Monatsarchiv: April 2013

Fossi Bäumer (Hg.): Face God

fossiface god

Foto: Fossi Bäumer

Für Teenager ab 6. Klasse ist dieses Buch sicher gut geeignet um sich mehr und intensiver als bisher mit ihrem Gottesglauben zu beschäftigen. Für Jugendliche, die bislang noch nichts von Gott oder dem Glauben an ihn gehört haben, scheint mir dies lustig aufgemachte Buch mit seinen Comics eher nichts zu sein.

Kurze Texte, unter Berücksichtigung spezieller Themen und Fragen laden ein, über sein Leben nachzudenken, zu korrigieren oder auch Gleichaltrigen gegenüber mal „Nein“ zu sagen und seinen christlichen Standpunkt zu erklären.

Alle Texte wurden mit einer biblischen Quelle ausgestattet und mit einem „Tipp des Tages“, der manchmal sehr viel von den Jugendlichen verlangt. „Lese ein ganzes Evangelium am Stück durch!“ scheint mir doch eine sehr große Aufgabe zu sein. All diese Tipps des Tages zielen darauf ab selbst aktiv zu werden.

Neben der Themenvielfalt beeindruckt auch die Vielzahl der Autoren. Sie bringen unterschiedliche Sichtweisen zu Papier und dies ist eine große Bereicherung für dieses Buch. Gewünscht hätte ich mir allerdings, dass sich die Autoren kurz vorgesetllt hätten.

Fazit: Ein Buch über den christlichen Glauben. Frisch und auf der Höhe der Zeit denken hier junge Leute über ihr Christsein im Alltag nach. Eine sehr schöne Idee!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBn 978-3-868-27380-9, Preis 9,95 Preis

Fossi Bäumer hat uns nun diese Fragen beantwortet:

Hallo Fossi Bäumer, Du bist der Herausgeber und Mitautor von „Face God“. Wie kam es überhaupt zu diesem Buch?

Der Francke-verlag ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein Buch für nichtfromme Teens zu schreiben. Ich hab die letzten zehn Jahre Teenagerarbeit gemacht, passt also 🙂 außerdem bin ich der Meinung, dass die meisten Teenagerbücher auf dem frommen Markt von nichtfrommen Teens eher nicht verstanden werden, weil sie zu viel Vokabelwissen und Vorkenntnisse voraussetzen (ohne es zu wissen). Andere gute Bücher für nichtfromme Menschen sind eher geeignet für intellektuelles Publikum oder ältere Jugendliche.

Das Buch richtet sich an Teenager, woher weißt Du wie die heute so ticken und welche Themen grad dran sind?

Ich war die letzten zehn Jahre als Landesjugendreferent beim EC in Hessen angestellt und bin als Evangelist im deutschsprachigen Raum unterwegs. Die Altersgruppe ist ja nicht gerade bekannt dafür, Bücher zu lesen… deshalb kam die Idee, Comics von meinem Kumpel Wlöm einzubauen, die als Blickfang dienen sollen. Außerdem war klar: kurze Texte, die inhaltlich selbständig lesbar sind; und verschiedene AutorInnen, damit unterschiedliche Stile unterschiedliche Teens ansprechen können. Sicher hätte das Layout noch viel wahnsinniger aussehen können, aber die Zielgruppe ist nicht identisch mit der Käufergruppe, da ja nicht die Teens das Buch kaufen, sondern ältere Verwandte und Bekannte.

Wer sind die anderen Autoren dieses Buches?

Um verschiedene Teens anzusprechen, halte ich es für gut, dass verschiedene Leute mit verschiedenen Schreibstilen und Geschichten im Buch vertreten sind. Deshalb hab ich Freunde und Schüler gefragt, ob sie Lust hätten, ein oder zwei Beiträge für das Buch beizusteuern.

Durften die Autoren ihre speziellen Themen mitbringen oder gab es „Vorgaben“ ?

