Andreas Münch: Der wahre Gott der Bibel

andreas Münchder wahre gott der bibel

Dem „wahren Gott“ ist der Absolvent der Bibelschule Brake in Lemgo auf der Spur. Mit großem Interesse habe ich mich auf dieses Buch gestürzt. Münch ist ein junger Theologe und manchmal dachte ich anfangs: „Neue Besen lehren gut!“, aber damit würde man der sehr disziplinierten Suche nach dem „wahren Gott der Bibel“ nicht gerecht werden.

In 21 Kapiteln nimmt sich der Autor jeweils einer ganz besonderen Seite Gottes an. Da finde ich unter anderem Gott ist offenbart – dreieinig – allmächtig – allgegenwärtig – treu … Münch zeigt, durch seine biblischen Zitate, er bleibt auf biblischen Kurs. Was mit hingegen nicht so sehr gefällt, ist der Aufbau dieses Buches. Am Ende eines jeden Kapitels werden Verse zum Auswendiglernen empfohlen und Fragen gestellt um das eben Gelesene zu vertiefen. Dies trägt Lehrbuchcharakter und sagt mir in Glaubenssachen nicht zu.

Inhaltlich stimme ich mit einigen Aussagen von Andreas Münch nicht überein, aber mit Interesse habe ich sein Buch doch gelesen. Er kritisiert Kirche, auch die ihm nahestehenden evangelikalen Gemeinden, weil sie heute zu viele Kompromisse eingehen. Für mich ist es spannend zu klären an welchen Stellen ich mit dem Autor übereinstimme und wann wir auseinandergeraten.

Auch wenn ich streckenweise nicht mit Andreas Münch auf gleicher Wellenlänge bin, sein Buch ist eine gute Anregung neu über Gott und mein Bild über ihn nachzudenken!

Betanien Verlag, ISBN 978-3-935-55846-4, Preis 10,90 Euro

Mit Andreas Münch hat buecheraendernleben dieses Interview geführt:

Lieber Andreas Münch, in Ihrem Buch „Der wahre Gott der Bibel“ schreiben Sie: „Sogar in evangelikalen Gemeinden werden bei biblischen Lehren an allen Ecken Kompromisse gemacht.“ Was sind Ihrer Meinung nach die schlimmsten Kompromisse?

Eines der größten Kompromisse ist meiner Beobachtung nach, dass oftmals die Verkündigung den Gottesdienstbesuchern zu sehr angepasst wird, so dass die Prediger sich scheuen unbeliebte Themen wie etwa die völlige Verdorbenheit des Menschen, Gottes Hass auf die Sünde, die Notwendigkeit der Umkehr von Sünden und die gnädige Erwählung Gottes in aller Deutlichkeit anzusprechen.

Viele der Predigten, die ich in den letzten Jahren gehört habe, waren dermaßen oberflächlich, so dass ich den Eindruck hatte, dass es dem Prediger letztlich egal ist, ob ich seiner Botschaft glaube oder nicht. Mir fehlt die Ernsthaftigkeit in der Verkündigung. Wir sind schließlich kein Verein, sondern die Gemeinde des lebendigen Gottes. Zumindest sagen und glauben wir das, aber in der Praxis sieht das oftmals anders aus.

Ein weiterer Kritikpunkt in Ihrem Buch ist, dass heute der liebende Gott immer mehr in den Fokus gerückt wird, dabei allerdings der strafende vergessen wird. Warum ist die Balance für uns heute so wichtig?

Balance ist ein gutes Stichwort. Ich bin mir durchaus bewusst, dass man von beiden Seiten vom Pferd fallen kann und auch ich stehe in der Gefahr in der Verkündigung zu einseitig zu sein. Da müssen wir alle aufpassen.

