Holger Witzel: Gib Wessis eine Chance

Holger Witzelgib wessis eine chance

Holger Witzel (Foto: Natalia Laska)

Nach „Schnauze Wessi“ setzt die Leipziger Biene Holger Witzel ein Jahr später noch eins drauf. Mit „Gib Wessis eine Chance“ pieckt er in so manch einen emotionsgeladenen Gefühlsstau und provoziert bei seinen Lesern Meinungen, die es dringend bedarf miteinander ins Gespräch zu kommen.

Dieses Buch nimmt politische Geschehnisse des letzten Jahres aufs Korn. Nach meinem Empfinden ist Witzel tiefschürfender an den Themen dran als noch im Vorjahr. In einer Kolumne stellt er die Ausgangslage der Diskussion sehr gut dar. Da ist auf der einen Seite ein so ziemlich beieinander stehendes westdeutsches Volk und da ist auf der anderen Seite ein in weit mehr als zwei Gruppen geteiltes ostdeutsches Volk. Allein dieser Dialog beherbergt jede Menge Sprengkraft.

Interessant ist bei diesem Büchlein für mich auch die Entdeckung, dass der Autor viele Kommentare zu seinem ersten Buch hier mit verarbeitet. Manche zeigen wie sich die Ost – West – Debatte doch auch immer mehr versachlicht, natürlich wird die Kultur des Ossi – Wessi – Streits hier auch ein wenig gehegt und gepflegt. Ein wenig darf ja wohl auch gelacht werden?

Für mich bleibt es unverständlich warum so viele Jahre nach der Wende, einige in Ost und West sich noch immer unversöhnlich gegenüberstehen. Bleibt uns Bürgern in diesem Jahr ja noch das demokratische Mittel Bundestagswahl. Wir sollten unsere Politiker vor der Wahl genau prüfen ob sie uns auch als Volk so regieren, dass endlich zusammenwächst was zusammengehört.

Ich hoffe im Februar 2014 auf ein weiteres Leseabenteuer von Holger Witzel!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-066442-4, Preis 14,99 Euro

Holger Witzel hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Vor einem Jahr haben Sie mit „Schnauze Wessi“ einen Supertitel hingelegt. Jetzt treten Sie mit „Gib Wessis eine Chance“ wieder ins Rampenlicht. Sind Sie wirklich ein „Spalter, Hetzer und Zonenlümmel“ wie einige behaupten?

„Zonenlümmel“ fand ich nicht so treffend. Die anderen Titel schmeicheln mir zwar, aber überschätzen den Einfluss, den ein kleiner Lohnschreiber hat. Die Spaltung Deutschlands ist auch ohne meine Sticheleien groß genug, wenn man sich etwa Löhne und Vermögen anschaut, nicht mal nur im Ost-West-Vergleich. Ehrlich gesagt halte ich die sogenannte soziale Marktwirtschaft – zumindest, wie wir sie in den letzten Jahren kennen lernen durften – für eine ziemlich verlogene Phrase. Ein echter Hetzer hätte da leichtes Spiel. Ich dagegen stehe ja nur in der Satire- und Geschenkbuch–Ecke.

Ihr Buch ist eine Sammlung aus Sternkolumnen die regelmäßig erscheinen. Warum werden Ossis und Wessis nicht warm miteinander?

Keine Ahnung, vielleicht weil der kalte Krieg noch länger dauerte? Auf der anderen Seite müssen ja auch nicht immer alle sofort warm miteinander werden. Vereinzelt gibt es Freundschaften, selbst bei mir immer noch. Aber womöglich war es gerade eines der Grundmissverständnisse, dass sich Ost- und Westdeutsche sofort wieder so gut verstehen würden wie vor dem Krieg. So gesehen ist es vielleicht sogar ganz gut, wie es ist. Wenn Gefühle füreinander nur in Sonntagsreden beschworen werden, hält das dem Alltagstest die Woche über oft nicht stand. Mit Europa ist das ja auch nicht so einfach. Bei übertriebener Propaganda, wenn sich die Leute veralbert vorkommen, schlägt das auch schnell ins Gegenteil um.

Manchmal sind es ganz handfeste Gründe die uns trennen. Manchmal aber auch nur ganz feine emotionale Sachen. Glauben Sie, dass sich diese Trennlinie zwischen Ost und West eines Tages überlebt?

