Monatsarchiv: Juni 2013

Beeke / Kleyn: Auf Fels gebaut

wie gott durch ein Gewitter wirkteHans-Werner Deppe

Foto: Hans – Werner Deppe

Betanien Verlag, ISBN 978-3-935558-31-0, Preis 9,90 Euro

Dieser erste Band Andachtsgeschichten trägt den Titel „Wie Gott durch ein Gewitter wirkte“. Leider findet sich im Buch keinerlei Hinweis für eine Altersempfehlung für diese Buchreihe. Dies finde ich problematisch, denn so breiter die Altersspanne, je größer ist die Gefahr, dass kleine Leser überfordert und große Leser unterfordert werden. Auch mit der Einteilung der jungen Leser in Christen und „Ungläubige“ bereitet mir sehr große Bauchschmerzen.

In den einzelnen Geschichten, die zum Teil bis zu acht Seiten lang sind und somit Erstklässler wohl vom eigenen Lesen ausschließt, begegne ich Begriffen wie „Atheist, Sünde, sanftmütiger Geist, Teufel, Allheilmittel, Versuchung …“. Für mich sind die Benutzung dieser Begriffe eine totale Überforderung eines Erst – oder auch Zweitklässlers. Was haben Geschichten für Kinder noch für einen Sinn wenn Eltern oder Großeltern die Texte erst erklären müssen. Sollte es nicht Ziel sein, gerade in Büchern für Kinder, dass die Geschichten so formuliert sind, dass die Geschichten für sich stehen und der junge Leser sie ohne Erklärungen aufnehmen kann?

Das in Polen gedruckte Buch ist wie gesagt der Auftakt einer auf fünf Bände angelegten Reihe. Auch der zweite Band ist bereits erschienen. Die weiteren folgen noch in diesem Jahr. Ich finde es eine clevere Idee wahre Geschichten als Grundlage für Andachten zu verarbeiten, bei diesem Band ist die Umsetzung für den Leser m.E. nicht besonders gut gelungen.

Obwohl ich einige kritische Fragen hatte, hat sich Verlagsleiter Hans – Werner Deppe doch meinen Fragen gestellt. Ich bin ihm dafür sehr dankbar.

Lieber Hans – Werner Deppe, sie sind der Verlagsleiter des Betanienverlages. Soeben sind die ersten beiden Bände einer mehrbändigen Buchreihe mit Andachtsgeschichten für Kinder erschienen. Was ich nirgends gefunden habe war eine Empfehlung für welche Kinder diese ausgelegt ist. Wie alt sollte ein Kind sein um mit diesen Geschichten konfrontiert zu werden?

Zunächst vielen Dank für Ihre Fragen, auch oder gerade wenn diese kritisch sind. Dies hilft uns, bei Neuauflage ggf. Verbesserungen vorzunehmen. Die Altersangabe habe ich nun in unserem Onlineshop ergänzt: “Altersgruppe: Zum Selberlesen ab ca. 9 Jahre, zum Vorlesen auch früher.” Auf dem Buch selber steht nur “für kleine und große Kinder”, da die Altersgruppe eigentlich nicht so eingeschränkt ist und die Bücher sich für jüngere Kinder, die noch nicht selber lesen, wie gesagt auch zum Vorlesen eignen, auch wenn beim Vorlesen sicher hier und da noch etwas erklärt werden sollte. Darauf kommen wir unten ja noch zu sprechen.

Irritiert bin ich, dass Sie die Leserschaft in „Christen“ und „Ungläubige“ einteilen. Zumindest im Hinblick auf die Gebetsvorschläge finde ich diese Bezeichnungen in ihrem Buch. Für mich haben solche Bezeichnungen wenig mit Einladung, mehr mit Aus – oder zumindest Abgrenzung zu tun. Können sie dies nachvollziehen?

