Monatsarchiv: Januar 2013

David Sieveking: Vergiss mein nicht

vergiss mein nicht

„Vergiss mein nicht“ ist das mutige Bekenntnis eines über 30jährigen Sohnes zu seiner an Alzheimer erkrankten Mutter. Endlich ist David Sieveking finanziell unabhängig von den monatlichen Überweisungen seiner Mutter und beginnt erfolgreich seinen Weg als Filmemacher.

Er zieht aus dem Elternhaus aus. Seine um Jahre älteren Geschwister haben dies bereits getan. Sie haben bereits selbst Kinder und stehen fest im eigenen Berufsleben. Da häufen sich dann immer mehr die Momente in denen die Mutter Dinge vergisst, ja nicht einmal mehr ihren Mann oder ihren Sohn erkennt.

Vielschichtig ist das Buch des Filmemachers. Er schildert die vielen Arztbesuche. Oft wurde seine Mutter wieder nach Hause geschickt mit den Worten Alles in Ordnung.“ Und doch wussten alle die sie kannten, dies stimmt nicht. Aber eines Tages steht das Wort Alzheimer“ im Raum und keinem der Kinder ist es möglich wieder ins Elternhaus zurückzukehren. Sie leben ihr Leben.

Da kommt Sohn David auf die Idee private Sorgen mit beruflichem zu verknüpfen. Er zieht wieder zu Hause ein und dreht einen Film über seine Mutter und deren Krankheit. Aber für David wird es vielmehr als nur ein Film. Er kommt seiner Mutter, seinen Eltern und deren Leben und vielem anderen näher als je zuvor.

Für mich ein sehr ergreifendes Buch vor dessen Thema sich niemand sicher sein kann!

Herder, ISBN 978-3-451-32574-8, Preis 17,99 Euro

Davis Sieveking hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber David Sieveking, „Vergiss mein nicht“ ist in meinen Augen ein sehr mutiges Buch. Sie erzählen in aller Offenheit vom geistigen Verfall ihrer Mutter und auch von ihrem Elternhaus, warum war Ihnen dieses Buch so wichtig?

Ich habe ja zuerst einmal einen Dokumentarfilm über das gleiche Thema gemacht. Die Dreharbeiten erstreckten sich in Etappen über einen Zeitraum von gut anderthalb Jahren, während derer ich die Entwicklung der Demenz meiner Mutter begleitete. Da ist natürlich eine Menge Material entstanden und noch viel mehr habe ich drumrum erlebt. Der Film der zum Schluss dabei rausgekommen ist, ist aber nicht mal 90 Minuten lang und konzentriert sich sehr auf ganz bestimmte Aspekte. Im Buch habe ich die Dinge aufgeschrieben, die im Film weniger beleuchtet wurden. So kann ich beispielsweise die Vorgeschichte bis es endlich zu einer medizinischen Demenz-Diagnose meiner Mutter kam im Buch viel besser erzählen als im Film, so was lässt sich literarisch besser verarbeiten als in einem Dokumentarfilm, da ich damals ja noch nicht gedreht hatte. Ich wollte den Film aber nicht zu interviewlastig gestalten und diese Ereignisse vor der Kamera nacherzählen lassen. Das kann man im Buch viel eleganter machen. Auch die letzte Phase der Demenz meiner Mutter war mir wichtig zu beschreiben. Da gab es viele medizinische Komplikationen und dramatische Krankenhausepisoden, die ich beim besten Willen nicht hätte filmen können. Im Buch lasen sich solche Erlebnisse viel besser verarbeiten. Ich hatte während der Arbeit am Film schon viel über Alzheimer und Demenz gelesen, aber wie es tatsächlich mit jemand Betroffenen zu Ende geht, darüber hatte ich praktisch nichts erfahren. Man stirbt ja nicht an Alzheimer oder einer Demenz, sondern an Folgeerkrankungen bzw. Folgeerscheinungen. Überhaupt habe ich gemerkt, dass in Deutschland mehr über Sterbebegleitung aufgeklärt werden sollte und viel mehr Zugang und Akzeptanz für Palliativmedizin nötig wäre. In meinem Buch geht es nämlich auch darum, wie eine Familie versucht einen Angehörigen natürlich im Kreis der Familie „gehen“ zu lassen – das ist gar nicht so einfach in diesem Land.

