Gerhard Engelsberger: Gemeinde

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Foto: Gerhard Engelsberger (Quelle: Gerhard Engelsberger)

In diesem dritten Band seiner Wanderung durch das evangelische Kirchenjahr, geht der Pfarrer Gerhard Engelsberger gemeinsam mit seinen Lesern den Weg von Ostern bis zum Ewigkeitssonntag.

Was mich an diesem Buch, aber auch an den beiden ersten Teilen fasziniert, dass ist ihre ungeheuere Lebendigkeit seiner Worte. Diese Lebendigkeit dringt vor bis in die Gegenwart und zeigt vor allem ich stehe nicht allein da mit meinen Empfindungen und mit meinem Glauben.

Der Autor berichtet von Alltagsbegebenheiten, erzählt aus seinen Jahren als Pfarrer und holt in sein Buch auch Theologen wie Jörg Zink und Dorothee Sölle mit hinein. Wie denken oder dachten sie über spezielle theologische Fragen? Engelsberger geht dem nach und lässt seine Kollegen auch selbst zu Worte kommen.

Immer mehr entpuppt sich dieser Wanderführer zu einer Fundgrube. Meditationen und Gottesdienstkonzepte laden ein sich zu bedienen.Da wo manch ein Laie oder auch kirchlicher Mitarbeiter nicht sicher auf eigene Worte vertraut, da kann er sich hier bedienen. Es kann neu sortiert und ergänzt werden.

Gerhard Engelsberger hat ein Werk geschaffen, welches wichtige Bausteine für Gottesdienste und Andachten liefert. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06188-7, Preis 19,99 Euro

Gerhard Engelsberger hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Gerhard Engelsberger, Ihr nun erschienenes Buch ist der dritte Band Ihrer Wanderung durch das Kirchenjahr. Wie kamen Sie auf die Idee, so eine Trilogie zu schreiben?

Das war zuerst keine eigene Idee. Ich hatte 2008 ein Buch zu Advent und Weihnachten geschrieben. Dann ergab sich die Fortsetzung (2011 Passion und Ostern) – und logisch – nun der Großteil des Kirchenjahres zwischen Himmelfahrt und Ewigkeitssonntag.

Oft bin ich erschrocken darüber, wie wenig sich Christen heute in unserem Kirchenjahr auskennen. Warum ist das so?

Nach meiner Überzeugung ist dies ein „Eigentor“ der Kirche. Es gab – und gibt noch – eine deutliche Vermittlungskrise, noch deutlicher: eine Unfähigkeit, über den eigenen Glauben zu sprechen. Theologische Wissenschaft ja, Bibel ja, aber über den eigenen Glauben zu reden, ist „peinlich“. Das leere Feld besetzten „freie“ evangelische Gemeinde und Fundamentalisten.

Ich und meine eigene Generation sind Traditionen misstrauisch begegnet. Das hatte bei der deutschen Vergangenheit seine berechtigten Gründe, führte aber nach dem „Traditionsbruch“ zu einer „Traditionsarmut“ oder „Traditionslosigkeit“. Nach über 60 Lebensjahren und 40 Jahren Dienst in der Kirche weiß ich: Traditionen halten oft heilend etwas zusammen, was auseinanderzubrechen droht bzw. „erinnerungsunfähig“ macht und den Umgang mit der eigenen Geschichte „outsourced“.

Warum ist es überhaupt wichtig, Farben und auch Bezeichnungen und Bedeutungen der einzelnen Sonntage zu kennen?

Farben und Namen sind nur Synonyme. Wir stecken mitten in einer tiefen Sinnkrise. Eine Kultur, die keine Mythen mehr hat, wird unsicher, verarmt, geht auf den Markt und sucht und winkt und schreit und rennt, sucht verzweifelt, macht auf sich aufmerksam, schlägt um sich und fügt sich selbst Schmerzen zu. Eine Kultur, die den Zugang zu den eigenen Mythen verweigert, verarmt, wird blutleer und stirbt aus.

Es ist also meines Erachtens nicht so wichtig, „auswendig zu lernen“, sondern die Be-„Deutung“ zu erfahren und Mythen nicht als „Ammen-Märchen“ zu verharmlosen.

In ihrem Buch sagen sie ganz viel durch selbst erlebte oder gehörte Geschichten. Sind erzählte Geschichten für den Glauben wichtig?

Nur erzählter Glaube ist biblischer Glaube. Die Bibel lebt ausschließlich davon, dass Menschen von den Erfahrungen erzählen, die sie mit dem Glauben machen bzw. gemacht haben. Jedes Gespräch, jede Predigt und jedes Buch ist eine Fortschreibung dieser „Erzählung“. Wird nicht mehr auf je neue Weise und „aufregend“ erzählt, wird die „story“ belanglos.

Aus ihrem Buch kann man Ideen schöpfen. Für Andachten und Familiengottesdienste sind wichtige Tipps und Konzepte dabei. Was glauben sie: Gehört den Laien die Zukunft in der Verkündigung?

Ja und nein.

Ja deshalb, weil die evangelische Kirche bis auf wenige Zeiten diesem qualitativen Unterschied zwischen „Klerus“ und „Laien“ immer widersprochen hat. Der Glaube wird nicht durch uns Theologen zur Tradition, sondern durch das Erzählen von Eltern und Großeltern, Paten und Mitarbeiterinnen in den Gemeinden und durch ein schlichtes, im Alltag gelebten „Bekenntnis“.

Nein deshalb, weil das Fundament unseres Glaubens, die Bibel und darin die Erzählungen von Jesus Christus verlangen, dass Menschen sich kundig machen. Das beginnt bei den Sprachen (Hebräisch und Griechisch) und endet bei schwierigsten ethischen Fragen (Gentechnologie u.ä.). Kirche muss wissenschaftlich durch ihre Theologinnen und Theologen auf der Höhe der Zeit sein, überzeugende Antworten auf alte und immer wieder neue, veränderte und weiter gewachsene Fragen geben können. Deshalb stellt die Kirche sozusagen ihre Pfarrerinnen und Pfarrer, Theologinnen und Theologen von Arbeiten frei, damit sie sich für die Gemeinde und mit der Gemeinde kundig machen.

Kluge Theologen rufen allerdings die Lebens- und Glaubenserfahrung der Laien immer wieder als Korrektur eigener Gedanken ab bzw. bitten um Mitarbeit und gedanklichen Austausch.

So liegt wie in der Vergangenheit auch in der Zukunft die „Verkündigung“ bei beiden. Würde das eine oder das andere ausgeschlossen, landet die Kirche in einer sektiererischen Ecke. Das wäre nicht nur das Ende protestantischer Freiheit, sondern auch das Ende der Glaubwürdigkeit.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Gütersloher Verlagshaus stellt buecheraendernleben ein Exemplar dieses Titels als Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer also bis Sonntag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, kann zu den Gewinnern gehören. Wer mir noch nicht seine Postadresse mitgeteilt hat, darf dies gern nachholen, bitte an meine Mailadresse im Impressum. Viel Glück!

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Gerhard Engelsberger: Gemeinde

  1. Maria Lahnstein

    Das Kirchenjahr hat mich auch schon immer fasziniert. Allerdings kenne ich nur die katholische Seite, das Kirchenjahr aus evangelischer Sicht finde ich sehr interessant.

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