Joachim Kunstmann: Leben eben!

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Foto: Joachim Kunstmann (Quelle: Joachim Kunstmann)

Es klingt einleuchtend was Joachim Kunstmann hier schreibt. Er stellt fest, dass wir das, was eigentlich mit Religion ursprünglich gemeint war, so sehr mit Hüllen verbarrikadiert haben, dass von Religion oft nichts mehr zu bemerken ist.

Für den Autor bedeutet dies aber nicht, der Religion den Rücken zu kehren. Er fordert seine Leser auf die Religion mitten im Leben, notfalls weit weg von Institution und Dogma der Kirche zu suchen. Deutlich wird in den Ausführungen des Religionspädagogen, dass der Mensch der Religion bedarf. Nur mit ihr kann er ein sinnerfülltes Leben führen.

Spannend und konkret wird es an Stellen, an denen Joachim Kunstmann erkennen lässt, was genau er meint. So nimmt er Anleihen bei Meister Eckhardt und weist darauf hin: „Die mystische Haltung sieht in allem Gott. In jeder Szene, die sich unter Menschen begibt, in jeder Wolke, in jedem vorbeifahrenden Auto vermag sie ihn zu sehen.“

Gott sei Dank öffnet uns Joachim Kunstmann, per Rückblick, die Augen für ein religiöses Leben in der Gegenwart!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08156-4, Preis 17,99 Euro

Professor Joachim Kunstmann hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Joachim Kunstmann, soeben ist Ihr Buch „Leben eben!“ erschienen. Wie kam es zu diesem Thema, warum gerade jetzt dieses Thema?

Das hat eigentlich zwei Gründe. Zum einen bin ich überzeugt davon, dass alle Religion das Leben will. Religion ist Lebenssteigerung – und nicht Moral oder ein Glaubenssystem. Das ist in der religiösen Kultur viel zu wenig bekannt. Zum anderen habe ich versucht, die Konsequenzen aus meinem letzten Buch „Rückkehr der Religion“ zu ziehen, in dem ich eine kritische Aufarbeitung des Christentums vorgelegt habe. Wir erleben ja im Moment eine Art stiller Massenflucht aus den Kirchen, auf die im Christentum gar nicht reagiert wird. Das tut aber weder den Kirchen gut, noch den Menschen. Ohne Religion verarmt das Leben.

„Ohne Liebe kein Leben, aber die Liebe fehlt oft so sehr.“ (S.24). Steht der Mensch sich einmal mehr im Weg?

Ja, das sehe ich so. Unsere derzeitige Leistungs- und Erfolgsorientierung, unsere Erlebnissucht, unsere vielen Projekte und unsere Zeitknappheit verhindern Liebe – auf allen Ebenen. Was das Leben aber eigentlich ausmacht, ist das, was wir nicht machen, sondern wofür wir uns allenfalls öffnen können.

„Mein Ich, winzig klein, ist verbunden mit allem Leben um mich herum. Das ist Religion.“ (S.27). Verwundert frage ich nach: Mehr nicht?

Doch, natürlich. Sakramente, der Papst, fundamentalistische Aggressionen – das ist alles auch Religion. Fragt sich nur, wie sinnvoll diese Formen der Religion jeweils sind. Im Kern ist Religion aber immer Verbundenheitserfahrung.

An mehreren Stellen in Ihrem Buch sprechen Sie von der toten Hülle, die wir Menschen um die Religion herumgebaut haben. Wir haben uns damit von der Religion immer weiter entfernt. Wie kann es gelingen diese Hülle heute einzureißen?

Ich würde gar nicht empfehlen, diese Hülle einzureißen. Oft ist sie sogar wertvoller als sie im ersten Moment scheint. Nur muss man sich hüten, die Hülle mit der Sache selbst zu verwechseln. Dann erhält man ein Zerrbild von Religion, und das hilft einem nicht zum Leben.

Für Sie ist Religion nicht automatisch mit dem Gebäude oder der Institution Kirche gleichzusetzen. Wohin gehört, Ihrer Meinung nach, Religion?

Ganz klar: in die Herzen und Köpfe der Menschen. Die Kirche ist dazu da, dass die Religion (oder besser eigentlich: Gott) da hinkommt – dass Menschen also die Erfahrung des nahen Gottes machen können. Leider ist die Kirche aber weitgehend mit der Verwaltung ihrer selbst beschäftigt und leistet das nicht. Oft hat sie an den Erfahrungen und Sehnsüchten der Menschen gar kein erkennbares Interesse.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Das Gütersloher Verlagshaus stellt buecheraendernleben ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer also bis Dienstag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Joachim Kunstmann: Leben eben!

  1. Maria Lahnstein

    Ja, ich wundere mich auch immer wieder, dass die Menschen ohne Religion leben wollen. Aber ich bin sicher, dass Gott auch an ihre Tür klopft.

  2. Adeline Warkentin

    Das stimmt, ohne die Gott, hat das Leben keinen Sinn.

  3. Lea

    Klingt nach einem sehr motivierenden Buch. Leider setzen viele Menschen Religion und Kirche gleich. Wer einmal schlechte Erfahrungen mit der Kirche gemacht hat, möchte anschließend nichts mehr mit Religion zu tun haben. Ich bin sehr gespannt auf das Buch!

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