Georg Schwikart: Abgekanzelt

georg schwikartabgekanzelt

Georg Schwikart (Foto: Rainer Maria Gassen)

Autor Georg Schwikart ist bereits als Kind in die katholische Kirche hineingewachsen. Heute sagt der vaterlos aufgewachsene Autor, dass er vielleicht einen Vaterersatz gesucht habe. Gefunden hat er ihn auf alle Fälle nicht. Seine katholische Kirche wurde ihm von Jahr zu Jahr immer enger und kleiner. Seine
Befreiung sah er darin, nicht aus der Kirche auszutreten, sondern lediglich in das evangelische Zimmer des großen Hauses Kirche hinüberzuwechseln. Der Autor spricht desöfteren in sehr schönen Bildern.

Dennoch ist es ein trauriges Buch. Zwar schreibt Schwikart ohne Groll und Zorn, aber besser macht dies die Beschreibung des derzeitigen Ist-Zustandes der katholischen Kirche auch nicht. Es sind die bekannten Themen die der Autor kritisiert. Und indem er mir mit seinem Buch zeigt, wie wichtig ihm diese Themen nach wie vor sind, zeigt er auch wie wichtig ihm die katholische Kirche geblieben ist. Für den Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, vielleicht ein nachdenklich machendes Buch? Der verweigerte Schwikart die Weihe zum Diakon.

Wer aber glaubt der Autor sei nun ein gebrochener Mann, der irrt gewaltig. Georg Schwikart engagiert sich weiter. In seinem Epilog, und diese Zeilen sind für mich Höhepunkt seines Buches, beschreibt er einen Pfingsttraum. Er zeichnet ein Idealbild von katholischer Kirche. So wird dieses Buch nicht zu einer Abrechnung. Der Autor hofft nach wie vor auf Veränderungen, er rechent vor allem mit mündigen Laien.

Dieses Buch hat Georg Schwikart sicher Mut und so manch schlaflose Nacht eingebracht, aber für die mitdenkende Christenheit ist „Abgekanzelt“ ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu Reformen und zur Ökumene!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08151-9, Preis 17,99 Euro

Georg Schwikart hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Georg Schwikart, soeben ist dein neues Buch erschienen. Es heißt „Abgekanzelt“. Wer hat dich abgekanzelt?

Der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner.

Was hast du Bösewicht denn angestellt?

Im Herbst 2010 sollte ich zum Diakon geweiht werden. Im Frühjahr 2010 veröffentlichte ich – gemeinsam mit meinem Freund Uwe Birnstein – ein Buch über Katholiken und Evangelische. Darin preisen wir die Vorteile der eigenen Kirche und kritisieren die andere. Und: Wir benennen den Reformbedarf der Heimatkonfession. Ich äußerte beispielsweise den Wunsch: Wir sollten in der katholischen Kirche darüber nachdenken dürfen, ob wir nicht auch Frauen für die Weihe zur Diakonin zulassen. Das war schon zu viel. Allein das reichte für Meisners Urteil, dass ich gar nicht katholisch sei. Er schloss mich von der Weihe aus.

Was mir an deinem, an sich traurigem Buch gefällt, du erzählst sachlich. Groll und Wut kommen so gut wie nicht vor bei dir. Wo lässt du mal so richtig Dampf ab über die Zustände innerhalb der katholischen Kirche?

Ich kann mich in mancher Diskussion schon aufregen, aber ich bemühe mich immer um Differenzierung. Es ist Unsinn zu sagen, die katholische Kirche sei weltfremd oder unmenschlich. Es gibt in der Tat Strukturen und Vorstellungen, die ich absolut ablehne, wie eben den Ausschluss von Frauen vom geistlichen Amt, wie den Zölibat oder die Distanz zur Ökumene. Aber! Es gibt in der katholischen Kirche auch gute und kluge Leute, Frauen und Männer aus den Gemeinden, auch Priester und Bischöfe, es gibt offene Klöster und überhaupt bewahrenswerte Traditionen.

Deinen Vergleich finde ich sehr schön. Du bist aus der katholischen Kirche ausgetreten, aber bist immer noch in der Kirche, halt nur im evangelischen Zimmer. Bist du dort glücklicher? Oder ist es letztlich für dich egal in welchem Zimmer du karteimäßig gemeldet bist?

Ja! Mir war das eine Zimmer immer schon zu eng. Ich war neugierig auf das ganze Haus der Kirche. Seit ich 14 bin, bin ich ökumenisch unterwegs. So war ich als Katholik bereits ein halber Protestant. Und nun habe ich als Protestant das Katholische nicht völlig abgelegt. Meine Kurzformel lautet: evangelisch im Kopf, katholisch im Bauch. Und auch die anderen Konfessionen habe ich besucht: Quäker und Anglikaner, Orthodoxe, Heilsarmee und Pfingstler …

In deinem Epilog beschreibst du einen Pfingststurm. Der lässt alles erschüttern. Die bislang blinden Mächtigen der katholischen Kirche werden plötzlich sehend. Warum hast du dieses Märchen oder ist es dein Wunschtraum, aufgeschrieben. Du glaubst doch wohl nicht selber dran?

