Rainer Buck: Fjodor M. Dostojewski

rainer buckfjodor dostojewski

Der Autor beginnt das Leben Dostojewskis ausgerechnet mit dem 22. Dezember 1849. Das ist der Tag, an dem der russische Dichter seinem Tod so nah ist, wie nie zuvor. Er wurde zum Tode verurteilt und in letzter Sekunde vom Zaren begnadigt.

Erschossen wird Dostojewski zwar nicht, dafür muss er aber für Jahre in die Verbannung. Bei seiner Ankunft in Sibirien überreicht ihm eine unbekannte Frau ein Neues Testament. Dies ist der Beginn an dem Dostojewski sich von Jesus Christus ansprechen lässt. Noch oft in seinem Leben wird der spielsüchtige Dichter mit all seiner Unvollkommenheit und seiner Krankheit vor Gott liegen und ein Weiterleben erscheint ihm nur möglich, weil er von der Hoffnung Gottes zehrt.

Ganz leicht ist diese einzigartige Dostojewski Biografie nicht zu lesen. Rainer Buck verfolgt gleich mehrere Erzählstränge. Er erzählt aus dem bewegten Leben des Dichters. Er geht auf alle großen Romane des Russen ein und schildert wann und unter welchen Umständen diese entstanden sind. So hat Dostojewski seine „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ beispielsweise als Verarbeitung seiner Verbannungszeit in Sibirien geschrieben. Buck schildert auch, wie die einzelnen Romane beim russischen Leser ankommen, politisch waren die 60er und 70er Jahre des 19. Jahrhunderts ja nicht ungefährlich. Besonders spannend sind auch des Autors Schilderungen, wie Dostojewski zum Glauben an Gott steht und wie sich dieses Verhältnis mit den Lebensjahrzehnten des Dichters weiterentwickeln.

Dabei dürfte es äußerst interessant zu lesen sein, wie hoch aktuell Dostojewskis Versuche sind Gott in den Lebensalltag hineinzuholen. Manchmal klingt es unwahrscheinlich, dass rund 150 Jahre zwischen Dostojewski und uns heute liegen. Sehr präzise formuliert der Autor Dostojewskis Ansichten über einen Christenmenschen in seiner Gesellschaft.

Dostojewskifreund Rainer Buck outet sich spätestens mit diesem Buch als Dostojewskikenner und macht auf den russischen Dichterfürsten neugierig!

Brendow, ISBN 978-3-865-06458-5, Preis 14,95 Euro

Rainer Buck hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Rainer, Du bist schon lange in Dostojewski verliebt. Wann hat Deine Liebe zu ihm begonnen?

Hast Du den Eindruck, dass ich wie ein Verliebter über ihn schreibe? Ich muss allerdings schon bekennen, dass meine erste Lektüre der „Brüder Karamasow“ mich gepackt hat wie bis dahin kein anderer Roman. Da war ich etwa 20. Aber es hat dann trotzdem noch einige Jahre gedauert, bis ich weitere Bücher von ihm las und mir den „Karamasow“-Roman noch einmal vorgenommen habe. Für Dostojewskis Lebensgeschichte habe ich mich erst relativ spät interessiert. Aus heutiger Sicht denke ich, dass man zu manchen Werken vielleicht erst den Schlüssel findet, wenn man mehr über die Lebensgeschichte des Verfassers weiß.

Heute erscheint im Brendow Verlag Dein Dostojewski Buch. Wer sollte es lesen und was hat uns dieser alte russische Schriftsteller heute noch zu sagen?