Vorgabe von mir war, dass das Buch drei Teile haben wird: einen „dogmatischen“ Teil, einen Teil mit Berichten darüber, wie Menschen zum Glauben gefunden haben und einen Teil mit praktischen Tipps zum Leben als Christ oder konkreten Situationen. Freunde und Schüler durften sich aber ganz frei aussuchen, zu welchem Teil des Buches sie was schreiben wollten, nur die Themen im ersten Teil des Buches waren gesetzt (aber nicht, wer dazu was schreibt).

Ich kann mir gut vorstellen, dass „Face God“ in Teenagerkreisen ein Renner wird. Hast Du bereits Lesermeinungen bekommen?

Der Francke-verlag hat in den ersten beiden Monaten seit Erscheinen des Buches 1700 Exemplare verkauft, das ist ultra und wir freuen uns auch ultra darüber!

Aufgrund der Rückmeldungen würde ich sagen, dass die Idee, dem Buch drei Teile zu verpassen, gut ankommt; dass die Vielzahl der Autoren gut ankommt; und dass die Idee der verstreuten Comics gut ankommt. Einige haben schon gesagt, dass das Layout wahnsinniger sein dürfte, aber wie gesagt: Zielgruppe ist nicht gleich Käufergruppe.

Bin gerade dabei, ein neues Buch zu schreiben, in dem es darum gehen soll, wie ich mit nichtfrommen Menschen so über Jesus reden kann, dass es nicht hochpeinlich ist und dass die Leute überhaupt verstehen, was ich will. Ich befürchte nämlich, dass viele Christen angesichts echter Heiden nicht recht sprachfähig sind 🙂

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Der Francke Verlag stellt uns von diesem Titel ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer bis Samstag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

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Michael Lawrence: Biblische Theologie

Biblische theologie

Dieses Buch ist keineswegs nur für Gemeindeleiter zu empfehlen. Auch Laien die nur gelegentlich predigen oder einen Haus – oder Bibelkreis leiten, werden dieses Buch gewinnbringend lesen.

Der Autor verfügt über die Gabe „Biblische Theologie“ ohne das Auffahren einer ganzen Armada von spezifischen Fachbegriffen erklären zu können. Übersichtlich und gut verständlich führt er in das Gesamtkonzept Bibel ein und schafft beim Leser ein Gefühl dafür, dass selbst biblische Geschichten in einem Kontext zu sehen sind, dessen Horizont viel größer als die Bibel ist.

In drei Teilen macht Michael Lawrence deutlich wie ein Predigttext selbst heute noch lebendig werden kann und wir Gottes Stimme vernehmen können:

Teil 1 Das nötige Werkzeug
Teil 2 Die Geschichte, die wir erzählen müssen
Teil 3 Die Anwendung für die Gemeinde

Wer sich ernsthaft mit der Bibel beschäftigt, wird nicht daran vorbeikommen, sehr konkret über einzelne Texte nachzudenken. Dieser Wegweiser zeigt deutlich wie dies geschehen kann. Der amerikanische Pastor und Familienvater gibt uns mit seinem Buch eine praxistaugliche Hilfe an die Hand!

Betanien Verlag, ISBN 978-3-93555845-7, Preis 13,90 Euro

Der Betanien Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar von diesem Titel zur Verfügung. Mit Deinem Kommentar unter diesem Beitrag bis Freitag 20 Uhr, nimmst Du automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

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Johannes Czwalina: Das Schweigen redet

das schweigen redet

Dieses sehr beindruckende und tiefgründige Buch lässt zunächst ehemalige Nazigrößen und deren Kinder zu Wort kommen. Der Autor denkt über die zentrale Frage des Schweigens der Täter oftmals aber auch der Opfer nach. Schweigen als Selbstschutz? Warum brechen nach Jahrzehnten Kinder und Enkel das Schweigen und beginnen in der Vergangenheit zu bohren? Äußerst spannende Fragen werden hier erörtert und machen mir bewußt, Schweigen ist eine Station, darf aber niemals Endstation sein!

Johannes Czwalina geht mithilfe von Psychologen der Frage nach: Welche Störungen Eltern bei ihren Kindern verursachen können durch ihr permanentes Schweigen. Der Autor berichtet über das Schweigen der Kirchen bis hinein in die 50er Jahre. Aber auch das Schweigen Gottes wird zum Thema und wird hier aus christlicher und jüdisch theologischer Sicht heraus beleuchtet.