Naturgemäß gibt es unter Kindern – auch in christlichen Elternhäusern – solche, die bereits gläubig sind, und andere, von denen man dies nicht sagen kann. Diese letztere Gruppe, die wir hier vielleicht tatsächlich etwas unglücklich mit “Ungläubige” tituliert haben, sind jene, die noch nicht bekehrt sind und deshalb eine andere Ausrichtung in den Gebetsvorschlägen brauchen. Ich halte es für sehr wichtig, dass man hier differenziert und nicht alle, ob gläubig oder noch nicht, über einen Kamm schert nach dem Motto “wir kommen sowieso alle in den Himmel.” Ich werde aber die Ausdrucksweise für die nächsten Ausgaben und Auflagen nochmal überdenken und danke für diesen Hinweis – wobei: Gebraucht nicht auch die Bibel den Ausdruck “Ungläubige”?

In den einzelnen Geschichten finde ich viele Begriffe von denen ich annehme, dass Kinder es schwer haben sie zu verstehen. Beispielsweise: „Atheist, Sünde, sanftmütiger Geist, Teufel, Allheilmittel, Versuchung …“ Glauben Sie, dass dies eine kindgerechte Sprache ist?

Es gibt zentrale Begriffe des christlichen Glaubens, die Kinder schon früh lernen sollten: Was ist Gnade, was ist Sünde, was ist Buße, was ist heilig? usw. Solche Begriffe sollte man nicht durch Simplifizierungen ersetzen. Auch Ihre Beispiele Atheist, Sanftmut, Teufel (wobei … hallo? Ist “Gott” vielleicht auch ein schwerverständliches Wort?) und Versuchung würde ich dazu zählen. Beim Vorlesen kann man hier kurz pausieren und nachfragen, ob die Kinder das Wort verstehen und ggf. erklären. Andere schwierige Wörter wie z.B. Allheilmittel hätten wohl tatsächlich im Lektorat ausgebügelt werden können; darauf werde ich für die nächsten Ausgaben vermehrt achten. Aber legen wir die Latte ruhig nicht zu tief – wir müssen nicht wie bei den Juden schon mit 3 Jahren Hebräisch schreiben lernen, aber ein wenig Anspruch tut uns Christen ganz gut.

Am Ende jeder Andachtsgeschichte wird eine Frage gestellt. Ich finde es problematisch wenn ich am Buchende in den fertigen Antworten Zusagen formuliert finde. Was macht ein Kind wenn eine Zusage nicht eintrifft? Was wenn Gott einmal nicht rettet, obwohl sich jemand um Gottes Hilfe bemüht hat? Ich spiele hier auf Kapitel 3 an.

Ich finde es sehr wichtig, vorsichtig und zurückhaltend mit frommen Zusagen im Namen Gottes zu sein. Zusagen, die nicht in der Bibel stehen, dürfen auf keinen Fall gemacht werden. Auch bei biblischen Verheißungen müssen wir immer durch sorgfältige Auslegung prüfen, ob diese Verheißung nur eingeschränkt galt (einer bestimmten Person, zu bestimmten Zeiten, unter bestimmten Voraussetzungen usw.) oder auch uns gilt. Bei der erwähnten Verheißung (dass Gott uns aus Versuchungen rettet, wenn wir uns mit Gottes Hilfe dagegen wappnen) handelt es sich meinem Verständnis nach um eine allgemeine biblische Verheißung (1Kor 10,13; 2Petr 2,9). Wenn wir allgemeine biblische Verheißungen nicht anderen zusichern dürften, dann dürften wir auch nicht sagen: “Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden.” Die Reihe heißt ja “auf Fels gebaut”, weil sie die Kinder auf dem festen Felsen des Wortes Gottes und seiner Verheißungen gründen soll.

Herzlichen Dank dem Verlagsleiter des Betanienverlages für seine Antworten.

Hans – Werner Deppe stellt uns von jedem der ersten beiden Bücher je drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wenn du bis Freitag 20 Uhr deinen Kommentar unter diesem Beitrag postest nimmst du automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Advertisements

5 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

Körperliche Züchtigung hier und heute ???

