Peter Gross: Wir werden älter. Vielen Dank. Aber wozu?

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Foto: Peter Gross (privat)

Dieses Buch geht uns alle sehr direkt etwas an. Wir werden immer älter, „Aber wozu?“ fragt der Autor Peter Gross. Er führt mit seinem Buch weg von den negativen Schlagzeilen des älter werdens.

Alt werden birgt ganz neue Chancen für den der gerade alt wird, aber auch für die noch jungen und dies geht weit über das gelegentliche ‚auf die Enkel aufpassen‘ hinaus. Der Autor zählt die Chancen auf, benennt sie deutlich und dadurch wird ganz offen ersichtlich, dass wir erst ganz am Anfang der Überlegungen stehen, wie reich wir gesegnet sind mit der immer größer werdenden Gruppe der Alten.

Dieses Buch geht keineswegs nur Alte etwas an. Es sollte gelesen werden, damit wir endlich von Negativdiskussionen wegkommen und unser Horizont frei wird für bislang ungeahnten Reichtum!

Herder, ISBN 978-3-451-30699-0, Preis 14,99 Euro

Peter Gross hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Peter Gross, soeben ist ihr Buch „Wir werden älter. Vielen Dank. Aber wozu?“ erschienen. Richtet sich dieses Buch an einen bestimmten Leserkreis?

Das Buch richtet sich an alle, die älter werden. Und das sind in Deutschland und überhaupt in Europa doch alle. Oder kennen Sie jemanden, der früh sterben möchte? Das gibt es doch nur in traurigen Einzelfällen. Die Steigerung der Lebenserwartung ist ein großartiger Erfolg moderner Gesellschaften. Aber wir wissen nicht so recht, was wir mit diesem Geschenk anfangen sollen.

Sie schreiben in ihrem Buch: Menschen werden heute drei Mal so alt wie noch vor 150 Jahren. Anstatt uns darüber zu freuen, überwiegen in der öffentlichen Wahrnehmung die Themen Gesundheitskosten – Dahinsiechen – gute Altersheimplätze. Warum entdecken wir keine Gründe um uns über das älter werden zu freuen?

Die Diskussion über das Altern ist hochgradig selektiv und rückt die Zumutungen des Hochbetagtendaseins einseitig in den Vordergrund. Aber selbst das hohe Alter vermag bei nachlassenden körperlichen Kräften Gedanken und Empfindungen freizusetzen, die sich ohne alt zu werden nicht erleben lassen. Früher war das Leben ein Torso, unfertig und wurde in der Mitte des Lebens vom Tod gekappt. Krieg, Pest und Cholera verkürzten ein Menschenleben auf dreißig oder vierzig Jahre.

Sie benutzen das Wort „Langlebigkeitsgesellschaft“. Sie machen nicht Angst davor, sprechen im Gegenteil sogar von Reichtum in diesem Zusammenhang. Worin besteht dieser Reichtum und warum entdecken wir ihn so schwerlich?

Die Vorzüge einer Langlebigkeitsgesellschaft sind gegenüber kurzlebigen Gesellschaften enorm. Man gewinnt Zeit, um das Leben zu bedenken und zu befrieden. Wer mit vierzig stirbt, hat diese Zeit nicht. Mit der Lebenserwartung leben nicht mehr nur zwei Generationen kurzzeitig zusammen, sondern drei, nicht selten vier. Was dieses Zusammenleben bedeutet, kann ermessen, wer als Kind seine Großeltern noch knapp gekannt hat. Die Gestalt des Lebens verändert sich, wir haben es in modernen Gesellschaften mit einer Art Hochstammkulturen zu tun, deren Vorteile nicht nur dem Naturschützer evident sind. Eine Langlebigkeitsgesellschaft erscheint mir, ein vielleicht ungewohnter Gedanke, nachhaltiger. Sie muss nicht alles neu erfinden, das Wissen bleibt länger und in größerer Vielfalt erhalten.

Eigentlich ist ihr Buch ja ein Frontalangriff auf unsere „immer schneller – immer höher – immer weiter“ Lebenseinstellung – warum fehlt da eigentlich das „immer älter?“

Das Älterwerden unserer Gesellschaft erzwingt ihre Verlangsamung. Das Nachlassen der körperlichen Möglichkeiten steht unserer Gesellschaft entgegen, die sich als Kraftmaschine präsentiert und seit der Industrialisierung die Kraft prämiert und die Ruhe und Genügsamkeit verachtet. Altern bringt eine rezessive Dynamik in Gang, die nicht auf Appellen und „Empört-Euch-Rufen“ baut, sondern auf die Tatsache einer nun noch europäischen, freilich bald weltweiten Alterung. Einer Alterung, die einhergeht mit einem Rückgang der Kinderzahlen. Zum Glück, wenn man an das Schicksal der Kinder denkt, die jeden Tag in großer Zahl verhungern.

Was wünschen Sie sich, was soll ihr Buch mit dem Leser anstellen?

Das Buch enthält, darum der Untertitel „Vier Annäherungen“ unfertige und tastende Vorüberlegungen für eine Sinngebung eines in zwei Jahrhunderten gewachsenen Lebensabschnittes. Es will den Leser anspornen, die Annäherungen weiterzudenken. Vom Generationenverhältnis bis zum epochalen Sinn des Alterns. Ich selber bin in diesen Lebensabschnitt gekommen und mache mit meinem neuen „Lebensabschnittspartner“ manchmal deprimierende, meist aber aufregende Erfahrungen. Viktor Frankl, der österreichische Logotherapeut hat einmal sinngemäß gesagt, wer um das „Warum“, also den Sinn wisse, der ertrage fast jedes „Wie“. So ist es auch mit dem Älterwerden. Wer ihm einen individuellen und eventuell sogar einen geschichtlichen Sinn abzugewinnen vermag, und sich selber als sinnvollen Teil eines großen Ganzen sieht, erträgt
guten Mutes auch das manchmal leidvolle und ärgerliche „Wie“ des Alterns.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Der Autor stellt unserem Blog ein von ihm signiertes Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis Sonntag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Peter Gross: Wir werden älter. Vielen Dank. Aber wozu?

  1. Esther M.

    Klingt nach einem wertvollen Beitrag zur Demografie-Debatte. Ich hüpfe in den Lostopf! 🙂

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