Ich hoffe nicht! Also, handfest muss es von mir aus nicht werden, aber die kleinen feinen Unterschiede genieße ich schon noch sehr. Gerade weil sie nicht immer einfach zu benennen sind, mache sie Spaß. Artenvielfalt halte ich überhaupt für einen kulturellen Reichtum. Wenn sich alle wie Westdeutsche benehmen würden, könnten ja nicht mal mehr Ostdeutsche über sich selber lachen.

Ihr Kolumnen kann man nicht einfach so lesen und schön finden. Man hat ganz einfach eine Meinung dazu. Mit welchem Ziel provozieren Sie?

Das ist eine gemeine Frage. Natürlich möchte ich ins Schwarze treffen, am besten das Schmerzzentrum. Leider geht das manchmal im Gelächter unter. Bei Lesungen freue ich mich zwar auch über Lacher, aber zustimmende Schenkelklopfer haken die Dinge auch oft zu schnell ab. Noch mehr freue ich mich, wenn sich jemand ärgert und dann vielleicht merkt, dass es eben nicht nur um reine Provokation geht. Dass sich nicht alles als Polemik wegwischen lässt. Es ist ja trotzdem eine journalistische Form, nicht nur Quatsch. Ab und zu bleibt etwas hängen, dann haben sogar Westdeutsche die Chance, etwas zu verstehen.

Aller guten Dinge sind Drei. Wie wird Ihr Buch im Februar 2014 heißen?

Das weiß ich nicht. Dann steht die Mauer schon 25 Jahre nicht mehr und trotzdem wird es sich im Osten anfühlen wie 1993: Ob Grundstücke oder Wirtschaft, Justiz oder Verwaltung, die Deutungshoheit über Geschichte oder aktuelle Themen in den Medien – alles ist nach wie vor fest in westdeutscher Hand oder von deren stumpfsinniger Wachstums-Kultur geprägt. Daran ändern auch ein paar Alibi-Posten an der Bundesspitze nichts, im Gegenteil. Insofern scheint das Thema kein abgeschlossenes Sammelgebiet zu sein. Es wird dadurch aber auch nicht lustiger. Deshalb halte ich irgendwann vielleicht auch wieder selbst die Schnauze. Es ist ja eigentlich nicht unsere Art, andere ständig zu belehren. Vor allem, wenn es keinen Zweck hat.

Autor Holger Witzel schenkt einem Gewinner ein signiertes Buch. Also einfach einen Kommentar bis Dienstag 20 Uhr unter diesem Beitrag posten und mit ein wenig Glück bekommst Du das Buch. Viel Glück!

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Holger Witzel: Gib Wessis eine Chance

  1. Stella Billaudel

    Ich have das erste Buch mit großem Interesse , Kopfschütteln und lachen und Kopfnicken gelesen. Wohne in Schweden aber meine Eltern sind deutsche. Mutti aus Wittenberg Vater aus Bad Ems. Verwandter hier und dort.
    Habe dem neuen Buch entgegengefiebert
    Danke Holger Witzel für ihre einleuchtenden und humorvollen Büchern. Weiter so.!!

  2. Adeline Warkentin

    Ich persönlich interessiere mich sehr für Geschichte und Politik, was die meisten in meinem Alter leider nicht tun. Aber vorallem in einer Zeit wie dieser, finde ich das es wichtig, sich zu informieren und dann auch seine eigene Meinung zubilden.
    Das Buch hört sich sehr gut an und finde die Thematik sehr interessant.

  3. Esther M.

    Klingt lustig & ansprechend! Ich bin dabei bei der Verlosung! 🙂

  4. Das erste Buch habe ich mit Stirn runzeln, Kopfnicken und sehr zur Verwunderung meiner Banknachbarn mit lachen nicht nur schmunzeln gelesen. Ich ein Kind der DDR Jahrgang 1951 – 1987 ausgebürgert quasi weggejagt – weil ich doch diese und jene unbequeme Frage hatte. Bis seit Beginn meiner „Wossi“ Karriere in Bayern ansässigund, ich habe sehr viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, gegen Vorurteile aller Art ankämpfen müssen – nun seit 2011 bin ich mit eine Ur-Bayerin verheiratet…. oh je da prallten doch Welten aufeinander – doch jetzt kommt es wie es kommen muss … mein Stiefsohn heiratet im Juni auch ein Mädel aus der DDR …. friedliche Übernahme einer total bayerischen Familie und eins hab ich festgestellt unsere Unbekümmertheit ….kommt gut an in dieser bayerischen Familie 😉
    Ich freue mich auf das neue Buch, muss morgen ins KH das wär wohl die richtige Lektüre oder? — Lachen ist gesund.

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