Jochen König: Fritzi und ich

Jochen Königfritzi und ich

Foto: Jochen König

Die Zeit da alleinerziehende Mütter mit ihren Büchern auf den Buchmarkt strömten ist glücklicherweise vorbei. Von einer völlig anderen Familienkonstellation, wenn man überhaupt von Familie sprechen kann, berichtet Jochen König in seinem Buch. Allein lebt er mit Tochter Fritzi in seiner Wohnung zusammen. Fritzis Mutter wohnt zwar in derselben Stadt, aber an ein Zusammenziehen denkt niemand.

Ich bewundere die Offenheit mit der der Autor über die Alltäglichkeiten im Zusammenleben mit einem Säugling und Kleinkind berichtet. Er beschreibt Behördengänge, Kitabesuche und Spielplatzgespräche mit Müttern. Er hat Positives und Negatives zu erzählen und er übt sich in Gesellschaftskritik. Er verheimlicht nicht seine Tränen und seine Wut auf Fritzis Mutter.

Sehr deutlich wird bei Jochen König wie gewaltig ein Kind das gesamte bisherige Leben verändert. Als Hausmann, der selbst fünf Kinder durch das Windelalter und den Sand so mancher Sandkiste geschleift habe, konnte ich mich an einigen Stellen des Buches wiederfinden. Doch wesentlich an diesem Buch ist mir die Umkehrung der Vater – Mutter – Rolle. Deutlich wird dem Autor auch, dass man noch so viel über Kinder erlesen kann, wirklich begreifbar wird es erst mit einem eigenen Kind. Sehr schön transportiert König diese Erfahrung zu seinen Lesern.

Enttäuscht bin ich vom Schluß des Buches. Ich hatte mir den für Kind und Vater anders erträumt. Aber die Realitäten sind halt anders. Ich danke dem Autor, dass er mir einen Blick in seine vier Wände gestattet hat!

Herder, ISBN 978-3-451-50679-2, Preis 14,99 Euro

Autor Jochen König hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Jochen, seit wenigen Wochen ist Dein Buch auf dem Markt. „Fritzi und ich“ ist die wunderbare Liebesgeschichte zwischen Dir und Deiner Tochter. Du lebst mit ihr allein in Berlin. Fritzis Mutter lebt ein paar Straßen weiter. Warum ist Dein Buch wichtig für die Leserschaft?

Soweit ich das überblicken kann, ist es das erste Buch dieser Art. In letzter Zeit gibt es zwar einige Bücher von Vätern, jedoch berichten dieser immer nur von einer begrenzten Anzahl an „Vätermonaten“ und immer aus sicherer ironischer Distanz vom Alltag mit Kind. Trotz einiger positiver Erlebnisse besteht bei ihnen nie ein Zweifel, dass sie nur einen vorrübergehenden „Tausch“ eingegangen sind. Ich dagegen habe mich ganz bewusst von Anfang an dazu entschieden mehr Verantwortung für Fritzi zu übernehmen und lebe deshalb seit ihrer Geburt mit ihr alleine. In meinem Buch habe ich versucht so ehrlich wie möglich zu beschreiben wie es mir damit geht.

Als der Test Euch Eltern sagte, jawohl da kommt ein Kind, ward Ihr Euch schnell einig, abgetrieben wird nicht! War da schon klar, dass Du mit Fritzi allein zusammenleben wirst?

Nachdem die zwei Streifen auf dem Schwangerschaftstest auftauchten, haben wir uns bewusst Zeit gelassen darüber zu entscheiden, ob wir das Kind bekommen möchten oder nicht. Wir haben viel darüber diskutiert, ob und wie wir uns jeweils ein Leben mit Kind vorstellen könnten. Eine Abtreibung wäre für uns durchaus in Frage gekommen. Letztendlich haben wir uns unter ganz bestimmten Voraussetzungen für das Kind entschieden. Dazu gehörte, dass wir weiterhin nicht zusammen wohnen wollten, Fritzi zu mir zieht und ich für zwölf Monate in Elternzeit gehe. Ich bin sehr froh, dass wir uns ganz bewusst unter diesen Bedingungen für Fritzi entscheiden konnten und nicht aufgrund eines staatlichen Verbots oder bestimmter moralischer Vorstellungen dazu verpflichtet wurden oder verpflichtet fühlten, das Kind zu bekommen.