Auch Träume schaffen Wirklichkeit! Sie setzen eine Zielmarke, auch wenn sie unerreicht bleibt. Eine offene katholische Kirche, die aus ihrer Erstarrung erwacht, tut allen Christen gut. Es ist wie mit dem Frieden: Gewalt wird es auf der Erde immer geben, solange Menschen leben. Aber wir müssen uns doch einsetzen für die Vision des Friedens. Krieg darf kein Mittel der Politik sein.

Überraschend hat der Papst seinen Rücktritt erklärt. Mal abgesehen von der Einzigartigkeit dieses Vorgangs in der Neuzeit, hast du noch immer Hoffnung auf reformerische Kräfte im Vatikan? Kann ein neuer Papst heute Reformen einläuten?

Er könnte, wie das damals Johannes XXIII. tat. Der berief ein Konzil ein. Aber der neue Papst wird das nicht tun. Vielleicht kommt ein Nicht-Europäer zum Zuge, der noch konservativer ist als Ratzinger. Ich fürchte, im Vatikan hat man die Glocken noch nicht läuten gehört. Wenn Bischof Müller von einer „Pogromstimmung“ gegen Katholiken spricht, dann zeigt das, man hat in Rom überhaupt keine Vorstellung davon, wie mit aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts kommuniziert werden kann. Schade! Aber das soll uns nicht davon abhalten, zu tun, wozu Jesus eingeladen hat: nämlich das Reich Gottes Wirklichkeit werden lassen. Das ist wichtiger als die Kirche.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Der Autor hat uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung gestellt. Wer also neugierig auf „Abgekanzelt“ geworden ist, der sollte bis Donnerstag 20 Uhr unter diesem Beitrag seinen Kommentar posten. Vielleicht bist Du ja dann der Glückliche!

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Georg Schwikart: Abgekanzelt

  1. Maria Lahnstein

    Da ich katholisch bin, interessiert mich das Buch sehr ! Allerdings habe ich als Frau kein Problem damit, nicht in ein geistliches Amt geweiht zu werden und noch eine andere Überlegung. Wenn die Katholische Kirche alles so machen würde, wie die Evangelische Kirche, dann wäre sie nicht mehr katholisch sondern evangelisch. Bei allen zu findenden Gemeinsamkeiten und auch bei den Unterschieden stellt sich für mich die Frage, welches der richtige Weg ist. Genau werden wir es wohl erst in der Ewigkeit wissen. Dabei achte ich den Weg und die Entscheidungen jedes Einzelnen und werde nie beurteilen, wer nun was richtig und falsch macht. Die ganzen Diskussionen um Zolibat, Abtreibung usw. vergessen ganz, dass die Katholische Kirche aufgrund ihrer Lehre (ich nenn das jetzt mal so als Nichttheologe) nicht anders entscheiden kann, wie sie es tut. Wem das nicht gefällt, dem steht ja frei einen anderen Weg zu gehen. Jeder Christ wird wohl sein Gewissen prüfen und den Weg gehen, den er für richtig hält.
    Ich selbst fühle mich sehr wohl in der Katholischen Kirche und Köln ist meine Geburtsstadt. Natürlich gibt es auch Dinge, die ich nicht in Ordnung finde (Mißbrauchsfälle z.B.) doch das muss man trennen und betrifft Menschen und nicht die Lehre der Kirche.
    Das Buch hört sich jedenfalls sehr interessant an und ich würde sehr gerne über die Unterschiede lesen. Es gibt auch von evangelischer Seite ein Buch eines evangelischen Pfarrers „Warum werden wir nicht katholisch ?“ Wenige Tage nach Veröffentlichung wurde der Pfarrer suspendiert von der Evangelischen Kirche.

  2. Sigrid Wink

    Mit den Religionen/Glaubensrichtungen ist es wie mit der Politik, alles hat ein Für und Wider.
    Ich bin kathiolisch, ja ich muß sagen von Geburt an, da mir der Glauben schon früh vermittelt und ich in ihm aufwuchs und mich geborgen fühle.
    Trotzdem habe ich vor 40 Jahren einen evangelischen Mann geheiratet, was bei vielen auf Unverständnis stieß. Mir war und ist nicht die Religionszugehörigkeit wichtig, sondern, dass er einen Glauben an Gott hatte. In dieser Ökumene fühlen wir uns immer noch wohl, jeder respektiert den Glauben des anderen und wir/ich ( mein Mann hat mich stets unterstützt und mir den Rücken freigehalten, damit ich auch in der Gemeinde mitarbeiten konnte) haben versucht unsere acht Kinder, die katholisch getauft und erzogen wurden, den Blick auch auf andere Religionen nicht zu verstellen. Doch vermisse ich bei der katholischen
    Kirche auch manchmal einen frischen Wind, der die Kirche belebt und aus ihrer Erstarrung weckt, gerade auch für junge Menschen wieder attraktiv macht, denn die Zeit schreitet fort und man kann nicht immer an althergebrachten Zöpfen festhalten. Es ist ja nicht der Glaube, der von vielen Infrage gestellt wird, sondern die Institution Kirche, in der mancherorts wirklich einige fähige Menschen arbeiten, deren Erfolge aber oft zunichte gemacht werden, da sie mit den starren Regeln nicht konform gehen.

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