Markus Baum: Eberhard Arnold

markus Baumeberhard Arnold

Foto: Markus Baum

Um es ganz ehrlich zu sagen, der Name Eberhard Arnold hat mir bislang nichts gesagt. Da ich von Markus Baum bereits seine Biografie über „Jochen Klepper“ gelesen hatte und begeistert war, wagte ich mich nun auch an dieses Buch. Wieder schafft es der Autor eine seit Jahrzehnten nicht mehr lebende Persönlichkeit farbig und lebendig zu schildern.

Als eine wichtige Figur der Kirchengeschichte lerne ich Eberhard Arnold im Buch kennen. In seinen 17 Kapiteln lerne ich den 1883 geborenen Theologen von verschiedenen Seiten zu sehen. Es berührt mich als Leser sehr, als ich erfahre, dass das was Arnold einst begann noch heute blüht und gedeiht.

Eigentlich beschreibt Markus Baum zwei spannende Geschichten in seinem Buch. Da ist die Lebensgeschichte eines jungen aktiven Theologen zu Beginn des letzten Jahrhunderts und da ist der ebenso spannende Blick in die Kirchengeschichte jener Zeit.

http://www.neufeld-verlag.de, ISBN 978-3-86256-035-6, Preis 17,90 Euro

Markus Baum hat buecheraendernleben folgende Fragen beantwortet:

Lieber Markus Baum, seit wenigen Tagen liegt Ihre Biografie über Eberhard Arnold vor. Muss es mir sehr peinlich sein diesen Namen bislang noch nie gehört zu haben?

Muss es nicht. Eberhard Arnold hatte großen Einfluss in der Zeit unmittelbar nach dem I. Weltkrieg bis Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf die christliche Studentenarbeit, die Jugendbewegung und die Siedlungsbewegung, aber er hat sich mit seinen Überzeugungen und mit seinen Weggefährten immer mehr aus dem Mainstream heraus entwickelt. Und seine letzten Lebensjahre hat er voll der Sicherung und Verteidigung der christlichen Lebensgemeinschaft der Bruderhöfe gegen die versuchte Vereinnahmung und Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten gewidmet. Die Isolation der Gemeinschaft, das Verbot des Buchverkaufs, der unerwartet frühe Tod Eberhard Arnolds im Spätherbst 1935, die von Eberhard Arnold noch angebahnte, 1937 erfolgte Emigration der Gemeinschaft aus dem nationalsozialistischen Deutschland – all das hat dazu geführt, dass der Gründer, Vordenker und Sprecher der Gemeinschaft über Jahrzehnte weithin vergessen war. Umso spannender ist es, zu entdecken, was für herausragende Gestalten mit was für wegweisenden Utopien und Lebensversuchen in den 20er Jahren in Deutschland gewirkt haben. Eberhard Arnold ist eine solche franziskanische, sozialreformerische Gestalt.

Ihre Biografie baut auf eine 1996 geschriebene Biografie auf. Wer hat die damals geschrieben und warum ist Ihre biografie nun notwendig geworden?

Das Buch ist eine komplett überarbeitete, einerseits etwas gestraffte, andererseits fortgeschriebene und erweiterte Neuausgabe der Biografie Eberhard Arnolds, die ich 1995 noch unter ganz anderen Umständen geschrieben habe und die 1996 unter dem Titel „Stein des Anstoßes – Eberhard Arnold 1883-1935“ erschienen ist. Die Generation der Zeitzeugen, die noch eigene Erinnerungen an Eberhard Arnold und an die Aufbaujahre des Bruderhofs in der Hessischen Rhön hatten, ist mittlerweile verstummt. Namen und Ortsbezüge, die vor 18 Jahren noch vielen geläufig waren, sagen heute den allermeisten Menschen nichts mehr. Dazu kommt: die Erben Eberhard Arnolds und seines geistlichen Vermächtnisses sind eine sehr dynamische, international aufgestellte Gemeinchaft; da hat sich seit Erscheinen der Erstausgabe unglaublich viel getan. Auch das galt es zu berücksichtigen in einer Neuausgabe.