Dann aber zeigt der ehemalige Pfarrer wie Aufarbeitung für die Generation danach lebensnotwenig ist. Ohne Aufarbeitung ist der Schock des Geschehenen nicht zu überwinden und ist Gegenwart und erst recht Zukunft nicht möglich. Der Autor macht zusammen mit vielen Zeitzeugen und Fachleuten deutlich, welch schwieriger Prozess hier notwenig ist, damit Leben wieder lebenswert wird. Dies gilt für Opfer und Täterkinder.

So verläßt Johannes Szwalina dann auch die Nazigeneration und wendet sich mit seinem Thema des Schweigens der RAF-Zeit und den Kindern von RAF-Terroristen zu. Es erstaunt mich, aber die ablaufenden Prozesse sind oft sehr ähnlich.

Das letzte große Thema in diesem Buch heißt Vergebung. Es wird dabei sehr persönlich und es wird deutlich, es gibt Dinge die nicht zu vergeben sind. Aber all das darf nicht im Schweigen enden, um der eigenen Zukunft Willen nicht.

Der Brendow Verlag spricht in seinen Büchern fast immer locker flockig und unterhaltsam über Glaubensthemen. Mit diesem Buch beschreitet er neues Terrain. Czwalina packt ein schweres Thema spannend und abwechslungsreich an. Ich wünsche diesem Buch sehr viele Leser. Beim Lesen wird jeder bemerken, irgendwie geht dieses Thema auch uns selbst persönlich etwas an!

Brendow Verlag, ISBN 978-3-86506-462-2, Preis 19,95 Euro

Der Brendow Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Buches zur Verfügung. Wer also bis Mittwoch 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

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Ebba Hagenberg – Miliu: Allein ist auch genug

ebbaallein ist auch genug

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu (Quelle: privat)

Neugierde auf ein altes Thema hat mich zu diesem Buch geführt. Das es mich nun so sehr in die Gegenwart führt hätte ich nicht für möglich gehalten.

Wenn ich von Eremiten höre dann denke ich nicht zunächst an Deutschland und schon gar nicht an das Jahr 2013. Aber die Autorin dieses Buches beweist, dass die Lebensweise der Eremiten wieder im kommen ist. Ebba Hagenberg – Miliu präsentiert eine ganze Reihe Eremiten der Gegenwart und erzählt von ihren persönlichen Lebensgeschichten.

Das sind keineswegs irgendwelche Vagabunden. Oft sind es Menschen die einst einen guten Beruf hatten, dann aber in eine Sinnkrise gelangten. In einer Zeit in der kaum noch die Zeit vorhanden ist um in sich selbst hineinzuhören, ziehen immer mehr Menschen die Notbremse und steigen aus. Unter oftmals primitiven Verhältnissen leben sie dann weiter und finden ihre neue Bestimmung. Anders als bei dem herkömmlichen Bild von Eremiten muss dies heute nicht mehr bedeuten, Tag und Nacht zu Gott zu beten. Die Vielfalt die uns die Autorin vorstellt ist groß.

Wenn die Autorin ihre Leserschaft auch nicht dazu aufruft Eremit zu werden, so hat sie es jedoch geschafft, dass ich das Tempo des eigenen Lebens neu justiere!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06588-5, Preis 19,99 Euro

Ebba Hagenberg – Miliu hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Frau Hagenberg – Miliu, soeben ist Ihr Buch über das Leben moderner Eremiten erschienen. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Durch meine journalistische Arbeit. Ich bin Lokaljournalistin in Bonn und hatte davon gehört, dass in der alten Eremitenklause am Godesberg eine waschechte Eremitin zugezogen war. 200 Jahre hatte die Klause leer gestanden. Ich nahm also Kontakt mit Schwester Benedicta auf. Was mochte da auf mich warten? Ich war neugierig und voreingenommen zugleich: Eremitisches Leben war bestimmt journalistisch interessant, war exotisch, aber ging mich selbst sicher überhaupt nicht an. Ich stecke voll im hektischen Journalistenalltag drin, bin verheiratet, habe zwei Kinder. Und dann traf ich auf eine Frau, die keineswegs seltsam und weltfremd, sondern absolut aus Fleisch und Blut war und mitten im Leben stand.