Ihre Mutter bekommt Alzheimer, eigentlich nichts schönes, aber so traurig finde ich Ihr Buch gar nicht. War die Erkrankung Ihrer Mutter auch eine Chance sich ihr und Ihren Eltern neu zu nähern?

Die Krankheit, die ich in vieler Hinsicht eigentlich lieber eine „Veränderung“ nennen würde hatte neben den tragischen Seiten auch viele positive Auswirkungen. Durch den Gedächtnisverlust meiner Mutter sind sich meine Eltern noch einmal näher gekommen, haben sich geradzu neu verliebt. Auch ich habe eine innige Verbindung zu meiner Mutter aufgebaut, die sehr und schön und anders war als früher. Das Problem war, dass man sich erst einmal von dem alten Bild und den alten Gewohnheiten verabschieden musste. Da verliert man viel Zeit in der man der Vergangenheit nachtrauert und gar nicht offen ist für das was in der Gegenwart noch möglich ist. Wir haben aber wirklich noch viel Spaß gehabt gemeinsam mit meiner Mutter, die in ihrer Demenz zwar ihr Gedächtnis, nicht aber ihren Humor verloren hat. Sie hat sogar noch einen neuen, sehr originellen Wortwitz entwickelt in dieser Zeit und war unwahrscheinlich liebenswert.

Erstaunt war ich darüber, wie oft Ihre Mutter von Ärzten immer wieder zu hören bekam: „Alles in Ordnung“. Was haben Sie in solchen Momenten gedacht?

Aus meiner Sicht erschien das absurd. Meine Mutter hatte sich massiv verändert, war dem Alltag nicht mehr alleine gewachsen, hatte ihren Geruchsinn verloren, hatte das Kochen verlernt, wusste das laufende Jahr nicht mehr und nicht den Weg zum Supermarkt. Trotzdem hieß es: „Machen sie sich mal keine Sorgen“ Und die erste Diagnose war dann schon mit massiven Alltagseinschränkungen nach zwei Jahren in denen meine Mutter immer weiter abbaute eine „Leichte kognitive Beeinträchtigung“ – das klang für uns irre untertrieben und unangemessen. Zumindest bekamen wir dann eine Pflegestufe. Aber eine richtige Demenz wurde erst über ein Jahr später diagnostiziert. Dann hieß es plötzlich die Demenz sei schon sehr fortgeschritten und man könne therapeutisch eigentlich nichts mehr machen. Da haben wir uns ziemlich allein gelassen gefühlt und mein Vater verlor das Vertrauen in die Medizin.

Wenn Sie das erneute Zusammenleben mit Ihren Eltern zusammenfassen müssten in drei Sätzen, was hat es Ihnen gebracht?

Meine Eltern haben in der Zeit der Demenz meiner Mutter eine neue Intimität gewonnen. Meine Mutter musste sich daran gewöhnen abhängig und auf Hilfe angewiesen zu sein und mein Vater musste lernen Verantwortung zu übernehmen, für den Haushalt zu sorgen und für meine Mutter da zu sein. Nicht mehr nur derjenige zu sein, der das Geld verdient. Meine Mutter hatte zum Glück einen liebenden Partner an ihrer Seite, der sich dann auch gerne auf ihre Bedürfnisse einließ. Mein Vater sagte dann sogar, er wäre dankbar, dass er noch einmal die Liebe seines Lebens intensiv erleben durfte.

Ihr Buch entwickelt sich auf dem Buchmarkt gerade zu einem Kassenschlager. Haben Sie damit gerechnet und was glauben Sie warum kaufen Leser Bücher zu einem Thema von dem doch niemand selbst betroffen sein möchte?

Keine Ahnung ob das Buch ein „Kassenschlager“ wird und ob man das jetzt schon bemessen kann, aber ich glaube, dass gerade in Deutschland ein großes Bedürfnis besteht jenseits von bloßen Zahlen und Statistiken über das Altern und das Sterben nachzudenken, von dem sich unser Leben ja ziemlich abgekoppelt hat. Es ist ja auch unbestritten, dass der Staat die große Überalterung der Gesellschaft nicht auffangen kann, sondern das es vor allem familiäre Strukturen sein müssen, die die Alten und Schwachen versorgen. Auch wenn man nicht unbedingt selbst von einer Demenz betroffen sein sollte, so kenne ich doch fast niemanden, der nicht einen Fall in seiner Familie oder in seinem Bekanntenkreis hat. Und um das Altern und Sterben an sich kommt ja sowieso keiner drumrum. Also könnte das Buch theoretisch eine ganze Menge Leute interessieren, da stimme ich zu.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Hier gibt es Informationen zum Film:

http://vergissmeinnicht-film.de/

Der Herder Verlag hat uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung gestellt. Wer bis Freitag 20 Uhr unter diesem Beitrag seinen Kommenentar postet nimmt an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Advertisements