Unsere Blogkollegen von „nimm und lies“ haben gerade ein neues Buch von Wolfgang Bühne vorgestellt. Um dieses Buch soll es hier nicht gehen, wohl aber um den Autor.

Der propagiert die körperliche Züchtigung von Kindern hier und heute:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/glaube-und-erziehung-schlaege-im-namen-des-herrn-1.1012765

es gibt sehr viele Seiten im Internet die sich mit der folgenden Einstellung von Christen beschäftigen: „Wer sein Kind liebt, der züchtigt es!“

http://www.ndr.de/regional/zucht101_page-2.html

Ich habe versucht etwas dagegen zu setzen und bekam jetzt zur Antwort:

„Was ist dein Maß­stab Chris­tian? Wenn es die Bibel ist, dann sollte sich deine Mei­nung nicht beson­ders stark von der des Herrn Bühne unterscheiden.“

Ich glaube ich spinne. Dass heißt doch wohl nichts anderes als; nur wenn ich meine Kinder schlage bin ich auf Seiten der Bibel!?

Gott sei Dank bin ich durch Jesus so frei zu entscheiden meine Kinder nicht schlagen zu müssen.

Wie ist deine Meinung zu diesem Thema? Hast du Kinder? Schlägst du sie?

Nachtrag: 29. 6. 2013
Wie meine Bloggerkollegen von „nimm und lies“ dort schreiben, wünscht man sich keine Diskussion zum Thema. Liegt das vielleicht an meinen Fragen die ich dort gestellt habe?
Wie mir ein Anwalt inzwischen erklärt hat, wird sich aber auch wohl niemand der die Züchtigung seiner Kinder hier und heute noch praktiziert outen, weil er damit von der deutschen Justiz angreifbar ist.
Also schweigen wir schön weiter zum Thema ?!?

12 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

Uwe Heimowski/ Frank Heinrich: Mission: Verantwortung

mission verantwortung

Den ersten Heilsarmeeoffizier im Deutschen Bundestag Frank Heinrich stellt Uwe Heimowski in seinem neuen Buch vor. Clever wie der Autor ist, saugt er sich nichts aus den Fingern, sondern lässt den Bundestagsabgeordneten selbst reden.

Das Buch in Interviewform stellt zwar den Abgeordneten Frank Heinrich vor und in seine Biografie hineinzuschnuppern ist keinesfalls langweilig, beim Lesen dachte ich allerdings oft die vielen Christen die sich nicht außerhalb kirchlicher Strukturen zu Wort melden.

In diesem Buch erscheint Politik plötzlich nicht mehr stink langweilig, das Wort Politikverdrossenheit mächtig weit weg zu sein. Beide Autoren reden über das „C“ in der deutschen Parteienlandschaft und vor allem darüber wie christliche Inhalte herausgearbeitet und umgesetzt werden können. Wenn Frank Heinrich von seiner Arbeit in Ausschüssen und Versammlungen berichtet, klingt dies beinah spannend, als könnte man doch noch etwas bewegen.

Für den Abgeordneten Frank Heinrich scheint sein Weg in den Bundestag folgerichtig zu sein. Seine Überzeugungen versucht er nun in der großen Politik in die Tat umzusetzen. Wäre das Wort vom „Vorbild“ nicht schon so strapaziert, würde ich Frank Heinrich als Vorbild bezeichnen. Endlich einer, der nicht nur nörgelt und meckert, sondern sich einbringt und somit Verantwortung übernimmt!

Neufeld, ISBN 978-3-86256-039-4, Preis 12,90 Euro

Uwe Heimowski hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo lieber Uwe Heimowski, „Mission: Verantwortung“ heißt ihr neues Buch. Sie stellen darin den Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich vor. Warum sollte ich als Norddeutscher den Sachsen kennenlernen?