Aus eigener Erfahrung konnte ich gut nachvollziehen wie das ist, mit dem eigenen Kind im Arm zu begreifen, jetzt ist nichts mehr wie vorher. Mann hat keine andere Wahl mehr. Manchmal übermannt einen auch die Verantwortung für das kleine Geschöpf. Du bist Dir nicht zu Schade dafür von Deinen eigenen Tränen zu erzählen. Wie gehst Du heute in stillen Stunden mit Deiner Verantwortung um?

Auch wenn ich nach mittlerweile vier Jahren insgesamt etwas gelassener mit der Verantwortung umgehen kann als kurz nach der Geburt, gibt es doch immer noch einfachere und schwierigere Momente. Manchmal bin ich ganz euphorisch mit diesem tollen Kind zusammenleben zu dürfen und kann mein Glück kaum fassen. Es gibt aber auch noch immer manchmal Situationen, in denen es sich ganz schön schwer auf meinen Schultern anfühlt und ich mich der Verantwortung nicht gewachsen fühle. Tränen können mir in beiden Momenten kommen.

Du lebst mit Deiner Dreijährigen Tochter zusammen. Lebst Du immer mit dem Gefühl, hier fehlt noch jemand oder seit Ihr beide ein unschlagbares Team und zufrieden mit der Situation?

In den meisten Momenten bin ich zufrieden so wie es ist. Wir sind aber auch nicht zu zweit alleine, sondern haben viele tolle Menschen um uns herum, die auf die ein oder andere Weise mit zum „Team“ gehören. Manchmal denke ich darüber nach, dass ich gerne mit Fritzi wieder in eine WG ziehen wollen würde – beispielsweise zusammen mit anderen Eltern und Kindern.

Sag bitte unseren Lesern warum sie Dein Buch unbedingt lesen sollten!

Ich hoffe ich habe mit den Antworten hier etwas Neugier auf mein Buch geweckt. Darüber hinaus sollen andere entscheiden, ob es unbedingt gelesen werden sollte.

Irgendwo im Internet habe ich der Gerüchteküche entnommen, Du planst einen zweiten Teil. Stimmt das und was wird der Schwerpunkt des Buches werden?

Fritzi und ich erleben weiterhin spannende Geschichten. Außerdem schreibe ich sehr gerne und viel. Was am Ende dabei herauskommt, weiß ich selbst noch nicht.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jochen König schenkt einem glücklichen Gewinner von buecheraendernleben ein signiertes Exemplar seines Buches. Wer seinen Kommentar bis Sonntag 20 Uhr unter diesen Beitrag postet nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Jochen König: Fritzi und ich

  1. Lea

    Das Buch klingt interessant. Ich mag Romane, in denen das Alltägliche beschrieben wird, da es meist sehr realtistisch ist und hilfreich ist, sich in andere hineinzuversetzen. Eine WG zusammen mit anderen Eltern und Kindern ist eine schöne Idee, da könnten die Eltern sich gegenseitig unterstützen und die Kinder gemeinsam spielen.

  2. Monika

    Gerade, dass es kein Roman ist, sondern das „wahre Leben“, macht neugierig auf dieses Buch. Vor allem finde ich gut, dass eben nicht alles „heile Welt“ ist, wie bei anderen, die der Autor im Interview erwähnt (mal ein paar Monate Elternzeit genommen, die übersteht man …)

  3. Maria

    Das ist wirklich ungewöhnlich, daß der Vater das Kind gleich nach der Geburt zu sich nimmt und aufzieht. Da frage ich mich natürlich, wie oft sich Mutter und Kind sehen und wieviel sie sich kümmert? Ich lese sehr gerne Bücher mit realen Handlungen, wo nicht alles Gold ist, was glänzt. Das Buch würde ich sehr gerne lesen.

  4. Adeline Warkentin

    Das Buch würde ich gerne lesen, weil mich sowas interessiert. Außerdem bin ich gespannt, was der Autor zu erzählen hat.

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