hat das – bei allen Herausforderungen, die es natürlich gibt – meist wenig zu tun.

Für meinen Buchtrailer habe ich ein paar Rollstuhlfahrer befragt, was sie von Geschichten über Rollstuhlfahrer halten – und was sie sich stattdessen wünschen würden. Das sind die Antworten:

Das Buch ist fertig und wird nun sicher gut gekauft. Was hat Dir ganz persönlich die Arbeit an diesem Thema gebracht?

Meine ganze Arbeit mit Rollstuhl-Themen, ob nun bei dem Roman oder den Filmen, hat mir geholfen, mich meiner eigenen Berührungsängste mit Behinderungen zu stellen. Die hatte ich nämlich auch am Anfang. Als Fußgänger weiß man oft aus reiner Unwissenheit nicht, wie man sich gegenüber Rollifahrern benehmen soll. Bei jedem Handgriff helfen? Das wird meist gar nicht gewünscht. Da bin ich lockerer geworden.

 Dann habe ich noch die Erkenntnis gewonnen, dass der Charakter eines Menschen, der wegen einem Unfall oder einer Krankheit im Rollstuhl landet, sich nicht ändert. Nicht der Rollstuhl bestimmt, was für ein Mensch jemand ist. Es sind nur die persönlichen Charaktereigenschaften – mit allen Stärken und Schwächen.

Du bist jemand der immer schreibt. Schlummert da bereits etwas neues in Deiner Schublade?

Da schlummert einiges. Ist aber alles noch nicht fertig. Ich muss jetzt mal ein paar Tage durchatmen und dann in Ruhe entscheiden, welches Projekt ich als nächstes fertigstellen werde. Mal sehen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!
Daniel Morawek hat unserem Blog zwei von ihm signierte Exemplare seines neuen Buches zur Verfügung gestellt. Also, wer es haben möchte, hinterlässt hier seinen Kommentar – wir melden uns dann:
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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Daniel Morawek: Paul sucht eine Frau

  1. Christiane Kathmann

    Das klingt wirklich spannend. Humor ist immer besser als nur dramatisieren.

  2. Lea K

    Das Buch klingt echt toll. Ich hoffe, dass das Buch ein paar Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung abgebaut kann und dass die Leser sich dadurch besser in Rollstuhlfahrer hineinversetzen können. Humor ist da meistens ein guter Zugang!

  3. Ich hatte ja das Vorgängerbuch bereits gelesen und fand es richtig gut, daher bin ich gespannt ob das hier mithalten kann. Vom Thema her klingt es schonmal sehr gut! Es ist auch ein Thema was lieber ausgeschwiegen wird. Ich jedenfalls kenne zum Thema eher kein Buch.

  4. Pingback: Buch-Tipp + Verlosung: Daniel Morawek “Paul sucht eine Frau” | Testspiel.de

  5. Maria Lahnstein

    Ein neues Buch des Autors, das ist bestimmt interessant !

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