Norddeutsche sind doch offen, wach, neugierig und intelligent (darf ich das als geborener Niedersachse, der in Schleswig-Holstein geboren ist, so sagen?) – da müssten sie eigentlich gespannt sein auf die Einblicke und Einsichten in diesem biografischen Interviewbuch. Im Ernst: die Geschichte von Frank Heinrich ist beispielhaft für einen Christen, der früh in seinem Leben Verantwortung übernommen hat und so bei der Heilsarmee und im Bundestag „gelandet“ ist. Das kann man in Sachsen, in Hamburg, in Freiburg oder in Köln tun. Und Frank kennen zu lernen, lohnt sich einfach, ist ein Klassetyp!

Warum braucht die Politik Christen, was haben die drauf, was andere nicht können?

Nichts. Die Kompetenz eines Abgeordneten hat nichts mit seinem Glauben zu tun. Es gibt atheistische Fachleute – und ebenso kann es gläubige Pfeifen geben. Wer in den Bundestag will, muss viel Zeit investieren und sich schnell in Themen einarbeiten können. Er muss reden und zuhören, abwägen und entscheiden. Ein Christ hat in seinem Glauben eine Kraftquelle und eine Richtschnur für sein Gewissen, das ist hilfreich. Wenn man die Frage andersherum stellt, wird eher ein Schuh draus: Wenn Christen alle Kompetenzen mitbringen, die es braucht. sollten sie die Politik entdecken und auch hier Verantwortung übernehmen.

Viele Christen sind der Meinung; mein Christsein geht niemanden etwas an! Was halten Sie dem entgegen?

Dem musste ich noch nie etwas entgegen setzen. Mir ist diese Meinung nicht begegnet. Wenn gemeint ist, dass Christen über ihre Arbeit und nicht (nur) über ihren Glauben wahrgenommen werden wollen, dann kann ich das gut verstehen. Wenn es bedeutet, dass Christen sich aus der Gesellschaft zurückziehen, dann finde ich es sehr schade. „Mission: Verantwortung“ will genau solche Christen herausfordern, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Dazu gehört nach der Bibel an der richtigen Stelle auch ein Bekenntnis zu Jesus Christus. Allerdings ist die Politik nicht ein weiteres „Missionsfeld“, sondern der Ort, wo verantwortlich gearbeitet werden muss.

Ihr Buch, es ist ja eigentlich ein ausführliches super spannendes Interview, zeigt sehr schön wie aus Überzeugungen, Taten werden können. Mal ganz ehrlich, ist das ihr Beitrag wider der Politikverdrossenheit?

Sehr schön formuliert: aus Überzeugungen sollen Taten werden. Gelebter Glaube ist immer Wort und Tat. Wenn das Buch dabei hilft und dabei ein Beitrag gegen die Politikverdrossenheit ist – fantastisch! in der Politik kann man viel bewegen. Es wäre klasse, wenn sich Menschen durch unser Buch motivieren lassen, da mit zu mischen. Christen – aber nicht nur Christen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

http://www.neufeld-verlag.de stellt uns von diesem Titel drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis Dienstag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

3 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

Julie Klassen: Die Tochter des Hauslehrers

die tochter des hauslehrersjulie klassen

Foto: Julie Klassen (Foto: Verlag)

„Hilfe“ hab ich beim Lesen der ersten Seiten gedacht. Sie zogen sich etwas in die Länge, einiges wurde mir gar zwei Mal erzählt. Aber dann startete Erfolgsautorin Julie Klassen voll durch.

Die Ausgangssituation ist schnell erzählt. Emma, „Die Tochter des Hauslehrers“ hilft ihrem Vater und erteilt in seinem anerkannten Institut mit Unterricht. Dort werden die Söhne reicher Herrschaften auf die Universität vorbereitet. Ihre Handlung hat die Autorin in das frühe 19. Jahrhundert gelegt.