Haben Sie selbst Eremiten getroffen und wie waren Ihre Begegnungen?

Die Begegnung mit der ersten leibhaftigen Eremitin meines Lebens, Schwester Benedicta, hat mich schon fasziniert. Sie zeigte mir, was es ganz praktisch heißt, sich in die Stille zurückzuziehen, die Langsamkeit zuzulassen, sich asketisch auf das Nötige beschränken zu können und so etwas wie die Vermessung des Ichs anzugehen. Und natürlich, so betont es Schwester Benedicta, in direkten Dialog mit Gott zu treten. Es heißt aber oft auch, seelsorgerisch auf Hilfesuchende eingehen zu können. Eine ganze Reihe Eremiten betreut Menschen in schwierigsten Lebenssituationen. Erstaunlich. Mir hat die Bonner Eremitin als Türöffnerin einige Kontakte zu anderen kirchlich ausgerichteten Eremiten geebnet. Zu denen ich dann in einem sensiblen Prozess mit Fingerspitzengefühl Vertrauen aufbauen konnte. Andere Kontakte auch zu freien Eremiten sind durch journalistische Recherche entstanden. Etwa der zu Anthon Wagner, der sich seit Jahrzehnten in einem engen Schäferkarren auf einer Wiese in der Schwäbischen Alb absolut genug ist. Der eine Freude an der Natur, der Schöpfung, ja eine Lebensfreude ausstrahlt, die ansteckend wirkt.

Über Sinnkrisen und Neufindung ist in Ihrem Buch viel zu lesen. Wie ist das aber im ganz praktischen Leben. Ist ein moderner Eremit beispielsweise krankenversichert?

Gute Frage. Die meisten haben keine Krankenversicherung oder sonstige Absicherungen. Außer denen, die in ihren Orden oder unter die Fittiche einer Diözese zurückkehren können, wenn Alter oder Krankheit drohen, setzen sich Einsiedler meist großen Gefahren aus. Eremitisches Leben zu wagen, heißt auf jeden Fall, auf die Risikotaste zu drücken. Ich meine mit Eremiten also nicht die Menschen, die mal auf Zeit aus dem Hamsterrad des Alltags aussteigen, um dann mit neuen Kräften voll wieder einzusteigen. Ich meine nicht diejenigen, die zeitweise vor dem Leben flüchten, weil sie mit Gott und der Welt nicht zurecht kommen, sondern diejenigen, die meist nach existentiellen Krisen bewusst eine Reise ohne Rückfahrkarte buchen. Die kirchlich nahen Eremiten würden sagen: die sich berufen fühlen und die Reise mit Gottvertrauen antreten. Es ist aber schon mancher Eremit voll gegen die Wand gefahren.

Was macht ein Eremit der zurück in den Alltagstrott will? Ist Ihnen so ein Eremit schon einmal begegnet?

Ich habe von Eremiten erzählen hören, die irgendwann merkten, dass die Entscheidung für sie persönlich nicht gut war. Denn kein eremitisches Modell ist wie das andere. Da muss jeder selbst seinen Weg finden. Eine kirchennahe Eremitin hat sich etwa plötzlich verliebt und hat sich dann in eine Partnerschaft verabschiedet. Das haben ihr die „Kollegen“ nicht übel genommen, weil sie ehrlich zu ihrem Gefühl stand. Ein anderer Eremit soll mit der Entscheidung nicht glücklich geworden sein und seither ständig unter Krankheiten leiden. Es scheint also auch sehr schwer, sich einzugestehen, den falschen Weg für sich eingeschlagen zu haben. Ein Eremit hat zuvor ja auch fast alle Brücken abgebrochen. Ich hörte auch von Eremiten, die psychiatrisch behandelt werden mussten oder Selbstmord begingen.

