Birgit Gassmann: Vertauschte Leben

Birgit Gassmannvertauschte leben

Foto: Birgit Gassmann

Endlich mal wieder eine deutsche Autorin die mit einem Buch aufwartet, dass Herz und Verstand des Lesers herausfordert.

Vor genau 17 Jahren wurden auf einer Säuglinsstation zwei gesunde Knaben durch einen Fehler der Krankenschwester einfach vertauscht. Lange weiß niemand etwas von diesem Ereignis. Erst durch den Unfall des einen Jungen kommt die Geschichte ins Rollen. Der verletzte braucht eine Blutspende und dabei stellt sich heraus, er kann mit seiner Blutgruppe nicht das Kind seiner Eltern sein.

Gewünscht hätte ich mir, dass die englischen Sätze im Buch übersetzt worden wären. Außerdem mag ich es nicht, wenn in einem Roman immer wieder etwas in Klammern geschrieben wird. Oft lassen sich diese einfach durch ein Komma ersetzen und der Lesefluss bleibt erhalten.

Aber nicht einmal diese Kritikpunkte schaffen es, mir den Lesespaß an diesem Buch zu nehmen. Birgit Gassmann versteht es ihre Leser mit Spannungselementen zu foltern. Dabei geht sie aber auch sehr behutsam mit ethischen Fragen um. Was zählt mehr, die Blutsverwandtschaft oder die jahrelange Liebe der Eltern zu ihrem Kind? Erhöht wird diese Dramatik noch dadurch, dass einer der Jungen im Kindesalter an Hirnhautentzündung erkrankt ist und seit dieser Zeit behindert ist.

Birgit Gassmann beschreibt in ihrem Debütroman sehr gefühlvoll wie sich beide Familien aufeinander zubewegen. In literarisch sehr schöner Form lässt sie ihre Leser über Familie, Liebe und Verantwortung nachdenken!

Gerth Medien, ISBN 978-3-865-91749-2, Preis 14,99 Euro

Birgit Gassmann stellte sich nun den Fragen von buecheraendernleben:

Liebe Frau Gassmann, in diesen Tagen erscheint Ihr Debütroman. Wie fühlen Sie sich, haben Sie Lampenfieber?

Um ganz ehrlich zu sein, kein bisschen. Irgendwie ist Deutschland doch weit entfernt von meinem normalen Leben. Und hier beschäftigen mich natürlich ganz andere Dinge.

Im Buch erfahre ich, dass Sie in Jordanien leben. Sie arbeiten dort mit jungen Erwachsenen mit geistiger Behinderung. Wie hat es Sie ausgerechnet nach Jordanien verschlagen?

Man könnte sagen, Gott hat mich hierher verschlagen. Ich hatte mich ja für Sonderpädagogik als Berufsziel entschieden. Und irgendwann dachte ich mal: ‚Komisch, ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, Gott zu fragen, was er sich vielleicht so für mein Leben vorgestellt hat.‘ Von da an hab ich gebetet: „Herr, zeig mir doch, wenn du noch anderes für mein Leben vorhast.“ Und natürlich habe ich überall Augen und Ohren offengehalten, um zu sehen, was er denn wohl antwortet.

Dann habe ich 1987 eine Freundin in Amman besucht, und neben den touristischen Plätzen wollte ich gerne mal sehen, was man denn dort in Sachen Sonderpädagogik macht. Ich hab ein paar Zentren für geistig Behinderte besucht und überall war es das gleiche Bild: Schüler und Lehrer saßen größtenteils nur herum, weil keiner so recht wusste, was man denn machen kann. „Gib uns doch mal ein paar Tipps“, wurde ich überall gebeten. Nun ja, mit „ein paar Tipps“ kann man natürlich keinen Unterricht machen. Aber mit meiner Frage an Gott im Hinterkopf habe ich bei jedem Besuch immer wieder gedacht: ‚Ist es das, was du für mich vorhast? Dann öffne du mir bitte auch die Türen.‘

Tja, und dann ergaben sich so viele „offene Türen“, dass ich ein Jahr später meine Arbeit in Deutschland gekündigt habe und nach Jordanien gezogen bin.

Ihre Story im Buch hört sich so verrückt und spannend an, haben Sie wirklich schon einmal gehört das so etwas passiert ist?

Nein, das hab ich alles frei erfunden. Das darf ich ja als Romanautorin glücklicherweise.

Was zählt für Birgit Gassmann mehr, Verwandtschaft oder Liebe?

Das würde ich niemals generell auseinander oder gar gegeneinander halten wollen. Aber mal ein Beispiel: ich liebe meine Familie in Deutschland sehr. Ich liebe aber auch meine Schüler und meine Freunde hier in Jordanien sehr. Und obwohl ich meine Familie oft vermisse, bleibe ich aus Liebe zu meinen jordanischen Freunden hier. Beantwortet das Ihre Frage? Ich glaube nicht. Kann ich Ihre Frage überhaupt beantworten?

Ich geb es zu, vielleicht war meine Frage gemein.

Wird das Bücher schreiben ab jetzt zu Ihrem Leben dazu?

Das Bücherschreiben gehört schon immer zu meinem Leben. Ich schreibe einfach gern, und Geschichten zu erfinden, ist ja auch ein netter Ausgleich zum normalen Leben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gerth Medien hat buecheraendernleben ein Verlosungsexemplar dieses Titels zur Verfügung gestellt. Wer seinen Kommentar bis Montag unter diesem Beitrag postet, ist bei der Verlosung mit dabei. Viel Glück“

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Birgit Gassmann: Vertauschte Leben

  1. Was muss das für unbeschreibliche Gefühle bei den Kindern und Familien auslösen. Unbeschreiblich! Habe gerade einen Film mit dieser Thematik gesehen und war selber tief bewegt. Möge es sowenig Menschen wie möglich passieren!

  2. Esther M.

    Das Thema ist nicht ganz neu, aber die Umsetzung klingt gelungen – würde mich gern selbst davon überzeugen! 😉

  3. Maria Lahnstein

    Ein sehr bewegendes Thema

  4. Adeline Warkentin

    Ich habe ich schon am Anfang des Jahres gefreut, dass das Buch rauskommen wird. Meiner Meinung nach ein sehr interessantes aber auch bewegendes Thema. Muss unbedingt mal lesen.

  5. Lea

    Ein aktuelles Thema: Bei Schwierigkeiten mit den Eltern fragen sich sicher manche Kinder, ob sie nicht im Krankenhaus vertauscht worden sind. Umso schlimmer, wenn es wirklich passiert. Sicher ein schwieriges Thema, auf dessen Umsetzung ich sehr gespannt bin. Auch der Junge, der als Kind an einer Hirnhauterzündung erkrankte klingt als Nebencharakter interessant.

  6. Irene Warkentin

    Finde das Buch sehr interessant. Bin gespannt, wie die Eltern das Problem gelöst haben.

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