Die Liebe, bzw. der Zorn Gottes müssen im richtigen Verhältnis zueinander gesehen werden. Als Kind Gottes darf ich wissen, dass Gottes Liebe mir uneingeschränkt gilt – aber das bedeutet nicht, dass Gott deshalb Sünde in meinem Leben dulden würde. Deshalb korrigiert Gott uns, wenn wir uns zu weit von Ihm entfernen. Diese Züchtigung, wie wir sie z.B. in Hebräer 12,4-11 geschildert finden, gefällt uns als Menschen nicht, aber sie ist ein Zeichen der Liebe Gottes zu seinen Kindern. Als Kind Gottes muss ich keine Angst mehr vor Gottes endgültigem Zorn haben, der Sünder bestraft, da Jesus diesen Zorn bereits für mich erduldet hat. Als Kind Gottes darf ich Gott meinen Vater nennen und darf wissen, dass Seine Liebe mir ohne Bedingungen gilt.

Eine ganz andere Geschichte ist die Beziehung des Ungläubigen zu Gott. Die Bibel ist deutlich darin, dass der natürliche Mensch ein Feind Gottes ist, d.h. die Beziehung ist gestört und muss geklärt werden. Zwar stimmt es, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass Er Seinen Sohn sandte (vgl. Johannes 3,16) und das es Vergebung und Aufnahme gibt, aber dennoch dürfen wir nicht Ungläubigen einfach versprechen, dass sie Frieden mit Gott haben, solange die Frage der Sündenschuld vor Gott nicht geklärt ist. Oftmals wird zu Ungläubigen so gepredigt, als wenn sie bereits Kinder Gottes wären – und das halte ich für unbiblisch und unverantwortlich.

Natürlich muss man hierbei feinfühlig und mit gesundem Menschenverstand vorgehen. Die Wahrheit sollte immer mit Liebe gepredigt werden. Wir möchten schließlich Menschen für Christus gewinnen und sie nicht fertigmachen.

Die Menschen vor 1000 oder auch 2000 Jahren haben Gott sicher mit völlig anderen Augen gesehen als wir es heute tun. Lebt nicht jedes Jahrhundert mit einem sich verändernden Gottesbild?

Hierbei stellt sich mir die Frage, was mein Gottesbild prägt? Wenn ich die Bibel als Gottes Offenbarung an uns Menschen betrachte uns sie alleine mein Gottesbild prägt, dann gehe ich davon aus, dass Menschen, die ebenfalls dieselbe Grundlage haben, größtenteils das gleiche Gottesbild haben wie ich. Anders gesagt, ich gehe davon aus, dass ein Paulus, ein Johannes Calvin und ein heutiger Christ, im Großen und Ganzen dasselbe Gottesbild vertreten. Natürlich lehrt uns die Kirchengeschichte, dass es immer wieder Meinungsverschiedenheiten gab (und immer noch gibt), die unmittelbar das Gottesbild betrafen, wobei man sich aber wiederum Fragen muss, inwieweit die jeweiligen Meinungen der Bibel entsprechen?

Sobald wir die Autorität und Unfehlbarkeit der Bibel nicht mehr anerkennen, haben wir auch keinen Maßstab mehr, um zuverlässige Aussagen über Gott machen zu können. Denn dann empfindet der eine Gott so und der andere so. Sofern Menschen sich an die Bibel gehalten haben, denke ich nicht unbedingt, dass jedes Jahrhundert mit einem sich verändernden Gottesbild lebte. Anders dagegen sieht es natürlich aus, wenn Menschen die Bibel nicht als die einzige Offenbarungsquelle ansehen, wie es ja heute der Großteil der Menschen tut. Natürlich hat ein Moslem ein völlig anderes Gottesbild als ein Christ. Natürlich verändert sich zwangsläufig das Gottesbild, wenn ein Mensch die Religion wechselt.

Die Fragen, die ich mir stelle sind diese: Woher weiß ich, dass mein Gottesbild richtig ist? Veränderungen hin oder her: Woher weiß ich, dass mein Gottesbild nicht lediglich ein Produkt meiner Phantasie ist?

Etwas störend empfand ich den Aufbau Ihres Buches. Nach jedem Ihrer 21 Kapitel, in denen Sie sich Gott unter einem jeweils anderen Aspekt annähern, empfehlen Sie biblische Verse die es gilt auswendig zu lernen und sie stellen Fragen um das zuvor Gelesene wiederholen und vertiefen zu können. Warum haben Sie gerade diese lehrbuchhafte Aufmachung gewählt?