5 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

Irene Hannon: Auf dass ihr nicht gerichtet werdet

auf das ihr nicht gerichtet werdet

Gerade kommt Marshal Jake Taylor von einem Auslandseinsatz zurück und hofft sich erholen zu können. Schlaf hat er jede Menge nachzuholen. Doch diese Verschnaufpause ist ihm nicht vergönnt.

An einem anderen Ort in Amerika wurde soeben ein Attentat auf die Schwester der Bundesrichterin Liz Michaels verübt. Die Schwester hatte sich gerade von ihrem gewalttätigen Mann getrennt und war bei Liz eingezogen. Nun liegt sie mit schweren Kopfverletzungen im Krankenhaus.

Als ich dann noch auf den ersten Seiten erfuhr, dass die Partner von Liz und Jake bereits vor Jahren gestorben sind, befürchtete ich eine seichte Liebesromanze. Aber wieder einmal lenkte mich die Autorin auf eine falsche Fährte. Nicht umsonst hat sie Psychologie studiert und baut nun einen perfekten Spannungsbogen in ihren Thriller ein.

Erst so nach und nach wird klar, dieses Attentat galt nicht der Schwester. Auch der Anfangsverdächtige hat nichts mit diesem Fall zu tun. Natürlich beginnt es zwischen Liz und Jake zu knistern, aber die literarische Qualität eines seichten Liebesromans übersteigt dieses Buch bei weitem.

Irene Hannon erweitert mit ihrer Geschichte den persönlichen Blick auf ihre zwei Protagonisten und schaut auch auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen. Sie hat keine Scheu den lieben Gott und ihre Ansichten mit ins Spiel zu bringen.

Für mich ein wunderschönes Leseereignis!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-86827-370-0, Preis 12,95 Euro

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

N.T.Wright: Jesus

jesus wright

Jesusbiografien gibt es bereits eine ganze Menge, sogar aktuelle. Nachdem ich allerdings diese vorliegende gelesen habe, ist mir klar, warum sie mich besonders anspricht: Der Autor bringt den historischen Jesus mit dem zusammen an den wir heute glauben. Darüber hinaus und gerade dies ist für mich im Ergebnis so faszinierend, macht Wright deutlich, dass dies erst der Anfang mit Jesus ist.

Er erklärt auf der einen Seite das Jesus nicht irgendwann einmal vor 2000 Jahren geboren wurde, sondern er beschreibt sehr genau warum nach seiner Lesart Jesus gerade zu jenem politisch brisanten Zeitpunkt und ausgerechnet an diesem Ort geboren wurde.

Schnell kommt der führende Theologe der Leben – Jesu – Forschung dann in die Gegenwart. Die Frage nach Jesus, so meint er, darf nicht nur für das persönliche Leben wichtig sein. N.T.Wright sagt, das Wissen und der Glaube an Jesus muß Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens haben. Unter anderem zählt er dabei Fragen der Kultur, der Forschung und der Gerechtigkeit auf. An einem Beispiel aus der Praxis macht er es deutlich: Die Hospizbewegung entstand nicht durch Gesetze. Im Kleinen hat sie begonnen und dieses Beispiel hat viele Menschen berührt und viele tun heute weltweit ihren Dienst in Hospizen. Dies ist ein Beispiel wie Menschen sich heute auf den Weg der Nachfolge begeben können. Dazu bedarf es keines Gesetzes, es liegt an jedem selber. Ein jeder hat Fähigkeiten und Begabungen und diese gilt es einzusetzen.

Ein anderer wichtiger Aspekt den der Autor hier schildert, Jesus muss in die Welt hinausgetragen werden. Wir sollten ihn nicht länger in ein Kirchengebäude sperren, denn er gehört mitten hinein in das Leben. Wie wollen wir denn Menschen mit Jesus begeistern wenn wir uns nicht zu den Menschen hinbewegen. All diese wertvollen Überlegungen stecken in diesem Jesusbuch.