Nachdem die Frau des Hauslehrers stirbt, verfällt der in Depressionen und die Schüler bleiben aus. Aber Emma, die ganz zweifelsfrei die Hauptfigur dieses Thrillers ist, ergreift die Initiative und sorgt dafür, dass ihr Vater wieder eine Aufgabe bekommt.

Beide reisen in das Herrenhaus eines Barons. Zwei seiner Söhne wurden bereits direkt im Institut auf ihren Weg an der Uni vorbereitet, seine beiden jüngeren Söhne sollen zu Hause unterrichtet werden.

Von dem Zeitpunkt an, an dem Emma und ihr Vater im Herrenhaus ankommen, beginnt Julie Klassen ihre Fähigkeiten als Gruselautorin unter Beweis zu stellen. Wer schreit nachts im Haus? Wer schleicht sich nachts in Emmas Zimmer? Ist es tatsächlich der Geist der verstorbenen ersten Frau des Barons? Oder hat die Familie wirklich ein Geheimnis, von dem nicht einmal alle Familienmitglieder etwas wissen?

Man kann kritisch anmerken, warum Julie Klassen der Rolle des Hauslehrers so wenig Spielraum zugesteht, vielleicht mag auch die christliche Botschaft dieses Thrillers nicht gerade überwältigend sein, aber spannend und mitreißend ist die Story ganz bestimmt.

Immer wenn ich dachte jetzt ist ein Familiengeheimnis gelüftet, schafft es die Autorin in ihrem Spannungsbogen nicht nachzulassen und noch ein weiteres Geheimnis draufzusetzen.

Wer sich auf diesen Thriller einlässt, sollte unbedingt seine nächsten Termine absagen, er wird sie ohnehin verpassen!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5488-8, Preis 16,95 Euro

Auf dieser Seite gibt es mehr über Julie Klassen zu erfahren:

http://www.scm-haenssler.de/microsites-2012/julie-klassen-deutschlandtour.html

Der Hänssler Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Buches zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis Dienstag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

11 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

Peter Gross: Wir werden älter. Vielen Dank. Aber wozu?

30699-0_GROSS_Wir_werden_Šlter_FINAL.inddpeter gross

Foto: Peter Gross (privat)

Dieses Buch geht uns alle sehr direkt etwas an. Wir werden immer älter, „Aber wozu?“ fragt der Autor Peter Gross. Er führt mit seinem Buch weg von den negativen Schlagzeilen des älter werdens.

Alt werden birgt ganz neue Chancen für den der gerade alt wird, aber auch für die noch jungen und dies geht weit über das gelegentliche ‚auf die Enkel aufpassen‘ hinaus. Der Autor zählt die Chancen auf, benennt sie deutlich und dadurch wird ganz offen ersichtlich, dass wir erst ganz am Anfang der Überlegungen stehen, wie reich wir gesegnet sind mit der immer größer werdenden Gruppe der Alten.

Dieses Buch geht keineswegs nur Alte etwas an. Es sollte gelesen werden, damit wir endlich von Negativdiskussionen wegkommen und unser Horizont frei wird für bislang ungeahnten Reichtum!

Herder, ISBN 978-3-451-30699-0, Preis 14,99 Euro

Peter Gross hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Peter Gross, soeben ist ihr Buch „Wir werden älter. Vielen Dank. Aber wozu?“ erschienen. Richtet sich dieses Buch an einen bestimmten Leserkreis?

Das Buch richtet sich an alle, die älter werden. Und das sind in Deutschland und überhaupt in Europa doch alle. Oder kennen Sie jemanden, der früh sterben möchte? Das gibt es doch nur in traurigen Einzelfällen. Die Steigerung der Lebenserwartung ist ein großartiger Erfolg moderner Gesellschaften. Aber wir wissen nicht so recht, was wir mit diesem Geschenk anfangen sollen.

Sie schreiben in ihrem Buch: Menschen werden heute drei Mal so alt wie noch vor 150 Jahren. Anstatt uns darüber zu freuen, überwiegen in der öffentlichen Wahrnehmung die Themen Gesundheitskosten – Dahinsiechen – gute Altersheimplätze. Warum entdecken wir keine Gründe um uns über das älter werden zu freuen?

