Matthias Morgenroth: Jörg Zink. Eine Biographie

matthias morgenroth und jörg zinkcover z

Foto: li. Jörg Zink, re. Matthias Morgenroth

In diesen Tagen kommt eine Biographie auf den Markt die das Leben des bedeutenden Theologen Jörg Zink umschreibt. Der Germanist und Theologe Matthias Morgenroth hat sie geschrieben und erzählt uns in einem Interview wie es zu dieser Biographie kam und wie er Jörg Zink traf.

zum Titel:

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06591-5, Preis 22,99 Euro

Matthias Morgenroth hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Matthias Morgenroth, in diesen Tagen erscheint Ihre Biografie über den Theologen Jörg Zink. Wie kam es zu diesem Buch. Hat der Verlag Sie angesprochen oder haben Sie einfach von sich aus losgelegt?

Der Anlass war der 90. Geburtstag Jörg Zinks im vergangenen Jahr. Dafür habe ich als Journalist für Hörfunk und Print einiges vorbereiten müssen. Der Gütersloher Verlag hat sofort gesagt – ja, eine Biographie muss her. Und Jörg Zink hat zugestimmt.

Ich stelle mir dass ziemlich schwer vor, ein Leben das neun Jahrzehnte lang ist in ein Buch hineinzubekommen. Wie sind Sie da vorgegangen?

Wir haben uns natürlich ein paar Mal in Möhringen, wo Jörg Zink wohnt, zusammengesetzt, auch mit seiner Frau Heidi. Jörg Zink hat in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder in seinen Büchern sehr persönliche Erfahrungen einfließen lassen, er hat vor gut fünfundzwanzig Jahren seine Erinnerungen niedergeschieben und veröffentlicht. Ich selbst habe ihn in den vergangenen zehn Jahren im Rahmen meiner Arbeit als Hörfunk-Journalist wiederholt getroffen und ein paar Gespräche geführt. Das ließ sich jetzt vertiefen und ergänzen. Dann haben wir auch gemeinsam Fotoalben gewälzt, einige Wegbegleiter habe ich gesprochen – und auch Jörg Zinks Sohn Christoph hat sich sehr engagiert an dem Projekt beteiligt.

Sie haben also Jörg Zink persönlich kennengelernt? Mal unabhängig von Ihrem Buch, was ist Jörg Zink für ein Mensch, wie waren Ihre Begegnungen mit ihm?

Er ist immer, egal ob ich ihn auf dem Kirchentag oder bei ihm zu Hause getroffen habe, ein intessierter, warmherziger und hochkonzentrierter Gesprächspartner.

Jörg Zink steht ja seit Jahrzehnten für eine ganz bestimmte Richtung der Theologie. Ist es für den Biografen da besser Freund oder Feind zu sein?

Da bin ich gespannt, auf welche „Richtung“ der Theologie Sie ihn festnageln wollen?

(Chr. Döring): Hoppla, eigentlich stelle ich hier doch die Fragen. Na, ja, auf alle Fälle ist Jörg Zink einer, der mich in meinem Lebensalltag seit Jahrzehnten direkt anspricht und der immer wieder auch neue und vergessene Themen in die Theologie zurück holt.