Was glauben Sie, warum ist über moderne Eremiten heute so wenig in der zu hören?

Weil die Lebensform auf den ersten Blick so überhaupt nicht modern und attraktiv erscheint. Wer will schon verzichten, keusch leben, Demut üben? Wer hält heutzutage in unserem zugedröhnten Alltag überhaupt noch Stille aus oder die Konzentration auf sich selbst? Das erscheint sicher nicht chick, nicht erstrebenswert. Eremiten bieten ihre Lebensform ja auch nun mal gar nicht preis. Schwester Benedicta etwa sagt: „Wir haben alle eine große Scheu. Das, was wir leben, haben wir in einem irdenen Gefäß. Das ist zerbrechlich. Das muss man hüten und schützen.“ Von daher war es oft ein Balanceakt, an diese zurückgezogenen Menschen überhaupt heranzukommen, so dass sie sich öffneten. Ich bin froh, über die Recherche Kontakt zu einigen wunderbaren Menschen gefunden zu haben.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Das Gütersloher Verlagshaus stellt uns ein Verlosungsexemplar von „Allein ist auch genug“ zur Verfügung. Mit Eurem Kommentar, bis Freitag 20 Uhr, unter diesem Beitrag nehmt ihr automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

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Jürgen Schmieder: Mit einem Bein im Knast

jürgen schmiedermit einem bein im knast

Foto: Jürgen Schmieder

„Deutschland ist ein Verbotsland. Verbieten und Bestrafen gehören zum Katechismus des Zusammenlebens.“ dies stellt Jürgen Schmieder fest und versucht ein Jahr lang so zu leben, als wenn rund um die Uhr ein Polizist auf ihn aufpassen würde.

Mit Schwung, Humor und dem Wissen darum, dass man nicht gesetzestreu in unserem Rechtsstaat leben kann, lässt sich der Autor auf diesen Selbstversuch ein. In 37 Kapiteln streift er viele Bereiche unseres Alltags, schwimmt in Grauzonen und schwupps ist er auch schon wieder mit dem Gesetz kollidiert.

Das Buch amüsiert mich, zeigt die Unsinnigkeit so mancher Gesetze und auch die Unmöglichkeit alles regeln und reglementieren zu wollen. Beim Lesen frage ich mich manchmal: „Warum vertraut mein Staat seinen Bürgern so wenig?“

Wer sich gut unterhalten möchte und gesetzestreu leben will, der sollte sich diesen Lesespaß nicht entgehen lassen!

C. Bertelsmann, ISBN 978-3-570-10144-5, Preis 14,99 Euro

Jürgen Schmieder hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Jürgen Schmieder, soeben ist der Bericht ihres Selbstversuches erschienen ein Jahr gesetzestreu zu leben. Wie kommt man auf die Idee so einen Versuch zu starten?

Zum einen probiere ich – wie vielleicht durch andere Experimente bekannt – für mein Leben gern Sachen aus, um mich und die Welt besser zu verstehen. Zum anderen waren es drei persönliche Erlebnisse. 1. Das Kind einer Bekannten wurde von einem Menschen angefahren, der quasi blind war und niemals mehr den Führerschein haben sollte. 2. Ich habe mit einem Freund gewettet, wie viele Gesetze es gibt. 3. gab es in meinem Bekanntenkreis eine Schlägerei mit vier Verletzten – und der Schuldige wurde nicht einmal von der Polizei verhört, weil keiner geholfen hat und es danach keiner gesehen haben wollte.

Da habe ich mich gefragt: Wo leben wir eigentlich? Sehen wir alle nur weg? Brechen wir nicht alle jeden Tag das Gesetz und tun so, als wäre nichts passiert.

Also habe ich angefangen – und herausgekommen ist das Projekt und jetzt das (hoffentlich interessante) Buch.

Machen Sie im normalen Leben auch normale Sachen?