Die Diskussion über das Altern ist hochgradig selektiv und rückt die Zumutungen des Hochbetagtendaseins einseitig in den Vordergrund. Aber selbst das hohe Alter vermag bei nachlassenden körperlichen Kräften Gedanken und Empfindungen freizusetzen, die sich ohne alt zu werden nicht erleben lassen. Früher war das Leben ein Torso, unfertig und wurde in der Mitte des Lebens vom Tod gekappt. Krieg, Pest und Cholera verkürzten ein Menschenleben auf dreißig oder vierzig Jahre.

Sie benutzen das Wort „Langlebigkeitsgesellschaft“. Sie machen nicht Angst davor, sprechen im Gegenteil sogar von Reichtum in diesem Zusammenhang. Worin besteht dieser Reichtum und warum entdecken wir ihn so schwerlich?

Die Vorzüge einer Langlebigkeitsgesellschaft sind gegenüber kurzlebigen Gesellschaften enorm. Man gewinnt Zeit, um das Leben zu bedenken und zu befrieden. Wer mit vierzig stirbt, hat diese Zeit nicht. Mit der Lebenserwartung leben nicht mehr nur zwei Generationen kurzzeitig zusammen, sondern drei, nicht selten vier. Was dieses Zusammenleben bedeutet, kann ermessen, wer als Kind seine Großeltern noch knapp gekannt hat. Die Gestalt des Lebens verändert sich, wir haben es in modernen Gesellschaften mit einer Art Hochstammkulturen zu tun, deren Vorteile nicht nur dem Naturschützer evident sind. Eine Langlebigkeitsgesellschaft erscheint mir, ein vielleicht ungewohnter Gedanke, nachhaltiger. Sie muss nicht alles neu erfinden, das Wissen bleibt länger und in größerer Vielfalt erhalten.

Eigentlich ist ihr Buch ja ein Frontalangriff auf unsere „immer schneller – immer höher – immer weiter“ Lebenseinstellung – warum fehlt da eigentlich das „immer älter?“

Das Älterwerden unserer Gesellschaft erzwingt ihre Verlangsamung. Das Nachlassen der körperlichen Möglichkeiten steht unserer Gesellschaft entgegen, die sich als Kraftmaschine präsentiert und seit der Industrialisierung die Kraft prämiert und die Ruhe und Genügsamkeit verachtet. Altern bringt eine rezessive Dynamik in Gang, die nicht auf Appellen und „Empört-Euch-Rufen“ baut, sondern auf die Tatsache einer nun noch europäischen, freilich bald weltweiten Alterung. Einer Alterung, die einhergeht mit einem Rückgang der Kinderzahlen. Zum Glück, wenn man an das Schicksal der Kinder denkt, die jeden Tag in großer Zahl verhungern.

Was wünschen Sie sich, was soll ihr Buch mit dem Leser anstellen?

Das Buch enthält, darum der Untertitel „Vier Annäherungen“ unfertige und tastende Vorüberlegungen für eine Sinngebung eines in zwei Jahrhunderten gewachsenen Lebensabschnittes. Es will den Leser anspornen, die Annäherungen weiterzudenken. Vom Generationenverhältnis bis zum epochalen Sinn des Alterns. Ich selber bin in diesen Lebensabschnitt gekommen und mache mit meinem neuen „Lebensabschnittspartner“ manchmal deprimierende, meist aber aufregende Erfahrungen. Viktor Frankl, der österreichische Logotherapeut hat einmal sinngemäß gesagt, wer um das „Warum“, also den Sinn wisse, der ertrage fast jedes „Wie“. So ist es auch mit dem Älterwerden. Wer ihm einen individuellen und eventuell sogar einen geschichtlichen Sinn abzugewinnen vermag, und sich selber als sinnvollen Teil eines großen Ganzen sieht, erträgt
guten Mutes auch das manchmal leidvolle und ärgerliche „Wie“ des Alterns.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Der Autor stellt unserem Blog ein von ihm signiertes Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis Sonntag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Randy Singer: Der Code des Richters