Stimmt, Jörg Zink war im Laufe seines Lebens unglaublich viel unterwegs und hat sehr viele Menschen in den Kirchengemeinden und weit darüber hinaus auf verschiedene Weise angesprochen. Er war Pfarrer, Publizist, Fotograf, Filmemacher, Wort-zum-Sonntag-Macher, Lieddichter, er steht für kleine Bildbände und große theologische Bücher, er war einer der Köpfe des Deutschen evangelischen Kirchentags, ein wichtiger Sprecher der Friedensbewegung, er hat den Ruf „Schöpfung bewahren“ als einer der ersten in die Kirchen getragen, hat die Bibel in verständliche Sprache übertragen, und vieles andere mehr. Am ehesten kann man sagen, er steht für eine öffentliche Theologie, eine poltische Theologie, ein kritisches Hinterfragen der christlichen Überlieferung mit Herz und Verstand – und vor allem in den vergangenen Jahrzehnten für eine Wiederentdeckung dessen, was man Mystik nennt. In vielen Bereichen war er ein „Anfänger“, hat entscheidende Impulse gesetzt, und so ist eine Biografie über ihn zugleich ein Stück protestantische Kirchen- und Denkgeschichte. Wer eine Biografie – und zugleich eine Einführung in ein sehr umfangreiches Werk – verfassen will, sollte ja auf alle Fälle den Wunsch hegen, dem Menschen, seinem Leben und seinem Denken „gerecht“ zu werden. Die Frage nach „Freund“ oder „Feind“ stellt sich da nicht, und sollte sich in der publizistischen Arbeit viel weniger stellen. Man muss Lust haben, sich auf den anderen einzulassen. Bei einem Buch, das zugleich sehr viele Bausteine seines Denkens vorstellt, muss man zugleich Freude an aktuellen theologischen und politischen Fragestellungen mitbringen.

Ich könnte mir vorstellen, dass auf dem Biografen eine ziemlich große Verantwortung liegt, gerade so einen großen und bekannten Theologen zu beschreiben. Haben Sie so eine Verantwortung gespürt und wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe von Anfang an gesagt: ich mache das nur, wenn Jörg Zink selbst mit im Boot ist. Und dann habe ich geschluckt, als ich die ellenlange Literaturliste gesehen habe, Jörg Zink hat unglaublich viel geschrieben und schreibt ja weiter. Doch das war ja von Anfang an eine der Kernideen: Zugleich zum Leben auch eine Einführung in sein Werk zu bieten – weil er, wie ich finde, nach wie vor viel zu sagen hat, und ein gewisser Überblick über seine Publikationen und Thesen dazu eine Hilfe bieten kann. Doch die Verantwortung, ihm gerecht zu werden, ist bei einem Mann, mit dem viele Menschen etwas verbinden, nicht größer als bei einem Menschen, den Sie erst allen Lesern oder Hörern vorstellen müssen. Stimmen muss es ja immer. Neugierig machen soll es auch, vielleicht sogar unterhalten. Da hilft nur eines: einfach anfangen zu Lesen!

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Der bereits erwähnte Christoph Zink hat uns soeben mitgeteilt, dass es nun eine Liste von fast 500 Büchern, Heften und anderen Schriften, Film- und
Tonproduktionen gibt, diese enthält kurze bibliographische Daten der einzelnen Titel mit Angaben zu ihrer Verfügbarkeit und erlaubt neben einer Suche nach Themen auch Freitextsuchen und das Auffinden fremdsprachiger Ausgaben.

Die Seite wird ergänzt durch Auszüge aus Interviews mit Jörg Zink aus drei Jahrzehnten, einen neuen Text von Jörg Zink: „Was mir wichtig ist –
Ein kurzer Lebenslauf aus der Sicht des Neunzigjährigen“ und enthält Links zu anderen Internetseiten, auf denen Teile seines Werks – Bücher, Bilder, Vorträge – zu finden sind.

Hier gehts zu dieser Seite:

http://www.joergzink.de

Das Gütersloher Verlagshaus stellt buecheraendernleben ein Exemplar der Jörg Zink Biographie als Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer also bis Sonntag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Matthias Morgenroth: Jörg Zink. Eine Biographie

  1. „Jörg Zink wird 90. Er hat den Sound der religiösen Sprache in Deutschland überkonfessionell geprägt …..“ Bestimmt eine sehr spannende, lehrreiche und bewegende Biografie von einem bedeutenden Mann. Dieser Name, bzw. Mann, hat mich mein ganzes Leben begleitet. Bin gespannt, denn ich liebe es Biografien zu lesen!
    Grüße Febe

  2. Maria Lahnstein

    Mein Vater hat einige Bücher von ihm gelesen, ich selbst noch keins. Wollte das immer schoon mal, gerade sein letztes Buch über das Abendmahl finde ich sehr interessant.
    Bewundernswert, dass Jörg Zink in seinem Alter noch so aktiv ist ! Würde mich sehr über die Biographie freuen !

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