Das hat den Hintergrund, dass meine Ausführungen auf eine Bibelstundenreihe in unserer Gemeinde zurückgehen. Ich wollte das Manuskript für die Gemeinde aufarbeiten und es als Schulungsmaterial für Hauskreise, Gruppen oder den persönlichen Gebrauch zur Verfügung stellen. Der Umfang ist jedoch so gewachsen, dass ein Buch daraus wurde. Der Leser muss nicht zwangsläufig die Verse auswendig lernen oder die Fragen aufarbeiten. Das bleibt jedem selber überlassen. Jedoch kann es für Gespräche in einer Gruppe oder für die persönliche Reflexion hilfreich sein.

Das Buch ist vom Thema her als eine Art Lehrbuch gedacht. Es enthält biblische Lehre, Theologie. Jedoch ist das Buch für Christen geschrieben worden, die bereit sind, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Sicher, wer leichte erbauliche Lektüre erwartet, der wird vielleicht enttäuscht sein. Obwohl ich natürlich stark hoffe, dass der Leser meine Ausführungen versteht, ohne vorher eine Bibelschule besucht zu haben. Sonst hätte ich mein Ziel verfehlt.

Ich selbst bin mit einigen ihrer Aussagen zu Gott nicht einverstanden. Habe aber Ihr Buch mit größtem Interesse gelesen. Wie kommt Ihr Buch draußen bei den Lesern an, welches Echo haben Sie bislang bekommen?

Bisher noch nicht allzu viel. Ihr Feedback gehört mit zu den ersten. Einige Leser haben mir einen guten ersten Eindruck geschildert, ohne das Buch bisher komplett gelesen zu haben. Ich warte deshalb noch ab und bin gespannt, was noch so an Reaktionen kommen wird.

Auch wenn ich einiges inhaltliches etwas anders sehe als Sie, glauben Sie Gott hat uns beide gleich gern?

Davon gehe ich doch mal aus 🙂 Wir dürfen ruhig Meinungsverschiedenheiten haben. Wichtig ist, dass wir immer wieder bereit sind unsere Meinung an Gottes Wort zu messen und uns auch korrigieren zu lassen. Und da muss ich genauso lernen, wie jeder andere auch.

Vielen Dank für das Interview.

Der Betanien Verlag stellt uns ein Buch zur Verlosung zur Verfügung. Wer also bis Sonntag 18 Uhr unter diesem Beitrag seinen Kommentar postet, hat die Chance dieses Buch zu gewinnen.

Advertisements

4 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

4 Antworten zu “Andreas Münch: Der wahre Gott der Bibel

  1. Dem muss ich doch zustimmen, dass im Gottesdienst doch oft Gutwetterpredigten gehalten werden. Ja nicht anecken. Das ist sehr schade. Ich bin zum Glück in einer Gemeinde aufgewachsen, in der (nicht immer aber doch oft) Klartext geredet wurde. Das ist sehr wichtig! Das Buch hört sich sehr interessant an und kann sicher zu einer Bereicherung führen im Glaubensleben.

    • Adeline Warkentin

      Das Buch hört sich sehr interessant an. Ich denke es wird einen zum nachdenken bringen und auch die Ansichten auf manche Dinge vielleicht erweitern.

  2. Maria Lahnstein

    Sehr interessant ! Ich komme aus einer ganz anderen Richtung (katholisch) und da kenne ich das andere Extrem, dass ich bei anderen beobachten konnte.Man traut sich beinahe nicht mehr , auf Gottes Gnade zu hoffen, weil man sich samt seiner Sünden verdammt fühlt.

  3. tobey

    Ich habe noch keine Ahnung, was in dem Buch steht, würde es aber doch gerne mal lesen. Ich bin vor allem gespannt, wo sich mein Gottesbild mit dem von Andreas Münch unterscheidet. Ich bin bereit, mich herausfordern zu lassen !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s