der code des richters

Seit Jahren schon ist der jährliche neue Thriller des amerikanischen Bestsellerautoren Randy Singer ein Höhepunkt bei Hänssler. Oft ist es ja so, dass irgendwann einmal die literarische Qualität solcher ewigen Erfolgsschreiber nachlässt, im vorliegenden Thriller allerdings ist davon nichts zu bemerken.

Richter Oliver G. Finney ist ein überzeugter Christ und hat Krebs im Endstadium. Seine Hustenanfälle strapazieren ihn arg, aber dies hält in nicht davon ab in einer amerikanischen Realityshow aufzutreten. Zusammen mit Menschen anderer Religionen will er dort in einer Art Wettbewerb treten. Es geht darum seinen Glauben zu vertreten und selbst einem Kreuzverhör, wie vor Gericht, standzuhalten.

Für mich als Leser ist es äußerst interessant, wie sich die Vertreter der einzelnen Weltreligionen in dem mehrtägigen Camp zueinander verhalten und wie sie ihren Glauben interpretieren.

Eingebettet ist diese Handlung in einen tempogeladenen Thriller der kriminelle Energie, Liebe, ja auch missionarisches Verhalten zum Thema macht. Diese Story gehört für mich zu den besten die Randy Singer bislang seiner deutschen Leserschaft vorlegt.

Immer mehr werden wir in unserem Heimatland mit den Weltreligionen konfrontiert. Randy Singer nimmt sich dieses aktuellen Themas meisterhaft an!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5472-7, Preis 16,95 Euro

Der Hänssler Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Titels zur Verfügung. Wer also bis Samstag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

8 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

Verena Birchler

lebensbalanceverena birchler

Foto: Verena Birchler

Ratgeber und auch andere Bücher zum Thema kürzer treten überfluten seit Monaten den Büchermarkt. Verena Birchler weiß sehr genau wie das ist nicht vom Gaspedal des Lebens herunterzukommen. Leidvoll hat sie alle Phasen des zurück ins normale Leben durchlitten. Aber sie hat Erfahrungen gesammelt die sie nun mitteilt.

Das besondere jedoch an diesem Buch ist m.E., dass die Autorin genau so vor einem zu wenig im Leben warnt. Sich durch ihr Buch zu arbeiten ist eine spannende Sache, vor allem weil man beim Lesen seinen Blick sehr oft auf sich selbst richtet.

Sicher ist dies von der Autorin so gewollt. Ihr Buch zu lesen ist wichtig um in Balance zu bleiben und vor allem auch am eigenen Gottesbild weiterzuarbeiten. Birchler gelingt es in ihrem Buch, Gott zu einer verlässlichen Größe im Alltag werden zu lassen!

Brunnen Basel, ISBN 978-3-765-51532-3, Preis 13,99 Euro

Autorin Verena Birchler hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Frau Birchler, „Lebensbalance“ heißt Ihr soeben erschienenes Buch. Unter anderem beschreiben Sie wie rasant sie viele Jahre ihres Lebens auf dem Gaspedal stehend durchs Leben geeilt sind. Haben Sie sich während der rasanten Fahrt nie gefragt: Warum tue ich mir das eigentlich an?

Nein, interessanterweise nicht. Denn alles was ich tat, machte mir Spass. Ich wurde ja nicht zu irgendetwas gezwungen. Das Tempo entsprach meinem Temperament und meinen Charakter. Deshalb merkte ich auch nicht, wie mir langsam aber sicher mein „Lebensbenzin“ ausging.

Irgendwann hat dann aber Ihr Körper zu ihrem Lebensalltag „Nein“ gesagt. Was waren das für Momente als Sie selbst begriffen haben, hoppla da ist etwas falsch gelaufen?