Ach, eigentlich ist mein Leben ganz normal. Aber mir wird sehr schnell langweilig und dann probiere ich neue Sachen aus. Das Schöne dabei ist, dass meine Familie das nicht nur akzeptiert, sondern auch noch cool findet und mich anstachelt. Wir sind schon wieder mitten im nächsten Projekt. Ich will noch nicht zu viel verraten – nur so viel: Dagegen sind 40 Tage ohne Lügen und zwölf Monate nach dem Gesetz leben ein Kinderspiel.

Ihr Versuch ist nun beendet, was ist ihr ganz persönliches Fazit aus diesem Jahr?

Das Naheliegendste natürlich: Es gibt viel zu viele Gesetze in Deutschland! Wir können noch nicht einmal ins Bad gehen, ohne mit Verordnungen, Normen und Vorschriften konfrontiert zu werden. Niemand kennt sich mehr aus in diesem Irrenhaus Deutschland.

Was mir jedoch auch aufgefallen ist: Fast jeder versucht, Gesetze zu umgehen, um persönlichen Vorteil daraus zu schlagen – man redet es sich dann schön, bezeichnet es als Kavaliersdelikt oder behauptet, nicht gewusst zu haben, dass es verboten ist. Dass wir letztlich alle (vor allem die Ehrlichen und Gesetzestreuen) dafür bezahlen, ignorieren wir.

Und: Wir sehen gerne weg, wenn etwas Unrechtes geschieht – oder noch schlimmer: Wir sehen dabei zu und tun nichts gegen die Unholde. Ich würde mir viel mehr Zivilcourage wünschen. Dann bräuchten wir viel weniger Verordnungen und Gesetze, wenn wir ein wenig mehr aufeinander aufpassen würden.

Ich nehme mal an, Sie wollen mit ihrem Buch etwas erreichen, was genau?

Ich würde mir wünschen, dass Politiker endlich einsehen, dass sie mit ihrem Schaufenster-Parlamentarismus und Wahlkampf-Gesetzen unser Land langsam kaputt machen. Sie verabschieden Gesetze nicht, um der Gesellschaft zu helfen, sondern um Wählerstimmen zu bekommen. Das ärgert mich maßlos.

Und ich würde mir wünschen, dass wir alle wieder mehr aufeinander aufpassen, uns gegenseitig helfen und gemeinsam gegen Übeltäter vorgehen – also Zivilcourage zeigen. Dann braucht es keine Gesetze mehr, wenn wir alle ein bisschen weniger auf unseren eigenen Vorteil und mehr auf die Gesellschaft achten würden.

Das wäre mein Wunsch.

Herzlichen Dank für das Gespräch und wir sind gespannt auf das was da bereits angekündigt ist!

Der Autor schenkt einem glücklichen Gewinner ein von ihm signiertes Verlosungsexemplar. Wenn ihr es gewinnen wollt, dann müsst ihr bis Montag 20 Uhr hier einen Hinweis geben, welches Gesetz ihr sofort abschaffen würdet. Viel Glück!

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Samantha Koch (Hrsg.): Ich bin am besten wie ich bin

ich bin am besten wie ich bin

Die Aufteilung in Frauen – und Männerliteratur mag ich nicht, deshalb stört es mich auch wenn der Verlag dieses Buch mit dem Satz „… Lesebuch von und für Frauen …“ bewirbt. Ich habe mir die Freiheit genommen und dieses Buch dennoch gelesen.

Genau zwölf Frauen beschreiben in ihren Kurzgeschichten sehr unterschiedliche Frauenbilder. Da sind die perfekten mit der Topfigur und dem großen Geld und dann sind da auch die Anderen. Manche von denen bürden sich den Stress auf und denken, so müssten sie auch werden! Und dies alles nicht in der großen weiten Welt, sondern in der oft kleinen Welt der Christenheit. Mit Humor und einem Schuss Ironie machen die Autorinnen klar, es geht nicht darum perfekt zu sein. Vielmehr geht es darum glaubhaft und wahrhaftig zu sein.

Und wenn die frisch gewaschenen Hemden des Göttergatten nicht sofort sorgfältig gebügelt werden, so wie es die Nachbarin immer tut oder wenn die Blumen im Vorgarten der Nachbarin zahlreicher blühen, dies alles muss kein Grund für einen Alptraum sein.