Einen Satz von N.T.Wright möchte ich gern zitieren: „Ich unterstreiche oft bei meinen Studenten, dass sie nicht an die Universität gekommen sind, um die Antworten kennenzulernen, sondern um die wichtigen Fragen zu entdecken.“ Dieser eine Satz steht symbolisch für das ganze Buch. Die Sache mit Jesus ist heute keinesfalls abgeschlossen. Sie ist und bleibt aktuell.

N.T. Wright redet neu über Jesus und spricht mich dabei hoffnungsvoll an!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27384-7, Preis 17,95 Euro

Der Marburger Theologe hat mit N.T. Wright auf seinem Blog ein kurzes Interview geführt. Leider liegt es nur in englisch vor:

http://toby-faix.blogspot.de/2013/01/nachgefragt-4-bei-nt-wright-jesus-das.html

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Hans-Joachim Eckstein: Du liebst mich, also bin ich

du liebst mich, also

Wenn ein Buchtitel wie dieser bereits in der 16. Gesamtauflage erscheint, dann muss es wahrlich ein Buch sein, das die Menschen anspricht. Bei Prof. Hans – Joachim Eckstein kann man sich sicher sein, er bringt seine Texte kurz, pointiert, auch mal humorvoll, aber immer auch mit dem nötigen Glaubenssalz zum Leser.

Frei von jedem Zwang an bestimmten Tagen einen Text lesen zu müssen, stehen diese Texte einfach aneinandergereiht und warten darauf, dass der Leser sie entdeckt. Manche Texte sind nur wenige Zeilen lang, andere einige Seiten lang.

Es empfiehlt sich beim Lesen die Bibel dabei zu haben. Wenn der Autor biblische Verse kurz auf den Punkt bringt, ist es spannend für mich zuvor den biblischen Text gelesen zu haben. So bringt Eckstein Lukas 7, 41-43,47 in einem kurzen Text zusammen:

„Christus Lieben

Da unsere Liebe zu Gott
in dem Geschenk
der Liebe Gottes zu uns
gründet,
wächst unsere Liebe
zu Christus
in dem Maße,
wie wir uns von ihm
beschenken lassen.“

Hans – Joachim Eckstein besitzt die Gabe alte Texte neu zu formulieren. Dabei geht nichts verloren, aber sie rücken in ihren Aussagen näher an uns heran.

Der Autor spricht kurz und schmerzlos lebensverändernde Wahrheiten aus:

„Frei!
Wenn ich nicht mehr
unter dem Gesetz bin,
sondern unter der Gnade,
kann ich endlich
tun und lassen –
was Christus will!“

Hans – Joachim Eckstein spricht mich an und fordert mich heraus!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15450-5, Preis 9,95 Euro

SCM Hänssler hat uns ein Verlosungsexemplar dieses Titels zur Verfügung gestellt. Wer also bis Morgen/Donnerstag 18 Uhr unter diesem Beitrag seinen Kommentar postet, ist in der Auslosung mit dabei, also Mitmachen!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Eckhart zur Nieden: Das große Buch der biblischen Balladen

das große buch der biblischen balladen

Immer wieder werden neue Zugänge zu den uralten biblischen Texten gesucht und nicht immer glücken die neuen Wege. Eckart zur Nieden allerdings hat sich getraut, bekannte biblische Geschichten aus Neuem und Alten Testament in Versform neu zu erzählen.

Wenn mir gelegentlich auch mal ein Reim nicht so gelungen erscheint, so ist es doch erstaunlich, wie lebendig plötzlich die biblischen Geschichten werden. Laut vorgelesen wird das Tempo der einzelnen Geschichte und ihre Attraktivität noch erhöht.

Der Autor, der viele Jahre beim Rundfunk tätig war, weiß um die alte biblische Sprache und auch darum, dass sie viele Menschen nicht mehr anspricht. Selbst sagt er:

„sodass die Zeitgenossen lästern:
‚Die lahme Ente ist von gestern!'“

Egal ob im Gespräch mit Kain oder in der Geschichte mit den Arbeitern im Weinberg, der Autor ist originell auf der Höhe der Zeit und er bringt seine Balladen humorvoll zum Leser. Wussten Sie, dass die Arbeiter „ganz ohne ’nen Tarifvertrag“ im Weinberg gearbeitet haben? Als sie dann abends mitbekamen das alle den gleichen Lohn bekamen, auch die, die erst Mittags zur Arbeit erschienen, da gabs Stunk und Eckart zur Nieden zieht Resümee:

„Ein Gleichnis nur ist die Erzählung.
Und es besagt: Durch die Erwählung,

durch Gnade und Barmherzigkeit
liegt Gottes Reichtum uns bereit.