Es ist ein hoffentlich anschauliches Buch für jeden, der Dostojewski von seiner persönlichen Seite her kennenlernen und etwas über den Hintergrund seines Schaffens erfahren will. Vielleicht ist es sogar eine anregende Lektüre für Leute, die vor den dicken Dostojewski-Romanen kapitulieren. Ich habe natürlich versucht, deren Essenz einzufangen. Außerdem gleicht Dostojewskis Leben in seiner Dramatik stellenweise einem Roman. Dass er heute noch relevant ist liegt daran, dass er sich mit Fragen beschäftigt, die zeitlos sind. Dostojewski stößt in die Seelentiefen vor, die durch Modewellen und Zeitgeist nahezu unangetastet bleiben. Der „alte Adam“ steckt ja in uns allen. Die Chance ist gut, dass ein Leser in Dostojewskis vielschichtigen Figuren etwas von sich selbst entdeckt. Und interessanterweise ist dabei jede seiner Figuren eine potentielle Fundgrube. Es gibt keine Sortierung nach Schwarz und Weiß. Man wird mit Abgründen genauso wie mit Idealen konfrontiert.

Auf für mich beeindruckende Weise schreibst Du Dostojewskis Leben auf und verbindest seine Romane sehr direkt mit seinem Leben. Woher hast Du all das Wissen, was fasziniert Dich so an Dostojewski?

Zumindest Dostojewskis Hauptwerke hatte ich gelesen. Da ist viel hängengeblieben. Was sein Leben betrifft, kann man auf gute Literatur zurückgreifen. Spannend sind die hinterlassenen Briefe und auch das, was Zeitgenossen über ihn schreiben. Den letzten Kick bekam das Projekt durch meine Mailbekanntschaft mit dem Mann, der die umfangreichste deutsche Dostojewski- Homepage unterhält ( http://www.dostojewski.eu). Mit Klaus Trost pflege ich seither einen lebhaften Gedankenaustausch. Er geht auf eine sehr gute Weise respektlos mit Dostojewski um. Ich finde es in der Tat angemessen, Dostojewski nicht auf einen Sockel zu stellen. Das Staunen ist umso größer, wenn man sieht, dass hinter diesen als Weltliteratur anerkannten Werken ein verunsicherter, verzweifelter, um Liebe und Anerkennung flehender Mensch mit schwierigen Charaktereigenschaften steckt. Dostojewski hätte aufgrund seiner Biografie und den vielen Enttäuschungen, die er verarbeiten musste, als Verbrecher enden können. Stattdessen hat er aus den persönlichen Tragödien Stoff für Bücher gesammelt. Die Kraft dazu schöpfte er in den kritischsten Phasen seines Lebens aus dem Glauben. Es ist ein Glaube, der immer wieder durch das Feuer des Zweifels geht. Ich kenne keinen Schriftsteller, der wie Dostojewski bis zur Schmerzgrenze den eigenen Glauben hinterfragt. Gleichzeitig gibt es kaum einen, der so offen Jesus Christus als seine einzige und letzte Hoffnung beim Namen nennt. Den Bezug zwischen Biografie und Werk muss man bei Dostojewski nicht suchen und konstruieren, auch wenn er nicht immer so offensichtlich ist wie im Fall des Romans „Der Spieler“, in dem er seine eigene Spielsucht spiegelt.

Es ist nicht Dein erstes Buch. So ganz nebenbei gehst Du auch noch arbeiten und hast eine Familie. Wieviele Stunden hat Dein Tag?

Manchmal nicht genug, wobei ich ja nur phasenweise viel Zeit fürs Schreiben investiere. Meist Abendstunden. Dafür bin ich relativ uninformiert in Bezug auf Dschungelcamp und ähnliche Beiträge zur Kulturgeschichte. In einem Buch steckt zwar einiges an Arbeit, aber ich sehe diese durchaus als einen Ausgleich zum Beruf. Das ist bei den meisten Autoren so, denn kaum einer lebt ja wirklich vom Bücherschreiben.

Vielleicht wirst Du spätestens jetzt mit diesem Buch Millionär. Aber was war die eigentliche Motivation für Dich, so ein zeitaufwendiges Buchprojekt in Angriff zu nehmen?