Dieses Buch bietet mehr an Inhalt als so manch ein Frauenratgeber. Allen Männern sei versichert: „Ihr werdet beim Lesen keinen Schaden nehmen!“

Vielleicht ist der Verlag ja eines Tages so mutig und bringt ein spezielles Männerbuch in dieser Form heraus – natürlich mit einer Leseeinladung für Frauen!

Brendow Verlag, ISBN 978-3-86506-459-2, Preis 10,95 Euro

http://www.brendow-verlag.de stellt uns ein Verlosungsexemplar seiner Neuerscheinung zur Verfügung. Aufgepasst! Diesmal kannst Du bis Montag 20 Uhr Deinen Kommentar hier posten. Um an der Verlosung teilnehmen zu können, musst Du uns jedoch verraten was Du von einem Männerbuch erwarten würdest. Viel Glück bei der Verlosung!

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Matthias Morgenroth: Jörg Zink. Eine Biographie

matthias morgenroth und jörg zinkcover z

Foto: li. Jörg Zink, re. Matthias Morgenroth

In diesen Tagen kommt eine Biographie auf den Markt die das Leben des bedeutenden Theologen Jörg Zink umschreibt. Der Germanist und Theologe Matthias Morgenroth hat sie geschrieben und erzählt uns in einem Interview wie es zu dieser Biographie kam und wie er Jörg Zink traf.

zum Titel:

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06591-5, Preis 22,99 Euro

Matthias Morgenroth hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Matthias Morgenroth, in diesen Tagen erscheint Ihre Biografie über den Theologen Jörg Zink. Wie kam es zu diesem Buch. Hat der Verlag Sie angesprochen oder haben Sie einfach von sich aus losgelegt?

Der Anlass war der 90. Geburtstag Jörg Zinks im vergangenen Jahr. Dafür habe ich als Journalist für Hörfunk und Print einiges vorbereiten müssen. Der Gütersloher Verlag hat sofort gesagt – ja, eine Biographie muss her. Und Jörg Zink hat zugestimmt.

Ich stelle mir dass ziemlich schwer vor, ein Leben das neun Jahrzehnte lang ist in ein Buch hineinzubekommen. Wie sind Sie da vorgegangen?

Wir haben uns natürlich ein paar Mal in Möhringen, wo Jörg Zink wohnt, zusammengesetzt, auch mit seiner Frau Heidi. Jörg Zink hat in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder in seinen Büchern sehr persönliche Erfahrungen einfließen lassen, er hat vor gut fünfundzwanzig Jahren seine Erinnerungen niedergeschieben und veröffentlicht. Ich selbst habe ihn in den vergangenen zehn Jahren im Rahmen meiner Arbeit als Hörfunk-Journalist wiederholt getroffen und ein paar Gespräche geführt. Das ließ sich jetzt vertiefen und ergänzen. Dann haben wir auch gemeinsam Fotoalben gewälzt, einige Wegbegleiter habe ich gesprochen – und auch Jörg Zinks Sohn Christoph hat sich sehr engagiert an dem Projekt beteiligt.

Sie haben also Jörg Zink persönlich kennengelernt? Mal unabhängig von Ihrem Buch, was ist Jörg Zink für ein Mensch, wie waren Ihre Begegnungen mit ihm?

Er ist immer, egal ob ich ihn auf dem Kirchentag oder bei ihm zu Hause getroffen habe, ein intessierter, warmherziger und hochkonzentrierter Gesprächspartner.

Jörg Zink steht ja seit Jahrzehnten für eine ganz bestimmte Richtung der Theologie. Ist es für den Biografen da besser Freund oder Feind zu sein?

Da bin ich gespannt, auf welche „Richtung“ der Theologie Sie ihn festnageln wollen?

(Chr. Döring): Hoppla, eigentlich stelle ich hier doch die Fragen. Na, ja, auf alle Fälle ist Jörg Zink einer, der mich in meinem Lebensalltag seit Jahrzehnten direkt anspricht und der immer wieder auch neue und vergessene Themen in die Theologie zurück holt.