Eberhard Arnold, so erfahre ich in Ihrem Buch, war der Gründer der Bruderhofgemeinschaft. Kriegen Sie das hin uns in drei Sätzen zu erklären was das ist?

Eine christliche Lebens- und Arbeitsgemeinschaft aus Familien und Singles, die nach den Prinzipien der Bergpredigt zu leben versuchen, auf Privateigentum verzichten, der Wehrlosigkeit verpflichtet sind – also keine Waffe anrühren, auch nicht zum Selbstschutz. Die Gemeinschaft um Eberhard Arnold hat in den frühen 20er Jahren nach dem Try-and-Error-Prinzip versucht herauszufinden, wie diese Ideale lebbar sind. Und hat schließlich entdeckt: Das gab’s alles schon mal, nämlich im 16. und 17. Jahrhundert in der mährischen Täuferbewegung, die auf den Südtiroler Jakob Hutter zurück geht. Nachfahren dieser mährischen Täufer leben bis zum heutigen Tag nach diesen Prinzipien in den Hutterischen Gemeinschaften in Nordamerika. Eberhard Arnold hat seinerzeit den Kontakt hergestellt und hat 1931 tatsächlich erreicht, dass die jugendbewegt-pazifistische Landkommune von diesen Hutterischen Gemeinschaften quasi adoptiert wurde.

Beim Lesen dachte ich manchmal, man der Autor schwärmt ja richtig von Eberhard Arnold. An einigen Stellen hatte ich dann aber auch den Eindruck, dieser Mann muss stellenweise auch ein komischer Kauz gewesen sein. Trügt der Schein?

Ich muss nicht von und für Eberhard Arnold schwärmen, ich muss nur schildern, was die Quellen hergeben. Und die sind unglaublich ergiebig. Es sind Tausende von Briefen, Hunderte von Vortragsmitschriften des Mannes erhalten. Daraus spricht eine ungeheure Tatkraft und ein mitreißendes Naturell. Und wo eine so starke Persönlichkeit ist, da gibt es fast unvermeidlich auch Schrullen und etwas schräge Züge. Die Briten würden sagen: jeder Mensch hat das Recht auf einen Spleen.

Was hat Sie ganz persönlich an der Person Eberhard Arnold so gereizt, dass Sie ein Buch über ihn geschrieben haben und warum gerade zu diesem Zeitpunkt.

Ich habe vor 30 Jahren ein Buch Eberhard Arnolds in die Hand bekommen, das hat mich bei der Vorbereitung auf mein Kriegsdienstverweigerungsverfahren sehr inspiriert und mir geholfen hat, meinen eigenen Standpunkt zu klären. Und dann hatte ich 1993 das Vorrecht, fürs Radio einige steinalte, aber hellwache Weggefährten Eberhard Arnolds zu interviewen. Die saßen mit leuchtenden Augen im Kreis und sprudelten geradezu über von lebhaften Erinnerungen. Am Ende hatte ich fast drei Stunden hochspannenden Originalton auf Band – viel zu viel für ein halbstündiges Radiofeature. Das wurde zum Nukleus der Biografie.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Markus Baum stellt den Lesern von buecheraendernleben ein signiertes Exemplar der hier vorgestellten Boigrafie in Aussicht. Wer bis Montag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Markus Baum: Eberhard Arnold

  1. Maria Lahnstein

    Das finde ich sehr interessant, mehr über die Bruderhofgemeinschaft zu erfahren und über Eberhard Arnold und die Zeit um Anfang des 20.Jahrhunderts. Je älter ich werde, umso interessanter sind die geschichtlichen Dinge, die unseren Vorfahren passiert sind. Durch meine Urgroßmutter, die sehr alt wurde und die ich noch erleben durfte, habe ich schon einen kleinen Einblick in das Leben um 1900 bekommen. Ich würde das Buch sehr gerne lesen.

  2. Esther M.

    Ich liebe gute Biografien und diese klingt spannend, besonders aufgrund des gemeinschaftlichen Lebens. Ich mache mit bei der Verlosung! 🙂

  3. Maria Lahnstein

    Test

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