Ich habe mir bisher den Luxus geleistet, nur Bücher zu schreiben, die aus eigener Begeisterung oder Neugier heraus geboren wurden. Da besteht wohl nicht einmal die Gefahr, dass der Verlag damit reich wird, vom Autor ganz zu schweigen. Wichtig ist mir, dass die Zeit, die ich mit Schreiben verbringe, gut verbrachte Zeit ist. Zeit, in der ich bei mir selbst bin und es vielleicht sogar schaffe, mir Gottes Gegenwart bewusst zu sein. Im Idealfall kann daraus etwas entstehen, das mit einem besonderen und eigenen Klang bei anderen Menschen ankommt. Manchmal wird ja schon ein gelassener und unangestrengter Ton dankbar registriert und als wohltuend empfunden.

Wenn jemand Rainer Buck heißt, dann hat er garantiert schon längst neue Pläne im Kopf. Magst Du uns etwas davon verraten?

Jetzt bin ich erst einmal gespannt, wie die Dostojewski-Biografie aufgenommen wird. Ein bisschen hoffe ich zudem, dass damit mein Roman „Aljoscha“ nochmals Aufmerksamkeit erhält. Das ist ja sozusagen meine persönliche moderne Leicht-Variante eines Dostojewski-Romans. Neue Pläne müssen nicht unbedingt neue Bücher sein. Ich hätte Lust und Material für Lesungen, Vorträge oder andere literarische Begegnungen. Total geehrt hab ich mich gefühlt, aufgrund meiner letztes Jahr erschienenen Karl-May-Biografie vom Förderkreis des Karl-May-Museums in Radebeul eine Einladung erhalten zu haben. Dort werde ich diesen Herbst etwas über die überraschend vielen Parallelen zwischen May und Dostojewski sagen, die ich auf dem Weg zu meinen beiden Biografien entdeckt haben.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Der Brendow Verlag hat uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung gestellt. Wer als bis Samstag 20 Uhr unter diesem Beitrag seinen Kommentar postet, hat die Chance dieses Buch von Rainer Buck zu gewinnen. Viel Glück!

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Rainer Buck: Fjodor M. Dostojewski

  1. Wir haben im Sommer eine kleine Kreuzfahrt über die Ostsee unternommen. Dabei wurde jeden MOrgen etwas von Dostojewski vorgelesen.
    Ansonsten ist mir der Schriftsteller noch ziemlich unbekannt und ich würde sehr gern das Buch lesen.

  2. Das hört sich ja unwahrscheinlich interessant an und würde bestimmt auch mein Mann lesen, der Historiker ist. Also, falls ich mal wieder das Buch gewinnen sollte :), wäre ich begeistert und hätte mal was wieder was gutes zu Lesen. Hört sich zumindestens sehr spannend an.
    Liebe Grüße Febe

  3. Adeline Warkentin

    Das Buch hört isch wirklich interessant an. Ich würde es gerne lesen und mehr über den Mann erfahren.

  4. Mich würde das Buch ebenfalls interessieren. 🙂

  5. Ich habe es mal mit Dostojewski versucht. Trotz Begeisterung habe ich es noch nicht geschafft, ein Werk von ihm zu Ende zu lesen. Vielleicht kann diese Biografie erneut motivieren.

  6. Esther M.

    Ich möchte schon richtig lange mal was von und über Dostojewski lesen und würde mich daher sehr über das Buch freuen 🙂

  7. Monika

    Das hat mir richtig Lust gemacht, mal wieder etwas von Dostojewski zu lesen – aber erst nach der Biographie 😀

    Klasse fand ich übrigens auch den Ausspruch: „Dafür bin ich relativ uninformiert in Bezug auf Dschungelcamp und ähnliche Beiträge zur Kulturgeschichte.“ Geht mir genauso – und macht den Autor in meinen Augen richtig sympathisch 🙂

  8. Irene Warkentin

    Die Biografie von Fjodor M. Dostojewski! Wunderbar, dass es jetzt eine Biografie gibt. Ich bin sehr gespant auf das Buch.

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