Jürgen Schmieder: Mit einem Bein im Knast

jürgen schmiedermit einem bein im knast

Foto: Jürgen Schmieder

„Deutschland ist ein Verbotsland. Verbieten und Bestrafen gehören zum Katechismus des Zusammenlebens.“ dies stellt Jürgen Schmieder fest und versucht ein Jahr lang so zu leben, als wenn rund um die Uhr ein Polizist auf ihn aufpassen würde.

Mit Schwung, Humor und dem Wissen darum, dass man nicht gesetzestreu in unserem Rechtsstaat leben kann, lässt sich der Autor auf diesen Selbstversuch ein. In 37 Kapiteln streift er viele Bereiche unseres Alltags, schwimmt in Grauzonen und schwupps ist er auch schon wieder mit dem Gesetz kollidiert.

Das Buch amüsiert mich, zeigt die Unsinnigkeit so mancher Gesetze und auch die Unmöglichkeit alles regeln und reglementieren zu wollen. Beim Lesen frage ich mich manchmal: „Warum vertraut mein Staat seinen Bürgern so wenig?“

Wer sich gut unterhalten möchte und gesetzestreu leben will, der sollte sich diesen Lesespaß nicht entgehen lassen!

C. Bertelsmann, ISBN 978-3-570-10144-5, Preis 14,99 Euro

Jürgen Schmieder hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Jürgen Schmieder, soeben ist der Bericht ihres Selbstversuches erschienen ein Jahr gesetzestreu zu leben. Wie kommt man auf die Idee so einen Versuch zu starten?

Zum einen probiere ich – wie vielleicht durch andere Experimente bekannt – für mein Leben gern Sachen aus, um mich und die Welt besser zu verstehen. Zum anderen waren es drei persönliche Erlebnisse. 1. Das Kind einer Bekannten wurde von einem Menschen angefahren, der quasi blind war und niemals mehr den Führerschein haben sollte. 2. Ich habe mit einem Freund gewettet, wie viele Gesetze es gibt. 3. gab es in meinem Bekanntenkreis eine Schlägerei mit vier Verletzten – und der Schuldige wurde nicht einmal von der Polizei verhört, weil keiner geholfen hat und es danach keiner gesehen haben wollte.

Da habe ich mich gefragt: Wo leben wir eigentlich? Sehen wir alle nur weg? Brechen wir nicht alle jeden Tag das Gesetz und tun so, als wäre nichts passiert.

Also habe ich angefangen – und herausgekommen ist das Projekt und jetzt das (hoffentlich interessante) Buch.

Machen Sie im normalen Leben auch normale Sachen?

Ach, eigentlich ist mein Leben ganz normal. Aber mir wird sehr schnell langweilig und dann probiere ich neue Sachen aus. Das Schöne dabei ist, dass meine Familie das nicht nur akzeptiert, sondern auch noch cool findet und mich anstachelt. Wir sind schon wieder mitten im nächsten Projekt. Ich will noch nicht zu viel verraten – nur so viel: Dagegen sind 40 Tage ohne Lügen und zwölf Monate nach dem Gesetz leben ein Kinderspiel.

Ihr Versuch ist nun beendet, was ist ihr ganz persönliches Fazit aus diesem Jahr?

Das Naheliegendste natürlich: Es gibt viel zu viele Gesetze in Deutschland! Wir können noch nicht einmal ins Bad gehen, ohne mit Verordnungen, Normen und Vorschriften konfrontiert zu werden. Niemand kennt sich mehr aus in diesem Irrenhaus Deutschland.

Was mir jedoch auch aufgefallen ist: Fast jeder versucht, Gesetze zu umgehen, um persönlichen Vorteil daraus zu schlagen – man redet es sich dann schön, bezeichnet es als Kavaliersdelikt oder behauptet, nicht gewusst zu haben, dass es verboten ist. Dass wir letztlich alle (vor allem die Ehrlichen und Gesetzestreuen) dafür bezahlen, ignorieren wir.

Und: Wir sehen gerne weg, wenn etwas Unrechtes geschieht – oder noch schlimmer: Wir sehen dabei zu und tun nichts gegen die Unholde. Ich würde mir viel mehr Zivilcourage wünschen. Dann bräuchten wir viel weniger Verordnungen und Gesetze, wenn wir ein wenig mehr aufeinander aufpassen würden.

Ich nehme mal an, Sie wollen mit ihrem Buch etwas erreichen, was genau?

Ich würde mir wünschen, dass Politiker endlich einsehen, dass sie mit ihrem Schaufenster-Parlamentarismus und Wahlkampf-Gesetzen unser Land langsam kaputt machen. Sie verabschieden Gesetze nicht, um der Gesellschaft zu helfen, sondern um Wählerstimmen zu bekommen. Das ärgert mich maßlos.

Und ich würde mir wünschen, dass wir alle wieder mehr aufeinander aufpassen, uns gegenseitig helfen und gemeinsam gegen Übeltäter vorgehen – also Zivilcourage zeigen. Dann braucht es keine Gesetze mehr, wenn wir alle ein bisschen weniger auf unseren eigenen Vorteil und mehr auf die Gesellschaft achten würden.

Das wäre mein Wunsch.

Herzlichen Dank für das Gespräch und wir sind gespannt auf das was da bereits angekündigt ist!

Der Autor schenkt einem glücklichen Gewinner ein von ihm signiertes Verlosungsexemplar. Wenn ihr es gewinnen wollt, dann müsst ihr bis Montag 20 Uhr hier einen Hinweis geben, welches Gesetz ihr sofort abschaffen würdet. Viel Glück!

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Jürgen Schmieder: Mit einem Bein im Knast

  1. Maria Lahnstein

    Die Sommerzeit würde ich abschaffen, bringt keinerlei Vorteile nur dauernde Umstellung. Hört sich sehr interessant an, das Buch muss ich unbedingt mal lesen.

  2. Simone Oppl

    Die Kontrollen der Kontrollen der Kontrolleure usw. Aber die armen Menschen brauchen halt Arbeit, also habt Verständnis. Hallo Schmieder, hatte schon von Dir gehört, finde deine Idee klasse.

  3. Felix Rother

    Ich freue mich schon jetzt riesig auf das Schmieder-Buch!! Auch wenn ich nach der Lektüre wahrscheinlich anders weil bewusster urteilen würde: Derzeit würde ich die Paragraphen §961-964 abschaffen. Wer verfolgt schon einen Bienenschwarm um weiter dessen Eigentümer zu sein? Solche Dinge sind zwar nicht störend, aber unnötig!

  4. Adeline Warkentin

    Das ist ja mal was ganz interessantes! Ich wäre nie auf so eine Idee gekommmen. Hört sich aber sehr vielversprechend an.

  5. Helga

    Das *Jahres*-Steuergesetz. Das müßte nicht alles jährlich festgelegt werden.

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