Stimmt, Jörg Zink war im Laufe seines Lebens unglaublich viel unterwegs und hat sehr viele Menschen in den Kirchengemeinden und weit darüber hinaus auf verschiedene Weise angesprochen. Er war Pfarrer, Publizist, Fotograf, Filmemacher, Wort-zum-Sonntag-Macher, Lieddichter, er steht für kleine Bildbände und große theologische Bücher, er war einer der Köpfe des Deutschen evangelischen Kirchentags, ein wichtiger Sprecher der Friedensbewegung, er hat den Ruf „Schöpfung bewahren“ als einer der ersten in die Kirchen getragen, hat die Bibel in verständliche Sprache übertragen, und vieles andere mehr. Am ehesten kann man sagen, er steht für eine öffentliche Theologie, eine poltische Theologie, ein kritisches Hinterfragen der christlichen Überlieferung mit Herz und Verstand – und vor allem in den vergangenen Jahrzehnten für eine Wiederentdeckung dessen, was man Mystik nennt. In vielen Bereichen war er ein „Anfänger“, hat entscheidende Impulse gesetzt, und so ist eine Biografie über ihn zugleich ein Stück protestantische Kirchen- und Denkgeschichte. Wer eine Biografie – und zugleich eine Einführung in ein sehr umfangreiches Werk – verfassen will, sollte ja auf alle Fälle den Wunsch hegen, dem Menschen, seinem Leben und seinem Denken „gerecht“ zu werden. Die Frage nach „Freund“ oder „Feind“ stellt sich da nicht, und sollte sich in der publizistischen Arbeit viel weniger stellen. Man muss Lust haben, sich auf den anderen einzulassen. Bei einem Buch, das zugleich sehr viele Bausteine seines Denkens vorstellt, muss man zugleich Freude an aktuellen theologischen und politischen Fragestellungen mitbringen.

Ich könnte mir vorstellen, dass auf dem Biografen eine ziemlich große Verantwortung liegt, gerade so einen großen und bekannten Theologen zu beschreiben. Haben Sie so eine Verantwortung gespürt und wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe von Anfang an gesagt: ich mache das nur, wenn Jörg Zink selbst mit im Boot ist. Und dann habe ich geschluckt, als ich die ellenlange Literaturliste gesehen habe, Jörg Zink hat unglaublich viel geschrieben und schreibt ja weiter. Doch das war ja von Anfang an eine der Kernideen: Zugleich zum Leben auch eine Einführung in sein Werk zu bieten – weil er, wie ich finde, nach wie vor viel zu sagen hat, und ein gewisser Überblick über seine Publikationen und Thesen dazu eine Hilfe bieten kann. Doch die Verantwortung, ihm gerecht zu werden, ist bei einem Mann, mit dem viele Menschen etwas verbinden, nicht größer als bei einem Menschen, den Sie erst allen Lesern oder Hörern vorstellen müssen. Stimmen muss es ja immer. Neugierig machen soll es auch, vielleicht sogar unterhalten. Da hilft nur eines: einfach anfangen zu Lesen!

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Der bereits erwähnte Christoph Zink hat uns soeben mitgeteilt, dass es nun eine Liste von fast 500 Büchern, Heften und anderen Schriften, Film- und
Tonproduktionen gibt, diese enthält kurze bibliographische Daten der einzelnen Titel mit Angaben zu ihrer Verfügbarkeit und erlaubt neben einer Suche nach Themen auch Freitextsuchen und das Auffinden fremdsprachiger Ausgaben.

Die Seite wird ergänzt durch Auszüge aus Interviews mit Jörg Zink aus drei Jahrzehnten, einen neuen Text von Jörg Zink: „Was mir wichtig ist –
Ein kurzer Lebenslauf aus der Sicht des Neunzigjährigen“ und enthält Links zu anderen Internetseiten, auf denen Teile seines Werks – Bücher, Bilder, Vorträge – zu finden sind.

Hier gehts zu dieser Seite:

http://www.joergzink.de

Das Gütersloher Verlagshaus stellt buecheraendernleben ein Exemplar der Jörg Zink Biographie als Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer also bis Sonntag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

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