Ob einer für Gott wenig tat –
Ob er ganz viel geleistet hat:

Für Heil und Rettung ist das gleich.
Durch Gottes Schenken sind wir reich.“

Egal ob die Balladen für sich allein oder vor einer Gruppe gelesen werden, dieses Buch ist eine originelle Bereicherung!

Brunnen, ISBN 978-3-765-54183-4, Preis 9,99 Euro

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Andreas Münch: Der wahre Gott der Bibel

andreas Münchder wahre gott der bibel

Dem „wahren Gott“ ist der Absolvent der Bibelschule Brake in Lemgo auf der Spur. Mit großem Interesse habe ich mich auf dieses Buch gestürzt. Münch ist ein junger Theologe und manchmal dachte ich anfangs: „Neue Besen lehren gut!“, aber damit würde man der sehr disziplinierten Suche nach dem „wahren Gott der Bibel“ nicht gerecht werden.

In 21 Kapiteln nimmt sich der Autor jeweils einer ganz besonderen Seite Gottes an. Da finde ich unter anderem Gott ist offenbart – dreieinig – allmächtig – allgegenwärtig – treu … Münch zeigt, durch seine biblischen Zitate, er bleibt auf biblischen Kurs. Was mit hingegen nicht so sehr gefällt, ist der Aufbau dieses Buches. Am Ende eines jeden Kapitels werden Verse zum Auswendiglernen empfohlen und Fragen gestellt um das eben Gelesene zu vertiefen. Dies trägt Lehrbuchcharakter und sagt mir in Glaubenssachen nicht zu.

Inhaltlich stimme ich mit einigen Aussagen von Andreas Münch nicht überein, aber mit Interesse habe ich sein Buch doch gelesen. Er kritisiert Kirche, auch die ihm nahestehenden evangelikalen Gemeinden, weil sie heute zu viele Kompromisse eingehen. Für mich ist es spannend zu klären an welchen Stellen ich mit dem Autor übereinstimme und wann wir auseinandergeraten.

Auch wenn ich streckenweise nicht mit Andreas Münch auf gleicher Wellenlänge bin, sein Buch ist eine gute Anregung neu über Gott und mein Bild über ihn nachzudenken!

Betanien Verlag, ISBN 978-3-935-55846-4, Preis 10,90 Euro

Mit Andreas Münch hat buecheraendernleben dieses Interview geführt:

Lieber Andreas Münch, in Ihrem Buch „Der wahre Gott der Bibel“ schreiben Sie: „Sogar in evangelikalen Gemeinden werden bei biblischen Lehren an allen Ecken Kompromisse gemacht.“ Was sind Ihrer Meinung nach die schlimmsten Kompromisse?

Eines der größten Kompromisse ist meiner Beobachtung nach, dass oftmals die Verkündigung den Gottesdienstbesuchern zu sehr angepasst wird, so dass die Prediger sich scheuen unbeliebte Themen wie etwa die völlige Verdorbenheit des Menschen, Gottes Hass auf die Sünde, die Notwendigkeit der Umkehr von Sünden und die gnädige Erwählung Gottes in aller Deutlichkeit anzusprechen.

Viele der Predigten, die ich in den letzten Jahren gehört habe, waren dermaßen oberflächlich, so dass ich den Eindruck hatte, dass es dem Prediger letztlich egal ist, ob ich seiner Botschaft glaube oder nicht. Mir fehlt die Ernsthaftigkeit in der Verkündigung. Wir sind schließlich kein Verein, sondern die Gemeinde des lebendigen Gottes. Zumindest sagen und glauben wir das, aber in der Praxis sieht das oftmals anders aus.

Ein weiterer Kritikpunkt in Ihrem Buch ist, dass heute der liebende Gott immer mehr in den Fokus gerückt wird, dabei allerdings der strafende vergessen wird. Warum ist die Balance für uns heute so wichtig?

Balance ist ein gutes Stichwort. Ich bin mir durchaus bewusst, dass man von beiden Seiten vom Pferd fallen kann und auch ich stehe in der Gefahr in der Verkündigung zu einseitig zu sein. Da müssen wir alle aufpassen.