Das war nicht schön. Durch die anhaltende Schlaflosigkeit verschwanden meine Energien. Das Defizit war da mit allen Facetten. Am schlimmsten waren die Depressionen. Es waren diese dunklen Momente, aus denen ich fast nicht mehr herauskam. Ich konnte phasenweise kaum mehr reden, fühlte mich völlig wertlos. Zwischendurch erlebte ich wieder positive Momente. Aber dadurch wurden die negativen noch intensiver. Denn ich spürte, wie schön das Leben sein könnte. Aber ich passte nicht mehr zu diesem Leben.

Bücher über Bournout oder Entschleunigung gibt es grad recht viele auf dem Büchermarkt. Genau auf diese Schiene wollen Sie nicht aufspringen. Sie sagen ein „zu viel“ ist nicht gut, aber ein „zu wenig“ auch nicht. Was haben Sie gegen „zu wenig“ ?

Ich beschreibe dies mit dem Satz: „Manche leben so vorsichtig und langweilig, die sterben fast wie neu“. Es gibt tatsächlich Menschen, bei denen läuft das ganze Leben nach dem gleichen Schema ab. Während Jahrzehnten. Möglichst ruhig, möglichst immer an denselben Ort in die Ferien usw.! Und dieses zu wenig kann irgendwann auch zum Gefühl führen, das Leben verpasst zu haben. Ich glaube, der Mensch ist dazu geboren, unterwegs zu sein. Ich meine dies nicht geografisch. Menschen die immer nur dasselbe machen, erleben auch immer nur dasselbe. Dieses Unterwegssein macht uns zu Persönlichkeiten, die sich weiter entwickeln. Wir lernen uns dann besser kennen, wenn wir alle Sicherheiten mal verlassen. Das muss nichts Verrücktes sein. Aber wenn wir Sehnsüchte haben, können wir diese nur stillen, wenn wir die Komfortzonen unseres Lebens verlassen.

Was hat eigentlich der liebe Gott mit all dem zu tun?

Sehr viel. Denn er ist unser Schöpfer. Und als solcher hat er unheimlich viel Gutes in unsere Persönlichkeit investiert. Wenn ich von Lebensbalance rede, hat dies auch viel mit meinen Werten zu tun. Wenn ich mich an Gott orientiere, muss ich nicht dauernd meine Werte verändern. Das heißt nicht, dass sich mein Gottesbild nicht verändert. Aber die Grundwerte die bleiben. Und wenn ich so in meinem Leben von Gott begleitet werde, weiß ich mich einfach in guten Händen. Egal ob ich gerade in einer guten oder schwierigen Lebensphase bin.

Jetzt haben Sie Ihr Leben neu eingerichtet. Sie versuchen „Lebensbalance“ zu halten. Wie gelingt Ihnen das und wie groß ist die tägliche Gefahr die Balance zu verlieren?

Die Gefahr ist immer nur kurz da. Denn ich kenne nun meine Stärken und Schwächen. Ich kann über längeren Zeitraum durchaus über meinen Verhältnissen leben. Aber diese Zeiten müssen überschaubar und begrenzt sein. Wenn ich danach dann wieder meinen regelmäßigen und ausgeglichenen Lebensstil pflege, funktioniert das ganz gut. Dabei sind mir vor allem meine Zeiten mit Gott sehr wichtig. Und sollte ich doch mal zu viel von mir abverlangen, erhalte ich die Quittung in Form einer handfesten Migräne. Wenn das geschieht, weiß ich, dass ich mich wieder in die Balance bringen muss. Früher hatte ich sicher drei , vier Mal pro Monat eine Migräne. Heute habe ich das vielleicht noch in einem Jahr. Es hat sich also vieles verbessert.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch und eine migränefreie Zeit!

Die Autorin schenkt einem Gewinner ein von ihr signiertes Verlosungsexemplar. Wer also bis Mittwoch seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet nimmt an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

7 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized