Jürgen Mette: Alles außer Mikado

jürgen Mettealles außer mikado

Foto: Jürgen Mette (Quelle: Sasha Pfeffer)

In aller Offenheit schreibt Jürgen Mette von seinem Leben mit Herrn P. und meint damit Parkinson. Zu Anfang kam das Zittern, der Autor schob alles auf Überlastung im Beruf, wer kennt das nicht. Aber aus dem Zittern wurde mehr und Jürgen Mette beschreibt genau den Übergang vom sich was vormachen, bis hin zu ersten Arztbesuchen.

Komischerweise ist es kein trauriges Buch geworden. Klar, ist der Autor sauer, dass es ausgerechnet ihn getroffen hat, mehrere Seiten lang beschäftigt er sich mit Hiob und beinah humorvoll muten seine täglichen Kämpfe mit Herrn P. an. Der wohnt in ihm und der fordert immer mehr Raum. Manchmal gelingt dem Autor der Widerstand, aber einiges musste er bereits an Herrn P. abtreten.

Jürgen Mette ist in der christlichen Szene kein unbekannter Mann. Umso mutiger ist dieses Buch. Sich so zu outen, mit all seinen Schwächen, dies ist mutig, hat aber vielleicht auch etwas mit Gottvertrauen zu tun. Seine Sicht auf Gott hat sich verändert, aber seine Krankheit hat die Trennung oder eine Abkehr von Gott nicht geschafft!

Gerth Medien, ISBN 978-3-865-91762-1, Preis 14,99 Euro

Jürgen Mette hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Jürgen Mette, exakt heute geht Ihr Buch „Alles außer Mikado“ hinaus auf den großen deutschsprachigen Büchermarkt. Sie sind ein bekannter Mann in der christlichen Szene. Wie geht es Ihnen damit, dass nun auch der Letzte erfährt, dass Sie an Parkinson erkrankt sind?

Wenn die Lektüre einem Menschen wieder Mut und Hoffnung gibt, dann war nichts vergeblich. Diese Krankheit lässt sich ohnehin nicht verbergen.

Sie selber schreiben, dies Buch ist für Sie selbst wichtig. Was meinen Sie, warum sollten wir es Lesen?

Weil es ehrlich ist, zum Teil witzig, manchmal zum Weinen, aber immer zuversichtlich. Und weil es unverschämt zweifelt ….

Sehr genau beschreiben Sie, wie alles angefangen hat. Zunächst ein leichtes Zittern, dann mussten Sie Herrn P., wie sie ihn nennen, in sich selbst Einlass gewähren und Sie beschreiben Momente, in denen Sie alt vertrautes Terrain an diesen Herrn P. abgeben müssen. Was mir in Ihrem Buch fehlt, dass sind die Momente, in denen Sie mal so richtig stink sauer mit Gott und der ganzen Welt sind. Habe ich diese Stellen überlesen oder warum fehlen diese Textpassagen?

Da sollten Sie noch mal genau hin schauen. Ich klage heftig.

Wie lang leben Sie nun schon mit Parkinson und ist er täglich präsent und fordert immer mehr Terrain?

Keine Ahnung, wann das eigentlich angefangen hat. Ich bin seit bald vier Jahren unter Medikamenten. Wenn ich Stress vermeide geht es mir gut. Außer Mikado geht fast alles.

Sie haben eine starke Ehefrau an ihrer Seite, aber gibt es Augenblicke in ihrem Leben, in denen sie Ihnen beim täglichen Kampf mit Herrn P. nicht behilflich sein kann?

Sie baut mich total auf, mit Humor und Gebet, aber sie nimmt mir längst nicht alles ab. Sie scheucht mich vom Sofa zum Sport, sie macht mir Beine. Und das muss auch sein.

Ein Satz aus Ihrem Buch lautet: „Erst gottvergessen handeln und dann gottvermissend klagen.“ Wie hat sich Ihr Gottesbild seit dem Leben mit Parkinson verändert?

Meine ganze so sicher geglaubte Theologie ist auf den Prüfstand gekommen. Gott ist mir rätselhaft geworden, aber ich bin ihm näher als je zuvor.

Was wünschen Sie sich von Menschen, denen sie täglich auf der Straße begegnen und die Sie neugierig anschauen?

Noch schaut mich keiner neugierig an. Aber die Parkis erkennen sich am Gang, am Gesicht, am Arm der nicht schlenkert. Ich wünsche mir gar nichts von den Leuten, aber wenn mich einer zum Eis einlädt, bin ich dabei.

Am Anfang eines neuen Jahres wünscht man sich ein gesegnetes und gesundes neues Jahr. Würde dies bei Ihnen schief ankommen?

Kommt super an. Ich erzähle auch gern mal einen Parki-Witz.

Lieber Herr Mette, vielen Dank für das Interview und ein gesegnetes und gesundes neues Jahr! Wir hoffen sehr, Sie schenken uns diesen Parki – Witz !? Die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag steht für Sie bereit 😉

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Jürgen Mette: Alles außer Mikado

  1. Ich bin begeistert von Mettes Ehrlichkeit. Brigitte.kaempf@unitybox.de Und würde gerne ein Eis mit ihm essen. Habe seit 14 Jahren Parkinson und leite Verein e v a n d a in Frankfurt. Ich bitte um Email-Adresse von Jürgen Mette.

  2. Cornelia

    Dieses Buch ist so unbeschreiblich ermutigend, manchmal zum Wehnen, dann wieder zum Lachen. Ich habe seit 6 Jahren Parkinoson und habe es mit großem Gewinn gelesen. Viele eigene Gedanken fand ich darin wieder und ganz neue Denkansätze ebenfalls.
    Ich habe das Buch schon an etliche Freundinnen weitergegeben und alle fanden es großartig. Kürzlich – als ich mal wieder mit der Krankheit auf Kriegsfuß stand – zog eine Freundin ihr Notizbuch hervor und zitierte einen Absatz aus dem Buch, den sie sich notiert hatte. Das hat mich ein Stückchen aus dem Schlamm negativer Gedanken herausgezogen.
    Was ich mir sehr wünschen würde, wäre ein Forum von und für Christenzum Austausch über Parkinson . Es gibt ja so einiges an Selbsthilfegruppen und sicher auch Blogs – aber gerade der Austausch über das, was Herr P. mit unserem Glauben macht, und die gegenseitige Ermutigung das nicht zuzulassen – das wäre genial.

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