Die Liebe, bzw. der Zorn Gottes müssen im richtigen Verhältnis zueinander gesehen werden. Als Kind Gottes darf ich wissen, dass Gottes Liebe mir uneingeschränkt gilt – aber das bedeutet nicht, dass Gott deshalb Sünde in meinem Leben dulden würde. Deshalb korrigiert Gott uns, wenn wir uns zu weit von Ihm entfernen. Diese Züchtigung, wie wir sie z.B. in Hebräer 12,4-11 geschildert finden, gefällt uns als Menschen nicht, aber sie ist ein Zeichen der Liebe Gottes zu seinen Kindern. Als Kind Gottes muss ich keine Angst mehr vor Gottes endgültigem Zorn haben, der Sünder bestraft, da Jesus diesen Zorn bereits für mich erduldet hat. Als Kind Gottes darf ich Gott meinen Vater nennen und darf wissen, dass Seine Liebe mir ohne Bedingungen gilt.

Eine ganz andere Geschichte ist die Beziehung des Ungläubigen zu Gott. Die Bibel ist deutlich darin, dass der natürliche Mensch ein Feind Gottes ist, d.h. die Beziehung ist gestört und muss geklärt werden. Zwar stimmt es, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass Er Seinen Sohn sandte (vgl. Johannes 3,16) und das es Vergebung und Aufnahme gibt, aber dennoch dürfen wir nicht Ungläubigen einfach versprechen, dass sie Frieden mit Gott haben, solange die Frage der Sündenschuld vor Gott nicht geklärt ist. Oftmals wird zu Ungläubigen so gepredigt, als wenn sie bereits Kinder Gottes wären – und das halte ich für unbiblisch und unverantwortlich.

Natürlich muss man hierbei feinfühlig und mit gesundem Menschenverstand vorgehen. Die Wahrheit sollte immer mit Liebe gepredigt werden. Wir möchten schließlich Menschen für Christus gewinnen und sie nicht fertigmachen.

Die Menschen vor 1000 oder auch 2000 Jahren haben Gott sicher mit völlig anderen Augen gesehen als wir es heute tun. Lebt nicht jedes Jahrhundert mit einem sich verändernden Gottesbild?

Hierbei stellt sich mir die Frage, was mein Gottesbild prägt? Wenn ich die Bibel als Gottes Offenbarung an uns Menschen betrachte uns sie alleine mein Gottesbild prägt, dann gehe ich davon aus, dass Menschen, die ebenfalls dieselbe Grundlage haben, größtenteils das gleiche Gottesbild haben wie ich. Anders gesagt, ich gehe davon aus, dass ein Paulus, ein Johannes Calvin und ein heutiger Christ, im Großen und Ganzen dasselbe Gottesbild vertreten. Natürlich lehrt uns die Kirchengeschichte, dass es immer wieder Meinungsverschiedenheiten gab (und immer noch gibt), die unmittelbar das Gottesbild betrafen, wobei man sich aber wiederum Fragen muss, inwieweit die jeweiligen Meinungen der Bibel entsprechen?

Sobald wir die Autorität und Unfehlbarkeit der Bibel nicht mehr anerkennen, haben wir auch keinen Maßstab mehr, um zuverlässige Aussagen über Gott machen zu können. Denn dann empfindet der eine Gott so und der andere so. Sofern Menschen sich an die Bibel gehalten haben, denke ich nicht unbedingt, dass jedes Jahrhundert mit einem sich verändernden Gottesbild lebte. Anders dagegen sieht es natürlich aus, wenn Menschen die Bibel nicht als die einzige Offenbarungsquelle ansehen, wie es ja heute der Großteil der Menschen tut. Natürlich hat ein Moslem ein völlig anderes Gottesbild als ein Christ. Natürlich verändert sich zwangsläufig das Gottesbild, wenn ein Mensch die Religion wechselt.

Die Fragen, die ich mir stelle sind diese: Woher weiß ich, dass mein Gottesbild richtig ist? Veränderungen hin oder her: Woher weiß ich, dass mein Gottesbild nicht lediglich ein Produkt meiner Phantasie ist?

Etwas störend empfand ich den Aufbau Ihres Buches. Nach jedem Ihrer 21 Kapitel, in denen Sie sich Gott unter einem jeweils anderen Aspekt annähern, empfehlen Sie biblische Verse die es gilt auswendig zu lernen und sie stellen Fragen um das zuvor Gelesene wiederholen und vertiefen zu können. Warum haben Sie gerade diese lehrbuchhafte Aufmachung gewählt?

Das hat den Hintergrund, dass meine Ausführungen auf eine Bibelstundenreihe in unserer Gemeinde zurückgehen. Ich wollte das Manuskript für die Gemeinde aufarbeiten und es als Schulungsmaterial für Hauskreise, Gruppen oder den persönlichen Gebrauch zur Verfügung stellen. Der Umfang ist jedoch so gewachsen, dass ein Buch daraus wurde. Der Leser muss nicht zwangsläufig die Verse auswendig lernen oder die Fragen aufarbeiten. Das bleibt jedem selber überlassen. Jedoch kann es für Gespräche in einer Gruppe oder für die persönliche Reflexion hilfreich sein.

Das Buch ist vom Thema her als eine Art Lehrbuch gedacht. Es enthält biblische Lehre, Theologie. Jedoch ist das Buch für Christen geschrieben worden, die bereit sind, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Sicher, wer leichte erbauliche Lektüre erwartet, der wird vielleicht enttäuscht sein. Obwohl ich natürlich stark hoffe, dass der Leser meine Ausführungen versteht, ohne vorher eine Bibelschule besucht zu haben. Sonst hätte ich mein Ziel verfehlt.

Ich selbst bin mit einigen ihrer Aussagen zu Gott nicht einverstanden. Habe aber Ihr Buch mit größtem Interesse gelesen. Wie kommt Ihr Buch draußen bei den Lesern an, welches Echo haben Sie bislang bekommen?

Bisher noch nicht allzu viel. Ihr Feedback gehört mit zu den ersten. Einige Leser haben mir einen guten ersten Eindruck geschildert, ohne das Buch bisher komplett gelesen zu haben. Ich warte deshalb noch ab und bin gespannt, was noch so an Reaktionen kommen wird.

Auch wenn ich einiges inhaltliches etwas anders sehe als Sie, glauben Sie Gott hat uns beide gleich gern?

Davon gehe ich doch mal aus 🙂 Wir dürfen ruhig Meinungsverschiedenheiten haben. Wichtig ist, dass wir immer wieder bereit sind unsere Meinung an Gottes Wort zu messen und uns auch korrigieren zu lassen. Und da muss ich genauso lernen, wie jeder andere auch.

Vielen Dank für das Interview.

Der Betanien Verlag stellt uns ein Buch zur Verlosung zur Verfügung. Wer also bis Sonntag 18 Uhr unter diesem Beitrag seinen Kommentar postet, hat die Chance dieses Buch zu gewinnen.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

Chris Fabry: Sinfonie des Himmels

sinfonie des himmels

Billy Allman ist nicht gerade das, was man einen Siegertypen nennt. Aus seiner erhofften großen Musikerkarriere ist nichts geworden. Nicht einmal eine Frau hat er abbekommen. Er scheint mit seinem kleinen privaten Radiosender nur so vor sich hinzudümpeln.

Glücklicherweise macht der Autor nicht die Mitleidsschublade auf. Er überzeugt mich vor allem mit seinen gewaltigen, zum Teil sogar biblischen Bildern in seinem Roman. Alles Unglück im Leben von Billy beginnt nämlich mit der Sintflut. Ein Damm in der Nähe des Wohnhauses, des damals noch kleinen Billy, hielt den Wassermassen nicht stand und nahm ihm die Lebensgrudlage. Billy sah zu, wie ihm die Wassermassen sein Haus und seinen Papa entrissen.

Eine sehr schöne Idee des Autors ist es den Engel Malachi in seine Geschichte miteinzubeziehen. Von Seite zu Seite gefällt mir die textliche Einmischung des Schutzengels immer besser. Durch ihn kommen Standpunkte und Ansichten außerhalb menschlicher Denkschablonen und Wertungen an die Öffentlichkeit, diese sind es wert, gehört zu werden.

Eine herrliche Geschichte, die sehr deutlich zeigt, worauf es im Leben eigentlich ankommt und die uns Menschen vor Augen führt: Bei Gott gelten andere Maßstäbe!

Gerth Medien, ISBN 978-3-865-91748-5, Preis 16,99 Euro

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized